Übungsaufgaben zu Veränderungsprozessen

https://bildung.social/@oerinformatik/

https://oer-informatik.de/veraenderungsprozesse-uebungsaufgaben

Change Management, Widerstand, Veränderungskurve, Workshop, Betriebsrat, Einführungsstrategie, Parallelbetrieb, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (ca. 70 min Lese- und Bearbeitungszeit): Vier Übungsaufgaben zum Begleiten von Veränderungen: Aussagen aus einem Teamgespräch den Ursachen von Widerstand zuordnen und gezielte Maßnahmen vorschlagen, Einführungsstrategien zuordnen und vergleichen, englische Tipps zur Einführung einer Software auswerten, einen Ablaufplan den Phasen eines Veränderungsprozesses zuordnen und auf Schwächen prüfen, die Mitbestimmung des Betriebsrats beurteilen, eine Infomail an die Belegschaft verfassen, eine Workshop-Agenda entwerfen und Aussagen der Veränderungskurve zuordnen. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Veränderungsprozesse begleiten.

Hinweise zur Bearbeitung: Bis zur Teil-1-Prüfung der IT-Berufe solltest Du die Basiskompetenz beherrschen, also Aufgabe 1.1 und Aufgabe 1.2. Als FIDP oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1 und Aufgabe 2.2. Bearbeite die Teilaufgaben schriftlich, bevor Du die Beispiellösung aufklappst. Bei Fragen nach Maßnahmen, Schwachstellen, Agenden und Texten sind auch andere sinnvolle Antworten richtig.

Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?

Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.

Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Veränderungsprozesse begleiten“.

Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.

Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/veraenderungsprozesse
- https://oer-informatik.de/stakeholderanalyse
- https://oer-informatik.de/ki-einsatz
- https://oer-informatik.de/englische-fachtexte
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/veraenderungsprozesse-uebungsaufgaben

Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Change Management
- Widerstand
- Veränderungskurve
- Workshop
- Betriebsrat
- Einführungsstrategie
- Parallelbetrieb

Kompetenzstufe: Basiskompetenz (alternativ: Kernkompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan

Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
   abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
   zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
   Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
   Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
   Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
   danach frage.

Aufgabe 1.1: Tablets statt Auftragsmappe in der Fahrradwerkstatt (Basiskompetenz)

Im Projekt „Lager 4.0“ der CSB-Rad GmbH in Bielefeld sollen die neun Beschäftigten der Werkstatt künftig mit Tablets und einer digitalen Auftragsmappe arbeiten. Bisher hängen ausgedruckte Auftragszettel an jedem Rad, Ersatzteile werden auf dem Zettel notiert. Werkstattleiter Bastian Ludwig hat das Vorhaben in der Teamrunde angesprochen und bittet Dich, das Gespräch auszuwerten. Du hast diese Aussagen mitgeschrieben:

  1. „Ich schreibe seit 22 Jahren mit Kuli auf den Zettel, und es ist noch nie ein Auftrag verloren gegangen.“

  2. „Mit Handschuhen und öligen Fingern treffe ich auf dem Bildschirm doch keine Taste. Und wenn ich mich vertippe, ist der Auftrag weg.“

  3. „Am Ende sieht der Chef auf die Minute, wie lange ich für einen Schlauchwechsel brauche.“

  4. „Wenn das Tablet die Teile selbst nachbestellt, braucht ihr mich im Lager bald nicht mehr.“

  5. „Als das neue Kassensystem kam, haben wir einen Monat lang jeden Verkauf doppelt eingetragen. Das tue ich mir nicht noch mal an.“

  6. „Davon höre ich heute zum ersten Mal. Warum hat uns vorher keiner gefragt?“

  1. Ordne jeder Aussage die Ursache für den Widerstand zu, die am besten passt. Eine Ursache bleibt übrig. (3 Punkte)
  1. Gewohnheit: bewährte Abläufe sollen bleiben · (B) Sorge, mit dem neuen Werkzeug nicht zurechtzukommen · (C) Angst, dass die eigene Leistung kontrolliert wird · (D) Angst um den Arbeitsplatz oder die eigene Aufgabe · (E) schlechte Erfahrungen mit einer früheren Umstellung · (F) fehlende oder zu späte Information und Beteiligung · (G) Verlust von Status als Expert*in im Team
Aussage 1 2 3 4 5 6
Ursache

1 – A, 2 – B, 3 – C, 4 – D, 5 – E, 6 – F (je 0,5 Punkte). Ursache (G) bleibt übrig.

Bei Aussage 4 ist (G) als Zweitnennung vertretbar, wenn Du begründest, dass die Person ihre Rolle als „die, die das Lager im Kopf hat“ verliert. Im Vordergrund steht aber die Sorge, nicht mehr gebraucht zu werden.

  1. Bastian Ludwig möchte zuerst auf die Aussagen 2, 3 und 6 eingehen. Schlage für jede dieser Aussagen eine Maßnahme vor, die genau an der jeweiligen Ursache ansetzt. (3 Punkte)

Je passender Maßnahme 1 Punkt, z. B.:

  • Aussage 2 (Bedienung): Robuste Tablets mit Halterung an der Werkbank und Eingabestift auswählen und die Mechaniker*innen vorher testen lassen; in einer Übungsumgebung Testaufträge anlegen, bei denen ein Fehler nichts kaputtmacht; zeigen, dass jeder Eintrag sofort gespeichert wird.

  • Aussage 3 (Kontrolle): offenlegen, welche Daten die Auftragsmappe speichert und wer sie sehen darf; mit dem Betriebsrat schriftlich festhalten, dass keine Auswertung von Arbeitszeiten einzelner Personen erfolgt.

  • Aussage 6 (Information und Beteiligung): das ganze Team jetzt ausführlich über Gründe, Zeitplan und Folgen informieren, offene Fragen sammeln und Mechaniker*innen in eine kleine Arbeitsgruppe holen, die Masken und Ablauf mitgestaltet.

  1. Widerstand ist auch eine Informationsquelle. Erläutere, welchen Hinweis Aussage 5 für die Planung der Umstellung in der Werkstatt enthält. (2 Punkte)

Aussage 5 zeigt, dass ein langer Parallelbetrieb im Team als belastend erlebt wurde: Alles doppelt einzutragen kostete Zeit und Geduld (1 Punkt). Für die Planung heißt das z. B.: einen Parallelbetrieb höchstens kurz und mit festem Enddatum ansetzen, lieber mit einer kleinen Pilotgruppe beginnen, für die Umstellungszeit ausdrücklich Arbeitszeit einplanen und die damalige Erfahrung im Team offen ansprechen (1 Punkt).

  1. Ordne die Beschreibungen den Einführungsstrategien zu: (A) Stichtagsumstellung, (B) Parallelbetrieb, (C) stufenweise Einführung, (D) Pilotbetrieb. (3 Punkte)
Beschreibung Strategie
1. Zuerst arbeiten nur zwei Mechaniker*innen vier Wochen lang mit Tablets, danach alle.
2. Ab dem 1. März gibt es nur noch die digitale Auftragsmappe.
3. Im ersten Monat wird nur die Auftragsannahme digital erfasst, im zweiten Monat kommen Ersatzteile hinzu, im dritten die Abnahme.
4. Zwei Wochen lang werden alle Aufträge auf Papier und am Tablet geführt.
5. Diese Strategie ist am schnellsten und vermeidet Doppelarbeit, hat aber das größte Risiko.
6. Bei dieser Strategie lassen sich die Ergebnisse von altem und neuem Verfahren direkt vergleichen.

1 – D, 2 – A, 3 – C, 4 – B, 5 – A, 6 – B (je 0,5 Punkte).

Aufgabe 1.2: Neue Planungssoftware für das Orga-Team eines Barcamps (Basiskompetenz)

Am Ratz und Rübe Berufskolleg in Bielefeld organisiert ein Team aus Lehrkräften und Auszubildenden das Barcamp „Lernen.Digital.Leben 2027“. Bisher wurde mit mehreren Tabellen, E-Mails und Papierlisten geplant. Jetzt soll eine gemeinsame Planungssoftware eingeführt werden. Einige im Team sind genervt: „Schon wieder ein neues Programm.“ Dimitrios Papadopoulos, der die Orga leitet, schickt Dir einen Auszug aus der englischsprachigen Hilfeseite des Softwareanbieters:

Rolling out the planner in a volunteer team

Start small: choose one job your team finds annoying today, for example booking rooms, and move only this job into the planner. Ask two or three people who enjoy trying new things to become “planner buddies”. They set up the first boards a week before everyone else and answer quick questions later on. Skip the long slide presentation and run a 30-minute hands-on session instead, in which every team member creates one real entry. Then fix a switch date: from that day on, the old spreadsheet can still be opened but no longer edited, so nobody has to keep two lists up to date. Two weeks later, ask the team what still bothers them and solve the three biggest problems first. Share small wins, like the first week without a room booked twice.

  1. Prüfe, ob die folgenden Aussagen laut Text richtig oder falsch sind. (2 Punkte)
Aussage richtig falsch
1. Alle Planungsaufgaben sollen am ersten Tag gemeinsam in die Software übernommen werden.
2. Einige Freiwillige richten die Software vor den anderen ein und helfen später bei Fragen.
3. Die Einführung beginnt mit einem ausführlichen Vortrag über alle Funktionen.
4. Ab dem Umstellungstag kann die alte Tabelle nur noch gelesen werden.

Je richtige Einordnung 0,5 Punkte:

  1. falsch – zuerst wandert nur eine einzige Aufgabe in die Software („start small“),

  2. richtig – die „planner buddies“ richten die ersten Boards eine Woche früher ein,

  3. falsch – statt eines Vortrags gibt es eine halbe Stunde praktisches Ausprobieren,

  4. richtig – die alte Tabelle lässt sich öffnen, aber nicht mehr bearbeiten.

  1. Wähle zwei Empfehlungen aus dem Text aus und erkläre jeweils, welche Ursache für Widerstand sie entschärfen. (4 Punkte)

Je Empfehlung 1 Punkt für die sinngemäße Wiedergabe auf Deutsch und 1 Punkt für eine passende Ursache mit kurzer Erklärung, z. B.:

  • Mit einer einzigen Aufgabe beginnen: Niemand muss alles auf einmal lernen; das nimmt die Sorge, überfordert zu sein, und das Gefühl „schon wieder ein neues Programm“.

  • „Planner buddies“ aus dem Team: Fragen beantworten Kolleg*innen direkt und auf Augenhöhe; das hilft gegen die Unsicherheit, mit dem Werkzeug nicht zurechtzukommen.

  • Kurze Praxisrunde mit einem echten Eintrag: Jede*r hat gleich zu Beginn ein Erfolgserlebnis; Zweifel an den eigenen Fähigkeiten werden kleiner.

  • Alte Tabelle ab dem Umstellungstag schreibgeschützt: Doppelte Listen und die damit verbundene Mehrarbeit fallen weg; gleichzeitig kann niemand still beim alten Verfahren bleiben.

  • Nach zwei Wochen nachfragen und die größten Ärgernisse zuerst lösen: Die Beteiligten merken, dass ihre Rückmeldungen zählen; das wirkt gegen das Gefühl, übergangen zu werden.

  • Kleine Erfolge zeigen: Der Nutzen wird sichtbar; das entkräftet Zweifel, ob sich die Umstellung lohnt.

  1. Im Orga-Team zeigen sich unterschiedliche Reaktionen. Ordne zu, ob es sich um aktiven oder passiven Widerstand handelt. (2 Punkte)
Verhalten aktiv passiv
1. Ein Kollege trägt seine Aufgaben weiter nur in seine eigene Tabelle ein und schweigt in den Besprechungen.
2. Eine Kollegin widerspricht im Teamtreffen und zählt auf, was die Software ihrer Meinung nach nicht kann.
3. Ein Kollege erzählt in der Pause herum, die Software werde nur eingeführt, um zu kontrollieren, wer wie viel arbeitet.
4. Eine Kollegin meldet sich zur Schulung an, erscheint aber zweimal nicht.

1 – passiv (Weiterarbeiten mit dem alten Verfahren, Schweigen), 2 – aktiv (Widerspruch), 3 – aktiv (Gerüchte streuen), 4 – passiv (Ausweichen, Fernbleiben). Je richtige Zuordnung 0,5 Punkte.

Der offene Widerspruch in 2 ist für die Planung hilfreich: Die genannten Schwächen lassen sich prüfen und, wenn sie zutreffen, vor dem Start beheben.

  1. Das Orga-Team folgt dem Rat aus dem Text und beginnt mit der Raumplanung; Sessionplan und Check-in kommen später dazu. Der Text kombiniert zwei Einführungsstrategien. Benenne beide und beschreibe für jede einen Vorteil für das Orga-Team. (4 Punkte)
  • Stufenweise Einführung (nach Aufgaben bzw. Modulen: zuerst Raumplanung, dann Sessionplan und Check-in) (1 Punkt). Vorteil (1 Punkt), z. B.: Das Team lernt die Software Schritt für Schritt kennen; Fehler betreffen zunächst nur die Raumplanung, und die Erfahrungen fließen in die nächsten Stufen ein.

  • Stichtagsumstellung je Stufe („switch date“, danach ist die alte Tabelle schreibgeschützt) (1 Punkt). Vorteil (1 Punkt), z. B.: klare Verhältnisse, keine zwei Listen, die auseinanderlaufen, und keine Doppelarbeit.

Statt der Stichtagsumstellung ist auch Pilotbetrieb als zweite Strategie vertretbar, wenn Du ihn mit den „planner buddies“ begründest, die eine Woche vor allen anderen mit der Software arbeiten.

Aufgabe 2.1: Ein Ticketsystem für den Kundenservice einführen (Kernkompetenz)

Bei der CSB-Rad GmbH landen Kundenanfragen bisher in einem gemeinsamen Postfach, Anrufe werden auf Notizzetteln festgehalten, und Reklamationen gibt der Kundenservice per Zuruf an die Werkstatt weiter. Im Oktober blieben 37 Anfragen länger als drei Werktage unbeantwortet, mehrere Kund*innen meldeten sich deshalb doppelt. Geschäftsführerin Sophie Bertram startet das Projekt „Servicedesk“: Jede Anfrage wird künftig zu einem Ticket mit Nummer, Status und zuständiger Person, Reklamationen gehen als Ticket direkt an die Werkstatt. Das Ticketsystem protokolliert, wer welches Ticket wann bearbeitet hat. Den Kundenservice leitet Jelena Marković, die zugleich Vorsitzende des dreiköpfigen Betriebsrats ist. Du begleitest das Vorhaben im Change Management. Die Projektleitung hat diesen Ablaufplan entworfen:

Nr. Zeitraum geplanter Schritt Phase
1 KW 46/2026 Die Oktober-Anfragen werden ausgewertet; Sophie Bertram und Cem Sarıkaya beschließen, den Kundenservice neu aufzustellen, und gewinnen Jelena Marković für das Projekt.
2 KW 47 Ziel festlegen (90 % aller Anfragen innerhalb eines Werktags beantwortet) und drei Ticketsysteme vergleichen.
3 KW 48 Entscheidung für ein Ticketsystem; Einführung zuerst im Kundenservice, danach in der Werkstatt.
4 KW 50 Infoveranstaltung für Kundenservice und Werkstatt; Workshop, in dem das Team Kategorien und Textbausteine festlegt.
5 KW 2/2027 Zwei Beschäftigte des Kundenservice bearbeiten alle E-Mail-Anfragen testweise im Ticketsystem.
6 KW 3 Der Betriebsrat wird über das Ticketsystem informiert.
7 KW 5 Stichtag: Alle Anfragen laufen nur noch über das Ticketsystem.
8 KW 7 Schulung für die übrigen Beschäftigten im Kundenservice und in der Werkstatt.
9 KW 10 Antwortzeiten und Rückmeldungen auswerten, Textbausteine überarbeiten, Ergebnis im Team vorstellen.
10 KW 14 Das alte Postfach abschalten und eine Einarbeitungsunterlage für neue Beschäftigte erstellen.
  1. Ordne jedem Schritt eine der fünf Phasen eines Veränderungsprozesses zu (Initialisierung, Konzeption, Mobilisierung, Umsetzung, Verstetigung). (5 Punkte)

Je richtige Zuordnung 0,5 Punkte:

Nr. Phase kurz begründet
1 Initialisierung Bedarf erkannt, Promotor*innen gewonnen
2 Konzeption Ziel gesetzt, Lösungen verglichen
3 Konzeption Lösung und Einführungsstrategie festgelegt
4 Mobilisierung informieren, beteiligen
5 Umsetzung Pilotbetrieb
6 Mobilisierung Betriebsrat einbinden (steht aber zu spät, siehe b)
7 Umsetzung Umstellung
8 Umsetzung Schulung (Qualifizierung planen wäre Mobilisierung; als Mobilisierung ebenfalls vertretbar)
9 Verstetigung Ergebnisse messen und bekannt machen
10 Verstetigung alten Weg abschalten, Wissen sichern
  1. Der Ablaufplan hat Schwächen in der Reihenfolge. Nenne zwei Schwachstellen und beschreibe jeweils, wie Du den Plan änderst. (4 Punkte)

Je Schwachstelle 1 Punkt und je passende Änderung 1 Punkt, z. B.:

  • Betriebsrat zu spät (Schritt 6): Er wird erst informiert, nachdem der Testbetrieb schon läuft. Nach § 90 BetrVG ist er bereits bei der Planung zu unterrichten, und weil das System protokolliert, wer was bearbeitet, braucht schon der Testbetrieb seine Zustimmung. Änderung: Betriebsrat in KW 47/48 bei Auswahl und Konzept einbinden und die Betriebsvereinbarung vor KW 2 abschließen.

  • Schulung nach dem Stichtag (Schritt 8): Die meisten Beschäftigten müssen zwei Wochen lang ohne Schulung mit dem neuen System arbeiten; Fehler, Frust und Widerstand sind absehbar. Änderung: Schulung in KW 3/4 vor den Stichtag legen; die beiden Pilot-Beschäftigten helfen als Multiplikator*innen.

  • Keine Auswertung des Pilots: Zwischen Testbetrieb und Stichtag ist keine Auswertung vorgesehen. Änderung: in KW 4 Erfahrungen der Pilotgruppe auswerten und den Stichtag nur bestätigen, wenn die größten Probleme gelöst sind.

  • Werkstatt im Pilot nicht vertreten: Getestet werden nur E-Mail-Anfragen, der Weg der Reklamationen in die Werkstatt nicht. Änderung: eine Person aus der Werkstatt in den Pilot aufnehmen und auch Anrufe und Reklamationen testen.

  1. Sophie Bertram meint: „Der Betriebsrat muss nicht zustimmen. Das Ticketsystem soll Kundenanfragen ordnen, nicht unsere Leute überwachen.“ Geplant sind unter anderem diese Funktionen:
  1. Kund*innen sehen in ihrem Kundenkonto den Bearbeitungsstand ihres Tickets.
  2. Eine Übersicht zeigt je beschäftigter Person die Zahl der erledigten Tickets und die durchschnittliche Bearbeitungsdauer.
  3. Neue Tickets werden anhand von Stichwörtern automatisch einer Kategorie zugeordnet.

Beurteile Sophie Bertrams Aussage und nenne zwei Punkte, die in einer Betriebsvereinbarung zum Ticketsystem geregelt werden sollten. (5 Punkte)

Beurteilung (3 Punkte): Die Aussage trifft nicht zu. Nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG kommt es nicht darauf an, wofür das System gedacht ist, sondern ob es geeignet ist, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen. Funktion 2 wertet die Leistung einzelner Personen sogar ausdrücklich aus. Aber auch ohne diese Übersicht hält das System fest, wer welches Ticket wann bearbeitet hat; schon das genügt. Funktion 1 und 3 betreffen dagegen den Umgang mit den Anfragen und sind für sich genommen keine Leistungsauswertung. Das Ticketsystem darf also nur mit Zustimmung des Betriebsrats eingeführt werden; außerdem ist er nach § 90 BetrVG frühzeitig zu unterrichten.

Regelungen (2 Punkte, je 1 Punkt), z. B.:

  • welche Bearbeitungsdaten protokolliert und wie lange sie gespeichert werden,

  • wer Auswertungen sehen darf (z. B. nur die Teamleitung, nur für das ganze Team),

  • dass Funktion 2 nur zusammengefasst für das Team genutzt wird und keine Leistungsvergleiche einzelner Personen oder arbeitsrechtlichen Maßnahmen auf diese Daten gestützt werden,

  • wie neue Funktionen oder Auswertungen künftig abgestimmt werden.

  1. Erläutere für den Kundenservice und für die Werkstatt, welche Aufgaben durch das Ticketsystem wegfallen, sich verändern oder neu hinzukommen. (4 Punkte)

Je Bereich 2 Punkte, z. B.:

  • Kundenservice: Es entfällt, das gemeinsame Postfach nach unbeantworteten Mails abzusuchen, Notizzettel weiterzureichen und zu klären, wer sich gerade kümmert. Anfragen werden jetzt aus einer Ticketliste übernommen und mit Textbausteinen beantwortet. Neu ist, Tickets zu kategorisieren, den Status aktuell zu halten, Reklamationen an die Werkstatt weiterzuleiten und die Textbausteine zu pflegen.

  • Werkstatt: Die Übergabe von Reklamationen per Zuruf und die Rückfragen nach fehlenden Angaben fallen weg; Reklamationen kommen als Ticket mit Bestellnummer und Fotos an. Neu ist, Befund und Ergebnis im Ticket einzutragen, damit der Kundenservice der Kundschaft ohne Nachfrage Auskunft geben kann.

  1. Sophie Bertram bittet Dich, die Beschäftigten in Kundenservice und Werkstatt vor der Infoveranstaltung (Schritt 4) per E-Mail über das Vorhaben zu informieren. Verfasse diese Infomail. Sie soll den Anlass erklären, mindestens zwei Vorteile für die Beschäftigten nennen, auf den Umgang mit den Bearbeitungsdaten eingehen und zur Mitarbeit einladen. (8 Punkte)

Bewertung: Anlass und Ziel verständlich erklärt (2 Punkte), mindestens zwei Vorteile aus Sicht der Beschäftigten (2 Punkte), ehrlicher Umgang mit den Bearbeitungsdaten und Hinweis auf den Betriebsrat (2 Punkte), konkrete Einladung zur Mitarbeit mit Termin oder Ansprechperson (2 Punkte). Ein Beispiel:

Betreff: Projekt „Servicedesk“: Wir ordnen unsere Kundenanfragen neu – macht mit!

Hallo zusammen,

im Oktober sind 37 Kundenanfragen länger als drei Werktage liegen geblieben. Das liegt nicht an Euch, sondern daran, dass im gemeinsamen Postfach und auf Notizzetteln schnell etwas untergeht. Deshalb wollen wir ab dem Frühjahr ein Ticketsystem nutzen: Jede Anfrage bekommt eine Nummer, einen Status und eine zuständige Person.

Was habt Ihr davon?

  • Ihr seht auf einen Blick, wer sich um welche Anfrage kümmert; doppelte Antworten und die Suche im Postfach fallen weg.
  • Reklamationen kommen in der Werkstatt mit allen Angaben an, Nachfragen über den Flur werden seltener.
  • Kund*innen sehen ihren Bearbeitungsstand selbst, es gibt also weniger „Wo bleibt mein Rad?“-Anrufe.

Das System hält fest, wer welches Ticket bearbeitet hat. Deshalb ist der Betriebsrat von Anfang an dabei, und wir regeln gemeinsam in einer Betriebsvereinbarung, wer welche Daten sehen darf. Leistungsvergleiche einzelner Personen wird es nicht geben.

Am Mittwoch, 9. Dezember, um 14 Uhr stellen wir das Vorhaben im Pausenraum vor. Danach legen wir im Workshop gemeinsam fest, welche Kategorien und Textbausteine Ihr braucht. Außerdem suchen wir zwei Kolleg*innen aus dem Kundenservice und eine Person aus der Werkstatt, die das System im Januar als Erste ausprobieren. Meldet Euch gern bei mir.

Viele Grüße
(Dein Name), Projekt „Servicedesk“

Aufgabe 2.2: KI-gestützte Moderation in einer Freizeit-App einführen (Kernkompetenz)

Die Let’s Meet GmbH in Bielefeld betreibt eine App für gemeinsame Freizeitaktivitäten. Im Projekt „Moderation 2027“ soll ein externer KI-Dienst neue Aktivitäten, Fotos und Meldungen vorab bewerten: Eindeutig Unbedenkliches wird sofort freigegeben, Grenzfälle gehen an das Moderationsteam. Bisher prüft das Team um Teamleiterin Birgit Sommer mit drei Moderator*innen in Teilzeit jede Aktivität selbst. Die Zahl der Aktivitäten wird sich im nächsten Jahr voraussichtlich verdoppeln, die Freigabe soll aber weiterhin innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Im Team gibt es Unruhe. Geschäftsführerin Clara Neumann bittet Dich, die Einführung zu begleiten.

  1. Entwirf eine Agenda für einen 90-minütigen Workshop mit Birgit Sommer und den drei Moderator*innen. Gib für mindestens vier Agendapunkte die Dauer, den Inhalt und den Zweck an, den Du damit verfolgst. (8 Punkte)

Je Agendapunkt 2 Punkte: 1 Punkt für einen konkreten Inhalt mit plausibler Dauer, 1 Punkt für einen dazu passenden Zweck. Die Dauern ergeben zusammen höchstens 90 Minuten. Ein Beispiel:

Dauer Inhalt Zweck
10 min Begrüßung, Ablauf, Spielregeln: Alle Fragen sind erlaubt, heute wird nichts entschieden. Sicherheit geben, offene Gesprächsatmosphäre schaffen
15 min Clara Neumann stellt „Moderation 2027“ vor: erwartete Verdopplung der Aktivitäten, Freigabe in 24 Stunden, was der KI-Dienst übernehmen soll und was nicht. Anlass und Rahmen nachvollziehbar machen, Gerüchten vorbeugen
20 min Vorführung: Die Testversion bewertet zehn anonymisierte Grenzfälle der letzten Woche, das Team vergleicht mit den eigenen Entscheidungen. Stärken und Schwächen des Dienstes realistisch zeigen, eigene Erfahrung ermöglichen
25 min Kartenabfrage in zwei Runden: „Was macht mir Sorgen?“ und „Welche Fälle darf die KI nie allein entscheiden?“ Bedenken sichtbar machen, Praxiswissen für die Regeln des KI-Dienstes sammeln
15 min Nächste Schritte: Wer arbeitet in der Pilotphase mit? Bis wann werden die offenen Fragen beantwortet? Beteiligung verbindlich machen, Multiplikator*innen gewinnen
5 min Blitzlicht: ein Satz pro Person zur eigenen Stimmung Haltung im Team einschätzen, offene Punkte erkennen
  1. Im Workshop fallen die folgenden Aussagen. Ordne jeder Aussage eine Phase der Veränderungskurve zu und erläutere, wie Du in dieser Phase reagierst. (6 Punkte)
  1. „Eine KI soll unsere Arbeit machen? Davon hat uns niemand etwas gesagt!“
  2. „Das brauchen wir nicht. Wir schaffen die Freigaben doch auch jetzt.“
  3. „Ich habe gestern die Testversion ausprobiert. Bei einigen Fotos lag sie daneben, aber das konnte ich direkt korrigieren.“

Je Aussage 1 Punkt für die Phase und 1 Punkt für eine passende Reaktion:

  1. Schock: ehrlich und vollständig informieren, Zeit zum Verarbeiten geben, nachfragen, was die größte Sorge ist; künftig früher informieren.

  2. Verneinung: Zahlen zeigen (Verdopplung der Aktivitäten, Wartezeiten), Folgen des Ist-Zustands verdeutlichen, zuhören und Gegenargumente ernst nehmen.

  3. Ausprobieren: ermutigen, Testumgebung und Ansprechperson bereitstellen, Fehler der KI systematisch sammeln und an den Anbieter melden, Erfolge sichtbar machen.

  1. Clara Neumann fragt, ob der Betriebsrat (Vorsitzender Amir Rahimi) beteiligt werden muss, obwohl der KI-Dienst „nur Inhalte prüft und keine Beschäftigten“. Begründe Deine Antwort. (4 Punkte)

Ja (1 Punkt). Nach § 90 BetrVG muss der Arbeitgeber den Betriebsrat rechtzeitig über die Planung von Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufen unterrichten und die Auswirkungen auf die Beschäftigten mit ihm beraten; der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist dort ausdrücklich genannt. Die Arbeit des Moderationsteams ändert sich grundlegend (1,5 Punkte). Außerdem protokolliert das neue System, wer im Team welchen Grenzfall wann entschieden hat. Es ist damit geeignet, Verhalten und Leistung zu überwachen, sodass ein Mitbestimmungsrecht nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG besteht (1,5 Punkte).

  1. Zur Auswahl stehen eine Stichtagsumstellung zum 1. Februar, ein Parallelbetrieb (KI bewertet, das Team prüft trotzdem alles) und ein Pilotbetrieb für die Kategorie „Wandern und Draußen“. Vergleiche die drei Strategien für dieses Vorhaben und empfiehl begründet eine davon. (6 Punkte)

Vergleich (je Strategie 1 Punkt):

  • Stichtagsumstellung: schnell und ohne Doppelarbeit; bewertet die KI aber falsch (z. B. gefährliche Treffpunkte oder unpassende Fotos werden freigegeben), sind sofort alle Nutzenden betroffen, und das Team hat keine Erfahrung mit dem neuen Ablauf.

  • Parallelbetrieb: sehr sicher, weil das Team weiter alles prüft und die KI-Bewertungen mit den eigenen vergleichen kann; aber keine Entlastung, im Gegenteil Mehrarbeit, und das eigentliche Ziel (Freigabe in 24 h bei doppelter Menge) wird nicht erreicht.

  • Pilotbetrieb: realistischer Test in einer überschaubaren Kategorie; Fehler betreffen nur einen Teil der Inhalte, das Team sammelt Erfahrungen und kann die Regeln nachschärfen; dafür laufen eine Zeit lang zwei Verfahren nebeneinander.

Empfehlung (3 Punkte), z. B.: Pilotbetrieb, eventuell in den ersten zwei Wochen der Pilotkategorie mit paralleler Prüfung durch das Team. Begründung: Fehlentscheidungen können Nutzende gefährden und das Vertrauen in die App beschädigen, deshalb ist eine Stichtagsumstellung zu riskant. Der Pilot entlastet das Team trotzdem schon teilweise, macht die Moderator*innen zu Expert*innen für den neuen Ablauf und liefert Zahlen, mit denen die Ausweitung begründet werden kann. Andere gut begründete Empfehlungen sind ebenfalls richtig.

  1. Beschreibe zwei Maßnahmen, mit denen die neue Arbeitsweise nach der Einführung dauerhaft verankert wird. (4 Punkte)

Je beschriebene Maßnahme 2 Punkte, z. B.:

  • Ergebnisse messen und bekannt machen (Freigabezeit, Anteil korrigierter KI-Entscheidungen, Belastung des Teams), damit der Nutzen für alle sichtbar wird.

  • Feste Feedbackrunden, in denen das Team Fehlbewertungen der KI sammelt; die Regeln werden mit dem Anbieter regelmäßig angepasst.

  • Den alten Ablauf (Prüfung jeder Aktivität durch das Team) offiziell abschalten und die Arbeitsanweisungen und Einarbeitungsunterlagen für neue Moderator*innen aktualisieren.

  • Weiterbildung des Teams, z. B. zur Bewertung schwieriger Grenzfälle, damit die neue Rolle als Aufwertung erlebt wird.


Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)

Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Übungsaufgaben zu Veränderungsprozessen” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/veraenderungsprozesse-uebungsaufgaben veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/betriebswirtschaft/geschaeftsprozesse. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 28.10.2026.

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