Übungsaufgaben zur Kryptografie: Verschlüsselung, Signatur, Zertifikate und Passwörter

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https://oer-informatik.de/kryptografie-uebungsaufgaben

Kryptografie, Hybride Verschlüsselung, TLS, Zertifikat, Digitale Signatur, Hashfunktion, HMAC, Passwort-Hashing, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 241 min, mehrere Aufgaben): Acht Übungsaufgaben zu symmetrischer, asymmetrischer und hybrider Verschlüsselung, TLS und Zertifikaten, Hashfunktionen, digitaler Signatur und HMAC, Codesignierung und dem sicheren Speichern von Passwörtern, Datenträgerverschlüsselung, SSH-Schlüsseln, elektronischer Signatur, Blockchain, TLS-Handshake, Zertifikatsfehlern, TLS-Inspection und dem Betrieb einer PKI – mit Rechen-, Ergänzungs-, Zuordnungs- und Stellungnahme-Aufgaben auf drei Kompetenzstufen. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Kryptografie: symmetrisch, asymmetrisch, hybrid – mit Hash, Signatur und Zertifikat.

Mindmap: Überblick über die Themen der Übungsaufgaben – Schutzziele, Verschlüsselung, Hashfunktionen, digitale Signatur, Zertifikate und PKI sowie Anwendungen der Kryptografie (mit KI erstellt)

Hinweise zur Bearbeitung: Bis zur Teil-1-Prüfung der IT-Berufe solltest Du die Basiskompetenz beherrschen, also Aufgabe 1.1 und Aufgabe 1.2. Als FIA, FISY, FIDP, FIDV, ISE, IKS oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1, Aufgabe 2.2 und Aufgabe 2.3. Von FISY wird zusätzlich erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1, Aufgabe 3.2 und Aufgabe 3.3) keine Probleme bereiten. Achte auf den Operator: „Nennen“ verlangt nur Begriffe, „Beschreiben“ einen zusammenhängenden Sachverhalt, „Erläutern“ zusätzlich Gründe oder ein Beispiel, „Stellung nehmen“ eine begründete eigene Position. Schreib Deine Antwort zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst. Andere fachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.

Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?

Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.

Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Kryptografie: Verschlüsselung,
Signatur, Zertifikate und Passwörter“.

Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.

Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/kryptografie
- https://oer-informatik.de/tls-pki-betrieb
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/kryptografie-uebungsaufgaben

Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Kryptografie
- Hybride Verschlüsselung
- TLS
- Zertifikat
- Digitale Signatur
- Hashfunktion
- HMAC
- Passwort-Hashing

Kompetenzstufe: Kernkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan

Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
   abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
   zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
   Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
   Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
   Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
   danach frage.

Aufgabe 1.1: Einwilligungen sicher übermitteln und archivieren (Basiskompetenz)

(ca. 16 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r im Projektteam der Mitfahr-App „RatzFahrt“ am Ratz und Rübe Berufskolleg in Bielefeld. Minderjährige Mitfahrende brauchen eine Einwilligung ihrer Erziehungsberechtigten. Bisher werfen die Eltern das unterschriebene Formular ins Postfach von Andrea Wolf (Datenschutzbeauftragte der Schule und Administratorin der App). Künftig sollen sie es als PDF per E-Mail schicken können – vertraulich. Andrea Wolf hat dafür ein Schlüsselpaar erzeugt und ihren öffentlichen Schlüssel auf der Schulwebseite veröffentlicht.

a) Kennzeichne die zwei zutreffenden Aussagen über das geplante asymmetrische Verfahren. (2 Punkte)

Aussage zutreffend?
Die Eltern brauchen vorab ein gemeinsames Geheimnis mit Andrea Wolf.
Mit dem veröffentlichten Schlüssel kann jede Person Nachrichten für Andrea Wolf verschlüsseln.
Wer den öffentlichen Schlüssel kennt, kann die verschlüsselten Formulare auch entschlüsseln.
Nur wer den privaten Schlüssel von Andrea Wolf besitzt, kann die Formulare entschlüsseln.
Das Verfahren ist schneller als eine symmetrische Verschlüsselung mit AES.

Zutreffend sind:

  • „Mit dem veröffentlichten Schlüssel kann jede Person Nachrichten für Andrea Wolf verschlüsseln.“
  • „Nur wer den privaten Schlüssel von Andrea Wolf besitzt, kann die Formulare entschlüsseln.“

Die übrigen Aussagen sind falsch: Ein gemeinsames Geheimnis ist gerade nicht nötig, der öffentliche Schlüssel entschlüsselt nicht, und asymmetrische Verfahren sind deutlich langsamer als AES. Je richtig gekennzeichneter Aussage 1 Punkt, je falsch gekennzeichneter 1 Punkt Abzug (mindestens 0 Punkte).

b) Ein Mitschüler hat für die Eltern den Entwurf einer Kurzanleitung geschrieben:

  1. Erzeugen Sie in Ihrem E-Mail-Programm ein eigenes Schlüsselpaar.
  2. Verschlüsseln Sie das ausgefüllte Formular mit Ihrem privaten Schlüssel.
  3. Schicken Sie das verschlüsselte Formular an Andrea Wolf und in einer zweiten E-Mail Ihren privaten Schlüssel, damit sie das Formular öffnen kann.

Finde die zwei fachlichen Fehler, schreib die Schritte 2 und 3 richtig auf und begründe, warum danach nur Andrea Wolf das Formular lesen kann. (5 Punkte)

  • Fehler in Schritt 2: Was mit dem privaten Schlüssel der Eltern „verschlüsselt“ wird, kann jede Person mit deren öffentlichem Schlüssel wieder lesbar machen – das ist eher eine Signatur als eine Verschlüsselung. Richtig: „Laden Sie den öffentlichen Schlüssel von Andrea Wolf von der Schulwebseite und verschlüsseln Sie das Formular damit.“ (2 Punkte)
  • Fehler in Schritt 3: Ein privater Schlüssel wird nie weitergegeben. Wer die zweite E-Mail mitliest, könnte sonst alles entschlüsseln, was für diesen Schlüssel bestimmt ist. Richtig: „Schicken Sie nur das verschlüsselte Formular an Andrea Wolf.“ (2 Punkte)
  • Begründung: Zum öffentlichen Schlüssel von Andrea Wolf passt nur ihr privater Schlüssel, und den besitzt nur sie. Damit ist die Vertraulichkeit des Formulars gesichert. (1 Punkt)

Schritt 1 ist für die Verschlüsselung gar nicht nötig; ein eigenes Schlüsselpaar brauchen die Eltern erst, wenn sie signieren wollen (siehe d). Technisch verschlüsseln E-Mail-Programme hybrid: Das PDF wird mit einem zufälligen Sitzungsschlüssel symmetrisch verschlüsselt, nur dieser wird mit Andrea Wolfs öffentlichem Schlüssel geschützt.

c) Andrea Wolf überlegt, ob es nicht einfacher wäre, die Formulare als ZIP-Archiv mit AES-Passwort schicken zu lassen. Das Passwort würde sie allen Eltern im nächsten Elternbrief mitteilen. Beurteile diesen Vorschlag im Vergleich zum geplanten Verfahren. (3 Punkte)

Erwartet wird eine begründete Ablehnung, z. B.:

  • Das ZIP-Passwort ist ein gemeinsamer symmetrischer Schlüssel für alle Familien. Wer den Elternbrief kennt – also jedes Elternteil, jede*r Schüler*in und alle, die ihn weiterleiten –, kann abgefangene Formulare anderer Familien öffnen. Geheim ist das Passwort damit nicht. (1 Punkt)
  • Ein Wechsel des Passworts erfordert einen neuen Brief an alle; ein bekannt gewordenes Passwort betrifft sofort alle bisherigen Formulare. (1 Punkt)
  • Beim asymmetrischen Verfahren darf der öffentliche Schlüssel dagegen ganz offen auf der Webseite stehen, nur Andrea Wolf kann entschlüsseln. Der Vorteil des ZIP-Archivs (kein Schlüsselpaar, mit Bordmitteln zu öffnen) wiegt das nicht auf. (1 Punkt)

d) Andrea Wolf möchte außerdem sicher sein, dass ein Formular wirklich von der Person stammt, die als Absender angegeben ist, und unterwegs nicht verändert wurde. Dafür sollen die Eltern das Formular digital signieren. Beschreibe die prinzipielle Vorgehensweise beim Erstellen und beim Prüfen der Signatur. (4 Punkte)

Erstellen (beim Elternteil, 2 Punkte):

  • Vom Formular wird ein Hashwert gebildet.
  • Der Hashwert wird mit dem privaten Schlüssel des Elternteils signiert („verschlüsselt“); die Signatur wird mit dem Formular verschickt.

Prüfen (bei Andrea Wolf, 2 Punkte):

  • Andrea Wolf prüft die Signatur mit dem öffentlichen Schlüssel des Elternteils und erhält so (vereinfacht, bei RSA) den ursprünglichen Hashwert.
  • Sie bildet selbst den Hashwert des empfangenen Formulars und vergleicht beide. Stimmen sie überein, ist das Formular unverändert und stammt vom Besitzer des privaten Schlüssels.

Hinweis: Damit Andrea Wolf weiß, dass der öffentliche Schlüssel wirklich zu diesem Elternteil gehört, braucht es ein Zertifikat oder einen Abgleich auf anderem Weg.

e) Andrea Wolf legt die entschlüsselten Formulare im Schularchiv ab. Damit sich später zeigen lässt, dass niemand eine Einwilligung nachträglich geändert hat, berechnet ein Skript zu jedem PDF den SHA-256-Hashwert und schreibt ihn in eine Liste. Ein Jahr später passt bei einem PDF der neu berechnete Hashwert nicht mehr zum Eintrag in der Liste.

Erläutere, was Andrea Wolf aus der Abweichung schließen kann und was nicht, und begründe, warum die Hashliste getrennt von den PDFs und schreibgeschützt aufbewahrt werden muss. (3 Punkte)

  • Schluss: Das PDF ist nicht mehr dasselbe wie beim Archivieren – schon ein einziges geändertes Bit ergibt einen völlig anderen Hashwert. Die Integrität dieses Formulars ist nicht mehr belegt; es darf nicht mehr als Nachweis gelten. (1 Punkt)
  • Grenze: Der Hashwert sagt nicht, was geändert wurde, wer es war und ob es Absicht oder ein Speicherfehler war. Dafür braucht es Protokolle und eine Sicherungskopie zum Vergleich. (1 Punkt)
  • Getrennte Liste: Wer PDF und Liste ändern kann, berechnet einfach den neuen Hashwert und trägt ihn ein – die Manipulation fiele nie auf. Die Liste muss deshalb an einem Ort liegen, auf den die Bearbeiter*innen der PDFs keinen Schreibzugriff haben, oder selbst signiert sein. (1 Punkt)
  1. 2 · b) 5 · c) 3 · d) 4 · e) 3 · Summe 17 Punkte

Aufgabe 1.2: Eine Sicherungsfestplatte verschlüsseln (Basiskompetenz)

(ca. 18 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der Let’s Meet GmbH in Bielefeld. Dein Mit-Azubi Jonas Weber sichert jeden Freitag die Testdatenbank der App – mit personenbezogenen Daten von Nutzenden – auf eine externe USB-Festplatte. Damit eine Kopie außer Haus liegt, nimmt er die Festplatte übers Wochenende mit nach Hause. Leiter Entwicklung Yusuf Demir verlangt, dass die Festplatte verschlüsselt wird. Jonas richtet dafür unter Linux eine Datenträgerverschlüsselung mit LUKS ein; die Festplatte wird mit einer Passphrase entsperrt.

a) Jonas hat seine Einrichtung so notiert:

Sicherungsplatte LM-BACKUP-02
- Verfahren: SHA-256, damit niemand die Daten lesen kann
- Passphrase steht auf dem Etikett der Platte, damit Kolleg*innen sie auch nutzen können
- Passphrase = mein Login-Passwort fürs Firmennetz, dann muss ich mir nichts Neues merken

Finde die drei Fehler, begründe jeweils, warum es einer ist, und schlage eine Korrektur vor. (6 Punkte)

Je Fehler 2 Punkte (Begründung 1 Punkt, Korrektur 1 Punkt):

  • SHA-256 ist eine Hashfunktion: Sie bildet nur einen Prüfwert und kann nicht entschlüsseln – die Sicherung wäre unbrauchbar. Korrektur: ein symmetrisches Verfahren wie AES (bei LUKS üblich: AES im Modus XTS); symmetrisch, weil große Datenmengen schnell ver- und entschlüsselt werden müssen.
  • Passphrase auf dem Etikett: Wer die Festplatte findet oder stiehlt, hat den Schlüssel gleich dazu; die Verschlüsselung ist wertlos. Korrektur: Passphrase getrennt von der Festplatte hinterlegen (siehe d).
  • Login-Passwort als Passphrase: Wird eines der beiden bekannt (z. B. durch Phishing), ist auch das andere offen; zudem müssten alle, die die Platte nutzen, Jonas’ Login kennen. Korrektur: eigene, lange Passphrase nur für die Sicherungsplatte.

b) Entscheide für beide Fälle, ob eine unbefugte Person an die Testdaten kommt, und begründe Deine Entscheidung. (4 Punkte)

  • ba) Jonas lässt die Tasche mit der Festplatte auf dem Heimweg im Zug liegen; die Festplatte war ausgehängt und gesperrt.
  • bb) Auf dem Sicherungsrechner läuft unbemerkt Schadsoftware, während die Festplatte eingebunden und entsperrt ist.
  • ba) Nein: Ohne Passphrase sind die Daten nur Zufallsrauschen, auch wenn jemand die Festplatte an einen anderen Rechner anschließt (Voraussetzung: Passphrase nicht notiert und ausreichend lang). (2 Punkte)
  • bb) Ja: Im entsperrten Zustand liest das System die Daten entschlüsselt; die Schadsoftware kann sie lesen, kopieren oder verändern. Deshalb die Festplatte nur für die Dauer der Sicherung einbinden und danach sofort wieder sperren. (2 Punkte)

c) Yusuf Demir meint: „Mit der Verschlüsselung sind unsere Sicherungen rundum sicher.“ Erläutere, welches Schutzziel die Verschlüsselung stärkt und warum sie die Verfügbarkeit der Sicherung sogar gefährden kann. (3 Punkte)

  • Gestärkt wird die Vertraulichkeit: Nur wer die Passphrase kennt, kann die Testdaten lesen. (1 Punkt)
  • Verfügbarkeit: Ist die Passphrase vergessen oder Jonas nicht erreichbar, oder ist der Bereich der Festplatte beschädigt, in dem LUKS die Schlüsselinformationen ablegt (LUKS-Header), kommt niemand mehr an die Sicherung – auch Let’s Meet selbst nicht. Eine verschlüsselte Sicherung braucht deshalb eine geregelte Hinterlegung der Passphrase und eine Sicherung des Headers. (2 Punkte)

d) Damit die Sicherung auch während Jonas’ Urlaub zurückgespielt werden kann, soll die Passphrase hinterlegt werden. Schlage einen Ort vor und begründe, wie er die beiden Anforderungen „getrennt von der Festplatte“ und „nur für Berechtigte zugänglich“ erfüllt. (3 Punkte)

Zum Beispiel ein gemeinsamer Tresor im Passwortmanager des Entwicklungsteams (1 Punkt):

  • getrennt: Die Passphrase liegt verschlüsselt im Passwortmanager, nicht bei der Festplatte; wer die Platte findet, hat sie nicht. (1 Punkt)
  • nur Berechtigte: Freigabe nur für Yusuf Demir und Jonas Weber, Anmeldung am Passwortmanager mit MFA, Zugriffe werden protokolliert. (1 Punkt)

Ebenfalls richtig: versiegelter Umschlag im Firmentresor mit dokumentierter Schlüsselausgabe. Ungeeignet sind Orte, die mit der Festplatte zusammen unterwegs sind (Tasche, Etikett, Notizzettel).

e) Ordne jeder Maßnahme das Schutzziel zu, das sie hauptsächlich sichert. Trage V (Vertraulichkeit), I (Integrität) oder A (Authentizität) ein. (4 Punkte)

Maßnahme Schutzziel
verschlüsselte Sicherungsfestplatte
SHA-256-Prüfsumme zu jeder Sicherungsdatei, getrennt abgelegt
Anmeldung am Git-Server mit persönlichem SSH-Schlüsselpaar
VPN-Tunnel vom Homeoffice ins Büronetz (Datenübertragung)
Maßnahme Schutzziel
verschlüsselte Sicherungsfestplatte V
SHA-256-Prüfsumme zu jeder Sicherungsdatei, getrennt abgelegt I
Anmeldung am Git-Server mit persönlichem SSH-Schlüsselpaar A
VPN-Tunnel vom Homeoffice ins Büronetz (Datenübertragung) V (zusätzlich I und A der Gegenstelle; V als Hauptziel der Verschlüsselung)

Je Zeile 1 Punkt.

  1. 6 · b) 4 · c) 3 · d) 3 · e) 4 · Summe 20 Punkte

Aufgabe 2.1: Händlerportal und Partnerschnittstellen absichern (Kernkompetenz)

(ca. 35 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r im IT-Team der CSB-Rad GmbH in Bielefeld. Das Unternehmen verkauft Fahrräder und Komponenten über einen Onlineshop und lässt Rahmen bei der Rahmenwerk OWL GmbH (Gütersloh) und gleichschließende Schlösser bei der Lipper SchließTec KG (Lemgo) individuell fertigen. Geschäftsführer Cem Sarıkaya hat Dich gebeten, die Sicherheit der Datenübertragungen zu überprüfen. Besonders schützenswert sind die Schließungscodes der Schließanlagen (z. B. VS-7Q4K2M9): Mit ihnen lassen sich passende Schlüssel nachbestellen.

a) Die 37 Fachhändler nutzen bisher das Windows-Programm „CSB-Order“, das ein früherer Dienstleister 2018 entwickelt hat. Es überträgt Bestellungen samt Schließungscodes an den Shop-Server. Im Quellcode findest Du folgende Stelle:

// Daten vor dem Senden "verschlüsseln" – Server macht dasselbe zum Entschlüsseln
private static final byte SCHLUESSEL = 0x5A;   // 0101 1010

byte[] verschluesseln(byte[] daten) {
    byte[] ergebnis = new byte[daten.length];
    for (int i = 0; i < daten.length; i++) {
        ergebnis[i] = (byte) (daten[i] ^ SCHLUESSEL);
    }
    return ergebnis;
}

aa) Demonstriere das Verfahren: Verschlüssele die ersten beiden Zeichen des Schließungscodes, V (ASCII 0x56) und S (ASCII 0x53), binär mit dem Schlüssel und zeige für V, dass dieselbe Operation wieder den Klartext liefert. Gib die Geheimtexte auch hexadezimal an. (3 Punkte)

V S
Klartext 0101 0110 0101 0011
Schlüssel 0101 1010 0101 1010
Geheimtext (XOR) 0000 1100 = 0x0C 0000 1001 = 0x09

Entschlüsseln von V: 0000 1100 XOR 0101 1010 = 0101 0110 = 0x56 = V.

Bewertung: je Zeichen richtig verschlüsselt 1 Punkt, Rückrechnung 1 Punkt.

ab) Ordne das Verfahren als symmetrisch oder asymmetrisch ein. Ein Angreifer hat den Datenverkehr eines Händlers mitgeschnitten und weiß, dass jeder Schließungscode mit V beginnt. Zeige mit Deinem Ergebnis aus aa), wie er daraus den Schlüssel gewinnt. (3 Punkte)

  • Symmetrisch: Programm und Server benutzen denselben geheimen Schlüssel (0x5A), Ver- und Entschlüsseln ist dieselbe XOR-Operation. (1 Punkt)
  • Schlüssel gewinnen: Er verknüpft das erste Geheimtext-Byte mit dem bekannten Klartext: 0x0C XOR 0x56 = 0000 1100 XOR 0101 0110 = 0101 1010 = 0x5A. Damit kennt er den Schlüssel und kann alle Bestellungen aller Händler entschlüsseln. (2 Punkte)

ac) Der frühere Dienstleister bietet als schnelle Lösung an: „Wir ersetzen das eine Schlüsselbyte durch einen zufälligen 256-Bit-Schlüssel für AES-GCM. Der Schlüssel steht wie bisher fest im Programm.“ Beurteile, welche Schwächen damit behoben sind und welche bleiben, und schlage eine Lösung vor, bei der in den 37 Installationen kein gemeinsamer geheimer Schlüssel steckt. (5 Punkte)

  • Behoben (1 Punkt): Der Schlüssel ist lang genug gegen Durchprobieren; bekannter Klartext verrät ihn nicht mehr, gleiche Zeichen ergeben keine gleichen Geheimtexte mehr; GCM erkennt zudem veränderte Daten.
  • Bleibt (2 Punkte): Der Schlüssel steckt weiter in jeder Installation. Wer ein Programm dekompiliert oder den Speicher ausliest, kann den Verkehr aller Händler mitlesen und fälschen. Ein Schlüsselwechsel geht nur per Update bei allen 37 Händlern; einzelne Händler lassen sich nicht ausschließen.
  • Lösung (2 Punkte): Übertragung per HTTPS (TLS): Der Shop-Server besitzt ein Schlüsselpaar und ein Zertifikat. Für jede Verbindung wird ein eigener Sitzungsschlüssel vereinbart, mit dem die Daten symmetrisch (AES-GCM) verschlüsselt werden. Im Programm steckt kein Geheimnis mehr, nur das Vertrauen in die CA. Zusätzlich können sich die Händler mit eigenen Zugangsdaten oder Client-Zertifikaten anmelden.

b) CSB-Order wird durch ein Händlerportal im Browser ersetzt. Der Shop-Server reicht Schlossbestellungen über die REST-API der Lipper SchließTec (https://api.schliesstec.example/v2/orders) weiter. Beide Verbindungen nutzen HTTPS mit TLS 1.3.

ba) Beim Aufruf der API laufen unter anderem die folgenden Schritte ab (ungeordnet):

Schritt Beschreibung
A Shop-Server und API verschlüsseln die Bestelldaten mit AES-GCM und dem Sitzungsschlüssel.
B Der API-Server schickt sein Zertifikat und signiert den bisherigen Handshake mit seinem privaten Schlüssel.
C Beide Seiten schicken sich Diffie-Hellman-Anteile und berechnen daraus denselben Sitzungsschlüssel.
D Der Shop-Server prüft die Signatur mit dem öffentlichen Schlüssel aus dem Zertifikat.

Bring die Schritte in die richtige Reihenfolge, kennzeichne jeden Schritt als symmetrisch oder asymmetrisch und gib an, wie man ein Verfahren nennt, das beide Arten auf diese Weise kombiniert. (5 Punkte)

Reihenfolge Schritt Art
1 C – Diffie-Hellman-Anteile austauschen, Sitzungsschlüssel berechnen asymmetrisch (Schlüsselvereinbarung mit geheimem und öffentlichem Anteil)
2 B – Zertifikat schicken, Handshake signieren asymmetrisch
3 D – Signatur prüfen asymmetrisch
4 A – Bestelldaten verschlüsseln symmetrisch

Bezeichnung: hybride Verschlüsselung. Bewertung: Reihenfolge 2 Punkte (1 Punkt bei einer Vertauschung), Kennzeichnung je 0,5 Punkte, Bezeichnung 1 Punkt. (Bei TLS 1.3 kommt der Schlüsselaustausch zuerst; das Zertifikat wird bereits verschlüsselt übertragen.)

bb) Ein Kollege schlägt vor: „RSA ist doch sicher – dann verschlüsseln wir gleich alle Bestelldaten asymmetrisch und sparen uns den Sitzungsschlüssel.“ Nimm Stellung zu diesem Vorschlag. (3 Punkte)

Erwartet wird eine begründete Ablehnung mit drei Argumenten (je 1 Punkt), z. B.:

  • RSA ist um Größenordnungen langsamer als AES; bei vielen Bestellungen und Händlern stiege die Last auf Server und Clients stark.
  • RSA kann nur Blöcke verschlüsseln, die kleiner als der Schlüssel sind (bei 3072 Bit höchstens rund 384 Byte abzüglich Auffüllung); längere Daten müssten zerstückelt werden.
  • Ohne wechselnden Sitzungsschlüssel fehlt Forward Secrecy: Wer später den privaten Schlüssel stiehlt, kann alle mitgeschnittenen Bestellungen nachträglich entschlüsseln.
  • Für die Antworten bräuchte der Server zusätzlich die öffentlichen Schlüssel aller Clients.

bc) Cem Sarıkaya überlegt, ob die Händler, die beiden Fertigungspartner und CSB-Rad (insgesamt 40 Beteiligte) künftig auch direkt untereinander vertrauliche Nachrichten austauschen sollen. Berechne, wie viele Schlüssel benötigt werden, wenn jedes Paar einen eigenen symmetrischen Schlüssel erhält, und wie viele bei einem asymmetrischen Verfahren. (4 Punkte)

Geg.: n = 40 Beteiligte

Ges.: N_{\text{sym}}, N_{\text{asym}}

Symmetrisch braucht jedes Paar einen Schlüssel:

N_{\text{sym}} = \frac{n \cdot (n-1)}{2} = \frac{40 \cdot 39}{2} = \underline{\underline{780 \text{ Schlüssel}}}

Asymmetrisch braucht jede Person ein Schlüsselpaar:

N_{\text{asym}} = 2 \cdot n = 2 \cdot 40 = \underline{\underline{80 \text{ Schlüssel}}} \quad (40 \text{ Schlüsselpaare})

Bewertung: je Formel 1 Punkt, je Ergebnis 1 Punkt. Die Antwort „40 Schlüsselpaare“ ist ebenfalls richtig.

Liniendiagramm der Beispiellösung: Schlüsselzahl symmetrisch n · (n − 1) / 2 und asymmetrisch 2 · n für 2 bis 40 Beteiligte, bei 40 Beteiligten 780 bzw. 80 Schlüssel (mit KI erstellt)

c) Für das Händlerportal unter https://shop.csb-rad.example beantragt CSB-Rad ein TLS-Zertifikat.

ca) Ein Fachhändler fragt: „Im Browser ist das Schloss-Symbol zu sehen – dann ist die Seite doch sicher, oder?“ Erkläre ihm, was das Zertifikat von shop.csb-rad.example zusichert und was nicht. (5 Punkte)

  • Zugesichert – Echtheit (2 Punkte): Eine Zertifizierungsstelle hat mit ihrer Signatur bestätigt, dass der öffentliche Schlüssel zu shop.csb-rad.example gehört, und der Browser hat Kette, Gültigkeit und Domainnamen geprüft. Der Händler spricht also wirklich mit dem Server dieser Domain und nicht mit einem Man-in-the-Middle.
  • Zugesichert – geschützte Übertragung (1 Punkt): Mit dem geprüften Server wird ein Sitzungsschlüssel vereinbart; Zugangsdaten, Preise und Schließungscodes sind unterwegs vertraulich und gegen Veränderung geschützt.
  • Nicht zugesichert (2 Punkte): Das Schloss sagt nichts über die Seriosität des Betreibers: Auch eine Phishing-Seite wie csb-rad-shop.example erhält in wenigen Minuten ein gültiges Zertifikat – der Händler muss also die Adresse prüfen. Außerdem schützt TLS nicht vor Schadsoftware auf dem eigenen PC und nicht vor Datenlecks auf dem Server.

cb) Erläutere, wie der Shop-Server die Echtheit der SchließTec-API prüfen kann, obwohl er deren öffentlichen Schlüssel vorher nicht kennt. (4 Punkte)

  • Die API schickt beim Verbindungsaufbau ihr Zertifikat, das von einer Zertifizierungsstelle (CA) signiert ist, meist mit Zwischenzertifikat. (1 Punkt)

  • Der Shop-Server hat in seinem Trust Store die Stammzertifikate vertrauenswürdiger CAs. Er prüft die Signatur des Server-Zertifikats mit dem öffentlichen Schlüssel des Zwischenzertifikats und dieses mit dem der Stamm-CA (Vertrauenskette). (2 Punkte)

  • Zusätzlich prüft er Gültigkeitszeitraum, Domainname (api.schliesstec.example) und ob das Zertifikat gesperrt ist (CRL/OCSP); im Handshake beweist der Server den Besitz des privaten Schlüssels. (1 Punkt)

cc) Nenne vier Angaben, die ein X.509-Zertifikat enthält. (2 Punkte)

Je Angabe 0,5 Punkte, z. B.: Inhaber/Domainname (Subject, Subject Alternative Name), öffentlicher Schlüssel und Verfahren, Aussteller (CA), Gültigkeitszeitraum (gültig ab/bis), Seriennummer, Verwendungszweck, Signatur der CA, Signaturverfahren, Versionsnummer.

cd) Die Rahmenwerk OWL überträgt Fertigungsaufträge per OPC UA (opc.tcp://mes.rahmenwerk-owl.example:4840). Beide Seiten nutzen selbstsignierte Zertifikate. Weil die Verbindung beim Test immer mit einer Zertifikatswarnung abbrach, schlägt Ole Petersen vor: „Wir stellen den Client so ein, dass er jedes Serverzertifikat akzeptiert.“ Nimm Stellung zu diesem Vorschlag. (4 Punkte)

Erwartet wird eine begründete Ablehnung des Vorschlags, z. B.:

  • Akzeptiert der Client jedes Zertifikat, ist die Authentizität des Servers nicht mehr geprüft. Ein Angreifer im Netz könnte sich mit einem eigenen Zertifikat als MES ausgeben (Man-in-the-Middle), Fertigungsaufträge mitlesen oder verfälschen. Die Verschlüsselung bringt dann wenig, weil man nicht weiß, mit wem man verschlüsselt. (2 Punkte)

  • Selbstsignierte Zertifikate sind bei OPC UA mit wenigen festen Partnern aber vertretbar, wenn sie gezielt als vertrauenswürdig eingetragen werden: Zertifikate austauschen, den Fingerabdruck über einen zweiten Weg (z. B. Telefon mit Ole Petersen) abgleichen und in die Vertrauensliste (Trust List) beider Seiten aufnehmen. Alternativ eine gemeinsame bzw. interne CA nutzen. Ablaufdaten überwachen, Sicherheitsmodus „Sign & Encrypt“ wählen. (2 Punkte)

Eine Zustimmung ist nur dann mit Punkten zu bewerten, wenn sie auf eine reine, abgeschottete Testumgebung beschränkt wird und die Gefahr benennt.

  1. 11 Punkte (3 + 3 + 5) · b) 12 Punkte (5 + 3 + 4) · c) 15 Punkte (5 + 4 + 2 + 4) · Summe 38 Punkte

Aufgabe 2.2: Türschilder, Check-in und Referentenportal beim Barcamp (Kernkompetenz)

(ca. 38 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r im Technik- und Software-Team für das Barcamp „Lernen.Digital.Leben 2027“ am Ratz und Rübe Berufskolleg in Bielefeld (Samstag, 13.03.2027, bis zu 400 Teilnehmende). Svenja Krämer von der Schul-IT OWL ist für Netz und Sicherheit verantwortlich, Emre Aksoy (Azubi FISY) leitet das Technikteam der Schüler*innen, Mia Schröder (Azubi FIA) und Hannah Klein (Schülerin FIA) entwickeln mit Dir die Software.

a) Vor jedem der zwölf Sessionräume hängt ein E-Ink-Türschild (ESP32-Mikrocontroller mit Akku). Es empfängt den aktuellen Sessionplan seines Raums per MQTT vom Info-Server im Server-VLAN, bisher unverschlüsselt über Port 1883. Der Sessionplan ist öffentlich. Svenja Krämer warnt: „Wenn jemand ins IoT-VLAN kommt, kann er auf jedes Türschild ‚Session fällt aus‘ schreiben. Bei 400 Gästen gibt das Chaos.“

Ausgangslage: Der Info-Server im Server-VLAN sendet den Sessionplan per MQTT über Port 1883 unverschlüsselt an die E-Ink-Türschilder im IoT-VLAN; eine unbefugte Person im IoT-VLAN schickt „Session fällt aus“ an die Schilder (mit KI erstellt)

Im Team liegen drei Vorschläge auf dem Tisch:

  • V1 (Mia Schröder): Der Info-Server verschlüsselt jede Nachricht mit RSA-3072 für das jeweilige Türschild; jedes Schild hat ein eigenes Schlüsselpaar, die öffentlichen Schlüssel liegen auf dem Info-Server.
  • V2 (Emre Aksoy): Alle Nachrichten werden mit AES im Modus CTR und einem gemeinsamen Schlüssel für alle zwölf Schilder verschlüsselt.
  • V3 (Svenja Krämer): Jede Nachricht erhält eine laufende Nummer und einen HMAC-SHA256 mit einem eigenen Schlüssel je Schild.

aa) Vervollständige die Tabelle. (6 Punkte)

Vorschlag Erkennt das Schild eine gefälschte oder veränderte Nachricht? Folge, wenn jemand ein Schild abschraubt und seinen Schlüssel ausliest
V1
V2
V3
Vorschlag Erkennt das Schild eine gefälschte oder veränderte Nachricht? Folge, wenn jemand ein Schild abschraubt und seinen Schlüssel ausliest
V1 Nein: Mit dem öffentlichen Schlüssel eines Schilds kann jede*r Nachrichten für dieses Schild verschlüsseln; Verschlüsselung sagt nichts über den Absender. Der Angreifer kann Nachrichten an dieses Schild lesen – nutzlos, der Plan ist öffentlich. Fälschen konnte er schon vorher.
V2 Nein: CTR schützt nur die Vertraulichkeit; gekippte Bits im Geheimtext kippen dieselben Bits im Klartext, alte Nachrichten lassen sich wieder einspielen. Der eine Schlüssel öffnet alle zwölf Schilder: Der Angreifer kann für jeden Raum Nachrichten erzeugen.
V3 Ja: Ohne den Schlüssel lässt sich kein passender HMAC berechnen; die laufende Nummer verhindert das Wiedereinspielen alter Nachrichten. Nur Nachrichten für dieses eine Schild sind fälschbar; dessen Schlüssel wird gesperrt bzw. getauscht.

Je Zelle 1 Punkt.

ab) Entscheide Dich für einen Vorschlag und begründe Deine Wahl mit dem Schutzziel, um das es Svenja Krämer geht, und mit der Ausstattung der Schilder. (3 Punkte)

V3 (HMAC je Schild), weil

  • es um Integrität und Authentizität der Anzeigen geht, nicht um Vertraulichkeit – der Sessionplan ist öffentlich, Verschlüsselung (V1, V2) löst das eigentliche Problem nicht; (1 Punkt)
  • ein HMAC auf dem ESP32 mit Akku kaum Rechenzeit und Energie kostet, anders als RSA-Operationen; (1 Punkt)
  • es nur zwölf bekannte Geräte sind, auf die Emre Aksoy die Schlüssel vor dem Barcamp einspielen kann – ein vorab verteilter Schlüssel ist hier kein Hindernis. (1 Punkt)

Ebenfalls richtig: eine digitale Signatur des Info-Servers (z. B. Ed25519), die alle Schilder mit demselben öffentlichen Schlüssel prüfen, oder AES-GCM mit Schlüssel je Schild – jeweils mit passender Begründung.

b) Das Orga-Team kann bei Störungen Hinweise auf allen Infomonitoren anzeigen lassen, z. B. „Aufzug in Gebäude C defekt – Sessions aus C.110 finden in B.201 statt“. Damit niemand falsche Hinweise einschleust, werden sie von der Orga-Software digital signiert. Auf den Infomonitoren ist der öffentliche Schlüssel des Orga-Teams hinterlegt.

ba) Ergänze die fehlenden Angaben (1) bis (6) im Ablauf. (6 Punkte)

Ablauf beim Signieren und Prüfen eines Hinweises
Schritt Wer Tätigkeit verwendeter Schlüssel
1 Orga-Software Hashwert H des Hinweistexts mit SHA-256 bilden (1)
2 Orga-Software (2) privater Schlüssel des Orga-Teams
3 Orga-Software Hinweistext und Signatur an die Infomonitore senden –
4 Infomonitor Signatur prüfen und dabei Hashwert H1 gewinnen (3)
5 Infomonitor (4) –
6 Infomonitor (5) –
7 Infomonitor bei Gleichheit: (6); sonst Hinweis verwerfen und Orga-Team warnen –

Je richtiger Angabe 1 Punkt:

  1. kein Schlüssel (Hashfunktionen arbeiten ohne Schlüssel)

  2. Hashwert H mit dem privaten Schlüssel signieren (bei RSA anschaulich: verschlüsseln) = Signatur

  3. öffentlicher Schlüssel des Orga-Teams

  4. Hashwert H2 des empfangenen Hinweistexts mit demselben Verfahren (SHA-256) bilden

  5. H1 und H2 vergleichen

  6. Hinweis anzeigen (Hinweis ist echt und unverändert)

bb) Beschreibe, welche Schutzziele die Signatur der Hinweise erfüllt und welches nicht. (3 Punkte)

  • Erfüllt: Integrität (jede Änderung am Text ergibt einen anderen Hashwert) und Authentizität (nur das Orga-Team besitzt den privaten Schlüssel), zudem Verbindlichkeit: Das Orga-Team kann nicht bestreiten, den Hinweis geschickt zu haben. (2 Punkte)

  • Nicht erfüllt: Vertraulichkeit – der Hinweistext wird im Klartext mitgeschickt und kann mitgelesen werden. Das ist hier unproblematisch, weil er ohnehin öffentlich angezeigt wird. (1 Punkt)

c) Am Check-in arbeiten zwei Windows-Tablets mit einer Check-in-Software, die Emre Aksoy von der Projektseite https://badgedesk.example/download herunterlädt. Neben dem Download steht der SHA-256-Hashwert der Datei badgedesk-setup.exe.

ca) Der Vergleich der Hashwerte taugt nur etwas, weil SHA-256 bestimmte Eigenschaften hat. Nenne zwei dieser Eigenschaften und begründe jeweils, was ohne sie bei der Download-Prüfung schiefgehen könnte. (4 Punkte)

Zwei aus (je 1 Punkt Eigenschaft, 1 Punkt Begründung):

  • Kollisionsresistenz: Es lässt sich praktisch keine zweite Datei mit demselben Hashwert finden. Ohne sie könnte ein Angreifer eine Schadversion bauen, die denselben Wert ergibt.
  • Lawineneffekt: Schon ein geändertes Bit ergibt einen völlig anderen Hashwert. Ohne ihn fielen kleine Veränderungen beim Vergleich kaum auf.
  • Deterministisch: Dieselbe Datei ergibt überall denselben Wert. Ohne das könnte Emre Aksoy seinen Wert gar nicht mit dem veröffentlichten vergleichen.
  • Einwegfunktion: Aus dem Hashwert lässt sich keine passende Datei zurückrechnen. Ohne sie könnte ein Angreifer zum veröffentlichten Wert eine eigene Datei erzeugen.

cb) Beschreibe, wie Emre Aksoy mit dem Hashwert den Download prüft, und erläutere, wovor diese Prüfung nicht schützt. (4 Punkte)

  • Prüfung (2 Punkte): Er berechnet nach dem Download selbst den SHA-256-Hashwert der Datei (z. B. Get-FileHash .\badgedesk-setup.exe -Algorithm SHA256) und vergleicht ihn mit dem veröffentlichten Wert. Stimmen beide überein, ist die Datei vollständig und unverändert übertragen worden.

  • Grenze (2 Punkte): Der Hashwert steht auf derselben Seite wie der Download. Haben Angreifer die Projektseite übernommen, tauschen sie Datei und Hashwert aus – die Prüfung ergibt dann „gleich“, obwohl die Datei manipuliert ist. Der Hashwert belegt also nicht die Herkunft (Authentizität); dafür braucht man eine digitale Signatur bzw. Codesignierung oder einen Hashwert aus einer anderen, vertrauenswürdigen Quelle.

cc) Mia Schröder hat zusätzlich ein kleines Hilfsprogramm zum Nachdrucken von Namensschildern geschrieben. Ihr Build-Skript signiert die EXE-Datei bereits – mit einem Zertifikat, das sie sich selbst ausgestellt hat. Trotzdem warnt Windows auf den Tablets vor einem nicht vertrauenswürdigen Herausgeber. Erläutere die Ursache und beschreibe zwei Möglichkeiten, die Warnung zu beseitigen, ohne den Schutz auf den Tablets abzuschalten. (4 Punkte)

  • Ursache (2 Punkte): Windows kann zwar prüfen, dass die Datei seit dem Signieren nicht verändert wurde. Das selbst ausgestellte Zertifikat führt aber zu keinem Stammzertifikat, dem die Tablets vertrauen – wer signiert hat, bleibt unbestätigt. Jede*r könnte sich ein Zertifikat auf den Namen „Mia Schröder“ ausstellen.
  • Möglichkeiten (je 1 Punkt):
    • Ein Code-Signing-Zertifikat der internen CA der Schul-IT beantragen und im Build-Skript verwenden; das Stammzertifikat dieser CA verteilt Svenja Krämer über das Gerätemanagement auf die Tablets.
    • Ein Code-Signing-Zertifikat einer öffentlichen CA kaufen, der Windows ohnehin vertraut.
    • Ebenfalls richtig: Mias Zertifikat per Gerätemanagement gezielt als vertrauenswürdiger Herausgeber auf den verwalteten Tablets eintragen.

Beim Signieren zusätzlich einen Zeitstempel setzen, damit die Signatur auch nach Ablauf des Zertifikats gültig bleibt.

d) Referent*innen melden sich mit E-Mail-Adresse und Passwort im Referentenportal an, um Folien hochzuladen. Hannah Klein hat die Anmeldung programmiert und die Passwörter mit AES verschlüsselt in der Datenbank gespeichert, „damit wir vergessene Passwörter einfach zurückschicken können“.

da) Nimm Stellung zu Hannah Kleins Lösung und beschreibe, wie das Portal die Passwörter stattdessen speichern und beim Login prüfen sollte. (6 Punkte)

Erwartet: Ablehnung mit Begründung und Gegenentwurf, z. B.:

  • Stellungnahme (3 Punkte): Verschlüsselte Passwörter lassen sich entschlüsseln. Der AES-Schlüssel liegt auf demselben Server wie die Datenbank bzw. im Programm; wer beides erbeutet (Einbruch, Datensicherung, Innentäter), hat alle Passwörter im Klartext – und weil viele Menschen Passwörter mehrfach verwenden, auch Zugänge zu anderen Diensten. Passwörter per E-Mail zurückzuschicken ist selbst eine Schwachstelle; richtig ist ein zeitlich begrenzter Link zum Setzen eines neuen Passworts.
  • Speichern (1 Punkt): als Hashwert mit zufälligem Salt mit einem bewusst langsamen Passwort-Hashverfahren wie Argon2id oder bcrypt.
  • Login prüfen (2 Punkte): Salt und Parameter des Kontos aus der Datenbank lesen, das eingegebene Passwort damit erneut hashen und das Ergebnis mit dem gespeicherten Hashwert vergleichen. Das Portal muss das Passwort dafür nie kennen oder zurückrechnen.

db) Nach der Umstellung auf bcrypt fällt Hannah Klein auf, dass Lisa Brandt und Marco Brenner zufällig dasselbe Passwort Barcamp2027! gewählt haben – die gespeicherten Werte aber völlig verschieden sind:

Auszug aus der Tabelle der Portal-Zugänge
person_id passwort_hash
8 $2b$12$BvnMYj0TXsnrdTy1sBQ/t.51YqoSGvPesH6Itr84.33kIZgqGGOxG
13 $2b$12$js59hBeuYhuNQmzPieA0WewUleDAznf2hY3g9Xv8/15OEGKqwKoH.

Erläutere, warum die Werte verschieden sind und warum das gewollt ist. (2 Punkte)

  • bcrypt erzeugt für jedes Konto einen zufälligen Salt (hier die 22 Zeichen nach $2b$12$), der vor dem Hashen mit dem Passwort verknüpft und mitgespeichert wird. Gleiche Passwörter ergeben deshalb verschiedene Hashwerte. (1 Punkt)

  • Gewollt, weil ein Angreifer so nicht erkennt, wer dasselbe Passwort nutzt, und vorberechnete Tabellen (Rainbow Tables) nutzlos werden: Er müsste jedes Konto einzeln angreifen – mit dem Kostenfaktor 12 zudem sehr langsam. (1 Punkt)

e) Nach dem Barcamp verschickt die Barcamp-Software die Teilnahmebescheinigungen als PDF per E-Mail. Schulleiterin Petra Schulze-Albers fragt, ob das sicher sei – der Mailserver der Schule nutze doch „TLS-Transportverschlüsselung“. Erläutere den Unterschied zwischen Transport- und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und beurteile, ob die Transportverschlüsselung hier ausreicht. (4 Punkte)

  • Transportverschlüsselung (TLS, hybrid) schützt nur die einzelnen Übertragungsstrecken, z. B. vom Schulserver zum nächsten Mailserver. Auf den Servern liegt die E-Mail im Klartext vor; ob auch die weiteren Strecken verschlüsselt sind, hat der Absender nicht in der Hand. (1 Punkt)

  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (S/MIME, OpenPGP) verschlüsselt die Nachricht beim Absender mit dem öffentlichen Schlüssel der Empfänger*in; nur diese kann sie entschlüsseln. Server dazwischen sehen nur Geheimtext. (1 Punkt)

  • Beurteilung (2 Punkte): Eine Teilnahmebescheinigung enthält nur wenige, wenig sensible personenbezogene Daten (Name, Veranstaltung, Datum). Transportverschlüsselung ist hier angemessen und Stand der Technik; Ende-zu-Ende-Verschlüsselung würde voraussetzen, dass alle 400 Teilnehmenden Zertifikate oder Schlüssel haben, was unrealistisch ist. Bei sensiblen Daten (z. B. Angaben zu Barrierefreiheitsbedarf oder Gesundheit) wäre sie dagegen nötig bzw. ein Download aus einem geschützten Portal besser. Eine andere, schlüssig begründete Beurteilung ist ebenfalls richtig.

  1. 9 Punkte (6 + 3) · b) 9 Punkte (6 + 3) · c) 12 Punkte (4 + 4 + 4) · d) 8 Punkte (6 + 2) · e) 4 Punkte · Summe 42 Punkte

Aufgabe 2.3: Kundenkonten, Fernwartung und Verträge im Fahrradshop (Kernkompetenz)

(ca. 46 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r im IT-Team der CSB-Rad GmbH in Bielefeld. Geschäftsführer Cem Sarıkaya lässt die Sicherheit des Onlineshops https://shop.csb-rad.example und der Abläufe drumherum überprüfen und bittet Dich um Unterstützung.

a) Kund*innen melden sich im Shop mit E-Mail-Adresse und Passwort an.

aa) Im Testbestand stehen für zwei Konten die folgenden SHA-256-Werte:

Passwort SHA-256-Wert (hexadezimal)
Radtour2027 66f3f4f3eb7ab731a161da0c0fbc8c7ed7203182d79078d45645521c98e6af66
radtour2027 2f7206fe07aea319b9cffc178711b81578ac4813206d18114042af10054f12fc

Nenne zwei Eigenschaften der Hashfunktion, die Du an den beiden Werten erkennen kannst, und erläutere, wie der Shop beim Login prüft, ob ein Passwort stimmt, obwohl er nur den Hashwert gespeichert hat. (4 Punkte)

  • Feste Länge: Beide Werte haben 64 Hexadezimalziffern = 256 Bit, unabhängig von der Länge der Eingabe. (1 Punkt)
  • Lawineneffekt: Nur ein einziger Buchstabe ist anders (R/r), trotzdem sind die Werte völlig verschieden; aus der Ähnlichkeit der Passwörter lässt sich nichts ablesen. (1 Punkt)
  • Login-Prüfung (2 Punkte): Der Shop berechnet den Hashwert des eingegebenen Passworts mit demselben Verfahren und vergleicht ihn mit dem gespeicherten. Stimmen beide überein, war das Passwort richtig. Zurückgerechnet wird nichts – das geht bei einer Einwegfunktion auch nicht.

ab) Ein Kollege möchte SHA-256 für die Kundenpasswörter verwenden, „weil es so schön schnell ist“. Begründe, warum die Geschwindigkeit hier ein Nachteil ist, und nenne ein geeigneteres Verfahren. (2 Punkte)

Wer die Tabelle erbeutet, kann mit Grafikkarten Milliarden Passwortkandidaten pro Sekunde hashen und mit den gespeicherten Werten vergleichen (Wörterbuch- und Brute-Force-Angriff); ohne Salt fallen gleiche Passwörter sofort auf, und vorberechnete Tabellen helfen. (1 Punkt) Geeigneter ist ein bewusst langsames Passwort-Hashverfahren mit Salt wie Argon2id oder bcrypt. (1 Punkt)

b) Die Verbindung zwischen Browser und Shop ist verschlüsselt. In den Verbindungsdetails des Browsers liest Du: Protokoll TLS 1.3, Cipher Suite TLS_AES_256_GCM_SHA384, Schlüsselaustausch X25519, Serverzertifikat mit RSA-Schlüssel (3072 Bit).

ba) Trage für jedes Verfahren ein, ob es symmetrisch oder asymmetrisch arbeitet oder eine Hashfunktion ist und welche Aufgabe es in dieser Verbindung übernimmt. (6 Punkte)

Verfahren Art Aufgabe in dieser Verbindung
AES-256-GCM
X25519
RSA (3072 Bit)
SHA-384
Verfahren Art Aufgabe in dieser Verbindung
AES-256-GCM symmetrisch verschlüsselt die Nutzdaten mit dem Sitzungsschlüssel und erkennt veränderte Pakete
X25519 asymmetrisch (Diffie-Hellman auf einer elliptischen Kurve) Browser und Server vereinbaren den Sitzungsschlüssel, ohne ihn zu übertragen
RSA (3072 Bit) asymmetrisch der Server signiert den Handshake, der Browser prüft die Signatur mit dem Schlüssel aus dem Zertifikat (Authentifizierung)
SHA-384 Hashfunktion leitet aus dem vereinbarten Geheimnis die Schlüssel ab und bildet die Prüfwerte über den Handshake

Je Art 0,5 Punkte, je Aufgabe 1 Punkt.

bb) Ein Angreifer zeichnet heute den gesamten verschlüsselten Verkehr des Shops auf und stiehlt in einem Jahr den privaten RSA-Schlüssel des Servers. Begründe, ob er die Aufzeichnung dann entschlüsseln kann. (2 Punkte)

Nein. Der Sitzungsschlüssel entsteht per X25519 aus Einmalwerten, die nach der Verbindung verworfen werden; der RSA-Schlüssel hat nur signiert und nie einen Sitzungsschlüssel transportiert. Mit dem gestohlenen Schlüssel kann der Angreifer sich künftig als Shop ausgeben, alte Aufzeichnungen bleiben aber geschützt (Forward Secrecy). (1 Punkt Entscheidung, 1 Punkt Begründung)

c) Auf dem Testsystem http://test.shop.csb-rad.example melden sich die Entwickler*innen noch über eine Seite ohne HTTPS an.

ca) Erläutere das Sicherheitsrisiko und beschreibe zwei Schritte, mit denen es beseitigt wird. (4 Punkte)

Risiko (2 Punkte): Benutzername und Passwort werden im Klartext übertragen und können im selben Netz oder auf jedem Netzknoten mitgelesen oder verändert werden (Man-in-the-Middle).

Schritte (je 1 Punkt, zwei aus): Zertifikat für den Server beantragen bzw. ausstellen und installieren; HTTPS im Webserver aktivieren; HTTP dauerhaft auf HTTPS umleiten; HSTS setzen.

cb) Nach der Umstellung zeigt der Browser beim Aufruf des Testsystems NET::ERR_CERT_AUTHORITY_INVALID. Beschreibe die wahrscheinliche Ursache. (2 Punkte)

Das Zertifikat wurde selbst erstellt (selbstsigniert) oder von einer internen CA ausgestellt, deren Stammzertifikat auf dem Client nicht als vertrauenswürdig hinterlegt ist; der Browser kann den Aussteller nicht prüfen. (Auch möglich: Zwischenzertifikat fehlt auf dem Server.)

d) Cem Sarıkaya spielt neue Versionen des Shops per SSH auf den Server. Die Anmeldung soll künftig ohne Passwort mit Schlüsselpaaren erfolgen. In der Datei ~/.ssh/authorized_keys des Kontos deploy findest Du diese Einträge (gekürzt); der zweite ist ein RSA-Schlüssel mit 1024 Bit:

ssh-ed25519 AAAAC3NzaC1lZDI1NTE5AAAAIK3v…Qm8 cem@notebook-cem
ssh-rsa AAAAB3NzaC1yc2EAAAADAQABAAAAgQ…7xQ= deploy@altserver-2016
ssh-ed25519 AAAAC3NzaC1lZDI1NTE5AAAAIG9d…tZw praktikum-sommer-2025

da) Erläutere, welche Schlüsselhälfte in dieser Datei steht und wie der Server damit die Anmeldung ohne Passwort prüft. (2 Punkte)

In der Datei stehen nur öffentliche Schlüssel (1 Punkt). Bei der Anmeldung signiert der Client Daten der laufenden Sitzung mit seinem privaten Schlüssel; der Server prüft die Signatur mit einem der eingetragenen öffentlichen Schlüssel. Passt einer, ist der Besitz des privaten Schlüssels bewiesen, ohne dass er übertragen wurde (1 Punkt). Wer in die Datei schreiben kann, kann sich also selbst Zugang verschaffen – sie muss vor Schreibzugriffen anderer geschützt sein.

db) Beurteile die drei Einträge und schlage vor, was mit jedem geschehen soll. (4 Punkte)

  • Eintrag 1 (Ed25519, Cem): modernes, sicheres Verfahren, eindeutig einer Person zugeordnet – behalten; den privaten Schlüssel auf dem Notebook mit einer Passphrase schützen. (1 Punkt)
  • Eintrag 2 (RSA 1024 Bit, alter Server): Die Schlüssellänge gilt als zu kurz (empfohlen sind mindestens 3000 Bit oder gleich Ed25519); der Server von 2016 ist vermutlich außer Betrieb, und niemand weiß, wer den privaten Schlüssel noch hat – entfernen, falls ein automatischer Zugang wirklich gebraucht wird, durch einen neuen Ed25519-Schlüssel ersetzen. (2 Punkte)
  • Eintrag 3 (Praktikum 2025): Das Praktikum ist vorbei – entfernen. Schlüssel sollten beim Ausscheiden von Personen sofort gelöscht und die Datei regelmäßig überprüft werden. (1 Punkt)

dc) Ein Angreifer kann mit gemieteter Rechenleistung 10^{12} Schlüssel pro Sekunde ausprobieren. Berechne, wie lange es höchstens dauert, alle Schlüssel des alten Verfahrens DES (56 Bit) durchzuprobieren, und vergleiche mit AES-128 (DES in Stunden, AES-128 in Jahren, 1 Jahr = 365,25 Tage). (4 Punkte)

Geg.: v = 10^{12}\ \tfrac{\text{Schlüssel}}{\text{s}}, Schlüssellängen n_{\text{DES}} = 56 Bit, n_{\text{AES}} = 128 Bit

Ges.: t_{\text{DES}} in h, t_{\text{AES}} in a

\begin{aligned} \text{I:}\quad N &= 2^{n} \\ \text{II:}\quad v &= \frac{N}{t} &&\quad | \cdot t \quad | : v \\ t &= \frac{N}{v} \\ \text{I in II:}\quad t &= \frac{2^{n}}{v} \\ t_{\text{DES}} &= \frac{2^{56}}{10^{12}\ \tfrac{1}{\text{s}}} = \frac{72\,057\,594\,037\,927\,936}{10^{12}}\ \text{s} \approx 72\,057{,}594\ \text{s} \\ &= \frac{72\,057{,}594\ \text{s}}{3600\ \tfrac{\text{s}}{\text{h}}} \approx \underline{\underline{20{,}016\ \text{h}}} \\ t_{\text{AES}} &= \frac{2^{128}}{10^{12}\ \tfrac{1}{\text{s}}} \approx 3{,}403 \cdot 10^{26}\ \text{s} \\ &= \frac{3{,}403 \cdot 10^{26}\ \text{s}}{365{,}25 \cdot 24 \cdot 3600\ \tfrac{\text{s}}{\text{a}}} \approx \underline{\underline{1{,}078 \cdot 10^{19}\ \text{a}}} \end{aligned}

DES ist in weniger als einem Tag vollständig durchsucht (im Mittel nach der Hälfte, also rund 10 h) und damit unsicher. Für AES-128 bräuchte der Angreifer knapp das Milliardenfache des Alters des Universums (ca. 1{,}4 \cdot 10^{10} a). Bewertung: Formel/Ansatz 1 Punkt, DES 1 Punkt, AES 1 Punkt, Vergleich 1 Punkt.

dd) Nach einer Neuinstallation des Servers bricht SSH beim Verbinden mit der Meldung WARNING: REMOTE HOST IDENTIFICATION HAS CHANGED! ab. Erläutere, was SSH hier verglichen hat, und beschreibe, wie Cem Sarıkaya vorgehen sollte, bevor er den alten Eintrag in seiner Datei known_hosts löscht. (3 Punkte)

  • Beim ersten Verbinden hat SSH den öffentlichen Host-Schlüssel des Servers in known_hosts gespeichert und vergleicht ihn bei jeder Verbindung mit dem Schlüssel, den der Server vorlegt. (1 Punkt)
  • Nach einer Neuinstallation hat der Server neue Host-Schlüssel – die Meldung ist also erwartbar. Genauso sähe aber ein Man-in-the-Middle aus, der sich als Server ausgibt. (1 Punkt)
  • Vorgehen: den Fingerabdruck (Hashwert) des neuen Host-Schlüssels auf einem sicheren Weg ermitteln, z. B. über die Serverkonsole des Hosters mit ssh-keygen -lf /etc/ssh/ssh_host_ed25519_key.pub, und mit dem angezeigten Wert vergleichen. Nur wenn beide übereinstimmen, den alten Eintrag mit ssh-keygen -R <Servername> löschen und neu verbinden. (1 Punkt)

e) Die Lipper SchließTec KG meldet über eine Schnittstelle (Webhook), wenn gleichschließende Schlösser versandt wurden. Jede Meldung trägt im Header X-Signature einen HMAC-SHA256-Wert; den geheimen Schlüssel haben beide Firmen bei der Einrichtung vereinbart.

Ein Kollege hat die Prüfung der eingehenden Meldungen so programmiert:

import hashlib

def meldung_echt(body: bytes, signatur: str) -> bool:
    erwartet = hashlib.sha256(body).hexdigest()
    return signatur == erwartet

ea) Erläutere, warum diese Prüfung eine gefälschte Versandmeldung nicht erkennt. (2 Punkte)

Der Code bildet nur einen einfachen SHA-256-Hashwert ohne geheimen Schlüssel. Ein Angreifer kann zu jeder selbst erfundenen Meldung denselben Hashwert berechnen und mitschicken – die Prüfung ergibt dann immer „echt“. (1 Punkt) So erkennt man höchstens zufällige Übertragungsfehler, aber weder gezielte Veränderung noch den Absender; echte Meldungen der SchließTec würden sogar abgelehnt, weil deren Wert ein HMAC ist. (1 Punkt)

eb) Beschreibe, wie die Prüfung richtig aussehen muss, und nenne eine weitere Vorkehrung gegen das erneute Einspielen einer alten, echten Meldung. (3 Punkte)

  • CSB-Rad berechnet selbst einen HMAC-SHA256 aus Meldung und vereinbartem geheimem Schlüssel und vergleicht ihn mit dem mitgeschickten Wert; ohne den Schlüssel kann niemand einen passenden Wert erzeugen. Stimmt er, ist die Meldung unverändert (Integrität) und stammt von jemandem, der den Schlüssel kennt (Authentizität). (2 Punkte)
import hashlib
import hmac

def meldung_echt(body: bytes, signatur: str, schluessel: bytes) -> bool:
    erwartet = hmac.new(schluessel, body, hashlib.sha256).hexdigest()
    return hmac.compare_digest(signatur, erwartet)   # Vergleich in konstanter Zeit
  • Gegen Wiedereinspielen: Zeitstempel oder eindeutige Meldungsnummer in den HMAC einbeziehen und Meldungen ablehnen, die zu alt sind oder deren Nummer schon verarbeitet wurde. (1 Punkt)

f) Im Browser lässt Du Dir das Zertifikat des Shops anzeigen (Auszug):

Zeile Feld Inhalt
1 Seriennummer 04:7A:9C:…
2 Aussteller OWL Trust Server CA 2
3 Gültig bis 14.04.2027
4 Inhaber (Subject Alternative Name) shop.csb-rad.example
5 Algorithmus des öffentlichen Schlüssels ECDSA P-256
6 Öffentlicher Schlüssel 04 8f 2a 61 c3 …
7 Signaturalgorithmus ecdsa-with-SHA256
8 Signatur der CA 30 45 02 21 00 b7 …
9 Fingerabdruck (SHA-256) 5E:91:0C:…

Gib die Zeilennummer an, mit deren Inhalt der Browser die Signatur des Servers im Handshake prüft, und die Zeilennummer, die die Bindung von Schlüssel und Domain und damit die Authentizität des Shops bestätigt. (2 Punkte)

  • Signatur des Servers prüfen: Zeile 6 (öffentlicher Schlüssel, ggf. mit Zeile 5). Der Sitzungsschlüssel für die Vertraulichkeit entsteht bei TLS 1.3 per Diffie-Hellman; ein ECDSA-Schlüssel kann ohnehin nicht verschlüsseln. (1 Punkt)
  • Bindung und Authentizität: Zeile 8 (Signatur der CA, die Inhaber und Schlüssel bestätigt; Zeilen 2 und 4 als Ergänzung richtig). Der Fingerabdruck (Zeile 9) ist nur ein vom Browser berechneter Hashwert über das Zertifikat und belegt allein nichts. (1 Punkt)

g) CSB-Rad unterschreibt Dokumente zunehmend elektronisch. Ordne jedem Fall das passende Niveau der elektronischen Signatur nach der eIDAS-Verordnung (einfach, fortgeschritten, qualifiziert) zu und begründe Deine Wahl. (6 Punkte)

  • ga) Die Werkstattleitung bestätigt intern per E-Mail mit Namenszeile einen Urlaubsplan.
  • gb) CSB-Rad schickt Fachhändlern Auftragsbestätigungen als PDF; es soll nachweisbar sein, dass sie unverändert von CSB-Rad stammen.
  • gc) Für den Rahmenvertrag über Dienstfahrräder verlangt der Zweckverband Radwege OWL die gesetzliche Schriftform.
Fall Niveau Begründung
ga) Urlaubsplan
gb) Auftragsbestätigungen
gc) Rahmenvertrag

Je Fall 1 Punkt Niveau, 1 Punkt Begründung:

  • ga) einfache elektronische Signatur: Name unter der E-Mail genügt; interne Abstimmung ohne besondere Formvorschrift und mit geringer Beweisanforderung.
  • gb) fortgeschrittene elektronische Signatur: eindeutig CSB-Rad zugeordnet, mit einem Schlüssel unter alleiniger Kontrolle erstellt, nachträgliche Änderungen werden erkannt – z. B. PDF-Signatur mit einem Zertifikat von CSB-Rad. Eine Schriftform ist nicht vorgeschrieben, die qualifizierte Signatur wäre unnötig aufwendig.
  • gc) qualifizierte elektronische Signatur (QES): Nur sie ist der handschriftlichen Unterschrift gleichgestellt und ersetzt die gesetzliche Schriftform (§ 126a BGB); sie beruht auf einem qualifizierten Zertifikat eines qualifizierten Vertrauensdiensteanbieters nach Identitätsprüfung und einer sicheren Signaturerstellungseinheit.

h) Die Rahmenwerk OWL GmbH schlägt vor, für jeden Individualrahmen einen digitalen Lebenslauf (Fertigung, Prüfung, Verkauf, Reparaturen) in einer Blockchain zu speichern, auf die CSB-Rad, die Rahmenwerk OWL und Fachhändler Zugriff haben.

ha) Ein Fachhändler ändert in seiner Kopie nachträglich das Datum einer drei Jahre alten Reparatur, um eine Garantie zu verlängern. Beschreibe, warum diese Änderung in einer Blockchain auffällt. (3 Punkte)

  • Jeder Block enthält den Hashwert des vorherigen Blocks; sein eigener Hashwert wird über seine Daten und diesen Vorgänger-Hashwert gebildet. (1 Punkt)
  • Ändert der Händler den alten Eintrag, ändert sich wegen des Lawineneffekts dessen Hashwert. Der im folgenden Block gespeicherte Vorgänger-Hashwert passt nicht mehr – die Kette ist ab dieser Stelle gebrochen. (1 Punkt)
  • Die anderen Teilnehmenden besitzen eigene Kopien und erkennen die Abweichung; ohne Konsens wird die veränderte Kette nicht anerkannt. Um die Änderung zu verbergen, müsste er alle folgenden Blöcke neu berechnen und die Mehrheit überzeugen. (1 Punkt)

hb) Die Beteiligten arbeiten seit Jahren zusammen und vertrauen einander weitgehend. Beurteile, ob statt der Blockchain auch eine gemeinsame Datenbank bei CSB-Rad mit Änderungsprotokoll ausreichen würde. (2 Punkte)

Erwartet wird eine begründete Entscheidung mit zwei Argumenten (je 1 Punkt), z. B.: Eine gemeinsame Datenbank reicht hier aus – sie ist einfacher zu betreiben und schneller, Fehler und Löschpflichten (DSGVO) lassen sich umsetzen, und die Partner vertrauen CSB-Rad als Betreiber ohnehin. Eine Blockchain lohnt sich erst, wenn viele Beteiligte zusammenarbeiten, die keinem zentralen Betreiber vertrauen wollen, denn der Betreiber einer Datenbank könnte auch das Änderungsprotokoll verändern. Die Gegenposition ist mit passender Begründung ebenfalls richtig.

  1. 6 (4 + 2) · b) 8 (6 + 2) · c) 6 (4 + 2) · d) 13 (2 + 4 + 4 + 3) · e) 5 (2 + 3) · f) 2 · g) 6 · h) 5 (3 + 2) · Summe 51 Punkte

Aufgabe 3.1: HTTPS für das Barcamp-Portal und die Zertifizierungsstelle der Schul-IT (Profilkompetenz)

(ca. 33 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r FISY bei der Schul-IT OWL und unterstützt Netzwerkadministratorin Svenja Krämer beim Barcamp „Lernen.Digital.Leben 2027“ am Ratz und Rübe Berufskolleg. Die Barcamp-Web-App läuft auf dem virtuellen Server bc-app; Gäste melden sich darüber aus dem Internet unter https://barcamp.rrb-bielefeld.example an. Intern laufen der MQTT-Broker für die E-Ink-Türschilder und die Infomonitore. Die Schul-IT betreibt bereits eine eigene Zertifizierungsstelle („Schul-IT OWL Root CA“), deren Stammzertifikat auf allen verwalteten Schulgeräten installiert ist.

a)

aa) Erläutere zwei Aufgaben einer Zertifizierungsstelle (CA). (4 Punkte)

Zwei aus (je 2 Punkte):

  • Identität prüfen und Zertifikate ausstellen: Die CA prüft (ggf. über eine Registrierungsstelle), ob der Antragsteller die Domain bzw. Identität besitzt, und signiert dann das Zertifikat mit ihrem privaten Schlüssel; dadurch wird der öffentliche Schlüssel vertrauenswürdig an den Inhaber gebunden.
  • Zertifikate verwalten und sperren: Sie veröffentlicht Zertifikate und deren Status und widerruft kompromittierte Zertifikate über Sperrlisten (CRL) bzw. OCSP.
  • Vertrauensanker schützen: Sie schützt ihren privaten Schlüssel (HSM, Offline-Root), denn darauf beruht das Vertrauen aller Clients.

ab) Entscheide jeweils, ob das Zertifikat von der internen CA der Schul-IT oder von einer externen, öffentlichen CA stammen sollte, und begründe mit je zwei Argumenten: (1) Server bc-app für die Anmeldung aus dem Internet, (2) MQTT-Broker im VLAN 140 für die Türschilder. (6 Punkte)

  1. bc-app: externe CA (1 Punkt). Argumente (je 1 Punkt): Gäste nutzen eigene, nicht verwaltete Geräte, auf denen nur öffentliche Stammzertifikate installiert sind – ein Zertifikat der Schul-CA würde Warnungen auslösen; keine Verteilung eines Stammzertifikats nötig; öffentliche Domain kann automatisiert per ACME bestätigt werden, oft kostenlos.
  2. MQTT-Broker: interne CA (1 Punkt). Argumente (je 1 Punkt): Nur eigene, verwaltete Geräte (Türschilder, Infomonitore) verbinden sich, das Stammzertifikat kann bei der Einrichtung eingespielt werden; interne Namen und Adressen kann keine öffentliche CA bestätigen; volle Kontrolle über Laufzeiten und sofortige Ausstellung; keine Abhängigkeit von externem Anbieter.

Andere schlüssige Entscheidungen mit passenden Argumenten sind ebenfalls richtig.

b)

ba) Erläutere in mindestens fünf Schritten, wie Du bc-app mit einem öffentlich bestätigten Zertifikat absicherst. (5 Punkte)

Je Schritt 1 Punkt, z. B.:

  1. Auf bc-app ein Schlüsselpaar erzeugen; den privaten Schlüssel mit restriktiven Dateirechten bzw. Passwort schützen.
  2. Eine Zertifikatsanforderung (CSR) mit dem öffentlichen Schlüssel und dem Domainnamen barcamp.rrb-bielefeld.example erstellen.
  3. Den CSR bei der CA einreichen; die CA prüft die Kontrolle über die Domain und stellt das signierte Zertifikat aus (bei ACME automatisch).
  4. Zertifikat und Zwischenzertifikat auf dem Webserver installieren und in der Konfiguration einbinden, Dienst neu laden.
  5. HTTPS testen, HTTP auf HTTPS umleiten, veraltete TLS-Versionen abschalten.
  6. Automatische Erneuerung einrichten und überwachen.
UML-Sequenzdiagramm der Beispiellösung: bc-app erzeugt ein Schlüsselpaar, schickt den CSR an die Zertifizierungsstelle, weist die Domainkontrolle nach, erhält Zertifikat und Zwischenzertifikat und installiert sie (mit KI erstellt)

bb) Nenne vier Bestandteile eines X.509-Zertifikats. (4 Punkte)

Vier aus: Version, Seriennummer, Inhaber (Subject, Subject Alternative Name), öffentlicher Schlüssel des Inhabers mit Algorithmus, Aussteller (CA), Gültigkeitszeitraum, Verwendungszweck (Key Usage), Signaturalgorithmus, Signatur der CA. Je Bestandteil 1 Punkt. (Der Fingerabdruck ist kein Bestandteil, sondern wird berechnet.)

c) bc-app erlaubt nur TLS 1.3.

ca) Erläutere den schrittweisen Ablauf des Handshakes, wenn sich der Browser eines Gasts mit bc-app verbindet. (6 Punkte)

Je Schritt 1 Punkt:

  1. ClientHello: Browser sendet unterstützte TLS-Versionen und Cipher Suites, Zufallszahl und seinen Diffie-Hellman-Anteil.
  2. ServerHello: Server wählt Version und Cipher Suite und sendet seinen Diffie-Hellman-Anteil.
  3. Beide berechnen daraus denselben Sitzungsschlüssel, ohne ihn zu übertragen; der weitere Handshake ist bereits verschlüsselt.
  4. Server sendet Zertifikat (mit Zwischenzertifikat) und eine Signatur über den Handshake (CertificateVerify) mit seinem privaten Schlüssel.
  5. Browser prüft Zertifikatskette bis zur Root-CA, Gültigkeit, Domainnamen und Sperrstatus sowie die Signatur; beide Seiten senden Finished.
  6. Die Nutzdaten werden symmetrisch (z. B. AES-GCM) mit dem Sitzungsschlüssel verschlüsselt übertragen.

Eine Darstellung des älteren Ablaufs mit Schlüsseltransport per RSA erhält höchstens 4 Punkte, weil er in TLS 1.3 nicht mehr vorkommt.

UML-Sequenzdiagramm der Beispiellösung: TLS-1.3-Handshake mit Diffie-Hellman-Anteilen in ClientHello und ServerHello, verschlüsseltem Zertifikat, CertificateVerify und Finished, danach symmetrische Datenübertragung (mit KI erstellt)

cb) In der Dokumentation eines Mitschülers steht: „Bei TLS 1.3 verschlüsselt der Browser einen selbst erzeugten Sitzungsschlüssel mit dem öffentlichen Schlüssel aus dem Zertifikat und schickt ihn an bc-app. Diffie-Hellman wird nur verwendet, wenn der Server kein Zertifikat hat.“ Korrigiere beide Aussagen und erläutere dabei, welche Aufgabe Diffie-Hellman und welche das Schlüsselpaar des Servers übernimmt. (5 Punkte)

  • Korrektur Satz 1 (1 Punkt): Einen Sitzungsschlüssel per öffentlichem Schlüssel zu transportieren, war bei älteren TLS-Versionen möglich; TLS 1.3 kennt dieses Verfahren nicht mehr.
  • Korrektur Satz 2 (1 Punkt): Diffie-Hellman (z. B. X25519) wird bei TLS 1.3 bei jeder Verbindung verwendet, auch mit Zertifikat.
  • Aufgabe von Diffie-Hellman (2 Punkte): Browser und Server schicken sich nur öffentliche Anteile, die sie aus geheimen Zufallswerten berechnet haben; aus dem eigenen Geheimnis und dem fremden Anteil ergibt sich auf beiden Seiten derselbe Sitzungsschlüssel. Mitlesende können ihn nicht berechnen. Weil die Zufallswerte nach der Verbindung verworfen werden, bleiben alte Sitzungen auch bei späterem Diebstahl des Serverschlüssels geschützt (Forward Secrecy).
  • Aufgabe des Schlüsselpaars (1 Punkt): Es dient nur noch der Authentifizierung: Der Server signiert den Handshake mit seinem privaten Schlüssel, der Browser prüft mit dem öffentlichen Schlüssel aus dem Zertifikat. Ohne diese Signatur könnte sich ein aktiver Man-in-the-Middle in den Diffie-Hellman-Austausch einklinken.

d) Beim Durchsehen alter Konfigurationen findest Du ein internes Zertifikat für den Druckserver der Schule mit diesem Eintrag (Auszug aus openssl x509 -text):

Signature Algorithm: sha1WithRSAEncryption
Issuer: CN = Schul-IT OWL Root CA
Validity
    Not Before: Oct 12 08:00:00 2022 GMT
    Not After : Oct 11 08:00:00 2027 GMT
Subject: CN = druck.rrb-bielefeld.example

Emre Aksoy meint: „Das läuft noch ein Jahr. Es ist von unserer eigenen CA, das fälscht doch keiner – lass es einfach bis zum Ablauf drin.“

Nimm Stellung zu Emre Aksoys Aussage. Gehe dabei darauf ein, was die CA beim Ausstellen eigentlich signiert und was eine Kollision einem Angreifer ermöglichen würde. (6 Punkte)

  • Was signiert wird (2 Punkte): Die CA signiert nicht den ganzen Zertifikatsinhalt, sondern dessen Hashwert – hier mit SHA-1. Der Client bildet den Hashwert des vorgelegten Zertifikats selbst und prüft, ob die Signatur der CA dazu passt. Die Signatur gilt also für jeden Inhalt mit demselben Hashwert.
  • Kollision (2 Punkte): Für SHA-1 lassen sich inzwischen mit vertretbarem Aufwand zwei verschiedene Eingaben mit gleichem Hashwert erzeugen, deren Anfang der Angreifer selbst wählt. Er könnte einen harmlosen Antrag so vorbereiten, dass die Signatur der CA auch für ein zweites, gefälschtes Zertifikat gilt (z. B. für einen anderen Servernamen oder mit CA-Rechten).
  • Bewertung (2 Punkte): Die Aussage greift zu kurz. Entscheidend ist nicht das schon ausgestellte Zertifikat, sondern dass die CA überhaupt noch mit SHA-1 signiert; außerdem lehnen aktuelle Browser und Betriebssysteme SHA-1-Signaturen ab, sodass Ausfälle drohen. Daher: Zertifikat sofort mit SHA-256 neu ausstellen, die CA auf SHA-256 umstellen und prüfen, ob noch weitere SHA-1-Zertifikate im Einsatz sind. Eine Zustimmung ist nur mit Punkten zu bewerten, wenn sie die Kollisionsgefahr erkennt und z. B. auf ein abgeschottetes Netz mit kurzer Restlaufzeit beschränkt wird.
  1. 10 (4 + 6) · b) 9 (5 + 4) · c) 11 (6 + 5) · d) 6 · Summe 36 Punkte

Aufgabe 3.2: TLS-Inspection, streikende Anwendungen und ein Leck in der PKI (Profilkompetenz)

(ca. 27 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r im IT-Team der CSB-Rad GmbH. Die Firma betreibt eine eigene interne Zertifizierungsstelle (Root-CA offline im Tresor, darunter die Zwischen-CA „CSB Intern CA 1“ für Server, Notebooks und Werkstatt-Tablets). Seit einer Woche prüft die Firewall auch verschlüsselte Webverbindungen der Beschäftigten auf Schadsoftware (TLS-Inspection).

a) Ein Kollege aus dem Vertrieb ruft an: Beim Aufruf von https://www.radmesse-owl.example zeigt sein Browser in den Zertifikatsdetails als Aussteller die CA der Firewall statt einer bekannten öffentlichen Zertifizierungsstelle. Er fragt, ob die Firma gehackt wurde.

aa) Erkläre dem Kollegen, wie dieser Aussteller zustande kommt und warum sein Browser trotzdem keine Warnung zeigt. (4 Punkte)

  • Die Firewall baut selbst eine TLS-Verbindung zum echten Webserver auf und prüft dort dessen Zertifikat. (1 Punkt)
  • Dem Browser legt sie ein Zertifikat für dieselbe Domain vor, das sie im Moment des Aufrufs erzeugt und mit ihrer eigenen CA signiert – daher der Aussteller. (1 Punkt)
  • Das Stammzertifikat dieser CA (bzw. der CSB-Root-CA, unter der sie hängt) ist über die Geräteverwaltung auf allen Firmengeräten als vertrauenswürdig hinterlegt; die Kette ist für den Browser also gültig, eine Warnung bleibt aus. (1 Punkt)
  • Zwischen beiden Verbindungen liegen die Daten entschlüsselt vor und werden geprüft. Die Firewall ist ein gewollter Man-in-the-Middle – kein Angriff, sondern die eingeschaltete TLS-Inspection. (1 Punkt)
Schema der Beispiellösung: Der Browser baut TLS-Verbindung 1 zur Firewall auf, die ein von ihrer eigenen CA in Echtzeit signiertes Zertifikat vorlegt, die Firewall baut TLS-Verbindung 2 zum echten Webserver auf und prüft dazwischen die entschlüsselten Daten (mit KI erstellt)

ab) Die Geschäftsführung möchte die Inspection „für alle Webseiten, ohne Ausnahme“. Beurteile diese Vorgabe aus Sicht der Sicherheit und des Datenschutzes und schlage eine Regelung vor. (5 Punkte)

  • Sicherheit, dafür (1 Punkt): Schadsoftware, Phishing-Inhalte und Datenabfluss werden auch in verschlüsselten Verbindungen sichtbar; ohne Inspection sieht die Firewall nur den Servernamen.
  • Sicherheit, dagegen (1 Punkt): Die Firewall-CA wird zum lohnenden Ziel – wer ihren Schlüssel erbeutet, kann jede Verbindung fälschen; dazu kommen hohe Rechenlast und Anwendungen, die nicht mehr funktionieren (siehe b).
  • Datenschutz (1 Punkt): Ohne Ausnahmen werden auch Onlinebanking, Gesundheitsportale und private Nachrichten der Beschäftigten entschlüsselt; das ist ein erheblicher Eingriff, der Betriebsrat hat mitzubestimmen, die Datenschutzbeauftragte ist zu beteiligen.
  • Regelung (2 Punkte): z. B. Ausnahmelisten für Kategorien wie Banking, Gesundheit und Behörden; private Internetnutzung in einer Betriebsvereinbarung regeln oder untersagen; Beschäftigte informieren; nur automatisierte Prüfung, Einsicht in Inhalte nur im begründeten Einzelfall nach Vier-Augen-Prinzip; Protokolle kurz aufbewahren.

b) In der ersten Woche funktionieren drei Anwendungen nicht mehr, obwohl Webseiten im Browser problemlos laufen:

  • ba) Die App des Zahlungsdienstleisters auf den Kassen-Tablets im Laden meldet „Verbindung nicht vertrauenswürdig“.
  • bb) Das Python-Skript (Bibliothek requests) für den nächtlichen Lagerabgleich bricht mit [SSL: CERTIFICATE_VERIFY_FAILED] certificate verify failed: unable to get local issuer certificate ab, obwohl das Stammzertifikat auf dem Windows-Server installiert ist.
  • bc) Die API der Lipper SchließTec lehnt Bestellungen des Shop-Servers ab, weil sie ein Client-Zertifikat von CSB-Rad verlangt (gegenseitige Authentifizierung).

Mögliche Ursachen:

  1. Die Anwendung erwartet einen fest hinterlegten Serverschlüssel (Certificate Pinning).
  2. Das Programm nutzt einen eigenen Zertifikatsspeicher statt dem des Betriebssystems.
  3. Die Firewall kann das Client-Zertifikat nicht vorlegen, weil der private Schlüssel beim Shop-Server liegt.
  4. Der DNS-Server löst den Namen des Zielservers nicht auf.
  5. Das Zertifikat des Zielservers wurde von seiner CA widerrufen.

Ordne jeder Störung die passende Ursache zu und schlage eine Lösung vor. (6 Punkte)

Störung Ursache (Nummer) Lösung
ba) Zahlungs-App
bb) Python-Skript
bc) SchließTec-API
Störung Ursache (Nummer) Lösung
ba) Zahlungs-App 1 – das Ersatzzertifikat der Firewall passt nicht zum gepinnten Schlüssel die Domains des Zahlungsdienstleisters von der Inspection ausnehmen
bb) Python-Skript 2 – requests vertraut nur der mitgelieferten CA-Liste, nicht dem Windows-Zertifikatsspeicher das CSB-Stammzertifikat im Skript angeben (verify= bzw. Umgebungsvariable REQUESTS_CA_BUNDLE) – nicht die Prüfung mit verify=False abschalten
bc) SchließTec-API 3 – die Firewall beendet die TLS-Verbindung selbst und besitzt den privaten Schlüssel des Client-Zertifikats nicht die API-Adresse von der Inspection ausnehmen, damit der Shop-Server die Verbindung direkt aufbaut

Je Ursache 1 Punkt, je Lösung 1 Punkt. Die Ursachen 4 und 5 hätten auch im Browser Fehler ausgelöst.

c) Bei einer Prüfung des Git-Repositorys des Shop-Backends, auf das auch ein externer Dienstleister Lesezugriff hat, findest Du im Ordner test/certs/ die Datei csb-intern-ca1.key und daneben eine Textdatei mit ihrem Passwort. Ein Kollege hatte sie eingecheckt, „damit die Testumgebung sich selbst Zertifikate ausstellen kann“. Im Team werden diese Maßnahmen vorgeschlagen:

  1. Die Datei im nächsten Commit löschen.
  2. Das Passwort der Schlüsseldatei ändern.
  3. Das Zertifikat der Zwischen-CA „CSB Intern CA 1“ mit der Root-CA sperren und die Sperrliste veröffentlichen.
  4. Eine neue Zwischen-CA mit neuem Schlüsselpaar erstellen.
  5. Alle Zertifikate ersetzen, die die alte Zwischen-CA ausgestellt hat.
  6. Die Datei auch aus der Git-Historie entfernen und prüfen, worauf der Dienstleister zugegriffen hat.
  7. Für die Testumgebung eine eigene Test-CA einrichten, der die Produktivgeräte nicht vertrauen.

ca) Begründe, warum die Maßnahmen 1 und 2 das Problem nicht lösen. (2 Punkte)

  • Maßnahme 1: Die Datei bleibt in der Git-Historie und in allen Klonen erhalten; wer Lesezugriff hatte, kann sie längst kopiert haben. (1 Punkt)
  • Maßnahme 2: Wer die alte Datei samt altem Passwort besitzt, entschlüsselt sie weiterhin; ein neues Passwort ändert den Schlüssel selbst nicht. (1 Punkt)

Der private Schlüssel der Zwischen-CA muss deshalb als kompromittiert gelten: Damit ließen sich beliebige Zertifikate ausstellen, denen alle CSB-Geräte vertrauen.

cb) Bring die Maßnahmen 3 bis 7 in eine sinnvolle Reihenfolge und begründe, warum Maßnahme 5 nicht entfallen darf. (4 Punkte)

  • Reihenfolge (2 Punkte): sicherheitsorientiert 3 → 4 → 5, parallel dazu 6, zum Schluss 7: Die Sperrung kommt zuerst, damit mit dem gestohlenen Schlüssel ausgestellte Zertifikate sofort abgelehnt werden; Ausfälle bis zum Austausch werden in Kauf genommen. Ebenfalls richtig: 4 und 5 innerhalb weniger Stunden vorbereiten und erst dann sperren, wenn die Abwägung zwischen Ausfallzeit und Risiko begründet wird.
  • Maßnahme 5 (2 Punkte): Nach der Sperrung gilt die Kette über die alte Zwischen-CA nicht mehr – alle Server, Notebooks, Tablets und VPN-Zugänge mit alten Zertifikaten fallen aus. Ohne Sperrung wiederum blieben gefälschte Zertifikate gültig. Nur der vollständige Austausch stellt Betrieb und Vertrauen wieder her.

d) Natalia Wróbel aus der Buchhaltung schickt Birgit Haas von der Lipper SchließTec KG eine Liste mit Schließungscodes für eine Nachbestellung. Die E-Mail wird mit S/MIME signiert und verschlüsselt. Beide haben ein persönliches Zertifikat. Ergänze in der Tabelle, welcher Schlüssel von wem verwendet wird. (8 Punkte)

Schritt Handlung verwendeter Schlüssel
1 Natalia Wróbel und Birgit Haas tauschen ihre Zertifikate aus. (vorgegeben) jeweils der eigene öffentliche Schlüssel im Zertifikat
2 Natalia Wróbel signiert die E-Mail.
3 Natalia Wróbel verschlüsselt die E-Mail.
4 Birgit Haas entschlüsselt die E-Mail.
5 Birgit Haas prüft die Signatur.
Schritt Handlung verwendeter Schlüssel
2 signieren privater Schlüssel von Natalia Wróbel
3 verschlüsseln öffentlicher Schlüssel von Birgit Haas (damit wird der zufällige Sitzungsschlüssel geschützt, die Mail selbst symmetrisch verschlüsselt)
4 entschlüsseln privater Schlüssel von Birgit Haas
5 Signatur prüfen öffentlicher Schlüssel von Natalia Wróbel

Je Eintrag 2 Punkte (1 Punkt für die richtige Schlüsselart, 1 Punkt für die richtige Person).

  1. 9 (4 + 5) · b) 6 · c) 6 (2 + 4) · d) 8 · Summe 29 Punkte

Aufgabe 3.3: Admin-Zugänge und Verfahren auf dem Prüfstand (Profilkompetenz)

(ca. 28 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der Let’s Meet GmbH. Die Server der App laufen bei einem Hosting-Anbieter in Bielefeld. Die Administrator*innen verbinden sich per VPN; bisher authentifizieren sich alle mit demselben Pre-Shared Key (PSK). Leiter Entwicklung Yusuf Demir bittet Dich, die Kryptografie der Zugänge zu überprüfen.

a) Yusuf Demir möchte beim PSK bleiben: „Wir nehmen einfach einen PSK mit 40 Zeichen statt 12, dann ist das genauso sicher wie Zertifikate.“ Beurteile, welches Problem ein längerer PSK löst und welche nicht, und begründe die Umstellung auf Client-Zertifikate am Beispiel einer Administratorin, die das Unternehmen verlässt. (5 Punkte)

  • Gelöst (1 Punkt): Ein langer, zufälliger PSK lässt sich nicht mehr erraten oder durchprobieren.
  • Nicht gelöst (2 Punkte): Es bleibt ein gemeinsames Geheimnis für alle. Es steht in jeder Konfiguration, kann weitergegeben, abgeschrieben oder erfragt werden, und Anmeldungen lassen sich keiner Person zuordnen.
  • Beispiel Ausscheiden (2 Punkte): Mit PSK müsste der Schlüssel auf dem Server und bei allen übrigen Administrator*innen gleichzeitig geändert werden – sonst behält die Ausgeschiedene Zugang. Mit Client-Zertifikaten wird nur ihr Zertifikat gesperrt, alle anderen arbeiten weiter. Liegt der private Schlüssel zudem nicht exportierbar im TPM oder auf einer Smartcard, kann er auch nicht kopiert worden sein.

Der Aufwand für eine PKI (Ausstellen, Verteilen, Erneuern, Sperren) darf als Gegenargument genannt werden; er ändert die Bewertung bei mehreren Administrator*innen aber nicht.

b) In der bisherigen VPN-Konfiguration stehen die folgenden Zeilen. Beurteile jede Zeile und gib an, ob Du sie beibehältst oder wodurch Du sie ersetzt. (6 Punkte)

cipher BF-CBC
auth MD5
tls-version-min 1.0
remote-cert-tls server
  • cipher BF-CBC: Blowfish arbeitet mit nur 64 Bit Blockgröße; bei großen Datenmengen werden Angriffe auf wiederkehrende Blöcke möglich (Sweet32), CBC sichert die Integrität nicht selbst. Ersetzen durch AES im Modus GCM, bei aktuellen OpenVPN-Versionen z. B. data-ciphers AES-256-GCM:CHACHA20-POLY1305. (2 Punkte)
  • auth MD5: MD5 gilt wegen Kollisionen als gebrochen. Ersetzen durch auth SHA256; bei GCM sichert das Verfahren die Nutzdaten selbst, auth betrifft dann nur noch den Steuerkanal. (2 Punkte)
  • tls-version-min 1.0: TLS 1.0 ist veraltet und unsicher. Ersetzen durch tls-version-min 1.3 (mindestens 1.2). (1 Punkt)
  • remote-cert-tls server: beibehalten – der Client akzeptiert nur ein Zertifikat, das für die Rolle „Server“ ausgestellt ist; ein anderes Client-Zertifikat kann sich so nicht als VPN-Server ausgeben. (1 Punkt)

c) Für die Planung sollst Du die folgenden Verfahren beurteilen: Gib jeweils an, ob es heute als sicher gilt, und wofür es eingesetzt wird. Sprich anschließend eine Empfehlung für (1) die Verschlüsselung der Datensicherungen, (2) die Prüfung, ob Sicherungsdateien unverändert sind, und (3) die Anmeldung der Administrator*innen per SSH aus. (9 Punkte)

Verfahren sicher? Art und Einsatzzweck
3DES
AES-128-GCM
RSA mit 1024 Bit
Ed25519
MD5
SHA-256
Verfahren sicher? Art und Einsatzzweck
3DES nein, abgekündigt (kleine Blockgröße, effektiv zu kurzer Schlüssel) symmetrische Verschlüsselung, nur noch in Altsystemen
AES-128-GCM ja symmetrische, authentifizierte Verschlüsselung großer Datenmengen (TLS, VPN, Datenträger)
RSA mit 1024 Bit nein, Schlüssel zu kurz (BSI empfiehlt mindestens 3000 Bit) asymmetrisch: Signaturen, Schlüsseltransport
Ed25519 ja asymmetrisches Signaturverfahren (SSH-Schlüssel, Zertifikate, Code)
MD5 nein, Kollisionen in Sekunden Hashfunktion, allenfalls noch als Prüfsumme gegen zufällige Fehler
SHA-256 ja Hashfunktion: Integritätsprüfung, Signaturen, Zertifikate, HMAC

Je Zeile 1 Punkt (6 Punkte). Empfehlungen (je 1 Punkt): (1) AES (z. B. AES-256-GCM); (2) SHA-256 (besser: signierte Hashwerte bzw. HMAC, damit ein Angreifer nicht Datei und Hash austauscht); (3) Ed25519-Schlüsselpaare.

d) Der Hosting-Anbieter verschickt folgende Mitteilung:

„Security Notice SN-2026-14 – Starting 1 March 2027, our managed load balancers will only accept TLS 1.3 connections. TLS 1.3 removes all legacy cipher suites; only AEAD ciphers such as AES-GCM and ChaCha20-Poly1305 remain. Every key exchange is ephemeral, so recorded traffic cannot be decrypted later, even if a server’s private key is compromised. The server certificate is no longer sent in plaintext, because all handshake messages after the ServerHello are encrypted. The full handshake needs only one round trip, which reduces latency for mobile clients. Customers whose clients still require TLS 1.2 must request an exception before 1 February 2027.“

Begründe anhand von drei Argumenten aus der Mitteilung, warum Let’s Meet keine Ausnahme für TLS 1.2 beantragen, sondern nur noch TLS 1.3 zulassen sollte. Antworte auf Deutsch. (6 Punkte)

Drei aus (je 2 Punkte: Argument + Bezug zu Let’s Meet):

  • Nur noch sichere Verfahren: Veraltete Cipher Suites sind entfernt, nur authentifizierte Verschlüsselung (AES-GCM, ChaCha20-Poly1305) bleibt – Fehlkonfigurationen sind kaum möglich, die personenbezogenen Daten der Nutzenden sind besser geschützt.
  • Forward Secrecy: Jeder Schlüsselaustausch nutzt Einmalschlüssel; aufgezeichneter Verkehr lässt sich auch dann nicht entschlüsseln, wenn der private Serverschlüssel später gestohlen wird – Profil-, Chat- und Standortdaten der Nutzenden bleiben auch rückwirkend geschützt.
  • Verschlüsselter Handshake: Das Serverzertifikat und alle Handshake-Nachrichten nach dem ServerHello sind verschlüsselt; wer z. B. im öffentlichen WLAN mitliest, erfährt weniger darüber, mit welchen Diensten die App spricht.
  • Schneller: Der Handshake braucht nur einen Hin- und Rückweg – das verkürzt die Ladezeit der App gerade im Mobilfunknetz.

Ergänzend: Die App-Clients (aktuelle Android- und iOS-Versionen, Browser) beherrschen TLS 1.3, eine Ausnahme ist also nicht nötig.

e) Geschäftsführerin Clara Neumann schlägt vor: „Dann verschlüsseln wir einfach jede Spalte in der Datenbank – sicher ist sicher.“ Erläutere, warum das nicht sinnvoll ist, und schlage eine bessere Lösung vor. (5 Punkte)

Gründe, drei aus (je 1 Punkt): Verschlüsselte Spalten lassen sich nicht mehr sinnvoll durchsuchen, sortieren, gruppieren oder indizieren (z. B. Suche nach Aktivitäten in der Nähe); jede Abfrage muss ent- und verschlüsseln, die Leistung sinkt; der Schlüssel muss der Anwendung ohnehin zur Verfügung stehen, gegen Angriffe über die Anwendung hilft es also kaum; Schlüsselverwaltung wird aufwendig, ein verlorener Schlüssel macht alle Daten unbrauchbar.

Bessere Lösung (2 Punkte): Datenträger und Datensicherungen vollständig verschlüsseln, nur besonders sensible Felder (z. B. Telefonnummern, Ausweisdaten der Verifizierung) zusätzlich einzeln verschlüsseln, Passwörter als bcrypt-/Argon2id-Hash speichern, Verbindungen per TLS, dazu Zugriffsrechte nach dem Minimalprinzip.

  1. 5 · b) 6 · c) 9 · d) 6 · e) 5 · Summe 31 Punkte

Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)

Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Übungsaufgaben zur Kryptografie: Verschlüsselung, Signatur, Zertifikate und Passwörter” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/kryptografie-uebungsaufgaben veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/it-sicherheit/schutzmassnahmen. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 28.10.2026.

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