Übungsaufgaben zu Vorgehensmodellen

https://bildung.social/@oerinformatik/

https://oer-informatik.de/vorgehensmodelle-uebungsaufgaben

Vorgehensmodelle, Scrum, Kanban, Wasserfallmodell, V-Modell, Verifikation und Validierung, User Story, Minimum Viable Product, Rapid Prototyping, Projektmanagement, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 115 min, mehrere Aufgaben): Drei Übungsaufgaben zu klassischen und agilen Vorgehensmodellen – vom Einordnen und Vergleichen der Modelle über Scrum mit englischem Fachtext, Fehleranalyse und Kanban, das Wasserfallmodell, die Prüfung einer fehlerhaften V-Modell-Skizze, die Zuordnung von Testfällen zu Teststufen und die Unterscheidung sequenziell/iterativ/agil bis zum Vergleich von Prototyp und Minimum Viable Product und zur Weiterentwicklung eines MVP mit Scrum. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Vorgehensmodelle: klassisch und agil. Weitere Teile der Reihe: Projektorganisation, Stakeholderanalyse.

Wortwolke mit den Fachbegriffen der Übungsaufgaben, darunter Vorgehensmodelle, Scrum, V-Modell, Kanban, Wasserfallmodell und Minimum Viable Product (mit KI erstellt)

Hinweise zur Bearbeitung: Als FIA, FIDP oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1, Aufgabe 2.2 und Aufgabe 2.3. Bei „nennen“ genügen Stichworte, bei „beschreiben“, „erläutern“ und „Stellung nehmen“ schreibst Du ganze Sätze mit Bezug zur Situation. Werden zwei Angaben verlangt, werden auch nur die ersten zwei bewertet. Schreib Deine Lösung zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst; andere sachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.

Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?

Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.

Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Vorgehensmodelle“.

Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.

Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/vorgehensmodelle
- https://oer-informatik.de/projektorganisation
- https://oer-informatik.de/stakeholderanalyse
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/vorgehensmodelle-uebungsaufgaben

Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Vorgehensmodelle
- Scrum
- Kanban
- Wasserfallmodell
- V-Modell
- Verifikation und Validierung
- User Story
- Minimum Viable Product
- Rapid Prototyping
- Projektmanagement

Kompetenzstufe: Kernkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan

Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
   abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
   zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
   Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
   Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
   Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
   danach frage.

Aufgabe 2.1: Neuaufbau einer Freizeit-App mit Scrum (Kernkompetenz)

(ca. 49 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r der Fachinformatik für Anwendungsentwicklung bei der Let’s Meet GmbH in Bielefeld. Das Start-up betreibt die App „Let’s Meet“, über die Menschen andere für gemeinsame Freizeitaktivitäten finden. Nach der Trennung vom früheren IT-Dienstleister baut das eigene Team Datenbank und Backend neu auf. Geschäftsführerin Clara Neumann kennt die Wünsche der Nutzenden am besten und will in den nächsten Monaten mehrere neue Funktionen ausprobieren (Matching nach Interessen, Wartelisten, Interessengruppen). Welche davon wirklich gebraucht werden, soll sich erst an ersten Versionen zeigen. Die Geldgebenden (Wagniskapital) erwarten dagegen bis Juni 2027 einen verbindlichen Plan.

Entwicklungsleiter Yusuf Demir lädt Dich, Deinen Mit-Azubi Jonas Weber und UX-Designerin Anh Nguyen zu einem Workshop ein, in dem über das Vorgehensmodell entschieden wird. Seit dem 01.09.2026 unterstützt außerdem Sanna Lindqvist (36) das Team an drei Tagen pro Woche als Coach für agile Arbeitsweisen.

a) Zum Einstieg in den Workshop hat Yusuf Demir fünf Namen an die Wand gepinnt: Kanban, V-Modell, Extreme Programming, Wasserfallmodell und Scrum.

Sortiere die fünf Vorgehensmodelle in klassische und agile Modelle. Erläutere für beide Gruppen, von welcher Annahme über die Anforderungen sie ausgehen und was daraus für den Ablauf des Projekts folgt. (6 Punkte)

2 Punkte für die vollständig richtige Zuordnung (ein Fehler: 1 Punkt), je Gruppe 1 Punkt für die Annahme und 1 Punkt für die Folge, zum Beispiel:

  • Klassisch: Wasserfallmodell, V-Modell. Die Modelle gehen davon aus, dass sich die Anforderungen schon zu Beginn vollständig ermitteln lassen und stabil bleiben. Deshalb wird am Anfang das ganze Projekt geplant, und die Phasen folgen nacheinander; jede endet mit einem Dokument, auf dem die nächste aufbaut. Spätere Änderungen sind aufwendig.

  • Agil: Kanban, Extreme Programming, Scrum. Diese Modelle gehen davon aus, dass sich Anforderungen ändern und erst an ersten Ergebnissen klar werden. Deshalb wird in kurzen Zyklen (Scrum, XP) oder in einem stetigen Fluss (Kanban) gearbeitet, es entstehen regelmäßig lauffähige Teilergebnisse, und die Anforderungen werden laufend neu priorisiert.

b) Die Geldgebenden wollen wissen, was sich für sie ändert, wenn Let’s Meet agil statt klassisch arbeitet. Jonas sammelt dafür ihre Fragen in einer Gegenüberstellung.

Ergänze die Tabelle, indem Du zu jeder Frage beschreibst, wie es bei klassischem und bei agilem Vorgehen aussieht. (8 Punkte)

Fragen der Geldgebenden (zu ergänzen)
Frage der Geldgebenden klassisches Vorgehen agiles Vorgehen
Wann können wir erste Funktionen selbst ausprobieren?
Wer verteilt die Arbeit im Team?
Welche Dokumente entstehen?
Wie früh fällt auf, wenn am Bedarf vorbei entwickelt wird?

Je Zelle 1 Punkt, zum Beispiel:

Frage der Geldgebenden klassisches Vorgehen agiles Vorgehen
erste Funktionen ausprobieren erst gegen Ende, nach Implementierung und Test der ganzen Software nach dem ersten Sprint: Alle zwei Wochen gibt es ein nutzbares Increment, das im Sprint Review gezeigt wird.
Arbeit verteilen Die Projektleitung plant die Arbeitspakete, verteilt sie und kontrolliert ihre Erledigung. Die Developers organisieren sich selbst; Clara Neumann legt als Product Owner nur fest, was am wichtigsten ist, nicht, wer es erledigt.
Dokumente umfangreich: Jede Phase endet mit einem Dokument (Lastenheft, Pflichtenheft, Entwurf, Testprotokolle). so viel wie nötig, z. B. Product Backlog, Definition of Done, API-Dokumentation; der Schwerpunkt liegt auf funktionierender Software.
Fehlentwicklungen erkennen oft erst im Test oder bei der Abnahme, wenn Änderungen teuer sind spätestens im nächsten Sprint Review, wenn die Nutzenden ein Increment ausprobiert haben

c) Sanna Lindqvist hat im englischsprachigen Team-Wiki beschrieben, wie das Backend-Team künftig arbeiten soll:

How we work – backend team (since 1 September 2026)

We build the new backend in cycles of exactly two weeks. Every cycle starts with a planning meeting in which the whole team agrees on a goal for the cycle and picks the most valuable items from our ordered list of requirements. Clara, our product owner, is accountable for this list: she talks to users, investors and our data protection officer and decides what comes first. Every morning at 9:15 the developers meet at the board for no more than 15 minutes to inspect their progress towards the cycle goal and adapt their plan for the day. At the end of each cycle we invite stakeholders to try out the working software and discuss what should happen next. Afterwards, the team meets without guests to reflect on how we work together and what we want to improve. As your coach, I help the team to remove impediments and to protect its focus, but I do not assign tasks. A feature only counts as done when it meets our definition of done: code reviewed, automatically tested, documented in the API docs and deployed to the test server.

ca) Nenne das agile Rahmenwerk, nach dem das Team arbeitet, und begründe Deine Antwort mit zwei Stellen aus dem Text. (3 Punkte)

1 Punkt für Scrum, je 1 Punkt für zwei passende Textstellen, zum Beispiel:

  • Zyklen fester Länge von zwei Wochen („cycles of exactly two weeks“) = Sprints.

  • „product owner“ als verantwortliche Person für die geordnete Anforderungsliste (Product Backlog).

  • tägliches Treffen der Developers von höchstens 15 Minuten = Daily Scrum.

  • „definition of done“ als gemeinsames Qualitätskriterium.

  • Treffen mit Stakeholdern am Zyklusende (Sprint Review) und Treffen ohne Gäste zur Verbesserung der Zusammenarbeit (Sprint Retrospective).

cb) Im Text kommen drei Verantwortlichkeiten (Rollen) vor. Erläutere jede mit ihrer Bezeichnung im Rahmenwerk und ordne jeweils die passende(n) Person(en) von Let’s Meet zu. (6 Punkte)

Je Rolle 1 Punkt für die Erläuterung, 1 Punkt für die Zuordnung:

  • Product Owner (Clara Neumann): verantwortet den Wert des Produkts, pflegt und priorisiert das Product Backlog, spricht mit Stakeholdern und entscheidet, was als Nächstes umgesetzt wird.

  • Scrum Master (Sanna Lindqvist, im Text „coach“): sorgt dafür, dass Scrum wirksam umgesetzt wird, beseitigt Hindernisse, schützt das Team vor Störungen und coacht Team und Unternehmen; verteilt keine Aufgaben.

  • Developers (das Backend-Team, z. B. Jonas Weber, Du, Anh Nguyen; auch Yusuf Demir, wenn er mitentwickelt): erstellen im Sprint das Increment, planen ihre Arbeit selbst (Sprint Backlog), halten das Daily Scrum ab und sind für die Qualität nach der Definition of Done verantwortlich.

cc) Stelle den Ablauf eines Sprints dar: Bringe die vier Ereignisse, die der Text innerhalb eines Zyklus beschreibt, in die zeitliche Reihenfolge, benenne sie mit ihrer Bezeichnung im Rahmenwerk und beschreibe jeweils ihren Zweck. (8 Punkte)

Je Ereignis 1 Punkt für Bezeichnung und richtige Position, 1 Punkt für den Zweck:

  1. Sprint Planning (zu Beginn): Das Scrum Team legt das Sprintziel fest, wählt die wertvollsten Einträge aus dem Product Backlog und plant, wie sie umgesetzt werden (Ergebnis: Sprint Backlog).

  2. Daily Scrum (jeden Tag, max. 15 Minuten): Die Developers prüfen ihren Fortschritt zum Sprintziel und passen ihren Plan für den nächsten Tag an.

  3. Sprint Review (am Ende): Das Scrum Team zeigt den Stakeholdern das Increment; gemeinsam wird besprochen, was als Nächstes kommt, und das Product Backlog wird angepasst.

  4. Sprint Retrospective (zum Abschluss, nach dem Review): Das Scrum Team reflektiert seine Zusammenarbeit, Werkzeuge und Qualitätsregeln und vereinbart Verbesserungen für den nächsten Sprint.

Der Sprint selbst ist der Rahmen (zwei Wochen), der alle vier Ereignisse enthält; danach beginnt sofort der nächste Sprint.

Scrum-Ablauf vom Product Backlog über Sprint Planning, Sprint mit Daily Scrum, Increment, Sprint Review und Retrospective zum nächsten Sprint (mit KI erstellt)

d) Jonas hat für die Ausbildungsmappe zusammengeschrieben, was er im ersten Sprint beobachtet hat:

  1. Unsere Sprints dauern zwei Wochen.
  2. Yusuf ist als Entwicklungsleiter unser Scrum Master und teilt im Daily jedem die Aufgaben für den Tag zu.
  3. Im Daily berichten alle Clara ausführlich, was sie erledigt haben; das dauert meistens eine Stunde.
  4. Clara pflegt und sortiert das Product Backlog.
  5. Wird eine Funktion nicht rechtzeitig fertig, verlängern wir den Sprint um ein paar Tage.
  6. In der Retrospective zeigen wir den Geldgebenden und Testnutzenden die neuen Funktionen.
  7. Eine Funktion gilt erst als fertig, wenn sie die Definition of Done erfüllt.

Analysiere Jonas’ Beschreibung. Gib die vier fehlerhaften Aussagen an und stelle sie jeweils richtig. (8 Punkte)

Je fehlerhafte Aussage 1 Punkt für das Erkennen, 1 Punkt für die Richtigstellung:

  • Aussage 2: Scrum Master ist Sanna Lindqvist. Ein Scrum Master verteilt keine Aufgaben; die Developers organisieren sich selbst und entscheiden gemeinsam, wer was übernimmt. (Ein disziplinarischer Vorgesetzter als Scrum Master wäre zudem ungünstig, weil das die Selbstorganisation behindert.)

  • Aussage 3: Das Daily Scrum ist kein Statusbericht an den Product Owner. Es ist ein Treffen der Developers von höchstens 15 Minuten, in dem sie den Fortschritt zum Sprintziel prüfen und den nächsten Tag planen.

  • Aussage 5: Sprints haben eine feste Länge und werden nicht verlängert. Nicht fertige Einträge gehen zurück ins Product Backlog und werden neu priorisiert.

  • Aussage 6: Die Ergebnisse werden im Sprint Review mit den Stakeholdern besprochen. Die Retrospective findet ohne Gäste statt und behandelt die Zusammenarbeit im Scrum Team.

Die Aussagen 1, 4 und 7 sind richtig.

e) Mitten im Sprint meldet sich die externe Datenschutzbeauftragte Dr. Marta Kowalczyk: Nutzende sollen ihre gespeicherten Daten selbst in der App als Datei herunterladen können (Auskunft und Datenübertragbarkeit nach DSGVO). Jonas will sofort damit anfangen.

ea) Formuliere diese Anforderung als User Story. (2 Punkte)

1 Punkt für das Schema „Als … möchte ich …, damit …“, 1 Punkt für einen sinnvollen Inhalt, zum Beispiel:

„Als Nutzerin möchte ich meine gespeicherten Daten in der App als Datei herunterladen, damit ich weiß, was über mich gespeichert ist, und die Daten zu einem anderen Dienst mitnehmen kann.“

eb) Beschreibe, wie dieser Wunsch im Scrum-Ablauf behandelt wird, und begründe, warum Jonas nicht sofort damit anfangen sollte. (3 Punkte)

Zum Beispiel:

  • Der Wunsch wird als neuer Eintrag (User Story) ins Product Backlog aufgenommen. (1 Punkt)

  • Clara Neumann als Product Owner priorisiert ihn gegenüber den anderen Einträgen; wegen der gesetzlichen Pflicht wird sie ihn vermutlich weit oben einordnen. Im nächsten Sprint Planning kann das Team ihn dann auswählen und umsetzen. (1 Punkt)

  • Begründung: Das Sprintziel und das Sprint Backlog bleiben während des Sprints stabil; das Team kann seine Zusage nur einhalten, wenn nicht ständig neue Arbeit hineingeschoben wird. Spätestens nach zwei Wochen kommt die Anforderung ohnehin zum Zug. (1 Punkt)

f) Die Geldgebenden verlangen bis Juni 2027 einen verbindlichen Plan mit allen Funktionen und einem festen Budget. Yusuf Demir fragt, ob Scrum dann überhaupt noch passt.

Nimm Stellung, ob Let’s Meet trotzdem mit Scrum arbeiten sollte, und beschreibe, wie das Team den Geldgebenden Planungssicherheit geben kann. (4 Punkte)

2 Punkte für eine begründete Stellungnahme, 2 Punkte für zwei passende Maßnahmen, zum Beispiel:

Stellungnahme: Scrum passt weiterhin, weil die Anforderungen unsicher sind und sich erst an ersten Versionen klären; ein vollständiger Plan aller Funktionen wäre jetzt nur scheinbar verbindlich und müsste ohnehin geändert werden. Mit Clara Neumann ist die Auftraggeberin im Haus und kann laufend priorisieren. Feststehen können Zeit und Budget (Teamgröße × Sprints bis Juni 2027); flexibel bleibt der Umfang, wobei die wichtigsten Funktionen zuerst umgesetzt werden. (Auch eine Gegenposition ist bei guter Begründung möglich, z. B. ein hybrides Vorgehen mit festen Meilensteinen.)

Maßnahmen für Planungssicherheit:

  • ein Produktziel und ein grober Release-Plan (welche Funktionen voraussichtlich in welchem Quartal) aus dem priorisierten Product Backlog,

  • Geldgebende zu Sprint Reviews einladen, damit sie den Fortschritt an lauffähiger Software sehen,

  • Fortschritt messbar machen, z. B. mit einem Burn-up-Diagramm über die erledigten Backlog-Einträge,

  • feste Meilensteine vereinbaren, an denen über Budget und Prioritäten entschieden wird.

g) Das zweiköpfige Support-Team bearbeitet Meldungen der Nutzenden (gemeldete Profile, Fehler in der App, Fragen). Die Meldungen kommen unvorhersehbar herein und sollen möglichst schnell erledigt werden. Sanna Lindqvist schlägt dafür Kanban statt Scrum vor.

Beschreibe zwei Merkmale von Kanban und erläutere, warum Kanban für das Support-Team besser passt als Scrum. (6 Punkte)

Je Merkmal 2 Punkte, 2 Punkte für die Begründung, zum Beispiel:

Merkmale:

  • Visualisierung auf einem Kanban-Board: Jede Meldung ist eine Karte, die durch Spalten wie „Neu – In Bearbeitung – Rückfrage – Erledigt“ wandert; so sieht jede*r den aktuellen Stand.

  • WIP-Limit: Die Zahl der gleichzeitig bearbeiteten Karten je Spalte ist begrenzt (z. B. höchstens drei „In Bearbeitung“); erst wird fertiggestellt, dann Neues begonnen.

  • Pull-Prinzip: Wer frei ist, zieht sich die nächste Karte mit der höchsten Priorität.

  • kontinuierlicher Fluss statt Sprints; gemessen wird z. B. die Durchlaufzeit einer Meldung.

So könnte das Kanban-Board des Support-Teams aussehen:

Kanban-Board des Support-Teams mit den Spalten Neu, In Bearbeitung (WIP-Limit 3), Rückfrage (WIP-Limit 2) und Erledigt sowie Karten für einzelne Meldungen (mit KI erstellt)

Begründung: Meldungen kommen unvorhersehbar und müssen teils sofort bearbeitet werden (z. B. ein gemeldetes Fake-Profil). In Scrum müsste neue Arbeit bis zum nächsten Sprint warten oder würde den Sprint ständig stören. Kanban hat keine festen Zyklen, neue Karten können jederzeit priorisiert und gezogen werden. Außerdem ist ein Team aus zwei Personen für die Rollen und Ereignisse von Scrum sehr klein.

Aufgabe 2.2: Flurmonitore für eine Mitfahr-App nach dem V-Modell (Kernkompetenz)

(ca. 39 min Bearbeitungszeit)

Du arbeitest im FIA-Projektteam des Ratz und Rübe Berufskollegs (RRB) in Bielefeld an der Mitfahr-App „RatzFahrt“ mit. Auftraggeber ist SV-Verbindungslehrer Thomas Becker. Neben der App gibt es ein zweites Teilprojekt, die Flurmonitor-Anzeige: Vier Monitore an Foyer, Fluren und Parkplatzausgang zeigen offene Angebote und Gesuche anonym an. Die Abspielgeräte (Mini-Player) laufen im eigenen VLAN 520 der Schule, rufen alle 60 Sekunden die Datenbank-View v_monitor ab und regeln ab 17:00 Uhr die Helligkeit herunter. Für zwei Monitore muss eine Elektrofachkraft des Schulträgers neue Steckdosen setzen.

Für dieses Teilprojekt stellen die Beteiligten Bedingungen: Svenja Krämer von der Schul-IT OWL lässt nur Geräte ins Schulnetz, deren Tests dokumentiert sind. Datenschutzbeauftragte Andrea Wolf will vor dem Einschalten nachgewiesen haben, dass keine personenbezogenen Daten angezeigt oder auf den Playern gespeichert werden. Thomas Becker möchte die Anzeige am Ende formal abnehmen. Die Monitore sollen zum Start des zweiten Schulhalbjahrs am 01.02.2027 laufen.

a) Dein Mitschüler Jonas Wolff schlägt für die Flurmonitor-Anzeige das Wasserfallmodell vor. Er hat die Phasen auf Karten geschrieben, die durcheinandergeraten sind: Einsatz und Wartung, Entwurf, Test, Analyse, Implementierung.

Beschreibe das Grundprinzip des Wasserfallmodells und gib die fünf Phasen in der richtigen Reihenfolge an. (5 Punkte)

Grundprinzip (2 Punkte): Das Projekt wird in Phasen eingeteilt, die streng nacheinander durchlaufen werden. Jede Phase muss vollständig abgeschlossen sein, bevor die nächste beginnt; ihr Ergebnis (meist ein Dokument) ist die verbindliche Vorgabe für die nächste Phase. Im reinen Modell gibt es keine Rückkehr, im erweiterten Modell Rücksprünge in die vorige Phase.

Reihenfolge (3 Punkte, bei einem Vertauschungsfehler 2 Punkte, sonst 0):

  1. Analyse

  2. Entwurf

  3. Implementierung

  4. Test

  5. Einsatz und Wartung

b) Svenja Krämer rät vom reinen Wasserfallmodell ab.

Erläutere zwei Nachteile des Wasserfallmodells für das Teilprojekt Flurmonitor-Anzeige. (4 Punkte)

Je Nachteil 2 Punkte (Nachteil und Bezug zum Projekt), zum Beispiel:

  • Tests erst am Ende: Getestet wird erst nach der vollständigen Implementierung. Stellt sich dann heraus, dass z. B. die Firewall den Zugriff aus dem VLAN 520 auf die Datenbank sperrt, ist der 01.02.2027 kaum noch zu halten.

  • Fehler in den Anforderungen fallen spät auf: Hat niemand festgelegt, was bei Ausfall der Verbindung angezeigt wird, merkt das Team es erst im Test oder beim Abnahmetermin, und die Änderung ist teuer.

  • Keine Zuordnung von Tests zu Vorgaben: Das Modell legt nicht fest, wogegen auf welcher Ebene geprüft wird; die von Svenja Krämer und Andrea Wolf geforderten Nachweise entstehen nicht systematisch.

  • Kein Rückweg im reinen Modell: Eine Lücke im Entwurf (z. B. Helligkeitssteuerung vergessen) kann nicht sauber in einer früheren Phase korrigiert werden.

c) Das Team entscheidet sich für das V-Modell. Jonas Wolff hat es für die Flurmonitor-Anzeige skizziert. Beim Review der Skizze stellt Svenja Krämer fest, dass sie drei Fehler enthält.

Skizze eines V-Modells der Flurmonitor-Anzeige mit drei eingebauten Fehlern (mit KI erstellt)

Analysiere die Skizze: Beschreibe die drei Fehler und stelle sie jeweils richtig. (6 Punkte)

Je Fehler 1 Punkt für das Beschreiben, 1 Punkt für die Richtigstellung:

  • Systementwurf und Komponentenentwurf sind vertauscht. Auf dem linken Ast wird von grob nach fein zerlegt: Zuerst legt der Systementwurf die Bausteine fest (Player, Schnittstelle zu v_monitor, Netz und Strom), danach beschreibt der Komponentenentwurf den Ablauf jedes Moduls. Dadurch liegt der Systementwurf auch wieder dem Integrationstest gegenüber und der Komponentenentwurf dem Komponententest.

  • Systemtest und Abnahmetest sind vertauscht. Der Abnahmetest ist die letzte Stufe oben rechts und liegt der Anforderungsdefinition gegenüber: Thomas Becker und Andrea Wolf prüfen gegen das Lastenheft. Der Systemtest liegt der Systemspezifikation gegenüber und prüft das Gesamtsystem gegen das Pflichtenheft.

  • Die Pfeile auf dem rechten Ast zeigen abwärts. Nach einem bestandenen Test geht es aufwärts zur nächsten Teststufe (Implementierung, Komponententest, Integrationstest, Systemtest, Abnahmetest). Nur wenn ein Test nicht bestanden ist, geht es waagerecht zurück zur gegenüberliegenden Entwurfsphase.

Richtig sieht das V-Modell so aus (die gepunkteten Pfeile zeigen zusätzlich, wo die Testfälle festgelegt werden):

V-Modell der Flurmonitor-Anzeige mit Entwurfsphasen links, Implementierung unten, Testphasen rechts und den Verlaufsrichtungen (mit KI erstellt)

d) Svenja Krämer will sehen, dass die Tests schon im Entwurf mitgedacht werden. Das Team hat vier Testfälle formuliert:

  1. Die Funktion helligkeit(uhrzeit) liefert für 16:59 Uhr den Wert 100 und für 17:00 Uhr den Wert 40.
  2. Ein Player im VLAN 520 liest v_monitor; versucht er mit demselben Datenbankkonto einen Datensatz zu ändern, weist die Datenbank das ab.
  3. Alle vier Monitore laufen 48 Stunden ohne Neustart und zeigen ein neues Angebot spätestens 60 Sekunden nach dem Eintragen an.
  4. Thomas Becker und Andrea Wolf prüfen im Foyer, ob die Anzeige aus drei Metern Entfernung lesbar ist und keine Namen erkennen lässt.

Ordne jeden Testfall der Testphase des V-Modells zu, in der er ausgeführt wird, und gib das Dokument an, aus dem sein Sollwert stammt. (8 Punkte)

Testfälle der Flurmonitor-Anzeige (zu ergänzen)
Testfall Testphase Dokument mit dem Sollwert
1
2
3
4

Je Zelle 1 Punkt, zum Beispiel:

Testfall Testphase Dokument mit dem Sollwert
1 Komponententest Modulbeschreibung aus dem Komponentenentwurf, z. B. Aktivitätsdiagramm oder Pseudocode des Moduls Helligkeit
2 Integrationstest Architektur- und Schnittstellenbeschreibung aus dem Systementwurf (Rechte des Players auf v_monitor, VLAN 520)
3 Systemtest Pflichtenheft (Systemspezifikation: Abrufintervall, Dauerbetrieb)
4 Abnahmetest Lastenheft (Anforderungsdefinition: Wünsche von Schülervertretung und Datenschutz)

e) Für den Integrationstest legt das Team schon im Systementwurf fest: „Der Player erhält aus dem VLAN 520 nur Lesezugriff auf v_monitor; ist die Datenbank nicht erreichbar, erscheint nach spätestens 60 Sekunden der Hinweis ‚offline‘.“

ea) Erläutere, warum im V-Modell die Testfälle bereits in der gegenüberliegenden Entwurfsphase festgelegt werden, und beschreibe, was geschieht, wenn dieser Integrationstest fehlschlägt. (4 Punkte)

Erläuterung 2 Punkte, Vorgehen bei Fehlschlag 2 Punkte, zum Beispiel:

  • Warum früh: Wer eine Vorgabe macht, legt gleich fest, woran ihre Erfüllung gemessen wird. Dadurch werden die Vorgaben eindeutig und prüfbar formuliert, Unklarheiten fallen schon im Entwurf auf, und der Test prüft genau das, was entworfen wurde (nicht das, was programmiert wurde). Außerdem kann der Test vorbereitet werden, während noch entwickelt wird.

  • Bei Fehlschlag: Der Fehler wird dokumentiert (Testprotokoll), und es geht zurück zur gegenüberliegenden Phase, dem Systementwurf: Dort wird z. B. die Schnittstelle oder die Netz- und Rechtekonfiguration überarbeitet. Anschließend werden die betroffenen Phasen erneut durchlaufen (Komponentenentwurf, Implementierung, Komponententest) und der Integrationstest wiederholt.

eb) Andrea Wolf fragt, ob ein bestandener Systemtest nicht schon reicht. Unterscheide Verifikation und Validierung und ordne Systemtest und Abnahmetest zu. (2 Punkte)

Je 1 Punkt:

  • Verifikation („Bauen wir das Produkt richtig?“): Prüfung gegen die technische Vorgabe; der Systemtest prüft das Gesamtsystem gegen das Pflichtenheft.

  • Validierung („Bauen wir das richtige Produkt?“): Prüfung, ob der tatsächliche Zweck der Auftraggebenden und Nutzenden erfüllt ist; das geschieht im Abnahmetest gegen das Lastenheft. Ein Systemtest kann bestanden sein, obwohl z. B. die Schrift auf dem Flurmonitor für Vorbeigehende zu klein ist.

f) Oksana Melnyk beschreibt, wie in den beiden Teilprojekten und in einem Vorgängerprojekt gearbeitet wurde:

  1. Das App-Team zeigt Thomas Becker alle zwei Wochen eine lauffähige Version der App und nimmt seine Rückmeldungen auf.
  2. Mit dem Entwurf der Flurmonitor-Anzeige beginnen wir erst, wenn das Pflichtenheft unterschrieben ist.
  3. Beim Vorgängerprojekt wurden vor jeder Runde zuerst die Risiken bewertet und mit einem Prototyp entschärft, etwa beim Login über das Schulkonto.
  4. Neue Wünsche der Schülervertretung werden priorisiert und können schon im nächsten Zyklus umgesetzt werden.
  5. Analyse, Entwurf, Umsetzung und Prüfung werden mehrmals hintereinander durchlaufen; das System wird mit jeder Runde größer.
  6. Eine Phase beginnt erst, wenn die vorige vollständig abgeschlossen und dokumentiert ist.

Ordne jede Aussage einer der Kategorien sequenziell, iterativ (z. B. Spiralmodell) oder agil zu. Jeder Kategorie gehören genau zwei Aussagen an. (6 Punkte)

Je richtiger Zuordnung 1 Punkt:

Kategorie Aussagen Begründung
sequenziell 2, 6 Phasen streng nacheinander, Abschluss als Voraussetzung
iterativ (Spiralmodell) 3, 5 wiederholte Durchläufe derselben Tätigkeiten, risikogetrieben, wachsendes System
agil 1, 4 regelmäßig lauffähige Software, enge Einbindung der Auftraggebenden, Änderungen ab dem nächsten Zyklus erwünscht

Hinweis: Agile Modelle sind ebenfalls iterativ. Die Aussagen 1 und 4 betonen aber typisch agile Werte (funktionierende Software, Zusammenarbeit, Reagieren auf Veränderung), die Aussagen 3 und 5 nur die Wiederholung.

g) Thomas Becker schlägt vor, der Einheitlichkeit halber auch die App selbst nach dem V-Modell zu entwickeln.

Nimm Stellung zu diesem Vorschlag und schlage ein begründetes Vorgehen für das Gesamtprojekt vor. (4 Punkte)

2 Punkte für die begründete Stellungnahme, 2 Punkte für einen begründeten Vorschlag, zum Beispiel:

Stellungnahme: Für die App ist das V-Modell weniger geeignet. Die Wünsche der Auszubildenden (Bedienung, Erinnerungen, Barrierefreiheit mit Screenreader) zeigen sich erst an ersten Versionen; Thomas Becker steht als Ansprechpartner regelmäßig zur Verfügung, und lauffähige Teilversionen schaffen früh Akzeptanz. Mit dem V-Modell kämen diese Rückmeldungen erst beim Abnahmetest, und Änderungen würden teuer.

Vorschlag: ein hybrides Vorgehen: Die App wird agil (z. B. Scrum mit zweiwöchigen Sprints und Thomas Becker im Sprint Review) entwickelt, die Flurmonitor-Anzeige mit Hardware, Elektroarbeiten, Netzfreigabe und Datenschutznachweis nach dem V-Modell. Gemeinsame klassische Meilensteine (Datenschutzfreigabe, Abnahme, Start am 01.02.2027) verbinden beide Teilprojekte. Auch in den Sprints können über die Definition of Done dokumentierte Tests verlangt werden, sodass Svenja Krämers Nachweise trotzdem entstehen.

h) Svenja Krämer bezeichnet die Wahl eines standardisierten Vorgehensmodells als Maßnahme der Qualitätssicherung.

Erläutere zwei Gründe, warum ein standardisiertes Vorgehensmodell zur Qualität der Flurmonitor-Anzeige beiträgt. (4 Punkte)

Je Grund 2 Punkte, zum Beispiel:

  • Vollständigkeit: Das Modell gibt alle Schritte vor, auch ungeliebte wie Testplanung, Reviews und Abnahme; nichts wird unter Zeitdruck „vergessen“.

  • Prüfbare Ergebnisse: Jede Phase endet mit einem Dokument, das geprüft werden kann (z. B. Pflichtenheft im Review, Testprotokolle); Fehler werden früh und auf der richtigen Ebene gefunden.

  • Nachvollziehbarkeit und Nachweise: Die Dokumente belegen gegenüber Schul-IT, Datenschutz und Auftraggeber, dass Anforderungen erfüllt und getestet sind, und erleichtern spätere Wartung, etwa wenn das Team nach dem Schuljahr wechselt.

  • Einheitliche Begriffe und Rollen: Alle Beteiligten wissen, was wann von wem erwartet wird; das verringert Missverständnisse zwischen Schule, Schul-IT und Projektteam.

Aufgabe 2.3: Eine Barcamp-App als Minimum Viable Product (Kernkompetenz)

(ca. 27 min Bearbeitungszeit)

Das Ratz und Rübe Berufskolleg (RRB) in Bielefeld richtet am Samstag, 13.03.2027, das Barcamp „Lernen.Digital.Leben 2027“ aus. Gesamtleiter Dimitrios Papadopoulos möchte, dass die bis zu 400 Teilnehmenden eine eigene Barcamp-App nutzen können. Auf seiner Wunschliste stehen:

  1. Sessionplan des Tages mit Raum und Uhrzeit anzeigen,
  2. am Morgen per App für vorgeschlagene Sessions abstimmen,
  3. Lieblingssessions merken und vor Beginn daran erinnern,
  4. nach jeder Session anonymes Feedback geben,
  5. Chat zwischen Teilnehmenden,
  6. Lageplan mit barrierefreien Wegen durch die drei Gebäude.

Ein Team aus Schüler*innen der Fachinformatik, darunter Mia Schröder und Hannah Klein, entwickelt die App mit Scrum; Dimitrios Papadopoulos ist Product Owner. Du gehörst zum Team. Bis zum Barcamp bleiben nur wenige Monate; schon beim Infotag des RRB am 20.01.2027 sollen Besucher*innen etwas von der App sehen.

a) Für den Infotag gibt es zwei Vorschläge: Mia Schröder möchte einen klickbaren Prototyp der Oberfläche zeigen, den Gäste an einem Tablet ausprobieren. Hannah Klein möchte stattdessen eine erste, wirklich nutzbare Version als Minimum Viable Product (MVP) veröffentlichen, mit der die Gäste das Programm des Infotags auf dem eigenen Handy abrufen.

Vergleiche Prototyp und MVP anhand von zwei Merkmalen und entscheide begründet, welcher Vorschlag besser geeignet ist, um am Infotag herauszufinden, ob die App angenommen wird. (6 Punkte)

Je Merkmal 2 Punkte (beide Seiten), 2 Punkte für die begründete Entscheidung, zum Beispiel:

Prototyp und MVP im Vergleich (Beispiele, zwei Merkmale genügen)
Merkmal Prototyp MVP
Einsatz wird nur zum Ausprobieren gezeigt, in einer Testsituation am Tablet des Teams ist veröffentlicht und wird von echten Nutzenden unter realen Bedingungen auf ihren eigenen Geräten verwendet
Funktionsumfang zeigt oft nur die Oberfläche, ohne echte Daten und Logik dahinter hat nur wenige Funktionen, die aber vollständig mit echten Daten funktionieren
Ziel Ideen und Bedienung klären messen, ob das Produkt gebraucht und genutzt wird (bauen – messen – lernen)

Entscheidung: Hannahs Vorschlag passt besser. Ob die App angenommen wird, zeigt sich nur, wenn Gäste sie freiwillig auf dem eigenen Handy aufrufen und wieder öffnen; das lässt sich beim MVP an den Zugriffen messen. Ein Prototyp am Tablet des Teams zeigt eher, wie die Bedienung ankommt. (Eine Kombination ist bei guter Begründung ebenfalls richtig, z. B. MVP für alle und ein Prototyp der geplanten Abstimmungsseite am Stand.)

b) Für das MVP hat das Team die Wünsche 3 (Lieblingssessions merken und erinnern) und 5 (Chat) ausgewählt, „weil die am meisten Spaß machen“.

Beurteile diese Auswahl und schlage eine begründete Alternative für das MVP vor. (5 Punkte)

2 Punkte für die Beurteilung, 3 Punkte für die begründete Alternative, zum Beispiel:

Beurteilung: Die Auswahl ist ungeeignet. Ein MVP soll mit möglichst wenigen Funktionen den eigentlichen Zweck der App erfüllen. Ohne Sessionplan (1) gibt es nichts, was sich merken ließe, und ein Chat (5) ist aufwendig (Moderation, Datenschutz, Missbrauch), ohne dass die App ihn für ihren Zweck braucht.

Alternative: Das MVP enthält nur Wunsch 1, den Sessionplan mit Raum und Uhrzeit. Er ist der Kern der App, die Daten liegen schon vor, und er lässt sich am Infotag mit dessen Programm sofort nutzen. Wer zwei Funktionen wählt, kann die Abstimmung (2) ergänzen, weil sie das Barcamp-Prinzip trägt. Andere Vorschläge sind bei passender Begründung ebenfalls richtig.

c) Nach dem Infotag will das Team aus dem MVP lernen (bauen – messen – lernen).

Lege zwei Messgrößen fest, die das Team am Infotag erhebt, und beschreibe für eine davon, welche Entscheidung für das Product Backlog sich aus einem möglichen Messergebnis ergibt. (4 Punkte)

Je Messgröße 1 Punkt, 2 Punkte für die abgeleitete Entscheidung, zum Beispiel:

  • Messgrößen: Zahl der Geräte, die die App aufrufen, im Verhältnis zur Zahl der Gäste; Anteil der Gäste, die den Plan im Laufe des Tages mehrmals öffnen; Zahl und Inhalt der Rückmeldungen über einen Feedback-Knopf; Stellen, an denen Nutzende die App verlassen.

  • Entscheidung: Öffnen zwar viele Gäste den Plan, schreiben aber oft „Wo ist Raum B 214?“ ins Feedback, setzt der Product Owner den Lageplan (6) im Product Backlog nach oben; er kann im nächsten Sprint umgesetzt werden. Nutzen dagegen nur sehr wenige Gäste die App, klärt das Team zuerst die Ursache (z. B. QR-Code am Eingang schlecht sichtbar), bevor es neue Funktionen baut.

Kreislauf bauen – messen – lernen am Beispiel des Barcamp-MVP: Sessionplan veröffentlichen, am Infotag messen, im Sprint Review auswerten und das Product Backlog anpassen (mit KI erstellt)

d) Nach dem Infotag liegen dem Product Owner diese Rückmeldungen vor:

  • Eine Besucherin im Rollstuhl hat den Raum einer Infoveranstaltung nur mit Hilfe gefunden.
  • Mehrere Gäste wollten Sessions für später vormerken.
  • Ein Gast möchte über einen Chat Fahrgemeinschaften zum Barcamp verabreden.
  • Zwei Lehrkräfte bemängeln, dass der Plan auf kleinen Handys rechts abgeschnitten ist.

Bringe die Rückmeldungen in eine begründete Reihenfolge für die nächsten Sprints und erläutere, wer im Scrum Team über diese Reihenfolge entscheidet. (5 Punkte)

3 Punkte für eine schlüssig begründete Reihenfolge, 2 Punkte für die Erläuterung, zum Beispiel:

  1. Abgeschnittener Plan beheben: ein Fehler in der Kernfunktion, der viele Nutzende trifft und wenig Aufwand macht.

  2. Lageplan mit barrierefreien Wegen (Wunsch 6): Beim Barcamp verteilen sich die Sessions auf drei Gebäude; ohne Lageplan sind Menschen mit Rollstuhl oder Rollator ausgeschlossen.

  3. Merkliste mit Erinnerung (Wunsch 3): erhöht die Bequemlichkeit, ist aber für den Zweck nicht zwingend.

  4. Chat für Fahrgemeinschaften: aufwendig und nicht Kernzweck der App; für Fahrgemeinschaften gibt es am RRB schon die Mitfahr-App RatzFahrt, auf die die App verlinken kann.

Wer entscheidet: Dimitrios Papadopoulos als Product Owner. Er verantwortet den Wert des Produkts und ordnet das Product Backlog. Developers und Stakeholder bringen im Sprint Review ihre Sicht ein; welche Einträge in einen Sprint kommen, wählt das Scrum Team im Sprint Planning aus den oberen Einträgen aus.

e) Für die Abstimmungsseite (Wunsch 2) will Mia zuerst Papierskizzen mit Gästen ausprobieren und sie danach wegwerfen. Hannah schlägt vor, gleich einen klickbaren HTML-Prototyp zu bauen und ihn Schritt für Schritt zur fertigen Seite auszubauen.

Erläutere die beiden Arten von Prototypen, die hier vorgeschlagen werden, und nenne für die Abstimmungsseite je einen Vorteil. (4 Punkte)

Je Prototypart 1 Punkt für die Erläuterung, 1 Punkt für den Vorteil, zum Beispiel:

  • Wegwerf-Prototyp (Mia): dient nur dazu, etwas über Bedienung und Abläufe zu lernen, und wird danach verworfen. Vorteil: Papierskizzen sind in Minuten gezeichnet; das Team kann mehrere Varianten der Abstimmung in einer Runde mit Gästen vergleichen, ohne an vorhandenem Code zu hängen.

  • Evolutionärer Prototyp (Hannah): wird nach jeder Rückmeldung verbessert und schrittweise zum fertigen Produkt ausgebaut. Vorteil: Die Arbeit geht nicht verloren, und die Gäste testen die Abstimmung realistisch auf dem eigenen Handy.

f) Hannah hat notiert, was vor dem ersten Sprint vereinbart wurde:

  1. Dimitrios Papadopoulos ist Product Owner und sortiert die Wunschliste als Product Backlog.
  2. Ein Sprint dauert zwei Wochen; der erste beginnt am Montag nach den Herbstferien.
  3. Im Sprint Planning teilt Dimitrios jedem Developer die Einträge zu, die er oder sie bearbeiten muss.
  4. Für das Sprint Backlog richten wir ein digitales Board ein.

Stelle die fehlerhafte Vereinbarung richtig und ergänze zwei weitere Vereinbarungen, die vor dem ersten Sprint noch fehlen. Begründe jede Ergänzung. (6 Punkte)

2 Punkte für die Richtigstellung, je Ergänzung 2 Punkte (Vereinbarung und Begründung), zum Beispiel:

  • Vereinbarung 3 ist falsch: Im Sprint Planning wählt das Scrum Team gemeinsam die Einträge für das Sprintziel aus. Wer welchen Eintrag bearbeitet, entscheiden die Developers selbst; der Product Owner erklärt nur Ziel und Prioritäten.

  • Scrum Master bestimmen: Jemand muss darauf achten, dass Scrum wirksam gelebt wird, und Hindernisse beseitigen, z. B. fehlende Zugänge zum Schulserver.

  • Definition of Done vereinbaren: Erst dann ist klar, wann ein Eintrag fertig ist (z. B. getestet, auf kleinen Handys geprüft, im Repository dokumentiert).

  • Termine für Daily Scrum, Sprint Review und Retrospective festlegen: Das Team trifft sich nur an Schultagen und braucht feste Zeiten, etwa in der ersten Pause.

  • Produktziel und User Stories formulieren: Die Wunschliste wird erst als User Stories mit Nutzen für die Teilnehmenden planbar und schätzbar.


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Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Übungsaufgaben zu Vorgehensmodellen” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/vorgehensmodelle-uebungsaufgaben veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/vorgehensmodelle/vorgehensmodelle. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 28.10.2026.

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