Marketingstrategie: SWOT-Analyse, BCG-Matrix, Marketingmix und Preisstrategien
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Marketingstrategie, SWOT-Analyse, BCG-Matrix, Portfolioanalyse, Marketingmix, Preispolitik, Preisdifferenzierung, Kommunikationspolitik, Sponsoring, Distributionspolitik
tl/dr; (ca. 17 min Lesezeit): Ein neues IT-Produkt verkauft sich nicht von allein. Der Artikel zeigt, wie Du mit der SWOT-Analyse die Ausgangslage bewertest, mit der BCG-Matrix ein Produktportfolio einordnest und den relativen Marktanteil berechnest, welche Normstrategien und Wettbewerbsstrategien daraus folgen und wie Du die vier Instrumente des Marketingmix mit passenden Maßnahmen füllst: Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik, von Penetrations- und Abschöpfungsstrategie über Preisdifferenzierung und psychologische Preise bis zu Absatzwegen, B2B und B2C, Sponsoring und den Grenzen der Telefonwerbung [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Dieser Artikel ist Teil einer Artikelreihe zu kaufmännischen Grundlagen für IT-Berufe: Angebots- und Verkaufskalkulation / Marketingstrategie / Übungsaufgaben zur Marketingstrategie
Schon fit in diesem Thema? Nutze die Kann-Liste und die Leitfragen unter dem Artikel als Checkliste, ob Du die relevanten Kompetenzen bereits hast.
Als Grundlagen kann ich nach Durchlesen des Artikels…
… die vier Instrumente des Marketingmix benennen und Maßnahmen zuordnen, z. B. Werbung, Verkaufsförderung, Öffentlichkeitsarbeit und Sponsoring zur Kommunikationspolitik.
… Ziel und Felder der SWOT-Analyse und der BCG-Matrix nennen.
Darüber hinaus kann ich als Expertenwissen…
… eine SWOT-Analyse für eine Produkteinführung erstellen und Einsatzbereiche nennen.
… relative und absolute Marktanteile berechnen, Produkte oder Geschäftsfelder in die BCG-Matrix eintragen, ihre Einordnung erläutern und Normstrategien ableiten, einschließlich Vor- und Nachteilen einer Marktrücknahme.
… Wettbewerbsstrategien (Kostenführerschaft, Differenzierung, Nische) und Marketingstrategien für neue Produkte beschreiben.
… für ein Produkt einen Marketingmix mit passenden Maßnahmen zusammenstellen.
… Preisstrategien für die Einführungsphase begründet empfehlen, Beispiele für personelle, zeitliche und mengenmäßige Preisdifferenzierung nennen und den Effekt psychologischer Preise erläutern.
… B2B und B2C unterscheiden, Gründe für den Einstieg ins Privatkundengeschäft beschreiben und Absatzwege vorschlagen.
… Sponsoring erläutern, Ziele eines Sponsors nennen und die rechtlichen Grenzen der Telefonwerbung beurteilen.
Ein Systemhaus will künftig Schulungen zur IT-Sicherheit anbieten, eine Fahrradfirma ihren Ortungsdienst an Privatleute verkaufen, eine App-Firma Vereinen ein eigenes Angebot machen: Bevor Geld in Werbung fließt, stellt sich die Frage, ob das Produkt überhaupt eine Chance hat, wie es ins bisherige Angebot passt und mit welchen Maßnahmen es zur Kundschaft kommt. Marketing bedeutet, das ganze Unternehmen am Markt und an den Bedürfnissen der Kundschaft auszurichten. Eine Marketingstrategie legt dafür langfristig fest, welche Produkte auf welchen Märkten mit welchen Mitteln angeboten werden. Sie entsteht in drei Schritten:
Situationsanalyse: Wo stehen wir? (SWOT-Analyse, Portfolioanalyse, Marktanalyse)
Strategie: Wohin wollen wir? (Normstrategien, Wettbewerbsstrategie, Zielgruppen)
Maßnahmen: Wie kommen wir dahin? (Marketingmix)
SWOT-Analyse: Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken
Die SWOT-Analyse verbindet einen Blick nach innen mit einem Blick nach außen. Der Name steht für Strengths, Weaknesses, Opportunities und Threats.
| positiv | negativ | |
|---|---|---|
| intern (Unternehmen, beeinflussbar) | Stärken (Strengths): z. B. starkes Image, zufriedene Stammkundschaft, qualifiziertes Personal, eigenes Know-how | Schwächen (Weaknesses): z. B. wenig Personal, knappes Budget, kein Vertrieb für Privatkundschaft, veraltete Systeme |
| extern (Markt, Umfeld, nicht beeinflussbar) | Chancen (Opportunities): z. B. wachsender Markt, neue Förderprogramme, steigende Nachfrage nach Sicherheit, Digitalisierung der Zielgruppe | Risiken (Threats): z. B. viele oder starke Wettbewerber, Preisdruck, neue Gesetze und Datenschutzauflagen, Lieferengpässe |
Achte auf die Trennung: Stärken und Schwächen beschreiben das eigene Unternehmen im Vergleich zur Konkurrenz, Chancen und Risiken die Entwicklungen im Umfeld. „Der Markt wächst“ ist keine Stärke, sondern eine Chance.
Aus der Kombination der Felder leitet man Strategien ab, z. B. Stärken nutzen, um Chancen zu ergreifen (SO-Strategie) oder Schwächen abbauen, um Risiken zu begegnen (WT-Strategie).
Einsatzbereiche: Die SWOT-Analyse ist ein strategisches Planungsinstrument für die Situationsanalyse im Marketing (Produkteinführung, neuer Markt), in der Geschäftsleitung (Unternehmensstrategie), im Projektmanagement (Bewertung eines Vorhabens), im Vertrieb und in der Personalentwicklung.
Portfolioanalyse mit der BCG-Matrix
Die BCG-Matrix (Boston-Consulting-Group-Matrix, Marktwachstum-Marktanteil-Portfolio) ordnet Produkte oder Geschäftsfelder nach zwei Größen ein:
Marktwachstum (senkrechte Achse): Wie stark wächst der Markt? Das zeigt die Zukunftsaussichten.
Relativer Marktanteil (waagerechte Achse): Wie stark ist das eigene Produkt im Vergleich zum stärksten Konkurrenten? Das zeigt die Wettbewerbsposition.
| relativer Marktanteil niedrig | relativer Marktanteil hoch | |
|---|---|---|
| Marktwachstum hoch | Question Marks (Fragezeichen, Nachwuchsprodukte) | Stars (Sterne) |
| Marktwachstum niedrig | Poor Dogs (arme Hunde) | Cash Cows (Melkkühe) |
Die Grenze zwischen „niedrig“ und „hoch“ liegt beim relativen Marktanteil meist bei 1,0 (also 100 %: gleich stark wie der stärkste Konkurrent), beim Marktwachstum wird sie in der Aufgabe vorgegeben (oft 5 % bis 10 % pro Jahr). In der Grafik wird jedes Produkt als Kreis oder Kreuz eingetragen; die Größe des Kreises zeigt oft den Umsatz.
Relativen und absoluten Marktanteil berechnen
Der absolute Marktanteil ist der eigene Umsatz- oder Absatzanteil am gesamten Markt. Der relative Marktanteil setzt ihn ins Verhältnis zum stärksten Konkurrenten:
\text{relativer Marktanteil} = \frac{\text{eigener Marktanteil}}{\text{Marktanteil des stärksten Konkurrenten}}
Geg.: eigener Marktanteil 4,2 %, stärkster Konkurrent 12,0 %
Ges.: relativer Marktanteil RMA
RMA = \frac{4{,}2\,\%}{12{,}0\,\%} = \underline{\underline{0{,}35}} \ (= 35\,\%)
Ein Wert von 0,35 bedeutet: Das Produkt erreicht nur 35 % des Marktanteils des Marktführers. Ab 1,0 ist das eigene Produkt selbst Marktführer; dann vergleicht man mit dem zweitstärksten Anbieter, und der relative Marktanteil liegt über 1,0.
Umgekehrt lässt sich der absolute Marktanteil aus dem relativen bestimmen:
RMA = \frac{MA_{eigen}}{MA_{Konkurrent}} \quad | \cdot MA_{Konkurrent}
MA_{eigen} = RMA \cdot MA_{Konkurrent}
Bei einem relativen Marktanteil von 1,5 und 20 % Marktanteil des nächstgrößten Wettbewerbers liegt der eigene Anteil bei 1{,}5 \cdot 20\,\% = \underline{\underline{30\,\%}}.
Normstrategien: Was folgt aus der Einordnung?
| Feld | Lage | Normstrategie | typische Maßnahmen |
|---|---|---|---|
| Question Marks | wachsender Markt, aber geringer eigener Anteil; meist neue Produkte; hoher Mittelbedarf, unsicher | Offensivstrategie oder Rückzug: entscheiden, ob das Produkt gefördert wird | gezielte Investitionen, intensive Werbung, Einführungspreise (Penetration), neue Vertriebswege; oder Aufgabe, wenn keine Aussicht |
| Stars | wachsender Markt, starke Position; tragen sich selbst, brauchen aber Investitionen | Investitionsstrategie: Position halten und ausbauen | Werbung fortführen, Produkt weiterentwickeln, Vertriebswege sichern, eher stabile Preise |
| Cash Cows | gesättigter Markt, starke Position; hohe Überschüsse bei geringem Mittelbedarf | Abschöpfungsstrategie: Gewinne mitnehmen | wenig Investitionen, Kosten senken, Kundschaft binden; Überschüsse finanzieren Question Marks und Stars |
| Poor Dogs | stagnierender oder schrumpfender Markt, schwache Position | Desinvestitionsstrategie: Rückzug prüfen | Produkt auslaufen lassen, verkaufen oder vom Markt nehmen, wenn es keine wichtige Rolle spielt |
Die Matrix zeigt auch, wie Produkte im Produktlebenszyklus wandern: Aus Question Marks werden mit Förderung Stars, aus Stars bei sinkendem Marktwachstum Cash Cows, aus diesen irgendwann Poor Dogs. Ein gesundes Portfolio braucht deshalb von allem etwas, vor allem Cash Cows, die den Nachwuchs finanzieren („Die Stars von heute sind die Cash Cows von morgen.“).
Einen Poor Dog einstellen oder behalten? Die Matrix gibt nur den Anlass für diese Frage, nicht die Antwort. Für das Einstellen spricht vor allem ein negativer Deckungsbeitrag: Deckt der Verkaufserlös nicht einmal die variablen Kosten, verschlechtert jedes verkaufte Stück das Ergebnis. Dazu kommt, dass auch ein kleines Produkt Entwicklung, Support, Lagerfläche und Vertriebszeit bindet, die anderswo mehr bewirken könnten. Gegen das Einstellen spricht, dass ein Produkt selten für sich allein steht: Stammkund*innen, die ein vollständiges Angebot erwarten, wechseln womöglich mit all ihren Aufträgen zur Konkurrenz; Fixkosten, die das Produkt bisher mitgetragen hat, verschwinden oft nicht, sondern belasten die übrigen Produkte; und die bisher damit beschäftigten Mitarbeitenden müssen anders eingesetzt werden, im ungünstigen Fall fallen Stellen weg. Manchmal bleibt ein Poor Dog deshalb bewusst im Angebot, z. B. ein kleiner Reparaturservice, ohne den Kund*innen keine Geräte kaufen würden.
Grenzen der BCG-Matrix
Die Matrix ist einfach und anschaulich, betrachtet aber nur zwei Größen. Gewinn, Kosten, Synergien zwischen Produkten und die Abgrenzung des Marktes (regional? bundesweit?) bleiben außen vor. Sie ist deshalb ein Startpunkt für eine Diskussion, keine automatische Entscheidung.
Wettbewerbsstrategien
Wie ein Unternehmen sich gegen die Konkurrenz durchsetzen will, beschreiben die Wettbewerbsstrategien nach Michael E. Porter:
Kostenführerschaft: durch niedrige Kosten in Beschaffung, Produktion und Vertrieb die niedrigsten Preise anbieten können und einen dauerhaften Kostenvorsprung halten (z. B. standardisierte Pakete, Automatisierung).
Differenzierung: sich nicht über den Preis, sondern über Qualität, Service, Design oder Beratung abheben, damit die Kundschaft bereit ist, mehr zu zahlen (z. B. Vor-Ort-Service in 4 Stunden, Individualfertigung).
Nischenstrategie (Fokussierung): sich auf eine eng umrissene Zielgruppe oder Region konzentrieren und dort Kosten- oder Qualitätsführer sein (z. B. IT für Arztpraxen in Ostwestfalen).
Für ein neues Produkt im Feld Question Marks bieten sich außerdem an: eine Marktdurchdringung (Penetration) mit Einführungspreisen und hohem Werbebudget, eine Marketingkampagne über mehrere Kanäle, um das Produkt bekannt zu machen, oder die Konzentration auf eine Zielgruppe, in der der eigene Anteil schnell wachsen kann.
Der Marketingmix: vier Instrumente
Der Marketingmix bündelt die Maßnahmen, mit denen die Strategie umgesetzt wird. Klassisch besteht er aus vier Instrumenten, im Englischen den 4 P:
| Instrument | englisch | Leitfrage | Beispiele für Maßnahmen |
|---|---|---|---|
| Produktpolitik (Produkt- und Sortimentspolitik) | Product | Was bieten wir an? | neue Produkte, Premium-Version, Service und Garantie, Verpackung und Marke, Sortiment erweitern oder bereinigen |
| Preispolitik (Kontrahierungspolitik) | Price | Zu welchen Bedingungen? | Preisstrategie, Rabatte, Preisdifferenzierung, Zahlungs- und Lieferbedingungen, Finanzierungsangebote |
| Distributionspolitik | Place | Wie kommt das Produkt zur Kundschaft? | Absatzwege (direkt, indirekt), Onlineshop, Fachhandel, Außendienst, Logistik |
| Kommunikationspolitik | Promotion | Wie erfährt die Kundschaft davon? | Werbung, Verkaufsförderung, Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring, Direktmarketing, Messen, Online-Marketing |
Die Maßnahmen müssen zueinander passen: Eine Premium-Version mit erweitertem Service (Produktpolitik) passt zu einem höheren Preis (Abschöpfung), zum Vertrieb über persönliche Beratung (direkter Absatz) und zu Fachmessen oder persönlichen Werbebriefen (Kommunikation), nicht zu Rabattschlachten im Discounter. Für Dienstleistungen wird der Mix oft auf sieben P erweitert (zusätzlich People, Process und Physical Evidence).
Preispolitik
Preisstrategien für neue Produkte
| Strategie | Vorgehen | geeignet, wenn … |
|---|---|---|
| Penetrationsstrategie (Marktdurchdringung) | niedriger Einführungspreis, um schnell viele Kund*innen und einen hohen Marktanteil zu gewinnen; Preis später anheben | der Markt preisempfindlich ist, Konkurrenz droht und hohe Stückzahlen die Kosten senken |
| Abschöpfungsstrategie (Skimming) | hoher Einführungspreis, um bei zahlungsbereiter Kundschaft hohe Gewinne abzuschöpfen; Preis später senken | das Produkt neu und überlegen ist, es kaum Konkurrenz gibt und Entwicklungskosten schnell zurückfließen sollen |
| Prämienpreisstrategie (Hochpreis dauerhaft) | dauerhaft hoher Preis für ein exklusives Image | bei Premiumprodukten mit hoher Qualität |
| Promotionspreisstrategie (Niedrigpreis dauerhaft) | dauerhaft niedrige Preise | bei Kostenführerschaft |
Geht es beim Markteintritt vor allem darum, sich schnell zu verbreiten, bevor Wettbewerber mit ähnlichen Angeboten nachziehen, spricht viel für die Penetrationsstrategie: Der niedrige Einstiegspreis senkt die Hürde zum Ausprobieren, und wer einmal Kund*in ist, wechselt seltener. Die Abschöpfungsstrategie lohnt sich dagegen eher, solange ein Produkt ohne echte Konkurrenz ist. Daneben orientiert sich die Preispolitik immer an Kosten (Preisuntergrenze, siehe Kalkulation), an der Nachfrage und an der Konkurrenz: Bei wenigen Anbietern (Oligopol) muss ein Unternehmen auf Preissenkungen der Wettbewerber reagieren.
Preisdifferenzierung
Bei der Preisdifferenzierung verlangt ein Unternehmen für dieselbe Leistung unterschiedliche Preise, um Zahlungsbereitschaft und Auslastung besser zu nutzen:
| Art | Unterschied nach … | Beispiele |
|---|---|---|
| personell | Kundengruppen | Rabatt für Schüler*innen und Auszubildende, Preise für Vereine oder Bildungseinrichtungen, Mitgliederpreise, Geschäfts- und Privatkundentarif |
| zeitlich | Zeitpunkt der Nutzung oder des Kaufs | günstigere Preise unter der Woche oder vormittags, Saisonpreise, Frühbucherrabatt, Aktionen zum Schuljahresbeginn |
| mengenmäßig | abgenommene Menge | Mengenrabatt, Staffelpreise je Lizenz, Kontingente, Jahresabo statt Monatsabo, Bonus ab einer bestimmten Zahl von Käufen |
| räumlich | Ort oder Region | unterschiedliche Preise je Land oder Filiale |
| sachlich (produktbezogen) | Ausstattung bei ähnlichem Kern | Basis-, Plus- und Premiumtarif |
Psychologische Preise
Gebrochene Preise (Schwellenpreise) wie 4,99 € statt 5,00 € nutzen den Schwelleneffekt: Kund*innen lesen von links nach rechts, nehmen vor allem die erste Ziffer wahr und empfinden den Preis als deutlich günstiger, obwohl er nur einen Cent niedriger ist. Runde Preise (z. B. 500 €) wirken dagegen hochwertig und werden für Premiumprodukte genutzt. Weitere Effekte sind Ankerpreise (durchgestrichener Vorher-Preis) und ein bewusst teures Paket, neben dem das mittlere günstig wirkt.
Distributionspolitik: Absatzwege, B2B und B2C
Direkter Absatz: Das Unternehmen verkauft selbst an die Endkundschaft, z. B. über eigenen Onlineshop, eigene Filialen, Außendienst (Reisende) oder Hausmessen. Vorteil: volle Kontrolle über Preis, Beratung und Kundendaten. Indirekter Absatz: Der Verkauf läuft über Zwischenstufen wie Groß- und Fachhandel, Handelsvertreter*innen, Marktplätze im Internet oder Partner (z. B. Handwerksbetriebe, Systemhäuser, Hausverwaltungen, die das Produkt mit eigener Leistung anbieten). Vorteil: größere Reichweite ohne eigenes Vertriebsnetz.
| Geschäftsmodell | Kundschaft | Besonderheiten |
|---|---|---|
| B2B (Business to Business) | Unternehmen, Vereine, Behörden | wenige, große Aufträge; lange Entscheidungen mit mehreren Beteiligten; individuelle Angebote, Rahmenverträge, Rechnungskauf |
| B2C (Business to Consumer) | Privatpersonen (Verbraucher*innen) | viele kleine Käufe; emotionale und schnelle Entscheidungen; Verbraucherschutz (Widerrufsrecht, Gewährleistung); Onlineshop und Massenkommunikation |
Gründe für den Einstieg ins B2C-Geschäft sind z. B. ein größerer Absatzmarkt mit höherem Umsatz und Gewinn, bessere Auslastung und sinkende Stückkosten durch größere Mengen, direkte Daten über die Endkundschaft für bedarfsgerechte Produkte sowie Kontrolle über Marke und Preis, wenn kein Handel dazwischen steht. Dafür braucht es Investitionen in Shop, Kundenservice und Rechtssicherheit.
Die eigene Website bei einer Produkteinführung: Sie kann drei Aufgaben übernehmen. Sie macht aufmerksam (Hinweis auf der Startseite, Blogbeitrag zum Starttermin, Anmeldung für eine Benachrichtigung zum Verkaufsstart), sie erklärt (eigene Produktseite mit klarer Handlungsaufforderung, kurze Demo im Browser, interaktiver Vergleich der Varianten) und sie schafft Vertrauen (Antworten auf typische Einwände, Erfahrungen erster Nutzer*innen, Rückrufservice oder Live-Beratung). Wie Online-Marketing mit Suchmaschinen, Social Media und Kennzahlen funktioniert, behandelt ein eigener Artikel.
Kommunikationspolitik
Die Kommunikationspolitik macht das Produkt bekannt und weckt Interesse. Ihre wichtigsten Instrumente:
| Instrument | Ziel und Merkmal | Beispiel |
|---|---|---|
| Werbung | Produkte bekannt machen und zum Kauf anregen, über Medien an viele | Anzeige, Plakat, Radiospot, Online-Anzeige |
| Verkaufsförderung (Sales Promotion) | kurzfristige Kaufanreize am Ort des Verkaufs | Gutschein, Probeabo, Gewinnspiel, Vorführung im Laden |
| Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations, PR) | Vertrauen und Image des Unternehmens aufbauen, nicht direkt verkaufen | Pressemitteilung, Tag der offenen Tür, Nachhaltigkeitsbericht |
| Sponsoring | Förderung von Personen oder Organisationen mit Geld, Sachmitteln oder Dienstleistungen gegen Nennung des Sponsors | Trikotsponsoring, Unterstützung eines Schulfests |
| Direktmarketing | persönliche, gezielte Ansprache einzelner Kund*innen | Werbebrief, Newsletter, Mailing an Bestandskundschaft |
| Persönlicher Verkauf und Messen | Beratung im Gespräch, Vorführung | Fachmesse, Hausmesse, Workshop |
Sponsoring gehört zur Kommunikationspolitik. Der Sponsor will das positive Image des Gesponserten auf sich übertragen und als Unterstützer wahrgenommen werden. Ziele sind z. B. höhere Bekanntheit, Imagepflege, Kontakt zu einer schwer erreichbaren Zielgruppe, Gewinnung neuer Kund*innen oder Fachkräfte (Arbeitgebermarke). Damit Sponsoring wirkt, muss es zum Gesponserten passen und glaubwürdig sein; aufdringliche Werbung schadet eher.
Grenzen: unzumutbare Belästigung
Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verbietet Werbung, die Empfänger*innen unzumutbar belästigt (§ 7 UWG):
Telefonwerbung bei Verbraucher*innen ist nur mit deren vorheriger ausdrücklicher Einwilligung erlaubt. Die Einwilligung muss dokumentiert und fünf Jahre aufbewahrt werden (§ 7a UWG).
Telefonwerbung bei Unternehmen (sonstigen Marktteilnehmern) ist erlaubt, wenn zumindest eine mutmaßliche Einwilligung vorliegt, d. h. ein sachliches Interesse des Angerufenen zu erwarten ist (z. B. bestehende Geschäftsbeziehung, passendes Angebot für den Betrieb).
Werbung per E-Mail, Fax oder automatischem Anruf braucht grundsätzlich eine vorherige ausdrückliche Einwilligung; für Bestandskund*innen gibt es eine enge Ausnahme bei ähnlichen Produkten mit Widerspruchsmöglichkeit.
Verstöße können abgemahnt werden; unerlaubte Telefonwerbung gegenüber Verbraucher*innen, Werbeanrufe mit automatischen Anrufmaschinen und Verstöße gegen die Dokumentationspflicht kann die Bundesnetzagentur zusätzlich mit Bußgeld belegen (§ 20 UWG). Für Kontaktformulare und Newsletter gilt zusätzlich der Datenschutz (Informationspflicht, Datenminimierung).
Leitfragen
- Was gehört in die vier Felder einer SWOT-Analyse, und wo wird sie eingesetzt?
Intern Stärken und Schwächen des eigenen Unternehmens, extern Chancen und Risiken aus Markt und Umfeld. Sie wird als strategisches Planungsinstrument z. B. im Marketing, in der Geschäftsleitung, im Projektmanagement und im Vertrieb eingesetzt. Siehe Abschnitt „SWOT-Analyse“.
- Wie berechnest Du den relativen Marktanteil, und wie liest Du die BCG-Matrix?
Eigener Marktanteil geteilt durch den Marktanteil des stärksten Konkurrenten. In der Matrix stehen oben die wachsenden Märkte (Question Marks links, Stars rechts), unten die gesättigten (Poor Dogs links, Cash Cows rechts); rechts liegen Produkte mit hohem relativem Marktanteil. Siehe Abschnitt „BCG-Matrix“.
- Welche Normstrategien gehören zu den vier Feldern der BCG-Matrix?
Question Marks: fördern oder aufgeben; Stars: investieren und Position ausbauen; Cash Cows: Gewinne abschöpfen und damit den Nachwuchs finanzieren; Poor Dogs: Rückzug prüfen. Siehe Abschnitt „Normstrategien“.
- Welche Instrumente hat der Marketingmix, und wie passen Maßnahmen zueinander?
Produkt-, Preis-, Distributions- und Kommunikationspolitik (4 P). Die Maßnahmen müssen zur Produktpolitik passen, z. B. Premium-Version mit Abschöpfungspreis, Direktvertrieb und Fachmesse. Siehe Abschnitt „Der Marketingmix“.
- Wann passt eine Penetrationsstrategie, und wann eher eine Abschöpfungsstrategie?
Penetration (niedriger Einstiegspreis, später anheben) passt, wenn ein Angebot sich schnell verbreiten soll, der Markt preisempfindlich ist und Wettbewerber bald nachziehen. Abschöpfung (hoher Einstiegspreis, später senken) passt, solange ein neues, überlegenes Produkt kaum Konkurrenz hat und Entwicklungskosten schnell zurückfließen sollen. Siehe Abschnitt „Preisstrategien“.
- Wie lässt sich der Preis differenzieren, und was bewirken gebrochene Preise?
Personell (Kundengruppen), zeitlich (Zeitpunkt), mengenmäßig (Menge), räumlich und sachlich. Gebrochene Preise wie 4,99 € wirken durch den Schwelleneffekt deutlich günstiger als 5,00 €. Siehe Abschnitt „Preisdifferenzierung“.
- Was unterscheidet B2B von B2C, und welche Absatzwege gibt es?
B2B sind Geschäfte zwischen Unternehmen, B2C Geschäfte mit Privatpersonen. Absatzwege sind direkt (Onlineshop, Außendienst, Filialen) oder indirekt (Fachhandel, Handelsvertretungen, Marktplätze, Partnerbetriebe). Siehe Abschnitt „Distributionspolitik“.
- Was ist Sponsoring, und wann ist Telefonwerbung erlaubt?
Sponsoring ist die Förderung von Personen oder Organisationen mit Geld, Sach- oder Dienstleistungen, damit sich deren gutes Image auf den Sponsor überträgt; es gehört zur Kommunikationspolitik. Telefonwerbung bei Verbraucher*innen braucht deren vorherige ausdrückliche Einwilligung, bei Unternehmen zumindest eine mutmaßliche Einwilligung (§ 7 UWG). Siehe Abschnitt „Kommunikationspolitik“.
Links und weitere Informationen
als Nachschlagewerk: Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), §§ 7 und 7a
Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)
Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Marketingstrategie: SWOT-Analyse, BCG-Matrix, Marketingmix und Preisstrategien” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/marketingstrategie veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/betriebswirtschaft/unternehmen-markt. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 28.10.2026.
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