Übungsaufgaben zu Servern und Serverkomponenten
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https://oer-informatik.de/serverhardware-uebungsaufgaben
Server, Serverhardware, ECC-RAM, Arbeitsspeicher aufrüsten, NVMe, MTBF, Badewannenkurve, Workstation, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 131 min, mehrere Aufgaben): Vier Übungsaufgaben zur Auswahl von Servern nach Einsatzzweck, zu Sockeln, Kernen und Lizenzen, zu ECC-Speicher und Speicheraufrüstung mit Datenratenberechnung, zu Laufwerksdatenblättern, Badewannenkurve und Mix-and-Match, zur Beurteilung eines Serverangebots, zu Engpässen, Workstations und zum Austausch eines veralteten Routers. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Server und Serverkomponenten auswählen.
Hinweise zur Bearbeitung: Als FISY, FIDV, ISE oder IKS musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1 und Aufgabe 2.2. Von IKS wird zusätzlich erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1 und Aufgabe 3.2) keine Probleme bereiten. Englische Datenblattauszüge sind bewusst nicht übersetzt. Schreib Deine Lösung zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst.
Aufgabe 2.1: Zwei neue Server und ein neuer Router für das Lager (Kernkompetenz)
(ca. 41 min Bearbeitungszeit)
Die CSB-Rad GmbH ersetzt die alten Geräte im abschließbaren Serverschrank ihres Lagers in Bielefeld-Sennestadt. Geplant sind ein Datenbankserver für die Warenwirtschaft (MariaDB, auch mit den Auftragsdaten aus dem Onlineshop) und ein Virtualisierungshost für rund 20 virtuelle Maschinen (Händlerportal, Werkstattportal, Testumgebungen, Dateidienste). Du unterstützt Cem Sarıkaya, Geschäftsführer Technik und IT, bei der Auswahl. Zur Wahl stehen zwei Systeme:
| Komponente | System A | System B |
|---|---|---|
| Prozessoren | 2 × 32 Kerne/64 Threads, 2,4 GHz (Turbo 3,6 GHz) | 1 × 16 Kerne/32 Threads, 3,9 GHz (Turbo 4,8 GHz) |
| Arbeitsspeicher | 1 TB DDR5-4800 ECC RDIMM (16 × 64 GB), 32 Steckplätze | 128 GB DDR5-5600 ECC RDIMM (4 × 32 GB), 16 Steckplätze, 8 Speicherkanäle |
| Laufwerke | 4 × 7,68 TB NVMe-SSD „Read Intensive“ (1 DWPD), RAID 10 | 6 × 1,6 TB NVMe-SSD „Mixed Use“ (3 DWPD, 900.000 IOPS lesend), RAID 10 |
| Netzwerk | 4 × 25 GbE (SFP28) | 2 × 10 GbE |
| Netzteile | 2 × 1.600 W, redundant, 80 PLUS Titanium | 2 × 800 W, redundant, 80 PLUS Titanium |
| Sonstiges | BMC, TPM 2.0, Hot-Swap-Einschübe | BMC, TPM 2.0, Hot-Swap-Einschübe |
a) Bestimme, welches System als Datenbankserver und welches als Virtualisierungshost eingesetzt werden sollte. Erläutere Deine Entscheidung jeweils mit einer Begründung. (6 Punkte)
b) Im Datenblatt von System A steht „2 sockets, 64 cores, 128 threads“. Erläutere die Begriffe Socket und Core. (4 Punkte)
a) Je 1 Punkt für die Zuordnung, je 2 Punkte für eine schlüssige Begründung:
Datenbankserver: System B. Der hohe Takt (3,9 bzw. 4,8 GHz) beschleunigt Abfragen, die nur einen Kern nutzen; die Mixed-Use-SSDs mit vielen IOPS und 3 DWPD vertragen die vielen kleinen, zufälligen Schreib- und Lesezugriffe einer Datenbank. 16 Kerne und 128 GB (erweiterbar) reichen für die Warenwirtschaft.
Virtualisierungshost: System A. 64 Kerne bzw. 128 Threads und 1 TB Arbeitsspeicher lassen sich auf viele virtuelle Maschinen verteilen; vier 25-GbE-Ports versorgen viele VMs mit Netzwerkbandbreite, und die großen SSDs bieten Platz für viele VM-Abbilder.
Andere schlüssige Begründungen sind möglich, die Zuordnung nicht.
b) Je 2 Punkte:
Socket (Sockel): Steckplatz für einen physischen Prozessor auf dem Mainboard. System A hat zwei Sockel, also zwei Prozessoren.
Core (Kern): eigenständige Recheneinheit innerhalb eines Prozessors, die Befehle unabhängig von den anderen Kernen ausführt. System A hat 2 × 32 = 64 Kerne; mit Multithreading bearbeitet jeder Kern zwei Threads (128 logische Prozessoren).
c) Bei der Recherche zu Arbeitsspeicher für die Server findest Du folgenden Text:
Error-correcting code (ECC) memory stores additional check bits together with every 64-bit data word. Using these check bits, the memory controller fixes any single-bit error on the fly without interrupting operation. If two bits of the same word are flipped, the error is detected and reported, but it cannot be corrected. Depending on the configuration, the system logs the event or halts to keep corrupted data from being processed. ECC is recommended for systems that run around the clock, hold large amounts of memory or host many virtual machines.
ca) Beschreibe auf Deutsch, welche Speicherfehler ECC erkennt und welche es auch korrigiert. (4 Punkte)
cb) Nenne zwei Vorteile, die ECC-Speicher für den Virtualisierungshost bringt. (2 Punkte)
cc) Beide Systeme verwenden „ECC RDIMM“. Erläutere, was die Bezeichnung Registered (RDIMM) bedeutet. (2 Punkte)
ca) 1-Bit-Fehler in einem Datenwort werden erkannt und sofort korrigiert, ohne den Betrieb zu unterbrechen (2 Punkte). 2-Bit-Fehler in einem Datenwort werden nur erkannt und gemeldet, aber nicht korrigiert; das System protokolliert den Fehler oder hält an (2 Punkte).
cb) Je 1 Punkt, z. B.:
keine stillen Datenverfälschungen in den virtuellen Maschinen,
höhere Stabilität: Ein einzelner Bitfehler bringt nicht den ganzen Host mit allen VMs zum Absturz,
Fehler werden protokolliert, ein schwächelndes Modul fällt frühzeitig auf,
geeignet für den Dauerbetrieb mit sehr viel Arbeitsspeicher.
cc) Auf dem Modul sitzt ein Register, das Adress- und Steuersignale zwischenspeichert und neu treibt (1 Punkt). Das verringert die elektrische Last für den Speichercontroller, sodass er mehr Module und damit mehr Arbeitsspeicher ansteuern kann (1 Punkt).
d) Der Datenbankserver (System B) soll von 128 GB auf 256 GB aufgerüstet werden; dafür werden nur identische 32-GB-Module verwendet. Die vier vorhandenen Module stecken in A1, C1, E1 und G1. Der Hersteller gibt folgende Bestückung vor (Kanäle A bis H, je zwei Steckplätze):
| Anzahl Module | zu bestückende Steckplätze |
|---|---|
| 2 | A1, E1 |
| 4 | A1, C1, E1, G1 |
| 6 | A1, B1, C1, E1, F1, G1 |
| 8 | A1, B1, C1, D1, E1, F1, G1, H1 |
| 12 | A1 bis H1 sowie A2, C2, E2, G2 |
| 16 | alle |
da) Berechne, wie viele Module neu beschafft werden müssen. Gib den Rechenweg an. (3 Punkte)
db) Gib die Steckplätze an, in die Du die neuen Module setzt. (3 Punkte)
dc) Ein Speicherkanal überträgt 64 Datenbit je Übertragung. Berechne die maximale Datenrate eines Kanals bei DDR5-5600 sowie die maximale Datenrate des gesamten Arbeitsspeichers vor und nach der Aufrüstung. (4 Punkte)
dd) Laut Datenblatt haben die Module eine CAS-Latenz von CL 46. Berechne diese Verzögerung in Nanosekunden. (2 Punkte)
Geg.: Zielkapazität 256 GB, Modulgröße 32 GB, vorhanden 4 Module; DDR5-5600 (5.600 · 10⁶ Übertragungen/s), 64 bit = 8 Byte je Übertragung; CL 46
da)
Ges.: Anzahl neuer Module n_neu
n_{\text{gesamt}} = \frac{256\,\mathrm{GB}}{32\,\mathrm{GB}} = 8 \qquad n_{\text{neu}} = n_{\text{gesamt}} - n_{\text{vorhanden}} = 8 - 4 = \underline{\underline{4\ \text{Module}}}
2 Punkte für den Rechenweg, 1 Punkt für das Ergebnis.
db) B1, D1, F1 und H1 (bei 8 Modulen ist der erste Steckplatz jedes Kanals belegt; A1, C1, E1, G1 sind schon bestückt). Je richtigem Steckplatz 0,75 Punkte, falsche Steckplätze führen zu Abzug.
dc)
Ges.: Datenrate je Kanal r_K, Gesamtdatenrate vorher r_4 und nachher r_8
r_K = 5600 \cdot 10^6\,\tfrac{1}{\mathrm{s}} \cdot 8\,\mathrm{Byte} = 44{,}8 \cdot 10^9\,\tfrac{\mathrm{Byte}}{\mathrm{s}} = \underline{\underline{44{,}8\,\tfrac{\mathrm{GB}}{\mathrm{s}}}}
Vorher nutzen die vier Module vier Kanäle, nachher alle acht:
r_4 = 4 \cdot 44{,}8\,\tfrac{\mathrm{GB}}{\mathrm{s}} = \underline{\underline{179{,}2\,\tfrac{\mathrm{GB}}{\mathrm{s}}}} \qquad r_8 = 8 \cdot 44{,}8\,\tfrac{\mathrm{GB}}{\mathrm{s}} = \underline{\underline{358{,}4\,\tfrac{\mathrm{GB}}{\mathrm{s}}}}
2 Punkte für die Kanaldatenrate, je 1 Punkt für die Gesamtwerte. Die Aufrüstung verdoppelt also nicht nur die Kapazität, sondern auch die Speicherbandbreite.
dd)
Ges.: Verzögerung t_CL
Der Takt ist halb so hoch wie die Zahl der Übertragungen je Sekunde (Double Data Rate): f = \frac{5600\,\mathrm{MHz}}{2} = 2800\,\mathrm{MHz}.
t_{CL} = \frac{CL}{f} = \frac{46}{2800 \cdot 10^6\,\tfrac{1}{\mathrm{s}}} = \frac{23}{1400} \cdot 10^{-6}\,\mathrm{s} \approx \underline{\underline{16{,}429\,\mathrm{ns}}}
1 Punkt für den halben Takt, 1 Punkt für das Ergebnis.
e) Für den Rahmenkonfigurator im Onlineshop sollen auf dem Virtualisierungshost künftig 3D-Vorschaubilder der konfigurierten Rahmen berechnet werden. Cem schlägt vor, dafür eine GPU-Karte einzubauen. Erläutere die Funktion einer GPU und nenne einen Vorteil für diesen Einsatz. (3 Punkte)
Eine GPU (Graphics Processing Unit) ist ein Prozessor mit sehr vielen einfachen Rechenwerken, die gleichartige Berechnungen parallel ausführen; sie ist auf das Berechnen von Bildern (Rendering) spezialisiert (2 Punkte). Vorteil (1 Punkt): Die Vorschaubilder werden viel schneller berechnet, und der Hauptprozessor wird entlastet, sodass die übrigen virtuellen Maschinen nicht ausgebremst werden.
f) Auch der Router im Lager soll ersetzt werden, denn das Lager erhält einen Glasfaseranschluss mit 500 Mbit/s im Download und 100 Mbit/s im Upload. Aus dem Datenblatt des alten Routers:
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Baujahr | 2016 |
| WAN-Anschluss | 1 × 100 Mbit/s |
| LAN-Anschlüsse | 4 × 10/100 Mbit/s |
| Routing-Durchsatz (NAT) | 90 Mbit/s |
| Protokolle | IPv4 (kein IPv6) |
| WLAN | 802.11n, WPA2 mit TKIP |
| letzte Firmware | 03/2021, Gerät vom Hersteller abgekündigt (End of Life) |
fa) Beschreibe vier Merkmale, an denen Du erkennst, dass der Router veraltet ist. (4 Punkte)
fb) Der neue Router soll den Anschluss voll ausnutzen, mindestens sechs Gigabit-LAN-Ports haben, IPv6 unterstützen, VPN-Verbindungen (Fernwartung, Homeoffice) mit mindestens 200 Mbit/s schaffen und bis mindestens 2030 Sicherheitsupdates erhalten. Wähle einen der folgenden Router aus und begründe Deine Wahl. (4 Punkte)
| Modell | WAN | LAN | Routing-Durchsatz (NAT) | IPv6 | VPN-Durchsatz | Updates zugesagt bis | Preis |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lipper-Link 300 | 1 × 1 GbE | 4 × 1 GbE | 350 Mbit/s | ja | 80 Mbit/s | 2029 | 189 € |
| Teuto-Gate 2500 | 1 × 2,5 GbE | 8 × 1 GbE | 2,3 Gbit/s | ja | 900 Mbit/s | 2032 | 479 € |
| Senne-Office 10 | 1 × 1 GbE | 10 × 1 GbE | 940 Mbit/s | nein | 120 Mbit/s | 2027 | 229 € |
fc) Beschreibe vier Arbeitsschritte, die beim Austausch des Routers nötig sind. (4 Punkte)
fa) Je 1 Punkt, z. B.:
Der Hersteller hat das Gerät abgekündigt, seit 2021 gibt es keine Sicherheitsupdates mehr; bekannte Lücken bleiben offen.
WAN-Port mit 100 Mbit/s und Routing-Durchsatz von 90 Mbit/s: Der neue 500-Mbit/s-Anschluss kann nicht genutzt werden.
Nur Fast Ethernet (100 Mbit/s) an den LAN-Ports statt Gigabit.
Kein IPv6, obwohl Anbieter zunehmend IPv6 voraussetzen.
WLAN 802.11n mit WPA2/TKIP: TKIP gilt als unsicher; aktuell sind WPA3 bzw. WPA2 mit AES.
fb) Teuto-Gate 2500 (1 Punkt). Begründung (3 Punkte): Es ist das einzige Gerät, das alle Anforderungen erfüllt – Routing-Durchsatz 2,3 Gbit/s (genug für 500 Mbit/s mit Reserve), 8 Gigabit-Ports, IPv6, 900 Mbit/s VPN-Durchsatz und Updates bis 2032. Lipper-Link 300 scheitert an Durchsatz (350 Mbit/s), Portzahl, VPN-Durchsatz und Updatezeitraum, Senne-Office 10 an IPv6, VPN-Durchsatz und Updates bis 2027. Der höhere Preis ist dadurch gerechtfertigt.
fc) Je 1 Punkt, z. B.:
Konfiguration des alten Routers sichern und dokumentieren (Adressbereiche, Portweiterleitungen, Firewall-Regeln, VPN-Zugänge).
Neuen Router vorab konfigurieren, Firmware aktualisieren und testen.
Wartungsfenster festlegen (z. B. nach Ladenschluss) und Betroffene informieren; altes Gerät als Rückfalllösung bereithalten.
Router tauschen und Funktion prüfen (Internet, IPv6, VPN, Erreichbarkeit von Shop und Servern).
Dokumentation (Netzplan, Inventar, Zugangsdaten) aktualisieren, Altgerät auf Werkseinstellungen zurücksetzen und entsorgen.
Aufgabe 2.2: Laufwerke für das Rechenzentrum der Schul-IT (Kernkompetenz)
(ca. 38 min Bearbeitungszeit)
Die Schul-IT OWL betreut die Netze der Bielefelder Schulen, darunter das Ratz und Rübe Berufskolleg. Für ihr Rechenzentrum beschafft sie ein neues Speichersystem (SAN) mit 24 Hot-Swap-Einschüben für SAS-Festplatten mit je 20 TB sowie NVMe-SSDs für die Server der virtuellen Desktops. Du bist Auszubildende*r bei der Schul-IT OWL und unterstützt Svenja Krämer, Netzwerkadministratorin und Ausbilderin.
a) Svenja erklärt Dir: „Neue Platten laufen bei uns zuerst zwei Wochen im Testbetrieb, bevor echte Daten darauf kommen. Und nach fünf Jahren tauschen wir alle aus, auch wenn sie noch laufen.“
aa) Skizziere die Badewannenkurve. Beschrifte die Achsen und kennzeichne die drei Zeiträume. (3 Punkte)
ab) Erläutere die Bedeutung der drei Zeiträume für die Auswahl und den Betrieb von Festplatten und begründe damit Svenjas Vorgehen. (4 Punkte)
b) Der Händler bietet an, alle 26 Festplatten (24 und 2 als Reserve) aus einer einzigen Lieferung zu einem Sonderpreis zu liefern. Svenja möchte stattdessen nach dem „Mix-and-Match“-Prinzip beschaffen. Erläutere dieses Prinzip. (3 Punkte)
aa) 3 Punkte: Achsen „Ausfallrate“ (senkrecht) und „Betriebszeit“ (waagerecht) (1 Punkt); Kurvenverlauf: am Anfang hoch und schnell fallend, lange niedrig und nahezu konstant, am Ende wieder steigend (1 Punkt); Zeiträume I Frühphase, II Nutzungsphase, III Verschleißphase gekennzeichnet (1 Punkt).
ab) 4 Punkte (je Zeitraum 1 Punkt, Begründung des Vorgehens 1 Punkt):
Zeitraum I (Frühphase): hohe Ausfallrate durch Fertigungsfehler und Transportschäden. Fehlerhafte Platten fallen meist früh aus – deshalb der zweiwöchige Testbetrieb (Burn-in): Defekte zeigen sich, bevor Daten darauf liegen, und werden über die Garantie ersetzt.
Zeitraum II (Nutzungsphase): niedrige, nahezu konstante Ausfallrate durch zufällige Ausfälle. Hier gelten MTBF bzw. AFR; Ausfälle sind selten, deshalb reichen RAID mit Hot-Spare und Datensicherung.
Zeitraum III (Verschleißphase): Die Ausfallrate steigt durch Alterung und Verschleiß. Deshalb tauscht Svenja die Platten vorbeugend nach fünf Jahren aus (etwa zum Ende der Garantie), bevor sich die Ausfälle häufen.
b) 3 Punkte: Festplatten aus derselben Fertigungscharge haben häufig dieselben Fertigungsfehler oder Schwachstellen und altern gleich; sie können deshalb kurz nacheinander ausfallen (1 Punkt). Beim Mix-and-Match-Prinzip werden Platten aus verschiedenen Chargen gemischt, z. B. bei verschiedenen Händlern oder zu verschiedenen Zeitpunkten gekauft (1 Punkt). Das senkt das Risiko, dass mehrere Platten eines RAID-Verbunds gleichzeitig oder während des Wiederaufbaus ausfallen und Daten verloren gehen (1 Punkt).
c) Im Datenblatt des Speichersystems findest Du folgende Angaben:
Storage system SX-24 – reliability data. Controller enclosure: MTBF 220,000 hours. Controllers, power supplies and fans are field-replaceable units and can be replaced without downtime. 20 TB SAS HDD (7,200 rpm): MTTF 2,500,000 hours, annualized failure rate (AFR) 0.35 %. MTBF and MTTF are statistical values derived from a large population of units during their useful life. They do not describe the expected service life of an individual unit.
ca) Erläutere die Bedeutung der Angaben MTBF und MTTF für den langfristigen Einsatz des Speichersystems. (4 Punkte)
cb) Weise rechnerisch nach, dass MTTF und AFR der Festplatten zusammenpassen. Berechne außerdem, wie viele Festplattenausfälle bei 24 Platten in fünf Jahren Nutzungsphase statistisch zu erwarten sind. (3 Punkte)
ca) 4 Punkte:
MTBF gilt für das reparierbare Gehäuse mit den Controllern: Es soll viele Jahre genutzt und bei einem Defekt durch Tausch von Controller, Netzteil oder Lüfter instandgesetzt werden. Die MTBF zeigt, in welchen Abständen im Mittel mit einer Reparatur zu rechnen ist (220.000 h ≈ 25 Jahre zwischen zwei Ausfällen) (2 Punkte).
MTTF gilt für die Festplatten, die bei einem Defekt nicht repariert, sondern ausgetauscht werden. Sie gibt die mittlere Zeit bis zum Ausfall in der Nutzungsphase an (2 Punkte).
Beides sind statistische Werte über viele Geräte: Eine einzelne Platte hält nicht 2,5 Millionen Stunden; über die Verschleißphase sagen die Werte nichts aus, deshalb trotzdem rechtzeitig tauschen.
cb)
Geg.: MTTF = 2.500.000 h, 1 Jahr = 8.760 h, AFR laut Datenblatt 0,35 %, 24 Platten, 5 Jahre
Ges.: AFR aus der MTTF, erwartete Ausfälle n
\text{AFR} \approx \frac{8760\,\mathrm{h}}{\text{MTTF}} = \frac{8760\,\mathrm{h}}{2\,500\,000\,\mathrm{h}} = 0{,}003504 \approx \underline{\underline{0{,}350\,\%}}
Das stimmt mit der Angabe 0,35 % überein (1 Punkt).
n = 24 \cdot 0{,}003504 \cdot 5 \approx \underline{\underline{0{,}420\ \text{Ausfälle}}}
Statistisch ist in fünf Jahren also weniger als ein Ausfall zu erwarten (2 Punkte) – ein Ausfall kann trotzdem jederzeit eintreten, und in der Verschleißphase steigt die Zahl.
d) Für die Server der virtuellen Desktops ist folgende SSD vorgesehen:
SN-7400 Mixed-Use NVMe SSD, U.2 (PCIe 4.0 x4), capacity 3.84 TB. NAND type: 176-layer 3D TLC. Sequential read/write: 6,800/4,000 MB/s. Random 4K read/write: 1,100,000/300,000 IOPS. Endurance: 3 DWPD over the 5-year warranty period. Hot-pluggable.
da) Erkläre zwei der Begriffe TLC, IOPS und DWPD. (4 Punkte)
db) Berechne die TBW-Angabe (Terabytes Written), die sich aus dem Datenblatt ergibt. (3 Punkte)
dc) Erläutere die Arbeitsweise der NVMe-Anbindung im Vergleich zu SAS-Laufwerken. (3 Punkte)
da) Je Begriff 2 Punkte:
TLC (Triple-Level Cell): Flash-Speicherzellen, die je drei Bit speichern. Günstiger und größer als SLC/MLC, aber langsamer beim Schreiben und mit weniger Schreibzyklen.
IOPS (Input/Output Operations Per Second): Zahl der Ein- und Ausgabeoperationen je Sekunde, hier für zufällige Zugriffe mit 4-KiB-Blöcken; wichtig, wenn viele virtuelle Desktops gleichzeitig kleine Dateien lesen und schreiben.
DWPD (Drive Writes Per Day): Die SSD darf während der Garantiezeit täglich dreimal vollständig beschrieben werden (Schreibfestigkeit).
db)
Geg.: Kapazität 3,84 TB, 3 DWPD, Garantie 5 Jahre zu je 365 Tagen
Ges.: TBW
\text{TBW} = \text{DWPD} \cdot \text{Kapazität} \cdot 365 \cdot \text{Jahre} = 3 \cdot 3{,}84\,\mathrm{TB} \cdot 365 \cdot 5 = \underline{\underline{21\,024\,\mathrm{TB}}} \approx 21{,}024\,\mathrm{PB}
1 Punkt Formel, 1 Punkt Einsetzen, 1 Punkt Ergebnis.
dc) 3 Punkte, z. B.: NVMe ist ein Protokoll, das SSDs direkt über PCI Express mit dem Prozessor verbindet; ein SAS- oder SATA-Controller ist nicht nötig. Es wurde für Flash-Speicher entwickelt und kennt sehr viele parallele Befehlswarteschlangen (bis zu 65.535 mit je bis zu 65.536 Befehlen), sodass viele Kerne gleichzeitig zugreifen können. Dadurch sind Latenz und Protokoll-Overhead geringer, Datenraten und IOPS viel höher als bei SAS (12 bzw. 24 Gbit/s, wenige Warteschlangen).
e) Erläutere, warum das SAN Hot-Swap-Einschübe hat. (2 Punkte)
f) Das SAN kann Daten vor dem Speichern komprimieren. Gespeichert werden eingescannte Schülerakten (PDF mit eingebetteten JPEG-Bildern), Datenbankdateien, Videoaufzeichnungen aus dem Barcamp (MP4) und Textdokumente. Erläutere, bei welchen dieser Daten die Kompression keinen Vorteil bringt. (2 Punkte)
g) Ordne die Fachbegriffe den Baugruppen eines Servers zu: 7.200 U/min, 3 DWPD, TDP 205 W, SFP28, 80 PLUS Titanium, TPM 2.0. (3 Punkte)
| Baugruppe | Fachbegriff |
|---|---|
| Festplatte (HDD) | |
| SSD | |
| Prozessor | |
| Netzwerkkarte | |
| Netzteil | |
| Mainboard |
e) Fällt eine Festplatte aus, kann sie im laufenden Betrieb gezogen und ersetzt werden; das SAN und alle Schulen, die darauf zugreifen, bleiben verfügbar, und der RAID-Wiederaufbau beginnt sofort (2 Punkte). Ebenso lässt sich der Speicher im Betrieb erweitern.
f) Bei den Videoaufzeichnungen (MP4) und den eingescannten Akten (JPEG-Bilder im PDF) bringt die Kompression kaum etwas: Diese Formate sind bereits komprimiert und lassen sich nicht noch einmal nennenswert verkleinern, kosten aber Rechenzeit (2 Punkte). Datenbankdateien und Textdokumente lassen sich dagegen gut komprimieren.
g) Je richtiger Zuordnung 0,5 Punkte:
| Baugruppe | Fachbegriff |
|---|---|
| Festplatte (HDD) | 7.200 U/min |
| SSD | 3 DWPD |
| Prozessor | TDP 205 W |
| Netzwerkkarte | SFP28 |
| Netzteil | 80 PLUS Titanium |
| Mainboard | TPM 2.0 |
h) Benenne drei Umwelteinflüsse im Serverraum, die die Lebensdauer der Hardware verkürzen können. (3 Punkte)
i) Svenja möchte das neue SAN und das Backup-System in zwei verschiedenen Brandabschnitten aufstellen. Nenne den Grund dafür. (2 Punkte)
j) Für die Server der virtuellen Desktops erwägt Svenja ein Blade-System statt einzelner Rack-Server. Nenne drei Vorteile von Blade-Servern. (3 Punkte)
h) Je 1 Punkt: zu hohe Umgebungstemperatur, zu hohe oder zu niedrige Luftfeuchte, Staub und Partikel in der Raumluft, elektromagnetische Störungen, Erschütterungen, Feuchtigkeit bzw. Wasser.
i) Bei einem Brand in einem Abschnitt bleibt der andere unversehrt; Originaldaten und Sicherung können nicht gleichzeitig zerstört werden (2 Punkte). Oft haben die Abschnitte zusätzlich getrennte Strom- und Klimaversorgung.
j) Je 1 Punkt, z. B.: höhere Packungsdichte (mehr Server auf weniger Höheneinheiten); gemeinsame Netzteile, Lüfter und Netzwerkanbindung im Chassis sparen Energie und Kosten; deutlich weniger Verkabelung; zentrale Verwaltung aller Blades; Blades lassen sich im laufenden Betrieb tauschen und schnell ergänzen.
Aufgabe 3.1: Ein Angebot für den eigenen Datenbankserver beurteilen (Profilkompetenz)
(ca. 34 min Bearbeitungszeit)
Die Let’s Meet GmbH betreibt ihre Datenbank bisher auf einem gemieteten Server. Yusuf Demir, Leiter der Entwicklung, möchte künftig einen eigenen Datenbankserver in den gemieteten Serverschrank eines Rechenzentrums in Bielefeld stellen. Clara Neumann, Geschäftsführerin, verantwortet auch die Finanzen und bittet Dich, das Angebot eines Systemhauses zu beurteilen.
a) Gib für die Komponenten aus dem Angebot jeweils zwei Spezifikationen an, die auf einen leistungsstarken und zuverlässigen Einsatz im Server zugeschnitten sind, und begründe sie kurz. (8 Punkte)
| Komponente laut Angebot | auf den Servereinsatz zugeschnitten, weil … |
|---|---|
| Beispiel: 2 × 25 GbE SFP28 onboard, zweite Karte optional | 25 Gbit/s je Port für viele gleichzeitige Datenbankzugriffe; zwei Ports bündelbar, Server bleibt bei Ausfall eines Ports erreichbar |
| 1 × Server-Prozessor, 24 Kerne/48 Threads, 2,8 GHz (Turbo 4,1 GHz), 96 MB L3-Cache, 12 Speicherkanäle DDR5-5600, zweiter Sockel nachrüstbar | |
| 4 × 64 GB DDR5-5600 ECC RDIMM, 24 Steckplätze, maximal 3 TB | |
| 8 × 2,5-Zoll-Hot-Swap-Einschübe (NVMe/SAS/SATA), bestückt mit 4 × 3,2 TB NVMe-SSD „Mixed Use“ (3 DWPD); Hardware-RAID-Controller mit Cache und Pufferung bei Stromausfall; 2 × M.2-SSD im RAID 1 als Bootlaufwerk | |
| 2 × 1.200 W, redundant, Hot-Plug, 80 PLUS Titanium |
Je Komponente 2 Punkte (je Nennung mit Begründung 1 Punkt), z. B.:
| Komponente | auf den Servereinsatz zugeschnitten, weil … |
|---|---|
| Prozessor | Server-Prozessor mit 24 Kernen/48 Threads für viele parallele Abfragen; großer L3-Cache (96 MB) spart Zugriffe auf den Arbeitsspeicher; 12 Speicherkanäle für hohe Speicherbandbreite; zweiter Sockel erlaubt spätere Verdopplung; Turbo 4,1 GHz für Abfragen auf einem Kern |
| Arbeitsspeicher | ECC korrigiert Bitfehler; Registered DIMMs ermöglichen sehr große Ausbauten bis 3 TB; 24 Steckplätze mit nur 4 belegten lassen viel Reserve; DDR5-5600 mit hoher Datenrate |
| Laufwerke | Hot-Swap: Tausch im laufenden Betrieb; NVMe mit sehr vielen IOPS und kurzer Latenz für die Datenbank; Mixed Use mit 3 DWPD verträgt viele Schreibzugriffe; Hardware-RAID mit gepuffertem Cache: schnelle Schreibzugriffe ohne Datenverlust bei Stromausfall; gespiegelte Boot-SSDs; vier freie Einschübe für Erweiterungen |
| Netzteile | redundant: Ausfall eines Netzteils führt nicht zum Serverausfall; Hot-Plug: Tausch im Betrieb; 80 PLUS Titanium: sehr hoher Wirkungsgrad (95 % bei halber Last), weniger Stromkosten und Abwärme im Dauerbetrieb; 1.200 W reichen auch für einen zweiten Prozessor und volle Laufwerksbestückung |
b) Begründe für die weiteren Ausstattungsdetails jeweils, warum sie für den Datenbankserver sinnvoll sind. (10 Punkte)
| Ausstattungsdetail | Begründung |
|---|---|
| Beispiel: Dual-Port-Netzwerkkarte | Ports werden gebündelt: höherer Durchsatz, und der Server bleibt erreichbar, wenn ein Port, Kabel oder Switch ausfällt |
| BMC mit eigenem Netzwerkanschluss | |
| zusätzliches Laufwerk als Hot-Spare | |
| beide Netzteile an getrennten Stromkreisen (A- und B-Einspeisung des Rechenzentrums) | |
| TPM 2.0 mit Secure Boot | |
| Rack-Gehäuse mit 1 HE und Gleitschienen |
Je Zeile 2 Punkte, z. B.:
| Ausstattungsdetail | Begründung |
|---|---|
| BMC mit eigenem Netzwerkanschluss | Das Rechenzentrum ist nicht im Büro: Yusuf kann den Server aus der Ferne ein- und ausschalten, Temperaturen und Fehlerprotokolle überwachen, die Konsole fernsteuern und neu installieren – auch wenn das Betriebssystem nicht startet. Weniger Anfahrten, schnellere Störungsbehebung. |
| Hot-Spare-Laufwerk | Fällt eine SSD aus, beginnt der RAID-Controller sofort und ohne Eingriff mit dem Wiederaufbau. Die Zeit ohne volle Redundanz wird kürzer, auch nachts oder am Wochenende. |
| Netzteile an A- und B-Einspeisung | Der Server bleibt nicht nur beim Ausfall eines Netzteils, sondern auch beim Ausfall eines ganzen Stromkreises bzw. einer USV in Betrieb. |
| TPM 2.0 mit Secure Boot | Es starten nur signierte Bootloader und Betriebssysteme; manipulierte Firmware wird erkannt. Schlüssel für die Verschlüsselung der Datenträger liegen geschützt im TPM – wichtig, weil personenbezogene Daten der Nutzenden gespeichert werden und der Server in fremden Räumen steht. |
| 1-HE-Rack-Gehäuse mit Gleitschienen | passt in den 19-Zoll-Schrank und belegt nur eine Höheneinheit (Miete richtet sich oft nach Höheneinheiten); auf Gleitschienen kann der Server zur Wartung herausgezogen werden, ohne ihn auszubauen. |
c) Für Betriebssystem-Support und Datenbank-Überwachung bietet ein Dienstleister zwei Abrechnungsmodelle je Jahr an: Modell S kostet 2.900 € je bestücktem Prozessorsockel, Modell K kostet 260 € je Paket aus 2 Kernen, mindestens 16 Kerne je Prozessor.
ca) Berechne die jährlichen Kosten beider Modelle für den angebotenen Server. (3 Punkte)
cb) Yusuf überlegt, statt des 24-Kern-Prozessors einen Prozessor mit 16 Kernen und höherem Takt zu nehmen. Empfiehl Clara ein Abrechnungsmodell für diesen Fall und begründe Deine Empfehlung rechnerisch. (2 Punkte)
Geg.: Modell S 2.900 € je Sockel; Modell K 260 € je 2 Kerne, mindestens 16 Kerne je Prozessor
ca)
Ges.: Kosten K_S und K_K bei 1 Prozessor mit 24 Kernen
K_S = 1 \cdot 2900\,€ = \underline{\underline{2900\,€}} \qquad K_K = \frac{24}{2} \cdot 260\,€ = 12 \cdot 260\,€ = \underline{\underline{3120\,€}}
Modell S ist hier um 220 € günstiger (1 Punkt je Modell, 1 Punkt Vergleich).
cb)
Ges.: Kosten bei 1 Prozessor mit 16 Kernen
K_S = 2900\,€ \qquad K_K = \frac{16}{2} \cdot 260\,€ = \underline{\underline{2080\,€}}
Empfehlung: Modell K, es spart 820 € je Jahr (2 Punkte). Hinweis: Wird später ein zweiter Prozessor nachgerüstet, verdoppeln sich bei 16 Kernen beide Beträge, Modell K bleibt günstiger.
d) Clara fragt: „Ein leistungsstarker Gaming-PC kostet 3.000 € und hat einen schnelleren Prozessor als der angebotene Server. Warum nehmen wir nicht den als Datenbankserver?“ Nimm Stellung. (4 Punkte)
e) Der Rechenzentrumsbetreiber bietet alternativ einen Einschub in seinem Blade-System an. Nenne zwei Vorteile von Blade-Servern und beurteile, ob diese Lösung für Let’s Meet sinnvoll ist. (4 Punkte)
d) 4 Punkte für eine begründete Stellungnahme mit mindestens vier Argumenten, z. B.: Ein Gaming-PC ist nicht für den Dauerbetrieb ausgelegt (Komponenten, Kühlung, Garantie, Vor-Ort-Service). Er hat meist kein ECC, Bitfehler können die Datenbank unbemerkt verfälschen. Es fehlen redundante Netzteile, Hot-Swap-Laufwerke, Hardware-RAID und der BMC zur Fernverwaltung – ein Defekt im Rechenzentrum würde jedes Mal eine Anfahrt und längeren Ausfall bedeuten. Er passt nicht in den 19-Zoll-Schrank, ist kaum erweiterbar (wenige Speichersteckplätze, kein zweiter Sockel) und hat oft keine Treiber- und Herstellerfreigabe für Server-Betriebssysteme. Der höhere Takt nützt wenig, wenn der Server ausfällt; für eine App mit Tausenden Nutzenden ist Zuverlässigkeit wichtiger als der Anschaffungspreis.
e) Vorteile (je 1 Punkt), z. B.: gemeinsame redundante Netzteile, Lüfter und Netzwerkanbindung im Chassis; hohe Packungsdichte; wenig Verkabelung; zentrale Verwaltung; schneller Tausch im Betrieb.
Beurteilung (2 Punkte): Für Let’s Meet mit einem eigenen Datenbankserver bringt ein Blade-Einschub wenig, weil sich die Vorteile erst bei vielen Servern im selben Chassis zeigen. Nachteile wären die Bindung an Hersteller und Chassis des Betreibers und dass der eigene Server nicht mitgenommen werden kann. Ein eigener Rack-Server ist hier sinnvoller. (Andere begründete Beurteilungen sind möglich, z. B. Blade sinnvoll, wenn der Betreiber den Einschub als Dienstleistung samt Wartung vermietet.)
f) Bevor das Angebot angenommen wird, prüft Yusuf, warum der bisherige gemietete Server an Sonntagnachmittagen so langsam ist. Das Monitoring zeigt am Sonntag um 15:30 Uhr:
| Bereich | Messwerte |
|---|---|
| Prozessor (8 Kerne) | 31 % Gesamtauslastung |
| Arbeitsspeicher (32 GB) | 31,2 GB belegt (97 %), 2.140 harte Fehler je Sekunde, Auslagerungsdatei mit 11,8 GB belegt |
| Datenträger (SATA-SSD) | durchschnittliche Antwortzeit 52 ms, Warteschlange 18, 96 % der Zeit mit maximaler Aktivität |
| Netzwerk (1 Gbit/s) | 140 Mbit/s |
fa) Nenne den Bereich, in dem der Engpass liegt, und begründe Deine Antwort anhand der Messwerte. (2 Punkte)
fb) Erläutere zwei Maßnahmen, um den Engpass zu beseitigen. (4 Punkte)
fa) Der Engpass liegt beim Arbeitsspeicher (1 Punkt): Er ist zu 97 % belegt, und die vielen harten Fehler und die volle Auslagerungsdatei zeigen, dass ständig Daten auf die SSD ausgelagert und zurückgeholt werden. Deshalb ist auch der Datenträger überlastet; Prozessor und Netzwerk sind dagegen kaum ausgelastet (1 Punkt).
fb) Je Maßnahme 2 Punkte, z. B.:
Arbeitsspeicher erweitern (der neue Server hat 256 GB statt 32 GB), sodass die Datenbank ihre häufig genutzten Daten im Speicher puffern kann und nicht mehr ausgelagert wird.
Die Konfiguration der Datenbank prüfen (z. B. Puffergröße passend zum Arbeitsspeicher einstellen), damit sie nicht mehr Speicher anfordert, als vorhanden ist.
Weitere Dienste, die auf demselben Server laufen (z. B. Backend-Container), auf einen anderen Server verlagern.
Auf Speicherlecks prüfen, falls die Belegung über die Zeit wächst.
Erst danach schnellere Laufwerke erwägen: Die hohe Antwortzeit ist eine Folge der Auslagerung, nicht die Ursache.
Aufgabe 3.2: Workstations für Konstruktion und Produktvideos (Profilkompetenz)
(ca. 18 min Bearbeitungszeit)
Bei der CSB-Rad GmbH konstruiert das Team von Bastian Ludwig künftig selbst Rahmenvarianten in einem 3D-CAD-Programm, und Sophie Bertram lässt Produktvideos für den Shop schneiden. Dafür sollen zwei Workstations beschafft werden. Sophie fragt Dich, was die teurere Ausstattung gegenüber den üblichen Büro-PCs technisch bringt.
| Komponente | Büro-PC | Workstation |
|---|---|---|
| Prozessor | 6 Kerne/12 Threads, 3,0 GHz (Turbo 4,4 GHz) | 16 Kerne/32 Threads, 2,9 GHz (Turbo 5,6 GHz) |
| Arbeitsspeicher | 16 GB DDR4-3200 (2 × 8 GB) | 64 GB DDR5-5600 ECC (2 × 32 GB) |
| Massenspeicher | 1 TB SATA-HDD, 7.200 U/min | 2 TB NVMe-SSD, PCIe 4.0 x4 |
| Grafik | im Prozessor integriert | Workstation-Grafikkarte mit 16 GB Grafikspeicher, vom CAD-Hersteller zertifizierte Treiber |
| Monitor | 24 Zoll Full HD (1.920 × 1.080), TN-Panel | 27 Zoll 4K UHD (3.840 × 2.160), IPS-Panel, 99 % sRGB |
a) Gib für jede Zeile an, wie sich die Spezifikation der Workstation im Vergleich zum Büro-PC technisch auswirkt. Jede Auswirkung darf nur einmal genannt werden. (10 Punkte)
b) Eine typische CAD-Baugruppe mit Rendermaterialien umfasst 6 GB. Die HDD liest sequenziell mit 180 MB/s, die NVMe-SSD mit 6.500 MB/s. Berechne die Ladezeit der Datei auf beiden Geräten (1 GB = 1.000 MB). (3 Punkte)
c) Erläutere die Aufgabe der Grafikkarte beim Arbeiten im CAD-Programm und warum auf vom Softwarehersteller zertifizierte Treiber geachtet wird. (3 Punkte)
d) Sophie schlägt vor: „Können wir nicht einfach zwei Büro-PCs kaufen und jeweils auf 64 GB Arbeitsspeicher aufrüsten? Das ist billiger.“ Nimm Stellung. (4 Punkte)
a) Je Zeile 2 Punkte, z. B.:
| Komponente | technische Auswirkung |
|---|---|
| Prozessor | 16 Kerne/32 Threads: Rendering und Videoexport werden auf viele Kerne verteilt und laufen deutlich schneller; der höhere Turbotakt (5,6 GHz) beschleunigt CAD-Funktionen, die nur einen Kern nutzen |
| Arbeitsspeicher | 64 GB: große Baugruppen und Videoprojekte passen vollständig in den Speicher, keine Auslagerung; DDR5-5600 mit höherer Datenrate; ECC verhindert Abstürze und Rechenfehler durch Bitfehler bei langen Berechnungen |
| Massenspeicher | NVMe-SSD statt HDD: Programme, Projekte und Videomaterial laden ein Vielfaches schneller, kurze Zugriffszeiten; doppelte Kapazität für Rohvideos |
| Grafik | eigene Grafikkarte mit 16 GB Grafikspeicher: flüssige Darstellung großer 3D-Modelle, Rendering und Videokodierung auf der GPU; zertifizierte Treiber für fehlerfreie Darstellung im CAD-Programm |
| Monitor | 4K: viermal so viele Bildpunkte, mehr Details und Arbeitsfläche; IPS mit 99 % sRGB: blickwinkelstabile, farbtreue Darstellung, wichtig für Rahmenfarben und Videos (TN verfälscht Farben bei schrägem Blick) |
b)
Geg.: Dateigröße 6 GB = 6.000 MB; HDD 180 MB/s; NVMe-SSD 6.500 MB/s
Ges.: Ladezeiten t_HDD und t_SSD
t = \frac{\text{Datenmenge}}{\text{Datenrate}}
t_{HDD} = \frac{6000\,\mathrm{MB}}{180\,\tfrac{\mathrm{MB}}{\mathrm{s}}} = \frac{100}{3}\,\mathrm{s} \approx \underline{\underline{33{,}333\,\mathrm{s}}} \qquad t_{SSD} = \frac{6000\,\mathrm{MB}}{6500\,\tfrac{\mathrm{MB}}{\mathrm{s}}} = \frac{12}{13}\,\mathrm{s} \approx \underline{\underline{0{,}923\,\mathrm{s}}}
1 Punkt Formel, je 1 Punkt für die Ergebnisse. Die SSD lädt die Datei rund 36-mal so schnell.
c) Die Grafikkarte berechnet die Darstellung der 3D-Modelle (Drehen, Zoomen, Schattierung, Rendering) mit vielen parallelen Rechenwerken und hält Modell- und Texturdaten im eigenen Grafikspeicher; so bleibt die Darstellung auch bei großen Baugruppen flüssig und der Prozessor wird entlastet (2 Punkte). Zertifizierte Treiber hat der Softwarehersteller mit genau dieser Karte getestet; sie stellen Modelle korrekt dar und laufen stabil, und der Hersteller leistet Support (1 Punkt).
d) 4 Punkte für eine begründete Stellungnahme, z. B.: Mehr Arbeitsspeicher allein löst nur einen Teil der Anforderungen. Der Büro-PC hätte weiterhin nur 6 Kerne, eine langsame HDD und integrierte Grafik ohne eigenen Grafikspeicher und ohne zertifizierte Treiber; CAD und Videoschnitt blieben langsam. 64 GB in einem Büro-PC sind oft gar nicht möglich (maximale Speicherkapazität des Mainboards, DDR4) und ohne ECC. Nachrüsten von SSD, Grafikkarte (Netzteil, Gehäusegröße) und Monitor kostet zusätzlich Geld und Arbeitszeit, und die Garantie kann erlöschen. Wartezeiten der Beschäftigten kosten auf Dauer mehr als der Preisunterschied. Empfehlung: Workstations für die beiden Arbeitsplätze, Büro-PCs für die übrigen.
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