Übungsaufgaben zu VoIP, Latenz und Quality of Service

https://bildung.social/@oerinformatik/

https://oer-informatik.de/voip-qos-uebungsaufgaben

VoIP, Cloud-Telefonanlage, SIP, Codec, Bandbreite, STUN, Quality of Service, Latenz, Jitter, Videokonferenz, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 62 min, mehrere Aufgaben): Zwei Übungsaufgaben: Du betreust die IP-Telefonie im Werk eines Fahrrad-Onlineshops, ordnest Switch-Funktionen den Schritten von Quality of Service zu, berechnest die Kapazität des SIP-Trunks aus Paketgröße und Header, prüfst einen Telefon-Export auf Fehler, vergleichst Anbindungsvarianten für ein Softphone im Homeoffice und entscheidest anhand von Kosten und Verfügbarkeit über einen Wechsel in die Cloud. Danach arbeitest Du in einem Start-up drei Tickets ab: eine stockende Videokonferenz im Homeoffice (Statistik, Messwerte, Upload-Begrenzung, Maßnahmen bewerten), ein abbrechendes Fax (Adapter-Protokoll, T.38) und ein langsames Werkzeug mit vielen API-Abrufen (Traceroute und Ladezeit berechnen). Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Echtzeitkommunikation: VoIP, Latenz und Quality of Service.

Wortwolke zu den Übungsaufgaben: VoIP, Quality of Service, Latenz, Jitter, Paketverlust, SIP-Trunk, Cloud-Telefonanlage, STUN, DSCP, Codec und weitere Begriffe (mit KI erstellt)

Hinweise zur Bearbeitung: Als FISY oder ISE musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das ist Aufgabe 2.1. Von FISY wird zusätzlich erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1) keine Probleme bereiten. Schreib Deine Lösung zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst.

Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?

Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.

Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „VoIP, Latenz und Quality of
Service“.

Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.

Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/voip-qos
- https://oer-informatik.de/uebertragungsdauer-bandbreite
- https://oer-informatik.de/vlan
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/voip-qos-uebungsaufgaben

Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- VoIP
- Cloud-Telefonanlage
- SIP
- Codec
- Bandbreite
- STUN
- Quality of Service
- Latenz
- Jitter
- Videokonferenz

Kompetenzstufe: Kernkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan

Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
   abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
   zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
   Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
   Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
   Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
   danach frage.

Aufgabe 2.1: Telefonie im Werk Sennestadt betreuen (Kernkompetenz)

(ca. 27 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld. Im Werk Sennestadt (Büro, Werkstatt und Lager, 24 Telefone) läuft seit einigen Monaten die lokale IP-Telefonanlage tk-sen mit der Adresse 172.20.40.10 im Server-VLAN 40. Sie ist über einen SIP-Trunk des fiktiven Anbieters OWL-Voice GmbH an das Telefonnetz angeschlossen. Die Telefone liegen im Sprach-VLAN 42 (172.20.42.0/24), das Werk ist per Glasfaser (500/500 Mbit/s) angebunden. Geschäftsführer Cem Sarıkaya übergibt Dir die Betreuung der Telefonie.

a) Die Switches im Werk sollen Sprachverkehr bevorzugt behandeln. Im Datenblatt der Switches sind dazu folgende Funktionen aufgeführt:

  1. Voice VLAN: IP phones detected via LLDP-MED are assigned to the voice VLAN automatically.
  2. CoS remarking: frames in the voice VLAN are tagged with 802.1p priority 5.
  3. DSCP trust: DSCP values set by connected devices are kept and used for queue selection.
  4. Queue 7: strict priority.
  5. Queues 0–6: weighted round robin.
  6. Ingress rate limit per port in steps of 64 kbit/s.

Ordne jede Funktion einem der drei QoS-Schritte Klassifizieren, Markieren oder Behandeln zu. Erkläre außerdem, warum in Warteschlange 7 ausschließlich Sprachverkehr landen darf. (5 Punkte)

Schritt Funktionen
Klassifizieren 1 (Telefon wird erkannt, sein Verkehr dem Sprach-VLAN zugeordnet), 3 (vorhandene DSCP-Markierung entscheidet über die Klasse)
Markieren 2 (Priorität 5 im VLAN-Tag)
Behandeln 4 und 5 (Warteschlangen und Abarbeitungsreihenfolge), 6 (Begrenzen der Datenrate, Policing)

Funktion 3 kann mit Begründung auch dem Markieren zugeordnet werden. (3 Punkte; je zwei richtige Zuordnungen 1 Punkt)

Eine Warteschlange mit strikter Priorität wird immer vollständig geleert, bevor eine andere an die Reihe kommt. Sprachverkehr hat eine kleine, gleichmäßige Datenrate und lässt den anderen Warteschlangen genug Zeit. Landet dort dagegen umfangreicher Verkehr (z. B. ein Backup), kommen die Warteschlangen 0–6 kaum noch zum Zug, und der übrige Verkehr stockt („Verhungern“). (2 Punkte)

b) Am Internetrouter sind für den SIP-Trunk 2 Mbit/s je Richtung per QoS reserviert. Die Anlage nutzt zum Provider G.722 (64 kbit/s) und verpackt alle 20 ms ein Sprachpaket. Jedes Paket trägt neben den Sprachdaten 58 Byte Header (RTP, UDP, IPv4, Ethernet). Berechne, wie viele externe Gespräche gleichzeitig in die Reserve passen, und beurteile, ob die bisherige Spitze von 12 externen Gesprächen abgedeckt ist. (4 Punkte)

Geg.: r_{Codec} = 64\,\mathrm{kbit/s}, Paketabstand 20\,\mathrm{ms}, Header 58\,\mathrm{Byte}, Reserve 2\,\mathrm{Mbit/s}

Ges.: Datenrate je Gespräch und Richtung r, Anzahl Gespräche n

Pakete je Sekunde: \frac{1\,\mathrm{s}}{20\,\mathrm{ms}} = 50; Sprachdaten je Paket: \frac{64.000\,\mathrm{bit/s}}{50} = 1.280\,\mathrm{bit} = 160\,\mathrm{Byte} (1 Punkt)

r = (160 + 58)\,\mathrm{Byte} \cdot 8\,\tfrac{\mathrm{bit}}{\mathrm{Byte}} \cdot 50\,\tfrac{1}{\mathrm{s}} = 87.200\,\mathrm{bit/s} = 87{,}2\,\mathrm{kbit/s}

(1 Punkt)

n = \frac{2.000\,\mathrm{kbit/s}}{87{,}2\,\mathrm{kbit/s}} \approx 22{,}9 \Rightarrow \underline{\underline{22\ \text{Gespräche}}}

(1 Punkt, abgerundet)

Die Spitze von 12 Gesprächen braucht 12 \cdot 87{,}2\,\mathrm{kbit/s} \approx 1{,}05\,\mathrm{Mbit/s} und ist mit Luft für weiteres Wachstum abgedeckt. (1 Punkt)

c) Bevor ein neues Telefon an der Werkstatt-Theke als Vorlage für alle weiteren Geräte dient, prüfst Du seinen Einstellungsexport. Es gelten diese Vorgaben der IT:

  • Anmeldung als Nebenstelle 231 an tk-sen über TLS; die Anmeldung wird alle zehn Minuten erneuert.
  • Zwischen Sprach- und Server-VLAN lässt eine ACL am Layer-3-Switch für Sprachdaten nur UDP-Ports 11000–11999 durch.
  • Sprach-VLAN 42 mit 802.1p-Priorität 5; RTP-Pakete werden mit DSCP 46 (EF) markiert.
  • Zeitserver ist 172.20.40.1.
account.1.display_name   = WS-Theke
account.1.auth_user      = 231
account.1.sip_server     = 172.20.40.10
account.1.transport      = TLS
account.1.expires        = 60000
rtp.port_min             = 16384
rtp.port_max             = 32767
network.vlan.voice_id    = 24
network.vlan.voice_pcp   = 5
network.qos.dscp_rtp     = 0
time.ntp_server          = 172.20.40.1

Finde die vier Abweichungen von den Vorgaben. Gib jeweils den richtigen Wert an, und beschreibe, welche Folge die Abweichung im Betrieb hätte. (8 Punkte)

  • account.1.expires → 600: Mit 60.000 s erneuert das Telefon seine Anmeldung nur etwa alle 16,7 Stunden. Startet die Anlage neu oder ändert sich die Adresse des Telefons, bleibt die Theke unter Umständen stundenlang unerreichbar.
  • rtp.port_min / rtp.port_max → 11000 / 11999: Das Telefon erwartet Sprachpakete auf Ports, die die ACL zwischen den VLANs verwirft. Gespräche kommen zustande, sind aber stumm (oder nur in eine Richtung hörbar).
  • network.vlan.voice_id → 42: Das Telefon versieht seine Frames mit der falschen VLAN-ID. Der Switch lässt sie am Port nicht zu oder ordnet sie einem fremden Netz zu; das Telefon erhält keine passende Adresse und kann sich nicht anmelden.
  • network.qos.dscp_rtp → 46: Ohne Markierung gelten die Sprachpakete beim Routing zwischen den VLANs und am Internetrouter als normaler Verkehr. Bei hoher Last werden sie nicht bevorzugt, es kommt zu Aussetzern.

Je Abweichung 1 Punkt für den richtigen Wert und 1 Punkt für die Folge.

d) Eine Mitarbeiterin aus dem Vertrieb arbeitet künftig zwei Tage pro Woche zu Hause und soll dort mit einem Softphone auf ihrem Notebook unter ihrer Nebenstelle erreichbar sein. Drei Varianten stehen zur Wahl:

  1. Das Softphone erhält einen STUN-Eintrag; am Werksrouter werden SIP über TLS und der RTP-Portbereich an tk-sen weitergeleitet.
  2. Am Internetübergang des Werks wird ein Session Border Controller (SBC) aufgestellt, bei dem sich das Softphone anmeldet.
  3. Das Softphone wird nur über die bestehende VPN-Verbindung des Notebooks genutzt.

Vergleiche die Varianten danach, ob die Sprache zuverlässig ankommt, wie sicher sie sind und welchen Aufwand sie verursachen. Gib eine begründete Empfehlung ab. (6 Punkte)

  • STUN mit Portweiterleitung: Das Softphone erfährt die öffentliche Adresse des heimischen Routers und gibt sie im SDP an; bei manchen Heimroutern (z. B. mit wechselnden Ports je Ziel) klappt das trotzdem nicht. Die Telefonanlage ist direkt aus dem Internet erreichbar, ein beliebtes Ziel für Passwortangriffe und Gebührenbetrug. Wenig Aufwand, aber das höchste Risiko. (1,5 Punkte)
  • Session Border Controller: Er ist für diesen Fall gebaut: Er setzt Adressen in SIP und SDP um, leitet RTP weiter, verschlüsselt und filtert Angriffe; die Anlage bleibt intern. Zuverlässig und sicher, aber zusätzliches Gerät, Lizenzen und Einrichtung. (1,5 Punkte)
  • VPN: Im Tunnel hat das Notebook eine interne Adresse, zwischen Softphone und Anlage gibt es kein NAT; STUN bleibt aus. Sicher und ohne neue Technik, sofern das VPN schon existiert. Nachteile: Telefonie geht nur bei aktivem VPN, der Tunnel erhöht Overhead und Latenz. (1,5 Punkte)

Empfehlung (1,5 Punkte, andere begründete Entscheidungen werden anerkannt): Für eine einzelne Person mit vorhandenem VPN ist Variante 3 die einfachste sichere Lösung. Arbeiten künftig viele Beschäftigte mobil, lohnt sich der SBC. Variante 1 scheidet wegen des Risikos aus.

e) Weil immer mehr Beschäftigte zu Hause arbeiten, schlägt Mitgründerin Sophie Bertram vor, bei der anstehenden Lizenzverlängerung auf eine Cloud-Telefonanlage umzusteigen. Für die nächsten fünf Jahre liegen diese Zahlen vor; die vorhandenen Telefone können weiter genutzt werden.

Weiterbetrieb tk-sen Wechsel in die Cloud
einmalig Lizenz-Update 2.400 € Einrichtung 400 €
monatlich Wartungsvertrag und SIP-Trunk zusammen 100 € 7,90 € je Nebenstelle
Verfügbarkeit laut Vertrag Austausch defekter Teile am nächsten Werktag Plattform 99,95 %

Der Glasfaseranschluss hat laut Vertrag eine Verfügbarkeit von 99,5 %. Die Werkstatt-Theke muss für Rückfragen aus dem Lager ständig erreichbar sein.

Vergleiche die Kosten über fünf Jahre, berechne, wie viele Stunden im Jahr bei der Cloud-Lösung im Werk auch intern höchstens nicht telefoniert werden könnte, und gib eine begründete Empfehlung ab. (7 Punkte)

Geg.: Kosten laut Tabelle, 24 Nebenstellen, 60 Monate, Verfügbarkeit Anschluss 99,5 %, Plattform 99,95 %

Ges.: Kosten über fünf Jahre K_{tk\text{-}sen} und K_{Cloud}, Ausfallzeit je Jahr t_{Ausfall}

K_{tk\text{-}sen} = 2.400\,€ + 100\,€ \cdot 60 = \underline{8.400\,€} \qquad K_{Cloud} = 400\,€ + 24 \cdot 7{,}90\,€ \cdot 60 = \underline{11.776\,€}

Der Weiterbetrieb ist über fünf Jahre rund 3.400 € günstiger. (3 Punkte)

Bei der Cloud-Lösung müssen Anschluss und Plattform gleichzeitig verfügbar sein:

V = 0{,}995 \cdot 0{,}9995 \approx 0{,}99450 \qquad t_{Ausfall} = (1 - V) \cdot 8.760\,\mathrm{h} \approx \underline{48\,\mathrm{h}\ \text{je Jahr}}

(2 Punkte; wer nur den Anschluss betrachtet, kommt auf 43,8 h, 1 Punkt)

Empfehlung (2 Punkte, andere begründete Entscheidungen werden anerkannt): Der Weiterbetrieb ist günstiger, und die Theke bleibt bei einem Internetausfall intern erreichbar. Das Homeoffice-Argument lässt sich auch mit der vorhandenen Anlage lösen (VPN oder SBC, siehe Teilaufgabe d). Deshalb sollte tk-sen weiterbetrieben werden. Für die Cloud spräche, wenn ein Großteil der Beschäftigten dauerhaft verteilt arbeitet oder niemand die Anlage betreuen kann.

Aufgabe 3.1: Aussetzer, Wartezeiten und ein streikendes Fax bei der Let’s Meet GmbH (Profilkompetenz)

(ca. 35 min Bearbeitungszeit)

Die Let’s Meet GmbH betreibt die Freizeit-App „Let’s Meet“ und hat ihr Büro am Jahnplatz in Bielefeld (Kabelanschluss 1.000/100 Mbit/s). Telefoniert wird über eine Cloud-Telefonanlage, Besprechungen laufen über eine Videokonferenz-Software. Entwicklungsleiter Yusuf Demir arbeitet zwei Tage pro Woche im Homeoffice (DSL 50/10 Mbit/s). Im Ticketsystem liegen drei Beschwerden.

a) Ticket 1: Im Homeoffice friert Yusuf Demirs Bild in Besprechungen ein. Er hat während einer Besprechung die Verbindungsstatistik seiner Konferenz-Software notiert. Um 10:04 Uhr hat sein NAS ein Backup in die Cloud gestartet.

Verbindungsstatistik der Konferenz-Software (Homeoffice)
Uhrzeit gesendetes Video Video im Upload Audio im Upload
10:00 1280 × 720 Pixel, 30 Bilder/s 1,8 Mbit/s 40 kbit/s
10:05 960 × 540 Pixel, 20 Bilder/s 0,9 Mbit/s 40 kbit/s
10:07 854 × 480 Pixel, 15 Bilder/s 0,4 Mbit/s 40 kbit/s
10:09 Video angehalten 0 32 kbit/s

Berechne für jeden Zeitpunkt den gesamten Upload der Software und den Anteil des Tons daran. Leite aus Deinen Ergebnissen ab, wie die Software ihre Datenrate an den Engpass anpasst. (5 Punkte)

Uhrzeit Upload gesamt Anteil Ton
10:00 1,8 + 0,04 = 1,84 Mbit/s 2,2 %
10:05 0,9 + 0,04 = 0,94 Mbit/s 4,3 %
10:07 0,4 + 0,04 = 0,44 Mbit/s 9,1 %
10:09 0,032 Mbit/s 100 %

(3 Punkte: 2 Punkte für die vier Summen, 1 Punkt für die Anteile)

Ableitung (2 Punkte): Innerhalb von fünf Minuten sinkt der Upload auf weniger als ein Fünfzigstel. Fast die gesamte Einsparung stammt aus dem Video, das in Stufen kleiner und ruckeliger wird und schließlich wegfällt; die Tonrate bleibt bis 10:07 gleich und sinkt danach nur um 8 kbit/s. Die Software regelt also adaptiv über den großen Videostrom und hält den kleinen Tonstrom stabil, sodass die Besprechung hörbar bleibt.

b) Yusuf Demir hat zusätzlich die Verbindung zur Konferenz-Plattform gemessen:

Messwerte zur Videokonferenz-Plattform
Messung Latenz (eine Richtung) Jitter Paketverlust
Büro Jahnplatz 22 ms 4 ms 0,2 %
Homeoffice, abends 38 ms 8 ms 0,4 %
Homeoffice, während sein NAS ein Backup in die Cloud hochlädt (rund 8 Mbit/s) 310 ms 62 ms 3,8 %

Ordne jede Messung anhand der Richtwerte für Sprachqualität ein. Erkläre die Wirkungskette, die vom laufenden Backup zu den Werten der dritten Zeile führt. (6 Punkte)

Richtwerte: Latenz je Richtung bis 150 ms gut, bis 400 ms noch akzeptabel; Jitter unter 30 ms; Paketverlust unter 1 %.

  • Büro und Homeoffice abends: alle drei Werte klar im guten Bereich. (1 Punkt)
  • Homeoffice mit Backup: Die Latenz ist mit 310 ms nur noch eingeschränkt akzeptabel, Jitter (62 ms) und Paketverlust (3,8 %) sind störend. (1 Punkt)

Wirkungskette (4 Punkte):

  1. Der DSL-Anschluss hat nur 10 Mbit/s im Upload. Backup (rund 8 Mbit/s) und Konferenz (rund 1,8 Mbit/s) brauchen zusammen mehr, als nach Abzug von Overhead und weiterem Verkehr verfügbar ist.
  2. Der Router kann nicht schneller senden, als die Leitung erlaubt; die überzähligen Pakete warten in seinem Sendepuffer. Die Pakete der Konferenz stehen dort hinter vielen Backup-Paketen an: Die Latenz steigt.
  3. Die Füllung des Puffers schwankt mit dem Backup-Verkehr, also warten die Pakete unterschiedlich lange: Jitter.
  4. Ist der Puffer voll, verwirft der Router neue Pakete: Paketverlust. Kommen Pakete zu spät für den Jitter-Puffer des Empfängers, zählen sie ebenfalls als verloren.

c) Yusuf Demir will das Backup im NAS so begrenzen, dass die Besprechung ungestört bleibt. Sein Router soll den Upload auf 90 % der Leitungsrate formen. Für die Konferenz rechnet er mit 1,8 Mbit/s Video und 40 kbit/s Ton zuzüglich 20 % Overhead, für sonstigen Verkehr hält er 1 Mbit/s frei.

Berechne die höchste Datenrate, die er für das Backup einstellen darf. Das Backup umfasst rund 40 GB; vergleiche, wie lange es mit dieser Begrenzung und bisher mit 8 Mbit/s dauert, und beurteile, ob die Begrenzung allein eine gute Lösung ist. (5 Punkte)

Geg.: r_{Leitung} = 10\,\mathrm{Mbit/s}, Nutzung 90 %, Konferenz 1{,}8\,\mathrm{Mbit/s} + 0{,}04\,\mathrm{Mbit/s}, Overhead 20 %, Reserve 1\,\mathrm{Mbit/s}, Backup 40\,\mathrm{GB}

Ges.: höchste Datenrate für das Backup r_{Backup}, Dauer des Backups t_{neu} und t_{alt}

r_{Konferenz} = (1{,}8 + 0{,}04)\,\mathrm{Mbit/s} \cdot 1{,}2 = 2{,}208\,\mathrm{Mbit/s}

r_{Backup} = 0{,}9 \cdot 10\,\mathrm{Mbit/s} - 2{,}208\,\mathrm{Mbit/s} - 1\,\mathrm{Mbit/s} = \underline{\underline{5{,}792\,\mathrm{Mbit/s}}}

(2 Punkte)

t_{neu} = \frac{40 \cdot 10^9 \cdot 8\,\mathrm{bit}}{5{,}792 \cdot 10^6\,\mathrm{bit/s}} \approx 55.249\,\mathrm{s} \approx 15{,}3\,\mathrm{h} \qquad t_{alt} = \frac{320 \cdot 10^9\,\mathrm{bit}}{8 \cdot 10^6\,\mathrm{bit/s}} = 40.000\,\mathrm{s} \approx 11{,}1\,\mathrm{h}

(2 Punkte)

Beurteilung (1 Punkt): Die feste Begrenzung schützt die Besprechung, verlängert das Backup aber um gut vier Stunden, auch dann, wenn gerade keine Besprechung läuft. Besser ist, das Backup in die Nacht zu legen oder die Begrenzung nur zu den Arbeitszeiten gelten zu lassen, ggf. zusammen mit QoS am Router.

d) Zur Lösung von Ticket 1 schlägt das Team drei Maßnahmen vor:

  1. Am Router im Homeoffice wird QoS eingerichtet: Pakete der Konferenz-Software werden im Upload vor allen anderen gesendet, der Upload wird auf 9 Mbit/s geformt.
  2. Auf Yusuf Demirs Notebook werden alle Pakete der Konferenz-Software mit DSCP 46 (EF) markiert, damit der DSL-Anbieter und die Konferenz-Plattform sie bevorzugt behandeln.
  3. Yusuf Demir wechselt in einen Tarif mit 100 Mbit/s Download; der Upload bleibt bei 10 Mbit/s.

Bewerte jede Maßnahme danach, ob sie das Problem lösen kann, und begründe Deine Bewertung. (6 Punkte)

  1. Wirksam. Der Engpass ist der Upload des eigenen Anschlusses, und genau dort steuert der Router, wer zuerst senden darf. Formt er knapp unter der Leitungsrate, staut sich der Verkehr in seiner eigenen Warteschlange statt im Modem; Konferenzpakete überholen dort die Backup-Pakete. Latenz, Jitter und Verlust der Konferenz sinken, das Backup wird nur etwas langsamer. Zusätzliche Bandbreite entsteht dabei nicht. (2 Punkte)
  2. Allein wirkungslos. Eine DSCP-Markierung ist nur ein Kennzeichen; sie nützt nur, wenn ein Gerät am Engpass sie auswertet. Der Engpass liegt im eigenen Router, und der behandelt die Pakete ohne QoS-Regel trotzdem gleich. Im Netz des Anbieters und im Internet werden fremde Markierungen meist ignoriert oder zurückgesetzt. In Verbindung mit Maßnahme 1 kann die Markierung dem Router die Erkennung erleichtern. (2 Punkte)
  3. Wirkungslos. Gestört wird das Senden von Bild und Ton, also der Upload, und der bleibt bei 10 Mbit/s. Mehr Download ändert an der Warteschlange im Upload nichts. (2 Punkte)

e) Ticket 2: Eine Kletterhalle, mit der Let’s Meet zusammenarbeitet, schickt unterschriebene Verträge nur per Fax. Das Faxgerät hängt über einen Analog-Adapter (ATA) an der Cloud-Telefonanlage. Ein eingehendes Fax ist gescheitert; der Adapter protokolliert:

14:02:11  INVITE from 05210207733, offer: G729, PCMA
14:02:11  call established, codec G729, VAD on
14:02:14  fax tone detected (CED)
14:02:14  sending re-INVITE: m=image t38
14:02:14  response 488 Not Acceptable Here
14:02:14  continuing as audio call (G729)
14:03:40  T.30: invalid response, disconnect

Werte das Protokoll Zeile für Zeile aus, und erkläre, wie die Einstellungen aus den ersten beiden Zeilen und die Antwort auf den re-INVITE zusammen zum Abbruch um 14:03:40 führen. Nenne zwei Änderungen, mit denen Faxe wieder zuverlässig ankommen. (6 Punkte)

Auswertung (2 Punkte): Der Anruf wird mit G.729 aufgebaut, obwohl die Gegenseite auch G.711 a-law (PCMA) angeboten hat, weil der Adapter G.729 bevorzugt; dazu ist die Sprachpausenerkennung (VAD) aktiv. Drei Sekunden später erkennt der Adapter den Antwortton eines Faxgeräts (CED) und bittet per re-INVITE darum, die Medien auf T.38 umzustellen. Die Cloud-Telefonanlage lehnt mit 488 Not Acceptable Here ab, sie akzeptiert diese Medienbeschreibung nicht. Der Adapter bleibt deshalb beim Audiostrom.

Zusammenhang (2 Punkte): Ohne T.38 werden die Faxsignale als Ton durch den Codec G.729 geschickt. G.729 überträgt keine Abtastwerte, sondern Kennwerte eines Stimm-Modells; die Faxmodulation lebt aber von exakter Phase und Amplitude und lässt sich so nicht nachbilden. Die VAD wertet gleichförmige Abschnitte als Stille und überträgt sie nicht. Das empfangende Faxgerät kann die Antworten der Gegenstelle deshalb nicht dekodieren, und das T.30-Protokoll beendet die Verbindung.

Änderungen (zwei davon, je 1 Punkt):

  • T.38 bei der Cloud-Telefonanlage freischalten lassen oder zu einem Anbieter mit T.38 wechseln.
  • Am Faxanschluss des Adapters nur G.711 a-law (PCMA) zulassen und VAD abschalten.
  • Das Faxgerät durch einen Fax-zu-E-Mail-Dienst ersetzen, der die Verträge als PDF zustellt.

f) Ticket 3 kommt aus dem Büro: Das interne Moderationswerkzeug braucht für die Übersicht der offenen Meldungen rund 14 Sekunden, seit die Meldungen bei einem Cloud-Anbieter in Frankfurt am Main liegen. Das Werkzeug holt zuerst die Liste der IDs und ruft danach jede der 480 Meldungen einzeln über eine HTTPS-API ab, immer erst nach Eingang der vorherigen Antwort. Jede Antwort ist etwa 3 KiB groß. Ein Traceroute vom Büro zur API liefert:

traceroute to api.meldungen.example (198.51.100.70), 30 hops max
 1  10.24.0.1       0.6 ms   0.5 ms   0.6 ms
 2  192.0.2.1       7.9 ms   8.1 ms   7.8 ms
 3  192.0.2.9       8.6 ms   8.4 ms   8.7 ms
 4  192.0.2.17     10.9 ms  11.2 ms  10.8 ms
 5  198.51.100.65  26.5 ms  26.9 ms  26.7 ms
 6  198.51.100.70  27.2 ms  27.0 ms  27.3 ms

fa) Der Leitungsweg nach Frankfurt ist rund 300 km lang, ein Signal braucht in Glasfaser etwa 5 µs je Kilometer. Berechne, welchen Teil der Umlaufzeit zur API die Ausbreitung ausmacht. Berechne aus den Mittelwerten den Zuwachs der Umlaufzeit je Abschnitt, und gib an, in welchem Abschnitt der größte Teil des Rests entsteht. (4 Punkte)

Ausbreitung hin und zurück: 2 \cdot 300\,\mathrm{km} \cdot 5\,\tfrac{\mathrm{µs}}{\mathrm{km}} = 3.000\,\mathrm{µs} = 3\,\mathrm{ms}. Bei einer Umlaufzeit von rund 27,2 ms sind das nur etwa 11 %; rund 24 ms entstehen anders. (2 Punkte)

Abschnitt Mittelwert bis zur Station Zuwachs
Büro → 1 0,6 ms 0,6 ms
1 → 2 7,9 ms 7,3 ms
2 → 3 8,6 ms 0,7 ms
3 → 4 11,0 ms 2,4 ms
4 → 5 26,7 ms 15,7 ms
5 → 6 27,2 ms 0,5 ms

Der größte Teil entsteht zwischen Station 4 und 5 am Übergang in das Netz des Cloud-Anbieters (rund 16 ms), der zweitgrößte im Zugangsnetz des Kabelanschlusses (1 → 2). (2 Punkte)

fb) Eine Kollegin meint: „Wir brauchen einen zehnmal schnelleren Anschluss, dann lädt die Übersicht zehnmal schneller.“ Berechne für das Werkzeug die Wartezeit durch die Umlaufzeiten (RTT 27 ms) und die reine Übertragungsdauer der Antworten über den heutigen 1.000-Mbit/s-Download sowie über einen zehnmal schnelleren Anschluss. Berechne zum Vergleich die Ladezeit, wenn die API je Anfrage 100 Meldungen liefert. Bewerte die Aussage anhand Deiner Ergebnisse. (6 Punkte)

Geg.: n = 480 Anfragen, RTT = 27\,\mathrm{ms}, je Antwort 3\,\mathrm{KiB}, r_1 = 1\,\mathrm{Gbit/s}, r_2 = 10\,\mathrm{Gbit/s}

Ges.: Wartezeit t_{Warten}, Übertragungsdauer t_1 und t_2, Ladezeit mit Sammelabrufen t

t_{Warten} = 480 \cdot 27\,\mathrm{ms} = \underline{12{,}96\,\mathrm{s}}

(1 Punkt)

D = 480 \cdot 3 \cdot 1.024 \cdot 8\,\mathrm{bit} = 11.796.480\,\mathrm{bit}

t_1 = \frac{11.796.480\,\mathrm{bit}}{10^9\,\mathrm{bit/s}} \approx \underline{0{,}0118\,\mathrm{s}} \qquad t_2 = \frac{11.796.480\,\mathrm{bit}}{10^{10}\,\mathrm{bit/s}} \approx \underline{0{,}0012\,\mathrm{s}}

(2 Punkte)

Gesamt heute ≈ 12,97 s, mit schnellerem Anschluss ≈ 12,96 s: Ersparnis rund 0,01 s, also unter 0,1 %. (1 Punkt)

Mit Sammelabrufen zu je 100 Meldungen: \lceil 480 / 100 \rceil = 5 Anfragen.

t = 5 \cdot 27\,\mathrm{ms} + 0{,}0118\,\mathrm{s} \approx \underline{\underline{0{,}147\,\mathrm{s}}}

(1 Punkt)

Bewertung (1 Punkt): Die Aussage ist falsch. Die Ladezeit besteht zu über 99 % aus Wartezeit; nur weniger Anfragen bringen eine spürbare Verbesserung (Faktor rund 88), ein schnellerer Anschluss praktisch keine.


Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)

Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Übungsaufgaben zu VoIP, Latenz und Quality of Service” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/voip-qos-uebungsaufgaben veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/netzwerk/infrastruktur. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 28.10.2026.

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