Übungsaufgaben zur Digitalisierung von Geschäftsprozessen
https://bildung.social/@oerinformatik/
https://oer-informatik.de/geschaeftsprozesse-digitalisieren-uebungsaufgaben
Geschäftsprozesse, Digitalisierung, Medienbruch, Soll-Prozess, Prozessautomatisierung, Retourenmanagement, Durchlaufzeit, Kennzahl, Reifegrad, RPA, Green IT, Übungsaufgaben
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 139 min, mehrere Aufgaben): Fünf Übungsaufgaben. In den ersten vier Aufgaben unterstützt Du den Check-in eines Barcamps mit QR-Codes und Sensoren, findest in der Meldebearbeitung einer Kennenlern-App die Liegezeiten und prüfst den Reifegrad, wertest Durchlaufzeiten einer Fahrradwerkstatt aus und entscheidest für eine Mitfahr-App, wo RPA, eine Schnittstelle oder ein Sensor passt. Aufgabe 3.1: Ein Fahrrad-Onlineshop digitalisiert die Abwicklung von Rücksendungen und Reklamationen. Du gewichtest die Schwachstellen des Papierprozesses, findest Medienbrüche, entwirfst ein Statusmodell, entwickelst eine Automatisierung, prüfst Werbeaussagen für ein Retourenportal, beurteilst Grenzen, rechnest die Kosten des ersten Jahres, verbesserst eine Erfolgsmessung und bringst Green IT ins Projekt. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Geschäftsprozesse digitalisieren und optimieren.
Hinweise zur Bearbeitung: Bis zur Teil-1-Prüfung der IT-Berufe solltest Du die Basiskompetenz beherrschen, also Aufgabe 1.1. Als FIA, FIDP oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1, Aufgabe 2.2 und Aufgabe 2.3. Von FIA wird zusätzlich erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1) keine Probleme bereiten. Beziehe Deine Antworten immer auf die beschriebene Situation. Achte auf die Operatoren: „Nenne“ und „benenne“ verlangen Stichworte, „beschreibe“ ganze Sätze mit Bezug zur Situation, „erläutere“ zusätzlich eine Begründung oder Wirkung, „entwickle“ einen eigenen, schlüssigen Vorschlag und „beurteile“ ein begründetes Urteil. Die Beispiellösungen zeigen Beispiele; andere fachlich passende Antworten sind ebenfalls richtig.
Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?
Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.
Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Digitalisierung von
Geschäftsprozessen“.
Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.
Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/geschaeftsprozess-digitalisieren-und-optimieren
- https://oer-informatik.de/geschaeftsprozess-ist-analyse
- https://oer-informatik.de/stakeholderanalyse
- https://oer-informatik.de/nutzwertanalyse-make-or-buy
- https://oer-informatik.de/usability-barrierefreiheit
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/geschaeftsprozesse-digitalisieren-uebungsaufgaben
Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Geschäftsprozesse
- Digitalisierung
- Medienbruch
- Soll-Prozess
- Prozessautomatisierung
- Retourenmanagement
- Durchlaufzeit
- Kennzahl
- Reifegrad
- RPA
- Green IT
Kompetenzstufe: Kernkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan
Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
danach frage.
Aufgabe 1.1: Check-in und Raumbelegung beim Barcamp (Basiskompetenz)
(ca. 14 min Bearbeitungszeit)
Am Samstag, 13.03.2027, findet am Ratz und Rübe Berufskolleg (RRB) in Bielefeld das Barcamp „Lernen.Digital.Leben 2027“ mit bis zu 400 Teilnehmenden statt. Beim letzten Barcamp lief der Ablauf so: Am Eingang wurden die Namen auf einer ausgedruckten Anmeldeliste abgehakt. Abends übertrug ein Mitglied des Orga-Teams die Haken von Hand in eine Tabelle, aus der später die Teilnahmebescheinigungen erstellt wurden. Ob ein Sessionraum voll war, zählten Helfer*innen per Strichliste und meldeten es per Funk an das Orga-Büro, das die Infomonitore von Hand aktualisierte. Informatiklehrer Dimitrios Papadopoulos möchte das ändern und bittet das Technikteam um Emre Aksoy um Vorschläge.
a) Nenne zwei Medienbrüche im bisherigen Ablauf. (2 Punkte)
Zwei der folgenden (je 1 Punkt): Anmeldedaten werden aus dem System auf Papier ausgedruckt; die Haken von der Papierliste werden von Hand in eine Tabelle übertragen; die Strichliste wird per Funk mündlich weitergegeben und im Orga-Büro von Hand in die Infomonitore eingegeben.
b) Für den Check-in erhalten alle Teilnehmenden mit der Anmeldebestätigung einen QR-Code. Erläutere, wie der Check-in dadurch unterstützt wird. (3 Punkte)
Am Eingang scannt das Check-in-Terminal den QR-Code vom Smartphone oder Ausdruck (1 Punkt). Die Anmeldung wird sofort gefunden und als „anwesend“ gespeichert; der Namensbadge wird direkt gedruckt (1 Punkt). Das Abhaken auf Papier und die abendliche Übertragung entfallen, die Teilnahmebescheinigungen können automatisch aus den gespeicherten Daten erzeugt werden; Schreib- und Suchfehler bei Namen entfallen (1 Punkt).
c) An den Türen der Sessionräume sollen Sensoren die Personen zählen, die einen Raum betreten und verlassen. Erläutere, wie dadurch die Raumbelegung unterstützt werden kann. (3 Punkte)
Die Sensoren melden die Zahl der Ein- und Austritte an die Barcamp-App, die daraus die aktuelle Belegung je Raum berechnet (1 Punkt). Die App vergleicht sie mit der Raumkapazität und zeigt auf den Infomonitoren und E-Ink-Türschildern automatisch „voll“ oder freie Plätze an (1 Punkt). Strichlisten, Funkmeldungen und die Eingabe von Hand entfallen; Teilnehmende sehen sofort, wo noch Platz ist, und das Orga-Team kann bei Überfüllung eine Session in einen größeren Raum verlegen (1 Punkt).
d) Nenne zwei Vorteile, die sich für das Orga-Team aus dem verbesserten Ablauf ergeben. (2 Punkte)
Zwei der folgenden (je 1 Punkt): kürzere Warteschlangen am Eingang; weniger Helfer*innen für Zählen und Übertragen nötig; keine Abendarbeit für das Übertragen der Listen; weniger Fehler in den Bescheinigungen; aktuelle Belegungsdaten für die Planung des nächsten Barcamps; weniger Papier.
e) Statt Türsensoren schlägt jemand Kameras mit automatischer Personenzählung vor. Beschreibe eine Verpflichtung, die mit dem Einsatz solcher Kameras verbunden ist. (2 Punkte)
Eine der folgenden (2 Punkte): Auf die Kameras muss deutlich sichtbar hingewiesen werden (Hinweisschild mit verantwortlicher Stelle und Zweck); es muss ein klarer Zweck festgelegt sein, und es dürfen nur so viele Daten verarbeitet werden, wie dafür nötig sind (z. B. nur Zählen, keine Speicherung der Bilder); gespeicherte Aufnahmen sind kurzfristig zu löschen; die Schulleitung bzw. die Datenschutzbeauftragte ist zu beteiligen.
f) Kreuze an, ob es sich jeweils nur um das Digitalisieren von Informationen oder um das Digitalisieren des Prozesses handelt. (3 Punkte)
| Maßnahme | nur Informationen digitalisiert | Prozess digitalisiert |
|---|---|---|
| Die abgehakte Anmeldeliste wird nach dem Barcamp eingescannt und als PDF abgelegt. | ||
| Der QR-Code wird gescannt, die Anwesenheit gespeichert und die Bescheinigung automatisch erzeugt. | ||
| Die Feedbackbögen werden abfotografiert und per E-Mail an das Orga-Team geschickt. |
| Maßnahme | nur Informationen digitalisiert | Prozess digitalisiert |
|---|---|---|
| Anmeldeliste einscannen | x | |
| QR-Code scannen, Bescheinigung automatisch | x | |
| Feedbackbögen abfotografieren | x |
Je Zeile 1 Punkt. Beim Einscannen und Abfotografieren bleibt der Ablauf gleich; die Daten müssen weiterhin von Hand ausgewertet werden.
Aufgabe 2.1: Meldungen in der Kennenlern-App schneller bearbeiten (Kernkompetenz)
(ca. 21 min Bearbeitungszeit)
In der App der Let’s Meet GmbH können Nutzer*innen Profile und Aktivitäten melden, z. B. wenn jemand beleidigende Nachrichten schreibt oder ein Treffpunkt nicht öffentlich ist. Geschäftsführerin Clara Neumann ist unzufrieden: Gemeldete Konten bleiben oft mehrere Tage aktiv. Der Support hat den Ablauf so beschrieben:
Die App speichert jede Meldung mit Zeitstempel im Admin-Bereich.
Montags bis freitags um 9:00 Uhr druckt der Support die Liste der neuen Meldungen aus und legt sie der Moderation ins Fach.
Die Moderation sieht sich die gemeldeten Profile und Chats im Admin-Bereich an und notiert ihre Entscheidung („sperren“, „verwarnen“, „unbegründet“) mit Uhrzeit handschriftlich auf dem Ausdruck. Den Ausdruck legt sie zurück ins Fach des Supports.
Der Support trägt die Entscheidungen am nächsten Morgen im Admin-Bereich ein und sperrt bzw. verwarnt die Konten.
Betrifft eine Meldung den Kontakt einer erwachsenen zu einer minderjährigen Person, ruft der Support beim Ausdrucken zusätzlich die Moderation an, damit sie diese Meldung zuerst bearbeitet.
Die meldende Person erhält keine Rückmeldung.
Für die Meldung M-2041 (beleidigende Nachrichten) liegen diese Angaben aus Admin-Bereich und Ausdruck vor:
| Schritt | Zeitpunkt | Bearbeitungszeit |
|---|---|---|
| Meldung eingegangen | Fr, 15.01.2027, 21:40 Uhr | – |
| Moderation hat entschieden („sperren“) | Di, 19.01.2027, 14:10 Uhr | 25 min |
| Support hat das Konto gesperrt | Mi, 20.01.2027, 9:15 Uhr | 10 min |
a) Auszubildender Jonas Weber hat sich den Ablauf angesehen und vier Aussagen notiert. Prüfe jede Aussage. Kennzeichne sie als zutreffend oder nicht zutreffend und berichtige die nicht zutreffenden. (4 Punkte)
„In Schritt 2 gibt es einen Medienbruch.“
„Zwischen Support und Moderation gibt es keine Schnittstelle, weil beide im selben Büro sitzen.“
„In Schritt 4 wird eine Information, die schon vorliegt, ein zweites Mal erfasst.“
„Weil die Moderation inhaltlich entscheiden muss, lässt sich an diesem Ablauf nichts digitalisieren.“
Je Aussage 1 Punkt:
zutreffend: Die Meldungen liegen digital vor und werden auf Papier ausgedruckt.
nicht zutreffend: Eine Schnittstelle ist jede Übergabe zwischen Beteiligten, egal wie nah sie beieinander sitzen. Hier wird der Vorgang zweimal über das Fach übergeben (Support → Moderation → Support).
zutreffend: Die Entscheidung steht schon handschriftlich auf dem Ausdruck und wird im Admin-Bereich erneut eingegeben (Doppelerfassung mit Medienbruch).
nicht zutreffend: Die Entscheidung selbst bleibt beim Menschen, aber Weitergabe, Eintragen, Sperren und die Rückmeldung an die meldende Person lassen sich digital abwickeln. Die Moderation könnte direkt im Admin-Bereich entscheiden.
b) Berechne für die Meldung M-2041 die Durchlaufzeit vom Eingang bis zur Sperrung und den Anteil der Bearbeitungszeit daran. Beurteile, was das Ergebnis über den Ablauf aussagt. (5 Punkte)
Bewertung: Durchlaufzeit 2 Punkte, Anteil 1 Punkt, Beurteilung 2 Punkte.
Geg.: Eingang Fr, 15.01.2027, 21:40 Uhr; Sperrung Mi, 20.01.2027, 9:15 Uhr; Bearbeitungszeit t_{\text{B}} = 25\ \text{min} + 10\ \text{min} = 35\ \text{min}
Ges.: Durchlaufzeit t_{\text{D}} und Anteil A der Bearbeitungszeit
Von Fr, 21:40 Uhr bis Di, 21:40 Uhr sind es 4 Tage = 96\ \text{h}; von Di, 21:40 Uhr bis Mi, 9:15 Uhr sind es 11\ \text{h}\ 35\ \text{min}.
t_{\text{D}} = 96\ \text{h} + 11\ \text{h}\ 35\ \text{min} = 107\ \text{h}\ 35\ \text{min} = 6\,455\ \text{min}
A = \frac{t_{\text{B}}}{t_{\text{D}}} = \frac{35\ \text{min}}{6\,455\ \text{min}} \approx 0{,}0054 = \underline{\underline{0{,}54\ \%}}
Beurteilung (Beispiel): Das gemeldete Konto war fast viereinhalb Tage aktiv, obwohl nur 35 Minuten tatsächlich daran gearbeitet wurde. Über 99 % der Zeit wartet die Meldung: auf den nächsten Ausdruck (Wochenende), im Fach und auf das Eintragen am nächsten Morgen. Schnellere Moderator*innen würden kaum etwas ändern; ansetzen muss die Verbesserung an den Liege- und Übergabezeiten.
c) Entwickle einen digital unterstützten Soll-Ablauf für die Bearbeitung von Meldungen als nummerierte Schrittfolge. Kennzeichne, welche Schritte automatisch ablaufen, und berücksichtige den Fall aus Schritt 5 so, dass er schnell bearbeitet wird, ohne die übrigen Meldungen zu bremsen. (6 Punkte)
Bewertung: schlüssiger, vollständiger Ablauf ohne Papier 2 Punkte, automatische Schritte sinnvoll gekennzeichnet 2 Punkte, Lösung für den Sonderfall 2 Punkte.
Eine Nutzerin meldet ein Profil; die App speichert die Meldung mit Zeitstempel. (automatisch)
Die App prüft, ob zwischen gemeldeter und meldender Person ein Kontakt erwachsen – minderjährig besteht. Wenn ja, erhält die Meldung die Priorität „sofort“, und die diensthabende Moderation wird per Push-Nachricht benachrichtigt. (automatisch)
Alle anderen Meldungen landen in einer gemeinsamen Warteschlange im Admin-Bereich, sortiert nach Priorität und Eingang. (automatisch)
Die Moderation öffnet die Meldung, sieht Profil und Chatverlauf und wählt die Entscheidung direkt im Admin-Bereich.
Mit dem Speichern der Entscheidung wird das Konto gesperrt bzw. verwarnt, und die Entscheidung wird mit Person und Zeitpunkt protokolliert. (automatisch)
Die meldende Person erhält eine Nachricht mit Textbaustein („Danke, wir haben Deine Meldung bearbeitet“). (automatisch)
Bleibt eine Meldung länger als eine festgelegte Frist (z. B. 12 Stunden) offen, erinnert die App die Moderation bzw. die Vertretung. (automatisch)
Andere schlüssige Abläufe sind möglich, z. B. eine vorläufige Sperre bei mehreren Meldungen gegen dasselbe Konto.
d) Das Reifegradmodell der Bitkom (siehe Artikel) enthält u. a. die Aussagen (2.1) „Prozessdaten werden vollständig automatisiert erhoben.“ und (3.3) „Der Status des Prozesses ist jederzeit von außen (d.h. extern aus Kundensicht & intern aus Sicht eines anderen Bereiches) einsehbar.“ Beurteile für beide Aussagen, ob der beschriebene Ablauf sie erfüllt. Nenne für eine der Aussagen eine Änderung, mit der sie erfüllt würde. (4 Punkte)
(2.1) teilweise bzw. nicht erfüllt (1 Punkt): Den Eingang erfasst die App automatisch, der Zeitpunkt der Entscheidung steht aber nur handschriftlich auf dem Ausdruck. Auswertungen über alle Meldungen (z. B. mittlere Dauer bis zur Sperrung) sind so nur mit Abtippen möglich.
(3.3) nicht erfüllt (1 Punkt): Die meldende Person erfährt nie, ob ihre Meldung bearbeitet wurde; der Support weiß nicht, welche Meldungen die Moderation schon entschieden hat, solange der Ausdruck im Fach liegt.
Änderung (2 Punkte), z. B.: Die Moderation entscheidet direkt im Admin-Bereich, das System speichert jeden Statuswechsel mit Zeitstempel (erfüllt 2.1); oder die meldende Person sieht in der App den Stand „eingegangen – in Prüfung – bearbeitet“, und der Support sieht den Status jeder Meldung im Admin-Bereich (erfüllt 3.3).
e) Entwicklungsleiter Yusuf Demir möchte Clara Neumann vom Umbau überzeugen. Formuliere für ihn eine kurze Stellungnahme (drei bis vier Sätze), die mit den Folgen der Medienbrüche argumentiert: einmal für die Arbeit des Supports und einmal für die Sicherheit der Nutzer*innen. (4 Punkte)
Je Folge mit Bezug zur Situation 2 Punkte, z. B.:
„Unser Support druckt jeden Morgen Meldungen aus, die schon im System stehen, und tippt am nächsten Tag die Entscheidungen der Moderation wieder ab – das ist Arbeitszeit ohne Nutzen, und jeder Tippfehler kann das falsche Konto sperren. Schwerer wiegt die Wartezeit: Solange die Entscheidung auf Papier im Fach liegt, kann die gemeldete Person weiter Nachrichten schreiben, im Beispiel M-2041 viereinhalb Tage lang. Gerade Minderjährige schützen wir nur, wenn eine Meldung ohne Umweg sofort bei der Moderation ankommt. Deshalb sollten Moderation und Support direkt im Admin-Bereich arbeiten.“
Aufgabe 2.2: Zusatzarbeiten in der Werkstatt schneller freigeben (Kernkompetenz)
(ca. 23 min Bearbeitungszeit)
In der Werkstatt der CSB-Rad GmbH in Bielefeld-Sennestadt finden die Mechaniker*innen bei Inspektionen oft weitere Mängel, z. B. eine verschlissene Kette. Zusatzarbeiten dürfen sie nur ausführen, wenn die Kundschaft zugestimmt hat. Dafür notieren sie die Kosten auf dem Auftragszettel, der Kundenservice ruft die Kundschaft an und schreibt die Antwort auf den Zettel; erreicht er niemanden, versucht er es später erneut. Bis dahin steht das Rad unfertig in der Halle. Werkstattleiter Bastian Ludwig hat zehn Inspektionen einer Woche ausgewertet (Zeiten in Werkstattstunden, also ohne Nächte und Sonntage):
| Auftrag | Zusatzarbeit nötig | Arbeitszeit am Rad (h) | Durchlaufzeit Annahme bis fertig (h) |
|---|---|---|---|
| W-741 | nein | 1,0 | 4 |
| W-742 | ja | 1,5 | 26 |
| W-743 | nein | 0,8 | 3 |
| W-744 | ja | 1,8 | 31 |
| W-745 | ja | 1,2 | 22 |
| W-746 | nein | 1,0 | 5 |
| W-747 | nein | 0,9 | 3 |
| W-748 | ja | 2,0 | 35 |
| W-749 | nein | 1,1 | 4 |
| W-750 | ja | 1,4 | 19 |
a) Bastian Ludwig vermutet: „Räder mit Zusatzarbeiten dauern so lange, weil die Reparaturen so aufwendig sind.“ Berechne für beide Gruppen die durchschnittliche Arbeitszeit und die durchschnittliche Durchlaufzeit und beurteile die Vermutung. (6 Punkte)
Bewertung: vier Mittelwerte je 1 Punkt, Beurteilung 2 Punkte.
Geg.: je fünf Aufträge ohne (W-741, 743, 746, 747, 749) und mit Zusatzarbeit (W-742, 744, 745, 748, 750)
Ges.: Mittelwerte der Arbeitszeit \bar{t}_{\text{A}} und der Durchlaufzeit \bar{t}_{\text{D}}
ohne Zusatzarbeit:
\bar{t}_{\text{A}} = \frac{1{,}0 + 0{,}8 + 1{,}0 + 0{,}9 + 1{,}1}{5}\ \text{h} = \frac{4{,}8}{5}\ \text{h} = \underline{\underline{0{,}96\ \text{h}}} \qquad \bar{t}_{\text{D}} = \frac{4 + 3 + 5 + 3 + 4}{5}\ \text{h} = \underline{\underline{3{,}8\ \text{h}}}
mit Zusatzarbeit:
\bar{t}_{\text{A}} = \frac{1{,}5 + 1{,}8 + 1{,}2 + 2{,}0 + 1{,}4}{5}\ \text{h} = \frac{7{,}9}{5}\ \text{h} = \underline{\underline{1{,}58\ \text{h}}} \qquad \bar{t}_{\text{D}} = \frac{26 + 31 + 22 + 35 + 19}{5}\ \text{h} = \underline{\underline{26{,}6\ \text{h}}}
Beurteilung: Die Arbeit am Rad dauert mit Zusatzarbeit nur rund 0,6 h länger, die Durchlaufzeit aber fast 23 h länger. Die Vermutung trifft nicht zu: Die Zeit geht nicht bei der Reparatur verloren, sondern beim Warten auf die Freigabe der Kundschaft.
b) Zur Wahl stehen zwei Vorschläge:
Vorschlag A – Freigabe per Link: Die Mechaniker*innen fotografieren den Mangel mit dem Werkstatt-Tablet und tragen die Kosten ein; die Kundschaft erhält eine SMS mit Link ins Kundenkonto und gibt dort frei oder lehnt ab.
Vorschlag B – Freigabegrenze: Bei der Annahme legt die Kundschaft schriftlich fest, bis zu welchem Betrag Zusatzarbeiten ohne Rückfrage ausgeführt werden dürfen.
Vergleiche beide Vorschläge anhand von drei selbst gewählten Kriterien in einer Tabelle und gib eine begründete Empfehlung. (8 Punkte)
Bewertung: drei passende Kriterien mit Einschätzung für beide Vorschläge je 2 Punkte, begründete Empfehlung 2 Punkte.
| Kriterium | Vorschlag A: Freigabe per Link | Vorschlag B: Freigabegrenze |
|---|---|---|
| Wirkung auf die Wartezeit | kürzer, aber abhängig davon, wann die Kundschaft reagiert | bis zur Grenze gar keine Wartezeit |
| Aufwand und Kosten der Einführung | Funktion im Kundenkonto und am Tablet nötig | sofort umsetzbar, nur ein Feld auf dem Auftrag |
| Transparenz für die Kundschaft | sieht Foto und Preis, entscheidet informiert | stimmt vorab „blind“ zu, Ärger bei unerwarteter Rechnung möglich |
| Kundschaft ohne Smartphone oder Kundenkonto | nicht erreichbar, Telefon bleibt nötig | funktioniert für alle |
Empfehlung (Beispiel): Beide Vorschläge kombinieren: Eine Freigabegrenze (z. B. 30 €) deckt kleine Verschleißteile ohne Wartezeit ab; darüber gibt es den Link mit Foto. Für Kund*innen ohne Kundenkonto bleibt der Anruf als Ausweichweg. Andere begründete Empfehlungen sind möglich.
c) Bisher braucht der Kundenservice je Freigabe 2 min, um den Auftragszettel zu lesen, im Mittel 2,5 Anrufversuche zu je 3 min und 1,5 min, um die Antwort zu notieren. Mit Vorschlag A tragen die Mechaniker*innen Foto und Betrag in 2 min ein, und der Kundenservice braucht nur noch 0,5 min für die seltenen Rückfragen. Im Jahr fallen rund 620 Freigaben an. Berechne die jährliche Zeitersparnis in Stunden und Minuten. (4 Punkte)
Bewertung: bisherige Zeit 1 Punkt, neue Zeit 1 Punkt, Jahreswert 1 Punkt, Umrechnung 1 Punkt.
Geg.: n = 620 Freigaben im Jahr
Ges.: Zeitersparnis T im Jahr
t_{\text{bisher}} = 2\ \text{min} + 2{,}5 \cdot 3\ \text{min} + 1{,}5\ \text{min} = 11\ \text{min}
t_{\text{neu}} = 2\ \text{min} + 0{,}5\ \text{min} = 2{,}5\ \text{min}
T = n \cdot (t_{\text{bisher}} - t_{\text{neu}}) = 620 \cdot 8{,}5\ \text{min} = 5\,270\ \text{min}
5\,270\ \text{min} : 60 = 87\ \text{h}\ \text{Rest}\ 50\ \text{min}
T = \underline{\underline{87\ \text{h}\ 50\ \text{min}}}
d) Für Vorschlag A: Nenne zwei Angaben, die die Nachricht im Kundenkonto enthalten muss, damit die Kundschaft ohne Rückruf entscheiden kann. Beschreibe außerdem, was geschehen soll, wenn nach einem Werktag keine Antwort vorliegt. (4 Punkte)
Zwei Angaben (je 1 Punkt), z. B.: Foto und kurze Beschreibung des Mangels; Preis aus Teilen und Arbeitszeit; Folgen, wenn nicht repariert wird (z. B. „Kette kann reißen“); zusätzliche Dauer bis zur Fertigstellung.
Keine Antwort (2 Punkte), z. B.: Das System erinnert automatisch per SMS und legt dem Kundenservice eine Rückrufaufgabe an; die Werkstatt schließt die Inspektion ohne Zusatzarbeit ab, damit das Rad nicht weiter Platz belegt, und vermerkt den Mangel auf der Rechnung.
e) Formuliere eine Kennzahl mit Zielwert, mit der Bastian Ludwig drei Monate nach der Einführung prüfen kann, ob die Änderung wirkt. Gib an, woher die Daten dafür kommen. (3 Punkte)
Kennzahl mit Zielwert (2 Punkte), z. B.: „Die durchschnittliche Durchlaufzeit von Inspektionen mit Zusatzarbeit sinkt von 26,6 h auf höchstens 10 h“ oder „Mindestens 80 % der Freigaben liegen innerhalb von 4 Werkstattstunden vor“.
Datenquelle (1 Punkt): die Zeitstempel im Shop-System bzw. Kundenkonto (Freigabe angefragt, freigegeben, Auftrag fertig); sie entstehen im neuen Ablauf automatisch, eine Strichliste ist nicht nötig.
Aufgabe 2.3: Einwilligungen übertragen – RPA und Sensoren für die Mitfahr-App (Kernkompetenz)
(ca. 25 min Bearbeitungszeit)
Die Mitfahr-App „RatzFahrt“ des Ratz und Rübe Berufskollegs erfasst für minderjährige Nutzer*innen die Einwilligung der Erziehungsberechtigten. Die Datenschutzbeauftragte Andrea Wolf muss jede Einwilligung zusätzlich im alten Schulverwaltungsprogramm vermerken. Das Programm läuft auf einem PC im Sekretariat und bietet weder eine Importfunktion noch eine Programmierschnittstelle. Bisher exportiert Andrea Wolf jeden Abend eine CSV-Datei aus der App und tippt die Einträge von Hand ab. Svenja Krämer von der Schul-IT OWL schlägt vor, solche Übertragungsaufgaben mit RPA zu automatisieren, und hat vier Aufgaben aus der Schule gesammelt.
a) Entscheide für jede Übertragungsaufgabe, ob ein RPA-Bot, eine Schnittstelle bzw. ein Import oder weiterhin ein Mensch die beste Lösung ist, und begründe Deine Entscheidung. (8 Punkte)
| Nr. | Übertragungsaufgabe | Lösung | Begründung |
|---|---|---|---|
| 1 | Einwilligungen täglich aus dem CSV-Export der App in das Schulverwaltungsprogramm eintragen | ||
| 2 | Krankmeldungen, die Eltern als frei formulierte E-Mail schicken, im digitalen Klassenbuch eintragen | ||
| 3 | neue Schüler*innen aus dem Schulverwaltungsprogramm als Nutzer*innen in RatzFahrt anlegen – RatzFahrt meldet alle über das Schulkonto per Single Sign-on an | ||
| 4 | einmalig 30 Einwilligungen auf Papier aus dem vergangenen Schuljahr nachtragen |
Je Zeile 1 Punkt für eine passende Lösung, 1 Punkt für die Begründung:
| Nr. | Lösung | Begründung |
|---|---|---|
| 1 | RPA-Bot | regelmäßig, gleichförmig, strukturierte Daten (CSV); das Zielprogramm hat keine Schnittstelle – genau der Einsatzfall für RPA |
| 2 | Mensch (oder besser: Webformular für Krankmeldungen) | Freitext ist unstrukturiert, Namen, Daten und Zeiträume stehen an wechselnden Stellen; ein Bot würde häufig falsch zuordnen |
| 3 | Schnittstelle bzw. keine Übertragung nötig | Über das Schulkonto (Single Sign-on) kennt RatzFahrt die Schüler*innen bereits; ein Bot würde doppelte Datenbestände erzeugen |
| 4 | Mensch | einmalig und wenige Fälle; Papier müsste erst gescannt und erkannt werden, ein Bot lohnt den Einrichtungsaufwand nicht |
Andere Entscheidungen sind möglich, wenn sie schlüssig begründet sind.
b) Beschreibe für die Übertragungsaufgabe Nr. 1 in vier bis sechs Schritten, was der Bot tun soll. Gib dabei an, was er protokolliert und in welchen Fällen er an Andrea Wolf übergibt. (5 Punkte)
Bewertung: schlüssige Schrittfolge 3 Punkte, Protokoll 1 Punkt, Übergabe an den Menschen 1 Punkt.
Der Bot startet jeden Abend um 20 Uhr und lädt die CSV-Datei mit den neuen Einwilligungen aus RatzFahrt herunter.
Er öffnet das Schulverwaltungsprogramm mit einem eigenen Benutzerkonto, das nur dieses Feld ändern darf.
Für jede Zeile sucht er die Person über die Schülernummer, nicht über den Namen.
Er setzt das Feld „Einwilligung“ mit Datum und speichert.
Er liest den gespeicherten Wert zur Kontrolle wieder aus.
Protokoll: je Zeile Zeitpunkt, Schülernummer, Ergebnis (eingetragen, übersprungen, Fehler).
Übergabe: Findet der Bot keine oder mehrere passende Personen, ist das Feld schon anders belegt oder bricht das Programm ab, schreibt er den Fall in eine Klärungsliste und benachrichtigt Andrea Wolf.
c) Nach einem Update des Schulverwaltungsprogramms meldet der Bot weiterhin „erfolgreich“, doch die Einwilligungen stehen jetzt im Feld „Bemerkung“ statt im Feld „Einwilligung“. Erläutere, wie es dazu kommen kann, und schlage zwei Maßnahmen vor, damit ein solcher Fehler früh auffällt. (5 Punkte)
Ursache (1 Punkt Ursache, 2 Punkte Erläuterung): Der Bot findet die Felder über ihre Position in der Maske oder über die Tab-Reihenfolge. Das Update hat die Maske verändert, an der alten Stelle liegt jetzt ein anderes Feld. Der Bot „weiß“ nicht, was er einträgt; er prüft nur, ob das Speichern ohne Fehlermeldung geklappt hat.
Maßnahmen (je 1 Punkt), z. B.: Felder über eine eindeutige Kennung bzw. Beschriftung statt über die Position ansprechen; nach dem Speichern den Wert genau im Feld „Einwilligung“ wieder auslesen und vergleichen; nach jedem Update einen Testlauf mit Testdaten vor dem echten Betrieb; Stichprobe der Einträge durch Andrea Wolf in der ersten Woche nach einem Update; Schul-IT informiert vor Updates die Person, die den Bot betreut.
d) Schüler*innen finden morgens ihre Fahrer*innen auf dem Parkplatz der Lehrkräfte nicht. Lehrer Thomas Becker möchte an den zehn Treffpunkt-Stellplätzen Belegungssensoren montieren lassen, deren Daten auf den Flurmonitoren und in der App anzeigen, welche Stellplätze belegt sind. Bringe die folgenden Bausteine in die Reihenfolge, in der die Daten sie durchlaufen, und beschreibe für zwei Bausteine, was dort mit den Daten geschieht: Funk-Gateway am Schulgebäude · Flurmonitor und App · Belegungssensor im Stellplatz · Server der Schule mit Datenbank. (5 Punkte)
Bewertung: richtige Reihenfolge 1 Punkt, je Beschreibung 2 Punkte.
Reihenfolge: Belegungssensor im Stellplatz → Funk-Gateway am Schulgebäude → Server der Schule mit Datenbank → Flurmonitor und App
Beschreibungen, z. B.:
Belegungssensor: erkennt (z. B. magnetisch), ob ein Fahrzeug auf dem Platz steht, und sendet bei jeder Änderung eine kurze Funknachricht mit Stellplatznummer und Zustand; batteriebetrieben, deshalb nur bei Änderung.
Funk-Gateway: empfängt die Funknachrichten aller Sensoren (z. B. per LoRaWAN) und leitet sie über das Schulnetz an den Server weiter.
Server mit Datenbank: speichert den aktuellen Zustand je Stellplatz, ordnet ihn dem Treffpunkt zu und stellt ihn Flurmonitor und App über eine Schnittstelle bereit.
Flurmonitor und App: zeigen die belegten Treffpunkt-Stellplätze an und aktualisieren die Anzeige bei jeder Änderung.
e) Andrea Wolf schlägt stattdessen vor, dass Fahrer*innen bei Ankunft in der App auf „Ich bin da – Stellplatz 7“ tippen. Beurteile, welche der beiden Lösungen datensparsamer ist, und begründe mit einem Grundsatz aus Art. 5 DSGVO. Nenne außerdem einen Grund, der trotzdem für die Sensoren sprechen kann. (4 Punkte)
Beurteilung mit Grundsatz (3 Punkte), z. B.: Die App-Lösung ist datensparsamer. Nach dem Grundsatz der Datenminimierung (Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO) dürfen nur Daten verarbeitet werden, die für den Zweck nötig sind. Die Meldung „Ich bin da“ entsteht nur bei vereinbarten Fahrten und nur für die Mitfahrenden dieser Fahrt; die Sensoren erfassen dagegen rund um die Uhr jede Belegung, auch von Lehrkräften, die gar nicht mitnehmen. Über die Fahrzeiten lassen sich die Daten Personen zuordnen.
Grund für die Sensoren (1 Punkt), z. B.: Sie funktionieren ohne Zutun der Fahrer*innen, auch wenn jemand das Tippen vergisst oder kein mobiles Datenvolumen hat.
Aufgabe 3.1: Rücksendungen und Reklamationen beim Fahrrad-Onlineshop digitalisieren (Profilkompetenz)
(ca. 56 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r im IT-Team der CSB-Rad GmbH in Bielefeld (Onlineshop für Fahrräder und Komponenten, Werkstatt und Lager in Bielefeld-Sennestadt). Mit dem Projekt „Lager 4.0“ hat das Lager bereits Barcode-Etiketten und Handscanner (MDE-Geräte) erhalten, die Werkstatt arbeitet mit Tablets. Rücksendungen und Reklamationen laufen aber noch weitgehend auf Papier. Jelena Marković aus dem Kundenservice hat den bisherigen Ablauf notiert:
Kund*innen melden eine Rücksendung (Widerruf, z. B. „Größe passt nicht“) oder eine Reklamation (Mangel, z. B. „Bremse schleift“) per Telefon oder E-Mail beim Kundenservice.
Der Kundenservice füllt einen Rücksendeschein aus Papier aus (Bestellnummer, Artikel, Grund), scannt ihn ein und schickt ihn per E-Mail an die Kundin oder den Kunden. Die Paketmarke erstellt er im Webportal des Paketdienstes; Name und Adresse tippt er dafür aus dem Shop-Backend ab.
Die Kundschaft druckt den Schein aus und legt ihn ins Paket – wenn sie daran denkt.
Im Lager öffnen die Beschäftigten das Paket und suchen den Schein. Fehlt er, suchen sie die Bestellung über den Namen im Shop-Backend. Den Zustand der Ware notieren sie handschriftlich auf dem Schein. Einwandfreie Ware lagern sie mit dem Handscanner wieder ein; die Rücksendung selbst ist im Lagersystem nicht erfasst.
Reklamierte Teile und Räder kommen mit dem Schein in die Werkstatt. Selin Arslan oder Paul Neubauer prüfen den Mangel, fotografieren ihn mit dem Werkstatt-Tablet, schicken die Fotos per E-Mail an den Kundenservice und notieren Befund und Entscheidung (Reparatur, Ersatz oder Ablehnung) auf dem Schein.
Alle Scheine werden freitags gesammelt in die Buchhaltung gebracht. Natalia Wróbel sucht Bestellung und Rechnung heraus, erstellt im Buchhaltungsprogramm die Gutschrift und veranlasst die Rückzahlung.
Der Kundenservice erfährt davon erst auf Nachfrage und informiert dann die Kundschaft per E-Mail.
Der bisherige Ablauf als UML-Aktivitätsdiagramm:
Im Monat gibt es rund 60 Rücksendungen und 15 Reklamationen. Etwa 40 Anrufe pro Monat drehen sich um die Frage „Wo bleibt mein Geld?“. Geschäftsführer Cem Sarıkaya startet deshalb das Projekt „Retoure digital“. Geplant sind:
ein Retourenportal im Kundenkonto des Shops: Grund auswählen, Fotos hochladen, QR-Code statt Rücksendeschein, Paketmarke automatisch über die Schnittstelle des Paketdienstes, Statusanzeige,
ein Retourenmodul für das Shop-Backend (Miete 149 € pro Monat), das mit dem Lagersystem, den Werkstatt-Tablets und dem Buchhaltungsprogramm verbunden wird.
a) Für die Kundschaft zählt vor allem, wie schnell ihr Geld zurückkommt. Wähle aus dem bisherigen Ablauf die drei Schwachstellen aus, die die Erstattung am stärksten verzögern, und ordne sie nach ihrer Wirkung. Begründe Deine Reihenfolge und gib für die Schwachstelle auf Platz 1 an, welcher Teil von „Retoure digital“ sie beseitigt. (9 Punkte)
Bewertung: drei passende Schwachstellen je 1 Punkt, schlüssige Begründung der Reihenfolge 4 Punkte, passender Teil von „Retoure digital“ 2 Punkte. Eine andere Reihenfolge ist richtig, wenn sie nachvollziehbar begründet ist.
Scheine werden bis Freitag gesammelt (Schritt 6): Eine Rücksendung, die am Montag geprüft wird, liegt bis zu vier Tage, bevor die Buchhaltung sie überhaupt sieht. Das betrifft jeden Vorgang, also alle rund 75 im Monat, und ist die längste einzelne Liegezeit.
Die Buchhaltung sucht Bestellung und Rechnung zu jedem Schein heraus (Schritt 6): Das kostet bei jedem Vorgang Zeit; am Freitag staut sich die Arbeit, sodass ein Teil der Gutschriften erst in der Folgewoche erstellt wird.
Fehlt der Rücksendeschein, sucht das Lager die Bestellung über den Namen (Schritt 4): Das verzögert nur einen Teil der Vorgänge, kann aber zu Verwechslungen und damit zu Rückfragen führen.
Platz 1 beseitigt: das Retourenmodul. Sobald das Lager (bzw. die Werkstatt) den Vorgang abschließt, liegt der Buchhaltung ein Gutschrift-Vorschlag mit verknüpfter Bestellung und Rechnung vor; das Sammeln bis Freitag entfällt.
Weitere mögliche Schwachstellen: Der Kundenservice erfährt von der Erstattung erst auf Nachfrage (verzögert die Information, nicht das Geld); Werkstattfotos gehen per E-Mail und müssen zugeordnet werden.
b) Nenne vier Stellen im bisherigen Ablauf, an denen ein Medienbruch auftritt. Gib jeweils an, von welchem zu welchem Medium bzw. System die Information wechselt. (4 Punkte)
Je richtiger Nennung mit Angabe des Wechsels 1 Punkt, z. B.:
Schritt 1/2: Telefonat oder E-Mail der Kundschaft → handschriftlicher Rücksendeschein.
Schritt 2: Papierschein → Scan → E-Mail an die Kundschaft (und zurück auf Papier durch Ausdrucken, Schritt 3).
Schritt 2: Shop-Backend → Abtippen ins Webportal des Paketdienstes.
Schritt 4: Papierschein bzw. Name → Suche im Shop-Backend; Zustand der Ware → handschriftliche Notiz.
Schritt 5: Foto auf dem Tablet → E-Mail an den Kundenservice (statt am Vorgang); Befund → handschriftlich auf Papier.
Schritt 6: gesammelte Papierscheine → Eingabe ins Buchhaltungsprogramm.
Schritt 7: Buchhaltungsprogramm → mündliche Nachfrage → E-Mail an die Kundschaft.
Nur „Schnittstelle zwischen Lager und Werkstatt“ ohne Wechsel des Mediums ist eine Schnittstelle, aber kein Medienbruch (0 Punkte).
c) Im Retourenmodul durchläuft jeder Vorgang mehrere Status. Lege eine Tabelle mit den Spalten Status, Auslöser (wer oder was löst den Wechsel aus, mit welchem Hilfsmittel) und automatische Folgeaktion an. Fülle sie für mindestens fünf Status von der Anmeldung bis zur Erstattung; denke dabei auch an Reklamationen, die in die Werkstatt gehen. (10 Punkte)
Je Status 2 Punkte (1 Punkt Auslöser mit Hilfsmittel, 1 Punkt passende Folgeaktion), höchstens 10 Punkte, z. B.:
| Status | Auslöser | automatische Folgeaktion |
|---|---|---|
| angemeldet | Kundschaft wählt im Retourenportal Artikel und Grund | Paketmarke über die Schnittstelle des Paketdienstes und QR-Code erzeugen; Rücksendung im Lagersystem als „erwartet“ anlegen |
| eingetroffen | Lager scannt den QR-Code bzw. die Sendungsnummer mit dem MDE-Gerät | Kundschaft per Nachricht informieren; Liste der angemeldeten Artikel auf dem MDE-Gerät anzeigen |
| geprüft – einwandfrei | Lager wählt den Zustand auf dem MDE-Gerät aus | Ware per Lagerplatz-Scan in den Bestand buchen; Gutschrift-Vorschlag für die Buchhaltung erzeugen |
| in Werkstattprüfung | Lager leitet eine Reklamation mit einem Klick weiter | Auftrag mit Fotos der Kundschaft erscheint auf dem Werkstatt-Tablet |
| Befund erfasst | Mechaniker*in wählt auf dem Tablet Reparatur, Ersatz oder Ablehnung und fotografiert den Befund | Kundenservice und Kundschaft werden informiert; bei Ersatz Gutschrift-Vorschlag bzw. Ersatzlieferung anlegen |
| erstattet | Buchhaltung gibt den Vorschlag frei (oder Regel aus Teilaufgabe d) | Rückzahlung über die ursprüngliche Zahlart auslösen; Status im Kundenkonto setzen und Nachricht senden |
Andere sinnvolle Status (z. B. „abgelehnt“, „Frist überschritten – Klärung“) sind ebenfalls richtig.
d) Cem Sarıkaya möchte, dass einfache Rücksendungen von Privatkund*innen ohne Zutun der Buchhaltung erstattet werden.
Entwickle einen Vorschlag, wie die Erstattung bei Rücksendungen automatisiert werden kann. Gib dabei die Bedingungen an, unter denen automatisch erstattet wird, und nenne zwei Fälle, die weiterhin ein Mensch entscheiden muss. (6 Punkte)
Bewertung: schlüssiger Ablauf 2 Punkte, Bedingungen 2 Punkte, zwei Ausnahmen je 1 Punkt.
Vorschlag (Beispiel):
Auslöser: Das Lager bestätigt den Eingang per Scan und wählt den Zustand „einwandfrei“.
Bedingungen für die automatische Erstattung (alle müssen erfüllt sein):
- Kundenkonto der Art „privat“ (das Widerrufsrecht gilt nur für Verbraucher*innen),
- Grund „Widerruf“, nicht „Mangel“,
- Rücksendung fristgerecht angemeldet (Widerruf innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Ware),
- kein konfigurierbarer Artikel (nach Kundenwunsch gefertigte Ware wie Rahmen nach Maß ist vom Widerrufsrecht ausgenommen),
- alle angemeldeten Artikel sind eingegangen,
- Erstattungsbetrag unter einer festgelegten Grenze (z. B. 1.000 €).
Ablauf: Das Retourenmodul erstellt die Gutschrift aus den Rechnungsdaten, löst die Rückzahlung über die ursprüngliche Zahlart aus, setzt den Status im Kundenkonto auf „erstattet“, benachrichtigt die Kundschaft und protokolliert die Entscheidung (Regel, Zeitpunkt, Daten). Einwandfreie Ware wird automatisch wieder in den Bestand gebucht.
Ausnahmen für einen Menschen (je 1 Punkt), z. B.:
Ware beschädigt, unvollständig oder mit Gebrauchsspuren (Teilerstattung?),
Frist überschritten oder Rücksendung nicht angemeldet,
konfigurierbare Artikel und Reklamationen (Werkstattbefund nötig),
Händler- und öffentliche Kundenkonten,
hohe Beträge oder auffällig viele Rücksendungen desselben Kontos.
e) Sophie Bertram, Geschäftsführerin Vertrieb und E-Commerce, hat für einen Newsletter fünf Sätze über das Retourenportal entworfen. Entscheide für jeden Satz, ob er einen Vorteil für die Kundschaft beschreibt, nur einen Vorteil für CSB-Rad oder ob er sachlich nicht stimmt. Ergänze anschließend einen weiteren Vorteil für die Kundschaft, der noch fehlt. (6 Punkte)
„Melde Deine Rücksendung rund um die Uhr an – ganz ohne Anruf.“
„Wir sparen Porto, Papier und Telefonzeit.“
„Den QR-Code zeigst Du einfach im Paketshop vor, einen Drucker brauchst Du nicht.“
„Wer das Portal nutzt, hat 30 statt 14 Tage Zeit für den Widerruf.“
„Unsere Buchhaltung muss keine Papierscheine mehr sortieren.“
Je Satz 1 Punkt, Ergänzung 1 Punkt:
Vorteil für die Kundschaft.
nur Vorteil für CSB-Rad (gehört nicht in die Werbung für Kund*innen).
Vorteil für die Kundschaft.
sachlich falsch: Die gesetzliche Widerrufsfrist beträgt 14 Tage und hängt nicht vom Weg der Anmeldung ab; eine längere Frist müsste CSB-Rad ausdrücklich freiwillig gewähren.
nur Vorteil für CSB-Rad; für die Kundschaft wäre die Folge („Dein Geld kommt schneller“) der eigentliche Vorteil.
Ergänzung, z. B.: Der Stand der Rücksendung ist jederzeit im Kundenkonto sichtbar; bei Reklamationen können Fotos vorab hochgeladen werden, sodass manchmal ein Ersatzteil statt einer Rücksendung reicht; die Erstattung kommt schneller.
f) Sophie Bertram schlägt vor, nach der Einführung Rücksendungen und Reklamationen nur noch über das Portal anzunehmen und die telefonische Annahme abzuschaffen. Hans-Jürgen Kühn (74), ein Stammkunde, bestellt grundsätzlich per Telefon und hat kein Kundenkonto.
Beurteile den Vorschlag. (5 Punkte)
Bewertung: Argumente für den Vorschlag 1 Punkt, mindestens zwei Gegenargumente bzw. Grenzen je 1 Punkt, begründetes Urteil mit Bezug zur Situation 2 Punkte.
Dafür: Ein einziger Eingangskanal liefert vollständige, strukturierte Daten; Medienbrüche und Abtippen am Telefon entfallen.
Dagegen:
- Kund*innen ohne Konto, ohne Smartphone oder mit geringer digitaler Erfahrung (wie Herr Kühn) würden ausgeschlossen (Digitalzwang). Das schadet der Kundenbindung, gerade bei Stammkundschaft.
- Die Rechte der Kundschaft (Widerruf, Gewährleistung) hängen nicht davon ab, welchen Weg sie wählt; eine Reklamation per Telefon oder Brief muss trotzdem bearbeitet werden.
- Barrierefreiheit: Nicht alle können ein Portal selbstständig bedienen.
- Fällt das Portal oder die Schnittstelle zum Paketdienst aus, gäbe es keinen Ausweichweg.
- Persönliche Beratung (z. B. ob ein Mangel vor Ort repariert werden kann) entfällt.
Urteil (Beispiel): Der Vorschlag ist so nicht sinnvoll. Besser ist es, das Portal als Standardweg zu bewerben, die telefonische Annahme aber zu behalten: Der Kundenservice legt die Rücksendung im Gespräch selbst im Retourenmodul an, und Herr Kühn erhält Paketmarke und Rücksendeschein per Post. So bleiben die Daten durchgängig digital, ohne Kundschaft auszuschließen.
Ein anderes Urteil ist möglich, wenn es schlüssig begründet ist.
g) Dein Mit-Azubi Jonas hat für das erste Jahr nur die Miete des Retourenmoduls (149 € pro Monat) angesetzt. Cem Sarıkaya ergänzt drei Posten: Einrichtung der Schnittstellen durch einen Dienstleister 2.400 €, Schulung von 9 Beschäftigten zu je 3 Stunden bei einem Kostensatz von 38 € pro Stunde und ein zusätzliches Werkstatt-Tablet für 620 €.
Berechne die Kosten des ersten Jahres und den Anteil der Miete daran. Nenne zwei weitere Kostenarten, die in der Aufstellung noch fehlen. (5 Punkte)
Bewertung: Gesamtkosten 2 Punkte, Anteil 1 Punkt, zwei fehlende Kostenarten je 1 Punkt.
Geg.: Miete 149\ € pro Monat; Einrichtung 2\,400\ €; Schulung 9 \cdot 3\ \text{h} \cdot 38\ €/\text{h}; Tablet 620\ €
Ges.: Kosten K des ersten Jahres und Anteil A der Miete
K_{\text{Miete}} = 12 \cdot 149\ € = 1\,788\ €
K_{\text{Schulung}} = 9 \cdot 3\ \text{h} \cdot 38\ €/\text{h} = 1\,026\ €
K = 1\,788\ € + 2\,400\ € + 1\,026\ € + 620\ € = \underline{\underline{5\,834\ €}}
A = \frac{K_{\text{Miete}}}{K} = \frac{1\,788\ €}{5\,834\ €} \approx 0{,}306 = \underline{\underline{30{,}6\ \%}}
Die Miete macht im ersten Jahr nur knapp ein Drittel der Kosten aus.
Fehlende Kostenarten, z. B.: Arbeitszeit für Anforderungen und Anbieterauswahl; Tests vor dem Start; Parallelbetrieb von Papier- und neuem Ablauf; Gebühren des Paketdienstes für die Schnittstelle; Wartung, Support und Updates; Datenschutzprüfung und Vertrag zur Auftragsverarbeitung.
h) Cem Sarıkaya hat als Projektziel festgelegt: „Die durchschnittliche Zeit vom Eintreffen einer Rücksendung im Lager bis zur Gutschrift sinkt um mindestens 30 %.“
ha) Jonas schlägt vor: „Vorher messen wir die Dauer bei den fünf Reklamationen aus dem Dezember. Nachher nehmen wir alle Rücksendungen aus dem ersten Monat nach dem Start und messen ab der Anmeldung im Portal bis zur Gutschrift.“ Nenne drei Mängel dieses Vorgehens und beschreibe, wie die Messung stattdessen angelegt werden sollte. (5 Punkte)
Bewertung: drei Mängel je 1 Punkt, verbessertes Vorgehen 2 Punkte.
Mängel, z. B.:
Fünf Vorgänge sind eine viel zu kleine Stichprobe; einzelne Ausreißer verzerren den Durchschnitt.
Vorher werden Reklamationen, nachher Rücksendungen gemessen – die Vorgänge sind nicht vergleichbar (Reklamationen brauchen eine Werkstattprüfung).
Der Startpunkt ist unterschiedlich: Das Ziel misst ab dem Eintreffen im Lager, Jonas misst nachher ab der Anmeldung und verlängert damit künstlich die neue Dauer.
Dezember (Weihnachtsgeschäft) und der erste Monat nach dem Start (Einarbeitung) sind beide untypische Zeiträume.
Besser: Vorher und nachher dieselbe Kennzahl mit denselben Start- und Endpunkten (Eintreffen im Lager bis Gutschrift) für eine ausreichend große Stichprobe vergleichbarer Vorgänge messen, die Einarbeitungsphase abwarten, die relative Verringerung berechnen und mit den 30 % vergleichen. Im neuen Ablauf liefern die Zeitstempel der Statuswechsel die Werte automatisch.
hb) Eine Stichprobe von 40 Vorgängen aus dem Sommer 2026 ergab im Durchschnitt 11,2 Tage vom Eintreffen bis zur Gutschrift. Im Pilotbetrieb im März 2027 waren es bei 40 Vorgängen durchschnittlich 7,4 Tage.
Berechne die relative Verringerung und die durchschnittliche Dauer, die höchstens hätte erreicht werden dürfen, damit das Ziel gerade noch erfüllt ist. Beurteile, ob das Ziel erreicht wurde. (5 Punkte)
Bewertung: Verringerung 2 Punkte, Höchstdauer 2 Punkte, Urteil 1 Punkt.
Geg.: t_{\text{vorher}} = 11{,}2\ \text{d}, t_{\text{nachher}} = 7{,}4\ \text{d}, Ziel V_{\text{Ziel}} = 30\ \% = 0{,}3
Ges.: relative Verringerung V
V = \frac{t_{\text{vorher}} - t_{\text{nachher}}}{t_{\text{vorher}}}
V = \frac{11{,}2\ \text{d} - 7{,}4\ \text{d}}{11{,}2\ \text{d}} = \frac{3{,}8\ \text{d}}{11{,}2\ \text{d}} = \frac{19}{56}
V \approx 0{,}339 = \underline{\underline{33{,}9\ \%}}
Ges.: höchstens zulässige Dauer t_{\text{max}} (Dauer, bei der V = V_{\text{Ziel}} ist)
V_{\text{Ziel}} = \frac{t_{\text{vorher}} - t_{\text{max}}}{t_{\text{vorher}}} \quad | \cdot t_{\text{vorher}}
V_{\text{Ziel}} \cdot t_{\text{vorher}} = t_{\text{vorher}} - t_{\text{max}} \quad | + t_{\text{max}} - V_{\text{Ziel}} \cdot t_{\text{vorher}}
t_{\text{max}} = t_{\text{vorher}} - V_{\text{Ziel}} \cdot t_{\text{vorher}} = t_{\text{vorher}} \cdot (1 - V_{\text{Ziel}})
t_{\text{max}} = 11{,}2\ \text{d} \cdot (1 - 0{,}3) = 11{,}2\ \text{d} \cdot 0{,}7
t_{\text{max}} = \underline{\underline{7{,}84\ \text{d}}}
Urteil: Die Dauer ist um rund 33,9 % gesunken, die gemessenen 7,4 Tage liegen unter der Höchstdauer von 7,84 Tagen. Das Ziel ist erreicht, wenn auch knapp. Weil der Pilotbetrieb nur einen Monat umfasst und im Sommer andere Rücksendungen anfallen können (z. B. mehr Räder), sollte die Messung nach einigen Monaten wiederholt werden.
i) CSB-Rad wirbt mit dem Satz „Mobilität ohne Auspuff“. Cem Sarıkaya möchte, dass auch das Projekt „Retoure digital“ die Grundsätze von Green IT einhält.
ia) Jonas meint: „‚Retoure digital‘ ist automatisch Green IT, weil wir kein Papier mehr brauchen.“ Nimm Stellung. Erkläre dabei, was Green IT umfasst, und nenne einen Umwelteffekt des Projekts, den Jonas übersieht. (3 Punkte)
Bewertung: Stellungnahme mit Erklärung 2 Punkte, übersehener Effekt 1 Punkt.
Jonas hat nur zum Teil recht. Weniger Papier ist ein Beitrag von Green durch IT. Green IT betrachtet aber den gesamten Lebenszyklus der eingesetzten Technik – Herstellung, Betrieb und Entsorgung – und fragt, ob Energie- und Rohstoffverbrauch insgesamt sinken. Auch die IT selbst soll sparsam sein (Green in der IT).
Übersehene Effekte, z. B.: Das zusätzliche Tablet verursacht schon bei der Herstellung einen großen Teil seiner Umweltbelastung; das Retourenmodul läuft rund um die Uhr in einem Rechenzentrum; hochgeladene Fotos brauchen Speicher und Übertragung; wird das Zurückschicken bequemer, steigt vielleicht die Zahl der Rücksendungen (Rebound-Effekt) und damit der Transport.
ib) Schlage zwei Maßnahmen vor, mit denen Green IT im Projekt „Retoure digital“ umgesetzt werden kann, und begründe sie jeweils kurz. (4 Punkte)
Je Maßnahme 1 Punkt, je Begründung 1 Punkt, z. B.:
Vorhandene Geräte weiter nutzen: Für das Projekt werden die MDE-Geräte aus „Lager 4.0“ und die vorhandenen Werkstatt-Tablets verwendet; fehlt ein Gerät, wird ein aufbereitetes (refurbished) Gerät gekauft. Begründung: Der größte Teil der Umweltbelastung eines Tablets entsteht bei der Herstellung.
Papier vermeiden: QR-Code auf dem Smartphone statt ausgedrucktem Rücksendeschein, keine Papierlisten. Begründung: spart Papier, Druck und Toner (Green durch IT).
Datensparsam arbeiten: Fotos beim Hochladen verkleinern und nach Abschluss des Vorgangs und Ablauf der Aufbewahrungsfrist löschen. Begründung: weniger Speicher und Datenübertragung; zugleich Datenminimierung nach DSGVO.
Hosting mit Ökostrom: Retourenmodul bei einem Anbieter betreiben, dessen Rechenzentrum Strom aus erneuerbaren Energien nutzt und eine niedrige PUE hat. Begründung: Der Betrieb rund um die Uhr verursacht dauerhaft Energieverbrauch.
Rücksendungen vermeiden: Gründe auswerten und z. B. die Größenberatung im Shop verbessern; bei Reklamationen per Foto prüfen, ob ein Ersatzteil statt eines Rücktransports des ganzen Rades reicht. Begründung: Jede vermiedene Rücksendung spart Transport und Verpackung (Green durch IT).
Energiesparmodus: MDE-Geräte und Tablets außerhalb der Arbeitszeit abschalten bzw. im Energiesparmodus laden. Begründung: weniger Stromverbrauch ohne Einbußen.
Allgemeine Antworten ohne Bezug zum Projekt („Strom sparen“) erhalten höchstens die Hälfte der Punkte.
Punkte gesamt: 9 + 4 + 10 + 6 + 6 + 5 + 5 + 5 + 5 + 3 + 4 = 62 Punkte
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