Übungsaufgaben zu Angriffen und Schadsoftware: Phishing, Malware, DDoS und Man-in-the-Middle

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Malware, Ransomware, Phishing, Social Engineering, DDoS, Man-in-the-Middle, ARP-Spoofing, DNS-Spoofing, Zero-Day-Exploit, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 139 min, mehrere Aufgaben): Vier Übungsaufgaben zu Angriffen und Schadsoftware: In der Basisstufe nimmst Du eine verdächtige Rechnungsmail bei einem Fahrradhersteller auseinander und erstellst mit der Schülervertretung ein Infoblatt zu Schadsoftware (mit Quarantäne-Meldung und englischem Sicherheitshinweis). In der Kernstufe wertest Du für eine Sicherheitsschulung den Vorfallbericht eines Ransomware-Angriffs aus (Phasen, Stoppstellen, Helpdesk-Meldungen, Virenscanner auf dem Server, Schwachstellen beim Rundgang, Social Engineering per Stellenanzeige, Penetrationstest) und untersuchst Angriffe auf das Netz eines Barcamps: Man-in-the-Middle über einen gefälschten DHCP-Server, Abgrenzung zum ARP-Spoofing, DNS-Spoofing, DDoS anhand von Monitoringwerten, KI-gestützte Erkennung und eine Zero-Day-Lücke. Alle Beispiellösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Angriffe und Schadsoftware erkennen und abwehren.

Mindmap der Themen: Begriffe, Schadsoftware, Phishing und Social Engineering, Angriffe im Netz, Exploits und Angriffe erkennen (mit KI erstellt)

Hinweise zur Bearbeitung: Bis zur Teil-1-Prüfung der IT-Berufe solltest Du die Basiskompetenz beherrschen, also Aufgabe 1.1 und Aufgabe 1.2. Als FISY, FIDP, FIDV, IKS oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1 und Aufgabe 2.2. Bei „nennen“ genügen Stichworte, bei „beschreiben“, „erläutern“ und „erklären“ erwartet die Aufgabe ganze Sätze mit Bezug zur Situation. Bei Auswahlaufgaben ist genau eine Antwort richtig. Schreib Deine Antwort zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst; andere sachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.

Aufgabe 1.1: Eine verdächtige Rechnung in der Buchhaltung (Basiskompetenz)

(ca. 17 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld. Natalia Wróbel aus der Buchhaltung ruft Dich an: Sie hat am Montagmorgen die folgende E-Mail erhalten und ist unsicher, ob sie die Rechnung bezahlen soll. Die CSB-Rad GmbH bezieht ihre gleichschließenden Schlösser tatsächlich von der Lipper SchließTec KG; Ansprechpartnerin dort ist Birgit Haas.

Von:     Lipper SchliessTec Buchhaltung <buchhaltung@lipper-schliesstec-zahlung.example>
An:      buchhaltung@csb-rad.example; info@csb-rad.example; vertrieb@csb-rad.example
Datum:   Mo 09.11.2026 06:12
Betreff: DRINGEND: Letzte Mahnung Rechnung 2026-1187 – Lieferstopp ab heute 16 Uhr

Sehr geehrter Kunde,

leider konnten wir zu unserer Rechnung 2026-1187 über 4.870,00 EUR noch keinen
Zahlungseingang feststellen. Wenn der Betrag nicht heute bis 16:00 Uhr eingeht,
sperren wir alle Lieferungen an Ihr Unternehmen.

Bitte beachten Sie unsere NEUE Bankverbindung (alte Konto ist nicht mehr gültig).
Die Rechnung und die Bankdaten finden Sie hier:

   Rechnung_2026-1187.pdf   (Link-Ziel: http://rechnung-portal.example/dl?id=8812)

Zum Öffnen melden Sie sich bitte mit Ihrem Microsoft-Firmenkonto an.
Alternativ im Anhang: Rechnung_2026-1187.zip

Mit freundlichen Grüßen
Buchhaltung

a) Natalia Wróbel sind die fremde Absenderdomain und der Zeitdruck schon aufgefallen. Finde vier weitere verdächtige Stellen in der E-Mail und erkläre jeweils in einem Satz, welchen Trick der Angreifenden sie verrät. (4 Punkte)

Je 1 Punkt für eine Stelle mit passender Erklärung, vier aus:

  • Neue Bankverbindung, die nur über den Link zu sehen ist: Das Geld soll auf ein Konto der Täter*innen fließen. Ein echter Lieferant teilt einen Kontowechsel mit Ansprechperson und auf bekanntem Weg mit.
  • Link-Text „Rechnung_2026-1187.pdf“, Ziel aber http://rechnung-portal.example/…: Der harmlose Dateiname verschleiert, dass der Klick auf eine fremde, nicht einmal verschlüsselte Webseite führt.
  • Anmeldung mit dem Microsoft-Firmenkonto: Eine Rechnung lässt sich ohne Anmeldung lesen. Die Seite soll Benutzername und Passwort abgreifen.
  • ZIP-Anhang: In Archiven lassen sich ausführbare Dateien oder Skripte an Filtern vorbeischmuggeln; ein Doppelklick genügt.
  • „Sehr geehrter Kunde“, Gruß nur von „Buchhaltung“: Die Absender kennen weder Natalias Namen noch die echte Ansprechpartnerin Birgit Haas. Die Mail ist breit gestreut.
  • Drei Sammeladressen als Empfänger: Die Täter*innen hoffen, dass irgendwer im Haus reagiert.
  • Versand um 06:12 Uhr, Fehler „alte Konto“: schwache Hinweise, die allein nichts beweisen, aber ins Bild passen.

b) Natalia hat drei Ideen, wie sie die Sache klären könnte. Beurteile jede Idee und begründe, welche sie umsetzen sollte. (3 Punkte)

  1. „Ich antworte auf die Mail und bitte um eine Rechnung als PDF ohne Link.“
  2. „Ich öffne den Link auf meinem privaten Handy, da ist ja kein Firmenkonto drauf.“
  3. „Ich rufe Birgit Haas unter der Nummer aus unserer Lieferantenkartei an.“

Je 1 Punkt:

  1. Ungeeignet: Die Antwort landet bei den Täter*innen, bestätigt ihnen eine aktive Adresse und bringt höchstens eine neue, ebenso gefälschte Rechnung.
  2. Ungeeignet: Die Seite kann auch das Handy angreifen oder dort nach dem Firmenkonto fragen. Das private Gerät hat keinen Schutz der Firma, und die IT erfährt nichts vom Angriff.
  3. Richtig: Sie fragt über einen unabhängigen, bekannten Kanal nach. Zusätzlich meldet sie die Mail an die IT, ohne etwas darin anzuklicken.

c) Die Mail versucht auf drei Wegen zum Erfolg zu kommen: über den Link mit Anmeldung, über den ZIP-Anhang und über die angeblich neue Bankverbindung. Beschreibe für zwei dieser Wege, was die Angreifenden erbeuten oder erreichen wollen und welcher Schaden der CSB-Rad GmbH dadurch droht. (4 Punkte)

Je 2 Punkte, zwei aus:

  • Link mit Anmeldung: Ziel sind die Zugangsdaten des Firmenkontos. Damit lesen die Täter*innen Mails der Buchhaltung, verschicken in ihrem Namen gefälschte Rechnungen an Kund*innen und greifen auf Dateien in der Cloud zu, etwa Kundendaten oder Schließcodes.
  • ZIP-Anhang: Ziel ist Schadsoftware auf dem Buchhaltungsrechner, etwa ein Trojaner, der später Ransomware nachlädt. Folgen: Ausfall der Buchhaltung, verschlüsselte Daten, abgeflossene personenbezogene Daten mit Meldepflicht.
  • Neue Bankverbindung: Ziel ist eine Überweisung von 4.870 € auf ein Konto der Betrüger*innen. Das Geld ist meist verloren, und der echte Lieferant wartet weiter auf seine Zahlung.

d) Ein Kollege aus dem Vertrieb hat sich auf der verlinkten Seite schon mit seinem Firmenkonto angemeldet. Weil es ihm peinlich war, hat er die Mail gelöscht und erzählt es erst am Nachmittag. Erläutere, warum sein Verhalten die Lage verschlimmert, und nenne zwei Schritte, die jetzt sofort nötig sind. (4 Punkte)

Verschlimmerung (2 Punkte): Die Angreifenden hatten Stunden Zeit, das Konto zu nutzen, etwa Weiterleitungsregeln anzulegen, eine eigene MFA-Methode einzutragen oder Kund*innen anzuschreiben. Ohne die Mail kann die IT Absender und Link nicht sperren und die anderen Postfächer nicht bereinigen; die Kolleg*innen sind nicht gewarnt.

Schritte (je 1 Punkt, zwei aus): sofort die IT informieren; das Passwort von einem sauberen Gerät aus ändern bzw. das Konto sperren und alle Sitzungen abmelden lassen; prüfen lassen, ob Regeln, Weiterleitungen oder neue Anmeldemethoden angelegt wurden; die Mail aus dem Papierkorb holen und an die IT melden.

e) Die Geschäftsführung fragt: „Reicht es, wenn wir einen besseren Spamfilter kaufen?“ Nimm Stellung und schlage je eine technische und eine organisatorische Maßnahme vor, mit der genau dieser Angriff ins Leere gelaufen wäre. (3 Punkte)

Stellungnahme (1 Punkt): Ein Filter fängt viel ab, aber frisch registrierte Domains und gezielte Mails kommen trotzdem durch. Am Ende entscheidet der Mensch vor dem Bildschirm.

Technisch (1 Punkt), eine aus: phishing-resistente Mehr-Faktor-Authentifizierung (z. B. FIDO2-Schlüssel), sodass das abgegriffene Passwort allein nichts nützt; ZIP-Archive mit ausführbaren Inhalten am Mailserver blockieren; Warnhinweis bei externen Absendern und neuen Domains.

Organisatorisch (1 Punkt), eine aus: Änderungen von Bankverbindungen nur nach Rückruf über die Lieferantenkartei und mit zweiter Freigabe; ein Meldeweg mit Melde-Button und der Zusage, dass Melden nie Ärger bringt; kurze, regelmäßige Schulungen mit echten Beispielen.

Aufgabe 1.2: Ein Infoblatt zu Schadsoftware für die Schülervertretung (Basiskompetenz)

(ca. 17 min Bearbeitungszeit)

Du gehörst zum Projektteam der Mitfahr-App „RatzFahrt“ am Ratz und Rübe Berufskolleg in Bielefeld. Die Schülervertretung (SV) arbeitet mit drei Leih-Notebooks, auf denen Fahrgemeinschaften, Einwilligungen und Sitzungsprotokolle bearbeitet werden. Nachdem an einer Nachbarschule Ransomware zugeschlagen hat, bittet Thomas Becker (SV-Verbindungslehrer) Dich und Oksana Melnyk, ein kurzes Infoblatt „Schadsoftware“ für die SV zu schreiben.

a) Oksana hat für das Infoblatt einen Steckbrief-Entwurf geschrieben. In drei Zeilen ist ihr ein fachlicher Fehler unterlaufen. Finde die fehlerhaften Zeilen und korrigiere sie. (3 Punkte)

Art so gelangt sie auf den Rechner bzw. verbreitet sich das richtet sie an
Virus hängt sich an ein Programm oder Dokument und wird aktiv, wenn es geöffnet wird befällt weitere Dateien, kann Daten verändern oder löschen
Wurm wartet in einem E-Mail-Anhang, bis jemand ihn doppelt anklickt bleibt danach auf diesem einen Rechner
Trojaner vervielfältigt sich, indem er weitere Programme auf dem USB-Stick befällt öffnet im Hintergrund z. B. einen Zugang für Fremde
Ransomware kommt oft über einen Trojaner oder eine Phishing-Mail verschlüsselt Dateien und verlangt Lösegeld
Spyware wird mit Gratis-Software unbemerkt mitinstalliert löscht nach und nach alle Dokumente

Je 1 Punkt für eine erkannte und richtig korrigierte Zeile:

  • Wurm: Er ist ein eigenständiges Programm und verbreitet sich selbstständig über das Netz, meist über Sicherheitslücken, ohne dass jemand etwas anklickt. Dadurch befällt er viele Rechner.
  • Trojaner: Er vervielfältigt sich nicht selbst (das tut der Virus). Er tarnt sich als nützliches Programm, das die Nutzenden selbst installieren.
  • Spyware: Sie löscht nichts, sondern späht Eingaben, Dateien oder das Surfverhalten aus und schickt sie an Dritte; der Keylogger ist eine Unterart.

Die Zeilen Virus und Ransomware stimmen.

b) Für das Infoblatt hat Oksana kurze Beschreibungen gesammelt. Ordne jeder Beschreibung die passende Art von Schadsoftware zu (ein Kreuz je Zeile). (3 Punkte)

Beschreibung Virus Wurm Trojaner Ransomware Spyware Adware
1. Ein kostenloses Programm zum Verkleinern von Videos verschafft im Hintergrund Fremden Zugriff auf den Rechner.
2. Code nistet sich in ein Programm auf dem USB-Stick ein und befällt weitere Programme, sobald es gestartet wird.
3. Ein Programm springt über eine Sicherheitslücke von Rechner zu Rechner im Schulnetz, ohne dass jemand etwas anklickt.
4. Die Protokolle der SV sind plötzlich unlesbar; eine Textdatei verlangt eine Zahlung in Kryptowährung.
5. Ein Programm zeichnet heimlich die Tastatureingaben auf und schickt Passwörter an Unbekannte.
6. Eine Gratis-App für den Vertretungsplan blendet ständig Werbung ein und wertet dazu das Surfverhalten aus.

Je richtige Zeile 0,5 Punkte: 1 Trojaner, 2 Virus, 3 Wurm, 4 Ransomware, 5 Spyware (Keylogger), 6 Adware.

c) Auf einem SV-Notebook erscheint diese Meldung des Virenschutzes:

Bedrohung blockiert
Datei:        C:\Users\sv\Downloads\ratzfahrt_export.exe
Erkannt durch: Verhaltensüberwachung – Programm öffnet in kurzer Zeit
               sehr viele Dateien und schreibt sie neu
Aktion:       Datei in Quarantäne verschoben

Oksana ist sich sicher: „Das ist unser Export-Tool, das hat das Projektteam selbst geschrieben. Der Virenschutz spinnt.“ Erläutere, wie der Virenschutz zu dieser Meldung kommt, obwohl es für ein selbst geschriebenes Programm keine Signatur geben kann, und beschreibe, wie die SV jetzt vorgehen sollte. (4 Punkte)

Erkennung (2 Punkte): Signaturen helfen nur bei bereits bekannter Schadsoftware. Hier hat die Verhaltensüberwachung angeschlagen: Viele Dateien in kurzer Zeit öffnen und neu schreiben ist das typische Muster von Ransomware. Ein harmloses Export-Tool kann sich genauso verhalten, dann ist es ein Fehlalarm (false positive). Ebenso möglich ist aber, dass die heruntergeladene Datei gar nicht die echte ist.

Vorgehen (2 Punkte): Die Datei in der Quarantäne lassen und nicht selbst freigeben; die Schul-IT und das Projektteam einschalten; prüfen, ob es wirklich die Datei des Projektteams ist (Herkunft des Downloads, Prüfsumme mit der Version im Projekt-Repository vergleichen); erst danach legt die IT gezielt eine Ausnahme an. Den Virenschutz abzuschalten ist keine Lösung.

d) Auf dem Infoblatt stehen schon zwei Regeln: „Virenschutz nie abschalten“ und „Keine fremden USB-Sticks anschließen“. Ergänze zwei weitere Regeln, die zu den Leih-Notebooks der SV passen, und begründe jeweils, welchen Infektionsweg die Regel versperrt. (4 Punkte)

Je 2 Punkte für eine passende Regel mit Begründung, zwei aus:

  • Updates sofort installieren, auch wenn die Notebooks wochenlang im Schrank lagen – sonst nutzen Würmer und Exploits die bekannten Lücken.
  • Mit einem eingeschränkten Konto arbeiten, nicht als Administrator*in – Schadsoftware kann sich dann nicht tief im System festsetzen.
  • Programme nur über die Schul-IT oder den offiziellen Store installieren – Trojaner verstecken sich gern in Gratis-Tools von unbekannten Seiten.
  • In Dokumenten aus E-Mails nie „Inhalt aktivieren“ anklicken – so starten Makroviren.
  • Einen Werbeblocker bzw. Webfilter nutzen – er verhindert viele Drive-by-Downloads über verseuchte Werbung.
  • Wichtige Dateien regelmäßig auf dem Schulserver sichern – das versperrt keinen Infektionsweg, begrenzt aber den Schaden nach Ransomware (mit dieser Begründung anrechnen).

e) Die Schul-IT OWL hat allen Schulen den folgenden Sicherheitshinweis geschickt. Beschreibe auf Deutsch, welche Gefahr von der genannten Datei ausgeht, und nenne eine Maßnahme, mit der sich die SV davor schützt. (4 Punkte)

Security notice: A spreadsheet named stundenplan_2027.xlsm is currently being sent to schools in the region by e-mail. When the file is opened, it asks the user to “enable content”. Once macros are enabled, a VBA script downloads further malware from the internet and copies itself into other spreadsheets stored on network shares. Infected files may be altered or deleted without notice.

Gefahr (3 Punkte): Die Datei enthält einen Makrovirus. Er ist kein eigenständiges Programm, sondern VBA-Code in der Tabelle, der startet, sobald jemand die Makros („Inhalt aktivieren“) zulässt. Dann lädt er weitere Schadsoftware aus dem Internet nach und kopiert sich in andere Tabellen auf Netzlaufwerken, verbreitet sich also weiter. Folge: Dateien werden ohne Hinweis verändert oder gelöscht, nachgeladene Schadsoftware kann z. B. Daten ausspionieren oder verschlüsseln.

Maßnahme (1 Punkt), eine aus: Makros nicht aktivieren bzw. Makros aus dem Internet zentral sperren lassen; unerwartete Anhänge nicht öffnen und der Schul-IT melden; Tabellen als PDF oder .xlsx ohne Makros austauschen; Virenschutz aktuell halten.

Aufgabe 2.1: Sicherheitsschulung nach einem Ransomware-Vorfall (Kernkompetenz)

(ca. 53 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der Let’s Meet GmbH in Bielefeld, die die Kennenlern-App „Let’s Meet“ für gemeinsame Freizeitaktivitäten betreibt (24 Beschäftigte). Ein anderes Bielefelder Start-up ist vor Kurzem Opfer eines Ransomware-Angriffs geworden und hat seinen anonymisierten Vorfallbericht mit befreundeten Firmen geteilt. Yusuf Demir (Leiter Entwicklung) bittet Dich und Jonas Weber, daraus eine Sicherheitsschulung für alle Beschäftigten zu machen.

a) Jonas hat für die Schulungsfolien vier Begriffe erklärt. Benenne in jeder Erklärung den fachlichen Fehler und formuliere sie richtig. (4 Punkte)

  1. „Ein Cyberangriff ist jeder Ausfall eines IT-Systems, zum Beispiel ein defektes Netzteil im Server.“
  2. „Spam sind E-Mails, mit denen Kriminelle Passwörter abgreifen wollen.“
  3. „Phishing ist unerwünschte Werbung, die massenhaft verschickt wird.“
  4. „Ransomware löscht alle Daten auf dem Rechner.“

Je 1 Punkt:

  1. Es fehlt die Absicht: Ein Cyberangriff ist eine gezielte Handlung, mit der jemand IT-Systeme, Netze oder Daten stören, manipulieren oder unbefugt nutzen will. Ein defektes Netzteil ist eine Störung, kein Angriff.
  2. und 3. Die Begriffe sind vertauscht: Spam ist unverlangt und massenhaft verschickte Werbung – lästig, aber meist ohne Diebstahlsabsicht. Phishing ist Betrug, bei dem sich Angreifende als vertrauenswürdige Stelle ausgeben, um Zugangs- oder Zahlungsdaten zu erbeuten oder Schadsoftware unterzuschieben.
  3. Ransomware verschlüsselt Daten oder sperrt das System und verlangt Lösegeld für die Freigabe; oft werden die Daten vorher gestohlen und mit ihrer Veröffentlichung gedroht.

Der Vorfallbericht des anderen Start-ups enthält diese Zeitleiste:

Zeitleiste aus dem Vorfallbericht
Zeitpunkt Ereignis laut Vorfallbericht
Mo 08:40 Im Vertrieb öffnet eine Mitarbeiterin den Anhang einer Bewerbung (Lebenslauf.iso) und startet die darin liegende Datei „Lebenslauf.pdf“ – in Wahrheit eine Verknüpfung.
Mo 08:41 Ein unbekanntes Programm baut eine verschlüsselte Verbindung zu einem Server im Internet auf und meldet sich dort von nun an alle fünf Minuten.
Di 02:15 Ein Werkzeug liest auf dem Vertriebsrechner gespeicherte Anmeldedaten aus. Darunter ist ein Domänen-Admin-Konto, mit dem sich am Vortag ein Kollege zur Fernwartung angemeldet hatte.
Di–Do Mit dem Admin-Konto melden sich die Angreifenden per Remotedesktop am Dateiserver, am Build-Server und an der Datenbank an.
Sa 01:00–04:00 180 GB Kundendaten und Quellcode werden zu einem fremden Cloud-Speicher hochgeladen.
Sa 04:30–05:00 Die Backup-Aufträge werden gelöscht und das Sicherungs-NAS im selben Netz verschlüsselt, danach alle Server. Eine Textdatei fordert Lösegeld in Bitcoin und droht, die Kundendaten zu veröffentlichen.

b) Erläutere an zwei Stellen der Zeitleiste, worin sich dieser Ransomware-Angriff von einem Virus unterscheidet, der sofort nach dem Öffnen Schaden anrichtet. (4 Punkte)

Je 2 Punkte für einen erläuterten Unterschied mit Bezug zur Zeitleiste, zwei aus:

  • Menschen steuern den Angriff: Ab Mo 08:41 wartet das Programm auf Befehle; von Di bis Do melden sich die Angreifenden gezielt an einzelnen Servern an. Ein Virus arbeitet dagegen automatisch nach seinem Programm.
  • Lange Verweildauer: Zwischen Infektion und Verschlüsselung liegen fast fünf Tage. In dieser Zeit hätte der Angriff entdeckt werden können.
  • Datendiebstahl vor der Verschlüsselung: Am Samstagmorgen werden zuerst 180 GB abgezogen. Selbst mit intakten Backups bleibt die Drohung, die Daten zu veröffentlichen (doppelte Erpressung).
  • Backups werden gezielt zerstört: Die Angreifenden löschen zuerst die Sicherungen und verschlüsseln erst dann, nachts am Wochenende, wenn niemand reagiert.

c) Ordne jedes Ereignis der Zeitleiste einer der fünf Phasen aus dem Abschnitt „Ransomware: ein Angriff in Phasen“ des Artikels zu. (3 Punkte)

Je Ereignis 0,5 Punkte: Mo 08:40 → Eindringen und Festsetzen; Mo 08:41 → Eindringen und Festsetzen (Verbindung zum Steuerserver); Di 02:15 → Ausbreiten; Di–Do → Ausbreiten; Sa 01:00–04:00 → Einsammeln und Abziehen; Sa 04:30–05:00 → Zuschlagen. Die Phase „Erkunden und Vorbereiten“ taucht in der Zeitleiste nicht auf, weil das Opfer sie nicht beobachten konnte.

d) Im Vertrieb fragt jemand: „Sie hat doch nur einen Lebenslauf geöffnet – wie kann davon ein Programm starten?“ Erkläre den Infektionsweg aus der Zeitleiste und nenne einen weiteren Weg, auf dem eine Phishing-Mail ganz ohne Anhang Schadsoftware auf einen Rechner bringt. (3 Punkte)

Infektionsweg (2 Punkte): Die .iso-Datei ist ein Container. Windows bindet sie per Doppelklick als Laufwerk ein. Darin liegt keine PDF-Datei, sondern eine Verknüpfung mit PDF-Symbol, die ein Skript oder Programm startet; bei ausgeblendeten Dateiendungen ist der Unterschied nicht zu sehen. Das Programm lädt anschließend weitere Schadsoftware nach.

Weg ohne Anhang (1 Punkt): Ein Link führt auf eine Webseite, die eine Lücke im Browser ausnutzt (Drive-by-Download) oder zum Herunterladen eines angeblichen Dokuments oder Updates verleitet.

Schema der Beispiellösung: Wege der Schadsoftware über präparierte Links und Anhänge einer Phishing-Mail (mit KI erstellt)

e) Im Vorfallbericht steht: „Wir hatten Virenschutz, eine Firewall und tägliche Backups – trotzdem hat nichts geholfen.“ Wähle zwei Ereignisse aus der Zeitleiste, an denen der Angriff hätte gestoppt oder bemerkt werden können. Begründe jeweils, warum die vorhandenen Schutzmaßnahmen dort nicht gegriffen haben, und welche zusätzliche Maßnahme gewirkt hätte. (6 Punkte)

Je Ereignis 1 Punkt für die Begründung, warum nichts griff, und 2 Punkte für eine passende Maßnahme, z. B.:

Ereignis warum der vorhandene Schutz nicht griff Maßnahme, die gewirkt hätte
Mo 08:40 Der Virenschutz kannte die neue Variante noch nicht. .iso-, .lnk- und ähnliche Anhänge am Mailserver abweisen; Dateiendungen einblenden; Bewerbungen nur über ein Portal annehmen
Mo 08:41 Die Firewall erlaubt ausgehendes HTTPS ins Internet. ausgehenden Verkehr nur über einen Proxy mit Filter; EDR bzw. Netzwerküberwachung, die regelmäßige Verbindungen zu unbekannten Zielen meldet
Di 02:15 Der Domänen-Admin hatte sich an einem normalen Arbeitsplatz angemeldet, seine Anmeldedaten lagen im Speicher. getrennte Admin-Konten, Admin-Anmeldungen nur von eigenen Admin-Arbeitsplätzen; lokale Admin-Passwörter je Rechner verschieden
Di–Do Vom Vertriebsnetz aus durfte jeder Rechner die Server per Remotedesktop erreichen. Netzsegmentierung; Remotedesktop zu Servern nur aus dem Admin-Netz und mit Mehr-Faktor-Authentifizierung; Meldung bei Admin-Anmeldungen von ungewöhnlichen Rechnern
Sa 01:00–04:00 Die Firewall ließ große Datenmengen zu fremden Cloud-Speichern durch. Schwellenwerte für ausgehende Datenmengen je Rechner mit Benachrichtigung der Rufbereitschaft; unbekannte Cloud-Speicher sperren
Sa 04:30–05:00 Die täglichen Backups lagen im selben Netz und waren mit dem Domänen-Admin erreichbar. eine Sicherungskopie, die mit den Domänen-Zugangsdaten nicht zu löschen ist: eigenes Konto, Schreibschutz für eine feste Frist oder ein Band im Tresor

f) Einige Tage nach der Schulung gehen im Helpdesk diese Meldungen ein. Entscheide für jede Meldung, ob sie auf einen kompromittierten Rechner oder ein kompromittiertes Konto hindeutet, und begründe kurz. Lege fest, welche Meldung sofort bearbeitet werden muss, und begründe. (5 Punkte)

  1. „Mein Browser öffnet seit gestern eine Suchmaschine, die ich nicht kenne.“
  2. „Mein Notebook war heute Morgen langsam, nachdem das große Windows-Update gelaufen ist.“
  3. „Eine Kundin fragt, warum ich ihr um 3 Uhr nachts eine Rechnung geschickt habe.“
  4. „Der Virenschutz lässt sich nicht öffnen: ‚Von Ihrer Organisation deaktiviert‘. Wir haben aber nichts geändert.“
  5. „Auf dem Teamlaufwerk heißen viele Dateien plötzlich ….docx.lmcrypt.“
  6. „In der Admin-Oberfläche steht ‚Letzte Anmeldung: Sonntag 23:48‘ von einer unbekannten IP-Adresse. Ich war am Sonntag offline.“

Je Meldung 0,5 Punkte (zusammen 3 Punkte):

  1. Verdächtig: Eine fremde Erweiterung oder Adware hat die Browsereinstellungen geändert.
  2. Eher harmlos: Nach großen Updates laufen Indizierung und Optimierung im Hintergrund. Beobachten, ob es so bleibt.
  3. Stark verdächtig: Das Postfach wird offenbar von Fremden benutzt – ein typisches Zeichen für ein übernommenes Konto.
  4. Verdächtig: Schadsoftware schaltet den Schutz ab, bevor sie aktiv wird.
  5. Akuter Befall: Ransomware verschlüsselt gerade Dateien.
  6. Verdächtig: Eine fremde Anmeldung zeigt, dass Zugangsdaten bekannt sind.

Sofort bearbeiten (2 Punkte): Meldung 5, denn hier wächst der Schaden mit jeder Minute. Den betroffenen Rechner vom Netz trennen, das Teamlaufwerk schützen und den Notfallplan starten. Die Meldungen 3 und 6 folgen unmittelbar danach (Konten sperren, Passwörter ändern).

g) Yusuf Demir möchte den Virenscanner auch auf dem Datenbankserver db01 mit den Standardeinstellungen installieren. Ein Kollege aus dem Betrieb rät ab. Wäge ab: Nenne ein Argument für den Scanner auf db01, beschreibe zwei Risiken gerade auf diesem Server und mache einen Vorschlag, der beides verbindet. (5 Punkte)

Argument dafür (1 Punkt): Auch Server werden befallen, etwa über die Dateiablage, über Admin-Werkzeuge oder ausgenutzte Lücken. Ein Scanner mit Verhaltensüberwachung erkennt viele bekannte Angriffswerkzeuge, wie das Werkzeug aus der Zeitleiste vom Dienstag.

Risiken gerade auf db01 (je 1 Punkt, zwei aus):

  • Wird jede Datenbankdatei bei jedem Zugriff durchsucht, steigen die Antwortzeiten, und die App wird für alle Nutzenden langsamer.
  • Hält der Scanner eine Datenbank- oder Logdatei für verdächtig und sperrt sie, bleibt die Datenbank stehen.
  • Ein fehlerhaftes Update des Scanners kann den Server zum Absturz bringen.
  • Der Scanner läuft mit sehr weitreichenden Rechten und ist selbst ein mögliches Angriffsziel.

Vorschlag (2 Punkte): Scanner installieren, aber die Verzeichnisse der Datenbankdateien und Logs nach Empfehlung des Datenbankherstellers vom Echtzeitscan ausnehmen; Verhaltensüberwachung aktiv lassen; Scanner-Updates zuerst auf einem Testserver einspielen; vollständige Scans der übrigen Ablage in ruhigen Nachtstunden.

h) Bei einem Rundgang durch das Büro hat Jonas notiert:

  1. Im Besprechungsraum ist eine Netzwerkdose aktiv; wer ein Notebook einsteckt, ist im Büronetz.
  2. Der Büro-Router hat seit über zwei Jahren kein Firmware-Update bekommen.
  3. Das Gäste-WLAN nutzt dasselbe Passwort wie das WLAN der Beschäftigten; es hängt am Empfang aus.
  4. Die Support-Hotline setzt das Passwort eines App-Kontos zurück, wenn Anrufende Namen und Geburtsdatum nennen.
  5. Die Testdatenbank ist aus dem Internet erreichbar; das Konto postgres hat noch das Passwort aus der Installationsanleitung.
  6. Die Notebooks starten von einem USB-Stick, ohne nach einem Firmware-Passwort zu fragen.

ha) Ordne jede Beobachtung einem Angriffsvektor zu: Hardware, Software oder Mensch und Organisation. (3 Punkte)

Je Beobachtung 0,5 Punkte: 1 Hardware (offener physischer Netzzugang), 2 Hardware (veraltetes Netzwerkgerät), 3 Mensch und Organisation (Passwortregel), 4 Mensch und Organisation (Ablauf der Hotline), 5 Software (Konfiguration und Standardpasswort), 6 Hardware (ungeschützte Firmware). Andere begründete Zuordnungen sind ebenfalls richtig, z. B. 2 als Software (Firmware) oder 3 als Software (WLAN-Konfiguration).

hb) Wähle die zwei Beobachtungen aus, die Du für am gefährlichsten hältst. Begründe Deine Wahl jeweils mit einem konkreten Angriff und nenne eine Abhilfe. (6 Punkte)

Je Beobachtung 2 Punkte für den konkreten Angriff und 1 Punkt für die Abhilfe, z. B.:

  • 5 Testdatenbank: Automatisierte Scanner durchsuchen das Internet ständig nach offenen Datenbanken und probieren Standardpasswörter aus. Wer hineinkommt, kopiert die Testdaten – oft echte Nutzerdaten – oder verschlüsselt sie und erpresst Lösegeld. Abhilfe: Datenbank nur über VPN bzw. aus dem internen Netz erreichbar machen, Passwort ändern, mit pseudonymisierten Testdaten arbeiten.
  • 4 Hotline: Name und Geburtsdatum stehen oft in sozialen Netzwerken. Eine Angreiferin lässt sich so das Passwort eines fremden App-Kontos zurücksetzen und liest Chats und Treffpunkte mit, etwa um eine Person zu verfolgen. Abhilfe: Rücksetzung nur über die hinterlegte E-Mail-Adresse bzw. einen Code in der App.
  • 1 Netzwerkdose: Ein Gast steckt ein präpariertes Gerät ein und ist im internen Netz, z. B. als gefälschter DHCP-Server. Abhilfe: ungenutzte Dosen abschalten oder 802.1X verlangen.
  • 3 WLAN-Passwort: Alle Gäste können sich mit dem ausgehängten Passwort ins WLAN der Beschäftigten einwählen und dort interne Systeme angreifen oder Verkehr mitlesen. Abhilfe: getrenntes Gäste-WLAN mit eigenem Passwort, WLAN der Beschäftigten mit 802.1X.

i) Für eine Stellenanzeige „Systemadministrator*in“ hat Jonas folgenden Entwurf geschrieben:

Du betreust unsere 24 Arbeitsplätze (Windows 11, Microsoft 365), den VPN-Zugang auf Basis von OpenVPN und unsere PostgreSQL-15-Datenbanken auf Ubuntu 22.04. Unsere bisherige Admin-Kollegin hat uns zum 1. Oktober verlassen – Du startest also mit viel Gestaltungsspielraum! Fragen beantwortet Dir Yusuf Demir, Leiter Entwicklung, Durchwahl -14, yusuf.demir@letsmeet.example.

Erkläre, was man unter Social Engineering versteht, und beschreibe einen konkreten Angriff, den Angreifende mit den Angaben aus dem Entwurf vorbereiten könnten. Schlage anschließend vor, wie die Anzeige geändert werden sollte. (6 Punkte)

Begriff (1 Punkt): Social Engineering nutzt menschliche Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Respekt vor Autorität, Neugier oder Zeitdruck aus, damit Menschen Informationen preisgeben, Schutzmaßnahmen umgehen oder selbst Schadsoftware starten. Angegriffen wird der Mensch, nicht die Technik.

Angriff (3 Punkte), ein schlüssiger Ablauf, z. B.: Eine Angreiferin schickt Yusuf Demir eine „Bewerbung“ mit Anhang – er erwartet ja Bewerbungen und öffnet sie. Oder: Sie ruft am Empfang an, nennt Yusuf Demir als Auftraggeber und gibt sich als externe Vertretung der ausgeschiedenen Admin-Kollegin aus. Weil gerade niemand die Administration betreut, fragt keiner nach, und sie erhält VPN-Zugangsdaten. Die genannten Versionen verraten ihr außerdem, nach welchen bekannten Lücken sie suchen muss.

Änderungen (2 Punkte), zwei aus: Technik nur allgemein beschreiben (Windows-Arbeitsplätze, Linux-Server, Datenbanken), keine Versionsnummern; nicht verraten, dass die Stelle unbesetzt ist; eine Funktionsadresse (z. B. jobs@letsmeet.example) statt Name und Durchwahl; Bewerbungen nur über ein Portal oder als PDF annehmen.

j) Clara Neumann (Geschäftsführerin) möchte einen Penetrationstest beauftragen. Jonas ist entsetzt: „Wir bezahlen Hacker dafür, dass sie bei uns einbrechen? Das ist doch kriminell!“ Lege dar, was einen beauftragten Penetrationstest von einem kriminellen Angriff unterscheidet, und nenne zwei Punkte, die vor dem Test schriftlich vereinbart sein müssen. (5 Punkte)

Unterschied (3 Punkte): Beim Penetrationstest handeln White Hats mit ausdrücklicher, schriftlicher Erlaubnis der Let’s Meet GmbH; ohne diese Erlaubnis wäre das Eindringen auch für sie strafbar (§§ 202a ff. StGB). Ihr Ziel ist, Lücken zu finden und der Firma zu berichten, damit sie geschlossen werden. Black Hats dringen ohne Erlaubnis ein und wollen sich bereichern oder schaden, etwa durch Erpressung, Datendiebstahl oder Sabotage. Zudem gehen Tester*innen kontrolliert vor und behandeln alles, was sie sehen, vertraulich.

Vereinbarungen (je 1 Punkt, zwei aus): Umfang (welche Systeme und Adressbereiche, welche Methoden, z. B. auch Social Engineering); Zeitraum; Ansprechpersonen und ein Weg, den Test sofort abzubrechen; Umgang mit gefundenen Daten und Verschwiegenheit; Form des Abschlussberichts; Haftung bei Ausfällen.

k) Zum Abschluss der Schulung sollen alle Teilnehmenden vier Aussagen von Kolleg*innen beurteilen. Entscheide jeweils, ob die Aussage zutrifft, teilweise zutrifft oder nicht zutrifft, und begründe in ein bis zwei Sätzen. (8 Punkte)

  1. „Diese Mail kennt meinen Namen und hat keinen einzigen Rechtschreibfehler. Phishing kann das nicht sein.“
  2. „Im WLAN des ICE rufe ich alle Seiten über HTTPS auf. Das Firmen-VPN brauche ich dort nicht.“
  3. „Neben dem Download unseres Videokonferenz-Programms steht eine SHA-256-Prüfsumme. Stimmt sie, ist sicher, dass die Datei vom Hersteller stammt.“
  4. „Die Datei kommt über unseren Firmenchat von einem Kollegen, also kann ich sie bedenkenlos öffnen.“

Je 2 Punkte (1 Punkt Entscheidung, 1 Punkt Begründung):

  1. Trifft nicht zu: Spear-Phishing nutzt gezielt echte Namen, und mit KI erzeugte Texte sind fehlerfrei. Entscheidend sind Absender, Linkziel und die Aufforderung in der Mail.
  2. Trifft teilweise zu: HTTPS schützt den Inhalt der Verbindungen zu diesen Webseiten. Im fremden WLAN bleiben aber DNS-Anfragen, andere Programme (Chat, Synchronisation) und Metadaten ungeschützt, und interne Dienste sind ohne VPN gar nicht erreichbar. Das VPN verschlüsselt den gesamten Verkehr bis ins Firmennetz; eine aktive lokale Firewall gehört trotzdem dazu.
  3. Trifft nicht zu: Die Prüfsumme zeigt nur, dass die Datei unverändert angekommen ist (Integrität). Wer die Download-Seite manipuliert, tauscht die Prüfsumme gleich mit aus. Die Herkunft belegt erst eine digitale Signatur des Herstellers.
  4. Trifft nicht zu: Das Konto des Kollegen kann übernommen oder sein Rechner befallen sein. Auch intern gilt: Unerwartete Dateien erst nach Rückfrage öffnen; der Virenschutz prüft sie zusätzlich.

Aufgabe 2.2: Angriffe auf das Netz des Barcamps (Kernkompetenz)

(ca. 52 min Bearbeitungszeit)

Du unterstützt als Auszubildende*r die Schul-IT OWL beim Barcamp „Lernen.Digital.Leben 2027“ am Ratz und Rübe Berufskolleg. Bei der Generalprobe am Freitag vor dem Barcamp melden sich zwei Helfer*innen vom Check-in: Auf dem Terminal CHK-03 lädt die Teilnehmendenliste seit einer Viertelstunde sehr langsam, und beim Aufruf des Info-Servers erschien einmal eine Zertifikatswarnung, die sie weggeklickt haben. CHK-02 am Nachbartisch läuft normal.

Im VLAN 110 (10.110.0.0/24) arbeiten das Orga-Team und die Check-in-Terminals. Die Firewall (10.110.0.1) ist dort Standardgateway, DNS-Server und DHCP-Server; CHK-03 hat eine DHCP-Reservierung auf 10.110.0.23. Svenja Krämer (Netzwerkadministratorin) bittet Dich, den Fehler mit ihr zu untersuchen.

Netzwerkplan der Barcamp-Netze VLAN 110 (ORGA) und VLAN 140 (SERVER) mit Firewall, Check-in-Terminal CHK-03 und Info-Server (mit KI erstellt)

Svenja liest die Netzwerkeinstellungen beider Terminals aus:

Netzwerkeinstellungen der Check-in-Terminals
Einstellung CHK-02 CHK-03
IPv4-Adresse 10.110.0.22/24 10.110.0.157/24
Standardgateway 10.110.0.1 10.110.0.66
DNS-Server 10.110.0.1 10.110.0.66
DHCP-Server 10.110.0.1 10.110.0.66
Adresse bezogen um 07:48 13:56 (nach einem Neustart)

Anschließend startet sie CHK-03 noch einmal neu und schneidet dabei die DHCP-Nachrichten mit:

DHCP-Mitschnitt beim Neustart von CHK-03 (alle Nachrichten als Broadcast)
Nr. Zeit Absender (IP / MAC) Nachricht Inhalt
1 14:21:05,102 0.0.0.0 / 3c:22:fb:10:00:03 DHCPDISCOVER –
2 14:21:05,109 10.110.0.66 / 02:0b:ad:00:00:42 DHCPOFFER Adresse 10.110.0.157, Router 10.110.0.66, DNS 10.110.0.66
3 14:21:05,131 10.110.0.1 / 00:1a:8c:0a:6e:01 DHCPOFFER Adresse 10.110.0.23, Router 10.110.0.1, DNS 10.110.0.1
4 14:21:05,133 0.0.0.0 / 3c:22:fb:10:00:03 DHCPREQUEST gewählter Server 10.110.0.66, Adresse 10.110.0.157
5 14:21:05,140 10.110.0.66 / 02:0b:ad:00:00:42 DHCPACK Adresse 10.110.0.157

a) Erläutere anhand der beiden Tabellen, warum der Verkehr von CHK-03 nicht mehr direkt über die Firewall läuft, und begründe, welches Gerät dafür verantwortlich ist. (5 Punkte)

  • CHK-03 hat nicht seine reservierte Adresse, und Gateway, DNS-Server und DHCP-Server sind 10.110.0.66 statt der Firewall 10.110.0.1. Alle Pakete in andere Netze, z. B. zum Info-Server 10.140.0.10, gehen deshalb zuerst an 10.110.0.66 (2 Punkte).
  • Im Mitschnitt beantworten zwei Geräte die Anfrage: die Firewall (Nr. 3) und ein Gerät mit der MAC 02:0b:ad:00:00:42 (Nr. 2). Dessen Angebot kommt nach 7 ms, das der Firewall erst nach 29 ms; CHK-03 nimmt das erste Angebot an (Nr. 4 und 5) (2 Punkte).
  • Verantwortlich ist ein nicht autorisierter DHCP-Server (Rogue DHCP) im VLAN 110 – ein Angreifer oder ein falsch eingerichtetes Gerät, z. B. ein Notebook mit Hotspot-Funktion. CHK-02 ist nicht betroffen, weil es seine Adresse schon um 07:48 von der Firewall bezogen hat (1 Punkt).

b) Svenja zeigt Dir einen Auszug aus der Spezifikation von DHCP:

„Unauthorized DHCP servers may be easily set up. Such servers can then send false and potentially disruptive information to clients such as incorrect or duplicate IP addresses, incorrect routing information (including spoof routers, etc.), incorrect domain nameserver addresses (such as spoof nameservers), and so on. Clearly, once this seed information is in place, an attacker can further compromise affected systems.“
(RFC 2131, Abschnitt 7 „Security Considerations“, https://www.rfc-editor.org/rfc/rfc2131#section-7)

Erläutere mithilfe des Auszugs, wie der Angreifer durch die verteilten Einstellungen zum Man-in-the-Middle wird und welche Schutzziele dadurch beim Check-in gefährdet sind. (5 Punkte)

  • DHCP prüft nicht, wer antwortet; jedes Gerät im Netz kann sich als DHCP-Server ausgeben (1 Punkt).
  • Als „Router“ trägt der Angreifer sich selbst ein: Alle Pakete von CHK-03 in andere Netze laufen über sein Gerät, das sie an die Firewall weiterreicht. Als „Nameserver“ beantwortet er außerdem alle Namensanfragen und kann Namen auf eigene Server zeigen lassen. Damit sitzt er unbemerkt zwischen Terminal und Info-Server (2 Punkte).
  • Gefährdet sind (2 Punkte): die Vertraulichkeit (Teilnehmendendaten und Anmeldedaten des Orga-Teams können mitgelesen werden), die Integrität (Check-in-Daten oder Sessionplan können verändert werden), die Authentizität (CHK-03 spricht womöglich mit einem falschen Server) und die Verfügbarkeit (der Umweg macht den Check-in langsam oder bricht ab).

c) Emre Aksoy aus dem Technikteam ist sicher: „Das ist ARP-Spoofing, das hatten wir in der Schulung.“ Nenne zwei Merkmale, an denen Du ARP-Spoofing in einem Mitschnitt erkennen würdest, und begründe, warum der Angreifer hier einen anderen Weg in die Mitte gewählt hat. (4 Punkte)

Merkmale (je 1 Punkt, zwei aus): ungefragte, oft wiederholte ARP-Antworten, die eine fremde IP-Adresse (meist die des Gateways) mit der eigenen MAC verknüpfen; dieselbe IP-Adresse erscheint mit zwei verschiedenen MAC-Adressen; Pakete tauchen doppelt auf, einmal an die MAC des Angreifers und einmal von ihm weitergeleitet.

Abgrenzung (2 Punkte): Hier gibt sich niemand als 10.110.0.1 aus. CHK-03 bekommt offen ein anderes Gateway mit eigener IP-Adresse zugewiesen, und das Terminal schickt seine Pakete freiwillig dorthin. Gefälschte ARP-Antworten sind dafür nicht nötig. Der Weg wirkt allerdings nur bei Geräten, die gerade eine Adresse beziehen, z. B. nach einem Neustart.

d) Für die Barcamp-Tage liegen drei Vorschläge vor. Beurteile für jeden, ob er diesen Angriff verhindert hätte und welche Nachteile er hat, und empfiehl eine Lösung. (6 Punkte)

  1. Emre: Port-Security an allen Switchports im VLAN 110, höchstens eine MAC-Adresse je Port.
  2. Svenja: DHCP Snooping auf dem Switch Orga; nur der Port zur Firewall gilt als vertrauenswürdig.
  3. Die Schulleitung: Die Check-in-Terminals bekommen feste IP-Einstellungen statt DHCP.
  1. Port-Security (2 Punkte): verhindert nur, dass an einem Port zusätzliche oder fremde MAC-Adressen auftauchen. Ein Angreifer an einem freien Port oder mit einem erlaubten Gerät (z. B. einem übernommenen Orga-Notebook) kann weiter DHCP-Angebote verschicken, denn Port-Security prüft keine Inhalte. Nachteil: viel Pflege, wenn beim Barcamp Geräte getauscht werden.
  2. DHCP Snooping (2 Punkte): wirkt genau gegen diesen Angriff, denn DHCP-Angebote und -Bestätigungen von nicht vertrauenswürdigen Ports verwirft der Switch. Zugleich ist es die Grundlage für Dynamic ARP Inspection gegen ARP-Spoofing. Nachteil: Der Switch muss es können; bei einem Konfigurationsfehler bekommt niemand mehr eine Adresse.
  3. Feste IP-Einstellungen (1 Punkt): schützen die Terminals, aber die Orga-Notebooks bleiben angreifbar; jede Handeingabe ist eine Fehlerquelle.

Empfehlung (1 Punkt): DHCP Snooping zusammen mit Dynamic ARP Inspection, ergänzt um abgeschaltete ungenutzte Ports bzw. 802.1X.

e) Der Angreifer stellt auch den DNS-Server von CHK-03. Beschreibe, wie er die Helfer*innen damit auf eine gefälschte Anmeldeseite des Info-Servers lenken kann, und beurteile unter Einbeziehung der weggeklickten Zertifikatswarnung, ob HTTPS den Angriff verhindert. (5 Punkte)

Umleitung (2 Punkte): Fragt der Browser nach dem Namen des Info-Servers, antwortet der DNS-Server des Angreifers mit der IP-Adresse eines eigenen Webservers, etwa 10.110.0.66 selbst. Dort liegt eine Kopie der Anmeldeseite, die eingegebene Passwörter speichert und die Anfrage danach an den echten Server weiterreicht (DNS-Spoofing).

Beurteilung (3 Punkte): HTTPS mit gültigem Zertifikat verhindert das grundsätzlich, denn der gefälschte Server besitzt kein vertrauenswürdiges Zertifikat für den Namen des Info-Servers, und der Browser warnt. Genau diese Warnung haben die Helfer*innen gesehen und weggeklickt – damit war der Schutz aufgehoben, die Zugangsdaten sind wahrscheinlich abgeflossen und müssen geändert werden. HTTPS schützt also nur, wenn Warnungen ernst genommen werden; HSTS sorgt dafür, dass sie sich gar nicht wegklicken lassen. Unverschlüsselte Dienste im selben Netz bleiben ohnehin ungeschützt.

f) Eine Woche vor dem Barcamp wird in der öffentlichen Web-App https://barcamp.rrb-bielefeld.example die Buchung der Sessions freigeschaltet. Am Freischalttag zeigt das Monitoring:

Zugriffe auf die Barcamp-Web-App am Freischalttag
Uhrzeit Anfragen je Sekunde verschiedene Quelladressen häufigster Pfad
08:55 35 210 /sessions
09:00 480 1.900 /anmeldung
09:06 9.000 3.200 /suche?q=… (jeweils andere, zufällige Wörter)
09:10 9.400 3.250 /suche?q=…

fa) Begründe anhand der Werte, ab wann Du von einem DDoS-Angriff statt vom erwarteten Ansturm ausgehst, und erläutere, wie ein solcher Angriff organisiert wird. (5 Punkte)

Bewertung (3 Punkte): Der Sprung um 09:00 passt zur Freischaltung: viele Menschen, die sich anmelden wollen. Ab 09:06 ist das Bild anders: fast zwanzigmal so viele Anfragen wie um 09:00, fast alle auf die rechenintensive Suche, jeweils mit zufälligen Wörtern, die kein Zwischenspeicher abfangen kann. Jede Quelle schickt gleichmäßig knapp drei Anfragen pro Sekunde (9.000 / 3.200 ≈ 2,8) – über Minuten tippt kein Mensch so.

Organisation (2 Punkte): Die Angreifenden haben vorher viele Geräte – PCs, Router, Kameras – mit Schadsoftware zu einem Botnetz verbunden oder mieten ein solches. Über einen Steuerserver erhalten alle Bots gleichzeitig den Befehl, die Suche der Web-App mit scheinbar normalen Anfragen zu fluten, bis Server und Datenbank überlastet sind (Angriff auf Anwendungsebene).

fb) Die Schul-IT kann sofort nur eine Maßnahme umsetzen. Zur Wahl stehen: (1) die 3.200 Quelladressen in der Firewall sperren, (2) den DDoS-Schutzdienst des Providers einschalten, (3) für /suche ein Captcha und eine Grenze von einer Anfrage je Quelle und Sekunde einführen. Entscheide Dich und begründe, warum die beiden anderen Maßnahmen schlechter geeignet sind. (5 Punkte)

Entscheidung (1 Punkt) und je verworfene Maßnahme 2 Punkte, z. B. für (3):

  • (3) gewählt: trifft genau den angegriffenen Pfad; Anmeldung und Buchung bleiben nutzbar. Die Grenze senkt die Last auf höchstens 3.200 Anfragen je Sekunde (etwa ein Drittel), das Captcha hält die meisten Bots ganz ab.
  • (1) schlechter: Die Liste der Quellen ändert sich laufend, neue Bots kommen hinzu. Hinter einer Adresse können viele echte Teilnehmende stehen (Schulnetz, Mobilfunk), die mitgesperrt würden.
  • (2) schlechter, wenn nicht vorbereitet: Ein Schutzdienst des Providers ist wirksam, auch bei reinen Volumenangriffen, muss aber vertraglich vereinbart und eingerichtet sein; die Umschaltung dauert. Ist er schon vereinbart, ist (2) ebenso eine gute Wahl.

Eine gut begründete Entscheidung für (2) ist ebenfalls richtig.

g) Die Schul-IT überlegt, für die Barcamp-Tage eine KI-gestützte Anomalieerkennung einzusetzen.

ga) Lege für zwei der folgenden Ereignisse fest, welche Messgröße ein lernendes System beobachten müsste und woran es die Abweichung vom Normalbetrieb erkennt: fremder DHCP-Server im VLAN 110, Lastspitze auf /suche, Passwort-Rateversuche an der Orga-Anmeldung. (4 Punkte)

Je 2 Punkte (1 Punkt Messgröße, 1 Punkt Abweichung), zwei aus:

  • Fremder DHCP-Server: Absender der DHCP-Angebote je VLAN sowie Gateway und DNS-Server, die die Clients melden. Normal ist genau ein Absender (die Firewall-MAC); ein neuer Absender oder ein neues Gateway ist eine Anomalie.
  • Lastspitze auf /suche: Anfragen je Pfad und Quelle, Anteil der Suchanfragen mit unbekannten Begriffen. Normal suchen wenige Besucher*innen nach Sessiontiteln; Tausende Quellen mit gleichmäßigem Takt und Zufallswörtern weichen davon ab.
  • Passwort-Rateversuche: fehlgeschlagene Anmeldungen je Konto und je Quelle pro Minute, Uhrzeit und Herkunft der Anmeldungen. Normal sind vereinzelte Tippfehler aus dem Schulnetz; Serien von Fehlversuchen oder Anmeldungen von fremden Adressen nachts fallen auf.

gb) Erläutere, warum eine KI-gestützte Erkennung gerade bei einer einmaligen Veranstaltung wie dem Barcamp an Grenzen stößt. (2 Punkte)

Ein lernendes System braucht Daten aus einem längeren Normalbetrieb. Für ein Barcamp gibt es keinen Vergleichszeitraum; schon der Freischalttag selbst ist ein Ausnahmezustand. Das System meldet dann entweder sehr viele Fehlalarme, oder es lernt den Angriff als „normal“ mit. Die Alarme müssen ohnehin Fachleute bewerten (2 Punkte).

h) Der Hersteller der E-Ink-Türschilder warnt zehn Tage vor dem Barcamp: „Für die Firmware 2.4 ist eine Lücke bekannt, die bereits für Angriffe genutzt wird. Ein Update erscheint voraussichtlich in drei Wochen.“

ha) Begründe, ob der Hersteller eine Zero-Day-Lücke beschreibt. (2 Punkte)

Ja: Die Lücke wird bereits ausgenutzt, und es gibt noch keinen Patch. Der Hersteller hatte keinen Vorlauf („null Tage“), sie zu schließen, bevor die Angriffe begannen. Für das Barcamp heißt das: Bis zum Update helfen nur andere Schutzschichten (2 Punkte).

hb) Lege drei Maßnahmen fest, mit denen die Schul-IT die Türschilder bis zum Update schützt. Gib zu jeder Maßnahme an, gegen welche Art von Exploit sie hilft: über das Netz (Remote-Exploit), mit Zugang zum Gerät (physischer Exploit) oder über manipulierte Firmware (Firmware-Exploit). (6 Punkte)

Je 2 Punkte für eine Maßnahme mit passender Exploit-Art, drei aus:

  • Türschilder in ein eigenes VLAN legen und nur die Verbindung zum MQTT-Broker erlauben, keinen Weg ins Internet oder ins Orga-Netz – gegen Remote-Exploits.
  • Den Verkehr der Schilder überwachen und bei neuen Verbindungen Alarm schlagen – gegen Remote-Exploits, die trotzdem durchkommen.
  • USB- und Wartungsanschlüsse verschließen, Schilder außer Reichweite befestigen und nach dem Barcamp kontrollieren – gegen physische Exploits.
  • Firmware-Updates nur mit Herstellersignatur zulassen und die Update-Funktion bis zum offiziellen Patch sperren; keine Firmware aus Foren einspielen – gegen Firmware-Exploits.
  • Notfallplan: Sessionplan zusätzlich auf Papier aushängen, falls Schilder ausfallen oder manipuliert werden (begleitende Maßnahme, keine Exploit-Art).

i) Die Türschilder lassen sich vor Ort per Bluetooth Low Energy mit einer App konfigurieren; gekoppelt wird ohne PIN. Beschreibe, was eine Person im Publikum mit einem Smartphone oder einem billigen Funkempfänger damit anstellen könnte, und nenne eine Abhilfe. (3 Punkte)

Gefahr (2 Punkte): Ohne PIN kann sich jede Person in Funkreichweite mit einem Schild koppeln und selbst eine falsche Raumbelegung anzeigen lassen. Mit einem Funkempfänger lassen sich zudem Konfigurationsdaten mitlesen und aufgezeichnete Befehle später erneut senden (Replay).

Abhilfe (1 Punkt), eine aus: Kopplung nur mit PIN bzw. BLE Secure Connections; Konfigurationsmodus nur per Taste am Gerät; Bluetooth während der Veranstaltung abschalten.

j) Svenja überlegt: „Was wäre eigentlich schlimmer – ein Angreifer mit einem Gerät im Orga-Netz wie heute oder einer, der den Switch im Technikraum der Aula übernommen hat, an dem Kamera, Encoder und Streaming-Server hängen?“ Vergleiche beide Fälle danach, was der Angreifer jeweils erreichen kann, und begründe Deine Einschätzung. (5 Punkte)

Gerät im Orga-Netz (2 Punkte): Es kann im VLAN 110 als falscher DHCP-Server oder per ARP-Spoofing den Verkehr einzelner Geräte umleiten und mitlesen. Die Wirkung bleibt auf dieses VLAN begrenzt, und Schutzfunktionen des Switches (DHCP Snooping, Dynamic ARP Inspection) können sie stoppen.

Übernommener Switch (2 Punkte): Der Angreifer kontrolliert alle angeschlossenen Geräte und VLANs. Er kann Ports abschalten (der Livestream der Keynote fällt aus), den Verkehr auf einen eigenen Port spiegeln und mitschneiden, den Stream umleiten oder fremde Inhalte einspielen, VLANs verbinden (Gäste erreichen interne Systeme) und genau die Schutzfunktionen abschalten, die gegen den ersten Fall helfen.

Einschätzung (1 Punkt): Der übernommene Switch ist schlimmer, weil die Infrastruktur und die Schutzmaßnahmen selbst betroffen sind. Deshalb gehört der Verwaltungszugang der Switches in ein eigenes Admin-Netz, mit starken Passwörtern und aktueller Firmware.


Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)

Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Übungsaufgaben zu Angriffen und Schadsoftware: Phishing, Malware, DDoS und Man-in-the-Middle” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/angriffe-schadsoftware-uebungsaufgaben veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/it-sicherheit/schutzmassnahmen. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 28.10.2026.

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