Übungsaufgaben zu Schutzzielen, Sicherheitsrisiken und Datenschutz
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Schutzziele, IT-Sicherheit, Schutzbedarfsfeststellung, IT-Grundschutz, Schwachstellen, Risikobehandlung, Datenschutz, DSGVO, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 186 min, mehrere Aufgaben): Fünf Übungsaufgaben zu Schutzzielen, Schutzbedarfsfeststellung, sicherheitstechnischen Anforderungen, technischen und organisatorischen Maßnahmen von der Zutritts- bis zur Zugriffskontrolle, Zugriffsmodellen, Stand der Technik, ESD-Schutz und Datenträgerentsorgung, Schwachstellen, Gefährdungen und Risikobehandlung sowie zu Datenschutzerklärung, Einwilligung und Betroffenenrechten nach DSGVO. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Schutzziele, Schwachstellen und Sicherheitsrisiken. Die Datenschutz-Teilaufgaben bauen auf dem Artikel Datenschutz nach DSGVO auf.
Hinweise zur Bearbeitung: Bis zur Teil-1-Prüfung der IT-Berufe solltest Du die Basiskompetenz beherrschen, also Aufgabe 1.1 und Aufgabe 1.2. Als FIA, FISY, FIDP, FIDV, ISE, IKS oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1, Aufgabe 2.2 und Aufgabe 2.3. Achte auf den Operator: „Nennen“ verlangt nur Begriffe, „Beschreiben“ einen zusammenhängenden Sachverhalt (bei Schwachstellen: Mangel und Folge), „Erläutern“ zusätzlich Gründe oder einen Bezug zur Situation, „Begründen“ und „Stellung nehmen“ eine nachvollziehbare Argumentation. Schreib Deine Antwort zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst. Andere fachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.
Aufgabe 1.1: Laptops für das Orga-Team eines Barcamps (Basiskompetenz)
(ca. 23 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r und unterstützt das Orga-Team des Barcamps „Lernen.Digital.Leben 2027“ am Ratz und Rübe Berufskolleg in Bielefeld. Das Team erhält fünf Leih-Laptops der Schul-IT OWL, mit denen es auch von zu Hause aus Anmeldungen, Sessionplan und Abrechnungen bearbeitet. Svenja Krämer von der Schul-IT bittet Dich, die Sicherheitsregeln für die Geräte vorzubereiten.
a) Svenja Krämer hat für das Orga-Team einen Spickzettel „Sicherheit in einem Satz“ entworfen. Darauf stehen Regeln für die Leih-Laptops, jeweils mit dem Schutzziel, dem sie dienen sollen:
Den Sessionplan bearbeiten nur zwei Personen; alle anderen können ihn nur lesen. (Verfügbarkeit)
Im Orga-Büro liegt ein sechster, fertig eingerichteter Laptop als Ersatz bereit. (Verfügbarkeit)
Auf den Laptops am Check-in-Tisch klebt eine Blickschutzfolie. (Integrität)
Die Abrechnungstabelle wird vor dem Versand an die Schulverwaltung digital signiert; die Verwaltung prüft die Signatur. (Integrität)
aa) Damit das Team die Schutzziele selbst erkennen kann, soll oben auf dem Spickzettel zu Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit je eine kurze Prüffrage stehen. Formuliere diese drei Prüffragen. (3 Punkte)
Je 1 Punkt, z. B.: Vertraulichkeit – „Könnte jemand, der es nicht darf, diese Informationen lesen, sehen oder mithören?“ Integrität – „Könnte jemand die Daten unbemerkt ändern, löschen oder verfälschen – oder rechnet das System falsch?“ Verfügbarkeit – „Können wir mit Daten und Geräten arbeiten, wenn wir sie brauchen?“
ab) Zwei der vier Zuordnungen auf dem Spickzettel sind falsch. Finde sie, nenne das passende Schutzziel und begründe. Begründe bei den beiden richtigen Zuordnungen in einem Halbsatz, warum sie stimmen. (4 Punkte)
Je Regel 1 Punkt:
Regel 1 ist falsch zugeordnet, richtig ist Integrität: Weil nur zwei Personen schreiben dürfen, kann niemand sonst den Plan versehentlich oder absichtlich verändern. Lesen können ihn weiterhin alle.
Regel 2 ist richtig (Verfügbarkeit): Fällt ein Laptop aus, kann das Team sofort weiterarbeiten.
Regel 3 ist falsch zugeordnet, richtig ist Vertraulichkeit: Die Folie verhindert, dass Wartende Namen und Angaben anderer Teilnehmender mitlesen; verändert wird dadurch nichts.
Regel 4 ist richtig (Integrität): Jede nachträgliche Änderung an der signierten Tabelle fällt bei der Prüfung auf; zusätzlich ist nachweisbar, von wem sie stammt (Authentizität).
b) Svenja möchte den Spickzettel um Verhaltensregeln für den Alltag ergänzen. Wähle drei der folgenden Situationen aus. Beschreibe jeweils das Sicherheitsrisiko und formuliere eine Regel, die es verhindert oder begrenzt. (6 Punkte)
Ein Teammitglied bearbeitet im Café den Sessionplan und holt sich zwischendurch einen Kaffee an der Theke.
Eine Helferin möchte auf dem Leih-Laptop ein kostenloses Tool aus dem Internet installieren, mit dem sich Namensschilder schneller gestalten lassen.
Am Abend vor dem Barcamp schreibt angeblich „die Schul-IT“ über einen Messenger, man brauche dringend das Passwort eines Teamkontos, um ein Update einzuspielen.
Nach dem Barcamp gehen die Laptops an die Schul-IT zurück und werden danach an eine andere Klasse verliehen.
Je Situation 1 Punkt für das Risiko und 1 Punkt für eine passende Regel, z. B.:
Risiko: Unbefugte sehen oder ändern Daten am entsperrten Gerät oder nehmen den Laptop mit. Regel: Beim Aufstehen den Bildschirm immer sperren oder den Laptop mitnehmen; die automatische Sperre greift nach wenigen Minuten.
Risiko: Kostenlose Programme aus unbekannter Quelle können Schadsoftware enthalten oder Daten abgreifen. Regel: Installiert wird nur durch die Schul-IT bzw. aus dem freigegebenen Softwarekatalog; die Teamkonten haben keine Administratorrechte.
Risiko: Social Engineering – jemand gibt sich als Schul-IT aus, um an Zugangsdaten zu kommen. Regel: Passwörter werden nie weitergegeben, auch nicht an die IT; bei solchen Anfragen über die bekannte Telefonnummer der Schul-IT zurückrufen und den Vorfall melden.
Risiko: Anmeldelisten und gespeicherte Passwörter bleiben für die nächste Klasse lesbar. Regel: Vor der Rückgabe Daten auf den Schulserver übertragen; die Schul-IT löscht die Datenträger sicher, bevor sie die Geräte neu verleiht.
c) Ein Teammitglied hat für die Schutzbedarfsfeststellung notiert: „Anmeldeliste (Name, E-Mail, Schule, Barrierefreiheitsbedarf, Geburtsjahr bei Minderjährigen) – Vertraulichkeit: normal. Da stehen ja nur Namen drin, und die sieht man am Veranstaltungstag sowieso auf den Namensschildern.“
ca) Nimm Stellung zu dieser Einstufung. (3 Punkte)
cb) Stufe den Schutzbedarf des Check-in-Systems am Veranstaltungstag für die Verfügbarkeit selbst ein und begründe. Beschreibe außerdem eine organisatorische Vorkehrung, mit der eine um eine Stufe niedrigere Einstufung vertretbar wäre. (4 Punkte)
ca) Die Einstufung ist zu niedrig (1 Punkt). Die Liste enthält mehr als Namen: Der Barrierefreiheitsbedarf kann Gesundheitsangaben offenlegen (Art. 9 DSGVO), dazu kommen Daten Minderjähriger und E-Mail-Adressen für gezieltes Phishing (1 Punkt). Werden diese Angaben bekannt, sind die Betroffenen erheblich beeinträchtigt, und der Schule drohen Maßnahmen der Aufsichtsbehörde und Ansehensverlust – der Schutzbedarf ist mindestens hoch (1 Punkt).
cb) Einstufung mit Begründung (2 Punkte), z. B. sehr hoch: Am Morgen kommen in kurzer Zeit sehr viele Personen an; fällt das System aus, gibt es keine Namensschilder und keine Übersicht, wer im Haus ist, der Beginn verzögert sich, und im Notfall fehlt die Anwesenheitsliste. Vorkehrung (2 Punkte), z. B.: Am Vorabend werden eine Teilnehmerliste und alle Namensschilder ausgedruckt, und das Team übt den Check-in auf Papier. Dann ist ein Ausfall ärgerlich, aber beherrschbar – hoch wäre vertretbar.
d) Vor der Ausgabe sollen die Laptops gehärtet werden. Svenja hat dazu aus Empfehlungen des BSI eine Checkliste zusammengestellt; ein Teammitglied hat eigene Punkte ergänzt:
Vorinstallierte Testversionen und nicht benötigte Herstellerprogramme deinstallieren.
Das Team arbeitet mit Standardkonten ohne Administratorrechte.
Das Starten von USB-Sticks im UEFI sperren und das UEFI mit einem Passwort schützen.
Ein Hintergrundbild mit dem Barcamp-Logo einrichten.
Bluetooth, Remotedesktop und nicht benötigte Dateifreigaben abschalten.
Den Arbeitsspeicher auf 16 GB aufrüsten.
da) Erkläre, was die Härtung eines Systems bedeutet, und entscheide für jeden Punkt der Checkliste, ob er zur Härtung gehört. (4 Punkte)
db) Die Checkliste beruht auf Empfehlungen des BSI. Nenne eine weitere Aufgabe des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. (1 Punkt)
da) Erklärung (1 Punkt): Härten heißt, die Angriffsfläche eines Systems zu verkleinern – alles, was für den Betrieb nicht nötig ist, wird entfernt oder abgeschaltet, und es werden sichere Voreinstellungen gesetzt.
Je Punkt 0,5 Punkte:
| Nr. | Härtung? | Begründung |
|---|---|---|
| 1 | ja | Jedes überflüssige Programm kann Sicherheitslücken mitbringen. |
| 2 | ja | Schadsoftware kann sich ohne Administratorrechte nicht systemweit einnisten. |
| 3 | ja | Niemand kann am installierten System vorbei ein anderes Betriebssystem starten. |
| 4 | nein | Reine Gestaltung, ohne Einfluss auf die Angriffsfläche. |
| 5 | ja | Weniger erreichbare Dienste und Schnittstellen bieten weniger Angriffspunkte. |
| 6 | nein | Verbessert die Leistung, nicht die Sicherheit. |
db) 1 Punkt, z. B.: Warnungen vor Sicherheitslücken und Schadsoftware (CERT-Bund); Erarbeitung von Standards wie dem IT-Grundschutz; Prüfung und Zertifizierung von IT-Produkten; Schutz der IT-Systeme des Bundes; Aufsicht über Betreiber kritischer Infrastrukturen; Beratung von Wirtschaft, Verwaltung und Bürger*innen.
Aufgabe 1.2: Sicherheit in der Fahrradwerkstatt (Basiskompetenz)
(ca. 18 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld. In der Werkstatt in Sennestadt arbeiten die Mechaniker*innen mit Tablets, auf denen Werkstattaufträge mit Namen und Telefonnummern der Kundschaft angezeigt werden. Werkstattleiter Bastian Ludwig bittet Dich, die IT-Sicherheit in der Werkstatt zu verbessern.
a) In einem Tablet soll der Akku getauscht werden. Nenne die Bedeutung der Abkürzung ESD und zwei Maßnahmen, die Bauteile beim Öffnen des Geräts schützen. (3 Punkte)
ESD: Electrostatic Discharge, elektrostatische Entladung (1 Punkt). Maßnahmen (je 1 Punkt), z. B.: Erdungsarmband tragen, auf einer geerdeten ESD-Matte arbeiten, Bauteile in ESD-Schutzbeuteln lagern, sich vorher am geerdeten Metall entladen, ESD-Schuhe bzw. -Kleidung.
b) Ordne die Maßnahmen der Zutritts-, Zugangs- oder Zugriffskontrolle zu. (3 Punkte)
Das Werkstatt-Tablet sperrt sich nach zwei Minuten und wird per PIN entsperrt.
Der Serverschrank im Lager ist abgeschlossen; nur Bastian Ludwig hat einen Schlüssel.
Mechaniker*innen sehen in der Werkstatt-App nur Aufträge, aber keine Rechnungen.
Kund*innen dürfen die Werkstatt nur in Begleitung betreten.
Für das Shopsystem meldet sich jede Person mit eigenem Konto an.
Die Buchhaltung darf Preise ändern, die Werkstatt nicht.
Je 0,5 Punkte: Zutritt: 2, 4; Zugang: 1, 5; Zugriff: 3, 6.
c) Bastian verwendet die Begriffe Datensicherung, Datensicherheit und Datenschutz, als wären sie dasselbe. Ordne jeder Aussage den passenden Begriff zu. (3 Punkte)
Personenbezogene Daten der Kundschaft dürfen nur für die Abwicklung des Auftrags verwendet werden.
Jeden Abend wird eine Kopie der Auftragsdatenbank auf ein NAS geschrieben.
Alle Daten – auch Konstruktionspläne ohne Personenbezug – werden vor Verlust, Verfälschung und unbefugtem Zugriff geschützt.
Je 1 Punkt: 1 Datenschutz (schützt Personen und ihre Rechte), 2 Datensicherung (Backup, eine Maßnahme der Datensicherheit), 3 Datensicherheit (schützt alle Daten unabhängig vom Personenbezug).
d) Die Werkstatt-Tablets haben eine verschlüsselte SSD. Ein Kollege meint deshalb: „Mit den Auftragsdaten auf den Tablets kann jetzt nichts mehr passieren.“ Nimm Stellung zu dieser Aussage. (4 Punkte)
Die Aussage stimmt nur zum Teil (1 Punkt). Die Verschlüsselung schützt die Vertraulichkeit: Geht ein ausgeschaltetes oder gesperrtes Tablet verloren oder wird es gestohlen, sind Namen und Telefonnummern ohne PIN bzw. Schlüssel nicht lesbar (1 Punkt). Grenzen (je 1 Punkt, höchstens 2 Punkte):
Im entsperrten Zustand sind die Daten für jede Person lesbar, die das Tablet in die Hand nimmt – die Verschlüsselung wirkt nur im Ruhezustand.
Die Verschlüsselung verhindert nicht, dass Auftragsdaten versehentlich oder absichtlich geändert werden (Integrität); dafür braucht es Rechte und Protokollierung.
Fällt das Tablet herunter oder ist die SSD defekt, sind nicht synchronisierte Daten trotzdem weg (Verfügbarkeit); dafür braucht es Synchronisation mit dem Server bzw. ein Backup.
e) Beschreibe für die Werkstatt je eine Gefährdung für die Verfügbarkeit, die Integrität und die Vertraulichkeit. (3 Punkte)
Je 1 Punkt, z. B.: Verfügbarkeit – ein Tablet fällt herunter oder das WLAN der Werkstatt fällt aus, Aufträge können nicht abgerufen werden. Integrität – jemand ändert in einem fremden, nicht gesperrten Tablet versehentlich die verbauten Teile eines Auftrags. Vertraulichkeit – Kund*innen sehen auf einem offen liegenden, entsperrten Tablet die Daten anderer Kund*innen, oder ein entsperrtes Tablet wird gestohlen.
f) Ein altes Werkstatt-Notebook soll verkauft werden. Ein Kollege möchte die Festplatte vorher schnell formatieren.
fa) Begründe, warum das Formatieren nicht ausreicht. (2 Punkte)
fb) Beschreibe zwei Maßnahmen für einen sicheren Umgang mit dem Datenträger. (2 Punkte)
fa) Beim (Schnell-)Formatieren werden nur die Verwaltungsinformationen des Dateisystems neu angelegt; die eigentlichen Daten bleiben auf der Festplatte und lassen sich mit Wiederherstellungsprogrammen zurückholen (2 Punkte).
fb) Je 1 Punkt, z. B.: den gesamten Datenträger mit einem Löschprogramm vollständig überschreiben – ein Durchgang mit Zufallsdaten genügt (bei SSD: die in die Firmware eingebaute Löschfunktion Secure Erase bzw. Sanitize); Festplatte ausbauen, behalten bzw. durch einen zertifizierten Dienstleister nach DIN 66399 vernichten lassen und den Vernichtungsnachweis aufbewahren; war die Festplatte vollständig verschlüsselt, den Schlüssel sicher löschen.
Aufgabe 2.1: „Treffen teilen“ in einer Freizeit-App (Kernkompetenz)
(ca. 52 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r im Entwicklungsteam der Let’s Meet GmbH in Bielefeld. Die App „Let’s Meet“ bringt Menschen ab 16 Jahren für gemeinsame Freizeitaktivitäten an öffentlichen Treffpunkten zusammen. Das Backend (Spring Boot, MariaDB im Docker-Container) wird gerade neu aufgebaut.
Geschäftsführerin Clara Neumann möchte die neue Funktion „Treffen teilen“ einführen: Wer an einer Aktivität teilnimmt, kann für die Dauer des Treffens seinen Live-Standort mit einer selbst gewählten Vertrauensperson teilen. Die Vertrauensperson erhält per SMS einen Link und sieht den Standort im Browser, ohne selbst ein Konto zu haben. Nach dem Treffen tippt man auf „Gut angekommen“. Im Team-Chat schreibt Clara Neumann: „Mir ist am wichtigsten, dass sich niemand auf einen falschen Treffpunkt oder eine falsche Uhrzeit verlässt. Wenn da heimlich jemand etwas umstellt, steht am Ende eine Person allein im Wald.“
a) Sicherheitsfragen zur App
aa) Jonas Weber, Dein Mit-Azubi, hat Claras Nachricht so ins Anforderungsprotokoll übernommen: „Clara wünscht mehr Vertraulichkeit. Maßnahme: Treffpunkte und Uhrzeiten werden in der Datenbank verschlüsselt gespeichert.“ Erkläre, welches Schutzziel Clara tatsächlich meint, warum Jonas’ Maßnahme ihr Anliegen nicht löst, und schlage zwei Maßnahmen vor, die es lösen. (5 Punkte)
Schutzziel (2 P): Clara geht es um die Integrität: Treffpunkt und Uhrzeit sollen korrekt bleiben, und unbefugte oder unbemerkte Änderungen müssen verhindert oder zumindest sichtbar werden. Um Vertraulichkeit geht es nicht – die Teilnehmenden sollen die Treffpunkte ja gerade sehen.
Warum die Maßnahme nicht hilft (1 P): Eine verschlüsselte Speicherung verhindert nur, dass jemand mit Zugriff auf Datenträger oder Datenbankdateien mitliest. Wer über die App eine Aktivität ändert – berechtigt, mit einem übernommenen Konto oder über einen Programmfehler –, wird davon nicht aufgehalten, und die Änderung fällt auch niemandem auf.
Maßnahmen (je 1 P), z. B.:
Ort und Uhrzeit darf nur die organisierende Person ändern; der Server prüft das bei jeder Änderung.
Jede Änderung wird mit Zeit und Konto protokolliert und allen Teilnehmenden sofort als Push-Nachricht angezeigt.
Konten von Organisierenden werden mit einem zweiten Faktor geschützt.
ab) Im ersten Jahr gab es einige Vorfälle. Ordne jedem Vorfall das hauptsächlich verletzte Schutzziel zu (V = Vertraulichkeit, I = Integrität, Vf = Verfügbarkeit, Au = Authentizität, Vb = Verbindlichkeit) und begründe Deine Zuordnung. (10 Punkte)
| Nr. | Vorfall | Schutzziel | Begründung |
|---|---|---|---|
| 1 | Nach einem fehlerhaften Update des Backend-Containers ist die App an einem Freitagabend drei Stunden lang nicht erreichbar. | ||
| 2 | Eine Supportmitarbeiterin liest ohne Anlass die Chatverläufe einer Nutzerin. | ||
| 3 | Ein neu angelegtes Profil mit dem Foto und Namen von Sabine Hoffmann lädt zu einer Wanderung ein. | ||
| 4 | Durch einen Programmfehler beim Bearbeiten wird bei einigen Aktivitäten das Mindestalter von 18 auf 16 gesetzt. | ||
| 5 | Die Organisierenden einer Laufgruppe nutzen gemeinsam ein Konto. Eine Aktivität wurde kurzfristig abgesagt, aber niemand will es gewesen sein; das lässt sich auch nicht nachweisen. |
| Nr. | Schutzziel | Begründung (Beispiel) |
|---|---|---|
| 1 | Verfügbarkeit | Die Funktionen der App stehen den Nutzenden zum benötigten Zeitpunkt (Freitagabend, wenn viele Aktivitäten stattfinden) nicht zur Verfügung. |
| 2 | Vertraulichkeit | Eine Person liest Informationen, für die sie in dieser Situation keine Befugnis hat; private Nachrichten werden Unbefugten bekannt. |
| 3 | Authentizität | Das Profil gibt sich als eine andere Person aus; die Einladung stammt nicht von der angegebenen Absenderin. |
| 4 | Integrität | Daten werden unbeabsichtigt verfälscht; die gespeicherten Mindestalter sind nicht mehr korrekt (mit der Folge, dass Minderjährige Aktivitäten ab 18 angezeigt bekommen). |
| 5 | Verbindlichkeit (Zurechenbarkeit) | Wegen des gemeinsamen Kontos kann die Absage keiner Person nachweisbar zugeordnet werden; die handelnde Person kann sie abstreiten. |
Bewertung: je Zeile 1 P für die Zuordnung und 1 P für eine passende Begründung. Vertretbare Alternativen mit tragfähiger Begründung werden anerkannt, z. B. Zeile 3 Integrität (falsche Profildaten) oder Zeile 5 Integrität (wenn mit fehlender Nachvollziehbarkeit begründet, 1 P).
b) Für die neue Funktion soll der Schutzbedarf nach IT-Grundschutz (BSI-Standard 200-2) festgestellt werden. Die Datenschutzbeauftragte Dr. Marta Kowalczyk hat die erste Zeile als Beispiel ausgefüllt.
ba) Ergänze für die Objekte 2 bis 5 den Schutzbedarf (normal, hoch, sehr hoch) für das angegebene Schutzziel und begründe ihn. (8 Punkte)
| Nr. | Objekt | Schutzziel | Schutzbedarf | Begründung |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Liste der öffentlichen Treffpunkte (Name, Adresse, barrierefrei ja/nein) | Vertraulichkeit | normal | Die Treffpunkte sind öffentliche Orte; ihr Bekanntwerden schadet niemandem. |
| 2 | Live-Standort einer Person während „Treffen teilen“ | Vertraulichkeit | ||
| 3 | Chatnachrichten zwischen Teilnehmenden | Vertraulichkeit | ||
| 4 | Aktivitätenkalender (Zeit, Treffpunkt, Mindestalter) | Integrität | ||
| 5 | Statistikseite für die Presse (Zahl der Aktivitäten je Monat) | Verfügbarkeit |
| Nr. | Schutzbedarf | Begründung (Beispiel) |
|---|---|---|
| 2 | sehr hoch | Wer den Echtzeit-Standort einer Person kennt, kann ihr folgen oder auflauern; die persönliche Unversehrtheit kann gefährdet sein. Zudem verlangt die DSGVO besonderen Schutz, und ein Bekanntwerden würde das Vertrauen in die App existenziell beschädigen. |
| 3 | hoch | Private Nachrichten können persönliche Details (Wohnort, Gewohnheiten) enthalten; ihr Bekanntwerden beeinträchtigt die Betroffenen erheblich und schadet dem Ruf der App beträchtlich. |
| 4 | hoch (auch sehr hoch vertretbar) | Falsche Treffpunkte oder Zeiten führen dazu, dass Menschen allein an einem falschen Ort stehen; ein falsches Mindestalter verstößt gegen den Jugendschutz und kann Minderjährige gefährden. |
| 5 | normal | Fällt die Statistikseite aus, kann die Presse die Zahlen später abrufen oder per E-Mail erhalten; der Schaden ist begrenzt und überschaubar. |
Bewertung: je Zeile 1 P für eine vertretbare Kategorie und 1 P für eine Begründung mit konkretem möglichem Schaden. Eine abweichende Kategorie ist richtig, wenn die Begründung sie trägt.
bb) Alle Datenbestände der App liegen in einer MariaDB-Instanz auf einem Datenbankserver. Beschreibe, wie sich daraus der Schutzbedarf des Datenbankservers für die Vertraulichkeit und für die Verfügbarkeit ergibt. (4 Punkte)
Vertraulichkeit: Nach dem Maximumprinzip übernimmt der Server den höchsten Schutzbedarf der Daten, die auf ihm gespeichert sind. Weil die Live-Standorte dort liegen, hat der Datenbankserver für die Vertraulichkeit den Schutzbedarf sehr hoch (2 P).
Verfügbarkeit: Die einzelnen Datenbestände haben für sich vielleicht nur normalen Schutzbedarf. Fällt der einzige Server aus, fallen aber alle Funktionen der App gleichzeitig aus – Anmeldung, Aktivitätenkalender, Chat und „Treffen teilen“ (gerade dann, wenn sich Menschen auf die Funktion verlassen). Durch diesen Kumulationseffekt steigt der Schutzbedarf des Servers für die Verfügbarkeit, mindestens auf hoch (2 P).
c) Jonas hat für das Lastenheft erste Sicherheitsanforderungen an „Treffen teilen“ entworfen:
„Die Funktion muss sicher sein.“
„Die Vertrauensperson bekommt per SMS einen Link, über den sie den Standort sieht.“
„Alle Positionen werden gespeichert, damit man später nachvollziehen kann, wo jemand war.“
ca) Bewerte jeden Entwurf und formuliere ihn so um, dass er prüfbar ist. Gib zu jeder Neufassung das Schutzziel an, das sie hauptsächlich sichert. (6 Punkte)
Je Entwurf 1 P für die Bewertung und 1 P für eine prüfbare Neufassung mit Schutzziel, z. B.:
Nicht prüfbar: „Sicher“ sagt nicht, was genau gefordert ist. Neufassung: „Standortdaten werden zwischen App, Server und Browser der Vertrauensperson ausschließlich über HTTPS mit TLS 1.2 oder höher übertragen; unverschlüsselte Anfragen werden abgewiesen.“ – Vertraulichkeit (und Integrität).
Beschreibt nur die Funktion, keine Sicherheitseigenschaft: Ein erratbarer oder unbefristeter Link würde Fremden den Standort zeigen. Neufassung: „Der Link enthält ein zufälliges Token mit mindestens 128 Bit, gilt nur für ein Treffen und wird mit ‚Gut angekommen‘, spätestens zwei Stunden nach dem geplanten Ende, ungültig.“ – Vertraulichkeit.
Widerspricht Datenminimierung und Speicherbegrenzung: Es entsteht ein Bewegungsprofil, das abfließen kann. Neufassung: „Gespeichert wird nur die letzte Position; sie wird nach Ende des Teilens automatisch gelöscht.“ – Vertraulichkeit (Datenschutz).
cb) Ergänze eine prüfbare Anforderung, die Claras Sorge aus der Einleitung aufgreift, und gib das Schutzziel an. (3 Punkte)
2 P für eine prüfbare Beschreibung, 1 P für das Schutzziel, z. B.: „Ort und Uhrzeit einer Aktivität kann nur die organisierende Person ändern; der Server prüft das bei jeder Änderung. Jede Änderung wird mit Zeit und Konto protokolliert und allen Teilnehmenden innerhalb einer Minute angezeigt.“ – Integrität (zusätzlich Verbindlichkeit durch die Protokollierung).
d) Datenschutz bei „Treffen teilen“
da) Beschreibe zwei Gründe, warum eine Datenschutzerklärung und eine Einwilligung für die Funktion „Treffen teilen“ von Bedeutung sind. (4 Punkte)
Je Grund 2 P, z. B.:
Transparenz und Selbstbestimmung: Die Datenschutzerklärung informiert, welche Daten (Live-Standort, Name und Telefonnummer der Vertrauensperson) zu welchem Zweck, wie lange und auf welcher Rechtsgrundlage verarbeitet werden und welche Rechte die Nutzenden haben (Informationspflicht nach Art. 13 DSGVO). Nur so können Nutzende selbst entscheiden, ob sie die Funktion verwenden.
Rechtmäßigkeit: Für die Kernfunktionen der App ist der Nutzungsvertrag die Rechtsgrundlage. Das Teilen des Live-Standorts ist dagegen eine freiwillige Zusatzfunktion mit sehr sensiblen Daten; dafür ist eine ausdrückliche, freiwillige und widerrufbare Einwilligung die passende Rechtsgrundlage. Ohne sie wäre die Verarbeitung unzulässig.
Nachweis und Rechtssicherheit: Let’s Meet muss gegenüber der Aufsichtsbehörde nachweisen können, dass die Verarbeitung zulässig ist (Rechenschaftspflicht). Verstöße können Bußgelder, Schadensersatzforderungen und Abmahnungen nach sich ziehen.
Vertrauen: Eine verständliche Information und eine echte Wahlmöglichkeit stärken das Vertrauen, das für eine App mit Treffen unter Fremden entscheidend ist.
db) Jonas Weber, Dein Mit-Azubi, hat für den ersten Start der neuen App-Version folgenden Dialog entworfen. Ohne Häkchen lässt sich „Weiter“ nicht antippen; das Häkchen ist bereits gesetzt.
[x] Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und stimme allen Datenverarbeitungen zu, auch dem Teilen meines Standorts.
[ Weiter ]
Nimm Stellung zu diesem Entwurf. (5 Punkte)
Der Entwurf ist nicht geeignet; eine so eingeholte Einwilligung wäre unwirksam (1 P für eine begründete Position). Gründe (je 1 P, höchstens 4 P):
Vorangekreuztes Kästchen: Eine Einwilligung erfordert eine eindeutige aktive Handlung. Ein bereits gesetztes Häkchen genügt nicht (Art. 4 Nr. 11 DSGVO, EuGH „Planet49“).
Nicht freiwillig (Kopplungsverbot): Ohne Zustimmung lässt sich die App gar nicht nutzen, obwohl „Treffen teilen“ für die Kernfunktion nicht nötig ist (Art. 7 Abs. 4 DSGVO).
Nicht bestimmt: „Allen Datenverarbeitungen“ ist zu pauschal; eine Einwilligung muss für einen bestimmten Zweck erteilt werden. Für verschiedene Zwecke braucht es getrennte Einwilligungen.
Datenschutzerklärung wird nicht „zugestimmt“: Sie informiert nur. Für die Kernfunktion ist der Nutzungsvertrag die Rechtsgrundlage; eine Einwilligung ist dort nicht nötig.
Falscher Zeitpunkt: Die Einwilligung zum Standort gehört dorthin, wo die Funktion zum ersten Mal genutzt wird, mit kurzer Erklärung und Hinweis auf den Widerruf.
Besser: beim ersten Tippen auf „Treffen teilen“ ein eigener Dialog mit leerem Kästchen oder Schaltflächen „Erlauben“/„Nicht erlauben“, kurzer Erklärung (welche Daten, wer sieht sie, wie lange), Link zur Datenschutzerklärung und Hinweis, dass die Einwilligung in den Einstellungen jederzeit widerrufen werden kann. Zusätzlich muss das Betriebssystem den Standortzugriff erlauben.
dc) Noah Bergmann ist 17 Jahre alt und möchte „Treffen teilen“ nutzen, um seinem Vater seinen Standort zu zeigen. Begründe, ob Noah die Einwilligung selbst erteilen kann. (2 Punkte)
Ja (1 P). Nach Art. 8 DSGVO können Jugendliche bei Diensten der Informationsgesellschaft ab 16 Jahren selbst wirksam einwilligen; Deutschland hat diese Altersgrenze nicht abgesenkt. Noah ist 17, also ist keine Zustimmung der Eltern nötig (1 P). Die Einwilligung muss trotzdem verständlich formuliert sein; die übrigen Schutzvoreinstellungen für Minderjährige in der App bleiben bestehen.
dd) Nenne vier Rechte, die Nutzende nach der DSGVO gegenüber der Let’s Meet GmbH haben. (4 Punkte)
Je Recht 1 P, z. B.: Recht auf Auskunft (Art. 15), auf Berichtigung (Art. 16), auf Löschung (Art. 17), auf Einschränkung der Verarbeitung (Art. 18), auf Datenübertragbarkeit (Art. 20), Widerspruchsrecht (Art. 21), Recht auf Widerruf einer Einwilligung (Art. 7 Abs. 3), Beschwerderecht bei der Aufsichtsbehörde (Art. 77).
de) Dr. Marta Kowalczyk fordert, die Funktion nach den Grundsätzen der DSGVO zu gestalten. Beschreibe drei Grundsätze und jeweils, wie sie bei „Treffen teilen“ umgesetzt werden können. (6 Punkte)
Je Grundsatz 1 P für die Beschreibung und 1 P für eine passende Umsetzung, z. B.:
Datenminimierung: Nur die Daten, die für den Zweck nötig sind. – Die Vertrauensperson braucht kein Konto; gespeichert wird nur eine Telefonnummer für die SMS. Übertragen wird nur die aktuelle Position, keine Bewegungshistorie.
Speicherbegrenzung: Daten werden gelöscht, sobald der Zweck erfüllt ist. – Positionen und Telefonnummer der Vertrauensperson werden nach „Gut angekommen“ bzw. nach Ablauf der Frist automatisch gelöscht.
Zweckbindung: Daten nur für den festgelegten Zweck. – Die Standortdaten werden nicht für Werbung, Matching oder Statistik genutzt.
Transparenz: Die Person weiß, was passiert. – Während des Teilens ist ständig ein Hinweis sichtbar („Du teilst Deinen Standort mit …“).
Datenschutzfreundliche Voreinstellungen (Art. 25): Die Funktion ist standardmäßig ausgeschaltet und muss für jedes Treffen neu gestartet werden.
Integrität und Vertraulichkeit: Verschlüsselte Übertragung, nicht erratbare Links, kein Zugriff durch den Support.
Aufgabe 2.2: Schwachstellen und Sicherheitsrisiken bei einem Fahrradhersteller (Kernkompetenz)
(ca. 54 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r im IT-Team der CSB-Rad GmbH in Bielefeld. Der Onlineshop und das künftige Händlerportal laufen bei einem Cloudanbieter; Werkstatt, Lager und Büro sitzen in Bielefeld-Sennestadt. Nachdem ein befreundeter Fahrradladen nach einem Ransomware-Angriff zwei Wochen lang nicht arbeiten konnte, hat Geschäftsführer Cem Sarıkaya Dich gebeten, im November 2026 einen Sicherheits-Check vorzubereiten. Deine Ist-Aufnahme:
Shop, Händlerportal und die Shop-Datenbank laufen gemeinsam auf einer virtuellen Maschine beim Cloudanbieter. Deren Verwaltungsoberfläche ist aus dem Internet mit Benutzername und Passwort erreichbar.
In Sennestadt steht im Lagerkeller ein Dateiserver (Baujahr 2017) mit Rechnungen, Konstruktionsdaten der Individualrahmen und den Schließanlagen-Unterlagen. Sein Betriebssystem erhält seit 2024 keine Sicherheitsupdates mehr.
Der Dateiserver wird nachts auf eine USB-Festplatte gesichert, die daneben steht. Eine Wiederherstellung wurde noch nie ausprobiert.
Büro-PCs, Werkstatt-Tablets, die Kasse im Laden, der Dateiserver und das WLAN für Kundschaft hängen im selben Netz
192.168.10.0/24.Es gibt einen einzigen DSL-Anschluss. Die Administration erledigt Cem Sarıkaya allein; das Konto
admindes Dateiservers nutzen auch Bastian Ludwig und Natalia Wróbel.
a) Cem Sarıkaya kann nicht alles auf einmal angehen. Wähle aus der Ist-Aufnahme die drei Schwachstellen aus, die Du zuerst beheben würdest. Beschreibe jeweils, was mangelhaft ist und was daraus folgen kann, und begründe Deine Reihenfolge. (8 Punkte)
Je Schwachstelle 1 P für den Mangel und 1 P für die beschriebene Folge (6 P), dazu 2 P für eine nachvollziehbare Begründung der Reihenfolge. Mögliche Schwachstellen:
Veraltetes Betriebssystem ohne Sicherheitsupdates: Bekannte Sicherheitslücken des Dateiservers werden nicht mehr geschlossen; Schadsoftware oder Angreifende können sie ausnutzen und Rechnungen oder Schließanlagen-Unterlagen lesen, verändern oder verschlüsseln.
Datensicherung am selben Ort, ungetestet: Brand, Wasserschaden im Keller, Diebstahl oder Ransomware treffen Original und Sicherung gleichzeitig; ob die Sicherung überhaupt wiederherstellbar ist, weiß niemand. Datenverlust gefährdet die Verfügbarkeit.
Keine Netztrennung: Das WLAN für Kundschaft, die Kasse und der Dateiserver liegen im selben Netz. Ein infiziertes Gerät von Kundschaft oder ein Angreifer im WLAN erreicht direkt alle Systeme.
Single Point of Failure beim Shop: Shop, Händlerportal und Datenbank auf einer einzigen VM ohne Redundanz – fällt sie aus oder wird sie überlastet, ist alles gleichzeitig offline (Verfügbarkeit, Umsatzverlust).
Verwaltungszugang der VM aus dem Internet, nur mit Passwort: Angreifende können das Passwort durchprobieren oder per Phishing erbeuten und haben dann Shop, Portal und Datenbank vollständig in der Hand (Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit).
Gemeinsames Admin-Konto: Handlungen sind keiner Person zuzuordnen (Verbindlichkeit); das Passwort ist mehreren bekannt und wird kaum geändert.
Abhängigkeit von einer Person und einem Anschluss: Ist Cem Sarıkaya krank oder fällt der DSL-Anschluss aus, kann niemand eingreifen bzw. die Werkstatt nicht auf Shopdaten zugreifen.
Beispiel für eine Reihenfolge: Datensicherung (ohne sie wird jeder Vorfall existenzbedrohend, Abhilfe ist günstig), Verwaltungszugang der VM (aus dem ganzen Internet angreifbar), Netztrennung. Andere Reihenfolgen sind richtig, wenn sie mit Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe begründet werden.
Nur Stichworte ohne Folge: höchstens 1 P je Schwachstelle.
b) Erläutere am Beispiel der Datensicherung auf der USB-Festplatte die Begriffe Schwachstelle, Bedrohung und Risiko. (6 Punkte)
Je Begriff 1 P für die Erklärung und 1 P für den Bezug zum Beispiel:
Schwachstelle: ein Mangel, der ausgenutzt werden kann. – Die Sicherung steht im selben Raum wie der Server, ist dauerhaft angeschlossen und wurde nie getestet.
Bedrohung (Gefährdung): ein Ereignis oder Umstand, der Schaden anrichten kann, wenn er auf eine Schwachstelle trifft. – Ein Wasserschaden im Lagerkeller, ein Brand oder eine Ransomware, die auch die angeschlossene USB-Festplatte verschlüsselt.
Risiko: Kombination aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe. – Ransomware-Angriffe auf kleine Unternehmen sind nicht selten, ein Wasserschaden ist eher selten; der Schaden wäre aber jeweils sehr groß (Rechnungen, Konstruktionsdaten und Schließanlagen-Unterlagen gleichzeitig verloren). Das Risiko ist deshalb hoch.
c) Die monatliche Händlerpreisliste verschickt Natalia Wróbel als Excel-Datei mit einem Makro zur Rabattberechnung; in der E-Mail steht: „Bitte Makros aktivieren“.
ca) Erkläre, warum diese Gewohnheit die Fachhändler auch dann gefährdet, wenn die Dateien von CSB-Rad selbst völlig harmlos sind. (3 Punkte)
Je Gedankenschritt 1 P:
Die Händler lernen, dass Excel-Anhänge von CSB-Rad normal sind und dass man dafür Makros einschalten muss – die Warnung von Office wird zur lästigen Routine.
Angreifende können genau diese E-Mail nachahmen: Der Absendername lässt sich fälschen, und eine Preisliste, die jeden Monat kommt, wird erwartet und kaum hinterfragt.
Aktiviert ein Händler in einer gefälschten Datei die Makros, startet Schadsoftware (z. B. Ransomware) auf seinem Rechner. Die Schutzfunktion von Office ist durch die Gewohnheit ausgehebelt – das Risiko entsteht beim Händler, der Vertrauensschaden auch bei CSB-Rad.
cb) Natalia schlägt zwei Alternativen vor:
Variante A: Die Preisliste wird als digital signiertes PDF ohne Makro verschickt; die Rabattstufen stehen als Tabelle darin.
Variante B: Preisliste und Rabattrechner stehen im Händlerportal; die E-Mail enthält nur einen Hinweis ohne Anhang und ohne Link.
Vergleiche die beiden Varianten mit je einem Vorteil und einem verbleibenden Nachteil und gib eine begründete Empfehlung. (5 Punkte)
Je Variante 1 P für einen Vorteil und 1 P für einen Nachteil, 1 P für eine begründete Empfehlung, z. B.:
| Vorteil | verbleibender Nachteil | |
|---|---|---|
| A: signiertes PDF | keine aktiven Inhalte; Herkunft und Unverändertheit sind über die Signatur prüfbar | es bleibt ein Anhang, den Angreifende nachahmen können – das hilft nur, wenn die Händler die Signatur prüfen |
| B: Händlerportal | kein Anhang mehr zum Nachahmen; Echtheit über bekannte Adresse und TLS-Zertifikat prüfbar; die Rabatte rechnet der Server | die Händler müssen sich anmelden; das Portal muss gut abgesichert (z. B. zweiter Faktor) und verfügbar sein |
Empfehlung z. B.: Variante B, weil sie das eigentliche Problem – die Gewöhnung an Anhänge mit aktiven Inhalten – beseitigt; Variante A eignet sich als Übergang, bis das Händlerportal in Betrieb ist.
d) Im Sicherheits-Check spielt ihr mögliche Vorfälle durch. Bezeichne für jeden Fall die Gefährdung bzw. den Angriff und schlage eine geeignete Abwehrmaßnahme vor. (8 Punkte)
| Nr. | Fall | Bezeichnung | Abwehrmaßnahme |
|---|---|---|---|
| 1 | Jemand ruft in der Werkstatt an, stellt sich als Techniker des Cloudanbieters vor und bittet unter Zeitdruck um das Passwort des Kontos admin. |
||
| 2 | Bastian Ludwig erhält eine E-Mail „Neue Lieferavis von Rahmenwerk OWL“ mit einem Link zu einer Anmeldeseite, die genauso aussieht wie das Lieferantenportal, und gibt dort seine Zugangsdaten ein. | ||
| 3 | An einem Aktionswochenende senden Tausende gekaperte Geräte gleichzeitig Anfragen an den Shop, bis er nicht mehr erreichbar ist. | ||
| 4 | Nach Starkregen steht im Lagerkeller in Sennestadt 20 cm Wasser. |
| Nr. | Bezeichnung | Abwehrmaßnahme (Beispiel) |
|---|---|---|
| 1 | Social Engineering (Anruf unter falscher Identität) | Regel: Passwörter werden nie am Telefon oder per E-Mail herausgegeben; Rückruf über die bekannte Nummer des Anbieters; Schulung der Beschäftigten; persönliche Konten statt Sammelkonto. |
| 2 | Phishing | Mehr-Faktor-Authentifizierung für das Lieferantenportal; Schulung (Adresse prüfen, Portale nur über Lesezeichen aufrufen); Spam- und Phishing-Filter; Passwort sofort ändern. |
| 3 | DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service) | DDoS-Schutz bzw. vorgeschaltetes Content Delivery Network beim Cloudanbieter, Begrenzung der Anfragen je Absender (Rate Limiting), automatisch skalierende Server. |
| 4 | höhere Gewalt / Elementarschaden (Wasser) | Server nicht im Keller betreiben (oder erhöht aufstellen, Wassermelder), Datensicherung an einem zweiten Standort bzw. in der Cloud, Versicherung. |
Bewertung: je Fall 1 P für die Bezeichnung, 1 P für eine passende Maßnahme.
e) Cem Sarıkaya möchte, dass alle im Team Datenschutz und Datensicherheit auseinanderhalten können.
ea) Gib für jeden Sachverhalt an, ob er die Datensicherheit, den Datenschutz oder beides betrifft, und begründe kurz. (6 Punkte)
| Nr. | Sachverhalt | Datensicherheit | Datenschutz | Begründung |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Die Marketingabteilung gibt Namen, Adressen und Kaufhistorie der Kundschaft ohne Einwilligung an einen Fahrradversicherer weiter, der damit wirbt. | |||
| 2 | Wegen eines Festplattendefekts sind die Konstruktionsdaten der Rahmenformen verloren. | |||
| 3 | Nach einem Update zeigt die Bestellübersicht im Kundenkonto des Shops eine Stunde lang auch Bestellungen anderer Kund*innen mit Name und Lieferadresse an. | |||
| 4 | Ein Angreifer verändert über eine Sicherheitslücke die Rabattstaffeln im Shop. | |||
| 5 | Ausgedruckte Lieferscheine mit Namen und Adressen der Kundschaft landen ungeschreddert im Altpapier vor dem Laden. | |||
| 6 | Mira Engel bittet um Auskunft über ihre gespeicherten Daten und erhält nach zwei Monaten noch immer keine Antwort. |
| Nr. | Datensicherheit | Datenschutz | Begründung |
|---|---|---|---|
| 1 | x | Die Daten sind technisch sicher, aber sie werden ohne Rechtsgrundlage für einen anderen Zweck weitergegeben. | |
| 2 | x | Daten gehen verloren (Verfügbarkeit); es sind keine personenbezogenen Daten. | |
| 3 | x | x | Ein technischer Fehler verletzt die Vertraulichkeit; betroffen sind personenbezogene Daten (Datenpanne). |
| 4 | x | Unbefugte Veränderung von Daten (Integrität); kein Personenbezug. | |
| 5 | x | x | Unzureichende Schutzmaßnahme (Vertraulichkeit von Unterlagen) bei personenbezogenen Daten; die Pflicht zu sicherer Vernichtung ergibt sich aus beiden Bereichen. |
| 6 | x | Das Auskunftsrecht (Art. 15 DSGVO) wird verletzt; Anfragen müssen in der Regel innerhalb eines Monats beantwortet werden. |
Bewertung: je Zeile 1 P bei richtiger Zuordnung mit stimmiger Begründung.
eb) Beschreibe, was CSB-Rad nach der DSGVO im Fall 3 tun muss. (3 Punkte)
Es liegt eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten vor. CSB-Rad muss sie innerhalb von 72 Stunden nach Bekanntwerden der zuständigen Aufsichtsbehörde melden (in NRW die LDI NRW), außer es besteht voraussichtlich kein Risiko für die Betroffenen (Art. 33) (1 P).
Besteht ein hohes Risiko für die Betroffenen, müssen sie unverzüglich benachrichtigt werden (Art. 34). Ob das hier der Fall ist, wird bewertet (Name und Lieferadresse wurden fremden Personen angezeigt) (1 P).
Die Panne wird intern dokumentiert (Ursache, betroffene Daten, Maßnahmen), der Fehler sofort behoben und die Ursache abgestellt, z. B. durch Tests der Zugriffsprüfung vor jedem Update (1 P).
f) Cem Sarıkaya plant, die Schwachstellen zu beheben.
fa) Beschreibe vier Maßnahmen, davon mindestens eine organisatorische, die Schwachstellen aus der Ist-Aufnahme beheben, und ordne jeder Maßnahme das Schutzziel zu, das sie hauptsächlich verbessert. (8 Punkte)
Je Maßnahme 1,5 P für die Beschreibung, 0,5 P für das Schutzziel; fehlt eine organisatorische Maßnahme, höchstens 6 P. Beispiele:
Datensicherung nach der 3-2-1-Regel (technisch): drei Kopien auf zwei verschiedenen Medien, davon eine außer Haus bzw. verschlüsselt in der Cloud und eine vom Netz getrennt (gegen Ransomware); Wiederherstellung vierteljährlich testen. – Verfügbarkeit.
Dateiserver ersetzen oder aktualisieren (technisch): Betriebssystem mit Herstellerunterstützung, automatische Sicherheitsupdates, Aufstellung außerhalb des Kellers. – Vertraulichkeit, Integrität (geschlossene Lücken), Verfügbarkeit.
Netze trennen (technisch): eigene VLANs für Kundschafts-WLAN (nur Internet, Client-Isolation), Kasse, Büro und Server, Regeln an der Firewall. – Vertraulichkeit, Integrität.
Redundanz für den Shop (technisch): mindestens zwei Instanzen hinter einem Lastverteiler, Datenbank mit Replikation. – Verfügbarkeit.
Verwaltungszugang absichern (technisch): Die Verwaltungsoberfläche der VM ist nur noch über VPN erreichbar und verlangt einen zweiten Faktor. – Vertraulichkeit, Integrität.
Persönliche Konten statt
admin(technisch/organisatorisch): jede Person erhält ein eigenes Konto mit nur den nötigen Rechten, Verwaltungszugänge mit zweitem Faktor, Protokollierung. – Verbindlichkeit, Vertraulichkeit.Vertretungsregelung und Notfallplan (organisatorisch): eine zweite Person wird eingearbeitet, Abläufe sind dokumentiert, Notfallkontakte und Wiederanlaufreihenfolge liegen aus. – Verfügbarkeit.
Schulung (organisatorisch): regelmäßige Sensibilisierung zu Phishing, Social Engineering und Makros. – Vertraulichkeit, Integrität.
fb) Cem Sarıkaya möchte sich dabei am IT-Grundschutz des BSI orientieren. Beschreibe, wie das IT-Grundschutz-Kompendium CSB-Rad dabei unterstützt. (3 Punkte)
Das Kompendium enthält Bausteine für typische Objekte (z. B. Server, Clients, Webanwendungen, Netze, Datensicherungskonzept, Sensibilisierung und Schulung); CSB-Rad wählt die Bausteine aus, die zu seinen Systemen passen (1 P).
Jeder Baustein beschreibt die Gefährdungslage und konkrete Anforderungen in Stufen: Basis-Anforderungen (zuerst umsetzen), Standard-Anforderungen und Anforderungen bei erhöhtem Schutzbedarf. So entsteht eine Prüfliste mit Prioritäten (1 P).
Mit der Schutzbedarfsfeststellung (BSI-Standard 200-2) legt CSB-Rad fest, wo erhöhter Schutz nötig ist (z. B. Vertraulichkeit der Schließanlagen-Unterlagen) und wo die Standard-Anforderungen reichen. Für kleine Unternehmen gibt es Einstiegshilfen wie die Basis-Absicherung (1 P).
fc) Auch nach allen Maßnahmen bleibt ein Restrisiko, zum Beispiel ein längerer Ausfall des Cloudanbieters. Beschreibe zwei Möglichkeiten außer der Risikoverminderung, wie CSB-Rad mit diesem Risiko umgehen kann. (4 Punkte)
Je Möglichkeit 2 P:
Risiko übertragen: Den finanziellen Schaden auf andere verlagern, z. B. durch eine Betriebsunterbrechungs- bzw. Cyberversicherung oder durch einen Vertrag mit zugesicherter Verfügbarkeit und Vertragsstrafe (Service Level Agreement).
Risiko akzeptieren: Die Geschäftsführung entscheidet bewusst und schriftlich, ein seltenes Restrisiko zu tragen, weil weitere Maßnahmen (z. B. ein zweiter Cloudanbieter) mehr kosten würden als der zu erwartende Schaden; für den Ernstfall gibt es einen Notfallplan (z. B. Bestellannahme per Telefon).
Risiko vermeiden: Die riskante Tätigkeit aufgeben, z. B. keine zeitkritischen Aktionen mehr nur online anbieten. Hier wenig sinnvoll, als Nennung mit Begründung aber richtig.
g) Ein externer Sicherheitstest der Testumgebung des Händlerportals hat zwei Befunde ergeben:
Die Adresse
https://test.shop.csb-rad.example/haendler/bestellung/4711zeigt jede Bestellung an, deren Nummer man einsetzt – auch Bestellungen anderer Händler.Bei einer fehlerhaften Eingabe zeigt die Fehlerseite den vollständigen Java-Stacktrace mit Paketnamen, Versionsnummern der Bibliotheken und der Datenbankversion.
Erläutere für beide Befunde die Schwachstelle und eine geeignete Gegenmaßnahme. (6 Punkte)
Befund 1 – fehlerhafte Zugriffskontrolle (Broken Access Control, Platz 1 der OWASP Top 10): Das Portal prüft nur, ob jemand angemeldet ist, aber nicht, ob die angeforderte Bestellung zu diesem Händler gehört. Durch einfaches Hochzählen der Nummer lassen sich Konditionen und Ansprechpersonen anderer Händler lesen (Vertraulichkeit, Datenschutz) (1,5 P). Gegenmaßnahme: Bei jedem Zugriff serverseitig prüfen, ob die Bestellung zum angemeldeten Händlerkonto gehört, sonst Antwort 403 bzw. 404; dazu automatisierte Tests für diese Prüfung (1,5 P). Nicht erratbare IDs allein reichen nicht.
Befund 2 – sicherheitsrelevante Fehlkonfiguration (Security Misconfiguration): Der Stacktrace verrät Angreifenden den inneren Aufbau und die genauen Versionen der Software; damit können sie gezielt nach bekannten Lücken dieser Versionen suchen (1,5 P). Gegenmaßnahme: Im Betrieb nur eine allgemeine Fehlerseite mit Fehlernummer anzeigen, Details ausschließlich ins geschützte Protokoll schreiben; Konfiguration härten und Bibliotheken aktuell halten (1,5 P).
Aufgabe 2.3: Flurmonitore und Server einer Mitfahr-App absichern (Kernkompetenz)
(ca. 39 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r im Projektteam der Mitfahr-App „RatzFahrt“ des Ratz und Rübe Berufskollegs in Bielefeld. Vier Flurmonitore zeigen offene Fahrtangebote und -gesuche anonym an; die Anzeige läuft über kleine Mini-Player im eigenen VLAN der Schule. Die Anzeige liest dabei nur eine anonyme Sicht (View v_monitor) der App-Datenbank ohne Namen und Kontaktdaten. Die App selbst läuft bisher auf einem Server im Serverraum der Schule. Svenja Krämer (Schul-IT OWL) und die Datenschutzbeauftragte Andrea Wolf lassen Dich die Sicherheitsanalyse vorbereiten.
a) Svenja Krämer möchte zeigen, dass ein Angriff auf die Flurmonitore mehrere Schutzschichten überwinden muss. Ergänze die Tabelle für die vier Stationen. (8 Punkte)
| Station | Kontrollart | Sicherung bei RatzFahrt | Was droht, wenn diese Schicht fehlt? |
|---|---|---|---|
| Jemand öffnet die Abdeckung hinter einem Flurmonitor. | |||
| Jemand betritt den Serverraum. | |||
| Jemand meldet sich per SSH am App-Server an. | |||
Jemand ändert in der Datenbank die View v_monitor. |
Je Zeile 0,5 Punkte für die Kontrollart, 0,5 Punkte für eine passende Sicherung und 1 Punkt für die Folge, z. B.:
| Station | Kontrollart | Sicherung bei RatzFahrt | Was droht, wenn diese Schicht fehlt? |
|---|---|---|---|
| Abdeckung am Flurmonitor | Zutrittskontrolle (zum Gerät) | abschließbares Gehäuse, Montage außer Reichweite, Kamera im Flur | Jemand steckt einen USB-Stick an, tauscht den Player aus oder nimmt ihn mit. |
| Serverraum | Zutrittskontrolle | Chipkarte nur für die Schul-IT, Protokoll der Zutritte, Besuch nur in Begleitung | Server ausschalten, Festplatten ausbauen, eigene Geräte ans Netz hängen. |
| SSH-Anmeldung am App-Server | Zugangskontrolle | persönliche Konten mit SSH-Schlüssel statt Passwort, Anmeldung nur aus dem Verwaltungsnetz bzw. per VPN | Wer sich anmelden kann, steuert den Server und kann alle Daten lesen und ändern. |
Änderung der View v_monitor |
Zugriffskontrolle | Rollenkonzept: nur die Rolle „DB-Administration“ darf Views ändern, das Konto der Anzeige hat nur Leserecht auf v_monitor; Protokollierung |
Jede angemeldete Person könnte die View um Namen und Kontaktdaten erweitern – personenbezogene Daten erschienen auf den Flurmonitoren. |
b) Für die Rechtevergabe kommen drei Zugriffsmodelle in Frage: die benutzerbestimmbare (Discretionary Access Control, DAC), die systembestimmte (Mandatory Access Control, MAC) und die rollenbasierte Zugriffskontrolle (Role Based Access Control, RBAC).
ba) Entscheide für die beiden Situationen, welches Modell am besten passt, und begründe Deine Wahl. (4 Punkte)
Lehrkräfte legen im Projektordner Arbeitsblätter an und geben sie selbst einzelnen Schüler*innen frei.
Eine Exportdatei mit Klarnamen und Geburtsdaten darf – egal, wer sie erzeugt hat – nur von Personen mit der Freigabestufe „Datenschutz“ geöffnet werden; niemand kann das für eine einzelne Datei lockern.
bb) Nenne den wichtigsten Nachteil der benutzerbestimmbaren Zugriffskontrolle für die Sicherheit. (1 Punkt)
ba) Je Situation 2 Punkte (Modell 1, Begründung 1):
DAC: Die Lehrkraft ist Eigentümerin der Datei und entscheidet selbst, wem sie sie freigibt – genau das ist die Idee der benutzerbestimmbaren Zugriffskontrolle.
MAC: Das System setzt eine feste Regel nach Freigabestufen durch; auch wer die Datei erzeugt hat, kann sie nicht für andere öffnen. (RBAC: 1 Punkt.)
bb) 1 Punkt: Jede Person kann Rechte nach eigenem Ermessen weitergeben; zu großzügige oder versehentliche Freigaben lassen sich zentral kaum verhindern oder überblicken.
c) Der Förderverein bietet zwei gebrauchte Mini-Player für weitere Monitore an. Svenja Krämer sagt: „Gern – aber nur, wenn die Geräte dem Stand der Technik entsprechen.“
ca) Grenze den Stand der Technik von den allgemein anerkannten Regeln der Technik und vom Stand von Wissenschaft und Forschung ab. (3 Punkte)
cb) Formuliere drei prüfbare Mindestanforderungen, die die gebrauchten Player erfüllen müssen, damit Svenja zustimmen kann, und begründe jede kurz. (6 Punkte)
ca) Je Stufe 1 Punkt: Die allgemein anerkannten Regeln der Technik sind lange bewährt und unstrittig, können aber veraltet sein. Der Stand der Technik umfasst fortschrittliche, am Markt erhältliche Verfahren mit gesicherter Eignung, die das Schutzziel nach Auffassung von Fachleuten zuverlässig erreichen; er verschiebt sich mit der Zeit. Der Stand von Wissenschaft und Forschung ist das Neueste aus der Forschung, oft noch nicht erprobt oder nicht zu kaufen.
cb) Je Anforderung 1 Punkt für eine prüfbare Formulierung und 1 Punkt für die Begründung, z. B.:
„Der Hersteller sagt noch mindestens zwei Jahre Sicherheitsupdates zu.“ – Sonst bleiben bekannt gewordene Lücken dauerhaft offen.
„Die Verwaltung ist nur über verschlüsselte Verfahren (HTTPS mit aktuellem TLS, SSH) möglich; unverschlüsselte Zugänge lassen sich abschalten.“ – Sonst können Zugangsdaten im Schulnetz mitgelesen werden.
„Bei der Einrichtung muss ein eigenes Passwort gesetzt werden; es gibt keine festen Standard- oder Wartungskonten.“ – Werkseitige Zugangsdaten stehen in Handbüchern und Foren.
„Der Player startet nur signierte Software (Secure Boot).“ – Schützt gegen manipulierte Firmware.
d) Die Schulleitung überlegt, die App künftig bei einem Cloud-Anbieter statt auf dem eigenen Server zu betreiben, und argumentiert: „Dann ist die App automatisch sicherer, denn um die Sicherheit kümmert sich dann der Anbieter.“ Nimm Stellung zu dieser Aussage. Gehe dabei auf ein Risiko ein, das durch den Umzug kleiner wird, auf eines, das neu hinzukommt oder bleibt, mit einer passenden Gegenmaßnahme, und darauf, wofür die Schule weiterhin verantwortlich ist. (5 Punkte)
Je 1 Punkt, z. B.:
Position: Die Aussage stimmt nur teilweise – ein Teil der Risiken verlagert sich, die Verantwortung verschwindet nicht.
Risiko wird kleiner: Stromausfall, Hitze, Brand oder ein Hardwaredefekt im Serverraum der Schule; ein Rechenzentrum hat USV, Klimatisierung, Brandschutz und redundante Hardware.
Risiko kommt hinzu oder bleibt: Daten Minderjähriger liegen bei einem Dritten, womöglich außerhalb der EU; ohne Internetverbindung zeigen die Monitore nichts an.
Gegenmaßnahme dazu: Anbieter mit Rechenzentrum in der EU und Vertrag zur Auftragsverarbeitung (Art. 28 DSGVO); zweite Internetanbindung bzw. Anzeige der zuletzt geladenen Daten.
Verantwortung der Schule: Die Schule bleibt Verantwortliche nach DSGVO und kümmert sich – je nach Modell – um Konten, Rechte, Konfiguration, Updates der eigenen Anwendung und die Datensicherung (geteilte Verantwortung).
e) Andrea Wolf hat die Sicherheitszusagen eines möglichen Cloud-Anbieters auf Englisch erhalten:
We implement technical and organisational measures appropriate to the risk. Personal data is encrypted at rest and in transit, and pseudonymised wherever possible. Our systems are designed to ensure ongoing confidentiality, integrity, availability and resilience. In the event of an incident, we restore availability of and access to data within four hours. All measures are tested, assessed and evaluated by an independent auditor every year.
ea) Nenne die vier Eigenschaften, die der Anbieter für seine Systeme dauerhaft sicherstellen will, auf Deutsch. (2 Punkte)
eb) Beschreibe zwei weitere Zusagen aus dem Text, die sich jeweils einem Schutzziel zuordnen lassen, und nenne das Schutzziel. (4 Punkte)
ea) Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit und Belastbarkeit (Resilienz) – je 0,5 Punkte.
eb) Je 2 Punkte (Zusage 1, Schutzziel 1), z. B.:
Personenbezogene Daten werden bei der Speicherung und bei der Übertragung verschlüsselt und wo möglich pseudonymisiert → Vertraulichkeit.
Nach einem Zwischenfall werden Verfügbarkeit und Zugang zu den Daten innerhalb von vier Stunden wiederhergestellt → Verfügbarkeit.
Die dritte Zusage – jährliche Prüfung aller Maßnahmen durch eine unabhängige Stelle – betrifft alle Schutzziele und lässt sich keinem einzelnen zuordnen. Die Zusagen orientieren sich an Art. 32 DSGVO.
f) Beim Auswerten der Firewall-Protokolle fällt Svenja Krämer auf, dass der App-Server in drei Nächten hintereinander jeweils zwischen 2:10 und 2:50 Uhr rund 3 GB an die Adresse 203.0.113.77 gesendet hat. Diese Adresse taucht in keiner Dokumentation auf.
fa) Begründe, warum das auf einen Datenabfluss hindeuten kann, und beschreibe zwei Schritte, die jetzt sofort sinnvoll sind. (3 Punkte)
fb) Beschreibe zwei vorbeugende Maßnahmen, durch die ein solcher Abfluss verhindert oder früher bemerkt worden wäre. (2 Punkte)
fa) Begründung (1 Punkt): Große, regelmäßige Datenmengen zur Nachtzeit an ein unbekanntes Ziel passen zu keinem dokumentierten Dienst; das ist ein typisches Muster, wenn jemand nach einem Einbruch Daten automatisiert abzieht. Sofortschritte (je 1 Punkt), z. B.: Verbindungen zu diesem Ziel an der Firewall sperren bzw. den Server vom Netz trennen; Protokolle und Systemzustand sichern, ohne sie zu verändern; die Datenschutzbeauftragte Andrea Wolf informieren, weil bei personenbezogenen Daten die 72-Stunden-Frist für eine Meldung laufen kann.
fb) Je 1 Punkt, z. B.: ausgehenden Verkehr nur zu freigegebenen Zielen und Ports erlauben (egress filtering); automatischer Alarm bei ungewöhnlichen Datenmengen oder unbekannten Zielen; Software zur Data Loss Prevention.
g) Die Mini-Player sollen auf keinen Fall manipuliert werden, damit an den Monitoren keine fremden Inhalte erscheinen.
ga) Ordne jeden der drei Vorfälle der Datenintegrität oder der Systemintegrität zu und begründe kurz. (3 Punkte)
Nach einem Fehler in der View
v_monitorzeigen alle Monitore die Abfahrtszeiten um eine Stunde verschoben an.Jemand hat über den USB-Anschluss eines Players eine veränderte Software aufgespielt, die zusätzlich Werbung einblendet.
In der Konfiguration eines Players wurde die Startseite auf eine fremde Webadresse umgestellt.
gb) Erläutere, warum die Verfügbarkeit der Monitore eine geringere Kritikalität hat als die Verfügbarkeit der App, und welche Folge das für die Planung hat. (2 Punkte)
ga) Je 1 Punkt: 1 Datenintegrität – die angezeigten Daten sind falsch, der Player selbst arbeitet korrekt. 2 Systemintegrität – das System ist durch fremde Software manipuliert. 3 Systemintegrität – eine unbefugt geänderte Konfiguration lässt den Player etwas anderes tun als vorgesehen; die Daten der App sind unverändert. Die Systemintegrität schützen z. B. Härtung, signierte Updates, gesperrte USB-Anschlüsse und verschlossene Gehäuse.
gb) Fällt ein Monitor aus, können alle Angebote weiterhin in der App gesehen und gebucht werden; der Schaden ist gering. Fällt die App aus, kommen keine Fahrgemeinschaften zustande. Für die Monitore genügen daher einfache Maßnahmen (z. B. Ersatzgerät im Lager), während für die App mehr Aufwand für Verfügbarkeit gerechtfertigt ist (Backup, Überwachung, ggf. redundanter Betrieb) (2 Punkte).
Links und weitere Informationen
Datenschutz nach DSGVO: Begriffe, Grundsätze, Rechtsgrundlagen und Betroffenenrechte
Kryptografie: symmetrisch, asymmetrisch, hybrid – mit Hash, Signatur und Zertifikat und die zugehörigen Übungsaufgaben
Übungsaufgaben zum IT-Grundschutz und Übungsaufgaben zum Datenschutz
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