Übungsaufgaben zu Schnittstellen und Übertragungsverfahren
https://bildung.social/@oerinformatik/
https://oer-informatik.de/schnittstellen-uebertragungsverfahren-uebungsaufgaben
Schnittstelle, Push, Pull, Polling, Webhook, synchron, asynchron, Message Broker, job-orientierte Schnittstelle, SNMP, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 51 min, mehrere Aufgaben): Zwei Übungsaufgaben rund um einen Fahrradhersteller: Du rechnest die Netzlast von Polling und Webhook für ein Dienstrad-Portal aus und prüfst ein Argument für das Polling, ermittelst aus einem Temperaturverlauf, wann zyklische und ereignisgesteuerte Akkuüberwachung eine Überhitzung melden, und wertest ein Protokoll aus, warum ein Schloss scheinbar offen steht. In der zweiten Aufgabe verfolgst Du einen Rahmen nach Maß vom Händlerportal bis zur Biegemaschine, wägst eine synchrone und eine job-orientierte Schnittstelle ab, klärst zwei Übertragungsvorfälle, entscheidest, wie Statusmeldungen und Messwerte zurückfließen, und prüfst, ob SNMP-Abfragen oder Traps einen Switch-Ausfall schnell genug melden. Alle Beispiellösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 29.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Schnittstellen und Übertragungsverfahren: Push und Pull, synchron und asynchron.
Hinweise zur Bearbeitung: Von FIDV wird erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1 und Aufgabe 3.2) keine Probleme bereiten. Achte auf den Operator: „Beschreiben“ und „erläutern“ verlangen ganze Sätze mit Bezug zur Situation, „begründen“ eine Entscheidung mit Argumenten, „bewerten“ und „beurteilen“ ein begründetes Urteil, „ermitteln“ ein Ergebnis aus den gegebenen Daten, „vorschlagen“ eine konkrete Maßnahme, „berechnen“ einen nachvollziehbaren Rechenweg. Schreib Deine Antwort zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst; andere sachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.
Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?
Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.
Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Schnittstellen und
Übertragungsverfahren“.
Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.
Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/schnittstellen-uebertragungsverfahren
- https://oer-informatik.de/rest-grundlagen
- https://oer-informatik.de/mqtt
- https://oer-informatik.de/industrielle-kommunikation
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/schnittstellen-uebertragungsverfahren-uebungsaufgaben
Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Schnittstelle
- Push
- Pull
- Polling
- Webhook
- synchron
- asynchron
- Message Broker
- job-orientierte Schnittstelle
- SNMP
Kompetenzstufe: Profilkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Kernkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan
Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
danach frage.
Aufgabe 3.1: Dienst-Lastenräder mit CSB-Rad Connect (Profilkompetenz)
(ca. 23 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld und arbeitest im Team von Cem Sarıkaya, das den Dienst „CSB-Rad Connect“ betreibt. Der Zweckverband Radwege OWL hat zwölf Dienst-Lastenräder mit dem elektronischen Rahmenschloss „LockOne BLE“ ausgestattet. Die Schlösser melden ihren Zustand per Bluetooth an die Ladestationen der Außenstellen, die Ladestationen leiten die Meldungen über Mobilfunk an den Connect-Server von CSB-Rad weiter. Michael Hartmann (Fuhrpark des Zweckverbands) bucht die Räder für die Beschäftigten über das Dienstrad-Portal.
a) Das Dienstrad-Portal soll jederzeit anzeigen, ob ein Rad frei, ausgeliehen oder gestört ist. Zwei Entwürfe liegen vor:
- Entwurf 1: Das Portal fragt alle 2 Minuten für jedes der zwölf Räder einzeln den Zustand ab (
GET /v1/raeder/{nr}/status). - Entwurf 2: Das Portal hinterlegt beim Connect-Server einmal eine Adresse. Ändert sich der Zustand eines Rades, ruft der Connect-Server diese Adresse mit einem
POSTauf.
aa) An einem Werktag wird jedes Rad durchschnittlich dreimal ausgeliehen. Jede Ausleihe erzeugt zwei Zustandsänderungen (ausgeliehen, zurückgegeben). Berechne für einen Tag (24 Stunden), wie viele Anfragen Entwurf 1 und wie viele Meldungen Entwurf 2 erzeugt. (3 Punkte)
Geg.: 12 Räder; Abfrage alle 2 min je Rad; 24 h; 3 Ausleihen je Rad und Tag; 2 Zustandsänderungen je Ausleihe
Ges.: Anzahl der Anfragen n_\text{Pull} (Entwurf 1) und der Meldungen n_\text{Push} (Entwurf 2) je Tag
n_\text{Pull} = \text{Räder} \cdot \frac{\text{Minuten je Tag}}{\text{Intervall}}
n_\text{Pull} = 12 \cdot \frac{24 \cdot 60\ \text{min}}{2\ \text{min}} = 12 \cdot 720 = \underline{\underline{8.640\ \text{Anfragen}}}
n_\text{Push} = \text{Räder} \cdot \text{Ausleihen} \cdot \text{Änderungen je Ausleihe}
n_\text{Push} = 12 \cdot 3 \cdot 2 = \underline{\underline{72\ \text{Meldungen}}}
Bewertung: 1 Punkt Ansatz Polling, 1 Punkt Ergebnis Polling, 1 Punkt Push. Wer nur eine gemeinsame Anfrage für alle Räder annimmt (720 Anfragen), erhält bei richtiger Rechnung ebenfalls volle Punkte.
ab) Trotz dieser Zahlen hält ein Kollege an Entwurf 1 fest: „Startet das Portal nach einem Update neu, hat es mit Entwurf 1 nach spätestens zwei Minuten wieder den richtigen Stand. Mit Entwurf 2 verpasst es alle Meldungen, die während des Neustarts kommen.“ Ordne beide Entwürfe dem Push- bzw. Pull-Prinzip zu, bewerte das Argument und schlage vor, wie Entwurf 2 diese Schwäche ausgleichen kann. (5 Punkte)
- Zuordnung (2 Punkte): Entwurf 1 ist Pull (Polling): Das Portal fordert den Zustand selbst an. Entwurf 2 ist Push (Webhook): Der Connect-Server meldet von sich aus, sobald sich etwas ändert.
- Bewertung (1 Punkt): Das Argument ist berechtigt. Ein Webhook-Aufruf, der das Portal nicht erreicht, fehlt dem Portal, und es merkt das nicht von selbst. Polling heilt sich dagegen bei jeder Abfrage selbst.
- Ausgleich (2 Punkte), z. B.: Das Portal ruft beim Start einmal den vollständigen Zustand aller Räder ab (ein einzelner Pull) und verarbeitet danach die Webhooks. Zusätzlich wiederholt der Connect-Server Aufrufe, die nicht mit
2xxbestätigt wurden, für eine begrenzte Zeit. Ein seltener Abgleich (z. B. stündlich) fängt verbliebene Lücken auf.
b) Der Akku eines Lastenrades darf beim Laden nicht wärmer als 55 °C werden. Für den Temperatursensor in der Ladestation stehen zwei Konfigurationen zur Auswahl:
- Konfiguration A: Der Sensor misst jede Minute die Akkutemperatur und speichert den Wert. Alle 15 Minuten sendet er alle gespeicherten Werte an den Connect-Server und löscht sie danach.
- Konfiguration B: Der Sensor misst ebenfalls jede Minute, sendet aber nur beim Überschreiten von 55 °C einmal eine Alarmmeldung.
Am Dienstag lädt Rad 9 in der Außenstelle Werther. Der Verlauf:
| Uhrzeit | 14:30 | 14:31 | 14:32 | 14:33 | 14:34 | 14:35 | 14:36 | 14:37 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Akkutemperatur in °C | 51 | 53 | 54 | 56 | 58 | 59 | 59 | 60 |
Von 14:32:30 bis 14:36:30 Uhr ist der Mobilfunk an der Ladestation gestört; Meldungen in dieser Zeit gehen verloren. In Konfiguration A sendet der Sensor jeweils zur vollen Viertelstunde (14:30, 14:45 …).
ba) Ermittle für beide Konfigurationen, wann der Connect-Server von der Überhitzung erfährt, und erläutere jeweils, woran die Verzögerung liegt. (4 Punkte)
Je Konfiguration 2 Punkte (1 Punkt Zeitpunkt, 1 Punkt Erläuterung):
- Konfiguration A: um 14:45 Uhr, also 12 Minuten nach der ersten Überschreitung um 14:33 Uhr. Die Störung spielt hier keine Rolle; die Verzögerung entsteht allein durch das Sendeintervall von 15 Minuten. In dieser Zeit lädt der Akku weiter.
- Konfiguration B: gar nicht. Die einzige Alarmmeldung um 14:33 Uhr fällt in die Störung und geht verloren. Weil die Temperatur über 55 °C bleibt, gibt es keine neue Überschreitung und damit keinen weiteren Alarm.
bb) Schlage eine Konfiguration vor, die beide Probleme aus ba) verhindert und außerdem erkennt, wenn der Sensor selbst ausgefallen ist. Beschreibe sie kurz. (4 Punkte)
Z. B. eine Kombination aus beiden Verfahren:
- Alarm mit Bestätigung (2 Punkte): Bei Überschreitung von 55 °C sendet der Sensor sofort einen Alarm, den der Connect-Server bestätigen muss. Ohne Bestätigung wiederholt er ihn (z. B. jede Minute), solange die Temperatur zu hoch ist. Zusätzlich bricht die Ladestation das Laden selbst ab, ohne auf den Server zu warten.
- Lebenszeichen (2 Punkte): Der Sensor meldet regelmäßig (z. B. alle 5 Minuten) die aktuelle Temperatur. Bleibt diese Meldung aus, kennzeichnet der Connect-Server den Sensor als gestört und lässt das Laden vorsorglich stoppen bzw. alarmiert die Bereitschaft.
Andere sinnvolle Kombinationen (z. B. Vorwarnung ab 50 °C, Werte erst nach bestätigter Übertragung löschen) sind ebenfalls richtig.
c) Die Ladestationen leiten die Meldungen der Schlösser asynchron weiter: Jede Meldung wird sofort abgeschickt, ohne auf eine Antwort des Connect-Servers zu warten. In der Außenstelle Werther wollte am Morgen ein Beschäftigter an Rad 4 nur das Ladekabel umstecken und hat das Schloss kurz geöffnet und wieder geschlossen. Das Protokoll von Ladestation und Connect-Server zeigt:
07:58:10.204 Ladestation Werther sendet seq=2381 rad=4 zustand=geoeffnet
07:58:31.118 Ladestation Werther sendet seq=2382 rad=4 zustand=geschlossen
07:58:31.402 Connect-Server empfängt seq=2382 rad=4 -> Zustand Rad 4: geschlossen
07:58:44.950 Connect-Server empfängt seq=2381 rad=4 -> Zustand Rad 4: geoeffnet
Seitdem zeigt das Portal Rad 4 als „ausgeliehen ohne Buchung“ an, und es ist nicht buchbar.
ca) Werte das Protokoll aus: Bestimme, wie lange jede der beiden Meldungen unterwegs war, und erläutere, warum am Ende der falsche Zustand gespeichert ist. (3 Punkte)
- Laufzeiten (1 Punkt): Meldung 2381: 07:58:44,950 − 07:58:10,204 = 34,746 s. Meldung 2382: 07:58:31,402 − 07:58:31,118 = 0,284 s.
- Erläuterung (2 Punkte): Die Ladestation sendet asynchron, ohne auf eine Bestätigung zu warten. Meldung 2381 war über 34 Sekunden unterwegs (z. B. Funkloch, Wiederholung nach Timeout) und wurde von der später gesendeten Meldung 2382 überholt. Der Server übernimmt einfach die zuletzt eingetroffene Meldung als aktuellen Zustand, ohne die Sequenznummer zu beachten.
cb) Aus dem Entwicklungsteam kommt der Vorschlag: „Der Server soll die Meldungen eines Rades nach dem Zeitpunkt ihres Eintreffens sortieren.“ Beurteile den Vorschlag und formuliere eine Regel, die mit den Angaben im Protokoll den richtigen Zustand sicherstellt. (3 Punkte)
- Beurteilung (1 Punkt): Der Vorschlag hilft nicht. Nach dem Eintreffen geordnet, liegt 2381 nach 2382; genau das ist schon jetzt der Fehler.
- Regel (2 Punkte): Der Server speichert je Schloss die höchste bereits verarbeitete Sequenznummer. Er übernimmt eine Meldung nur, wenn ihre Sequenznummer höher ist; ältere Meldungen protokolliert er, ändert den Zustand aber nicht. Meldung 2381 wäre dann verworfen worden, weil 2382 schon verarbeitet war.
Auch ein Zeitstempel, den das Schloss beim Erzeugen setzt (bei synchronisierten Uhren), ist als Regel richtig.
cc) Damit keine Meldung verloren geht, bestätigt der Connect-Server künftig jede Meldung; bleibt die Bestätigung aus, sendet die Ladestation die Meldung nach 10 Sekunden erneut. Beschreibe ein neues Problem, das dadurch entstehen kann, und wie der Connect-Server damit umgehen sollte. (3 Punkte)
- Problem (1,5 Punkte): Geht nicht die Meldung, sondern nur die Bestätigung verloren, sendet die Ladestation dieselbe Meldung ein zweites Mal – sie kommt doppelt an (Zustellgarantie „mindestens einmal“). Ohne Vorkehrung würde z. B. eine Rückgabe doppelt gezählt oder eine Störung zweimal gemeldet.
- Umgang (1,5 Punkte): Der Server arbeitet idempotent: Er erkennt die Wiederholung an der eindeutigen Kennung (Schloss plus Sequenznummer), bestätigt sie erneut, verarbeitet sie aber kein zweites Mal.
Aufgabe 3.2: Ein Rahmen nach Maß – vom Onlineshop bis zur Biegemaschine (Profilkompetenz)
(ca. 28 min Bearbeitungszeit)
Rahmen nach Maß bestellt die CSB-Rad GmbH beim Fertigungspartner Rahmenwerk OWL GmbH in Gütersloh. Dort plant das Fertigungssystem mes01 die Aufträge auf die drei Rohrbiegemaschinen der Halle 2, die Schweißzellen und die Pulverbeschichtung ein. Projektleiter Ole Petersen und Cem Sarıkaya wollen die Schnittstellen zwischen beiden Unternehmen neu ordnen. Du unterstützt beide.
a) Die Radhaus Bielefeld-Süd GmbH, ein Fachhändler, bestellt über das Händlerportal (B2B) einen Rahmen nach Maß. Beteiligt sind außerdem: der OPC-UA-Server der Maschinensteuerung (SPS), die Warenwirtschaft (ERP) der CSB-Rad GmbH, die Rohrbiegemaschine 2 in Halle 2 und das MES mes01. Bringe die Systeme in die Reihenfolge, in der der Auftrag sie durchläuft, und beschreibe für jeden Übergang, welche Information weitergegeben wird. (6 Punkte)
Reihenfolge (2 Punkte): Händlerportal → Warenwirtschaft (ERP) → MES mes01 → OPC-UA-Server der SPS → Rohrbiegemaschine 2
Übergänge (je 1 Punkt), z. B.:
- Händlerportal → ERP: die Bestellung mit Kundennummer des Händlers, Rahmenmaßen, Farbe und Menge;
- ERP → MES: der Fertigungsauftrag mit Auftragsnummer, Maßen und gewünschtem Termin;
- MES → OPC-UA-Server: die Parameter des eingeplanten Arbeitsgangs (z. B. Rohrlängen und Biegewinkel) für die Maschine;
- OPC-UA-Server/SPS → Rohrbiegemaschine: Steuerbefehle an die Antriebe; zurück fließen Ist-Werte wie der aktuelle Biegewinkel.
b) Für die Übergabe der Fertigungsaufträge an mes01 bietet die Rahmenwerk OWL zwei Schnittstellen an:
- synchron:
POST /api/v2/fertigungsauftraege– Antwort201 Createdmit Auftragsnummer und verbindlichem Fertigstellungstermin; - job-orientiert:
POST /api/v2/jobs– Antwort202 Acceptedmit einer Job-ID; das MES arbeitet die Jobs der Reihe nach ab und meldet das Ergebnis später per Webhook.
mes01 ist über das Internet erreichbar und hat jede Nacht von 01:00 bis 03:00 Uhr ein Wartungsfenster.
ba) Die Fachhändler senden ihre Sammelbestellungen (bis zu 400 Positionen) jede Nacht gegen 01:30 Uhr. Wäge ab, welche der beiden Schnittstellen sich dafür eignet. Berücksichtige dabei das Wartungsfenster und die Zahl der Positionen. (3 Punkte)
Geeignet ist die job-orientierte Schnittstelle (1 Punkt). Begründung (2 Punkte): Um 01:30 Uhr ist mes01 in Wartung; ein synchroner Aufruf würde scheitern und müsste von jedem Händlerportal selbst wiederholt werden, während ein Job angenommen wird und nach der Wartung abgearbeitet werden kann (vorausgesetzt, die Annahme der Jobs läuft während der Wartung weiter oder die Übertragung wird auf nach 03:00 Uhr gelegt). Außerdem lassen sich 400 Positionen in einem Job bündeln, statt 400 Aufrufe einzeln auf ihre Antwort warten zu lassen. Dass das Ergebnis erst später kommt, stört nachts nicht.
bb) Geschäftsführerin Sophie Bertram möchte, dass Kund*innen den Fertigstellungstermin ihres Rahmens bereits beim Bestellen sehen. Begründe, welche der beiden Schnittstellen Du für den Bestellvorgang im Onlineshop verwendest, und beschreibe, wie der Shop sich während des Wartungsfensters verhalten soll. (4 Punkte)
- Auswahl und Begründung (2 Punkte): synchrone Schnittstelle, weil der Termin noch im laufenden Bestellvorgang gebraucht wird und nur die synchrone Antwort ihn sofort liefert; bei einer einzelnen Bestellung fällt die Wartezeit auf die Antwort kaum ins Gewicht.
- Verhalten im Wartungsfenster (2 Punkte), z. B.: Der Shop erkennt den Fehler (Timeout bzw. 503) und blockiert die Bestellung nicht, sondern zeigt die übliche Lieferzeit von 6–8 Wochen an und vermerkt „Termin folgt per E-Mail“. Die Bestellung kommt in eine eigene Warteschlange und wird nach 03:00 Uhr übertragen (z. B. über die job-orientierte Schnittstelle); der verbindliche Termin wird nachgereicht.
Eine begründete Entscheidung für die job-orientierte Schnittstelle mit sofort angezeigter Standardlieferzeit wird ebenfalls anerkannt, wenn der Konflikt mit Sophies Wunsch benannt wird.
c) Ole Petersen legt Dir zwei Vorfälle aus der letzten Woche vor:
- Im MES liegen zu Bestellung 2027-0412, Position 1, zwei Fertigungsaufträge. Im Protokoll des Onlineshops steht:
10:14:05 POST /api/v2/fertigungsauftraege -> Timeout nach 30 sund10:14:36 POST /api/v2/fertigungsauftraege -> 201 Created. - Drei Bestellungen, die zwischen 01:10 und 01:40 Uhr im Onlineshop eingingen, fehlen im MES. Der Shop zeigt sie als „an Fertigung übertragen“ an; in seinem Protokoll stehen zu diesen Aufrufen die Antworten
503 Service Unavailable.
Ermittle für beide Vorfälle die Ursache und schlage je eine Maßnahme vor, die den Fehler künftig verhindert. (6 Punkte)
Je Vorfall 1 Punkt Ursache, 2 Punkte Maßnahme, z. B.:
- Vorfall 1: Der erste Aufruf ist im MES angekommen und wurde verarbeitet, nur die Antwort kam nicht rechtzeitig zurück. Der Shop hat nach dem Timeout erneut gesendet, und das MES hat einen zweiten Auftrag angelegt. Maßnahme: Der Shop sendet einen eindeutigen Idempotenzschlüssel mit (z. B. Bestellnummer plus Position). Das MES erkennt eine Wiederholung daran, legt keinen zweiten Auftrag an und liefert die Antwort des ersten Aufrufs.
- Vorfall 2: Die Bestellungen fielen in das Wartungsfenster. Der Shop setzt den Status, ohne die Antwort auszuwerten;
503bedeutet aber, dass nichts übernommen wurde. Maßnahme: Den Status „übertragen“ erst nach einer Erfolgsantwort (201) setzen; fehlgeschlagene Aufrufe in eine Warteschlange legen und nach 03:00 Uhr automatisch wiederholen, bei dauerhaftem Fehler das Team benachrichtigen.
Das Sequenzdiagramm stellt Vorfall 1 und die Maßnahme gegenüber:
d) Das MES soll der Warenwirtschaft den Fortschritt jedes Auftrags melden (gebogen, geschweißt, beschichtet, versandbereit). Ole Petersen schlägt vor, die Meldungen asynchron an einen Message Broker zu schicken, den die Warenwirtschaft abonniert, statt die Warenwirtschaft bei jeder Meldung synchron aufzurufen. Erläutere zwei Vorteile dieses Vorschlags. (4 Punkte)
Je Vorteil 2 Punkte, z. B.:
- Entkopplung bei Ausfall: Ist die Warenwirtschaft gerade nicht erreichbar (Wartung, Netzstörung), speichert der Broker die Meldungen und stellt sie später zu. Bei einem synchronen Aufruf müsste das MES selbst puffern und wiederholen.
- Keine Wartezeit im MES: Das MES schickt die Meldung ab und arbeitet sofort weiter; die Fertigung wird nicht durch Antwortzeiten der Warenwirtschaft gebremst.
- Weitere Empfänger ohne Umbau: Auch der Kundenservice, ein Dashboard oder die Versandabteilung können die Meldungen abonnieren, ohne dass das MES geändert werden muss.
Hinweis: Damit die Reihenfolge der Meldungen eines Auftrags erhalten bleibt, sollten sie eine Sequenznummer tragen oder im Broker in einer gemeinsamen, geordneten Warteschlange je Auftrag laufen.
e) Das MES liest den aktuellen Biegewinkel der Rohrbiegemaschine bisher alle 100 Millisekunden über einen Lesezugriff vom OPC-UA-Server. Ole Petersen will auf ein Abonnement (Subscription) umstellen: Das MES meldet einmal an, welche Werte es braucht, und der Server liefert nur dann einen neuen Wert, wenn sich der Biegewinkel um mehr als 0,1° geändert hat. Ordne beide Verfahren dem Push- bzw. Pull-Prinzip zu und begründe, welches Verfahren das Netz weniger belastet. (3 Punkte)
- Regelmäßiges Lesen alle 100 ms: Pull (Polling), weil das MES jeden Wert anfordert (1 Punkt).
- Abonnement: Push bzw. ereignisgesteuert, weil der Server Änderungen von sich aus meldet (1 Punkt). (Technisch holt der OPC-UA-Client die Benachrichtigungen über vorab gestellte Publish-Anfragen ab, ähnlich wie beim Long Polling; fachlich bestimmt aber der Server, wann gemeldet wird.)
- Begründung (1 Punkt): Das Abonnement belastet das Netz weniger, weil nur bei einer Änderung über der Schwelle (0,1°) übertragen wird; steht die Maschine still, entsteht fast kein Verkehr, während beim Polling immer zehn Anfragen pro Sekunde laufen.
f) In Halle 2 sind mes01, der OPC-UA-Server und die Rohrbiegemaschinen über Switches angebunden. Das Überwachungsprogramm der IT der Rahmenwerk OWL fragt die Switches per SNMP alle fünf Minuten nach dem Zustand ihrer Ports ab. Fällt ein Uplink-Port aus, erreichen die Biegeparameter die Maschinen nicht mehr; Ole Petersen möchte innerhalb einer Minute davon erfahren. Beurteile, ob diese regelmäßige Abfrage ausreicht, und beschreibe, wie SNMP-Traps helfen und welche Schwäche sie haben. (5 Punkte)
- Beurteilung (2 Punkte): reicht nicht. Die regelmäßige Abfrage ist Pull (Polling): Bei einem Abstand von fünf Minuten kann ein Ausfall bis zu fünf Minuten unbemerkt bleiben. Ein Abfrageintervall von unter einer Minute für alle Switches würde Netz und Überwachungsserver unnötig belasten.
- Traps (2 Punkte): Ein Trap ist Push: Der Switch (Agent) meldet ein Ereignis wie „Link down“ sofort von sich aus an das Überwachungsprogramm (Manager, UDP-Port 162). Die Meldung kommt ohne Abfrage innerhalb von Sekunden an.
- Schwäche (1 Punkt): Traps werden per UDP ohne Bestätigung gesendet und können verloren gehen; fällt der Switch ganz aus, sendet er gar nichts mehr. Deshalb kombiniert man Traps mit einer seltener laufenden Abfrage (bzw. nutzt bestätigte Informs ab SNMPv2c) – wie beim Alarm mit Lebenszeichen in Aufgabe 3.1 bb.
Links und weitere Informationen
Artikel zum Thema: Schnittstellen und Übertragungsverfahren: Push und Pull, synchron und asynchron
Voraussetzung: REST-API und HTTP
weiterführend: MQTT: Publish/Subscribe, Topics, Wildcards und QoS, Industrielle Kommunikation
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Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Übungsaufgaben zu Schnittstellen und Übertragungsverfahren” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/schnittstellen-uebertragungsverfahren-uebungsaufgaben veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/software-entwurf/web-schnittstellen. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 29.10.2026.
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