Softwarelizenzen und Lizenzmodelle: Was darfst Du mit Software tun – und wofür bezahlst Du?

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Softwarelizenz, Lizenzmodell, Open Source, Copyleft, Freeware, Shareware, Named User, Concurrent User, Client Access License, Abonnement, Lizenzmanagement, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (ca. 24 min Lesezeit): Wer Software kauft, erwirbt kein Programm, sondern ein Recht, es zu nutzen. Dieser Artikel erklärt, was eine Softwarelizenz ist, wie sich proprietäre Software, Freeware, Shareware und Open Source unterscheiden und was Copyleft bedeutet. Danach geht es um Lizenzmodelle: Einzelplatz, Named User und Concurrent User, Server- und Zugriffslizenzen (User-CAL und Device-CAL), Kauf oder Abonnement – jeweils mit Rechenbeispielen, wie Du das kostengünstigste Modell findest. Zum Schluss: Lizenzen aus Sicht des Anbieters kalkulieren und den Überblick über alle Lizenzen behalten [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)

Dieser Artikel ist Teil einer Artikelreihe zu kaufmännischen Grundlagen für IT-Berufe: Der Kaufvertrag / Softwarelizenzen und Lizenzmodelle / Übungsaufgaben zu Softwarelizenzen und Lizenzmodellen

Schon fit in diesem Thema? Nutze die Kann-Liste und die Leitfragen unter dem Artikel als Checkliste, ob Du die relevanten Kompetenzen bereits hast.

Als Grundlagen kann ich nach Durchlesen des Artikels…

  • … erklären, dass eine Softwarelizenz ein Nutzungsrecht ist, und typische Inhalte einer Lizenzvereinbarung nennen.

  • … begründen, warum eine Lizenz ein immaterielles Betriebsmittel ist.

  • … proprietäre Software, Freeware, Shareware bzw. Testversion, Open-Source-Software und gemeinfreie Software unterscheiden und Lizenzbedingungen der passenden Lizenzart zuordnen.

  • … Merkmale von Open-Source-Software bestimmen und typische Irrtümer (immer kostenlos, nicht kommerziell nutzbar) richtigstellen.

  • … je zwei Vorteile von Open-Source-Software und von proprietärer Software nennen.

Darüber hinaus kann ich als Kernwissen für alle Fachrichtungen…

  • … Copyleft erläutern, freizügige und Copyleft-Lizenzen unterscheiden und die Folgen für eine eigene Software abschätzen.

  • … Lizenzmetriken (Einzelplatz, Named User, Concurrent User, Volumen- und Standortlizenz, Lizenz je Prozessorkern, OEM, nutzungsbasiert) beschreiben und je einen Vorteil nennen.

  • … Server- und Zugriffslizenzen unterscheiden, auch anhand eines englischen Lizenztextes erläutern, wann User-CALs und wann Device-CALs günstiger sind, und die kostengünstigste Lizenzierung berechnen.

  • … die Kosten von Named-User- und Concurrent-User-Lizenzen vergleichen.

  • … Vorteile und Nachteile eines Abo-Lizenzmodells gegenüber dem Kauf aus Sicht von Kund*innen und Anbieter beschreiben und den Zeitpunkt berechnen, ab dem sich ein Kauf lohnt.

  • … aus Sicht eines Anbieters ermitteln, wie viele Lizenzen bzw. Monate nötig sind, bis die Entwicklungskosten gedeckt sind.

  • … Aufgaben des Lizenzmanagements und Folgen von Unterlizenzierung nennen und erklären, wann gebrauchte Lizenzen weiterverkauft werden dürfen.

Die Mindmap zeigt, worum es in diesem Artikel geht: was eine Lizenz ist, welche Lizenzarten und Lizenzmetriken es gibt, wie Kauf und Abonnement sich unterscheiden, wie Anbieter ihre Lizenzen kalkulieren und wie Unternehmen den Überblick behalten.

Mindmap Softwarelizenzen: Lizenzbegriff, Lizenzart, Lizenzmetrik, Bezugsmodell, Anbietersicht und Lizenzmanagement im Überblick (mit KI erstellt)

Was eine Softwarelizenz ist

Software ist in Deutschland als Computerprogramm urheberrechtlich geschützt (§§ 69a ff. Urheberrechtsgesetz, UrhG). Das Urheberrecht bleibt immer bei den Urheber*innen bzw. beim Hersteller. Wer Software „kauft“, erwirbt deshalb nicht das Programm selbst, sondern eine Lizenz: das vertraglich eingeräumte Recht, die Software in einem bestimmten Umfang zu nutzen. Der Hersteller heißt Lizenzgeber (licensor), wer die Software nutzt, Lizenznehmer (licensee).

Was genau erlaubt ist, steht in den Lizenzbedingungen, bei Standardsoftware meist im Endbenutzer-Lizenzvertrag (End User License Agreement, EULA), den Du bei der Installation akzeptierst. Typische Inhalte:

  • Umfang der Nutzung: wie viele Geräte, Personen oder Prozessorkerne, gewerblich oder nur privat, in welchem Land,

  • Laufzeit: unbefristet (Dauerlizenz) oder befristet (Abonnement, Testzeitraum),

  • Weitergabe und Veränderung: ob Du die Software kopieren, verändern, weitergeben oder verkaufen darfst,

  • Updates, Support und Gewährleistung: was im Preis enthalten ist und wofür der Hersteller haftet,

  • Kontrolle: Aktivierung, Nachweispflichten und das Recht des Herstellers, die Lizenzierung zu prüfen (Audit).

Für ein Unternehmen ist eine gekaufte Lizenz ein immaterielles Betriebsmittel: Sie wird wie ein Computer zur Leistungserstellung eingesetzt, ist aber nicht greifbar. In der Bilanz steht eine Dauerlizenz deshalb als immaterieller Vermögensgegenstand im Anlagevermögen und wird über die Nutzungsdauer abgeschrieben (mehr dazu im Artikel Bilanz, GuV, Abschreibung und Kennzahlen). Abonnements sind dagegen laufender Aufwand.

Lizenzarten: Wer darf was?

Nach den Rechten, die eine Lizenz einräumt, und nach ihren Kosten lassen sich fünf Lizenzarten unterscheiden:

Lizenzarten im Vergleich
Lizenzart Kosten Quelltext Weitergabe und Veränderung Beispiele
proprietäre (kommerzielle) Software meist kostenpflichtig nicht offen Nutzung nur nach Lizenzvertrag; Kopieren, Verändern und Weitergeben verboten (eine Sicherungskopie ist nach § 69d UrhG erlaubt) Office-Pakete, Betriebssysteme, Branchenlösungen
Freeware kostenlos in der Regel nicht offen kostenlose Nutzung, oft unbefristet; Verändern verboten, Weitergabe nur, wenn erlaubt; gewerbliche Nutzung manchmal ausgeschlossen kostenlose PDF-Betrachter, Treiber-Tools
Shareware / Testversion zunächst kostenlos, danach kostenpflichtig nicht offen Testen für einen begrenzten Zeitraum oder mit eingeschränktem Funktionsumfang; unveränderte Weitergabe oft erlaubt; danach Registrierung und Bezahlung 30-Tage-Testversionen, „Lite“-Versionen
Open-Source-Software meist kostenlos, Verkauf aber erlaubt offen Nutzen, Untersuchen, Verändern und Weitergeben ausdrücklich erlaubt, auch gewerblich – unter den Bedingungen der jeweiligen Lizenz Linux, LibreOffice, Firefox, MariaDB
gemeinfreie Software (Public Domain) kostenlos meist offen keine Bedingungen; in Deutschland kann man auf das Urheberrecht nicht verzichten, daher nutzt man Lizenzen wie CC0, die alle Rechte einräumen Software unter CC0 oder Unlicense

Merke: Kostenlos heißt nicht Open Source. Freeware ist zwar kostenlos, ihr Quelltext ist aber nicht offen, und verändern darfst Du sie nicht. Umgekehrt darf Open-Source-Software verkauft werden – viele Firmen verdienen Geld mit Open Source, etwa über Support, Hosting oder Zusatzfunktionen.

Wenn Du Lizenzbedingungen einer Lizenzart zuordnen sollst, achte auf vier Signale:

  • Ist von einem Testzeitraum oder einer späteren Registrierung gegen Gebühr die Rede? → Shareware bzw. Testversion.

  • Ist die Nutzung dauerhaft kostenlos, aber Verändern und Verkaufen verboten? → Freeware.

  • Darf der Quelltext verändert und weitergegeben werden? → Open Source.

  • Wird die Software gegen eine Lizenzgebühr überlassen und muss vor dem Zugriff Dritter geschützt werden? → proprietäre Software.

Open Source genauer betrachtet

Welche Lizenzen als Open Source gelten, legt die Open Source Initiative (OSI) in der Open Source Definition fest. Die wichtigsten Kriterien: Der Quelltext ist verfügbar, die Software darf frei weitergegeben werden (auch gegen Geld), Veränderungen und abgeleitete Werke sind erlaubt, und niemand darf wegen Person, Gruppe oder Einsatzbereich ausgeschlossen werden. Eine Lizenz „nur für nichtkommerzielle Zwecke“ ist deshalb nicht Open Source.

Typische Irrtümer, die Du richtigstellen können solltest:

Typische Irrtümer über Open Source
Irrtum Richtig ist …
„Open Source ist immer kostenlos.“ Meist ja, aber Verkauf und kostenpflichtiger Support sind ausdrücklich erlaubt.
„Open Source darf nicht kommerziell genutzt werden.“ Die gewerbliche Nutzung ist erlaubt; Unternehmen und Behörden setzen Open Source in großem Umfang ein.
„Open Source kann man nicht verändern.“ Gerade das Verändern ist erlaubt – dafür ist der Quelltext offen.
„Open-Source-Programme muss man vor der Installation selbst kompilieren.“ Die meisten Projekte liefern fertig übersetzte Installationspakete mit; der Quelltext ist zusätzlich verfügbar.
„Open Source wird nur von Freiwilligen entwickelt.“ Viele große Projekte werden von Firmen entwickelt oder finanziert.
„Open Source heißt: keine Bedingungen.“ Auch Open-Source-Lizenzen haben Pflichten, z. B. Lizenztext mitliefern oder Copyleft.

Open-Source-Lizenzen unterscheiden sich vor allem darin, was mit veränderten Fassungen passieren muss:

Typen von Open-Source-Lizenzen
Lizenztyp Kernregel Beispiele
freizügig (permissive) Nutzen, ändern und auch in geschlossener, verkaufter Software weitergeben; nur Lizenztext und Urheberhinweis müssen erhalten bleiben. MIT, BSD, Apache 2.0
schwaches Copyleft Änderungen an der Komponente selbst müssen wieder offen unter derselben Lizenz weitergegeben werden; das Programm, das sie nur nutzt, darf proprietär bleiben. LGPL, MPL 2.0
starkes Copyleft Wer ein abgeleitetes Werk weitergibt, muss es vollständig unter derselben Lizenz mit Quelltext weitergeben. GPL-2.0, GPL-3.0
Netzwerk-Copyleft wie starkes Copyleft, gilt aber schon, wenn die Software nur über ein Netzwerk genutzt wird (Webanwendung, SaaS). AGPL-3.0

Copyleft (ein Wortspiel mit Copyright) nutzt das Urheberrecht, um die Freiheiten einer Software an jede weitergegebene veränderte Fassung zu vererben: Wer sie weitergibt, muss den Quelltext unter derselben Lizenz mitgeben. Niemand kann ein Copyleft-Programm verbessern und die verbesserte Fassung dann als geschlossene, proprietäre Software verkaufen. Für Unternehmen heißt das: Wer eine GPL-Komponente in ein Produkt einbaut, das als geschlossene Software verkauft werden soll, bekommt ein Problem; bei einer AGPL-Komponente reicht dafür schon der Betrieb als Webanwendung. Mit freizügigen Lizenzen gibt es diese Pflicht nicht. Wie Du Lizenzpflichten in eigenen Softwareprojekten prüfst, zeigt der Artikel Werkzeuge der Softwareentwicklung.

Die Grafik fasst zusammen, was bei den vier Lizenztypen offengelegt werden muss, wenn Du eine geänderte Komponente in ein eigenes Programm einbindest, und was die Pflicht auslöst:

Wirkung freizügiger Lizenzen, schwachen, starken und Netzwerk-Copylefts auf geänderte Komponente und eigenes Programm (mit KI erstellt)

Open Source oder proprietär?

Ob ein Open-Source-Produkt oder eine proprietäre Software besser passt, hängt vom Einsatz ab. Die typischen Argumente:

Open-Source-Software und proprietäre Software im Vergleich
Vorteile Nachteile
Open-Source-Software meist keine Lizenzkosten; Quelltext kann von allen geprüft werden (Sicherheit, keine versteckten Funktionen); an eigene Bedürfnisse anpassbar und als Basis für eigene Entwicklungen nutzbar; keine Abhängigkeit von einem Hersteller (Vendor-Lock-in), offene Standards und Formate; große Gemeinschaft findet Fehler oft schnell kein garantierter Support (nur, wenn eingekauft); Weiterentwicklung hängt teils an wenigen Personen; Lizenzpflichten (Copyleft, Hinweispflichten) müssen geprüft werden; manchmal geringerer Funktionsumfang oder weniger Schulungsangebote
proprietäre Software vertraglich zugesicherter Support, Updates und Gewährleistung; ein Hersteller ist verantwortlich; oft gute Zusammenarbeit mit anderer Software desselben Herstellers; häufig größerer Funktionsumfang und bekannte Bedienung; Planungssicherheit durch kommerziellen Hersteller Lizenzkosten; Quelltext nicht prüfbar; keine eigenen Anpassungen; Abhängigkeit vom Hersteller (Preise, Produktende, Formate)

Wenn Du Vorteile aus Sicht der Kundschaft nennen sollst, formuliere sie aus deren Blickwinkel: nicht „der Quelltext ist offen“, sondern „das Unternehmen kann die Software von eigenen Fachleuten an seine Abläufe anpassen lassen“.

Lizenzmetriken: Wofür wird bezahlt?

Neben der Lizenzart entscheidet die Lizenzmetrik, wie viele Lizenzen Du brauchst: Was wird gezählt – Geräte, Personen, gleichzeitige Zugriffe, Prozessorkerne oder die tatsächliche Nutzung?

Lizenzmetriken im Überblick
Lizenzmodell gezählt wird … Vorteil typischer Einsatz
Einzelplatz- bzw. Gerätelizenz jedes Gerät, auf dem die Software installiert ist einfach zu zählen Software auf einem festen Arbeitsplatz-PC
Named User (benannte Nutzer*innen) jede namentlich festgelegte Person, egal auf wie vielen Geräten Person darf auf allen ihren Geräten arbeiten, immer verfügbar Menschen, die die Software täglich und auf mehreren Geräten nutzen
Concurrent User / Floating (gleichzeitige Zugriffe) die höchste Zahl gleichzeitiger Nutzungen; ein Lizenzserver vergibt freie Lizenzen weniger Lizenzen nötig, wenn viele Menschen die Software nur gelegentlich nutzen teure Spezialsoftware (CAD, Statistik) für einen großen Kreis gelegentlicher Nutzer*innen
Volumen- bzw. Mehrplatzlizenz eine vereinbarte Anzahl von Plätzen in einem Vertrag Mengenrabatt, ein Lizenzschlüssel, zentrale Verwaltung Unternehmen mit vielen gleichen Arbeitsplätzen
Standort- bzw. Unternehmenslizenz (Site License) ein Standort oder das ganze Unternehmen, unabhängig von der Anzahl kein Zählen nötig, unbegrenzte Installationen Schulen, Hochschulen, große Firmen
Lizenz je Prozessorkern die Prozessorkerne des Servers (meist mit Mindestanzahl) unabhängig von der Zahl der Zugriffe aus dem Internet Server- und Datenbanksoftware
OEM-Lizenz ein bestimmtes, mitgeliefertes Gerät günstig, vorinstalliert Betriebssystem auf einem neuen PC; nicht auf ein anderes Gerät übertragbar
nutzungsbasiert (Pay per Use) Transaktionen, Rechenzeit, Speicher, Aufrufe Kosten wachsen mit dem tatsächlichen Bedarf Cloud-Dienste, Programmierschnittstellen

Named User oder Concurrent User?

Bei der Named User License (NUL) gehört jede Lizenz einer bestimmten Person. Sie darf die Software jederzeit nutzen, auch auf mehreren Geräten; andere Personen dürfen ihre Lizenz aber nicht mitbenutzen. Bei der Concurrent User License (auch Concurrent Access License oder Floating License) wird nur gezählt, wie viele Personen gleichzeitig arbeiten. Ein Lizenzserver gibt eine Lizenz frei, sobald jemand die Software schließt. Ist das Kontingent erschöpft, muss die nächste Person warten.

Concurrent-Lizenzen kosten pro Stück deutlich mehr, lohnen sich aber, wenn viele Menschen die Software nur selten nutzen. Ein Beispiel:

Eine Konfigurationssoftware wird von 12 Mitarbeitenden gelegentlich genutzt, höchstens 4 arbeiten gleichzeitig damit. Eine Named-User-Lizenz kostet 320 € pro Jahr, eine Concurrent-Lizenz 850 € pro Jahr.

Geg.: n_{\text{Personen}} = 12, n_{\text{gleichzeitig}} = 4, p_{\text{NUL}} = 320\,\text{€}, p_{\text{CU}} = 850\,\text{€} (je Jahr)

Ges.: Jahreskosten K_{\text{NUL}} und K_{\text{CU}}

K_{\text{NUL}} = n_{\text{Personen}} \cdot p_{\text{NUL}} = 12 \cdot 320\,\text{€} = \underline{\underline{3.840\,\text{€}}}

K_{\text{CU}} = n_{\text{gleichzeitig}} \cdot p_{\text{CU}} = 4 \cdot 850\,\text{€} = \underline{\underline{3.400\,\text{€}}}

Die Concurrent-Lizenzen sind hier 440 € pro Jahr günstiger. Das Ergebnis kippt aber, wenn künftig 5 Personen gleichzeitig arbeiten wollen (dann 4.250 €). Prüfe deshalb vor der Entscheidung, wie viele gleichzeitige Zugriffe es in Spitzenzeiten wirklich gibt – zum Beispiel über die Protokolle des Lizenzservers.

Im Diagramm siehst Du, wie die Kosten der Concurrent-Lizenzen mit jedem zusätzlichen gleichzeitigen Zugriff steigen, während die Named-User-Lizenzen für die zwölf Personen gleich bleiben:

Balkendiagramm: Jahreskosten der Concurrent-User-Lizenzen für 1 bis 8 gleichzeitige Zugriffe im Vergleich zu 3.840 € für 12 Named-User-Lizenzen (mit KI erstellt)

Server- und Zugriffslizenzen: User-CAL und Device-CAL

Bei vielen Serverprodukten reicht die Lizenz für den Server allein nicht aus. Lizenziert werden zwei Dinge:

  1. der Server selbst – heute meist je Prozessorkern mit einer Mindestanzahl je Prozessor und Server,

  2. jeder Zugriff auf die Dienste des Servers (Dateiablage, Drucken, Anmeldung am Verzeichnisdienst, Remotedesktop …) mit einer Client-Zugriffslizenz (Client Access License, CAL).

CALs gibt es in zwei Varianten, die sich auch mischen lassen:

User-CAL und Device-CAL
User-CAL (Nutzer-CAL) Device-CAL (Geräte-CAL)
lizenziert wird … eine Person ein Gerät
erlaubt … dieser Person den Zugriff von beliebig vielen Geräten beliebig vielen Personen den Zugriff von diesem einen Gerät
günstiger, wenn … jede Person mehrere Geräte nutzt (PC, Notebook, Smartphone, Tablet) oder es mehr Geräte als Personen gibt; auch für Zugriffe von unterwegs sich mehrere Personen ein Gerät teilen, z. B. im Schichtbetrieb, an Terminals, in Werkstatt, Lager oder Schulungsraum, also mehr Personen als Geräte

Ein Beispiel: Ein Betrieb hat 10 Beschäftigte im Büro mit je einem Notebook und einem Smartphone und 12 Beschäftigte im Dreischichtbetrieb, die sich 4 Terminals teilen. Mit nur User-CALs bräuchte er 22 Lizenzen, mit nur Device-CALs 24. Am günstigsten ist die Mischung: 10 User-CALs für das Büro und 4 Device-CALs für die Terminals, zusammen 14 Lizenzen. Achte auch darauf, dass CALs zur Version des Servers passen müssen: Eine CAL berechtigt in der Regel zum Zugriff auf Server ihrer eigenen und älterer Versionen, nicht aber auf neuere.

Lizenzbedingungen und Produktbeschreibungen liegen häufig nur auf Englisch vor. Diese Begriffe helfen Dir beim Lesen (allgemeine Strategien zeigt der Artikel Englischsprachige Fachtexte und Datenblätter auswerten):

Englische Begriffe aus Lizenzbedingungen
Englisch Deutsch
licensor / licensee Lizenzgeber / Lizenznehmer
perpetual license unbefristete Dauerlizenz
subscription Abonnement
seat Arbeitsplatz bzw. lizenzierte Person
core license Lizenz für einen Prozessorkern
to assign / to reassign zuweisen / neu zuweisen (z. B. eine CAL einer anderen Person)
permanently / temporarily dauerhaft / vorübergehend
earlier version ältere Version
renewal Verlängerung
entitlement Anspruch, Nutzungsberechtigung
to terminate kündigen, beenden

Kaufen oder abonnieren?

Früher wurde Software fast immer gekauft: Mit einer Dauerlizenz (perpetual license) darfst Du eine bestimmte Version unbefristet nutzen. Neue Hauptversionen kosten extra, Wartung und Support gibt es oft nur über einen zusätzlichen Wartungsvertrag. Heute bieten viele Hersteller Software (fast) nur noch im Abonnement (Subscription) an: Du zahlst monatlich oder jährlich und darfst die Software so lange nutzen, wie Du zahlst – meist immer in der neuesten Version. Läuft die Software beim Anbieter in der Cloud, spricht man von Software as a Service (SaaS; siehe Cloud und Betriebsmodelle).

Abonnement im Vergleich zum Kauf
Vorteile Nachteile
aus Sicht der Kund*innen keine hohen Anschaffungskosten, Liquidität wird geschont; Ausgaben sind gut planbar und laufender Aufwand; Updates, neue Funktionen und meist Support sind enthalten, die Software ist immer aktuell; flexibel: Lizenzen lassen sich kurzfristig erhöhen oder kündigen auf lange Sicht oft teurer; ohne Zahlung keine Nutzung mehr (bei SaaS ggf. auch kein Zugriff auf die eigenen Daten); Preiserhöhungen des Anbieters; Abhängigkeit vom Anbieter
aus Sicht des Anbieters regelmäßige, planbare Einnahmen; stärkere Kundenbindung; weniger Raubkopien, weil die Lizenz regelmäßig geprüft wird; Anpassungen und Sicherheitsupdates erreichen alle Kund*innen schnell; nur eine aktuelle Version muss gepflegt werden geringere Einnahme beim Vertragsabschluss; Kund*innen können kündigen; Betrieb und Support verursachen laufende Kosten

Ob sich ein Kauf lohnt, rechnest Du mit der Nutzungsdauer aus. Beispiel: Eine Grafiksoftware kostet als Dauerlizenz 1.080 € (ohne spätere Upgrades), im Abonnement 29,90 € pro Monat.

Geg.: Kaufpreis K = 1.080\,\text{€}, Abopreis a = 29{,}90\,\text{€} pro Monat

Ges.: Anzahl Monate t, ab der der Kauf günstiger ist

a \cdot t = K \quad | :a

t = \frac{K}{a} = \frac{1.080\,\text{€}}{29{,}90\,\frac{\text{€}}{\text{Monat}}} \approx \underline{\underline{36{,}120\,\text{Monate}}}

Wer die Software länger als 36 Monate nutzt (also ab dem 37. Monat), fährt mit dem Kauf günstiger – solange in dieser Zeit kein kostenpflichtiges Upgrade nötig ist. Rechne deshalb auch ein, wie lange eine Version Sicherheitsupdates erhält.

Liniendiagramm: aufsummierte Abokosten von 29,90 € je Monat schneiden den Kaufpreis von 1.080 € nach gut 36 Monaten (mit KI erstellt)

Dabei hilft die Unterscheidung von Update und Upgrade:

  • Ein Update behebt Fehler und schließt Sicherheitslücken innerhalb einer Version. Es kommt häufig, ist in der Regel kostenlos und ändert den Funktionsumfang kaum.

  • Ein Upgrade ist eine neue Haupt- oder Produktversion mit neuen Funktionen oder neuen Sicherheitskonzepten. Es kommt in größeren Abständen und ist bei Dauerlizenzen meist kostenpflichtig; im Abonnement ist es enthalten.

Lizenzen aus Sicht des Anbieters kalkulieren

Wer selbst Software in Lizenz anbietet, muss die Entwicklungskosten über die Lizenzeinnahmen wieder hereinholen. Die Rechnung folgt dem Break-even-Prinzip aus dem Artikel Kostenrechnung: fixe und variable Kosten, Deckungsbeitrag, Break-even-Point: Jede Lizenz bringt pro Monat einen Deckungsbeitrag (Preis minus laufende Kosten je Lizenz), und die einmaligen Entwicklungskosten sind fixe Kosten.

Beispiel: Eine App kostet in der Entwicklung 40.000 €. Je Lizenz und Monat fallen 15 € für Betrieb und Betreuung an, die Kund*innen zahlen 55 € je Lizenz und Monat. Wie viele Monate dauert es bei 25 verkauften Lizenzen, bis die Entwicklungskosten gedeckt sind?

Geg.: K_{\text{fix}} = 40.000\,\text{€}, k_v = 15\,\text{€} und p = 55\,\text{€} je Lizenz und Monat, n = 25 Lizenzen

Ges.: Anzahl Monate t bis zur Kostendeckung

I: Erlöse E = n \cdot p \cdot t

II: Kosten K = K_{\text{fix}} + n \cdot k_v \cdot t

I = II:

n \cdot p \cdot t = K_{\text{fix}} + n \cdot k_v \cdot t \quad | - n \cdot k_v \cdot t

n \cdot (p - k_v) \cdot t = K_{\text{fix}} \quad | : n \cdot (p - k_v)

t = \frac{K_{\text{fix}}}{n \cdot (p - k_v)} = \frac{40.000\,\text{€}}{25 \cdot (55\,\text{€} - 15\,\text{€})\,\frac{1}{\text{Monat}}} = \underline{\underline{40\,\text{Monate}}}

Nach 40 Monaten sind die Entwicklungskosten genau gedeckt, ab dem 41. Monat erzielt der Anbieter Gewinn. Ergibt die Rechnung keine ganze Zahl, rundest Du auf: Bei 36,4 Monaten ist die Gewinnschwelle erst im 37. Monat überschritten; ebenso bei einer gesuchten Anzahl von Lizenzen (36,4 → 37 Lizenzen).

Lizenzmanagement: den Überblick behalten

In Unternehmen laufen schnell Hunderte Lizenzen mit unterschiedlichen Metriken, Laufzeiten und Versionen. Lizenzmanagement (Software Asset Management, SAM) sorgt dafür, dass genau so viele Lizenzen vorhanden sind, wie gebraucht werden:

  • Bestand erfassen: Welche Software ist wo installiert, wer nutzt sie, welche Lizenzen und Nachweise (Rechnungen, Verträge, Lizenzschlüssel) gibt es? Oft hilft eine automatische Inventarisierung.

  • Abgleichen: Bedarf und Bestand regelmäßig vergleichen, Laufzeiten und Kündigungsfristen von Abonnements überwachen, nicht mehr genutzte Lizenzen freigeben.

  • Regeln festlegen: Wer darf Software beschaffen und installieren? Welche Open-Source-Lizenzen sind erlaubt?

Fehlen Lizenzen (Unterlizenzierung), drohen bei einer Prüfung durch den Hersteller (Lizenzaudit) Nachzahlungen, oft zum Listenpreis, Schadensersatz und Imageschäden; die unerlaubte Vervielfältigung kann nach § 106 UrhG sogar strafbar sein. Zu viele Lizenzen (Überlizenzierung) kosten unnötig Geld.

Einen Sonderfall bildet Gebrauchtsoftware: Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH, 3.7.2012, C-128/11 „UsedSoft“) darf eine unbefristet gegen Einmalzahlung erworbene Lizenz weiterverkauft werden – auch dann, wenn die Software ursprünglich heruntergeladen wurde. Der Verkäufer muss seine eigene Kopie unbrauchbar machen. Abonnements und SaaS-Zugänge lassen sich dagegen nicht weiterverkaufen, weil sie nur ein befristetes Nutzungsrecht einräumen. Ob einzelne Lizenzen aus einem Volumenvertrag abgespalten werden dürfen, ist im Einzelfall rechtlich zu prüfen.

Fazit

Eine Softwarelizenz regelt, was Du mit einer Software tun darfst. Die Lizenzart beantwortet die Frage, ob Du den Quelltext sehen, die Software verändern und weitergeben darfst und ob sie etwas kostet. Die Lizenzmetrik entscheidet, wie viele Lizenzen Du brauchst: je Gerät, je Person, je gleichzeitigem Zugriff, je Prozessorkern oder je Nutzung. Und das Bezugsmodell – Kauf oder Abonnement – bestimmt, wie sich die Kosten über die Zeit verteilen. Wer diese drei Fragen getrennt beantwortet und die Varianten durchrechnet, findet das wirtschaftlichste Modell und bleibt rechtlich auf der sicheren Seite.

Leitfragen

  1. Was erwirbst Du, wenn Du eine Software „kaufst“, und warum ist eine Lizenz ein immaterielles Betriebsmittel?

Du erwirbst kein Eigentum am Programm, sondern ein Nutzungsrecht in dem Umfang, den die Lizenzbedingungen (z. B. die EULA) festlegen; das Urheberrecht bleibt beim Hersteller. Die Lizenz wird wie ein Betriebsmittel zur Leistungserstellung eingesetzt, ist aber nicht greifbar – deshalb immateriell. Siehe Abschnitt „Was eine Softwarelizenz ist“.

  1. Woran unterscheidest Du Freeware, Shareware, proprietäre Software und Open-Source-Software?

Freeware ist dauerhaft kostenlos, aber nicht veränderbar; Shareware darf nur befristet oder eingeschränkt getestet werden und ist danach kostenpflichtig; proprietäre Software wird gegen Lizenzgebühr nach Lizenzvertrag genutzt; Open-Source-Software hat offenen Quelltext und darf genutzt, verändert und weitergegeben werden, auch gewerblich und gegen Geld. Siehe Abschnitt „Lizenzarten“.

  1. Was bedeutet Copyleft, und welche Folge hat eine GPL-Komponente für ein Produkt, das als geschlossene Software verkauft werden soll?

Bei Copyleft-Lizenzen muss jede weitergegebene veränderte oder abgeleitete Fassung mit Quelltext und unter derselben Lizenz weitergegeben werden; die Freiheiten der Software gehen so auf alle späteren Fassungen über. Wer ein Produkt mit einer GPL-Komponente weitergibt, muss es vollständig unter der GPL mit Quelltext weitergeben – ein geschlossener Verkauf ist dann nicht möglich. Freizügige Lizenzen wie MIT haben diese Pflicht nicht. Siehe Abschnitt „Open Source genauer betrachtet“.

  1. Nenne je zwei Vorteile von Open-Source-Software und von proprietärer Software.

Open Source: meist keine Lizenzkosten, Quelltext prüfbar, anpassbar, keine Herstellerabhängigkeit. Proprietär: vertraglich gesicherter Support und Gewährleistung, verantwortlicher Hersteller, gute Zusammenarbeit mit weiteren Produkten des Herstellers, oft größerer Funktionsumfang. Siehe Abschnitt „Open Source oder proprietär?“.

  1. Wann lohnt sich eine Named-User-Lizenz, wann eine Concurrent-User-Lizenz?

Named User lohnt sich, wenn wenige Personen die Software täglich und auf mehreren Geräten nutzen – sie ist pro Stück günstiger und immer verfügbar. Concurrent User lohnt sich, wenn viele Personen die Software nur gelegentlich nutzen, weil nur die gleichzeitigen Zugriffe zählen. Siehe Abschnitt „Named User oder Concurrent User?“.

  1. Wann ist eine User-CAL, wann eine Device-CAL günstiger?

User-CALs lohnen sich, wenn jede Person mehrere Geräte nutzt oder es mehr Geräte als Personen gibt; Device-CALs, wenn sich mehrere Personen ein Gerät teilen (Schichtbetrieb, Terminals). Beide lassen sich mischen; zusätzlich muss der Server selbst lizenziert sein. Siehe Abschnitt „Server- und Zugriffslizenzen“.

  1. Welche Vorteile hat ein Abonnement für Kund*innen und für den Anbieter, und wie ermittelst Du, ab wann sich ein Kauf lohnt?

Kund*innen: keine hohe Anfangsinvestition, planbare Ausgaben, immer aktuelle Version mit Support, Flexibilität. Anbieter: regelmäßige, planbare Einnahmen, Kundenbindung, weniger Raubkopien, Updates erreichen alle schnell. Den Kaufzeitpunkt erhältst Du, indem Du den Kaufpreis durch den Abopreis pro Monat teilst. Siehe Abschnitt „Kaufen oder abonnieren?“.

  1. Was gehört zum Lizenzmanagement, und was droht bei Unterlizenzierung?

Bestand und Nutzung erfassen, mit Lizenznachweisen abgleichen, Laufzeiten überwachen, Beschaffungsregeln festlegen. Bei Unterlizenzierung drohen beim Audit Nachzahlungen, Schadensersatz, Imageschäden und im Extremfall Strafverfolgung. Gebrauchte Dauerlizenzen dürfen weiterverkauft werden, wenn der Verkäufer seine Kopie unbrauchbar macht. Siehe Abschnitt „Lizenzmanagement“.


Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)

Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Softwarelizenzen und Lizenzmodelle: Was darfst Du mit Software tun – und wofür bezahlst Du?” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/softwarelizenzen veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/recht/it-recht-datenschutz. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 28.10.2026.

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