Übungsaufgaben zu Lastenheft und Pflichtenheft
https://bildung.social/@oerinformatik/
https://oer-informatik.de/lastenheft-pflichtenheft-uebungsaufgaben
Lastenheft, Pflichtenheft, Anforderungskatalog, Akzeptanzkriterien, Fragebogen, Change Request, Abnahme, Werkvertrag, Projektmanagement, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 124 min, mehrere Aufgaben): Vier Übungsaufgaben zu Lastenheft und Pflichtenheft – von Zweck, typischen Inhalten und typischen Missverständnissen beider Dokumente über Rückfragen zu unklaren Anforderungen, Angaben für ein Lastenheft, Fragebögen und die Abstimmung vor dem Versand bis zu eigenen Lastenheft-Anforderungen nach Gliederung, der Prüfung eines Pflichtenheft-Entwurfs, eigenen Pflichtenheft-Einträgen, Rechtekonzept, Change Request, Abnahme und der Frage, ob es auch ohne Pflichtenheft geht. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zu den Artikeln Lastenheft für ein Microcontroller-Projekt und Pflichtenheft für ein Microcontroller-Projekt. Wie Anforderungen ermittelt und formuliert werden, zeigt der Artikel Anforderungsanalyse; wie ein Projekt mit Projektauftrag, Change Requests und Abschluss organisiert wird, der Artikel Projekte organisieren.
Hinweise zur Bearbeitung: Bis zur Teil-1-Prüfung der IT-Berufe solltest Du die Basiskompetenz beherrschen, also Aufgabe 1.1 und Aufgabe 1.2. Als IKS oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1 und Aufgabe 2.2. Bei „nennen“ genügen Stichworte, bei „beschreiben“ und „erläutern“ erwartet die Aufgabe ganze Sätze mit Bezug zur Situation, bei „Stellung nehmen“ eine begründete eigene Entscheidung. Schreib Deine Lösung zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst.
Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?
Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.
Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Lastenheft und Pflichtenheft“.
Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.
Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/wasserfall_mcu_projekt_lastenheft
- https://oer-informatik.de/wasserfall_mcu_projekt_pflichtenheft
- https://oer-informatik.de/anforderungsanalyse
- https://oer-informatik.de/projektorganisation
- https://oer-informatik.de/vorgehensmodelle
- https://oer-informatik.de/user-stories
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/lastenheft-pflichtenheft-uebungsaufgaben
Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Lastenheft
- Pflichtenheft
- Anforderungskatalog
- Akzeptanzkriterien
- Fragebogen
- Change Request
- Abnahme
- Werkvertrag
- Projektmanagement
Kompetenzstufe: Basiskompetenz (alternativ: Kernkompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan
Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
danach frage.
Aufgabe 1.1: Ein Angebot für die IT im Showroom vorbereiten (Basiskompetenz)
(ca. 22 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r bei der Lutterkolk Systemhaus KG in Detmold. Die CSB-Rad GmbH aus Bielefeld eröffnet am Freitag, 05.03.2027, einen Showroom in der Bielefelder Innenstadt. Dort sollen ein Kassenarbeitsplatz, zwei Beratungs-Tablets, zwei Konfigurator-Terminals, drei Großbildschirme und ein WLAN mit Gastzugang eingerichtet und anschließend betreut werden. Cem Sarıkaya, Geschäftsführer Technik und IT bei CSB-Rad, hat Lutterkolk und einen weiteren Anbieter um ein Angebot gebeten und dazu ein kurzes Lastenheft geschickt. Deine Ausbilderin Dragana Petrović bereitet mit Dir das Angebot vor.
| Nr. | Auszug aus dem Lastenheft „IT-Ausstattung Showroom“ |
|---|---|
| 1 | Ausgangssituation: Der Showroom wird ab Februar 2027 eingerichtet. Die Netzwerkverkabelung ist verlegt und abgenommen; IT-Geräte sind noch keine vorhanden. |
| 2 | Ziel: Kundinnen und Kunden konfigurieren ihr Wunschrad selbst an einem Terminal und können es direkt im Showroom bestellen und bezahlen. |
| 3 | Anforderung: Am Kassenarbeitsplatz können Kartenzahlungen angenommen und Belege gedruckt werden. |
a) Erkläre Dragana Petrović den Zweck eines Lastenhefts und den Zweck eines Pflichtenhefts. Nenne zu jedem der beiden Dokumente ein Beispiel für einen Inhalt aus der Situation. (6 Punkte)
Je Dokument 2 Punkte für den Zweck und 1 Punkt für ein passendes Beispiel:
Lastenheft: Der Auftraggeber (hier CSB-Rad) beschreibt darin alle Anforderungen an die gewünschten Lieferungen und Leistungen – was gebraucht wird und wofür. Es dient als Grundlage für die Angebote der Anbieter und macht sie vergleichbar. Beispiel: „Kundschaft konfiguriert ihr Wunschrad selbst an einem Terminal“ oder „Kartenzahlung an der Kasse“.
Pflichtenheft: Der Auftragnehmer (hier Lutterkolk) beschreibt darin, wie und womit er die Anforderungen des Lastenhefts umsetzen will. Nach Freigabe durch den Auftraggeber ist es die verbindliche Leistungsbeschreibung für Umsetzung und Abnahme. Beispiel: „Die Konfigurator-Terminals werden als Tablets im abschließbaren Standgehäuse mit Kioskmodus geliefert, der nur den Konfigurator des Onlineshops öffnet.“
b) Benenne fünf weitere Inhalte, die ein Lastenheft enthalten sollte und die im Auszug noch fehlen. (5 Punkte)
Je Inhalt 1 Punkt, zum Beispiel:
- Mengengerüst und Nutzergruppen (Zahl der Geräte, Beschäftigte und Kundschaft als Nutzende)
- Qualitätsanforderungen mit messbaren Kriterien (z. B. Verfügbarkeit während der Öffnungszeiten, Reaktionszeit bei Störungen)
- Rahmenbedingungen (Anbindung an Onlineshop und Warenwirtschaft, vorhandenes Netz, Datenschutz, Kassensicherungsverordnung)
- Lieferumfang (Geräte, Einrichtung, Einweisung der Beschäftigten, Dokumentation, Betreuung)
- Termine (Einrichtung ab Februar, Eröffnung am 05.03.2027)
- Kostenrahmen bzw. Budget
- Abnahmekriterien
- Ansprechpartner*in bei CSB-Rad
c) Ein Mitazubi hat beim Lesen der Anfrage folgende Notiz geschrieben:
„CSB-Rad hat uns ein Lastenheft geschickt, aber das ist nur eine unverbindliche Wunschliste. Was darin zu teuer ist, lassen wir im Angebot einfach weg und sagen nichts dazu. Das Pflichtenheft schreiben wir am Ende, wenn alles eingerichtet ist – als Dokumentation dessen, was wir geliefert haben.“
Die Notiz enthält drei fachliche Fehler. Benenne jeden Fehler und stelle ihn richtig. (6 Punkte)
Je Fehler 1 Punkt für das Benennen und 1 Punkt für die Richtigstellung:
„Unverbindliche Wunschliste“: Das Lastenheft ist die abgestimmte Beschreibung aller Anforderungen des Auftraggebers an Lieferungen und Leistungen. CSB-Rad vergleicht daran die Angebote beider Anbieter, und bei der Abnahme wird später geprüft, ob die Anforderungen erfüllt sind.
Stillschweigend weglassen: Das Angebot (und später das Pflichtenheft) muss auf jede Anforderung des Lastenhefts eingehen. Will Lutterkolk eine Anforderung nicht oder nur anders erfüllen, muss es das ausdrücklich abgrenzen und mit Cem Sarıkaya klären – sonst ist das Angebot nicht vergleichbar, und bei der Abnahme gibt es Streit über die geschuldete Leistung.
Pflichtenheft am Ende: Das Pflichtenheft entsteht vor der Umsetzung auf Basis des Lastenhefts. Es beschreibt, wie und womit Lutterkolk die Anforderungen umsetzt, wird nach der Freigabe durch CSB-Rad Vertragsbestandteil und ist Maßstab für Einrichtung, Test und Abnahme. Eine Dokumentation der fertigen Installation ist zusätzlich sinnvoll, ersetzt es aber nicht.
d) Bevor Dragana Petrović Geräte auswählen und Preise kalkulieren kann, müssen die Einträge 2 und 3 des Auszugs genauer werden. Formuliere zu jedem der beiden Einträge eine konkrete Rückfrage an Cem Sarıkaya und begründe jeweils, welche Entscheidung im Angebot von der Antwort abhängt. (4 Punkte)
Je Eintrag 1 Punkt für eine konkrete Rückfrage und 1 Punkt für die Begründung, zum Beispiel:
Eintrag 2 (konfigurieren, bestellen, bezahlen): „Wird die Bestellung am Terminal direkt im Onlineshop angelegt, und bezahlt die Kundschaft am Terminal oder an der Kasse?“ – Davon hängt ab, ob die Terminals an den Onlineshop angebunden werden und eigene Kartenlesegeräte brauchen oder nur den Konfigurator anzeigen; das verändert Geräteauswahl und Einrichtungsaufwand. Ebenso möglich: „Läuft der Konfigurator als Webseite des Onlineshops oder als eigene Anwendung?“ (Tablet im Kioskmodus oder PC, Lizenzen).
Eintrag 3 (Kartenzahlung und Belege): „Welche Kartenarten sollen angenommen werden (girocard, Kreditkarte, kontaktlos mit dem Smartphone), und gibt es schon eine Kassensoftware oder einen Vertrag mit einem Zahlungsdienstleister?“ – Davon hängen Kartenterminal, Kassensystem (mit zertifizierter technischer Sicherheitseinrichtung nach Kassensicherungsverordnung) und laufende Gebühren im Angebot ab.
e) Kreuze an, ob die Aussage auf das Lastenheft (L) oder auf das Pflichtenheft (P) zutrifft. (3 Punkte)
| Aussage | L | P |
|---|---|---|
| 1. Es wird von Lutterkolk erstellt. | ||
| 2. Es beantwortet die Frage „Was soll erreicht werden und wofür?“. | ||
| 3. Es nennt die Gerätemodelle und die Konfiguration der Terminals. | ||
| 4. CSB-Rad schickt es mit der Anfrage an mehrere Anbieter. | ||
| 5. Es wird nach Freigabe Bestandteil des Vertrags. | ||
| 6. Es enthält Anforderungen ohne festgelegten Lösungsweg. |
Je richtiger Zuordnung 0,5 Punkte:
| Aussage | L | P |
|---|---|---|
| 1. Es wird von Lutterkolk erstellt. | X | |
| 2. Es beantwortet die Frage „Was soll erreicht werden und wofür?“. | X | |
| 3. Es nennt die Gerätemodelle und die Konfiguration der Terminals. | X | |
| 4. CSB-Rad schickt es mit der Anfrage an mehrere Anbieter. | X | |
| 5. Es wird nach Freigabe Bestandteil des Vertrags. | X | |
| 6. Es enthält Anforderungen ohne festgelegten Lösungsweg. | X |
Aufgabe 1.2: Anforderungen an den Check-in beim Barcamp (Basiskompetenz)
(ca. 19 min Bearbeitungszeit)
Du gehörst zum Technikteam für das Barcamp „Lernen.Digital.Leben 2027“ am Ratz und Rübe Berufskolleg, das Emre Aksoy leitet. Beim Barcamp am 13.03.2027 sollen bis zu 400 Teilnehmende an zwei Check-in-Terminals mit Badge-Druckern einchecken. Die Anmeldedaten liegen in der Anmeldesoftware „OpenCamp“ auf einem Server der Schul-IT OWL. Dimitrios Papadopoulos, Gesamtleitung der Organisation, schreibt im Auftrag der Schulleiterin Petra Schulze-Albers ein Lastenheft für den Check-in. Umsetzen soll ihn die Schul-IT OWL, der IT-Dienstleister des Schulträgers (Ansprechpartnerin: Svenja Krämer).
a) Zur Vorbereitung hat Dimitrios Papadopoulos eine Checkliste begonnen: bis zu 400 Teilnehmende, zwei Terminals, Badge-Druck, Check-in per QR-Code aus der Anmeldebestätigung. Svenja Krämer von der Schul-IT OWL antwortet: „Damit weiß ich, wie viel Technik ihr braucht – aber nicht, wann es eng wird, was bei einer Störung passieren soll und welche Daten am Terminal zu sehen sein dürfen.“ Formuliere zu jedem der drei Punkte, die Svenja Krämer anspricht, eine Angabe für das Lastenheft und begründe jeweils, wofür die Schul-IT OWL sie braucht. (6 Punkte)
Je Punkt 1 Punkt für eine passende Angabe und 1 Punkt für die Begründung, zum Beispiel:
Wann es eng wird (Zeitablauf): „Der Check-in ist von 8:30 bis 10:30 Uhr geöffnet; die meisten Teilnehmenden kommen zwischen 9:30 und 10:00 Uhr.“ – Daraus schätzt die Schul-IT ab, ob zwei Terminals für die Spitzenlast reichen, wie schnell Scannen und Drucken sein müssen und wann Aufbau und Test abgeschlossen sein müssen.
Störungsfall: „Fällt das Netz oder der Server mit OpenCamp aus, muss weiter eingecheckt werden können; Personen ohne QR-Code und Nachmeldungen werden am Infotisch erfasst.“ – Die Schul-IT muss dann eine lokale Kopie der Teilnehmendenliste auf den Terminals, einen Abgleich nach der Störung und ggf. Ersatzgeräte einplanen.
Daten am Terminal: „Am Terminal und auf dem Badge erscheinen nur Name, Ticketart und die Fotoeinwilligung; die Check-in-Daten werden zwei Wochen nach dem Barcamp gelöscht.“ – Davon hängen Bildschirmanzeige, Zugriffsrechte für das Technikteam, Speicherort und Löschung ab (Datenschutz).
b) Der Entwurf des Lastenhefts enthält die folgenden Einträge. Ordne jeden Eintrag zu: funktionale Anforderung (F), Qualitätsanforderung (Q), Rahmenbedingung (R) oder Inhalt, der eher ins Pflichtenheft gehört (P). (3 Punkte)
| Nr. | Eintrag | F | Q | R | P |
|---|---|---|---|---|---|
| L1 | Teilnehmende checken per QR-Code am Terminal ein; dabei wird ihr Badge gedruckt. | ||||
| L2 | Ein Check-in dauert vom Scannen bis zum fertigen Badge höchstens 20 Sekunden. | ||||
| L3 | Die Anmeldedaten bleiben auf Servern der Schule bzw. der Schul-IT OWL. | ||||
| L4 | Die Terminals laufen mit einem Linux-Betriebssystem und einem Python-Skript; die Drucker werden per USB angeschlossen. | ||||
| L5 | Das System soll benutzerfreundlich sein. | ||||
| L6 | Fällt das Netz aus, kann weiter eingecheckt werden; die Daten werden danach abgeglichen. |
Je richtiger Zuordnung 0,5 Punkte:
| Nr. | Zuordnung | Begründung |
|---|---|---|
| L1 | F | beschreibt, was das System leisten soll |
| L2 | Q | messbare Anforderung an die Effizienz (Antwortzeit) |
| L3 | R | Vorgabe, die jede Lösung einhalten muss (Datenschutz, Speicherort) |
| L4 | P | legt den Lösungsweg fest (Betriebssystem, Programmiersprache, Anschluss) |
| L5 | Q | Anforderung an die Bedienbarkeit, aber nicht messbar formuliert |
| L6 | F | beschreibt eine Funktion für den Störungsfall (vertretbar auch Q, Zuverlässigkeit) |
c) Zwei Einträge sind für ein Lastenheft so nicht geeignet. Beurteile die Einträge L4 und L5 und formuliere sie jeweils als geeignete Lastenheft-Anforderung um. (4 Punkte)
Je Eintrag 1 Punkt für die Beurteilung und 1 Punkt für eine geeignete Umformulierung:
L4: Der Eintrag gibt bereits die technische Lösung vor (Betriebssystem, Programmiersprache, Anschlussart). Das ist Sache der Schul-IT OWL im Pflichtenheft; im Lastenheft steht das Ziel. Zum Beispiel: „An jedem der zwei Check-in-Plätze wird nach dem Scannen ein Badge ausgedruckt; die Geräte nutzen die vorhandenen Netz- und Stromanschlüsse im Foyer.“ Eine technische Vorgabe ist nur zulässig, wenn die Schule sie wirklich braucht – dann mit Begründung (z. B. „Es sind die vorhandenen Leih-Badge-Drucker zu verwenden“).
L5: „Benutzerfreundlich“ ist nicht prüfbar, weil ein Akzeptanzkriterium fehlt. Zum Beispiel: „Ein Mitglied des Technikteams kann nach einer Einweisung von höchstens 10 Minuten ohne Hilfe einchecken und Nachmeldungen erfassen; Teilnehmende können sich ohne Hilfe selbst einchecken.“
d) Die Schul-IT OWL ist kein fremdes Unternehmen, sondern der IT-Dienstleister des Schulträgers. Beschreibe, wer in diesem Fall das Lastenheft und wer das Pflichtenheft erstellt, und warum sich beide Dokumente auch hier lohnen. (3 Punkte)
1 Punkt für die Rollen, 2 Punkte für die Begründung (zwei Gründe):
- Rollen: Die Schule (vertreten durch Petra Schulze-Albers, das Lastenheft schreibt Dimitrios Papadopoulos) ist Auftraggeberin und schreibt das Lastenheft. Die Schul-IT OWL ist Auftragnehmerin und schreibt das Pflichtenheft, das die Schule prüft und freigibt.
- Gründe, zum Beispiel: Beide Seiten haben ein gemeinsames, schriftliches Verständnis der Anforderungen; die Schul-IT kann Aufwand und Termin planen; am Ende lässt sich prüfen, ob der Check-in wie vereinbart funktioniert (Abnahme); spätere Änderungswünsche sind als solche erkennbar; die Lösung lässt sich beim nächsten Barcamp wiederverwenden.
e) Bringe die folgenden Dokumente bzw. Schritte in die zeitlich richtige Reihenfolge, indem Du sie von 1 bis 6 nummerierst. (3 Punkte)
| Dokument bzw. Schritt | Reihenfolge |
|---|---|
| Pflichtenheft der Schul-IT OWL | |
| Abnahmeprotokoll nach dem Probelauf | |
| Checkliste mit den gesammelten Wünschen | |
| Freigabe des Pflichtenhefts durch die Schule | |
| Lastenheft der Schule | |
| Einrichtung und Test der Terminals |
3 Punkte bei vollständig richtiger Reihenfolge, je Fehler 1 Punkt Abzug:
- Checkliste mit den gesammelten Wünschen
- Lastenheft der Schule
- Pflichtenheft der Schul-IT OWL
- Freigabe des Pflichtenhefts durch die Schule
- Einrichtung und Test der Terminals
- Abnahmeprotokoll nach dem Probelauf
f) Welche zwei Aussagen treffen zu? Kreuze an. (2 Punkte)
| Nr. | Aussage | trifft zu |
|---|---|---|
| 1 | Das Lastenheft wird erst nach der Abnahme geschrieben. | |
| 2 | Anforderungen im Lastenheft sollten ein prüfbares Akzeptanzkriterium haben. | |
| 3 | Im Pflichtenheft steht nur, was der Auftraggeber sich wünscht. | |
| 4 | Im Lastenheft werden Programmiersprache und Gerätemodelle verbindlich festgelegt. | |
| 5 | Das Pflichtenheft baut auf dem Lastenheft auf und beschreibt die Umsetzung. |
Je richtigem Kreuz 1 Punkt: 2 und 5 treffen zu. Aussage 1 ist falsch (das Lastenheft steht am Anfang), Aussage 3 beschreibt das Lastenheft, Aussage 4 vertauscht Lastenheft und Pflichtenheft.
Aufgabe 2.1: Ein Buchungsportal für Dienst-Lastenräder anbieten (Kernkompetenz)
(ca. 49 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r der Fachinformatik für Anwendungsentwicklung bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld. Der Zweckverband Radwege OWL nutzt bereits zwölf Dienst-Lastenräder von CSB-Rad mit elektronischem Rahmenschloss („CSB-Rad Connect“), die auf vier Außenstellen verteilt sind (Bielefeld, Gütersloh, bei Werther und Halle). Gebucht werden die Räder bisher über eine gemeinsame Tabellenkalkulation. Michael Hartmann, der beim Zweckverband für den Fuhrpark zuständig ist, möchte das durch ein Buchungsportal ersetzen. Der Zweckverband hat dazu ein Lastenheft geschrieben und es mit der Bitte um ein Angebot an drei Anbieter geschickt, darunter CSB-Rad. Cem Sarıkaya, Geschäftsführer Technik und IT, bereitet mit Dir und Deinem Mit-Azubi Jonas das Angebot vor.
a) Cem Sarıkaya sagt: „Ohne das Lastenheft könnten wir gar kein seriöses Angebot schreiben.“ Erläutere zwei Gründe, warum CSB-Rad das Lastenheft für die Erstellung des Angebots braucht. (4 Punkte)
Je Grund 2 Punkte (Grund benannt und auf die Situation bezogen erläutert). Zum Beispiel:
Grundlage der Kalkulation: Das Lastenheft beschreibt alle Anforderungen, die der Zweckverband an Lieferungen und Leistungen stellt. Erst daraus kann CSB-Rad den Aufwand (z. B. Entwicklungsstunden für Buchung, Schlossanbindung, Schadensmeldung) und damit Preis und Termin schätzen.
Prüfung der Machbarkeit: CSB-Rad kann anhand der Anforderungen und Rahmenbedingungen (z. B. Serverstandort in der EU, Inbetriebnahme zum 01.04.2027) prüfen, ob es den Auftrag überhaupt leisten kann und welche Teile ggf. zugekauft werden müssen.
Vergleichbare Angebote: Weil alle drei Anbieter dasselbe Lastenheft erhalten, beziehen sich ihre Angebote auf dieselben Anforderungen. Der Zweckverband kann sie dadurch vergleichen; CSB-Rad muss zeigen, dass sein Angebot jede Anforderung erfüllt.
Grundlage des Pflichtenhefts: CSB-Rad beschreibt im Pflichtenheft, wie und womit es die Anforderungen des Lastenhefts umsetzt – Punkt für Punkt mit Bezug auf die Nummern im Lastenheft.
b) Im ersten Telefonat erzählt Michael Hartmann: „Wir haben zuerst in allen Außenstellen gesammelt, was die Kolleginnen und Kollegen brauchen. Aus diesem Anforderungskatalog ist dann unser Lastenheft entstanden.“
ba) Beschreibe den Unterschied zwischen einem Anforderungskatalog und einem Lastenheft. (2 Punkte)
1 Punkt je Dokument:
Der Anforderungskatalog ist eine strukturierte Sammlung der Anforderungen, die Nutzende und Beteiligte an ein Produkt oder eine Dienstleistung stellen (hier: Wünsche aus den Außenstellen). Er ist eine Arbeitsgrundlage innerhalb des Auftraggebers und noch nicht abgestimmt oder vollständig.
Das Lastenheft ist das daraus erarbeitete, abgestimmte und freigegebene Dokument des Auftraggebers. Es beschreibt die Gesamtheit der Anforderungen an die Lieferungen und Leistungen des Auftragnehmers („Was und wofür?“) und ist Bestandteil der Anfrage bzw. Ausschreibung an mögliche Anbieter.
bb) Nenne zwei weitere Schritte, die beim Zweckverband zwischen dem Sammeln der Anforderungen und dem Versand des Lastenhefts an die Anbieter liegen sollten. (2 Punkte)
Je Schritt 1 Punkt, z. B.:
Anforderungen auswerten, zusammenfassen, Widersprüche klären und priorisieren (Muss/Soll/Kann),
vorläufiges Lastenheft schreiben und mit allen betroffenen Stellen abstimmen (Review durch Außenstellen, IT, Datenschutzbeauftragte*n, Personalrat),
Akzeptanzkriterien festlegen, damit jede Anforderung später prüfbar ist,
finales Lastenheft durch die Leitung des Zweckverbands freigeben bzw. unterschreiben lassen,
Anbieter auswählen und Angebotsfrist festlegen.
bc) Michael Hartmann erzählt weiter, dass die eigene IT-Abteilung des Zweckverbands für die Personalverwaltung gerade eine kleine Urlaubsplanung entwickelt – ohne externe Firma. Beschreibe, wer bei einem solchen internen Auftrag das Lastenheft und wer das Pflichtenheft erstellt. (2 Punkte)
Je Dokument 1 Punkt:
Auch intern gibt es Auftraggeber und Auftragnehmer: Die Personalverwaltung (Fachabteilung) ist Auftraggeberin und beschreibt im Lastenheft, was die Urlaubsplanung leisten soll und wofür.
Die IT-Abteilung ist Auftragnehmerin und beschreibt im Pflichtenheft, wie und womit sie die Anforderungen umsetzt; die Personalverwaltung prüft und gibt es frei. Statt eines Vertrags gibt es intern meist einen Projektauftrag; das Pflichtenheft dient trotzdem als verbindliche Vorgabe für Umsetzung und Abnahme.
c) Cem Sarıkaya legt Dir den folgenden Auszug aus dem Lastenheft vor.
| Nr. | Anforderung im Lastenheft „Dienstrad-Portal“ (Fassung 1.0 vom 12.10.2026, Auszug) |
|---|---|
| L1 | Ausgangssituation: Die zwölf Dienst-Lastenräder werden über eine gemeinsame Tabellenkalkulation gebucht. Etwa zweimal im Monat kommt es zu Doppelbuchungen, weil Einträge überschrieben werden. |
| L2 | Beschäftigte sollen ein Lastenrad ihrer Außenstelle in 30-Minuten-Schritten bis zu 14 Tage im Voraus buchen und eigene Buchungen stornieren können, damit sie Dienstgänge planen können. Doppelbuchungen müssen ausgeschlossen sein. |
| L3 | Ein gebuchtes Rad soll sich während der Buchungszeit ohne mechanischen Schlüssel öffnen lassen. |
| L4 | Das Portal wird als native iOS-App in Swift programmiert und speichert die Buchungen in einer MariaDB-Datenbank. |
| L5 | Das Portal soll schnell und benutzerfreundlich sein. |
| L6 | Nach jeder Fahrt sollen Schäden am Rad gemeldet werden können, damit sie zeitnah repariert werden. |
| L7 | Personenbezogene Daten dürfen nur in Rechenzentren innerhalb der EU verarbeitet werden. |
| L8 | Angebotsfrist: 20.11.2026; gewünschte Inbetriebnahme: 01.04.2027. |
ca) Nenne drei weitere Inhalte, die ein vollständiges Lastenheft enthalten sollte und die im Auszug fehlen. (3 Punkte)
Je Inhalt 1 Punkt, z. B.:
Zielbestimmung und Nutzen (z. B. weniger Doppelbuchungen, keine verlorenen Schlüssel),
Mengengerüst und Nutzende (Zahl der Beschäftigten, Außenstellen, Buchungen pro Monat),
Qualitätsanforderungen mit messbaren Kriterien (Antwortzeit, Verfügbarkeit, Barrierefreiheit),
Schnittstellen und vorhandene Systeme (Dienstkonten, Dienstausweise, vorhandene Schlösser),
Abnahmekriterien bzw. Akzeptanzkriterien je Anforderung,
Lieferumfang neben der Software (Schulung, Dokumentation, Support und Wartung),
Ansprechpartner*in beim Auftraggeber,
Kostenrahmen bzw. Budget,
Glossar der Fachbegriffe.
Ausgangssituation (L1), Rahmenbedingung Datenschutz (L7) und Termine (L8) sind schon vorhanden und zählen nicht.
cb) Die Einträge L4 und L5 sind so nicht für ein Lastenheft geeignet. Erläutere für beide Einträge, was daran ungeeignet ist, und formuliere sie jeweils so um, dass sie in ein Lastenheft passen. (6 Punkte)
Je Eintrag 1 Punkt für den Fehler, 1 Punkt für die Begründung, 1 Punkt für eine passende Umformulierung.
L4 gibt eine Lösung vor (Plattform, Programmiersprache, Datenbank). Das Lastenheft soll beschreiben, was benötigt wird und wofür, nicht wie und womit – das ist Aufgabe des Auftragnehmers im Pflichtenheft. Eine Festlegung auf iOS schließt zudem Beschäftigte mit Android-Smartphone oder ohne Diensthandy aus. Umformulierung z. B.: „Beschäftigte sollen Räder sowohl vom Dienst-PC als auch von ihren dienstlichen Smartphones (Android und iOS) aus buchen können, damit sie auch unterwegs buchen können.“ (Eine echte Vorgabe des Auftraggebers, etwa „Das Portal muss auf den vorhandenen Dienst-Smartphones mit iOS laufen“, darf als Rahmenbedingung im Lastenheft stehen – dann aber mit Begründung und nicht als Wahl der Programmiersprache.)
L5 ist nicht messbar und damit nicht prüfbar: Was „schnell“ und „benutzerfreundlich“ heißt, kann bei der Abnahme jede Seite anders auslegen. Qualitätsanforderungen brauchen ein Akzeptanzkriterium. Umformulierung z. B.: „Eine Buchung soll in höchstens drei Schritten möglich sein; das System soll nach jeder Eingabe innerhalb von 2 Sekunden reagieren. Die Bedienoberfläche soll die Anforderungen der BITV 2.0 bzw. der WCAG 2.2 (Stufe AA) erfüllen.“
d) Jonas verwechselt immer wieder, welches Dokument welches ist. Damit ihm das nicht im Gespräch mit Michael Hartmann passiert, sollst Du eine Übersicht erstellen. Beschreibe Lastenheft und Pflichtenheft, indem Du die Tabelle vervollständigst. (9 Punkte)
| Lastenheft | Pflichtenheft | |
|---|---|---|
| Wer erstellt es? | ||
| Welche Frage beantwortet es? | Was soll das System leisten, und wofür wird es gebraucht? | |
| Wofür wird es im Projekt verwendet? | ||
| Zwei typische Inhalte | ||
| Gegen dieses Dokument wird geprüft beim … |
Je zutreffender Zelle 1 Punkt (9 offene Zellen), bei „Zwei typische Inhalte“ 1 Punkt nur, wenn beide Inhalte passen.
| Lastenheft | Pflichtenheft | |
|---|---|---|
| Wer erstellt es? | Auftraggeber (hier der Zweckverband Radwege OWL), ggf. mit Unterstützung von Fachabteilungen oder Beratenden | Auftragnehmer (hier CSB-Rad) auf Basis des Lastenhefts; der Auftraggeber prüft und gibt es frei |
| Welche Frage beantwortet es? | Was soll das System leisten, und wofür wird es gebraucht? (vorgegeben) | Wie und womit werden die Anforderungen umgesetzt? |
| Wofür wird es im Projekt verwendet? | Bestandteil der Anfrage bzw. Ausschreibung; Grundlage für Angebote und Kalkulation der Anbieter und für das Pflichtenheft | Bestandteil des Angebots und später des Vertrags (Werkvertrag); verbindliche Vorgabe für Entwurf, Umsetzung und Tests |
| Zwei typische Inhalte | z. B. Ausgangssituation, Ziele, funktionale Anforderungen, Qualitätsanforderungen, Rahmenbedingungen, Termine, Budget, Ansprechpartner*in | z. B. Realisierung je Anforderung (Technik, Plattform, Komponenten), Schnittstellen, Testfälle und Abnahmekriterien, Zeitplan und Aufwand, Abgrenzung (was nicht geliefert wird) |
| Gegen dieses Dokument wird geprüft beim … | Abnahmetest durch den Auftraggeber (Validierung: Erfüllt das Produkt den Zweck?) | Systemtest durch den Auftragnehmer (Verifikation: Wurde das Vereinbarte richtig umgesetzt?) und bei der vertraglichen Abnahme |
Hinweis zur Bewertung: Wer beim Pflichtenheft „Auftraggeber und Auftragnehmer gemeinsam“ schreibt, erhält den Punkt, wenn klar wird, dass der Auftragnehmer es erstellt und der Auftraggeber es abstimmt und freigibt.
e) Für das Pflichtenheft sollst Du die Lastenheft-Anforderungen übernehmen und um die Realisierung ergänzen. Cem Sarıkaya hat die erste Zeile als Muster ausgefüllt. Die Rahmenschlösser lassen sich per Bluetooth Low Energy öffnen, ersatzweise mit dem NFC-Dienstausweis; Schäden nimmt bei CSB-Rad bisher das Werkstattteam per Telefon an.
ea) Vervollständige den Pflichtenheft-Auszug für die Anforderungen L3 und L6. (4 Punkte)
| Nr. | Realisierung (wie und womit?) | Abnahmekriterium/Testfall |
|---|---|---|
| P2 (zu L2) | Web-App für Browser und Smartphone (installierbar als Progressive Web App), Anmeldung mit dem Dienstkonto des Zweckverbands; Kalenderansicht je Außenstelle; das Backend prüft vor dem Speichern jede Buchung auf Überschneidungen. | Rad 3 ist am 05.05.2027 von 09:30 bis 10:30 Uhr gebucht. Eine zweite Buchung von 10:00 bis 11:00 Uhr wird mit einem Hinweis abgelehnt. |
| P3 (zu L3) | ||
| P6 (zu L6) |
Je Zeile 1 Punkt für eine konkrete Realisierung (wie und womit), 1 Punkt für ein prüfbares Abnahmekriterium. Zum Beispiel:
| Nr. | Realisierung (wie und womit?) | Abnahmekriterium/Testfall |
|---|---|---|
| P3 (zu L3) | Bei Buchungsbeginn erzeugt das Portal einen zeitlich auf die Buchung begrenzten digitalen Schlüssel und überträgt ihn an die Web-App; das Rahmenschloss (CSB-Rad Connect) wird per Bluetooth Low Energy geöffnet. Ersatzweise öffnet der NFC-Dienstausweis der buchenden Person das Schloss. | Innerhalb der Buchungszeit öffnet das Schloss nach dem Tippen auf „Öffnen“ in höchstens 5 Sekunden. Vor Beginn und nach Ende der Buchung sowie mit dem Dienstausweis einer anderen Person bleibt es geschlossen. |
| P6 (zu L6) | Nach Ende der Buchung fragt die Web-App nach Schäden (Auswahlliste, Freitext, bis zu drei Fotos). Die Meldung wird über eine REST-Schnittstelle als Werkstattauftrag an CSB-Rad übertragen; bei „nicht fahrbereit“ sperrt das Portal das Rad automatisch für neue Buchungen. | Eine Testmeldung „Bremse schleift, nicht fahrbereit“ zu Rad 7 erscheint innerhalb von 5 Minuten als Werkstattauftrag bei CSB-Rad; Rad 7 lässt sich danach nicht mehr buchen. |
Wichtig: Das Pflichtenheft übernimmt die Nummern des Lastenhefts (P3 zu L3), damit jede Anforderung nachvollziehbar umgesetzt und geprüft werden kann.
eb) Außer den einzelnen Anforderungen enthält der Pflichtenheft-Entwurf weitere Festlegungen. Jonas hat sie ungeordnet notiert. Die Gliederung des Pflichtenhefts sieht dafür die Kapitel „4 Systemumgebung und Betrieb“, „5 Datenschutzkonzept“, „6 Einführung und Schulung“ und „7 Preise und Zahlungsplan“ vor. Ordne die Festlegungen F1 bis F4 je einem Kapitel zu. F5 ist so nicht abnahmefähig: Begründe das und formuliere F5 prüfbar. (4 Punkte)
| Nr. | Festlegung im Pflichtenheft-Entwurf | Kapitel |
|---|---|---|
| F1 | Die Leitungen der vier Außenstellen werden vor der Inbetriebnahme in einer zweistündigen Schulung vor Ort eingewiesen. | |
| F2 | Buchungsdaten mit Personenbezug werden 90 Tage nach Ende der Buchung gelöscht. | |
| F3 | Das Portal läuft auf zwei Servern in einem Rechenzentrum in Deutschland; die Anmeldung erfolgt über den Verzeichnisdienst des Zweckverbands. | |
| F4 | Die Entwicklung wird in drei Raten nach Meilensteinen bezahlt; Betrieb und Wartung kosten eine monatliche Pauschale. | |
| F5 | Das Portal wird sicher betrieben und regelmäßig gesichert. |
Je richtiger Zuordnung 0,5 Punkte: F1 → Kapitel 6, F2 → Kapitel 5, F3 → Kapitel 4, F4 → Kapitel 7.
F5 (2 Punkte): 1 Punkt für die Begründung, 1 Punkt für eine prüfbare Fassung. „Sicher“ und „regelmäßig“ sind nicht messbar; bei der Abnahme ließe sich nicht entscheiden, ob die Festlegung erfüllt ist. Zum Beispiel: „Die Datenbank wird täglich verschlüsselt in ein zweites Rechenzentrum gesichert und 30 Tage aufbewahrt; eine Wiederherstellung dauert höchstens 4 Stunden und wird vor der Abnahme einmal vorgeführt. Alle Verbindungen zum Portal sind mit TLS 1.2 oder höher verschlüsselt.“
f) Michael Hartmann fragt nach: „Wer schreibt eigentlich das Pflichtenheft, wer unterschreibt es – und was bedeutet das für uns?“ Beschreibe, wie das Pflichtenheft entsteht und freigegeben wird und welche Bedeutung es für den Vertrag hat. (3 Punkte)
Je Aspekt 1 Punkt:
Entstehung: CSB-Rad als Auftragnehmer schreibt das Pflichtenheft auf Basis des Lastenhefts. Unklarheiten werden mit dem Zweckverband geklärt, bevor das Pflichtenheft fertig ist.
Freigabe: Das Pflichtenheft wird intern geprüft (Review), vom Auftragnehmer unterzeichnet und dem Zweckverband übergeben. Der Zweckverband prüft, ob alle Anforderungen des Lastenhefts abgedeckt sind, und stimmt zu – häufig mit der Annahme des Angebots bzw. der Unterschrift unter den Vertrag.
Bedeutung: Das Pflichtenheft wird Bestandteil des Vertrags (bei einer Individualentwicklung meist ein Werkvertrag nach § 631 BGB). Es legt verbindlich fest, was CSB-Rad schuldet und was nicht (Abgrenzung). Bei der Abnahme wird das Ergebnis daran gemessen; Abweichungen sind Mängel, zusätzliche Wünsche sind Änderungen, die neu vereinbart werden müssen.
g) Das Pflichtenheft enthält auch Festlegungen zu Rollen und Rechten. Nutze den folgenden Auszug und vervollständige die Tabelle. (4 Punkte)
P9 Rollen und Berechtigungen (Auszug): Beschäftigte buchen Räder ihrer eigenen Außenstelle und stornieren eigene Buchungen bis zum Buchungsbeginn. Die Leitung einer Außenstelle sieht alle Buchungen ihrer Außenstelle mit Namen und darf Räder für eine Wartung sperren. Die Fuhrparkverwaltung legt Räder und Außenstellen an, ändert und löscht sie und erhält einen Monatsbericht über die Auslastung ohne Personenbezug. Die Werkstatt von CSB-Rad sieht Schadensmeldungen und Kilometerstände aller Räder und trägt Wartungstermine ein; Namen der Buchenden sieht sie nicht.
| Rolle | darf | darf nicht (Beispiel) |
|---|---|---|
| Beschäftigte | Räder der eigenen Außenstelle buchen, eigene Buchungen bis Buchungsbeginn stornieren | Buchungen anderer Personen ändern oder stornieren |
| Leitung Außenstelle | ||
| Fuhrparkverwaltung | ||
| Werkstatt CSB-Rad |
Leitung und Fuhrparkverwaltung je 1 Punkt (beide Spalten passend), Werkstatt 2 Punkte (1 Punkt „darf“, 1 Punkt „darf nicht“ mit dem Datenschutzaspekt).
| Rolle | darf | darf nicht (Beispiel) |
|---|---|---|
| Beschäftigte | Räder der eigenen Außenstelle buchen, eigene Buchungen bis Buchungsbeginn stornieren | Buchungen anderer Personen ändern oder stornieren |
| Leitung Außenstelle | alle Buchungen der eigenen Außenstelle mit Namen sehen, Räder für eine Wartung sperren (zusätzlich wie Beschäftigte buchen) | Buchungen anderer Außenstellen sehen; Räder anlegen oder löschen |
| Fuhrparkverwaltung | Räder und Außenstellen anlegen, ändern, löschen; Monatsbericht zur Auslastung ohne Personenbezug erhalten | einzelne Buchungen mit Namen auswerten (nur anonymisierte Berichte) |
| Werkstatt CSB-Rad | Schadensmeldungen und Kilometerstände aller Räder sehen, Wartungstermine eintragen | Namen der Buchenden sehen; Buchungen anlegen oder ändern |
Steht etwas nicht ausdrücklich im Pflichtenheft (z. B. ob die Fuhrparkverwaltung selbst buchen darf), ist es nicht vereinbart. Solche Lücken sollten vor der Unterschrift geklärt werden.
h) Im Projekt entstehen nacheinander mehrere Dokumente. Bringe die folgenden Dokumente in die Reihenfolge, in der sie im Projekt „Dienstrad-Portal“ entstehen. (3 Punkte)
Abnahmeprotokoll
Angebot von CSB-Rad mit Pflichtenheft
Anforderungskatalog der Außenstellen
Klassendiagramm und Datenmodell des Portals
Lastenheft des Zweckverbands
Protokoll des Systemtests
unterschriebener Werkvertrag
Reihenfolge: 3 – 5 – 2 – 7 – 4 – 6 – 1
Anforderungskatalog → Lastenheft → Angebot mit Pflichtenheft → Werkvertrag → Entwurf (Klassendiagramm, Datenmodell) → Systemtest → Abnahme.
Bewertung: 3 Punkte bei richtiger Reihenfolge, 2 Punkte bei einer Vertauschung zweier benachbarter Dokumente, 1 Punkt bei zwei Vertauschungen.
Hinweis: Bei größeren Projekten wird das ausführliche Pflichtenheft oft erst nach Vertragsabschluss als erste beauftragte Leistung erstellt; das Angebot enthält dann nur einen Grobentwurf. Die Reihenfolge 3 – 5 – 2 – 7 bleibt dabei erhalten, wenn „2“ als Angebot mit Grobkonzept gelesen wird; wer das begründet „7 vor 2“ einordnet, erhält ebenfalls die volle Punktzahl.
i) Das Portal ist beauftragt, die Entwicklung läuft. Im Februar 2027 schreibt Michael Hartmann: „Unsere Außenstelle Gütersloh möchte die Räder am Wochenende auch an Vereine verleihen. Könnt ihr das bitte noch mit einbauen?“ Erläutere, wie CSB-Rad mit diesem Wunsch umgehen sollte, und begründe Dein Vorgehen mit dem Pflichtenheft. (3 Punkte)
Je Aspekt 1 Punkt:
Der Verleih an Vereine (externe Personen ohne Dienstkonto, Wochenendbuchungen) steht weder im Lastenheft noch im Pflichtenheft. Es handelt sich also nicht um einen Fehler, sondern um eine Änderung des vereinbarten Leistungsumfangs.
CSB-Rad sollte den Wunsch als Änderungsantrag (Change Request) aufnehmen und die Auswirkungen bewerten: zusätzlicher Aufwand und Kosten, Auswirkung auf den Termin 01.04.2027, neue Anforderungen an Datenschutz (Daten externer Personen) und Haftung.
Erst wenn der Zweckverband dem bewerteten Änderungsantrag zustimmt (Nachtragsangebot), werden Pflichtenheft, Zeitplan und ggf. Vertrag angepasst und die Änderung eingeplant. Ohne diese Vereinbarung wäre nicht klar, was bei der Abnahme geschuldet ist.
j) Beschreibe, wie Lastenheft und Pflichtenheft bei der Abnahme und beim Abschluss des Projekts genutzt werden. (2 Punkte)
Je Aspekt 1 Punkt:
Abnahme: Der Zweckverband prüft im Abnahmetest anhand der Akzeptanzkriterien, ob die Anforderungen aus Lasten- und Pflichtenheft erfüllt sind (z. B. Testfälle aus P2, P3, P6). Das Ergebnis wird im Abnahmeprotokoll festgehalten; Mängel werden mit Frist zur Nachbesserung notiert.
Projektabschluss: Im Abschlussbericht wird ein Soll-Ist-Vergleich gezogen: Welche Anforderungen des Pflichtenhefts wurden wie geplant umgesetzt, welche nur teilweise oder geändert (Change Requests), wie weichen Termine und Kosten ab? Daraus ergeben sich offene Punkte und Erfahrungen für spätere Projekte.
k) Sophie Bertram, Geschäftsführerin Vertrieb, schlägt vor: „Lasst das Pflichtenheft doch weg. Wir schreiben User Stories und entwickeln agil in zweiwöchigen Sprints, das ist viel flexibler.“ Nimm Stellung zu diesem Vorschlag für das Projekt „Dienstrad-Portal“. (3 Punkte)
1 Punkt für Vorteile des Vorschlags, 1 Punkt für Gegenargumente aus der Situation, 1 Punkt für eine begründete Entscheidung. Beide Entscheidungen sind möglich, wenn sie zur Begründung passen. Zum Beispiel:
Für den Vorschlag: Agile Vorgehen mit User Stories und Product Backlog reagieren besser auf Anforderungen, die sich erst während der Nutzung zeigen; der Zweckverband sieht nach jedem Sprint ein lauffähiges Zwischenergebnis und kann früh Rückmeldung geben.
Dagegen: Der Zweckverband hat ein Lastenheft verschickt und erwartet von drei Anbietern vergleichbare Angebote mit festem Preis und Termin (Inbetriebnahme 01.04.2027). Als öffentlicher Auftraggeber muss er nachvollziehbar entscheiden und abnehmen können. Ohne Pflichtenheft fehlt die verbindliche Leistungsbeschreibung für Vertrag, Preis und Abnahme; der Umfang ist klar abgegrenzt und überschaubar.
Entscheidung, z. B.: Für dieses Projekt sollte CSB-Rad beim Pflichtenheft bleiben. Innerhalb der Umsetzung kann das Team trotzdem in kurzen Iterationen arbeiten und dem Zweckverband Zwischenstände zeigen; Änderungen laufen dann über Change Requests. (Alternative mit Begründung: agiler Vertrag mit festem Budget und priorisiertem Backlog, wenn der Zweckverband das akzeptiert.)
Aufgabe 2.2: Einen KI-Dienst für die Moderation ausschreiben (Kernkompetenz)
(ca. 34 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r bei der Let’s Meet GmbH in Bielefeld. Im Projekt „Moderation 2027“ soll ein externer KI-Dienst neue Aktivitäten, Profilfotos und Meldungen vorab bewerten: Eindeutig unbedenkliche Inhalte werden sofort freigegeben, Grenzfälle landen beim Moderationsteam, Meldungen mit Bezug zu Minderjährigen bearbeiten immer Menschen. Abgerechnet werden soll je geprüftem Inhalt, der Vertrag soll zunächst zwei Jahre laufen. Derzeit entstehen rund 3.100 neue Aktivitäten im Monat; Ziel ist eine Freigabe innerhalb von 24 Stunden auch bei doppelt so vielen Aktivitäten. Die Geschäftsführerin Clara Neumann möchte das Vorhaben an drei Anbieter schicken und bittet Dich, gemeinsam mit Birgit Sommer (Teamleitung Support und Moderation) das Lastenheft vorzubereiten. An Let’s Meet beteiligt sind außerdem die externe Datenschutzbeauftragte Dr. Marta Kowalczyk, der Betriebsrat (Vorsitzender Amir Rahimi) und die Entwicklung (Leitung Yusuf Demir).
a) Clara Neumann sagt: „Wir sammeln zuerst alle Wünsche in einem Anforderungskatalog, daraus wird unser Lastenheft – und die Anbieter antworten mit einem Pflichtenheft.“ Erläutere die drei Dokumente Anforderungskatalog, Lastenheft und Pflichtenheft und ihre Rolle im Ablauf des Projekts. (9 Punkte)
Je Dokument 3 Punkte (Begriff, Verfasser bzw. Herkunft, Rolle im Ablauf mit Situationsbezug):
| Dokument | Was ist es, wer erstellt es? | Rolle im Ablauf von „Moderation 2027“ |
|---|---|---|
| Anforderungskatalog | strukturierte Sammlung aller Anforderungen der Beteiligten bei Let’s Meet (Moderationsteam, Entwicklung, Datenschutzbeauftragte, Betriebsrat, Geschäftsführung), z. B. als Tabelle mit Herkunft und Priorität; noch nicht abgestimmt, kann Widersprüche enthalten | Input für das Lastenheft |
| Lastenheft | abgestimmtes und freigegebenes Dokument des Auftraggebers Let’s Meet mit allen Anforderungen an die Lieferungen und Leistungen des KI-Dienstes – was er leisten soll und wofür (z. B. Vorprüfung von Aktivitäten und Fotos, Freigabe in 24 Stunden, Datenverarbeitung in der EU) | wird an die drei Anbieter verschickt, ist Grundlage ihrer Angebote und macht diese vergleichbar; später Maßstab der Abnahme |
| Pflichtenheft | vom Anbieter (Auftragnehmer) auf Basis des Lastenhefts erstellt; beschreibt, wie und womit er die Anforderungen umsetzt (Modelle, Schnittstelle, Betrieb, Abläufe, Tests) | nach Prüfung und Freigabe durch Let’s Meet Vertragsbestandteil und verbindliche Vorgabe für Einführung und Abnahme |
b) Der Anforderungskatalog ist fertig. Clara Neumann möchte daraus noch heute ein Lastenheft machen und es morgen an die drei Anbieter schicken. Birgit Sommer hält das für zu früh. Beurteile den Plan: Nenne drei Beteiligte oder Prüfschritte, die vor dem Versand noch fehlen, und begründe jeweils mit der Situation, welches Risiko ohne sie entsteht. (6 Punkte)
Je Beteiligtem bzw. Prüfschritt 1 Punkt und 1 Punkt für das Risiko mit Situationsbezug, zum Beispiel:
Datenschutzbeauftragte Dr. Marta Kowalczyk: Inhalte der Nutzenden, auch von 16- und 17-Jährigen, gehen an einen externen Dienst. Fehlen Vorgaben zu Auftragsverarbeitung, Speicherort, Löschfristen und Trainingsverbot, bieten die Anbieter womöglich Lösungen an, die Let’s Meet gar nicht einsetzen darf.
Betriebsrat (Amir Rahimi): Der Dienst verändert die Arbeit des Moderationsteams und könnte dessen Leistung messbar machen; solche technischen Einrichtungen sind mitbestimmungspflichtig (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG). Ohne Beteiligung drohen Verzögerung oder eine nachträgliche Änderung der Anforderungen.
Entwicklung (Yusuf Demir): prüft, ob Übergabe der Inhalte, Datenformate und Rückmeldung an das vorhandene Backend richtig beschrieben sind. Sonst kalkulieren die Anbieter mit falschen Annahmen, und Nachträge werden teuer.
Anforderungen auswerten und priorisieren: Widersprüche im Katalog (möglichst viel automatisch freigeben gegenüber dem Schutz Minderjähriger) klären und Muss- von Kann-Anforderungen trennen. Sonst beantworten die Anbieter Unterschiedliches, und die Angebote sind nicht vergleichbar.
Freigabe einer verbindlichen Fassung: Nach dem Review gibt Clara Neumann das Lastenheft mit Versionsnummer und Datum frei, damit alle Anbieter dieselbe Fassung erhalten.
c) Birgit Sommer hat die Gliederung des Lastenhefts entworfen. Die Kapitel 1, 2 und 7 sind schon geschrieben:
| Kapitel | Inhalt | Stand |
|---|---|---|
| 1 | Ausgangssituation und Ziel | geschrieben |
| 2 | Prüfumfang: Aktivitäten, Profilfotos und Meldungen; Ergebnis je Inhalt „unbedenklich“, „Grenzfall“ oder „unzulässig“ | geschrieben |
| 3 | Mengengerüst | offen |
| 4 | Qualitätsanforderungen | offen |
| 5 | Datenschutz und Jugendschutz | offen |
| 6 | Anbindung an das vorhandene System | offen |
| 7 | Termine, Vertragslaufzeit und Abrechnung | geschrieben |
Formuliere für jedes der Kapitel 3 bis 6 eine Anforderung, die zur Situation passt und ein prüfbares Akzeptanzkriterium enthält. (8 Punkte)
Je Kapitel 1 Punkt für eine passende, lösungsneutrale Anforderung und 1 Punkt für ein prüfbares Kriterium, zum Beispiel:
3 Mengengerüst: „Der Dienst bewertet bis zu 6.200 neue Aktivitäten im Monat (heute rund 3.100) sowie die zugehörigen Profilfotos und Meldungen. Auch an Tagen mit dem Dreifachen der durchschnittlichen Tagesmenge werden die Zeiten aus Kapitel 4 eingehalten.“
4 Qualitätsanforderungen: „Jeder Inhalt ist spätestens 60 Sekunden nach der Übergabe bewertet; die Verfügbarkeit beträgt mindestens 99,5 % je Kalendermonat. Jede automatische Entscheidung ist für das Moderationsteam mit Begründung einsehbar und kann korrigiert werden.“
5 Datenschutz und Jugendschutz: „Meldungen mit Bezug zu Minderjährigen werden nie automatisch entschieden, sondern immer dem Moderationsteam vorgelegt. Inhalte werden nur in der EU verarbeitet, höchstens 30 Tage gespeichert und nicht zum Training von Modellen genutzt; ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO wird geschlossen.“
6 Anbindung an das vorhandene System: „Inhalte werden automatisch aus dem vorhandenen Backend übergeben, und das Ergebnis wird automatisch zurückgemeldet; Profilfotos in JPEG und WebP bis 2 MiB werden angenommen. Ist der Dienst nicht erreichbar, wird kein Inhalt ungeprüft freigegeben, sondern dem Moderationsteam vorgelegt.“
d) Ein Anbieter schickt vor seinem Angebot einen Fragebogen. Prüfe für jede Frage, ob Let’s Meet sie mit den bekannten Angaben schon beantworten kann. Beantworte sie dann oder nenne, wer bei Let’s Meet die Antwort liefern muss. (4 Punkte)
| Nr. | Frage des Anbieters | Antwort bzw. zuständig bei Let’s Meet |
|---|---|---|
| Q1 | Wie viele Aktivitäten sind im Monat zu bewerten, heute und künftig? | |
| Q2 | Wie viele Profilfotos und Meldungen kommen im Monat hinzu? | |
| Q3 | Dürfen wir die Inhalte zum Training unserer Modelle verwenden? | |
| Q4 | Welche Inhalte müssen immer von Menschen entschieden werden? |
Je Zeile 1 Punkt:
| Nr. | Antwort bzw. zuständig bei Let’s Meet |
|---|---|
| Q1 | beantwortbar: heute rund 3.100 neue Aktivitäten im Monat; die Freigabe innerhalb von 24 Stunden soll auch bei 6.200 gelingen |
| Q2 | aus der Situation nicht bekannt: Birgit Sommer (Moderationsstatistik) bzw. die Entwicklung unter Yusuf Demir (Auswertung im Backend) liefern die Zahlen |
| Q3 | nicht festgelegt: Entscheidung der Geschäftsführerin Clara Neumann nach Beratung durch Dr. Marta Kowalczyk; zu erwarten ist ein Nein (Zweckbindung, Inhalte Minderjähriger) |
| Q4 | beantwortbar: Meldungen mit Bezug zu Minderjährigen immer, außerdem alle Grenzfälle |
Die offenen Fragen Q2 und Q3 zeigen Lücken des Lastenhefts: Ihre Antworten gehören vor dem Versand ins Mengengerüst bzw. in die Datenschutzvorgaben.
e) Die Anbieter reichen mit dem Angebot einen Entwurf des Pflichtenhefts ein. Im Entwurf von Anbieter C steht unter anderem:
P1: Wir setzen ein bewährtes KI-Modell ein, das Inhalte zuverlässig bewertet.
P2: Grenzfälle erscheinen in einer Warteschlange im Moderationswerkzeug von Let’s Meet; die Teamleitung verteilt sie an die Moderator*innen.
P3: Zur Verbesserung unserer Modelle speichern wir die übergebenen Inhalte zwölf Monate.
P4: Meldungen mit einem Risikowert unter 0,2 schließen wir automatisch, um das Moderationsteam zu entlasten.
Prüfe die vier Festlegungen gegen die Anforderungen von Let’s Meet. Begründe, welche Du so freigeben würdest und welche nicht, und formuliere eine nicht freigabefähige Festlegung so um, dass Let’s Meet zustimmen kann. (6 Punkte)
Je Festlegung 1 Punkt für ein begründetes Urteil, 2 Punkte für die Umformulierung:
P1 nicht freigeben: Die Festlegung beschreibt weder, wie noch womit bewertet wird, und „bewährt“ bzw. „zuverlässig“ ist nicht prüfbar.
P2 freigeben: konkret, passt zur Vorgabe, dass Grenzfälle beim Moderationsteam landen, und lässt sich bei der Abnahme testen.
P3 nicht freigeben: widerspricht den Datenschutzvorgaben (Verarbeitung nur zur Moderation, kein Training, kurze Speicherdauer); betroffen sind auch Inhalte von 16- und 17-Jährigen.
P4 nicht freigeben: Meldungen mit Bezug zu Minderjährigen müssen immer von Menschen bearbeitet werden; ein automatisches Schließen von Meldungen geht außerdem über die vereinbarte Vorprüfung hinaus.
Umformulierung, z. B. für P3: „Übergebene Inhalte werden ausschließlich zur Bewertung für Let’s Meet in Rechenzentren in der EU verarbeitet, spätestens nach 30 Tagen gelöscht und nicht zum Training von Modellen verwendet; die Löschung wird monatlich protokolliert.“ Oder für P1: „Texte und Fotos werden mit je einem Klassifikationsmodell des Anbieters bewertet (Modelle und Versionen im Anhang); das Ergebnis enthält Kategorie und Begründung. Vor der Abnahme werden 500 vom Moderationsteam bereits entschiedene Testinhalte bewertet; mindestens 95 % werden gleich eingestuft oder als Grenzfall vorgelegt.“
f) Zwei Anbieter machen unterschiedliche Vorschläge: Anbieter A bietet eine Einführung zum Festpreis auf Grundlage eines vollständigen Pflichtenhefts an (Dauer vier Monate). Anbieter B schlägt vor, auf ein Pflichtenheft zu verzichten und den Dienst in zweiwöchigen Sprints mit festem monatlichem Budget schrittweise einzuführen. Empfiehl Let’s Meet begründet eines der beiden Vorgehen. (4 Punkte)
2 Punkte für die Abwägung beider Vorgehen mit Situationsbezug, 2 Punkte für eine schlüssig begründete Empfehlung. Beide Empfehlungen sind möglich, zum Beispiel:
- Für Anbieter A: Let’s Meet vergleicht drei Angebote und braucht dafür feste Preise und Leistungen; Datenschutz, Jugendschutz und die Mitbestimmung des Betriebsrats verlangen klare, vorab abgestimmte Festlegungen; die Abnahme lässt sich am Pflichtenheft prüfen; der Umfang (Vorprüfung, Weiterleitung, Schnittstelle) ist gut beschreibbar.
- Für Anbieter B: Wie gut die automatische Bewertung funktioniert, zeigt sich erst im Betrieb mit echten Inhalten; Regeln und Schwellenwerte müssen wahrscheinlich mehrmals angepasst werden; Let’s Meet arbeitet in der Entwicklung bereits nach Scrum und sieht früh Ergebnisse.
- Empfehlung, z. B.: Anbieter A, weil Jugendschutz und Datenschutz verbindlich vereinbart und abgenommen werden müssen und die Angebote vergleichbar bleiben sollen; Anpassungen der Schwellenwerte werden im Pflichtenheft als regelmäßige Abstimmung vorgesehen und größere Änderungen über Change Requests vereinbart.
Links und weitere Informationen
Anforderungsanalyse: funktionale und nichtfunktionale Anforderungen
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