Kostenrechnung: fixe und variable Kosten, Deckungsbeitrag, Break-even-Point und Preisuntergrenze
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Kostenrechnung, fixe Kosten, variable Kosten, Mischkosten, Abschreibung, Stückkosten, Fixkostendegression, Deckungsbeitrag, Break-even-Point, Gewinnschwelle, Preisuntergrenze, Zusatzauftrag
tl/dr; (ca. 18 min Lesezeit): Ob sich ein Produkt, ein Abo oder eine IT-Investition lohnt, hängt davon ab, welche Kosten mit der Menge steigen und welche nicht. Der Artikel erklärt fixe, variable und gemischte Kosten, die Abschreibung als Fixkosten, Gesamt- und Stückkosten mit der Fixkostendegression, den Deckungsbeitrag, die Gewinnschwelle (Break-even-Point) als Menge, als Preis und als Zeitpunkt samt Break-even-Diagramm, die kurz- und langfristige Preisuntergrenze und wann sich ein Auftrag unter Selbstkosten trotzdem lohnt. Zur Vertiefung ermittelst Du Preis, variable Stückkosten und Fixkosten aus Ist-Zahlen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Dieser Artikel baut auf der Kann-Liste des Artikels Angebots- und Verkaufskalkulation: Zuschläge, Stundensätze, Vor- und Nachkalkulation auf. Übungen findest Du in den Übungsaufgaben zur Kostenrechnung.
Schon fit in diesem Thema? Nutze die Kann-Liste und die Leitfragen unter dem Artikel als Checkliste, ob Du die relevanten Kompetenzen bereits hast.
Als Grundlagen der Kostenrechnung kann ich nach Durchlesen des Artikels…
… den Unterschied zwischen fixen und variablen Kosten erläutern und für IT-Produkte, Dienstleistungen und Projekte je Beispiele nennen.
… Kostenarten den fixen oder variablen Kosten zuordnen, Mischkosten anteilig aufteilen und begründen, warum Abschreibungen und Entwicklungskosten Fixkosten sind.
… Anschaffungskosten über die Nutzungsdauer in Jahres- oder Monatskosten (Abschreibung) umrechnen.
… Gesamtkosten nach K = K_f + k_v \cdot x und Stückkosten berechnen und die Fixkostendegression erklären.
… für zwei Varianten (z. B. eigener Betrieb oder Dienstleister) die Kostenfunktionen K = K_f + k_v \cdot x aufstellen, die Kosten je Stück vergleichen, aus einem Kostendiagramm ablesen, in welchem Mengenbereich welche Variante günstiger ist (auch bei sprungfixen Kosten), durchschnittliche Monatskosten über eine Laufzeit berechnen und daraus eine Entscheidung ableiten.
… Gründe nennen, warum ein Unternehmen einen Auftrag annimmt, der seine vollen Kosten nicht deckt.
Darüber hinaus kann ich als Vertiefung…
… den Deckungsbeitrag je Stück und insgesamt berechnen und erklären, wozu er dient.
… die Gewinnschwelle (Break-even-Point) als Menge berechnen, auf ganze Einheiten aufrunden und den Gewinn bei einer gegebenen Menge ermitteln.
… ein Break-even-Diagramm zeichnen und beschriften (Fixkosten, Gesamtkosten, Erlöse, Break-even-Point, Gewinn- und Verlustzone).
… den Break-even-Preis bei gegebener Menge und den Break-even-Zeitpunkt einer Investition ermitteln und grafisch darstellen.
… die kurz- und langfristige Preisuntergrenze berechnen und in Bezug auf Gewinn und Verlust beschreiben.
… beurteilen, wie sich eine Preissenkung oder ein Zusatzauftrag unter den Selbstkosten auf das Ergebnis auswirkt.
… aus Menge und Gesamtkosten zweier Perioden die variablen Stückkosten und die Fixkosten ermitteln und damit geplante und tatsächliche Kosten vergleichen.
… nur die entscheidungsrelevanten (zusätzlichen) Kosten einer Entscheidung berücksichtigen.
Warum Kosten auseinandernehmen?
In der Kalkulation hast Du einen Preis aus Kosten und Zuschlägen gebildet. Dabei stand immer eine geplante Menge im Hintergrund: Ein Stundensatz setzt voraus, dass genug Stunden verkauft werden. Was passiert, wenn weniger Kund*innen kommen als geplant? Ab welcher Menge lohnt sich ein neues Produkt? Darf ein Auftrag billiger sein als die Selbstkosten?
Solche Fragen beantwortest Du nur, wenn Du die Kosten danach trennst, wie sie auf die Menge reagieren. Diese Sicht heißt Teilkostenrechnung (Deckungsbeitragsrechnung).
Alle Rechnungen in diesem Artikel laufen mit Nettobeträgen: Die Umsatzsteuer ist für das Unternehmen weder Kosten noch Erlös, sondern ein durchlaufender Posten, den es an das Finanzamt weiterreicht.
Fixe und variable Kosten
Fixe Kosten (K_f) fallen in einem Zeitraum in gleicher Höhe an, egal wie viel produziert, verkauft oder geleistet wird. Sie sind die Kosten der Betriebsbereitschaft: Sie entstehen, damit das Unternehmen überhaupt liefern kann.
Variable Kosten (K_v) hängen von der Menge (Beschäftigung) ab: Mit jedem weiteren Stück, jeder weiteren Stunde oder jeder weiteren Kundin steigen sie. Die variablen Kosten je Einheit heißen variable Stückkosten k_v.
| Bereich | fixe Kosten (Beispiele) | variable Kosten (Beispiele) |
|---|---|---|
| App oder Software-Abo | Gehälter des festen Entwicklungsteams, Grundgebühr des Hostings, Abschreibung der Entwicklung, Marketing-Budget | Speicher und Datentransfer je Nutzer*in, Zahlungsgebühren je Abo, Provisionen der App-Stores, SMS je Bestätigung |
| Handel mit Hardware | Miete des Lagers, Gehälter der Festangestellten, Versicherungen, Shop-Lizenz | Einkaufspreis je Gerät, Verpackung, Versand, Vertriebsprovision |
| IT-Dienstleistung | Bereitschaftskosten (Rufbereitschaft, Ticketsystem), Leasingraten, Fahrzeugsteuer | Stunden freier Mitarbeitender (Freelancer), Material je Einsatz, Fahrtkosten je Einsatz |
Ob eine Kostenart fix oder variabel ist, hängt von der Bezugsgröße ab. Gehälter von Festangestellten sind fix, solange keine Überstunden bezahlt werden; der Stundenlohn einer Aushilfe, die nur bei Bedarf arbeitet, ist variabel. Bei Aufgaben lohnt sich daher immer die Frage: „Ändern sich diese Kosten, wenn wir eine Einheit mehr verkaufen?“
Mischkosten aufteilen
Viele Kostenarten enthalten beide Anteile. Ein Hosting-Tarif hat eine Grundgebühr (fix) und einen Preis je Gigabyte (variabel); Strom wird teilweise für den Grundbetrieb und teilweise je Auftrag verbraucht. Solche Mischkosten teilst Du mit einem Prozentsatz oder nach Tarifbestandteilen auf:
| Kostenart | Betrag | davon fix | fixe Kosten | variable Kosten |
|---|---|---|---|---|
| Energie | 6.000,00 € | 30 % | 1.800,00 € | 4.200,00 € |
| Hosting | 2.400,00 € | 50 % | 1.200,00 € | 1.200,00 € |
Sprungfixe Kosten
Fixe Kosten gelten nur innerhalb einer Kapazität. Reicht ein Server für 5.000 Konten, ist er bis dahin fix. Für das 5.001. Konto muss ein zweiter Server her: Die Fixkosten springen auf ein höheres Niveau. In Aufgaben steht so etwas oft als Hinweis wie „ausreichend für 500 Kund*innen“.
Abschreibung als Fixkosten
Geräte, Lizenzen oder eine selbst entwickelte Software werden einmal bezahlt, aber über mehrere Jahre genutzt. In der Kostenrechnung verteilst Du die Anschaffungskosten gleichmäßig auf die Nutzungsdauer (lineare Abschreibung):
\text{Abschreibung je Jahr} = \frac{\text{Anschaffungskosten}}{\text{Nutzungsdauer in Jahren}} \qquad \text{Abschreibung je Monat} = \frac{\text{Abschreibung je Jahr}}{12}
Beispiel: Ein Speicherserver für 9.600 € wird vier Jahre genutzt: 9.600\,€ : 4 = 2.400\,€ je Jahr bzw. 200 € je Monat.
Die Abschreibung ist fix: Sie fällt an, egal wie stark das Gerät genutzt wird. Dasselbe gilt für Entwicklungskosten einer App, denn sie hängen nicht davon ab, wie viele Menschen die App später nutzen. Achte in Aufgaben auf die Formulierung: Fix ist die Abschreibung der Hardware, nicht „die Hardware“.
Steuerlich darf Computerhardware nach einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums (zuletzt vom 22.02.2022) mit einer Nutzungsdauer von einem Jahr abgeschrieben werden, geringwertige Wirtschaftsgüter bis 800 € netto ebenfalls sofort. Die Kostenrechnung ist davon unabhängig: Für Preise und Entscheidungen verteilst Du die Kosten auf die Jahre, in denen das Gerät tatsächlich genutzt wird.
Gesamtkosten und Stückkosten
Die Gesamtkosten eines Zeitraums ergeben sich aus den fixen Kosten und den variablen Kosten der Menge x:
K = K_f + K_v = K_f + k_v \cdot x
Teilst Du die Gesamtkosten durch die Menge, erhältst Du die Stückkosten (Selbstkosten je Einheit):
k = \frac{K}{x} = \frac{K_f}{x} + k_v
Als durchgehendes Beispiel dient ein Backup-Abo eines kleinen IT-Dienstleisters: Kund*innen zahlen 60 € netto im Monat. Je Kund*in fallen 20 € für Cloud-Speicher und Lizenz an (k_v). Bereitschaft des Supports, Server und Marketing kosten 4.000 € im Monat (K_f).
Je mehr Kund*innen das Abo hat, desto weniger Fixkosten entfallen auf jede einzelne: Bei 50 Kund*innen sind es 80 €, bei 200 nur noch 20 €. Dieser Effekt heißt Fixkostendegression. Er erklärt, warum Wachstum die Stückkosten senkt, und warum eine niedrige Auslastung teuer ist.
Varianten vergleichen
Bei einer Entscheidung zwischen zwei Varianten (eigener Server oder Cloud, Kauf oder Miete, zwei Tarife) stellst Du die fixen und variablen Kosten für denselben Zeitraum nebeneinander. Einmalige Beträge rechnest Du über die Abschreibung oder über die Laufzeit um:
\text{durchschnittliche Monatskosten} = \frac{\text{einmalige Kosten} + \text{Summe der laufenden Kosten über die Laufzeit}}{\text{Laufzeit in Monaten}}
Beispiel Cloud-Speicher für ein Team über 12 Monate: Tarif A kostet 12,00 € Einrichtung und 7,00 € je Monat, also (12{,}00\,€ + 12 \cdot 7{,}00\,€) : 12 = 8{,}00\,€ je Monat. Tarif B verlangt keine Einrichtung, kostet in den ersten drei Monaten 5,00 € und danach 9,90 €: (3 \cdot 5{,}00\,€ + 9 \cdot 9{,}90\,€) : 12 = 8{,}675\,€, also rund 8,68 € je Monat. Trotz Einrichtungsgebühr ist Tarif A über die Laufzeit günstiger; der niedrige Einstiegspreis von Tarif B täuscht.
Eine Variante mit hohen Fixkosten und niedrigen variablen Kosten wird bei großer Menge günstiger, eine Variante mit niedrigen Fixkosten bei kleiner Menge. Wie Du die Menge berechnest, bei der beide gleich teuer sind (kritische Menge), und wann sich eine Investition amortisiert, gehört zur Wirtschaftlichkeitsrechnung.
Entscheidungsrelevante Kosten
Für eine Entscheidung zählen nur Kosten, die durch die Entscheidung zusätzlich entstehen oder wegfallen. Wird ein neues Angebot von vorhandenem Personal ohne Mehrarbeit betreut oder in einem Raum angeboten, der ohnehin gemietet ist, entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten. Kalkulatorische Anteile solcher Kosten bleiben bei der Frage „Lohnt sich das Zusatzangebot?“ außen vor, auch wenn sie in der Aufgabe aufgeführt sind.
Deckungsbeitrag
Der Deckungsbeitrag ist der Teil des Erlöses, der nach Abzug der variablen Kosten übrig bleibt. Er „trägt“ zur Deckung der fixen Kosten bei; was danach übrig bleibt, ist Gewinn.
db = p - k_v \qquad DB = db \cdot x = E - K_v \qquad \text{Betriebsergebnis} = DB - K_f
| Größe | Bedeutung |
|---|---|
| p | Nettoverkaufspreis je Einheit |
| k_v | variable Stückkosten |
| db | Stückdeckungsbeitrag |
| DB | Deckungsbeitrag insgesamt |
| E = p \cdot x | Erlöse (Umsatz) |
Backup-Abo: db = 60\,€ - 20\,€ = 40\,€ je Kund*in und Monat. Bei 130 Kund*innen ist DB = 40\,€ \cdot 130 = 5.200\,€, das Betriebsergebnis 5.200\,€ - 4.000\,€ = 1.200\,€ Gewinn.
Ein positiver Stückdeckungsbeitrag heißt nicht, dass das Produkt Gewinn bringt; er sagt nur, dass jede weitere Einheit das Ergebnis verbessert. Erst wenn die Summe der Deckungsbeiträge die Fixkosten übersteigt, entsteht Gewinn.
Break-even-Point (Gewinnschwelle)
Der Break-even-Point ist die Menge, bei der Erlöse und Gesamtkosten gleich groß sind: Das Unternehmen macht weder Gewinn noch Verlust. Darunter liegt die Verlustzone, darüber die Gewinnzone.
E = K \quad\Rightarrow\quad p \cdot x = K_f + k_v \cdot x \quad | - k_v \cdot x
(p - k_v) \cdot x = K_f \quad | : (p - k_v)
x_{BEP} = \frac{K_f}{p - k_v} = \frac{K_f}{db}
Backup-Abo: x_{BEP} = 4.000\,€ : 40\,€ = 100 Kund*innen. Ergibt die Rechnung keine ganze Zahl, rundest Du auf: Bei 189,41 Stück ist die Gewinnschwelle erst mit dem 190. Stück erreicht. Schreib das Ergebnis in einem Antwortsatz: „Ab 190 verkauften Geräten im Monat erzielt das Unternehmen Gewinn.“
Den Gewinn bei einer bestimmten Menge berechnest Du über den Deckungsbeitrag: G = db \cdot x - K_f. Bei 150 Kund*innen: 40\,€ \cdot 150 - 4.000\,€ = 2.000\,€.
Break-even-Diagramm
So zeichnest Du ein Break-even-Diagramm:
- Achsen beschriften: waagerecht die Menge (mit Einheit), senkrecht Kosten und Erlöse in Euro.
- Fixkostengerade waagerecht in Höhe von K_f.
- Gesamtkostengerade: beginnt bei K_f und steigt um k_v je Einheit (zwei Punkte reichen, z. B. x = 0 und die größte Menge).
- Erlösgerade: beginnt im Ursprung und steigt um p je Einheit.
- Schnittpunkt als Break-even-Point markieren, Verlustzone (zwischen den Geraden links) und Gewinnzone (rechts) kennzeichnen.
Break-even-Preis
Manchmal ist die Menge vorgegeben (geplanter Absatz) und gesucht ist der Preis, bei dem die Kosten gerade gedeckt sind. Du stellst dieselbe Gleichung nach p um:
p \cdot x = K_f + k_v \cdot x \quad | : x \qquad\Rightarrow\qquad p_{BEP} = \frac{K_f}{x} + k_v
Das ist genau der Stückkostensatz k bei dieser Menge. Rechnet das Backup-Abo nur mit 80 Kund*innen, braucht es mindestens 4.000\,€ : 80 + 20\,€ = 70\,€ im Monat.
Zeitlicher Break-even einer Investition
Bei Investitionen in IT (z. B. ein Ticketsystem mit Automatisierung) steht auf der Zeitachse die Dauer: Einmalige und laufende Kosten werden mit den laufenden Einsparungen oder Mehrerlösen verglichen. Der Break-even-Point ist der Zeitpunkt, ab dem die kumulierten Einsparungen die kumulierten Kosten übersteigen.
Beispiel: Die Automatisierung kostet einmalig 12.000 € und laufend 200 € im Monat und spart 700 € Personalkosten im Monat:
12.000\,€ + 200\,€ \cdot t = 700\,€ \cdot t \quad\Rightarrow\quad t = \frac{12.000\,€}{700\,€ - 200\,€} = 24 \text{ Monate}
Preisuntergrenzen
Wie weit darf ein Preis sinken? Das hängt davon ab, wie lange er gelten soll.
| kurzfristige Preisuntergrenze | langfristige Preisuntergrenze | |
|---|---|---|
| Höhe | variable Stückkosten k_v | Stückkosten (Selbstkosten je Einheit) k = \frac{K_f}{x} + k_v |
| gedeckt | nur die variablen Kosten | variable und fixe Kosten |
| Ergebnis | Verlust in Höhe der Fixkosten (db = 0) | weder Gewinn noch Verlust |
| sinnvoll | nur vorübergehend, z. B. bei Unterauslastung, um Markt oder Kundschaft zu gewinnen | dauerhaft mindestens nötig, damit das Unternehmen bestehen kann |
Backup-Abo bei 160 Kund*innen: kurzfristig 20 €, langfristig 4.000\,€ : 160 + 20\,€ = 45\,€.
Aufträge unter den Selbstkosten
Ein Auftrag, dessen Preis unter der langfristigen, aber über der kurzfristigen Preisuntergrenze liegt, bringt einen positiven Deckungsbeitrag. Sind die Fixkosten bereits durch das reguläre Geschäft gedeckt und gibt es freie Kapazität, erhöht er den Gewinn um db \cdot x. Gründe, einen solchen Auftrag anzunehmen:
- Er deckt einen Teil der Fixkosten, die ohnehin anfallen (freie Kapazität wird genutzt, z. B. Personal oder Server sind nicht ausgelastet).
- Er gewinnt neue Kundschaft, öffnet einen neuen Markt oder dient als Referenz.
- Er bringt Folgeaufträge, z. B. Wartungsverträge, Erweiterungen oder Schulungen.
- Er hält Beschäftigte und Know-how im Unternehmen, bis die Auslastung wieder steigt.
Risiken: Andere Kund*innen erfahren vom Sonderpreis und verlangen ihn ebenfalls; der Auftrag verdrängt besser bezahlte Arbeit; ein Preis unter den variablen Kosten verschlechtert das Ergebnis mit jeder Einheit.
Preissenkungen beurteilen
Senkt ein Unternehmen den Preis, sinkt der Stückdeckungsbeitrag, und die Gewinnschwelle steigt. Beim Backup-Abo führt eine Senkung von 60 € auf 50 € zu db = 30\,€ und x_{BEP} = 4.000\,€ : 30\,€ = 133{,}33, also 134 Kund*innen. Die Preissenkung lohnt sich nur, wenn dadurch so viele zusätzliche Kund*innen kommen, dass der Deckungsbeitrag insgesamt mindestens gleich bleibt.
Vertiefung: Kosten aus Ist-Zahlen ermitteln
Oft kennst Du nur Umsatz, Menge und Gesamtkosten aus zwei Monaten. Daraus lassen sich alle Größen ermitteln, wenn Preis und variable Stückkosten gleich bleiben:
| Monat 1 | Monat 2 | |
|---|---|---|
| Kund*innen | 120 | 150 |
| Umsatz | 7.200 € | 9.000 € |
| Gesamtkosten | 6.400 € | 7.000 € |
- Preis: p = \frac{E}{x} = \frac{7.200\,€}{120} = 60\,€ (Probe mit Monat 2: 9.000\,€ : 150 = 60\,€).
- Variable Stückkosten: Die Fixkosten sind in beiden Monaten gleich, die Kostenänderung entsteht nur durch die Mengenänderung: k_v = \frac{\Delta K}{\Delta x} = \frac{7.000\,€ - 6.400\,€}{150 - 120} = \frac{600\,€}{30} = 20\,€.
- Fixkosten: K_f = K - k_v \cdot x = 6.400\,€ - 20\,€ \cdot 120 = 4.000\,€ (Probe mit Monat 2).
Hast Du die Werte, rechnest Du Deckungsbeitrag, Gewinnschwelle und Preisuntergrenzen wie oben. Das Verfahren heißt auch Differenzen-Quotienten-Verfahren.
Typische Fehler
- Brutto- statt Nettobeträge verwenden: Die Umsatzsteuer gehört nicht in die Kostenrechnung.
- Die Gewinnschwelle abrunden: 189,41 Stück heißt 190 Stück, sonst bleibt ein Verlust.
- Einmalige Anschaffungskosten komplett einem Monat oder Jahr zurechnen statt der Abschreibung.
- „Hardware“ als Fixkosten nennen statt „Abschreibung der Hardware“.
- Kosten einrechnen, die durch die Entscheidung gar nicht zusätzlich entstehen (vorhandenes Personal, ohnehin gemietete Räume).
- Monats- und Jahreswerte mischen: Fixkosten je Monat, Menge je Quartal.
- Kurz- und langfristige Preisuntergrenze vertauschen oder die kurzfristige für dauerhaft tragbar halten.
- Im Break-even-Diagramm die Gesamtkostengerade im Ursprung beginnen lassen statt bei den Fixkosten.
Leitfragen
- Woran erkennst Du, ob eine Kostenart fix oder variabel ist? Nenne je zwei Beispiele aus einem App-Projekt.
Fixe Kosten bleiben in einem Zeitraum gleich, egal wie viel verkauft oder geleistet wird (Kosten der Betriebsbereitschaft); variable Kosten steigen mit der Menge. Fix: Gehälter des festen Teams, Abschreibung der Entwicklung, Grundgebühr des Hostings. Variabel: Speicher und Datentransfer je Nutzer*in, Zahlungs- und Store-Gebühren je Abo; siehe Abschnitt „Fixe und variable Kosten“.
- Warum sind Abschreibungen und Entwicklungskosten Fixkosten, und wie berechnest Du die Abschreibung je Monat?
Sie hängen nicht davon ab, wie stark ein Gerät oder eine Software genutzt wird. Abschreibung je Jahr = Anschaffungskosten : Nutzungsdauer, je Monat davon ein Zwölftel; siehe Abschnitt „Abschreibung als Fixkosten“.
- Was beschreibt die Fixkostendegression?
Mit steigender Menge verteilen sich die gleichbleibenden Fixkosten auf mehr Einheiten; die Stückkosten k = K_f/x + k_v sinken und nähern sich den variablen Stückkosten; siehe Abschnitt „Gesamtkosten und Stückkosten“.
- Wie vergleichst Du zwei Varianten mit einmaligen und laufenden Kosten, und welche Kosten bleiben bei einer Entscheidung außen vor?
Fixe und variable Kosten für denselben Zeitraum gegenüberstellen, am besten als Kostenfunktion K = K_f + k_v \cdot x je Variante; im Kostendiagramm zeigt der Schnittpunkt, ab welcher Menge die Variante mit den höheren Fixkosten günstiger wird. Einmalige Beträge über die Abschreibung oder als durchschnittliche Monatskosten über die Laufzeit verteilen. Kosten, die durch die Entscheidung nicht zusätzlich entstehen (vorhandenes Personal ohne Mehrarbeit, ohnehin gemietete Räume), bleiben außen vor; siehe Abschnitt „Varianten vergleichen“.
- Was ist der Deckungsbeitrag, und wie berechnest Du ihn?
Der Teil des Erlöses, der nach Abzug der variablen Kosten zur Deckung der Fixkosten (und danach als Gewinn) bleibt: db = p - k_v, DB = db \cdot x, Betriebsergebnis = DB - K_f; siehe Abschnitt „Deckungsbeitrag“.
- Wie berechnest Du die Gewinnschwelle, den Break-even-Preis und den zeitlichen Break-even, und was zeigt das Break-even-Diagramm?
Menge: x = K_f : db, auf ganze Einheiten aufrunden. Preis bei gegebener Menge: p = K_f : x + k_v. Zeit: einmalige Kosten : (laufende Einsparung − laufende Kosten). Das Diagramm zeigt Fixkosten (waagerecht), Gesamtkosten (ab K_f), Erlöse (ab Ursprung), ihren Schnittpunkt (Break-even-Point) sowie Verlust- und Gewinnzone; siehe Abschnitt „Break-even-Point“.
- Was unterscheidet die kurz- und die langfristige Preisuntergrenze?
Kurzfristig = variable Stückkosten: Nur die variablen Kosten sind gedeckt; der Verlust entspricht genau den Fixkosten. Langfristig = Stückkosten (Selbstkosten je Einheit): Alle Kosten sind gedeckt, weder Gewinn noch Verlust; siehe Abschnitt „Preisuntergrenzen“.
- Warum kann es sinnvoll sein, einen Auftrag unter den Selbstkosten anzunehmen?
Liegt der Preis über den variablen Kosten, deckt der Auftrag einen Teil der ohnehin anfallenden Fixkosten (freie Kapazität). Außerdem kann er neue Kundschaft, Referenzen oder Folgeaufträge bringen und Personal auslasten. Risiko: Andere verlangen denselben Preis; siehe Abschnitt „Aufträge unter den Selbstkosten“.
- Wie ermittelst Du variable Stückkosten, Fixkosten und Preis aus den Zahlen zweier Monate?
Variable Stückkosten = Kostenänderung : Mengenänderung; Fixkosten = Gesamtkosten − variable Stückkosten · Menge eines Monats (mit dem anderen Monat prüfen); ist der Umsatz bekannt: Preis = Umsatz : Menge; siehe Abschnitt „Vertiefung“.
Links und weitere Informationen
Angebots- und Verkaufskalkulation: Zuschläge, Stundensätze, Vor- und Nachkalkulation
zur Vertiefung: Bundesministerium der Finanzen: Nutzungsdauer von Computerhardware und Software
Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)
Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Kostenrechnung: fixe und variable Kosten, Deckungsbeitrag, Break-even-Point und Preisuntergrenze” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/kostenrechnung-break-even veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/betriebswirtschaft/kosten-wirtschaftlichkeit. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 28.10.2026.
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