Übungsaufgaben: funktionale und nichtfunktionale Anforderungen

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https://oer-informatik.de/anforderungsarten-uebungsaufgaben

Anforderungsanalyse, Funktionale Anforderungen, Nichtfunktionale Anforderungen, Anforderungsermittlung, Ist-Aufnahme, Schwachstellenanalyse, Akzeptanzkriterium, Verfügbarkeit, ISO/IEC 25010, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 97 min, mehrere Aufgaben): Drei umfangreiche Übungsaufgaben zur Anforderungsanalyse: Für eine Mitfahr-App eines Berufskollegs wählst Du Ermittlungsmethoden, unterscheidest funktionale und nichtfunktionale Anforderungen, ergänzt einen Anforderungskatalog um Akzeptanzkriterien, ordnest Aussagen aus einem Workshop zu und machst unpräzise Anforderungen prüfbar. Für eine Freizeit-App leitest Du aus einem Störungsprotokoll Anforderungen an eine neue Server-Infrastruktur ab, berechnest Verfügbarkeit und zulässige Ausfallzeiten, beschreibst Anforderungen an ein Ticketsystem, dokumentierst eine Anforderung mit Akzeptanzkriterium und nimmst Stellung zum Datenschutz. Für die Geräteausleihe einer Schule wendest Du Methoden der Ist-Aufnahme an, erstellst einen Gesprächsleitfaden, beschreibst Schwachstellen und technische Anforderungen und vervollständigst eine Kriterientabelle. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zu den Artikeln Anforderungsanalyse und Anforderungsermittlung. Weitere Aufgaben zum Thema findest Du unter Übungsaufgaben zur Anforderungsanalyse.

Wortwolke mit den Begriffen der Übungsaufgaben zu funktionalen und nichtfunktionalen Anforderungen (mit KI erstellt)

Hinweise zur Bearbeitung: Als FIA, FIDP, IKS oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1, Aufgabe 2.2 und Aufgabe 2.3. Beziehe Deine Antworten immer auf die beschriebene Situation. Achte auf die Operatoren: „Nenne“ verlangt Stichworte, „beschreibe“ ganze Sätze mit Bezug zur Situation, „erläutere“ zusätzlich eine Begründung oder Auswirkung. Die Beispiellösungen zeigen Beispiele; andere fachlich passende Antworten sind ebenfalls richtig.

Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?

Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.

Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Übungsaufgaben: funktionale und
nichtfunktionale Anforderungen“.

Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.

Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/anforderungsanalyse
- https://oer-informatik.de/anforderungsanalyse-ermittlung
- https://oer-informatik.de/anforderungsanalyse-dokumentieren
- https://oer-informatik.de/softwarequalitaet
- https://oer-informatik.de/stakeholderanalyse
- https://oer-informatik.de/usability-barrierefreiheit
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/anforderungsarten-uebungsaufgaben

Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Anforderungsanalyse
- Funktionale Anforderungen
- Nichtfunktionale Anforderungen
- Anforderungsermittlung
- Ist-Aufnahme
- Schwachstellenanalyse
- Akzeptanzkriterium
- Verfügbarkeit
- ISO/IEC 25010

Kompetenzstufe: Kernkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan

Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
   abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
   zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
   Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
   Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
   Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
   danach frage.

Aufgabe 2.1: Anforderungen an eine Mitfahr-App für Berufsschultage (Kernkompetenz)

(ca. 33 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r im FIA-Projektteam des Ratz und Rübe Berufskollegs (RRB) in Bielefeld. Das Team entwickelt die Mitfahr-App RatzFahrt: Auszubildende aus dem Umland (Gütersloh, Herford, Bad Salzuflen, Halle, Werther) bieten Fahrten zu ihren Berufsschultagen an oder suchen eine Mitfahrgelegenheit. RatzFahrt soll als Web-App zum 2. Schulhalbjahr am 01.02.2027 starten; bis zum 30.10.2026 sollen die Anforderungen feststehen.

Auftraggeber ist Thomas Becker (SV-Verbindungslehrer). Beteiligt sind außerdem Andrea Wolf (Datenschutzbeauftragte der Schule), Svenja Krämer (Netzwerkadministratorin beim IT-Dienstleister des Schulträgers, der Schul-IT OWL), die Schülervertretung und rund 600 Auszubildende, die regelmäßig aus dem Umland pendeln.

Aus einem ersten Gespräch mit Thomas Becker hast Du notiert:

  • Fahrten anbieten und Mitfahrten suchen, Anfragen bestätigen oder ablehnen

  • Anmeldung mit dem Schulkonto, kein eigenes Passwort

  • Treffpunkte nur an öffentlichen Haltepunkten, nie an Wohnadressen

  • Minderjährige nur mit Einwilligung der Erziehungsberechtigten

  • Kostenbeitrag höchstens 0,10 € je km und Person

  • Monitore im Foyer und auf den Fluren zeigen offene Angebote, aber ohne Namen

a) Nenne drei Methoden der Anforderungsermittlung, die das Team in diesem Projekt einsetzen kann, und beschreibe für eine davon, wie Du sie bei RatzFahrt konkret einsetzt. (5 Punkte)

Nennung (3 × 1 Punkt), z. B.:

  • Interview (z. B. mit Thomas Becker, Andrea Wolf oder Svenja Krämer)

  • Fragebogen / Online-Umfrage (an alle pendelnden Auszubildenden)

  • Beobachtung (wie Fahrgemeinschaften heute organisiert werden)

  • Workshop mit der Schülervertretung, z. B. mit Brainstorming

  • Dokumentenanalyse (Datenschutzregeln der Schule, Schultage der Klassen, Fahrpläne)

  • Prototyp bzw. Klickdummy, der Testpersonen vorgeführt wird

Beschreibung (2 Punkte), z. B. für den Fragebogen: Das Team verschickt über das Schulkonto einen kurzen Online-Fragebogen an alle Klassen. Gefragt wird nach Wohnort bzw. nächstem Haltepunkt, Schultagen, gewünschter Ankunftszeit, ob ein Auto vorhanden ist und welche drei Funktionen am wichtigsten sind. Die Auswertung zeigt, welche Haltepunkte und Uhrzeiten die App unbedingt abdecken muss. Der Fragebogen wird anonym ausgewertet.

Ebenso richtig ist z. B. ein Interview mit Andrea Wolf mit vorbereitetem Leitfaden zu Einwilligungen, Löschfristen und den Daten auf den Monitoren oder die Beobachtung, wie sich Auszubildende heute über Messenger-Gruppen und Aushänge verabreden. Eine Beschreibung ohne Bezug zu RatzFahrt erhält höchstens 1 Punkt.

b) Lukas Hofmann ist stark sehbehindert und bedient sein Smartphone mit einem Screenreader. Erläutere, warum sich die Anforderungen dieser Nutzergruppe besser durch eine Beobachtung, z. B. beim Test eines Prototyps, ermitteln lassen als durch einen Fragebogen. (3 Punkte)

Je Gedanke 1 Punkt, z. B.:

  • Ein Fragebogen erfasst nur, was die Befragten vorher kennen und benennen können. Viele Barrieren fallen erst bei der Bedienung auf, z. B. unbeschriftete Schaltflächen, eine unlogische Reihenfolge beim Durchblättern mit dem Screenreader oder eine Zeitbegrenzung beim Bestätigen.

  • Bei der Beobachtung sieht das Team, an welcher Stelle Lukas hängen bleibt, und kann gezielt nachfragen. Daraus entstehen konkrete, prüfbare Anforderungen (z. B. „Jede Schaltfläche hat einen Namen, den der Screenreader vorliest“).

  • Ein Fragebogen ist selbst nicht unbedingt barrierefrei; außerdem gibt es nur wenige betroffene Personen, sodass sich eine statistische Auswertung kaum lohnt.

c) Dein Mit-Azubi Jonas Wolff fragt, worin sich funktionale und nichtfunktionale Anforderungen unterscheiden. Beschreibe den Unterschied und nenne zu beiden Arten ein Beispiel aus Deiner Notiz. (4 Punkte)

  • Funktionale Anforderungen (1 Punkt) beschreiben, was das System tun soll: seine Funktionen, sein Verhalten bei bestimmten Eingaben und seine Ergebnisse.

  • Nichtfunktionale Anforderungen (1 Punkt) beschreiben, wie gut oder unter welchen Bedingungen das System seine Funktionen erfüllt. Dazu gehören Qualitätsanforderungen (z. B. Verfügbarkeit, Antwortzeit, Benutzbarkeit, Sicherheit) und Randbedingungen (z. B. gesetzliche oder technische Vorgaben, Budget, Termine).

  • Beispiel funktional (1 Punkt): Fahrer*innen können eine Fahrt anbieten; Mitfahrende können eine Anfrage stellen, die bestätigt oder abgelehnt wird.

  • Beispiel nichtfunktional (1 Punkt): Die Anmeldung muss über das vorhandene Schulkonto erfolgen (technische Vorgabe, Randbedingung) oder die Monitore dürfen keine Namen zeigen (Datenschutzvorgabe).

Achtung: „Die Monitore zeigen offene Angebote“ ist funktional (Anzeige von Daten). Nichtfunktional ist die Bedingung „ohne Namen“.

d) Thomas Becker überträgt die Punkte aus der Notiz in einen Anforderungskatalog und bittet Dich, ihn zu ergänzen. Trage zwei funktionale und zwei nichtfunktionale Anforderungen an RatzFahrt in die Tabelle ein. Formuliere jede Anforderung als ganzen Satz und lege ein Akzeptanzkriterium fest, an dem das Team bei der Abnahme eindeutig erkennt, ob sie erfüllt ist. Verwende keine Anforderung, die Du schon bei c) als Beispiel genannt hast. (10 Punkte)

Ergänzungen für den Anforderungskatalog von RatzFahrt
ID F / NF Anforderung Akzeptanzkriterium
RF-11
RF-12
RF-13
RF-14

Je Zeile 2,5 Punkte: 0,5 Punkte für die richtige Art, 1 Punkt für eine passende Anforderung als ganzer Satz mit Bezug zu RatzFahrt, 1 Punkt für ein prüfbares Akzeptanzkriterium (Messgröße, Bedingung, Grenzwert oder eindeutig beobachtbares Ergebnis). Ein Stichwort wie „Usability“ allein erhält höchstens 0,5 Punkte. Dieselbe Anforderung in zwei Formulierungen zählt einmal.

Beispiellösung für die Ergänzungen des Anforderungskatalogs
ID F / NF Anforderung Akzeptanzkriterium
RF-11 F Mitfahrende können offene Angebote nach Haltepunkt, Schultag und Richtung filtern. Bei gesetztem Filter „Herford, Dienstag, zur Schule“ zeigt die Liste alle und nur die Angebote mit genau diesen Angaben; ohne Treffer erscheint ein Hinweis.
RF-12 F Bestätigt die Fahrerin oder der Fahrer eine Anfrage, verringert die App die Zahl der freien Plätze und benachrichtigt die anfragende Person. Nach dem Bestätigen sinkt die Zahl der freien Plätze um eins; die anfragende Person erhält innerhalb einer Minute eine Nachricht. Bei null freien Plätzen ist keine weitere Anfrage möglich.
RF-13 NF (Qualität: Verfügbarkeit) RatzFahrt ist an Schultagen in der Zeit, in der Fahrten abgesprochen werden, zuverlässig erreichbar. An Schultagen von 6:00 bis 18:00 Uhr ist die App je Kalendermonat zu mindestens 99,5 % erreichbar (Auswertung der Überwachungsdaten).
RF-14 NF (Randbedingung: Plattform) RatzFahrt läuft als Web-App ohne Installation auf Smartphone, Tablet und PC. Alle Testfälle der Abnahme laufen fehlerfrei in den jeweils aktuellen Versionen von Chrome, Edge, Firefox und Safari auf je einem Smartphone, Tablet und PC.

Weitere passende funktionale Anforderungen, z. B.:

  • Beim Anbieten einer Fahrt wählt die Fahrerin oder der Fahrer den Treffpunkt nur aus einer Liste öffentlicher Haltepunkte aus.

  • Die App prüft den Kostenbeitrag anhand der Entfernung zwischen Haltepunkt und Schule und lehnt Beträge über 0,10 € je km und Person mit einem Hinweis ab.

  • Eine Anfrage einer minderjährigen Person ist nur möglich, wenn in ihrem Konto die Einwilligung der Erziehungsberechtigten eingetragen ist.

  • 30 Minuten vor der Abfahrt erhalten Fahrer*in und bestätigte Mitfahrende eine Erinnerung per Push-Nachricht oder E-Mail an das Schulkonto.

  • Zum Ende des Schuljahres löscht die App alle Angebote, Gesuche und Buchungen des Schuljahres.

Weitere passende nichtfunktionale Anforderungen, z. B.:

  • Antwortzeit: Die Liste der offenen Angebote wird auch bei 300 gleichzeitigen Nutzenden in 95 % der Abrufe in höchstens 2 Sekunden angezeigt.

  • Barrierefreiheit: Die App erfüllt die WCAG 2.2 auf Stufe AA und ist vollständig mit einem Screenreader bedienbar (die Schule ist eine öffentliche Stelle).

  • Benutzbarkeit: Acht von zehn Testpersonen ohne Vorkenntnisse können ohne Hilfe innerhalb von zwei Minuten eine Fahrt anbieten.

  • Sprache: Alle Texte gibt es auf Deutsch und auf Englisch.

  • Sicherheit und Datenschutz: Die Daten werden nur verschlüsselt (TLS) übertragen und auf Servern der Schul-IT OWL bzw. in der EU gespeichert; Verarbeitung nach DSGVO und den Datenschutzregeln der Schule.

„Die App läuft auf Android und iOS“ ist keine Funktion. Als funktionale Anforderung eingetragen, erhält die Zeile für die Art keinen Punkt; als nichtfunktionale Anforderung (Randbedingung) ist sie richtig, wenn ein prüfbares Kriterium dazu gehört.

e) Im Projekt-Workshop wurden die folgenden Aussagen gesammelt. Ordne jede Aussage zu – funktionale Anforderung (F), nichtfunktionale Anforderung als Qualitätsanforderung (Q) oder als Randbedingung (R) – und begründe die Zuordnung in Stichworten. (8 Punkte)

Aussagen aus dem Projekt-Workshop
Nr. Aussage F / Q / R Begründung
1 Wer eine Fahrt anbietet, kann sie bis 30 Minuten vor der Abfahrt absagen; alle Mitfahrenden werden sofort benachrichtigt.
2 Die Anmeldung erfolgt ausschließlich über das Schulkonto per Single Sign-on.
3 Die Angebotsliste ist auch bei 300 gleichzeitigen Zugriffen in höchstens 2 Sekunden geladen.
4 Die Monitore zeigen zu jedem offenen Angebot Ort, Treffpunkt, Richtung, Uhrzeit und freie Plätze.
5 Für die App gelten die DSGVO und die Datenschutzregeln der Schule.
6 Die App ist vollständig mit einem Screenreader bedienbar.
7 Hosting und Abspielgeräte für die Monitore dürfen zusammen höchstens 1.200 € kosten.
8 Bricht beim Anbieten einer Fahrt die Mobilfunkverbindung ab, bleiben die bisherigen Eingaben erhalten.

Je Zeile 1 Punkt (richtige Zuordnung mit passender Begründung):

Nr. F / Q / R Begründung
1 F Verhalten der App: Absage unter einer Bedingung und Benachrichtigung
2 R technische Vorgabe, welches Anmeldeverfahren zu verwenden ist (die Anmeldefunktion selbst wäre funktional)
3 Q wie schnell: Leistungseffizienz, messbar formuliert
4 F Funktion: Anzeige bestimmter Daten
5 R rechtliche bzw. organisatorische Vorgabe
6 Q wie benutzbar: Barrierefreiheit
7 R finanzielle Vorgabe (Budget)
8 Q wie zuverlässig: Fehlertoleranz, keine Datenverluste

Bei Zeile 2 ist F mit der Begründung „Anmeldefunktion“ nur dann richtig, wenn deutlich wird, dass es um die Funktion und nicht um die Vorgabe des Verfahrens geht. Bei Zeile 5 ist Q mit der Begründung „Sicherheit/Datenschutz“ vertretbar.

f) Oksana Melnyk hat erste Anforderungen gesammelt. Gib für jede der drei Formulierungen an, was daran problematisch ist, und formuliere sie so um, dass sie eindeutig und prüfbar ist. (6 Punkte)

  1. „Die App soll schnell und modern sein.“

  2. „Wir bauen die Oberfläche mit dem Framework React.“

  3. „Mitfahrende werden rechtzeitig erinnert.“

Je Formulierung 1 Punkt für das Problem und 1 Punkt für eine prüfbare Neufassung, z. B.:

  1. Problem: „schnell“ und „modern“ sind vage und nicht prüfbar; außerdem stecken zwei Anforderungen in einem Satz. Neufassung: „Die Liste der offenen Angebote eines Haltepunkts wird bei bis zu 300 gleichzeitigen Nutzenden in 95 % der Abrufe in höchstens 2 Sekunden angezeigt.“ (Für „modern“ eine eigene Anforderung, z. B. „Die Oberfläche hält die Gestaltungsrichtlinie der Schule ein (Farben, Schrift, Logo).“)

  2. Problem: Das ist eine Lösung bzw. Entwurfsentscheidung, keine Anforderung; sie sagt nicht, was die Nutzenden brauchen. Neufassung: „RatzFahrt läuft als Web-App in den jeweils aktuellen Versionen von Chrome, Edge, Firefox und Safari auf Smartphone, Tablet und PC.“ (Randbedingung) – oder die eigentlich gemeinte Funktion als Anforderung beschreiben.

  3. Problem: „rechtzeitig“ ist unklar; offen bleibt auch, wer erinnert wird und auf welchem Weg. Neufassung: „30 Minuten vor der Abfahrt erhalten die Fahrerin bzw. der Fahrer und alle bestätigten Mitfahrenden eine Erinnerung per Push-Nachricht oder E-Mail an ihr Schulkonto.“

Aufgabe 2.2: Neue Server-Infrastruktur und ein Ticketsystem für eine Freizeit-App (Kernkompetenz)

(ca. 34 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r im Entwicklungsteam der Let’s Meet GmbH am Jahnplatz in Bielefeld. Mit der App „Let’s Meet“ (Android, iOS, Web) finden Menschen andere für gemeinsame Freizeitaktivitäten. Die App hat 41.800 registrierte Konten, davon 18.200 monatlich aktiv.

Backend (Spring Boot) und Datenbank (MariaDB) laufen bisher in Docker-Containern auf einem einzigen gemieteten Server. An mehreren Sonntagnachmittagen im September und Oktober 2026 – wenn besonders viele Nutzende Aktivitäten für die neue Woche planen – war die App jeweils über eine Stunde lang nicht erreichbar. Supportanfragen und Meldungen über unangemessenes Verhalten kommen bisher per E-Mail an eine Sammeladresse; einige Meldungen blieben tagelang liegen.

Geschäftsführerin Clara Neumann und Entwicklungsleiter Yusuf Demir beschließen zwei Vorhaben:

  1. Backend und Datenbank ziehen zu einem Rechenzentrumsbetreiber mit zwei Standorten in Deutschland um.

  2. Für Supportanfragen und Meldungen wird eine fertige Support-Software (Ticketsystem) eingeführt. Meldungen aus der App sollen dort automatisch als Ticket ankommen und vom Moderationsteam bearbeitet werden.

Für die Planung des Umzugs hat das Team die Ausfälle im Oktober 2026 zusammengestellt:

Störungsprotokoll von Let’s Meet im Oktober 2026
Datum Ausfallzeit Dauer Ursache
So, 04.10.2026 15:05–16:20 Uhr 75 min Backend-Container wegen Speichermangels bei hoher Last abgestürzt; erst nach Beschwerden von Nutzenden von Hand neu gestartet
So, 11.10.2026 14:50–15:58 Uhr 68 min Störung im Netz des Hosters, Server nicht erreichbar
So, 18.10.2026 15:20–16:52 Uhr 92 min Datenbank-Container nach automatischem Update nicht gestartet; Daten aus der Sicherung zurückgespielt

a) Yusuf Demir meint zunächst: „Ein stärkerer Server hätte gereicht.“ Erläutere anhand des Störungsprotokolls, warum das nicht genügt, und leite daraus für die neue Infrastruktur eine funktionale sowie eine nichtfunktionale Anforderung ab. (5 Punkte)

Erläuterung (1 Punkt): Ein stärkerer Server hätte höchstens den Absturz vom 04.10. verhindert. Die Netzstörung beim Hoster und das fehlgeschlagene Update hätten ihn genauso getroffen: Der einzelne Server bleibt ein Single Point of Failure. Außerdem bemerkte niemand die Ausfälle rechtzeitig, und es gab keinen zweiten Standort, auf den man hätte umschalten können.

Anforderungen (je 2 Punkte: 1 Punkt passende Anforderung mit Bezug zum Protokoll, 1 Punkt richtige Art), z. B.:

Funktional:

  • Die Infrastruktur stellt Backend und Datenbank an beiden Standorten bereit und schaltet bei Ausfall eines Standorts automatisch auf den anderen um (Netzstörung am 11.10.).

  • Ein Überwachungsdienst (Monitoring) prüft die Erreichbarkeit der REST-API jede Minute und alarmiert bei einem Ausfall die Rufbereitschaft (Neustart erst nach Beschwerden am 04.10.).

  • Ein Lastverteiler (Load Balancer) verteilt die Anfragen der Apps auf mehrere Backend-Container (Absturz bei hoher Last am 04.10.).

  • Updates werden zuerst auf einer Testumgebung eingespielt; schlägt der Start fehl, wird automatisch die vorherige Version gestartet (18.10.).

Nichtfunktional:

  • Die App ist je Kalendermonat zu mindestens 99,95 % verfügbar.

  • Die REST-API antwortet auch bei der dreifachen Last eines Sonntagnachmittags in 95 % der Anfragen in höchstens 500 ms.

  • Nach dem Ausfall eines Standorts ist die App nach spätestens 15 Minuten wieder erreichbar.

  • Beide Rechenzentren liegen in Deutschland (Randbedingung aus dem Datenschutz).

b) Für den Vertrag mit dem Rechenzentrumsbetreiber schlägt Yusuf Demir eine Verfügbarkeit von 99,5 % je Kalendermonat vor, Clara Neumann möchte 99,95 %. Berechne, wie verfügbar die App im Oktober 2026 war (31 Tage zu je 24 Stunden, Betrieb rund um die Uhr). Ermittle für beide Vorschläge, wie viele Minuten die App im Oktober höchstens hätte ausfallen dürfen, und entscheide begründet, welcher Wert in den Vertrag gehört. (6 Punkte)

Geg.: t_M = 31 \cdot 24 \cdot 60\,\mathrm{min} = 44\,640\,\mathrm{min} (Dauer des Monats), Ausfälle t_A = 75\,\mathrm{min} + 68\,\mathrm{min} + 92\,\mathrm{min} = 235\,\mathrm{min}, Vorschläge V_1 = 99{,}5\,\% = 0{,}995 und V_2 = 99{,}95\,\% = 0{,}9995

Ges.: V_{ist} (Verfügbarkeit im Oktober)

Die Verfügbarkeit ist der Anteil der Zeit, in der das System erreichbar ist (2 Punkte):

V = \frac{t_M - t_A}{t_M}

V_{ist} = \frac{44\,640\,\mathrm{min} - 235\,\mathrm{min}}{44\,640\,\mathrm{min}} = \frac{8881}{8928} \approx 0{,}99474 \approx \underline{\underline{99{,}474\,\%}}

Ges.: t_{A,max} (höchstens zulässige Ausfallzeit) für beide Vorschläge (2 Punkte)

V = \frac{t_M - t_A}{t_M} \quad | \cdot t_M

V \cdot t_M = t_M - t_A \quad | + t_A - V \cdot t_M

t_A = t_M - V \cdot t_M = t_M \cdot (1 - V)

t_{A,max,1} = 44\,640\,\mathrm{min} \cdot (1 - 0{,}995) = \frac{1116}{5}\,\mathrm{min} \approx \underline{\underline{223{,}200\,\mathrm{min}}}

t_{A,max,2} = 44\,640\,\mathrm{min} \cdot (1 - 0{,}9995) = \frac{558}{25}\,\mathrm{min} \approx \underline{\underline{22{,}320\,\mathrm{min}}}

Entscheidung (2 Punkte): Mit 235 Minuten Ausfall hätte der Oktober selbst Yusufs Vorschlag knapp verfehlt (223,2 Minuten zulässig). 99,5 % würde also fast den heutigen Zustand mit einem einzigen Server festschreiben und erlaubt im Monat mehr als drei Stunden Ausfall – genau die Sonntagsausfälle, die der Umzug beenden soll. In den Vertrag gehört deshalb der strengere Wert von 99,95 %: Dann darf die App im ganzen Monat höchstens rund 22 Minuten ausfallen, kein einzelner Ausfall aus dem Oktober wäre noch zulässig. Das erreicht der Betreiber nur mit zwei Standorten und automatischer Umschaltung. Vertretbar ist auch eine begründete Entscheidung für einen Wert dazwischen, wenn sie die Kosten der höheren Verfügbarkeit abwägt.

c) Beschreibe zwei Anforderungen an die einzuführende Support-Software und gib jeweils an, ob es sich um eine funktionale oder eine nichtfunktionale Anforderung handelt. (4 Punkte)

Je Anforderung 2 Punkte (1,5 Punkte Beschreibung mit Bezug, 0,5 Punkte richtige Zuordnung), z. B.:

  • funktional: Meldungen aus der App werden über eine Schnittstelle (REST-API) automatisch als Ticket angelegt – mit Meldungsnummer, gemeldetem Konto, betroffener Aktivität und Begründung.

  • funktional: Ein Ticket kann einer Person aus dem Moderationsteam zugewiesen werden; jeder Bearbeitungsschritt wird mit Zeitpunkt und bearbeitender Person im Verlauf dokumentiert.

  • funktional: Ist eine Meldung nach 24 Stunden noch unbearbeitet, erhält die Leitung des Moderationsteams einen Hinweis.

  • nichtfunktional: Die Software läuft im Browser und ist mit den vorhandenen Windows- und macOS-Arbeitsplätzen kompatibel, ohne dass eine lokale Installation nötig ist.

  • nichtfunktional: Neue Moderierende können nach einer Einweisung von höchstens einer Stunde Tickets selbstständig bearbeiten.

  • nichtfunktional: Die Daten werden ausschließlich in Rechenzentren in der EU gespeichert; der Anbieter schließt einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung ab.

d) Nenne zwei Randbedingungen, die das Team bei der Auswahl der Support-Software beachten muss, und gib zu jeder ein konkretes Beispiel. (4 Punkte)

Je Randbedingung 1 Punkt, je passendes Beispiel 1 Punkt, z. B.:

Mögliche Randbedingungen für die Support-Software
Randbedingung Beispiel bei Let’s Meet
rechtlich (Datenschutz) Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO, Speicherung in der EU, Löschkonzept: Daten gelöschter Konten werden nach 30 Tagen anonymisiert – auch in Tickets
rechtlich (Plattformregeln) Digital Services Act: Meldungen müssen einfach möglich sein, ihr Eingang wird der meldenden Person bestätigt
finanziell Budget für Lizenzkosten je Arbeitsplatz und Monat
technisch Anbindung an die vorhandene REST-API des Backends und an die Anmeldung, die das Team schon nutzt
organisatorisch kleines Moderationsteam, Bearbeitung auch am Wochenende
zeitlich Einführung vor einem festgelegten Termin, z. B. bevor eine neue App-Version erscheint

e) Clara Neumann meint im Projektmeeting: „Datenschutz müssen wir nicht als Anforderung aufschreiben – das regelt doch das Gesetz.“ Nimm Stellung zu dieser Aussage. (3 Punkte)

Je Gedanke 1 Punkt, z. B.:

  • Die Aussage greift zu kurz: Gesetzliche Vorgaben wie die DSGVO sind Randbedingungen und gehören damit zu den nichtfunktionalen Anforderungen. Sie müssen genauso dokumentiert werden wie andere Anforderungen.

  • Das Gesetz legt nicht fest, wie es bei Let’s Meet umgesetzt wird. Daraus folgen konkrete Anforderungen, z. B. welche Daten ein Ticket enthält, wer Tickets lesen darf, wann Tickets gelöscht oder anonymisiert werden und dass der Anbieter einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung abschließt.

  • Nur dokumentierte Anforderungen fließen in die Auswahl der Software, in den Vertrag, in die Tests und in die Abnahme ein. Deshalb sollte die Datenschutzbeauftragte Dr. Marta Kowalczyk von Anfang an beteiligt werden.

f) Jonas Weber soll die Anforderung „Meldungen bearbeiten“ für das Lastenheft der Support-Software dokumentieren. Vervollständige die Tabelle. (6 Punkte)

Vorlage für die Dokumentation der Anforderung A-07
Nr. Name Beschreibung (als Satz nach einer Satzschablone) Akzeptanzkriterium Testfall (Eingabe → erwartetes Ergebnis) Priorität mit Begründung
A-07 Meldungen bearbeiten

Beschreibung 2 Punkte, Akzeptanzkriterium 2 Punkte, Testfall 1 Punkt, Priorität mit Begründung 1 Punkt, z. B.:

Beispiellösung für die Anforderung A-07
Feld Inhalt
Beschreibung Die Support-Software muss den Moderierenden die Möglichkeit bieten, eine aus der App eingegangene Meldung zu übernehmen, Bearbeitungsschritte zu kommentieren und die Meldung mit einem Ergebnis („unbegründet“, „Verwarnung“, „Sperre“) abzuschließen.
Akzeptanzkriterium Eine Meldung aus der App erscheint spätestens eine Minute nach dem Absenden als Ticket. Ein Ticket lässt sich nur mit Ergebnis und Kommentar abschließen. Jeder Schritt steht mit Zeitpunkt und bearbeitender Person im Verlauf. Beim Ergebnis „Sperre“ ist das gemeldete Konto in der App gesperrt.
Testfall Ein Testkonto meldet eine Aktivität → nach höchstens einer Minute gibt es ein Ticket mit der Meldungsnummer. Abschluss ohne Kommentar → Hinweis, Ticket bleibt offen. Abschluss mit „Sperre“ und Kommentar → Ticket geschlossen, Konto gesperrt, Verlauf vollständig.
Priorität muss (must-have): Ohne zuverlässige Bearbeitung von Meldungen kann Let’s Meet seine Nutzenden, insbesondere Minderjährige, nicht schützen und die gesetzlichen Pflichten zu Meldewegen nicht erfüllen.

g) Nach dem Umzug soll in einem Systemtest geprüft werden, ob die Anforderungen an die neue Infrastruktur erfüllt sind. Beschreibe, wie Du eine nichtfunktionale Anforderung aus a) prüfst, und erläutere, warum dafür ein messbares Akzeptanzkriterium nötig ist. (4 Punkte)

Beschreibung (2 Punkte), z. B. für die Antwortzeit: In einem Lasttest erzeugt ein Werkzeug (z. B. Apache JMeter) auf der Testumgebung die dreifache Zahl an Anfragen eines typischen Sonntagnachmittags, und zwar mit realistischen Abläufen (Aktivitäten suchen, anmelden, Chat öffnen). Gemessen werden die Antwortzeiten der REST-API; geprüft wird, ob 95 % der Anfragen in höchstens 500 ms beantwortet werden.

Ebenso richtig: Ausfalltest für die Umschaltung (ein Standort wird gezielt abgeschaltet, gemessen wird, wann die App wieder erreichbar ist) oder Auswertung der Monitoring-Daten über einen Monat für die Verfügbarkeit.

Erläuterung (2 Punkte): Ohne einen messbaren Wert gibt es kein eindeutiges „bestanden“ oder „nicht bestanden“. Formulierungen wie „die App soll schnell sein“ führen bei der Abnahme zu Streit, weil Auftraggeber und Auftragnehmer sie unterschiedlich auslegen. Mit Messgröße, Messbedingungen und Grenzwert lässt sich der Test wiederholen und das Ergebnis objektiv beurteilen.

h) Neben Interviews will das Team weitere Quellen für Anforderungen an die Support-Software nutzen. Nenne drei Quellen und jeweils eine Anforderung, die sich daraus ergeben könnte. (3 Punkte)

Je Quelle mit passender Anforderung 1 Punkt, z. B.:

  • E-Mails der Sammeladresse der letzten Monate (Dokumentenanalyse): häufige Anliegen ergeben feste Ticket-Kategorien und Antwortvorlagen.

  • Tabelle meldung in der Datenbank (bestehendes System): Felder wie gemeldetes Konto, Aktivität, Grund und Status müssen ins Ticket übernommen werden.

  • Gesetze (DSGVO, Digital Services Act): Die meldende Person erhält eine Eingangsbestätigung; Ticketdaten werden nach festgelegten Fristen gelöscht.

  • Löschkonzept der Datenschutzbeauftragten: Tickets zu gelöschten Konten werden nach 30 Tagen anonymisiert.

  • Bewertungen im App-Store: Beschwerden über fehlende Rückmeldung ergeben die Anforderung, Nutzende über den Abschluss ihrer Meldung zu informieren.

  • Beobachtung des Moderationsteams bei der Arbeit mit dem E-Mail-Postfach: Tickets brauchen eine Zuweisung, damit keine Meldung doppelt oder gar nicht bearbeitet wird.

i) Damit keine Art von nichtfunktionaler Anforderung vergessen wird, will das Team eine Checkliste verwenden. Nenne vier Merkmale, nach denen nichtfunktionale Anforderungen gegliedert werden können, z. B. nach FURPS+ oder nach ISO/IEC 25010. (2 Punkte)

Je Merkmal 0,5 Punkte, z. B.:

  • nach FURPS+: Benutzbarkeit (Usability), Zuverlässigkeit (Reliability), Leistung bzw. Effizienz (Performance), Wartbarkeit (Supportability) und „+“ (z. B. Vorgaben zu Implementierung, Schnittstellen, Betrieb, Lizenzen)

  • nach ISO/IEC 25010: Leistungseffizienz, Kompatibilität, Benutzbarkeit bzw. Interaktionsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit, Wartbarkeit, Übertragbarkeit bzw. Flexibilität, Betriebssicherheit (Fassung 2023)

„Funktionalität“ bzw. „funktionale Eignung“ ist kein Merkmal für nichtfunktionale Anforderungen und zählt hier nicht.

Aufgabe 2.3: Ist-Aufnahme für die Geräteausleihe einer Schule (Kernkompetenz)

(ca. 30 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der Schul-IT OWL, dem IT-Dienstleister des Schulträgers in Bielefeld. Das Ratz und Rübe Berufskolleg (RRB) besitzt einen Pool von 120 Notebooks und 60 Tablets, die Schüler*innen und Lehrkräfte für Unterricht, Prüfungsprojekte und Veranstaltungen wie das Barcamp ausleihen können. Ausgegeben werden die Geräte in der Bibliothek in Gebäude C, die Nadia Haddad leitet. Schulleiterin Petra Schulze-Albers wünscht sich eine digitale Geräteausleihe; Deine Ausbilderin Svenja Krämer übernimmt das Projekt und bittet Dich, die Ist-Aufnahme vorzubereiten.

a) Nenne drei Methoden der Ist-Aufnahme und wende sie jeweils auf die Geräteausleihe an. (6 Punkte)

Je Methode 1 Punkt, je passende Anwendung 1 Punkt, z. B.:

Methode Anwendung auf die Geräteausleihe
Beobachtung An mehreren Tagen die Ausgabe und Rückgabe in der Bibliothek beobachten: Wie lange dauert ein Vorgang? Zu welchen Zeiten entstehen Wartezeiten? Was wird wie notiert?
Interview Nadia Haddad und das Bibliotheksteam befragen: Wie läuft eine Ausleihe ab? Welche Probleme gibt es (verspätete Rückgaben, Schäden, verlorene Ladegeräte)?
Fragebogen / Online-Umfrage Lehrkräfte und Schüler*innen befragen: Wie oft leihen sie Geräte aus, wie zufrieden sind sie, würden sie online reservieren?
Dokumentenauswertung / Datenanalyse Die Ausleihlisten und Schadensmeldungen des letzten Schuljahres auswerten: Wie viele Ausleihen gibt es je Woche, welche Geräte fehlen am häufigsten?

b) Bevor Du mit der Ist-Aufnahme beginnst, triffst Du Petra Schulze-Albers zu einem ersten Gespräch. Damit es zielgerichtet verläuft, bereitest Du einen Gesprächsleitfaden vor: Lege zwei weitere Themenbereiche fest, notiere zu jedem der drei Themenbereiche eine offene Frage an die Schulleiterin und gib an, was Du mit der Antwort für die Projektplanung klären willst. (7 Punkte)

Gesprächsleitfaden für das erste Gespräch mit der Schulleiterin
Themenbereich Offene Frage an Petra Schulze-Albers Das will ich damit klären
Beteiligte

1 Punkt für zwei passende, voneinander verschiedene Themenbereiche; je Zeile 1 Punkt für eine offene, konkrete Frage mit Bezug zur Geräteausleihe und 1 Punkt für den Zweck. Geschlossene Ja-/Nein-Fragen erhalten höchstens 0,5 Punkte.

Beispiellösung für den Gesprächsleitfaden
Themenbereich Offene Frage an Petra Schulze-Albers Das will ich damit klären
Beteiligte Welche Personen und Gremien sollen bei der Einführung der digitalen Ausleihe mitreden, etwa das Bibliotheksteam, die Datenschutzbeauftragte oder die Lehrerkonferenz? Wen ich für Interviews einplane und wer Anforderungen freigeben muss (Stakeholder)
Ziele Woran würden Sie in einem Jahr erkennen, dass sich die digitale Ausleihe gelohnt hat? messbare Projektziele, z. B. weniger verschwundene Geräte oder keine Doppelreservierungen
Umfang Welche Gruppen sollen künftig Geräte ausleihen dürfen, und sollen neben Notebooks und Tablets weitere Geräte dazukommen? Abgrenzung des Systems und Mengengerüst

Ebenso passende Themenbereiche mit Fragen, z. B.:

  • Termine und Mittel: Bis zu welchem Schulhalbjahr muss die Ausleihe laufen, und welche Mittel stellt der Schulträger dafür bereit? – zeitlicher und finanzieller Rahmen.

  • Technik: Mit welchen Konten arbeiten Schüler*innen und Lehrkräfte heute, und welche Geräte stehen in der Bibliothek zur Verfügung? – technische Randbedingungen, z. B. Anmeldung mit dem Schulkonto.

  • Regeln der Ausleihe: Wie soll künftig mit verspäteten Rückgaben und beschädigten Geräten umgegangen werden? – Abläufe, die das System abbilden muss.

c) Bei der Ist-Aufnahme hast Du folgende Notizen gemacht:

Ausleihe auf einem Papierformular (Name, Klasse, Gerätenummer, Datum); Nadia Haddad tippt die Formulare einmal pro Woche in eine Tabellenkalkulation auf dem Bibliotheks-PC. Die Tabelle liegt nur auf diesem PC. Reservierungen per E-Mail oder Zuruf, manchmal doppelt vergeben. Ausleihe nur während der Öffnungszeiten der Bibliothek (Mo–Do 8–14 Uhr). Im letzten Schuljahr 9 Geräte zeitweise „verschollen“, 2 nie wiedergefunden. Ladezustand und Schäden werden bei der Rückgabe nicht geprüft.

Beschreibe drei Schwachstellen der bisherigen Ausleihe. (6 Punkte)

Je Schwachstelle mit Folge 2 Punkte, z. B.:

  • Medienbruch und Doppelerfassung: Die Daten werden auf Papier erfasst und erst wöchentlich abgetippt. Dabei entstehen Tippfehler, und bis zur Übertragung weiß niemand genau, welches Gerät wo ist.

  • Unsichere Datenhaltung: Die Tabelle liegt nur auf dem Bibliotheks-PC, ohne Sicherung und ohne Zugriff für andere. Fällt der PC aus, sind alle Ausleihdaten verloren.

  • Keine verlässliche Reservierung: Reservierungen per E-Mail oder Zuruf werden nicht zentral geführt; Geräte werden doppelt vergeben, und Lehrkräfte können sich für Klassenarbeiten nicht auf die Geräte verlassen.

  • Eingeschränkte Verfügbarkeit: Ausleihen und Rückgaben sind nur zu den Öffnungszeiten möglich; am Freitag oder nachmittags kommt niemand an ein Gerät.

  • Keine Nachverfolgung und Rückgabeprüfung: Ohne Erinnerungen und Kontrolle gehen Geräte verloren (2 im letzten Jahr), und Schäden fallen erst beim nächsten Ausleihenden auf.

d) Beschreibe drei technische Anforderungen, die das neue Ausleihsystem erfüllen muss. (6 Punkte)

Je beschriebene Anforderung mit Bezug zur Situation 2 Punkte, z. B.:

  • Anmeldung mit dem Schulkonto: Schüler*innen und Lehrkräfte melden sich mit ihrem vorhandenen Schulkonto an (Anbindung an den Verzeichnisdienst der Schul-IT), sodass keine zusätzlichen Zugangsdaten nötig sind und Abgänger*innen automatisch keinen Zugriff mehr haben.

  • Erfassung per Code: Jedes Gerät erhält einen Barcode oder QR-Code; bei Aus- und Rückgabe wird er gescannt, damit Gerätenummern nicht mehr von Hand eingetragen werden.

  • Zentrale Datenhaltung mit Sicherung: Die Daten liegen auf einem Server der Schul-IT mit täglicher Sicherung und sind von jedem berechtigten Gerät aus abrufbar.

  • Rollen und Rechte: Schüler*innen sehen nur ihre eigenen Ausleihen, das Bibliotheksteam alle; Auswertungen sind nur für berechtigte Personen möglich.

  • Erinnerungen: Das System verschickt automatisch eine E-Mail vor Ablauf der Leihfrist und meldet überfällige Geräte an das Bibliotheksteam.

  • Verschlüsselte Übertragung: Alle Zugriffe laufen über HTTPS, weil personenbezogene Daten übertragen werden.

e) Petra Schulze-Albers möchte, dass Lehrkräfte Geräte für ihre Klassen künftig online reservieren können.

Beschreibe je einen Vorteil und einen Nachteil einer Online-Reservierung für die Schule. (4 Punkte)

Je 2 Punkte, z. B.:

  • Vorteil: Lehrkräfte können jederzeit, auch abends, sehen, welche Geräte frei sind, und sie verbindlich reservieren. Doppelvergaben entfallen, und das Bibliotheksteam muss keine E-Mails mehr abgleichen.

  • Nachteil: Lehrkräfte, die selten digital arbeiten, brauchen eine Einweisung; außerdem besteht die Gefahr, dass Geräte „auf Vorrat“ reserviert und dann nicht abgeholt werden. Daraus folgt eine weitere Anforderung, z. B. automatische Freigabe nicht abgeholter Reservierungen nach 30 Minuten.

Weitere Nachteile: Ausfall des Systems legt die Planung lahm; zusätzliche Kosten für Betrieb und Pflege.

f) Für die Präsentation des Konzepts bereitest Du eine Kriterientabelle vor. Übertrage die Tabelle auf Dein Blatt und vervollständige die fehlenden Felder. (4 Punkte)

Kriterientabelle für das Ausleihsystem
Kriterium Erklärung Nutzen für die Geräteausleihe
Anmeldung mit dem Schulkonto (Single Sign-on) Nutzende melden sich einmal mit ihrem vorhandenen Konto an und erreichen damit mehrere Anwendungen. keine weiteren Passwörter; wer die Schule verlässt, verliert automatisch den Zugang
Verschlüsselte Übertragung (HTTPS/TLS)
Responsive Design

Je Feld 1 Punkt, z. B.:

Kriterium Erklärung Nutzen für die Geräteausleihe
Verschlüsselte Übertragung (HTTPS/TLS) Die Daten zwischen Browser bzw. App und Server werden verschlüsselt übertragen; der Server weist sich mit einem Zertifikat aus. Namen, Klassen und Ausleihen können im Schul- und Gäste-WLAN nicht mitgelesen oder verändert werden (Datenschutz).
Responsive Design Die Oberfläche passt sich automatisch an die Bildschirmgröße an (Smartphone, Tablet, PC). Lehrkräfte reservieren auch unterwegs mit dem Smartphone, das Bibliotheksteam arbeitet am PC mit derselben Anwendung.

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