Geschäftsprozesse mit der Ereignisgesteuerten Prozesskette (EPK) modellieren
https://bildung.social/@oerinformatik/
https://oer-informatik.de/epk
Geschäftsprozessmodellierung, Ereignisgesteuerte Prozesskette, EPK, eEPK, Ereignis, Funktion, Konnektor, Organisationseinheit, Informationsobjekt, ARIS, Ablauforganisation
tl/dr; (ca. 8 min Lesezeit): Die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) ist besonders im deutschsprachigen Raum und im SAP-Umfeld eine verbreitete Notation, um Geschäftsprozesse zu modellieren. Der Artikel erklärt Ereignisse, Funktionen, Konnektoren, Organisationseinheiten und Informationsobjekte, zeigt die Modellierungsregeln und den Unterschied zwischen einfacher und erweiterter EPK am Beispiel eines Urlaubsantrags und grenzt die EPK von BPMN ab [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Schon fit in diesem Thema? Nutze die Kann-Liste und die Leitfragen unter dem Artikel als Checkliste, ob Du die relevanten Kompetenzen bereits hast.
Als Grundlagen der EPK kann ich nach Durchlesen des Artikels…
… die Symbole der EPK (Ereignis, Funktion, Konnektoren, Organisationseinheit, Informationsobjekt) benennen und angeben, welche Ereignisse bei UND, ODER und XOR eintreten müssen,
… eine einfache EPK von einer erweiterten EPK (eEPK) unterscheiden,
… eine EPK nach den Modellierungsregeln ergänzen und aus einer Beschreibung erstellen,
… die wichtigsten Unterschiede zwischen EPK und BPMN nennen.
Darüber hinaus kann ich als Expertenwissen…
- … bekannte Geschäftsprozesse als eEPK mit Organisationseinheiten, Informationsobjekten, parallelen Abläufen und Schleifen modellieren.
Die EPK als Sprache der Fachabteilung
Bevor Geschäftsprozesse optimiert und digitalisiert werden, müssen sie verstanden und dokumentiert werden. Das übernehmen in Unternehmen meist die Fachabteilungen – in der Sprache der Problemdomäne, also als Abfolge betriebswirtschaftlicher Tätigkeiten und nicht als Daten- und Kontrollfluss eines Programms. Neben Business Process Model and Notation (BPMN) ist die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) eine der verbreitetsten Notationen dafür.
Warum Geschäftsprozesse überhaupt grafisch und mit einer normierten Notation dargestellt werden und welche Darstellungsarten zur Ablauf- bzw. zur Aufbauorganisation gehören, beschreibt der Artikel Geschäftsprozesse mit BPMN modellieren. Hier geht es um die Elemente und Regeln der EPK.
Herkunft und Grundidee der EPK
Die EPK wurde Anfang der 1990er-Jahre an der Universität des Saarlandes (Keller, Nüttgens, Scheer) für das ARIS-Konzept entwickelt und ist besonders im deutschsprachigen Raum und im SAP-Umfeld verbreitet. Sie beschreibt einen Prozess als Kette, in der sich Ereignisse und Funktionen abwechseln: Ein Ereignis löst eine Funktion aus, die Funktion erzeugt ein neues Ereignis.
Symbole der EPK
| Element | Symbol | Bedeutung | Beschriftung |
|---|---|---|---|
| Ereignis | Sechseck (meist rosa/rot) | ein eingetretener Zustand, der eine Funktion auslöst oder ihr Ergebnis ist | Substantiv + Partizip: „Antrag ist eingegangen“ |
| Funktion | abgerundetes Rechteck (meist grün) | eine Tätigkeit, die Zeit und Ressourcen braucht | Substantiv + Verb im Infinitiv: „Antrag prüfen“ |
| Konnektor | Kreis mit ∧ (UND), ∨ (ODER) oder XOR | verzweigt oder führt den Kontrollfluss zusammen | – |
| Kontrollfluss | Pfeil | zeitlich-logische Reihenfolge | – |
| Organisationseinheit | Ellipse (meist gelb, oft mit senkrechtem Strich) | wer die Funktion ausführt | Stelle, Rolle, Abteilung |
| Informationsobjekt | Rechteck (meist blau) | Daten, Dokumente oder Systeme, die gelesen oder erzeugt werden | „Rechnung“, „Kundendatenbank“ |
| Informationsfluss | gestrichelter Pfeil | Richtung: zur Funktion = lesen, von der Funktion weg = schreiben/erzeugen | – |
| Zuordnung | Linie ohne Pfeil | verbindet Organisationseinheit und Funktion | – |
| Prozesswegweiser | Funktions- über Ereignissymbol | Verweis auf einen vor- oder nachgelagerten Prozess | Name des Prozesses |
Eine EPK, die nur aus Ereignissen, Funktionen und Konnektoren besteht, heißt auch einfache EPK. Werden Organisationseinheiten und Informationsobjekte ergänzt, spricht man von einer erweiterten EPK (eEPK).
Konnektoren: Welche Ereignisse müssen eintreten?
Mit Konnektoren wird der Ablauf verzweigt (Split, ein Eingang, mehrere Ausgänge) oder zusammengeführt (Join, mehrere Eingänge, ein Ausgang). Bei einem Join vor einer Funktion legt der Konnektor fest, welche Ereignisse eingetreten sein müssen, damit die Funktion startet:
| Konnektor | als Join vor einer Funktion | als Split nach einer Funktion |
|---|---|---|
| UND (∧) | alle Ereignisse müssen eingetreten sein | alle folgenden Ereignisse treten ein bzw. alle Zweige laufen parallel |
| ODER (∨) | mindestens eines der Ereignisse (eines, mehrere oder alle) | mindestens eines der folgenden Ereignisse tritt ein |
| exklusives ODER (XOR) | genau eines der Ereignisse | genau eines der folgenden Ereignisse tritt ein |
Modellierungsregeln
Eine EPK beginnt und endet mit einem Ereignis (bzw. mit einem Prozesswegweiser).
Ereignisse und Funktionen wechseln sich ab; zwei Ereignisse oder zwei Funktionen folgen nie direkt aufeinander (Konnektoren dazwischen zählen nicht).
Jedes Ereignis und jede Funktion hat genau einen eingehenden und einen ausgehenden Kontrollfluss (außer Start- und Endereignisse); Verzweigungen gibt es nur über Konnektoren.
Ein Ereignis kann nicht entscheiden: Auf ein einzelnes Ereignis darf kein ODER- oder XOR-Split folgen. Entscheidungen trifft immer eine Funktion; nach ihr folgt der XOR- bzw. ODER-Split mit den möglichen Ergebnis-Ereignissen.
Ein Split wird mit einem Join desselben Typs wieder zusammengeführt (UND mit UND, XOR mit XOR).
Schleifen (z. B. „Daten sind unvollständig“ → zurück zur Eingabe) führen über einen XOR-Join vor der Funktion, die wiederholt wird.
Der Prozess wird von oben nach unten modelliert.
Beispiel: Urlaubsantrag als eEPK
Ein Urlaubsantrag geht ein. Die Teamleitung prüft ihn anhand des Urlaubsplans. Wird er abgelehnt, begründet sie die Ablehnung und teilt sie mit. Wird er genehmigt, wird der Urlaub im Personalsystem eingetragen, und gleichzeitig legt die Teamleitung eine Vertretung fest. Sind beide Tätigkeiten erledigt, wird die mitarbeitende Person informiert.
Achte im Modell auf die Richtung der Informationsflüsse: „Antrag prüfen“ liest den Urlaubsplan (Pfeil zur Funktion), „Urlaub im Personalsystem eintragen“ schreibt in das Personalsystem (Pfeil vom Funktionssymbol weg). Nach dem XOR-Split stehen die beiden möglichen Ergebnis-Ereignisse, nach dem UND-Split laufen beide Funktionen parallel und werden mit einem UND-Join wieder zusammengeführt.
EPK oder BPMN?
Beide Notationen beschreiben die Ablauforganisation, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Die EPK eignet sich vor allem für eine fachliche Übersicht: Ereignisse und Funktionen wechseln sich zwingend ab, Beteiligte hängen als Organisationseinheiten an den Funktionen, und gelesen wird von oben nach unten. Die Zusammenarbeit mehrerer Organisationen lässt sich nur über Prozesswegweiser andeuten.
BPMN ist dagegen international genormt (OMG-Standard, ISO/IEC 19510), ordnet Aktivitäten Pools und Lanes zu, stellt den Austausch zwischen Organisationen mit Nachrichtenflüssen dar und kann bis zur Ausführung in Workflow-Systemen verfeinert werden. Eine ausführliche Gegenüberstellung findest Du im Abschnitt EPK und BPMN im Vergleich des BPMN-Artikels.
Werkzeuge zur Erstellung einer EPK
Eine EPK lässt sich auf Papier oder mit einem allgemeinen Zeichenwerkzeug wie draw.io / diagrams.net erstellen, das eine Symbolbibliothek für EPK mitbringt. Im professionellen Umfeld wird die EPK vor allem in der ARIS-Modellierungsumgebung eingesetzt, für die sie ursprünglich entwickelt wurde.
Leitfragen
- Welche Ereignisse müssen bei einem UND-, ODER- bzw. XOR-Konnektor vor einer Funktion eingetreten sein?
Bei UND alle, bei ODER mindestens eines (auch mehrere oder alle), bei XOR genau eines. siehe Abschnitt „Konnektoren: Welche Ereignisse müssen eintreten?“
- Welche Regeln gelten für den Aufbau einer EPK?
Sie beginnt und endet mit einem Ereignis, Ereignisse und Funktionen wechseln sich ab, nach einem einzelnen Ereignis folgt kein ODER- oder XOR-Split, und ein Split wird mit einem Join desselben Typs zusammengeführt. siehe Abschnitt „Modellierungsregeln“
- Was unterscheidet eine erweiterte EPK von einer einfachen EPK?
In der eEPK sind den Funktionen zusätzlich Organisationseinheiten (wer?) und Informationsobjekte (welche Daten werden gelesen oder erzeugt?) zugeordnet. siehe Abschnitt „Symbole der EPK“
- Nenne zwei Unterschiede zwischen EPK und BPMN.
Zum Beispiel: Die EPK verlangt nach jeder Funktion ein Ereignis, BPMN nur Start- und Endereignisse; die EPK ordnet Organisationseinheiten den Funktionen zu, BPMN nutzt Pools und Lanes; EPK wird von oben nach unten, BPMN meist von links nach rechts modelliert. siehe Abschnitt „EPK oder BPMN?“
Links und weitere Informationen
Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)
Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Geschäftsprozesse mit der Ereignisgesteuerten Prozesskette (EPK) modellieren” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/epk veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/betriebswirtschaft/geschaeftsprozesse. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 28.10.2026.
[Kommentare zum Artikel lesen, schreiben] / [Artikel teilen] / [gitlab-Issue zum Artikel schreiben]
