Übungsaufgaben zu CRM und Kundenbindung

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CRM, Kundenbindung, One-to-One-Marketing, Cross-Selling, Up-Selling, Kundensegmentierung, ABC-Analyse, Kundendeckungsbeitrag, Customer Lifetime Value, Net Promoter Score, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 111 min, mehrere Aufgaben): Vier Übungsaufgaben zum Kundenbeziehungsmanagement: Du beschreibst mithilfe eines englischen Textes, was ein CRM-System für einen Fahrradhändler leistet, grenzt es von anderen Anwendungssystemen ab und planst One-to-One-Marketing, Cross- und Up-Selling. Für eine Freizeit-App schlägst Du Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung von Veranstaltern vor, misst die Zufriedenheit und planst ein Community-Portal. Danach führst Du eine ABC-Analyse der Fachhändler durch, berechnest Kundendeckungsbeiträge und leitest Empfehlungen ab. Zum Schluss segmentierst Du die Abo-Kundschaft der App, berechnest Abwanderungsquote, Customer Lifetime Value und Net Promoter Score und beurteilst eine Rückgewinnungsaktion nach Datenschutz- und Wettbewerbsrecht. Alle Beispiellösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 27.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Kundenbeziehungen gestalten: CRM, Kundensegmentierung, ABC-Analyse und Kundenbindung.

Hinweise zur Bearbeitung: Als FIDP, IKS oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1 und Aufgabe 2.2. Von FIDP und IKD wird zusätzlich erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1 und Aufgabe 3.2) keine Probleme bereiten. Bei „nennen“ und „benennen“ genügen Stichworte, bei „beschreiben“, „erläutern“, „begründen“ und „beurteilen“ erwartet die Aufgabe ganze Sätze mit Bezug zur Situation. Gib bei Rechnungen den Rechenweg an. Schreib Deine Antwort zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst; andere sachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.

Aufgabe 2.1: Ein CRM-System für CSB-Rad (Kernkompetenz)

(ca. 26 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld, die Fahrräder und Komponenten über einen Onlineshop an Privatkund*innen, an 37 Fachhändler und an öffentliche Auftraggeber verkauft. Die Kundendaten liegen bisher verstreut: im Shop, im alten Händlerprogramm, in einer Tabellenkalkulation der Buchhaltung und in den E-Mail-Postfächern. Geschäftsführerin Sophie Bertram möchte 2027 ein CRM-System einführen und hat Dir einen Auszug aus einem englischsprachigen Anbieterwhitepaper geschickt:

A CRM system is the single place where a company stores everything it knows about its customers: contact details, every call and e-mail, quotes, orders, complaints and consents. Instead of each department keeping its own list, sales, marketing and service work with the same up-to-date customer view.

Most vendors distinguish three parts. Operational CRM supports daily customer work, for example managing contacts, follow-up tasks and service requests. Analytical CRM evaluates the collected data, for example to group customers or to predict who is likely to leave. Collaborative CRM coordinates all communication channels, such as phone, e-mail, chat, social media and the customer portal, so that a customer gets consistent answers no matter how they get in touch.

The goal is not a single sale, but a long and profitable customer relationship.

a) Beschreibe mithilfe des englischen Textes, was unter einem CRM-System zu verstehen ist. (2 Punkte)

Ein CRM-System ist die zentrale Stelle, an der ein Unternehmen alle Informationen über seine Kund*innen speichert (Kontaktdaten, Anrufe und E-Mails, Angebote, Bestellungen, Beschwerden, Einwilligungen) (1 Punkt). Vertrieb, Marketing und Service arbeiten mit derselben aktuellen Kundensicht, um langfristige, profitable Kundenbeziehungen aufzubauen (1 Punkt).

b) Benenne mithilfe des Textes die drei Bereiche eines CRM-Systems und ordne jedem Bereich eine konkrete Anwendung bei CSB-Rad zu. (3 Punkte)

Je Bereich mit passender Anwendung 1 Punkt, z. B.:

  • operatives CRM: Kontakthistorie eines Fachhändlers mit Wiedervorlage für das nächste Angebot; Reklamation einer Privatkundin als Servicefall erfassen.

  • analytisches CRM: Fachhändler nach Umsatz einteilen (ABC-Analyse); erkennen, welche Privatkund*innen nach dem Kauf eines E-Bikes nie wieder bestellt haben.

  • kommunikatives (kollaboratives) CRM: Anfragen per Telefon, E-Mail und Händlerportal landen im selben Kundenkonto, sodass Händler überall dieselbe Auskunft bekommen.

c) Beschreibe zwei Ziele, die CSB-Rad mit dem CRM-System verfolgen kann. (4 Punkte)

Je Ziel mit Beschreibung 2 Punkte, z. B.:

  • Neukundengewinnung: Interessent*innen, z. B. Fahrradläden ohne Kundenkonto oder Messekontakte, werden erfasst und gezielt angesprochen, bis sie zum ersten Mal bestellen.

  • Kundenbindung: Bestehende Händler und Privatkund*innen werden so betreut, dass sie zufrieden sind und wieder kaufen, z. B. mit Inspektionserinnerungen oder passenden Angeboten; das erhöht den Wert der Kundenbeziehung über die ganze Zeit.

  • Kundenrückgewinnung: Händler, die seit Monaten nicht bestellt haben, werden im CRM erkannt und vom Vertrieb persönlich angesprochen.

d) Nenne zwei Funktionen eines CRM-Systems, mit denen CSB-Rad diese Ziele erreichen kann. (2 Punkte)

Je Funktion 1 Punkt, z. B.: Kundendaten zentral sammeln und strukturiert ablegen; Kontakthistorie; Daten in Echtzeit aktualisieren und mit Shop und Warenwirtschaft abgleichen; Wiedervorlagen und Aufgaben; Kampagnen und Newsletter an ausgewählte Zielgruppen; Auswertungen und Segmentierung.

e) Bastian Ludwig fragt, ob man nicht gleich ein anderes System nehmen könne. Ordne den Zielsetzungen das jeweils passende Anwendungssystem zu, indem Du die Ziffer in die Tabelle einträgst. (3 Punkte)

  1. CRM-System, 2) Warehouse Management System (WMS), 3) Supply Chain Management System (SCM)
Zielsetzung Ziffer
„Wir wollen die Lagerplätze in Sennestadt verwalten und die Kommissionierung der Bestellungen steuern.“
„Wir wollen den Material- und Informationsfluss von den Fertigungspartnern bis zur Auslieferung an die Händler abstimmen.“
„Wir wollen unsere Händler und Privatkund*innen stärker an uns binden und gezielter ansprechen.“

Je richtiger Zuordnung 1 Punkt: Lagerplätze und Kommissionierung → 2 (WMS); Material- und Informationsfluss über die Lieferkette → 3 (SCM); Kundenbindung und Ansprache → 1 (CRM).

f) Sophie möchte die Händler künftig mit One-to-One-Marketing ansprechen.

fa) Beschreibe, was unter One-to-One-Marketing im Rahmen des CRM zu verstehen ist. (2 Punkte)

One-to-One-Marketing passt Angebote und Kommunikation an jeden einzelnen Kunden an (1 Punkt). Grundlage sind die Daten im CRM-System, z. B. bisherige Bestellungen und Anfragen eines Händlers; Ziel ist, seine Bedürfnisse genau zu kennen und im Dialog eine langfristige, profitable Beziehung aufzubauen (1 Punkt).

fb) Nenne zwei Vorteile, die sich für CSB-Rad durch One-to-One-Marketing ergeben. (2 Punkte)

Je Vorteil 1 Punkt, z. B.: persönlichere Beziehung zu den Händlern; höhere Zufriedenheit und Loyalität; weniger Streuverluste, weil nur passende Angebote verschickt werden; weniger Rabattaktionen nötig; höhere Abschlussquote und bessere Rendite der Marketingausgaben.

fc) Ordne den drei Marketingformen die zutreffende Aussage zu, indem Du die Ziffer einträgst. (3 Punkte)

  1. Massenmarketing, 2) klassisches Direktmarketing, 3) One-to-One-Marketing auf Basis des CRM-Systems
Aussage Ziffer
Alle Händler erhalten denselben gedruckten Katalog mit der Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“.
Katarzyna Nowak vom Radhaus Bielefeld-Süd erhält einen persönlich adressierten Brief mit der Frühjahrsaktion.
Der Vertrieb schlägt Katarzyna Nowak nach ihren letzten Bestellungen Lastenrad-Zubehör vor, bespricht ihre Rückfragen im Händlerportal und passt das Angebot an.

Je richtiger Zuordnung 1 Punkt: gleicher Katalog für alle → 1 (keine Individualisierung, geringe Interaktion); persönlich adressierter Brief → 2 (individualisiert, geringe Interaktion); Vorschlag nach Bestellhistorie mit Dialog → 3 (individualisiert, hohe Interaktion).

g) Mit dem CRM-System will CSB-Rad den Umsatz je Kunde erhöhen. Beschreibe Cross-Selling und Up-Selling jeweils an einem Beispiel aus dem Lastenrad-Verkauf. (4 Punkte)

  • Cross-Selling (2 Punkte): Zum gekauften Produkt werden zusätzliche, passende Produkte oder Leistungen angeboten, z. B. zum Lastenrad ein Regenverdeck, ein gleichschließendes Rahmenschloss und ein Inspektionspaket. Das CRM zeigt, was zu den Bedürfnissen passt (z. B. Kindersitz bei Familien).

  • Up-Selling (2 Punkte): Statt des gewünschten Produkts wird eine höherwertige Version angeboten, z. B. statt des Lastenrads ohne Motor das Modell mit E-Antrieb und größerem Akku oder statt des Standardrahmens ein Rahmen nach Maß. Der Bestellwert steigt; der Mehrwert muss für die Kundschaft erkennbar sein.

h) Im Frühjahr 2027 führt CSB-Rad den Ortungsdienst „CSB-Rad Connect Privat“ (Tracker-Set mit Schloss und App-Abo) ein. Erläutere, wie das CRM-System die Einführung unterstützen kann. (3 Punkte)

Erläuterung mit Bezug zur Situation 3 Punkte, z. B.: Das CRM-System kennt die Kaufhistorie, deshalb lassen sich gezielt die Kund*innen auswählen, für die der Ortungsdienst interessant ist, etwa Käufer*innen teurer E-Bikes und Lastenräder der letzten Jahre, die einer Werbung zugestimmt haben. Diese erhalten eine personalisierte Ansprache mit Bezug auf ihr Rad, z. B. zusammen mit der Inspektionserinnerung. Fachhändler, die Tracker einbauen sollen, sieht der Vertrieb mit ihren Ansprechpersonen. Rückmeldungen und erste Bestellungen werden ausgewertet, sodass CSB-Rad früh erkennt, ob die Einführung gelingt.

Aufgabe 2.2: Veranstalter gewinnen und halten (Kernkompetenz)

(ca. 23 min Bearbeitungszeit)

Die Let’s Meet GmbH in Bielefeld betreibt eine App, mit der Menschen andere für gemeinsame Freizeitaktivitäten finden. Mit dem Veranstalter-Paket „Events“ können Freizeitanbieter wie Kletterhallen, Kochschulen oder Escape Rooms für eine Jahresgebühr von 1.200 € netto ihre Kurse und Termine in der App anbieten und Tickets verkaufen. Zurzeit nutzen 84 Anbieter das Paket. Geschäftsführerin Clara Neumann möchte bis Ende 2027 mehr Anbieter gewinnen und die bisherigen halten.

a) Nenne vier unterschiedliche Maßnahmen, mit denen Let’s Meet neue Freizeitanbieter für das Veranstalter-Paket gewinnen kann. (4 Punkte)

Je Maßnahme 1 Punkt, z. B.: Stand auf einer regionalen Freizeit- oder Gründermesse; persönliche Besuche bei Kletterhallen und Kochschulen in OWL; Anzeige im Branchenmagazin oder bei der Industrie- und Handelskammer; Landingpage für Veranstalter mit Beispielen; Social-Media-Anzeigen für Selbstständige; Webinar „Mehr Teilnehmende mit Let’s Meet“; kostenloser Probemonat; Empfehlungsprämie für Anbieter, die andere Anbieter werben; Fallstudie eines zufriedenen Anbieters.

b) Clara möchte kurzfristig wissen, wie zufrieden die Anbieter mit dem Paket sind, und das Ergebnis auch für die Werbung nutzen. Schlage eine geeignete Maßnahme vor und begründe Deine Entscheidung. (3 Punkte)

1 Punkt für die Maßnahme, 2 Punkte für die Begründung, z. B.:

  • Kurze Online-Befragung im Veranstalter-Bereich der App (drei Fragen, eine Weiterempfehlungsfrage) – schnell, kostengünstig, Ergebnisse liegen sofort digital vor, hohe Rücklaufquote, weil die Anbieter die App ohnehin täglich nutzen. Mit Zustimmung der Anbieter lassen sich gute Ergebnisse als Zitate verwenden.

  • Bitte um öffentliche Bewertung auf einem Bewertungsportal – öffentlichkeitswirksam und glaubwürdig für neue Anbieter, kostengünstig; allerdings weniger steuerbar.

c) Die Befragung ergibt zwei Hauptkritikpunkte: Die Anbieter müssen jeden Termin einzeln von Hand eintragen, und die Auszahlung der Ticketerlöse erfolgt nur einmal im Quartal. Beschreibe zu jedem Kritikpunkt eine konkrete Maßnahme, mit der die Zufriedenheit gesteigert werden kann. (4 Punkte)

Je Maßnahme mit Bezug zum Kritikpunkt 2 Punkte, z. B.:

  • Termine von Hand: Serientermine („jeden Dienstag 18 Uhr“) anlegen lassen, Termine per Kalenderdatei oder Schnittstelle aus dem Buchungssystem des Anbieters importieren oder eine Vorlage zum Kopieren eines Termins anbieten. Das spart den Anbietern Zeit und vermeidet Tippfehler.

  • Auszahlung nur im Quartal: monatliche oder wöchentliche Auszahlung, wahlweise auch nach jeder Veranstaltung; dazu eine Übersicht der offenen Erlöse im Veranstalter-Bereich. Die Anbieter erhalten ihr Geld schneller und haben mehr Liquidität.

d) Um die Anbieter langfristig zu binden, plant Let’s Meet ein Community-Portal für Veranstalter. Beschreibe die beiden Elemente in der Tabelle. (4 Punkte)

Element Beschreibung
Beispiel: Wissensdatenbank Beispiel: Sammlung von Anleitungen und Antworten zu Funktionen des Veranstalter-Bereichs, durchsuchbar nach Stichworten.
Anwendungsforum
Videotutorials

Je Beschreibung 2 Punkte, z. B.:

Element Beschreibung
Anwendungsforum Diskussionsforum, in dem Anbieter Fragen zur Nutzung stellen, Erfahrungen austauschen (z. B. „Wie viele Plätze gebe ich für Anfänger-Kurse frei?“) und sich gegenseitig helfen; Mitarbeitende von Let’s Meet antworten und sammeln Verbesserungsvorschläge.
Videotutorials Kurze Schulungsvideos, die Schritt für Schritt zeigen, wie man z. B. einen Kurs anlegt, Tickets auswertet oder Teilnehmende benachrichtigt; jederzeit abrufbar.

e) Clara überlegt, eine Schulung „Mehr Buchungen mit Let’s Meet“ als kostenpflichtigen Zusatzbaustein in den Servicevertrag (SLA) des Veranstalter-Pakets aufzunehmen. Erläutere je zwei Vorteile für die Anbieter und für Let’s Meet. (6 Punkte)

Je Vorteil mit Erläuterung 1,5 Punkte, z. B.:

  • Anbieter: Ihre Mitarbeitenden nutzen die Funktionen besser und verkaufen dadurch mehr Tickets. Die Schulung ist planbar im Vertrag geregelt (Termine, Umfang, Preis), statt sie einzeln einkaufen zu müssen. Weniger Bedienfehler bedeuten weniger Ärger mit Teilnehmenden.

  • Let’s Meet: Die Schulung ist eine zusätzliche Servicekomponente, die die Anbieter an Let’s Meet bindet, weil sie das Paket intensiver nutzen und den Nutzen sehen. Sie bringt Zusatzumsatz (Cross-Selling). Gut geschulte Anbieter stellen weniger Supportanfragen, und im Kontakt erfährt Let’s Meet, welche Funktionen fehlen.

f) Ein Mitarbeiter schlägt vor, die Kündigung des Veranstalter-Pakets zu erschweren: Laufzeit 36 Monate und Kündigung nur per Brief. Erläutere den Unterschied zwischen Kundenbindung durch Verbundenheit und durch Gebundenheit und nimm zu dem Vorschlag Stellung. (4 Punkte)

Unterschied (2 Punkte): Verbundenheit ist freiwillige Bindung aus Zufriedenheit und Vertrauen; sie hält stabil und führt zu Weiterempfehlungen. Gebundenheit entsteht durch Zwang (lange Laufzeit, hohe Wechselkosten); sie hält nur, solange der Zwang besteht.

Stellungnahme (2 Punkte): Der Vorschlag setzt auf Gebundenheit. Unzufriedene Anbieter blieben zwar formal, würden das Paket aber kaum nutzen, schlecht über Let’s Meet reden und zum Vertragsende sicher gehen; neue Anbieter würden von der langen Laufzeit abgeschreckt. Besser sind die Maßnahmen aus c) bis e), die Verbundenheit schaffen. (Bei Verträgen mit Verbraucher*innen wäre eine erschwerte Online-Kündigung zudem nach § 312k BGB unzulässig; die Anbieter sind hier aber Unternehmen.)

Aufgabe 3.1: Welche Fachhändler sind wirklich wichtig? (Profilkompetenz)

(ca. 35 min Bearbeitungszeit)

Bei der CSB-Rad GmbH wird das neue CRM-System eingerichtet. Geschäftsführerin Sophie Bertram will die Betreuung der Fachhändler neu ordnen: Wer bekommt künftig eine feste Ansprechperson und Besuche, wer wird nur noch über das Händlerportal betreut? Controllerin Natalia Wróbel hat Dir die Händlerumsätze 2025 aus der Buchhaltung exportiert (vereinfachter Auszug mit zwölf Händlern; die übrigen bleiben in dieser Aufgabe unberücksichtigt).

a) Beschreibe, was unter einer Kundensegmentierung zu verstehen ist. (2 Punkte)

Bei der Kundensegmentierung wird die Kundschaft anhand von Merkmalen in möglichst einheitliche Gruppen eingeteilt (1 Punkt). Ziel ist, jeder Gruppe ein zugeschnittenes Angebot und eine passende Betreuung zu bieten und die Mittel dort einzusetzen, wo sie am meisten bewirken (1 Punkt).

b) Nenne außer dem Umsatz vier weitere Merkmale, nach denen CSB-Rad seine Fachhändler segmentieren kann. (4 Punkte)

Je Merkmal 1 Punkt, z. B.: Region bzw. Entfernung zu Bielefeld; Größe des Händlers (Verkaufsfläche, Mitarbeitende); Schwerpunkt im Sortiment (E-Bikes, Lastenräder, Sport); Bestellhäufigkeit; Zeitpunkt der letzten Bestellung; bevorzugter Bestellweg (Portal, Telefon, E-Mail); eigene Werkstatt ja/nein; Reklamations- und Retourenquote; Zahlungsverhalten; Wachstumspotenzial; Dauer der Geschäftsbeziehung.

c) Für die erste Einteilung führst Du eine ABC-Analyse durch. Es gilt folgende Zuordnungsvorschrift: A bis einschließlich 75 % des kumulierten Umsatzes, B über 75 % bis einschließlich 95 %, C über 95 %.

Händlerumsätze 2025 (Auszug)
Händlernummer Händler Umsatz 2025 in € (netto)
1004 Radhaus Bielefeld-Süd GmbH 372.000
1007 Rad & Tat Gütersloh GmbH 156.000
1009 Velostation Paderborn eG 84.000
1011 Zweirad Lohmann e. K. 108.000
1014 Zweiradhaus Minden KG 54.000
1017 Velowerk Münster GmbH 228.000
1023 Leipziger Radkontor GmbH 66.000
1026 Fahrradladen am Sparrenberg 36.000
1029 E-Bike-Point Lippstadt 30.000
1031 Radsport Kemper GmbH 6.000
1034 Pedale & Co. OHG 42.000
1036 Velo-Eck Bad Oeynhausen 18.000

ca) Beschreibe die Schritte, die zum Durchführen der ABC-Analyse bei gegebener Zuordnungsvorschrift notwendig sind. (4 Punkte)

Vollständige, richtig geordnete Schritte 4 Punkte (je fehlendem oder falsch eingeordnetem Schritt 1 Punkt Abzug):

  1. Umsatz jedes Händlers ermitteln.

  2. Gesamtumsatz ermitteln.

  3. Prozentualen Anteil jedes Händlers am Gesamtumsatz berechnen.

  4. Händler nach ihrem Anteil absteigend sortieren.

  5. Kumulierten Umsatzanteil berechnen.

  6. Händler gemäß Zuordnungsvorschrift den Klassen A, B oder C zuordnen.

cb) Führe die ABC-Analyse durch. Lege dazu eine Tabelle mit Rang, Händlernummer, Umsatz, Umsatzanteil, kumuliertem Anteil und Klasse an. (8 Punkte)

Gesamtumsatz: 1.200.000 € (1 Punkt); Sortierung (2 Punkte); Anteile (2 Punkte); kumulierte Anteile (2 Punkte); Klassen (1 Punkt).

Rang Händlernummer Umsatz in € Anteil kumuliert Klasse
1 1004 372.000 31,0 % 31,0 % A
2 1017 228.000 19,0 % 50,0 % A
3 1007 156.000 13,0 % 63,0 % A
4 1011 108.000 9,0 % 72,0 % A
5 1009 84.000 7,0 % 79,0 % B
6 1023 66.000 5,5 % 84,5 % B
7 1014 54.000 4,5 % 89,0 % B
8 1034 42.000 3,5 % 92,5 % B
9 1026 36.000 3,0 % 95,5 % C
10 1029 30.000 2,5 % 98,0 % C
11 1036 18.000 1,5 % 99,5 % C
12 1031 6.000 0,5 % 100,0 % C
Summe 1.200.000 100,0 %

Beispiel für einen Anteil: \frac{372.000\,€}{1.200.000\,€} \cdot 100\,\% = 31{,}0\,\%. Händler 1009 kommt kumuliert auf 79,0 % und liegt damit über der A-Grenze von 75 %, er ist B-Händler.

cc) Werte das Ergebnis aus, indem Du den Anteil der A-Händler an der Händlerzahl mit ihrem Anteil am Umsatz vergleichst. (2 Punkte)

4 von 12 Händlern (33,3 %) sind A-Händler und bringen 72,0 % des Umsatzes (1 Punkt). Die 4 C-Händler (ebenfalls 33,3 %) bringen zusammen nur 7,5 %. Der Umsatz hängt also stark an wenigen Händlern; fällt einer der A-Händler weg, fehlt ein großer Teil des Händlerumsatzes (1 Punkt).

d) Beschreibe eine begründete Handlungsempfehlung für die A-Händler und eine für die C-Händler. (4 Punkte)

Je Empfehlung mit Begründung 2 Punkte, z. B.:

  • A-Händler: bevorzugt betreuen, z. B. feste Ansprechperson im Vertrieb, zwei Besuche im Jahr, frühzeitige Information über neue Modelle und den Ortungsdienst, bevorzugte Liefertermine, individuelle Konditionen. Begründung: Sie tragen fast drei Viertel des Händlerumsatzes; ihr Verlust wäre kaum auszugleichen, ihre Bindung sichert den Umsatz.

  • C-Händler: standardisiert und kostengünstig betreuen, z. B. Bestellung und Information nur über das Händlerportal und den Newsletter, keine Außendienstbesuche, ggf. Mindestbestellwert für frachtfreie Lieferung; Potenzial prüfen. Begründung: Der Betreuungsaufwand soll im Verhältnis zum Umsatz stehen.

e) Sophie möchte wissen, ob die A-Händler auch die rentabelsten sind. Natalia hat für zwei Händler die Daten 2025 zusammengestellt. Der Wareneinsatz beträgt bei beiden 68 % des Umsatzes.

Kundendaten zweier Fachhändler 2025
Velowerk Münster GmbH (1017) Velostation Paderborn eG (1009)
Umsatz 2025 (nach Händlerrabatt) 228.000 € 84.000 €
genutztes Skonto 2 % vom Umsatz kein Skonto
Frachtkosten (frei Haus vereinbart) 18.400 € 1.900 €
Retouren, Gewährleistung, Kulanz 21.500 € 3.200 €
Betreuung (Besuche, Telefon, Sonderwünsche) 9.600 € 2.400 €

ea) Beschreibe, was unter Kundenrentabilität zu verstehen ist, und nenne ein Beispiel für eine Frage, die eine Kundenrentabilitätsanalyse bei CSB-Rad beantworten kann. (3 Punkte)

Beschreibung (2 Punkte): Die Kundenrentabilität zeigt, ob sich eine Kundenbeziehung wirtschaftlich lohnt, also ob ein Kunde mehr einbringt, als der Zeit-, Arbeits- und Ressourcenaufwand für ihn kostet. So lassen sich unrentable Kunden erkennen und rentable bevorzugt fördern.

Beispiel (1 Punkt): Lohnen sich die frachtfreie Lieferung und der Außendienstbesuch für Velowerk Münster? Welche Händler haben das größte Potenzial? Mit welchem Sortiment verdient CSB-Rad bei welchem Händler am meisten?

eb) Berechne für beide Händler den Kundendeckungsbeitrag I (nach Skonto und Wareneinsatz), den Kundendeckungsbeitrag II (nach kundenbezogenen Kosten) und die Kundenrentabilität (KDB II im Verhältnis zum Umsatz). (8 Punkte)

Geg.: Umsätze, Skonto, Wareneinsatz 68 %, kundenbezogene Kosten laut Tabelle

Ges.: KDB I, KDB II, Kundenrentabilität je Händler

KDB_I = U - \text{Skonto} - \text{Wareneinsatz}

KDB_{II} = KDB_I - \text{kundenbezogene Kosten}

\text{Kundenrentabilität} = \frac{KDB_{II}}{U} \cdot 100\,\%

Velowerk Münster (4 Punkte):

KDB_I = 228.000\,€ - 0{,}02 \cdot 228.000\,€ - 0{,}68 \cdot 228.000\,€ = 228.000\,€ - 4.560\,€ - 155.040\,€ = 68.400\,€

KDB_{II} = 68.400\,€ - (18.400\,€ + 21.500\,€ + 9.600\,€) = 68.400\,€ - 49.500\,€ = \underline{\underline{18.900\,€}}

\text{Kundenrentabilität} = \frac{18.900\,€}{228.000\,€} \cdot 100\,\% \approx \underline{\underline{8{,}289\,\%}}

Velostation Paderborn (4 Punkte):

KDB_I = 84.000\,€ - 0\,€ - 0{,}68 \cdot 84.000\,€ = 84.000\,€ - 57.120\,€ = 26.880\,€

KDB_{II} = 26.880\,€ - (1.900\,€ + 3.200\,€ + 2.400\,€) = 26.880\,€ - 7.500\,€ = \underline{\underline{19.380\,€}}

\text{Kundenrentabilität} = \frac{19.380\,€}{84.000\,€} \cdot 100\,\% \approx \underline{\underline{23{,}071\,\%}}

ec) Beurteile das Ergebnis im Hinblick auf die ABC-Analyse und leite eine Empfehlung für die Betreuung von Velowerk Münster ab. (3 Punkte)

Beurteilung (2 Punkte): Velowerk Münster ist nach Umsatz A-Händler, bringt aber nach Abzug der kundenbezogenen Kosten mit 18.900 € sogar weniger Kundendeckungsbeitrag II als der B-Händler Velostation Paderborn (19.380 €), dessen Rentabilität fast dreimal so hoch ist. Die ABC-Analyse nach Umsatz allein führt also in die Irre; sie sollte um den Kundendeckungsbeitrag ergänzt werden.

Empfehlung (1 Punkt): Velowerk Münster bleibt wichtig, aber die Kostentreiber werden angegangen: Ursachen der hohen Retouren und Kulanzfälle klären (z. B. Schulung der Werkstatt, bessere Produktinformationen), frachtfreie Lieferung erst ab einem Mindestbestellwert oder Sammellieferungen, Besuche bündeln. Velostation Paderborn sollte als Händler mit Potenzial gezielt gefördert werden.

Aufgabe 3.2: Wer bleibt bei „Let’s Meet Plus“? (Profilkompetenz)

(ca. 27 min Bearbeitungszeit)

Die Let’s Meet GmbH bietet neben der kostenlosen App das Premium-Abo „Let’s Meet Plus“ für 4,99 € im Monat (Jahresrechnung 59,88 €). Plus-Mitglieder sehen z. B. Aktivitäten früher, können Wartelisten bevorzugt nutzen und Aktivitäten mit bis zu 20 statt 8 Personen anlegen. Geschäftsführerin Clara Neumann macht sich Sorgen: Viele kündigen nach dem ersten Jahr. Sie möchte die Abo-Kundschaft mit dem CRM-System besser verstehen. Datenschutzbeauftragte Dr. Marta Kowalczyk prüft jede neue Auswertung.

a) Für die Planung der Serverkapazität und der Werbung will Clara die Plus-Mitglieder in Segmente einteilen. Nenne zwei Merkmale, nach denen sich die Segmente unterscheiden lassen und die für die Anforderungen an die IT-Infrastruktur und ihre Skalierbarkeit wichtig sind. Begründe jeweils, warum das Merkmal wichtig ist. (6 Punkte)

Je Merkmal 1 Punkt, je Begründung mit Auswirkung auf die Infrastruktur 2 Punkte, z. B.:

  • Nutzungshäufigkeit und Tageszeit der Nutzung (z. B. Feierabend-Planer*innen vs. Wochenend-Organisator*innen): bestimmt, wie viele Mitglieder gleichzeitig zugreifen; daraus folgen die nötige Rechenleistung zu Spitzenzeiten und ob automatisch skaliert werden muss.

  • Art der genutzten Inhalte (z. B. Fotospaziergänge mit vielen Bildern vs. reine Terminabsprachen): bestimmt Speicherbedarf und Bandbreite für Fotos.

  • Größe der angelegten Aktivitäten (bis 20 Personen): mehr Teilnehmende bedeuten mehr Benachrichtigungen, Chatnachrichten und Wartelistenberechnungen und damit mehr Last auf Push-Dienst und Datenbank.

  • Region (Bielefeld vs. ganz OWL): beeinflusst die Last der Umkreissuche und Kartendienste.

b) Zu Beginn des Jahres 2026 hatte Let’s Meet 3.600 Plus-Mitglieder; im Laufe des Jahres haben 1.080 von ihnen gekündigt. Je Mitglied fallen pro Jahr 11,88 € für Zahlungsgebühren und zusätzliche Serverleistung an. Die Gewinnung eines neuen Plus-Mitglieds kostet im Schnitt 35 € Werbung.

ba) Berechne die jährliche Abwanderungsquote und die durchschnittliche Bindungsdauer eines Plus-Mitglieds unter der Annahme, dass die Abwanderungsquote gleich bleibt. (3 Punkte)

Geg.: Mitglieder zu Beginn 3.600, Kündigungen 1.080, Jahresgebühr 59,88 €, variable Kosten 11,88 € je Mitglied und Jahr, Akquisitionskosten 35 €

Ges.: Abwanderungsquote q, Bindungsdauer d

q = \frac{\text{Kündigungen}}{\text{Mitglieder zu Beginn}} \cdot 100\,\% = \frac{1.080}{3.600} \cdot 100\,\% = \underline{\underline{30{,}000\,\%}}

(1,5 Punkte)

d = \frac{1}{q} = \frac{1}{0{,}3} = \frac{10}{3}\,\text{Jahre} \approx \underline{\underline{3{,}333\,\text{Jahre}}}

(1,5 Punkte)

bb) Berechne den Customer Lifetime Value eines Plus-Mitglieds (ohne Abzinsung, nach Abzug der Akquisitionskosten). (3 Punkte)

Ges.: CLV

DB = 59{,}88\,€ - 11{,}88\,€ = 48{,}00\,€\ \text{je Jahr}

(1 Punkt)

CLV = DB \cdot d - K_{Akquise} = 48{,}00\,€ \cdot \frac{10}{3} - 35{,}00\,€ = 160{,}00\,€ - 35{,}00\,€ = \underline{\underline{125{,}00\,€}}

(2 Punkte)

bc) Clara überlegt, ob sich eine Maßnahme lohnt, die die Abwanderungsquote auf 24 % senkt und 30.000 € im Jahr kostet. Berechne, um wie viel der CLV je Mitglied steigt, und beurteile, ob sich die Maßnahme bei rund 3.600 Plus-Mitgliedern lohnen kann. (4 Punkte)

Rechnung (2 Punkte):

d_{neu} = \frac{1}{0{,}24} \approx 4{,}167\,\text{Jahre}

CLV_{neu} = 48{,}00\,€ \cdot \frac{1}{0{,}24} - 35{,}00\,€ = 200{,}00\,€ - 35{,}00\,€ = 165{,}00\,€

\Delta CLV = 165{,}00\,€ - 125{,}00\,€ = \underline{\underline{40{,}00\,€}}\ \text{je Mitglied}

Beurteilung (2 Punkte): Über alle rund 3.600 Mitglieder steigt der Kundenwert um etwa 3.600 · 40 € = 144.000 €, verteilt über die längere Bindungsdauer von gut vier Jahren. Dem stehen 30.000 € pro Jahr gegenüber, über gut vier Jahre also rund 125.000 €. Die Maßnahme kann sich knapp lohnen; weil der Vorteil erst in späteren Jahren anfällt und die Wirkung unsicher ist, sollte Clara sie zunächst testen (z. B. für ein Segment) und die Abwanderungsquote danach messen. Auch eine andere, gut begründete Beurteilung ist richtig.

Das Diagramm stellt beide CLV-Rechnungen gegenüber: Die längere Bindungsdauer erhöht die Summe der Deckungsbeiträge, die Akquisitionskosten bleiben gleich.

Lösungsgrafik zu Aufgabe 3.2: Customer Lifetime Value je Plus-Mitglied als Balken; bei 30 % Abwanderung 48,00 € · 3,333 Jahre = 160,00 € abzüglich 35 € Akquise = 125,00 €, bei 24 % Abwanderung 48,00 € · 4,167 Jahre = 200,00 € abzüglich 35 € = 165,00 €, also 40,00 € mehr (mit KI erstellt)

c) Bei der Auswertung der Kündigungen fällt auf, dass 410 ehemalige Plus-Mitglieder ihr Konto weiter kostenlos nutzen. Beschreibe das Ziel der Kundenrückgewinnung und eine Maßnahme, mit der Let’s Meet diese Gruppe zurückgewinnen kann. (3 Punkte)

Ziel (1 Punkt): Ehemalige oder inaktive Kund*innen werden erkannt und durch gezielte Maßnahmen zurückgeholt, weil das meist günstiger ist als die Gewinnung neuer Kund*innen und weil sie das Produkt schon kennen.

Maßnahme (2 Punkte), z. B.: In der App eine kurze, freiwillige Frage nach dem Kündigungsgrund stellen und abhängig von der Antwort ein passendes Angebot machen, z. B. drei Monate Plus zum halben Preis, wenn „zu teuer“ genannt wurde, oder einen Hinweis auf eine neue Funktion, die vermisst wurde.

d) Dein Mit-Azubi Jonas Weber möchte allen 410 ehemaligen Mitgliedern eine Werbe-E-Mail „Komm zurück zu Plus!“ schicken, auch denen, die bei der Kündigung angekreuzt haben „Bitte keine Werbung mehr“. Außerdem will er den 16- und 17-Jährigen unter ihnen in der App personalisierte Anzeigen zeigen, die auf ihren bisherigen Aktivitäten beruhen.

da) Beurteile, unter welchen Voraussetzungen die Werbe-E-Mail an ehemalige Mitglieder ohne ausdrückliche Einwilligung zulässig ist, und was für die Mitglieder gilt, die keine Werbung mehr wünschen. (4 Punkte)

Voraussetzungen nach § 7 Abs. 3 UWG (3 Punkte, je zwei Voraussetzungen 1 Punkt, Gesamturteil 1 Punkt): Let’s Meet hat die E-Mail-Adressen im Zusammenhang mit dem Verkauf des Abos erhalten; es wirbt für eine eigene, ähnliche Leistung (Plus-Abo); die Person hat der Nutzung nicht widersprochen; bei der Erhebung und in jeder E-Mail wird klar und einfach auf das jederzeitige, kostenlose Widerspruchsrecht hingewiesen. Liegen alle Voraussetzungen vor, ist die E-Mail auch ohne ausdrückliche Einwilligung zulässig.

Widerspruch (1 Punkt): Wer „Bitte keine Werbung mehr“ angekreuzt hat, hat widersprochen (§ 7 Abs. 3 UWG, Art. 21 DSGVO). An diese Personen darf keine Werbe-E-Mail gehen; im CRM-System wird eine Werbesperre gesetzt.

db) Nimm Stellung zu Jonas’ Vorschlag, den 16- und 17-Jährigen personalisierte Anzeigen zu zeigen. (2 Punkte)

Der Vorschlag ist abzulehnen (1 Punkt): Online-Plattformen dürfen Minderjährigen keine Werbung zeigen, die auf Profiling beruht (Art. 28 Digital Services Act). Möglich sind höchstens allgemeine, nicht personalisierte Hinweise auf Plus, wobei ein kostenpflichtiges Abo bei Minderjährigen grundsätzlich die Zustimmung der Eltern braucht (§§ 107 ff. BGB) (1 Punkt).

e) Clara lässt alle Plus-Mitglieder fragen: „Wie wahrscheinlich ist es, dass Du Let’s Meet Plus weiterempfiehlst?“ (0 bis 10). Von 300 Antworten wählen 138 die Werte 9 oder 10, 96 die Werte 7 oder 8 und 66 Werte von 0 bis 6.

Berechne den Net Promoter Score und interpretiere das Ergebnis. (4 Punkte)

Geg.: 138 Promotoren, 96 Passive, 66 Detraktoren, 300 Antworten

Ges.: NPS

NPS = \frac{\text{Promotoren}}{n} \cdot 100 - \frac{\text{Detraktoren}}{n} \cdot 100 = \frac{138}{300} \cdot 100 - \frac{66}{300} \cdot 100 = 46 - 22 = \underline{\underline{24}}

(2 Punkte)

Interpretation (2 Punkte): Es gibt mehr Fürsprecher*innen als Kritiker*innen, der Wert ist positiv. Gut ein Fünftel (22 %) würde Plus aber eher nicht empfehlen; diese Gruppe ist besonders kündigungsgefährdet. Aussagekräftig wird der NPS im Vergleich über die Zeit, z. B. vor und nach einer Maßnahme gegen Abwanderung; Let’s Meet sollte die Detraktoren mit einer offenen Folgefrage nach ihren Gründen fragen.


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Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Übungsaufgaben zu CRM und Kundenbindung” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/crm-kundenbindung-uebungsaufgaben veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/betriebswirtschaft/unternehmen-markt. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 27.10.2026.

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