Übungsaufgaben zu Allgemeinen Geschäftsbedingungen
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https://oer-informatik.de/agb-uebungsaufgaben
Allgemeine Geschäftsbedingungen, AGB, Einbeziehung, Individualabrede, Überraschende Klausel, Klauselverbote, B2B, B2C, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 50 min, mehrere Aufgaben): Zwei Übungsaufgaben zu AGB: die AGB eines Fahrrad-Onlineshops mit Inspektions-Abo für Privatkund*innen (Kundenanfrage zu AGB beantworten, Inhalte, Einbeziehung, Beurteilung von Klauseln, Rechtsfolgen, Absprache im Shop-Chat) und die AGB eines Systemhauses für Geschäftskund*innen (Notiz zu B2B-Besonderheiten prüfen, Serviceklauseln auf Wirksamkeit prüfen und neu fassen, Mitwirkungspflichten formulieren, Einbeziehung, kollidierende AGB). Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Allgemeine Geschäftsbedingungen: Was im Kleingedruckten stehen darf.
Hinweise zur Bearbeitung: Als IKS oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1 und Aufgabe 2.2. Beziehe Deine Antworten immer auf die beschriebene Situation. „Nimm Stellung“ verlangt: Fachbegriff bzw. Rechtsgrundsatz nennen, kurz begründen und eine klare Aussage zur Wirksamkeit treffen. Die Beispiellösungen zeigen Beispiele; andere fachlich passende Antworten sind ebenfalls richtig. Rechtsstand: Oktober 2026.
Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?
Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.
Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Allgemeine
Geschäftsbedingungen“.
Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.
Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/agb
- https://oer-informatik.de/kaufvertrag
- https://oer-informatik.de/vertragsstoerungen
- https://oer-informatik.de/dienst-werkvertrag
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/agb-uebungsaufgaben
Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Allgemeine Geschäftsbedingungen
- AGB
- Einbeziehung
- Individualabrede
- Überraschende Klausel
- Klauselverbote
- B2B
- B2C
Kompetenzstufe: Kernkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan
Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
danach frage.
Aufgabe 2.1: AGB für Onlineshop und Inspektions-Abo eines Fahrradherstellers (Kernkompetenz)
(ca. 27 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r im IT-Team der CSB-Rad GmbH in Bielefeld. CSB-Rad verkauft im Onlineshop Fahrräder, E-Bikes und Lastenräder an Privatkund*innen und an den Fachhandel. Ab Frühjahr 2027 soll es für Privatkund*innen das Inspektions-Abo „RadPflege“ geben: Für 9,90 € im Monat erhält man eine jährliche Inspektion, einen Rabatt auf Verschleißteile und einen Leihrad-Service. Abgeschlossen wird es im Onlineshop. Dein Kollege Jonas hat einen ersten Entwurf der AGB geschrieben; Sophie Bertram aus der Geschäftsführung bittet Dich, ihn zu prüfen.
- Kurz vor dem Start von „RadPflege“ schreibt Mareike Voss an den Kundenservice: „Warum muss ich bei Euch eigentlich AGB anklicken? Ich will doch nur ein Fahrrad kaufen. Und wenn Ihr da reinschreiben dürft, was Ihr wollt, bin ich als Kundin doch völlig ausgeliefert.“ Sophie Bertram bittet Dich um einen Antwortentwurf. Stelle darin kurz dar, was AGB sind, warum CSB-Rad sie verwendet, und entkräfte die Sorge von Frau Voss mit zwei Schutzregeln des Gesetzes. (5 Punkte)
Beispiel für einen Antwortentwurf:
„Liebe Frau Voss, in unseren AGB haben wir die Bedingungen, die für alle Bestellungen gleich sind, einmal vorab aufgeschrieben – etwa zu Lieferung, Zahlung und Abo-Laufzeit (Begriff, 1 Punkt). So müssen wir nicht jeden Kauf einzeln aushandeln, und alle Kund*innen erhalten dieselben, verlässlichen Regeln (Grund, 1 Punkt). Beliebig ist der Inhalt aber nicht: Ungewöhnliche Klauseln, mit denen Sie nicht rechnen mussten, gelten gar nicht, und Klauseln, die Sie unangemessen benachteiligen – etwa eine verkürzte Gewährleistung –, sind unwirksam; dann gilt das Gesetz. Außerdem geht alles, was wir mit Ihnen persönlich absprechen, den AGB vor.“
Je passende Schutzregel mit kurzer Erklärung 1,5 Punkte, z. B.: Überraschungsklauseln werden nicht Vertragsbestandteil (§ 305c BGB), Inhaltskontrolle und Klauselverbote (§§ 307–309 BGB), Vorrang der Individualabrede (§ 305b BGB), Einbeziehung nur bei Hinweis und zumutbarer Kenntnisnahme vor der Bestellung (§ 305 Abs. 2 BGB), Unklarheiten gehen zulasten von CSB-Rad (§ 305c Abs. 2 BGB).
- Nenne vier Inhalte, die die AGB für den Onlineshop und das Abo „RadPflege“ regeln sollten, jeweils mit einem konkreten Beispiel. (4 Punkte)
Je Inhalt mit passendem Bezug 1 Punkt, z. B.:
Vertragsschluss: Der Vertrag kommt mit der Bestellbestätigung per E-Mail zustande.
Zahlungsbedingungen: monatliche Abbuchung der 9,90 € per Lastschrift oder PayPal.
Laufzeit und Kündigung: Mindestlaufzeit, Verlängerung, Kündigungsfrist und Kündigungsweg (Kündigungsbutton).
Leistungsumfang: eine Inspektion pro Jahr, Rabatt auf Verschleißteile, Bedingungen des Leihrad-Service.
Lieferbedingungen: Lieferzeit, Versandkosten (z. B. frei ab 100 €), Spedition für Räder.
Eigentumsvorbehalt bis zur vollständigen Bezahlung.
Mängelrechte und Garantie: Ablauf von Reklamationen, ggf. Herstellergarantie.
Haftung für Schäden am Leihrad.
- Nimm Stellung zu den Voraussetzungen, die CSB-Rad erfüllen muss, damit die AGB Bestandteil der Kaufverträge und der Abo-Verträge mit Privatkund*innen im Onlineshop werden. (5 Punkte)
Gegenüber Verbraucher*innen gilt § 305 Abs. 2 BGB (1 Punkt für die richtige Einordnung). CSB-Rad muss bei Vertragsschluss, also vor dem Absenden der Bestellung,
ausdrücklich auf die AGB hinweisen, z. B. durch einen gut sichtbaren Hinweis mit Link direkt vor dem Bestellbutton (1 Punkt),
die Möglichkeit zur zumutbaren Kenntnisnahme verschaffen: AGB lesbar und verständlich abrufbar, im Onlineshop zusätzlich speicherbar, z. B. als PDF (§ 312i BGB) (1 Punkt),
und die Kundin bzw. der Kunde muss mit der Geltung einverstanden sein, z. B. durch Bestellung nach dem Hinweis oder eine aktiv gesetzte Checkbox (1 Punkt).
Werden die AGB erst später übersandt, z. B. mit der Rechnung oder in der Paketbeilage, werden sie nicht Vertragsbestandteil; dann gilt das Gesetz (1 Punkt).
- Beurteile die folgenden vier Klauseln aus Jonas’ Entwurf. Gib jeweils an, ob die Klausel gegenüber Privatkund*innen wirksam ist, und begründe Deine Entscheidung. (8 Punkte)
| Nr. | Klausel im Entwurf |
|---|---|
| 1 | (§ 4 „Preise“) „Steigen unsere Einkaufspreise nach der Bestellung, dürfen wir den Kaufpreis bis zur Auslieferung entsprechend anheben.“ |
| 2 | (§ 7 „Gewährleistung“) „Die Gewährleistung für neue Fahrräder beträgt ein Jahr ab Lieferung.“ |
| 3 | (§ 7 „Gewährleistung“) „Mängelansprüche bestehen nur, wenn alle Inspektionen in einer Werkstatt der CSB-Rad GmbH durchgeführt wurden.“ |
| 4 | (§ 11 „Laufzeit“) „Das Abo RadPflege hat eine Mindestlaufzeit von zwölf Monaten. Danach läuft es auf unbestimmte Zeit und kann jederzeit mit einer Frist von einem Monat gekündigt werden.“ |
Je Klausel 2 Punkte (1 Punkt Entscheidung, 1 Punkt Begründung):
Unwirksam: Gegenüber Verbraucher*innen darf der Preis für Waren, die innerhalb von vier Monaten nach Vertragsschluss geliefert werden sollen, nicht per AGB erhöht werden (§ 309 Nr. 1 BGB). Die Klausel erfasst jede Bestellung, auch ein sofort lieferbares Rad, und gibt der Kundschaft nicht einmal ein Recht, sich vom Vertrag zu lösen. Es gilt der Preis bei Bestellung.
Unwirksam: Beim Verkauf neuer Waren an Verbraucher*innen verjähren Mängelansprüche frühestens nach zwei Jahren (§§ 438, 476 BGB); die Frist darf in AGB nicht verkürzt werden. Es gelten die zwei Jahre.
Unwirksam: Die gesetzliche Gewährleistung darf nicht ausgeschlossen oder an zusätzliche Bedingungen wie Inspektionen in der eigenen Werkstatt geknüpft werden (§ 476 BGB, § 309 Nr. 8 BGB). Eine solche Bedingung wäre nur für eine freiwillige Garantie zulässig.
Wirksam: Die Erstlaufzeit liegt unter zwei Jahren, die Verlängerung erfolgt auf unbestimmte Zeit mit höchstens einem Monat Kündigungsfrist (§ 309 Nr. 9 BGB). Weil das Abo online abgeschlossen wird, braucht der Shop zusätzlich einen Kündigungsbutton (§ 312k BGB).
- Beschreibe, welche Folge es für den Vertrag hat, wenn eine Klausel in den AGB unwirksam ist. (2 Punkte)
Der Vertrag bleibt im Übrigen wirksam (1 Punkt); an die Stelle der unwirksamen Klausel tritt die gesetzliche Regelung, z. B. die zweijährige Verjährung der Mängelansprüche (§ 306 BGB) (1 Punkt). Die Klausel wird nicht auf das gerade noch Zulässige gekürzt.
- Lena Brockmann wohnt im dritten Stock ohne Aufzug und möchte im Onlineshop ein Lastenrad bestellen. Vorher fragt sie im Shop-Chat nach, ob das Rad hochgetragen wird. Timo Albers aus dem Kundenservice antwortet: „Kein Problem, die Spedition bringt das Rad bis in Ihre Wohnung.“ Danach bestellt sie und akzeptiert dabei die AGB; dort steht, dass Lastenräder nur „frei Bordsteinkante“ geliefert werden. Bei der Lieferung weigert sich der Fahrer der Spedition, das Rad hochzutragen, und verweist auf die AGB. Entscheide, ob Frau Brockmann die Lieferung in die Wohnung verlangen kann, und leite eine Empfehlung für den Kundenservice von CSB-Rad ab. (4 Punkte)
Frau Brockmann kann die Lieferung in die Wohnung verlangen (1 Punkt). Die Antwort im Chat ist eine Absprache, die vor der Bestellung eigens für ihren Vertrag getroffen wurde; individuelle Abreden haben Vorrang vor den AGB (§ 305b BGB), gleich ob sie mündlich, im Chat oder schriftlich getroffen werden (1 Punkt). CSB-Rad hat seine Leistung erst erbracht, wenn das Rad in der Wohnung steht, und muss die Etagenlieferung auf eigene Kosten nachholen (1 Punkt). Empfehlung, z. B.: Sonderzusagen nur nach Rücksprache geben, sie in der Bestellung vermerken und an die Spedition weitergeben oder die Etagenlieferung als buchbare Zusatzleistung in den Shop aufnehmen (1 Punkt).
- Bestimme die zwei zutreffenden Aussagen zum Verkauf an Privatkund*innen im Onlineshop. (2 Punkte)
Haben Kund*innen den AGB zugestimmt, gelten auch überraschende Klauseln.
Kund*innen können einen im Onlineshop geschlossenen Kaufvertrag in der Regel innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen widerrufen.
Die AGB werden auch dann Vertragsbestandteil, wenn sie erst der Rechnung beiliegen.
Mehrdeutige Klauseln werden zugunsten des Shopbetreibers ausgelegt.
Für die Kündigung des Abos darf CSB-Rad keine strengere Form als die Textform, z. B. eine E-Mail, verlangen.
Zutreffend sind 2 und 5 (je 1 Punkt). Überraschende Klauseln werden nicht Vertragsbestandteil (1), nachträglich übersandte AGB gelten nicht (3), Zweifel gehen zulasten des Verwenders (4).
Summe Aufgabe 2.1: 30 Punkte
Aufgabe 2.2: AGB eines Systemhauses für die Geschäftskundschaft prüfen (Kernkompetenz)
(ca. 23 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r bei der Lutterkolk Systemhaus KG in Detmold. Lutterkolk liefert Hardware an Händler in Ostwestfalen-Lippe und bietet IT-Serviceverträge an (Hotline, Fernwartung, Vor-Ort-Service). Für den neuen Showroom der CSB-Rad GmbH in Bielefeld sollen Kassenarbeitsplatz, Tablets und Bildschirme geliefert und anschließend betreut werden. Deine Ausbilderin Dragana Petrović überarbeitet dafür die AGB gegenüber Geschäftskund*innen und bezieht Dich ein.
- Ein Kollege aus dem Vertrieb hat für das Intranet eine Notiz „AGB bei Geschäftskund*innen – was gilt?“ geschrieben. Dragana bittet Dich, sie vor der Veröffentlichung zu prüfen. Gib zu jeder Aussage an, ob sie richtig oder falsch ist, und korrigiere jede falsche Aussage mit kurzer Begründung. (6 Punkte)
„Bei Geschäftskund*innen müssen wir die AGB jedem Angebot vollständig ausgedruckt beilegen, sonst gelten sie nicht.“
„Die Klauselverbote der §§ 308 und 309 BGB gelten für Geschäftskund*innen nicht unmittelbar; ob eine Klausel wirksam ist, entscheidet sich an § 307 BGB.“
„Auch Geschäftskund*innen können im Webshop bestellte Hardware innerhalb von 14 Tagen widerrufen; darüber müssen wir in den AGB belehren.“
„Einen Gerichtsstand an unserem Sitz in Detmold können wir in den AGB nur mit Kaufleuten wirksam vereinbaren, nicht mit Privatkund*innen.“
Je Aussage 1 Punkt für die richtige Einordnung, je falsche Aussage 1 Punkt für die Korrektur:
Falsch. Gegenüber Unternehmen gelten die strengen Einbeziehungsregeln des § 305 Abs. 2 BGB nicht (§ 310 Abs. 1 BGB). Es genügt, bei Vertragsschluss erkennbar auf die AGB hinzuweisen und sie zumutbar zugänglich zu machen, z. B. per Link im Angebot.
Richtig. Die Wertungen der §§ 308, 309 BGB fließen aber über § 307 BGB in die Prüfung ein.
Falsch. Das Widerrufsrecht im Fernabsatz steht nur Verbraucher*innen zu (§§ 312g, 355 BGB). Die CSB-Rad GmbH bestellt für ihren Betrieb und hat es daher nicht; eine Widerrufsbelehrung ist in den Geschäftskunden-AGB nicht nötig.
Richtig. Gerichtsstandsvereinbarungen sind nur unter Kaufleuten zulässig (§ 38 ZPO); mit Privatkund*innen bleibt es beim gesetzlichen Gerichtsstand.
- Dragana legt Dir vier Klauseln aus dem Entwurf der Servicevertrags-AGB vor. Prüfe, ob die Klauseln gegenüber der CSB-Rad GmbH wirksam sind, und begründe Deine Entscheidung. Schlage für jede unwirksame Klausel eine Fassung vor, die Lutterkolks Interesse wahrt und zulässig ist. (10 Punkte)
| Nr. | Klausel im Entwurf |
|---|---|
| 1 | „Vor-Ort-Einsätze außerhalb der Servicezeiten (montags bis freitags 8 bis 17 Uhr) werden mit einem Zuschlag von 50 % auf den vereinbarten Stundensatz berechnet.“ |
| 2 | „Lutterkolk haftet nicht für den Verlust von Daten, gleich aus welchem Grund.“ |
| 3 | „Lutterkolk kann die monatliche Servicepauschale jederzeit nach eigenem Ermessen anpassen.“ |
| 4 | „Gelieferte Hardware bleibt bis zur vollständigen Bezahlung Eigentum von Lutterkolk.“ |
Je Klausel 2 Punkte (1 Punkt Entscheidung, 1 Punkt Begründung), je zulässige Neufassung 1 Punkt:
Wirksam. Die Klausel legt einen Preis für eine Zusatzleistung fest und ist klar formuliert. Preisabreden unterliegen keiner Angemessenheitskontrolle, nur dem Transparenzgebot (§ 307 Abs. 3 BGB).
Unwirksam. Der Ausschluss erfasst auch vorsätzlich und grob fahrlässig verursachte Datenverluste. Das benachteiligt auch ein Unternehmen unangemessen (§ 307 BGB, Wertung des § 309 Nr. 7 Buchst. b BGB); die eigene Haftung für Vorsatz kann ohnehin nicht im Voraus ausgeschlossen werden (§ 276 Abs. 3 BGB). Die Klausel fällt ganz weg und wird nicht auf das Zulässige gekürzt.
Neufassung, z. B.: „Bei leichter Fahrlässigkeit haftet Lutterkolk für Datenverlust nur in Höhe des Aufwands, der für die Wiederherstellung aus einer ordnungsgemäßen Datensicherung der Kundin bzw. des Kunden nötig ist.“
Unwirksam. Die Klausel nennt weder Anlass noch Umfang einer Anpassung und gibt CSB-Rad keine Möglichkeit, sich vom Vertrag zu lösen. Sie ist intransparent und benachteiligt unangemessen (§ 307 Abs. 1 BGB).
Neufassung, z. B.: „Lutterkolk kann die Servicepauschale einmal jährlich zum 1. Januar anpassen, wenn die eigenen Personal- oder Lizenzkosten gestiegen sind. Die Anpassung wird mindestens sechs Wochen vorher in Textform mitgeteilt; die Kundin bzw. der Kunde kann den Vertrag dann zum Anpassungszeitpunkt kündigen.“
Wirksam. Ein einfacher Eigentumsvorbehalt ist üblich und sichert Lutterkolk bis zur Zahlung ab; er benachteiligt CSB-Rad nicht unangemessen.
- Damit Fernwartung und Vor-Ort-Service reibungslos laufen, braucht Lutterkolk die Mithilfe der Kundschaft. Formuliere eine AGB-Klausel zu den Mitwirkungspflichten der CSB-Rad GmbH und erläutere, welchen Nutzen sie für Lutterkolk hat. (3 Punkte)
Klausel (2 Punkte), z. B.: „Die Kundin bzw. der Kunde ermöglicht Lutterkolk während der Servicezeiten den Fernzugriff auf die betreuten Geräte, benennt eine fachkundige Ansprechperson und sichert die eigenen Daten regelmäßig. Mehraufwand, der durch fehlende Mitwirkung entsteht, wird nach Aufwand berechnet; vereinbarte Reaktionszeiten verlängern sich entsprechend.“
Nutzen (1 Punkt): Lutterkolk kann zugesagte Reaktionszeiten nur einhalten, wenn die Kundschaft mitwirkt. Die Klausel macht die Pflichten verbindlich und regelt, wer Verzögerungen und Mehrkosten trägt.
- Cem Sarıkaya, Geschäftsführer Technik und IT der CSB-Rad GmbH, bestellt per E-Mail auf ein Angebot von Lutterkolk, an dessen Ende steht: „Es gelten unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen, abrufbar unter
www.lutterkolk.example/agb.“ Er hat die AGB weder gelesen noch ausdrücklich bestätigt. Erläutere, ob die AGB Bestandteil des Vertrags geworden sind. (3 Punkte)
Ja, die AGB sind Vertragsbestandteil (1 Punkt). CSB-Rad und Lutterkolk sind Unternehmen bzw. Kaufleute; die Einbeziehungsregeln des § 305 Abs. 2 BGB gelten hier nicht (§ 310 Abs. 1 BGB) (1 Punkt). Es genügt, dass Lutterkolk bei Vertragsschluss erkennbar auf seine AGB hingewiesen hat und CSB-Rad sie zumutbar abrufen konnte; mit der Bestellung ohne Widerspruch hat Cem Sarıkaya sie akzeptiert (1 Punkt).
- In den AGB von Lutterkolk ist die Verjährungsfrist für Mängelansprüche auf zwölf Monate verkürzt. In der Bestellung von CSB-Rad steht dagegen: „Es gelten ausschließlich unsere Einkaufsbedingungen.“ Darin verlangt CSB-Rad eine Verjährungsfrist für Mängelansprüche von 36 Monaten. Lutterkolk liefert, CSB-Rad nimmt die Geräte an. Erläutere, welche Verjährungsfrist gilt. (3 Punkte)
Beide Seiten verweisen auf ihre eigenen, widersprüchlichen AGB (kollidierende AGB) (1 Punkt). Da beide den Vertrag durchführen, ist er trotzdem zustande gekommen; die AGB gelten aber nur, soweit sie übereinstimmen (1 Punkt). Bei der Verjährung widersprechen sie sich (12 gegenüber 36 Monaten), deshalb gilt keine der beiden Klauseln, sondern die gesetzliche Frist von zwei Jahren (§ 438 BGB) (1 Punkt).
Summe Aufgabe 2.2: 25 Punkte
Links und weitere Informationen
zum Nachlesen: Allgemeine Geschäftsbedingungen: Was im Kleingedruckten stehen darf
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