Übungsaufgaben zur Kalkulation

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Kalkulation, Stundensatz, Minutensatz, Zuschlagskalkulation, Handelskalkulation, Handelsspanne, Differenzkalkulation, Nachkalkulation, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 110 min, mehrere Aufgaben): Vier Übungsaufgaben zur Kalkulation: Du berechnest einen kostendeckenden Minutensatz für eine Support-Hotline und begründest den Preis, kalkulierst Stundensatz und Inspektionspreis einer Fahrradwerkstatt, rechnest einen E-Bike-Akku vom Listeneinkaufs- bis zum Listenverkaufspreis mit Kalkulationszuschlag, Handelsspanne und Differenzkalkulation und stellst für ein App-Projekt Angebot, Nachkalkulation, SLA-Pauschale und einen Prozessvergleich auf. Alle Beispiellösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 27.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Angebots- und Verkaufskalkulation: Zuschläge, Stundensätze, Vor- und Nachkalkulation.

Hinweise zur Bearbeitung: Bis zur Teil-1-Prüfung der IT-Berufe solltest Du die Basiskompetenz beherrschen, also Aufgabe 1.1 und Aufgabe 1.2. Als FIDP, IKS oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1 und Aufgabe 2.2. Gib bei Rechnungen immer den Rechenweg an. Geldbeträge rundest Du kaufmännisch auf den Cent und rechnest im Schema mit dem gerundeten Betrag weiter; Prozentwerte gibst Du auf drei Nachkommastellen an. Hast Du in einer Teilaufgabe einen falschen Wert, rechne mit ihm weiter; die Folgeaufgabe wird dann trotzdem bewertet. Schreib Deine Antwort zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst.

Aufgabe 1.1: Eine Support-Hotline für Vereine kalkulieren (Basiskompetenz)

(ca. 16 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der Let’s Meet GmbH in Bielefeld, die eine App für gemeinsame Freizeitaktivitäten betreibt. Ab Januar 2027 können Sportvereine ein Vereinskonto buchen. Dazu soll es eine telefonische Abend-Hotline (Montag bis Freitag, 18–22 Uhr) geben. Geschäftsführerin Clara Neumann möchte die Hotline nach Gesprächsminuten abrechnen. Für einen Monat werden geplant:

Planwerte der Abend-Hotline je Monat
Position Planwert
Bereitschaftskosten (Rufbereitschaft, Telefonanlage, Ticketsystem) 1.200,00 €
Gespräche im First Level (Support-Team) 900 Minuten zu 0,85 € Personalkosten je Minute
Weitergeleitete Gespräche im Second Level (Entwicklung) 300 Minuten zu 1,60 € Personalkosten je Minute

Die Vereine bezahlen jede Minute, die sie mit der Hotline verbunden sind, mit einem einheitlichen Minutensatz, unabhängig davon, wer das Gespräch führt.

a) Berechne den einheitlichen Minutensatz, der die geplanten Kosten genau deckt. Runde auf den nächsten vollen Cent auf. (5 Punkte)

Geg.: Bereitschaftskosten 1.200,00 €, 900 min zu 0,85 €/min, 300 min zu 1,60 €/min

Ges.: kostendeckender Minutensatz s

I: K = 1.200{,}00\,€ + 900\,\text{min} \cdot 0{,}85\,€/\text{min} + 300\,\text{min} \cdot 1{,}60\,€/\text{min} = 1.200{,}00\,€ + 765{,}00\,€ + 480{,}00\,€ = 2.445{,}00\,€ (2 Punkte)

II: t = 900\,\text{min} + 300\,\text{min} = 1.200\,\text{min} (1 Punkt)

III: s = \dfrac{K}{t}

I und II in III: s = \dfrac{2.445{,}00\,€}{1.200\,\text{min}} = 2{,}0375\,€/\text{min}, aufgerundet \underline{\underline{s = 2{,}04\,€/\text{min}}} (2 Punkte)

Aufgerundet wird, weil bei 2,03 € die Kosten nicht vollständig gedeckt wären.

b) Let’s Meet möchte mit der Hotline 15 % Gewinn auf die Kosten erzielen.

Berechne den Minutensatz mit Gewinnzuschlag (auf den vollen Cent aufgerundet). (2 Punkte)

Ges.: Minutensatz mit Gewinn s_G

s_G = 2{,}0375\,€/\text{min} \cdot 1{,}15 = 2{,}343125\,€/\text{min}, aufgerundet \underline{\underline{s_G = 2{,}35\,€/\text{min}}} (2 Punkte)

Mit dem gerundeten Wert 2,04 € ergibt sich 2,346 €, aufgerundet ebenfalls 2,35 €.

c) Benenne je eine Gefahr, wenn der Minutensatz zu hoch bzw. zu niedrig angesetzt wird. (2 Punkte)

  • Zu hoch (1 Punkt): Vereine nutzen die Hotline nicht oder buchen kein Vereinskonto, sondern wechseln zu einem anderen Anbieter; die geplanten Minuten werden nicht erreicht, die Fixkosten bleiben ungedeckt.
  • Zu niedrig (1 Punkt): Die Erlöse decken die Kosten nicht (Verlust); eine spätere Preiserhöhung ist schwer durchsetzbar; ein sehr billiger Preis kann Zweifel an der Qualität wecken.

d) Clara hat Dir folgenden Auszug aus einem englischen Ratgeber geschickt:

Setting the right price for a service is more than adding up costs. First, your price must cover all costs of providing the service, including standby time. Second, look at what competitors charge for comparable support. Third, consider the value your customers receive – a quick solution saves a club volunteer an evening of frustration. Finally, your price should match your positioning: a premium service at a bargain price confuses customers.

Nenne die vier Gesichtspunkte der Preisbestimmung, die der Text nennt, auf Deutsch. (4 Punkte)

Je Gesichtspunkt 1 Punkt:

  1. Kosten: Der Preis muss alle Kosten der Leistung einschließlich der Bereitschaftszeit decken.
  2. Konkurrenz: Preise der Mitbewerber für vergleichbaren Support.
  3. Nutzen für die Kundschaft: welchen Wert die Leistung für die Kundschaft hat (z. B. Zeitersparnis).
  4. Positionierung: Der Preis muss zum Anspruch des Angebots passen (Premiumleistung nicht zum Billigpreis).

e) Mehrere Vereine fragen per E-Mail, warum die Hotline überhaupt etwas kostet; die App sei doch kostenlos.

Formuliere für die Antwort-E-Mail zwei überzeugende Argumente in ganzen Sätzen. (4 Punkte)

Je Argument 2 Punkte (Inhalt und Formulierung), z. B.:

  • „Damit Ihnen an jedem Werktagabend erfahrene Ansprechpersonen zur Verfügung stehen, halten wir ein eigenes Team in Rufbereitschaft vor; diese Bereitschaft verursacht Kosten, auch wenn gerade niemand anruft.“
  • „Sie zahlen nur für die Minuten, die Sie tatsächlich nutzen; so tragen Vereine mit wenig Fragen auch nur geringe Kosten, während die App für alle anderen kostenlos bleibt.“
  • „Bei schwierigen Fragen verbinden wir Sie direkt mit unserer Entwicklung, sodass Ihr Problem meist noch am selben Abend gelöst ist und Ihre Ehrenamtlichen Zeit sparen.“

Die Vereine werden in der E-Mail höflich gesiezt; Argumente aus Sicht des Vereins (Nutzen) überzeugen besser als reine Kostenhinweise.

Aufgabe 1.2: Den Stundensatz einer Fahrradwerkstatt berechnen (Basiskompetenz)

(ca. 16 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld-Sennestadt. Ab Januar 2027 nimmt die Werkstatt Inspektionen und Reparaturen an. Werkstattleiter Bastian Ludwig plant für 2027:

  • Plankosten der Werkstatt (Löhne mit Lohnnebenkosten, anteilige Miete, Werkzeug, Energie, Verwaltung): 186.000,00 € im Jahr,
  • drei Mechaniker*innen mit je 1.600 verfügbaren Arbeitsstunden im Jahr,
  • 75 % der verfügbaren Stunden können der Kundschaft berechnet werden,
  • Gewinnzuschlag 12 %.

a) Berechne den Selbstkostensatz und den Verrechnungssatz je Arbeitsstunde. (5 Punkte)

Geg.: K = 186.000{,}00\,€, 3 Personen à 1.600 h, Auslastung 75 %, Gewinnzuschlag 12 %

Ges.: Selbstkostensatz s_{SK}, Verrechnungssatz s

I: t = 3 \cdot 1.600\,\text{h} \cdot 0{,}75 = 3.600\,\text{h} (2 Punkte)

II: s_{SK} = \dfrac{K}{t} = \dfrac{186.000{,}00\,€}{3.600\,\text{h}} \approx 51{,}667\,€/\text{h}, gerundet \underline{\underline{51{,}67\,€/\text{h}}} (2 Punkte)

III: s = s_{SK} \cdot 1{,}12 \approx 57{,}867\,€/\text{h}, gerundet \underline{\underline{s = 57{,}87\,€/\text{h}}} (1 Punkt)

b) Für eine E-Bike-Inspektion rechnet Bastian mit 1,5 Arbeitsstunden und Material (Bremsbeläge, Kette, Kleinteile) für 38,40 € netto; Material wird ohne Zuschlag weiterberechnet.

Berechne den Nettopreis und den Bruttopreis der Inspektion (19 % Umsatzsteuer). (4 Punkte)

Ges.: Nettopreis P_n, Bruttopreis P_b

P_n = 1{,}5\,\text{h} \cdot 57{,}87\,€/\text{h} + 38{,}40\,€ = 86{,}805\,€ + 38{,}40\,€ \approx \underline{\underline{125{,}21\,€}} (2 Punkte)

P_b = 125{,}21\,€ + 125{,}21\,€ \cdot 0{,}19 = 125{,}21\,€ + 23{,}79\,€ = \underline{\underline{149{,}00\,€}} (2 Punkte)

c) Sophie Bertram aus dem Vertrieb möchte Inspektionen für Fahrradkurier*innen mit 10 % Rabatt anbieten. Bastian verlangt, dass nach Abzug des Rabatts mindestens 120,00 € netto übrig bleiben.

Berechne den Nettopreis, den Ihr vor Abzug des Rabatts ansetzen müsst, und erläutere, warum Du nicht einfach 10 % von 120,00 € aufschlagen darfst. (3 Punkte)

Der Rabatt wird vom höheren Preis abgezogen; 120,00 € entsprechen daher 90 % des gesuchten Preises (im Hundert).

P = \dfrac{120{,}00\,€}{0{,}90} \approx \underline{\underline{133{,}33\,€}} (2 Punkte)

Probe: 10 % Rabatt von 133,33 € sind 13,33 €; es bleiben 120,00 €.

Erläuterung (1 Punkt): Mit 10 % Aufschlag auf 120,00 € ergäben sich 132,00 €; abzüglich 10 % Rabatt (13,20 €) blieben nur 118,80 €. Der Grundwert des Rabatts ist der höhere Preis, nicht 120,00 €.

d) Beschreibe den Unterschied zwischen Vorkalkulation und Nachkalkulation. (2 Punkte)

Die Vorkalkulation findet vor dem Auftrag statt und rechnet mit geschätzten Mengen und Plankosten; sie dient der Preisfindung bzw. dem Angebot (1 Punkt). Die Nachkalkulation findet nach dem Auftrag statt, rechnet mit den tatsächlichen Stunden und Kosten und zeigt, ob der Preis die Kosten gedeckt hat (1 Punkt).

e) Bei einem E-Bike mit stark verschlissenem Antrieb dauerte die Inspektion 2,2 statt 1,5 Stunden; die Kundin zahlt trotzdem den vereinbarten Festpreis von 125,21 € netto.

Ermittle mit dem Selbstkostensatz aus a) die geplanten und die tatsächlichen Selbstkosten und gib an, ob eine Kostenüber- oder -unterdeckung vorliegt. (3 Punkte)

  • Plan: 1{,}5\,\text{h} \cdot 51{,}67\,€/\text{h} + 38{,}40\,€ \approx 115{,}91\,€ (1 Punkt)
  • Ist: 2{,}2\,\text{h} \cdot 51{,}67\,€/\text{h} + 38{,}40\,€ \approx 152{,}07\,€ (1 Punkt)
  • Es liegt eine Kostenunterdeckung von 36,16 € vor; der Erlös von 125,21 € deckt die Selbstkosten nicht, der Auftrag bringt einen Verlust von 26,86 € (1 Punkt).

Aufgabe 2.1: Einen E-Bike-Akku als Handelsware kalkulieren (Kernkompetenz)

(ca. 36 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld, die neben eigenen Rädern auch Komponenten an Privatkundschaft und Fachhändler verkauft. Buchhalterin Natalia Wróbel bittet Dich, den Verkaufspreis eines neuen Ersatzakkus (625 Wh) zu kalkulieren.

a) Im Vorjahr fielen im Handelsbereich Handlungskosten von 1.120.000,00 € an; der Wareneinsatz zu Bezugspreisen betrug 4.000.000,00 €.

Ermittle den Handlungskostenzuschlagssatz und nenne zwei Beispiele für Handlungskosten der CSB-Rad GmbH. (4 Punkte)

\text{Zuschlagssatz} = \dfrac{1.120.000{,}00\,€}{4.000.000{,}00\,€} \cdot 100\,\% = \underline{\underline{28\,\%}} (2 Punkte)

Beispiele (je 1 Punkt): Gehälter in Verkauf, Lager und Buchhaltung, Miete für Lager und Büro, Kosten des Onlineshops (Hosting, Zahlungsdienst), Werbung, Versicherungen, Energie, Abschreibungen auf Lagerausstattung, Fuhrpark.

b) Der Lieferant bietet den Akku zu folgenden Bedingungen an: Listeneinkaufspreis 480,00 €, 15 % Rabatt, 2 % Skonto; Bezugskosten 6,50 € je Akku. CSB-Rad kalkuliert mit dem Handlungskostenzuschlag aus a), 10 % Gewinn, 2 % Kundenskonto und 5 % Händlerrabatt.

Berechne den Listenverkaufspreis (netto) im Kalkulationsschema. (12 Punkte)

Zeile Rechnung Betrag
Listeneinkaufspreis 480,00 €
− Liefererrabatt 15 % vom Hundert 72,00 €
= Zieleinkaufspreis 408,00 €
− Liefererskonto 2 % vom Hundert 8,16 €
= Bareinkaufspreis 399,84 €
+ Bezugskosten 6,50 €
= Bezugspreis 406,34 €
+ Handlungskosten 28 % vom Hundert 113,78 €
= Selbstkosten 520,12 €
+ Gewinn 10 % vom Hundert 52,01 €
= Barverkaufspreis 572,13 €
+ Kundenskonto 2 % im Hundert: 572,13 € × 2 / 98 11,68 €
= Zielverkaufspreis 583,81 €
+ Händlerrabatt 5 % im Hundert: 583,81 € × 5 / 95 30,73 €
= Listenverkaufspreis (netto) 614,54 €

Bewertung: Bezugskalkulation bis zum Bezugspreis 4 Punkte, Selbstkosten und Barverkaufspreis 3 Punkte, Skonto und Rabatt im Hundert je 2 Punkte, Listenverkaufspreis 1 Punkt.

c) Natalia möchte für weitere Komponenten künftig schneller kalkulieren.

Berechne Kalkulationszuschlag, Kalkulationsfaktor und Handelsspanne für den Akku und erläutere, wofür die Handelsspanne genutzt wird. (6 Punkte)

Geg.: Bezugspreis 406,34 €, Listenverkaufspreis 614,54 €; Differenz 208,20 €

  • Kalkulationszuschlag (1,5 Punkte): \dfrac{208{,}20\,€}{406{,}34\,€} \cdot 100\,\% \approx \underline{\underline{51{,}238\,\%}}
  • Kalkulationsfaktor (1,5 Punkte): \dfrac{614{,}54\,€}{406{,}34\,€} \approx \underline{\underline{1{,}512}}
  • Handelsspanne (1,5 Punkte): \dfrac{208{,}20\,€}{614{,}54\,€} \cdot 100\,\% \approx \underline{\underline{33{,}879\,\%}}
  • Nutzen (1,5 Punkte): Die Handelsspanne zeigt, welcher Anteil des Listenverkaufspreises für Handlungskosten, Gewinn, Skonto und Rabatt bleibt. Ist der Verkaufspreis vom Markt vorgegeben, rechnet man damit schnell auf den höchstens zulässigen Bezugspreis zurück oder prüft, ob ein Artikel die Mindesthandelsspanne des Betriebs erreicht.

d) Die Einkäuferin des Radhauses Bielefeld-Süd, Katarzyna Nowak, möchte 20 Akkus abnehmen, aber nur zu einem Listenpreis von 589,00 € je Stück, abzüglich 8 % Händlerrabatt und 2 % Skonto.

Ermittle den Gewinn je Akku in Euro und in Prozent der Selbstkosten. (6 Punkte)

Zeile Rechnung Betrag
Listenverkaufspreis vorgegeben 589,00 €
− Händlerrabatt 8 % vom Hundert 47,12 €
= Zielverkaufspreis 541,88 €
− Kundenskonto 2 % vom Hundert 10,84 €
= Barverkaufspreis 531,04 €
− Selbstkosten aus b) 520,12 €
= Gewinn 10,92 €

Bewertung: Rückwärtsrechnung bis zum Barverkaufspreis 3 Punkte, Gewinn in Euro 1 Punkt.

Gewinn in Prozent (2 Punkte): \dfrac{10{,}92\,€}{520{,}12\,€} \cdot 100\,\% \approx \underline{\underline{2{,}100\,\%}}

e) Beurteile, ob CSB-Rad das Angebot von Katarzyna Nowak annehmen sollte. Triff eine Entscheidung und begründe sie. (3 Punkte)

Mögliche Entscheidung (1 Punkt): annehmen, ggf. mit Bedingungen. Begründung (2 Punkte): Der Barverkaufspreis liegt über den Selbstkosten (langfristige Preisuntergrenze), der Auftrag deckt also alle Kosten und bringt noch 218,40 € Gewinn (20 × 10,92 €). Der Gewinn liegt mit gut 2 % aber weit unter den geplanten 10 %. Für die Annahme sprechen die Menge und eine dauerhafte Händlerbeziehung; man sollte z. B. nur 5 % Rabatt bei Abnahme von 20 Stück oder eine Mindestabnahme im Jahr vereinbaren.

Eine begründete Ablehnung (zu geringer Gewinn, Signalwirkung für andere Händler) ist ebenfalls richtig.

f) Sophie Bertram sagt: „Wir schlagen überall 10 % Gewinn auf, also machen wir am Jahresende 10 % Gewinn.“

Begründe, warum der Gewinnzuschlag keine Aussage über den tatsächlichen Gewinn des Unternehmens zulässt. (4 Punkte)

Je Grund 2 Punkte, z. B.:

  • Der Zuschlag gilt je verkauftem Stück; ob genug Stück verkauft werden, damit die gesamten Handlungskosten gedeckt sind, ist offen (der Zuschlagssatz beruht auf geplanten Mengen).
  • Die Kalkulation rechnet mit Plan- bzw. Normalkosten; steigen Kosten (Einkaufspreise, Löhne, Energie), sinkt der Gewinn.
  • Sonderpreise wie für das Radhaus (2,1 % statt 10 %), Retouren und Forderungsausfälle schmälern den Erlös.
  • Der Unternehmensgewinn enthält auch Erträge und Aufwendungen außerhalb des Verkaufs (z. B. Zinsen).

g) Der Lieferant kündigt an, den Listeneinkaufspreis des Akkus ab April um 5 % zu erhöhen. Der Listenverkaufspreis von 614,54 € soll wegen der Konkurrenz gleich bleiben.

Beschreibe zwei kaufmännische Maßnahmen, mit denen CSB-Rad das Gewinnziel trotzdem erreichen kann. (4 Punkte)

Je Maßnahme 2 Punkte, z. B.:

  • Einkaufsbedingungen verbessern: mit dem Lieferanten höheren Rabatt für größere Mengen, längeres Zahlungsziel oder Übernahme der Bezugskosten verhandeln oder einen günstigeren Lieferanten suchen (Angebotsvergleich).
  • Handlungskosten senken: z. B. Lager- und Versandprozesse optimieren, Rechnungen elektronisch verarbeiten, Verpackung sparen, sodass der Zuschlagssatz sinkt.
  • Nachlässe begrenzen: Kundenskonto oder Händlerrabatt nur noch ab bestimmten Mengen gewähren.
  • Mischkalkulation: den geringeren Gewinn beim Akku durch höhere Spannen bei Zubehör oder Serviceleistungen (z. B. Akku-Check in der Werkstatt) ausgleichen.

Aufgabe 2.2: Ein App-Projekt für einen Sportbund anbieten und nachkalkulieren (Kernkompetenz)

(ca. 42 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der Let’s Meet GmbH in Bielefeld. Der (fiktive) Sportbund Teutoburger Wald e. V. möchte für seine Mitgliedsvereine eine angepasste Version der App mit eigenem Design, Vereinsverzeichnis und Hallenbelegung. Entwicklungsleiter Yusuf Demir hat den Aufwand geschätzt; Du bereitest das Angebot vor.

a) Der Sportbund möchte zusätzlich Schulungen und Support nach Stunden buchen. Das Support-Team (zwei Personen) plant Kosten von 148.000,00 € im Jahr, jede Person hat 1.600 verfügbare Stunden, die Auslastung mit berechenbaren Stunden liegt bei 75 %. Let’s Meet kalkuliert mit 20 % Gewinn.

Berechne den Stundensatz für Schulung und Support. (5 Punkte)

Geg.: K = 148.000{,}00\,€, 2 Personen à 1.600 h, Auslastung 75 %, Gewinnzuschlag 20 %

Ges.: Stundensatz s

I: t = 2 \cdot 1.600\,\text{h} \cdot 0{,}75 = 2.400\,\text{h} (2 Punkte)

II: s_{SK} = \dfrac{148.000{,}00\,€}{2.400\,\text{h}} \approx 61{,}667\,€/\text{h} (2 Punkte)

III: s = 61{,}667\,€/\text{h} \cdot 1{,}2 \approx \underline{\underline{74{,}00\,€/\text{h}}} (1 Punkt)

b) Für das Projekt liegen folgende Werte vor:

Kalkulationsgrundlagen des Projekts
Position Wert
Entwicklung 320 Stunden zu 58,00 € (Personalkosten je Stunde)
Projektleitung 40 Stunden zu 72,00 €
Material und Fremdleistungen (Kartendienst-Lizenz, App-Store-Gebühren, Testgeräte) 1.850,00 €
Gemeinkostenzuschlag 40 % auf die Personalkosten
Gewinnzuschlag 12 %
Kundenskonto 2 %
Rabatt für gemeinnützige Organisationen 5 %

Berechne den Angebotspreis (netto) im Kalkulationsschema. (10 Punkte)

Zeile Rechnung Betrag
Personalkosten 320 h × 58,00 € + 40 h × 72,00 € = 18.560,00 € + 2.880,00 € 21.440,00 €
+ Material und Fremdleistungen 1.850,00 €
+ Gemeinkosten 40 % von 21.440,00 € 8.576,00 €
= Selbstkosten 31.866,00 €
+ Gewinn 12 % vom Hundert 3.823,92 €
= Barverkaufspreis 35.689,92 €
+ Kundenskonto 2 % im Hundert: 35.689,92 € × 2 / 98 728,37 €
= Zielverkaufspreis 36.418,29 €
+ Rabatt 5 % im Hundert: 36.418,29 € × 5 / 95 1.916,75 €
= Angebotspreis (netto) 38.335,04 €

Bewertung: Personalkosten 2 Punkte, Gemeinkosten und Selbstkosten 2 Punkte, Gewinn und Barverkaufspreis 2 Punkte, Skonto und Rabatt im Hundert je 2 Punkte.

c) Der Sportbund nimmt das Angebot an und zahlt unter Abzug von Rabatt und Skonto. Nach Projektende ergibt die Zeiterfassung 372 Stunden Entwicklung und 46 Stunden Projektleitung; Material und Fremdleistungen kosteten 1.990,00 €. Die Stundensätze und der Gemeinkostenzuschlag bleiben gleich.

Führe die Nachkalkulation durch: Ermittle die Ist-Selbstkosten, gib an, ob eine Kostenüber- oder -unterdeckung vorliegt, berechne den realisierten Gewinn in Euro und Prozent und nenne zwei mögliche Ursachen. (8 Punkte)

Zeile Rechnung Betrag
Personalkosten 372 h × 58,00 € + 46 h × 72,00 € = 21.576,00 € + 3.312,00 € 24.888,00 €
+ Material und Fremdleistungen 1.990,00 €
+ Gemeinkosten 40 % von 24.888,00 € 9.955,20 €
= Ist-Selbstkosten 36.833,20 €

(3 Punkte)

  • Kostenunterdeckung (1 Punkt): Die Ist-Selbstkosten liegen um 4.967,20 € über den geplanten 31.866,00 €.
  • Realisierter Gewinn (2 Punkte): Erlös nach Abzug von Rabatt und Skonto = Barverkaufspreis 35.689,92 €; Gewinn = 35.689,92 € − 36.833,20 € = −1.143,28 €, also ein Verlust von ≈ −3,104 % der Ist-Selbstkosten (−1.143,28 € / 36.833,20 € × 100 %).
  • Ursachen (je 1 Punkt): Aufwand zu knapp geschätzt; Zusatzwünsche des Sportbunds ohne Nachtragsangebot umgesetzt; Fehler und Nacharbeit (z. B. bei der Hallenbelegung); mehr Abstimmungstermine als geplant; teurere Fremdleistungen.

d) Für den laufenden Support nach dem Start bietet Let’s Meet dem Sportbund ein Service-Level-Agreement mit einer monatlichen Pauschale an. Geplant sind 25 Support-Stunden im Monat. Die Kosten je Stunde setzen sich aus 32,00 € Grundgehalt, 70 % Personalnebenkosten und 15 % Abendzuschlag (jeweils auf das Grundgehalt) zusammen; der Gewinnzuschlag beträgt 25 %.

Berechne die monatliche Pauschale. Nach sechs Monaten zeigt die Nachkalkulation 171 geleistete Stunden mit Ist-Kosten von 10.260,00 €. Berechne den Gewinn je geleisteter Stunde und den tatsächlich erreichten Gewinnzuschlag. (8 Punkte)

Vorkalkulation (3 Punkte):

k = 32{,}00\,€ + 0{,}70 \cdot 32{,}00\,€ + 0{,}15 \cdot 32{,}00\,€ = 32{,}00\,€ + 22{,}40\,€ + 4{,}80\,€ = 59{,}20\,€/\text{h}

Preis je Stunde: 59{,}20\,€/\text{h} \cdot 1{,}25 = 74{,}00\,€/\text{h}

Pauschale: 25\,\text{h} \cdot 74{,}00\,€/\text{h} = \underline{\underline{1.850{,}00\,€}} je Monat

Nachkalkulation (5 Punkte: Erlös 1, Ist-Kosten je Stunde 1, Gewinn je Stunde 1,5, Gewinnzuschlag 1,5):

Erlös in sechs Monaten: 6 \cdot 1.850{,}00\,€ = 11.100{,}00\,€

Ist-Kosten je Stunde: \dfrac{10.260{,}00\,€}{171\,\text{h}} = 60{,}00\,€/\text{h}

Gewinn insgesamt: 11.100{,}00\,€ - 10.260{,}00\,€ = 840{,}00\,€

Gewinn je Stunde: \dfrac{840{,}00\,€}{171\,\text{h}} \approx \underline{\underline{4{,}91\,€/\text{h}}} (gleichwertig: Erlös je Stunde ≈ 64,91 € minus 60,00 €)

Erreichter Gewinnzuschlag: \dfrac{840{,}00\,€}{10.260{,}00\,€} \cdot 100\,\% \approx \underline{\underline{8{,}187\,\%}} statt geplanter 25 % (mit gerundeten Stundenwerten 4,91 € / 60,00 € ≈ 8,183 %, ebenfalls richtig)

e) Beschreibe, was das Ergebnis der Nachkalkulation für die künftige Preisgestaltung des Service-Level-Agreements bedeutet. (3 Punkte)

Der Sportbund hat im Schnitt 28,5 statt 25 Stunden im Monat beansprucht, und die Stunde war etwas teurer als geplant. Die Pauschale deckt die Kosten zwar noch, der Gewinn liegt aber weit unter dem Ziel (1 Punkt). Let’s Meet sollte die Pauschale bei der nächsten Verlängerung erhöhen (z. B. auf Basis von 29 Stunden) oder ein Stundenkontingent mit Abrechnung zusätzlicher Stunden zum Stundensatz vereinbaren; außerdem sollten die Ursachen der Mehrstunden geprüft werden (z. B. häufige Fragen durch bessere Hilfetexte verringern) (2 Punkte).

f) Bisher legt das Support-Team neue Vereinskonten von Hand an. Ein automatisiertes Onboarding soll den Prozess verbilligen. Für 40 neue Vereine im Monat gelten:

Kalkulation des Onboarding-Prozesses
Monatswerte bisheriger Prozess neuer Prozess
Personalkosten 4.800,00 € 1.600,00 €
Abschreibung der Onboarding-Software – 900,00 €
Sonstige Kosten 300,00 € 300,00 €
Gemeinkostenzuschlag auf die Summe (Herstellkosten) 25 % 25 %
Umsatz (40 Vereine × 180,00 € Einrichtungsgebühr) 7.200,00 € 7.200,00 €

Ermittle für beide Prozesse die Selbstkosten und den Gewinn je Monat sowie die Gewinnveränderung. (6 Punkte)

Zeile bisheriger Prozess neuer Prozess
Herstellkosten 4.800,00 € + 300,00 € = 5.100,00 € 1.600,00 € + 900,00 € + 300,00 € = 2.800,00 €
+ Gemeinkosten (25 %) 1.275,00 € 700,00 €
= Selbstkosten 6.375,00 € 3.500,00 €
Umsatz 7.200,00 € 7.200,00 €
Gewinn (Umsatz − Selbstkosten) 825,00 € 3.700,00 €

Bewertung: je Prozess Selbstkosten 1,5 Punkte und Gewinn 1 Punkt; Gewinnveränderung 1 Punkt.

Gewinnveränderung: 3.700{,}00\,€ - 825{,}00\,€ = \underline{\underline{+2.875{,}00\,€}} je Monat.

g) Um den Sportbund für ein Schulungspaket zu gewinnen, schlägt Clara Neumann einen Einführungspreis von 65,00 € je Stunde vor. Durch das Paket steigt die Auslastung des Support-Teams von 75 % auf 80 %; die Plankosten aus a) bleiben gleich. Im Branchenvergleich liegen IT-Dienstleister laut einer Umfrage des regionalen Unternehmensverbands bei einem Gewinnzuschlag von 10 bis 15 %.

Ermittle für die neue Auslastung den Selbstkostensatz sowie den Gewinn je Stunde in Euro und in Prozent beim Einführungspreis und bewerte den Einführungspreis. (6 Punkte)

Geg.: K = 148.000{,}00\,€, 2 Personen à 1.600 h, Auslastung 80 %, Preis 65,00 €/h

Ges.: Selbstkostensatz s_{SK}, Gewinn je Stunde g in € und %

I: t = 2 \cdot 1.600\,\text{h} \cdot 0{,}80 = 2.560\,\text{h}

II: s_{SK} = \dfrac{148.000{,}00\,€}{2.560\,\text{h}} \approx \underline{\underline{57{,}813\,€/\text{h}}} (2 Punkte)

III: g = 65{,}00\,€/\text{h} - 57{,}813\,€/\text{h} \approx \underline{\underline{7{,}188\,€/\text{h}}}, in Prozent \dfrac{7{,}188}{57{,}813} \cdot 100\,\% \approx \underline{\underline{12{,}432\,\%}} (2 Punkte)

Bewertung (2 Punkte): Der Einführungspreis deckt bei der höheren Auslastung die Selbstkosten und bringt rund 12,4 % Gewinn. Das liegt unter dem eigenen Ziel von 20 %, aber im Rahmen der Branche (10–15 %). Für eine begrenzte Einführungszeit ist der Preis vertretbar, wenn die zusätzliche Auslastung wirklich eintritt; sinkt sie wieder auf 75 %, liegt der Preis über dem Selbstkostensatz von 61,67 € nur noch knapp (≈ 5,4 % Gewinn). Der Preis sollte deshalb befristet und an eine Mindestabnahme gebunden werden.


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