Übungsaufgaben zur Virtualisierung
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Virtualisierung, Hypervisor, virtuelle Maschine, Container, Cluster, VDI, Boot Storm, Snapshot, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 82 min, mehrere Aufgaben): Vier Übungsaufgaben zu virtuellen Arbeitsplätzen und Boot Storm, zum Umzug eines Servers in eine virtuelle Maschine mit Ressourcenplanung und Snapshots, zu Vor- und Nachteilen der Servervirtualisierung, Hypervisor-Typen, Energiekosten und Prozessorwahl sowie zu Containern, Cluster, Live-Migration und Hochverfügbarkeit. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Virtualisierung.
Hinweise zur Bearbeitung: Als FISY oder ISE musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1 und Aufgabe 2.2. Von FISY wird zusätzlich erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1 und Aufgabe 3.2) keine Probleme bereiten. Englische Texte sind bewusst nicht übersetzt. Schreib Deine Lösung zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst.
Aufgabe 2.1: Virtuelle Arbeitsplätze im Büro (Kernkompetenz)
(ca. 21 min Bearbeitungszeit)
Die Let’s Meet GmbH hat in ihrem Büro am Jahnplatz in Bielefeld 14 Arbeitsplätze für Support, Moderation und Verwaltung; einige Beschäftigte arbeiten zeitweise im Homeoffice. Die Desktop-PCs sind veraltet. Clara Neumann, die Geschäftsführerin, möchte sie nicht einzeln ersetzen, sondern auf virtuelle Arbeitsplätze umstellen: Im Büro stehen künftig Thin Clients, im Homeoffice greifen die Notebooks auf dieselbe Arbeitsumgebung zu. Der Host steht im gemieteten Serverschrank eines Rechenzentrums in Bielefeld. Du unterstützt Yusuf Demir, den Leiter der Entwicklung, bei der Planung.
a) Erläutere den Begriff Virtualisierung in Bezug auf dieses Vorhaben. (3 Punkte)
b) Yusuf zieht eine Terminalserver-Lösung und eine Lösung mit virtuellen Desktops (VDI) in Betracht. Erläutere beide Lösungen und nenne je einen Vorteil. (4 Punkte)
c) Nenne vier Vorteile, die virtuelle Arbeitsplätze für Let’s Meet gegenüber neuen Desktop-PCs haben. (4 Punkte)
a) 3 Punkte, z. B.: Die Arbeitsplatzrechner werden nicht mehr als einzelne PCs betrieben, sondern als logische, voneinander getrennte Einheiten (Sitzungen oder virtuelle Maschinen) auf einem leistungsstarken Server im Rechenzentrum nachgebildet. Prozessor, Arbeitsspeicher und Speicher dieses Servers werden flexibel auf alle Beschäftigten aufgeteilt und dadurch besser ausgelastet. Am Arbeitsplatz steht nur noch ein einfaches Endgerät, das Bild, Tastatur- und Mauseingaben überträgt.
b) Je Lösung 1 Punkt Erläuterung und 1 Punkt Vorteil:
Terminalserver: Alle melden sich an einem gemeinsamen Server-Betriebssystem an und arbeiten in eigenen Sitzungen mit zentral installierten Programmen. Vorteil: sehr ressourcensparend, nur ein System muss gepflegt werden.
VDI: Jede Person erhält eine eigene virtuelle Maschine mit Desktop-Betriebssystem. Vorteil: stärkere Trennung der Arbeitsplätze, individuelle Anpassung möglich, Probleme einer Person betreffen die anderen nicht.
c) Je 1 Punkt, z. B.: günstige, sparsame und langlebige Thin Clients statt neuer PCs; Software wird zentral installiert und aktualisiert; Daten bleiben im Rechenzentrum, auch bei Diebstahl eines Endgeräts; gleiche Arbeitsumgebung im Büro und im Homeoffice; neue Arbeitsplätze schnell bereitgestellt; zentrale Datensicherung; geringerer Energieverbrauch im Büro.
d) In einer Pilotwoche wurden auf dem Speicher des Hosts am Montag folgende Werte gemessen. Um 9:00 Uhr dauerte die Anmeldung 3 Minuten 40 Sekunden statt sonst 25 Sekunden; Arbeitsbeginn im Support ist 9:00 Uhr, Feierabend 17:00 Uhr.
| Uhrzeit | 07:00 | 08:30 | 08:55 | 09:05 | 09:30 | 12:30 | 17:00 | 17:30 | 20:00 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Speicherzugriffe (IOPS) | 350 | 2.100 | 21.500 | 24.800 | 4.200 | 3.900 | 11.300 | 2.600 | 300 |
da) Erkläre den Grund für die Lastspitze kurz vor und nach 9:00 Uhr. (2 Punkte)
db) Nenne zwei Maßnahmen, um diese Lastspitze zu bewältigen. (2 Punkte)
dc) Erläutere die Ursache der zweiten, kleineren Spitze um 17:00 Uhr. (2 Punkte)
da) Boot Storm (2 Punkte): Zu Arbeitsbeginn starten fast alle virtuellen Desktops gleichzeitig, und alle melden sich an (Betriebssystemstart, Profile laden, Anmeldeskripte, Virenscan). Dadurch entstehen in kurzer Zeit sehr viele Zugriffe auf den Speicher des Hosts, der zum Engpass wird; die Anmeldung dauert lange.
db) Je 1 Punkt, z. B.: schnelle SSD- bzw. NVMe-Speicher mit vielen IOPS oder einen Cache im Arbeitsspeicher einsetzen; virtuelle Desktops vor 8:30 Uhr zeitgesteuert und gestaffelt vorstarten; Desktops als Linked Clones aus einer Vorlage erzeugen; Anmeldeskripte und Profile verschlanken, Virenscans zeitlich verschieben; mehr Arbeitsspeicher im Host.
dc) 2 Punkte: Zum Feierabend melden sich viele gleichzeitig ab. Dabei werden Profile und Einstellungen zurückgeschrieben, Sitzungen beendet und ggf. Desktops heruntergefahren oder zurückgesetzt – das erzeugt erneut viele Schreibzugriffe (Logoff Storm), aber weniger als beim Start.
e) Ein Thin Client steht am Empfang, der für Besucher*innen zugänglich ist. Nenne zwei Maßnahmen, um ihn gegen Diebstahl zu schützen. (2 Punkte)
f) Der geplante Host hat zwei Prozessoren mit je 24 Kernen. Die VDI-Software wird je Socket lizenziert, der Hypervisor je Core in Paketen zu 16 Kernen (mindestens 16 Kerne je Prozessor).
fa) Erläutere die Begriffe Socket und Core. (2 Punkte)
fb) Ermittle, wie viele Socket-Lizenzen und wie viele Core-Pakete benötigt werden. (2 Punkte)
e) Je 1 Punkt: mit einem Kabelschloss (Kensington-Schloss) am Tisch sichern; in einer verschraubten Halterung (z. B. hinter dem Monitor) oder einem abschließbaren Gehäuse montieren; Gerät außer Reichweite von Besucher*innen aufstellen. Zusätzlich gut: Auf dem Thin Client liegen keine Daten.
fa) Je 1 Punkt: Ein Socket ist der Steckplatz für einen physischen Prozessor auf dem Mainboard (hier zwei bestückte Sockel). Ein Core ist ein Rechenkern innerhalb eines Prozessors, der eigenständig Befehle ausführt (hier 2 × 24 = 48 Kerne).
fb)
Geg.: 2 Prozessoren mit je 24 Kernen; VDI-Software je Socket; Hypervisor je Paket zu 16 Kernen, mindestens 16 Kerne je Prozessor
Ges.: Anzahl Socket-Lizenzen, Anzahl Core-Pakete
\text{Socket-Lizenzen} = \underline{\underline{2}} \qquad \text{Core-Pakete} = \frac{2 \cdot 24\ \text{Kerne}}{16\ \tfrac{\text{Kerne}}{\text{Paket}}} = \underline{\underline{3\ \text{Pakete}}}
Je 1 Punkt. Die Mindestzahl von 16 Kernen je Prozessor ist mit 24 Kernen erfüllt.
Aufgabe 2.2: Den Server der Mitfahr-App virtualisieren (Kernkompetenz)
(ca. 16 min Bearbeitungszeit)
Die Mitfahr-App „RatzFahrt“ des Ratz und Rübe Berufskollegs läuft bisher auf einem einzelnen physischen Server im Serverraum der Schule. Svenja Krämer von der Schul-IT OWL möchte ihn als virtuelle Maschine auf einen Virtualisierungshost im Rechenzentrum der Schul-IT übernehmen. Du arbeitest im Projektteam von RatzFahrt mit und unterstützt sie dabei.
a) Bringe die folgenden Arbeitsschritte in eine sachlogische Reihenfolge. (3 Punkte)
- A: Virtuelle Maschine testen (Anmeldung über das Schul-Konto, Anzeige auf den Flurmonitoren)
- B: Ressourcenbedarf des alten Servers eine Woche lang messen
- C: Abbild des alten Servers erstellen und mit einem Konvertierungswerkzeug in die virtuelle Maschine übertragen
- D: Virtuelle Maschine anlegen und ihr Prozessoren, Arbeitsspeicher und Netzwerk zuweisen
- E: Gastwerkzeuge und Treiber in der virtuellen Maschine installieren und die Netzwerkeinstellungen prüfen
- F: Alten Server abschalten und die Dokumentation anpassen
Reihenfolge: B, D, C, E, A, F (3 Punkte; je vertauschtem Paar 1 Punkt Abzug). Erst muss bekannt sein, welche Ressourcen die VM braucht, dann wird sie angelegt und befüllt, angepasst und getestet; der alte Server wird erst nach erfolgreichem Test abgeschaltet und bleibt bis dahin als Rückfalllösung erhalten.
b) Die Messung ergab: 4 Kerne, im Mittel 12 % ausgelastet, Spitzen bis 70 %; 14 GB von 16 GB Arbeitsspeicher belegt. Svenja plant für die VM 8 vCPUs und 32 GB Arbeitsspeicher. Der Host hat zwei Prozessoren mit je 20 Kernen und Multithreading (80 logische Prozessoren) und 768 GB Arbeitsspeicher, davon sind 10 % für den Hypervisor reserviert. Den vorhandenen VMs sind zusammen 112 vCPUs und 650 GB Arbeitsspeicher zugewiesen.
ba) Erläutere die Begriffe vCPU und Overcommitment und begründe, warum beim Arbeitsspeicher vorsichtiger geplant werden muss als beim Prozessor. (4 Punkte)
bb) Prüfe rechnerisch, ob der Host die neue VM aufnehmen kann. (3 Punkte)
ba) 4 Punkte:
Eine vCPU ist ein virtueller Prozessor, den der Hypervisor einer VM zur Verfügung stellt; er wird zeitlich auf die logischen Prozessoren (Threads) des Hosts verteilt (1 Punkt).
Overcommitment bedeutet, den VMs zusammen mehr Ressourcen zuzuweisen, als physisch vorhanden sind (1 Punkt).
Beim Prozessor ist das meist unproblematisch, weil selten alle VMs gleichzeitig voll rechnen; im schlimmsten Fall warten sie kurz. Fehlt dagegen physischer Arbeitsspeicher, muss der Hypervisor auslagern, und alle VMs auf dem Host werden stark ausgebremst (2 Punkte).
bb)
Geg.: 80 logische Prozessoren, 768 GB RAM, 10 % Reserve; zugewiesen 112 vCPUs, 650 GB; neue VM 8 vCPUs, 32 GB
Ges.: verfügbarer und benötigter Arbeitsspeicher, Verhältnis vCPU zu logischen Prozessoren
RAM_{\text{verfügbar}} = 0{,}9 \cdot 768\,\mathrm{GB} = 691{,}2\,\mathrm{GB} \qquad RAM_{\text{benötigt}} = 650\,\mathrm{GB} + 32\,\mathrm{GB} = 682\,\mathrm{GB}
\frac{112 + 8}{80} = \underline{\underline{1{,}5}}
682 GB ≤ 691,2 GB: Der Arbeitsspeicher reicht, aber die Reserve ist mit 9,2 GB knapp (2 Punkte). Das Verhältnis 1,5 vCPUs je logischem Prozessor ist unkritisch (1 Punkt). Hinweis: Nach den Messwerten würden 4 vCPUs und 24 GB genügen; das ließe mehr Reserve.
c) Vor dem Update auf eine neue Version der App sagt Svenja: „Vorher machen wir einen Snapshot.“ Ein Mitschüler meint: „Prima, dann brauchen wir für den Server ja keine Datensicherung mehr.“ Nimm Stellung. (4 Punkte)
d) Der alte Server war über einen Switchport im Servernetz angeschlossen. Die VM soll im VLAN 300 (Servernetz der Schul-IT) erreichbar sein. Erläutere, wie die virtuelle Netzwerkkarte der VM mit diesem VLAN verbunden wird. (3 Punkte)
c) 4 Punkte für eine begründete Stellungnahme: Der Mitschüler irrt. Ein Snapshot friert den Zustand der VM ein und schreibt alle späteren Änderungen in eine Differenzdatei – ideal, um nach einem missglückten Update in Sekunden zurückzukehren. Er liegt aber auf demselben Speicher wie die VM: Fällt dieser aus, wird er verschlüsselt oder gelöscht, sind VM und Snapshot verloren. Außerdem ist er ohne die ursprüngliche virtuelle Festplatte nutzlos, und er sollte nur kurz bestehen bleiben, weil er wächst und die Leistung senkt. Eine Datensicherung muss eine unabhängige Kopie auf einem anderen System bzw. an einem anderen Ort sein; der Snapshot ergänzt sie nur.
d) 3 Punkte: Im Hypervisor gibt es einen virtuellen Switch, an dem die virtuellen Netzwerkkarten der VMs hängen. Er ist über die physischen Netzwerkkarten des Hosts (Uplink) mit einem Trunk-Port des echten Switches verbunden, der die VLANs mit 802.1Q-Tags überträgt. Für die VM wird eine Portgruppe bzw. ein Port mit der VLAN-ID 300 eingerichtet; der virtuelle Switch markiert ihre Pakete entsprechend.
Aufgabe 3.1: Die Serverlandschaft konsolidieren (Profilkompetenz)
(ca. 26 min Bearbeitungszeit)
Die CSB-Rad GmbH betreibt im Lager in Bielefeld-Sennestadt bisher sieben einzelne physische Server: Dateiserver, Druckserver, Verzeichnisdienst, Warenwirtschaft, Testumgebung des Händlerportals, Testumgebung des Werkstattportals und einen Server für die Datensicherung. Cem Sarıkaya, Geschäftsführer Technik und IT, will diese Dienste auf zwei Virtualisierungshosts zusammenfassen. Du bist Auszubildende*r bei CSB-Rad und bereitest die Entscheidung vor.
a)
aa) Erläutere je drei Vorteile und Nachteile, die die Virtualisierung der Server für CSB-Rad hätte. (6 Punkte)
ab) Cem nutzt auf seinem Notebook schon eine Virtualisierungssoftware, um Updates des Shops zu testen. Für die Server soll ein anderer Hypervisor-Typ zum Einsatz kommen. Ergänze die Tabelle. (8 Punkte)
| Typ-1-Hypervisor | Typ-2-Hypervisor | |
|---|---|---|
| Erläuterung des Typs | ||
| sinnvolles Einsatzbeispiel bei CSB-Rad | ||
| marktgängiges Produkt |
ac) Erläutere den Zweck eines Hypervisors. (4 Punkte)
aa) Je Vor- und Nachteil 1 Punkt, z. B.:
Vorteile: weniger Server und damit geringerer Energie-, Platz- und Kühlbedarf im Serverschrank; bessere Auslastung der Hardware; neue Testumgebungen in Minuten aus Vorlagen; schnelle Sicherung und Wiederherstellung ganzer VMs; Snapshots vor Updates; Wartung durch Verschieben der VMs ohne Ausfall; alte Software läuft weiter.
Nachteile: leistungsstarke, zertifizierte Hardware nötig (hohe Anfangsinvestition); fällt ein Host aus, fallen viele Dienste gleichzeitig aus (Single Point of Failure, Abhilfe: zweiter Host, gemeinsamer Speicher); zusätzliche Lizenz- und Supportkosten; komplexere Administration und Schulungsbedarf; Leistungseinbußen durch geteilte Ressourcen; Sicherheitsrisiken durch Lücken im Hypervisor oder Seitenkanalangriffe.
ab) Je Erläuterung 2 Punkte, je Beispiel und Produkt 1 Punkt:
| Typ-1-Hypervisor | Typ-2-Hypervisor | |
|---|---|---|
| Erläuterung des Typs | wird direkt auf der Hardware installiert (nativ, Bare Metal) und hat direkten Zugriff auf die Hardware-Ressourcen | läuft als Programm auf einem installierten Betriebssystem (gehostet) und greift über dieses auf die Hardware zu |
| sinnvolles Einsatzbeispiel bei CSB-Rad | Virtualisierungshosts im Serverschrank für Dateiserver, Warenwirtschaft und Testumgebungen | Cems Notebook zum Testen von Shop-Updates oder für Schulungen der Azubis |
| marktgängiges Produkt | VMware ESXi/vSphere, Microsoft Hyper-V, KVM (z. B. Proxmox VE), Xen | Oracle VirtualBox, VMware Workstation, Parallels Desktop |
ac) 4 Punkte: Der Hypervisor ist die Software-Schicht zwischen der Hardware (bzw. dem Host-Betriebssystem) und den virtuellen Maschinen. Er abstrahiert die Hardware und gibt jeder VM vor, sie habe eigene Prozessoren, eigenen Arbeitsspeicher, Festplatten und Netzwerkkarten. Er teilt die echten Ressourcen zwischen den VMs auf, steuert, welche VM wann rechnen darf, und isoliert die VMs voneinander.
b) Die sieben alten Server nehmen im Mittel je 260 W auf, die beiden neuen Hosts je 640 W. Alle Geräte laufen rund um die Uhr an 365 Tagen; CSB-Rad zahlt 0,32 € je kWh. Berechne die jährlichen Stromkosten vorher und nachher sowie die Ersparnis. (6 Punkte)
Geg.: alt 7 · 260 W, neu 2 · 640 W, t = 24 h · 365 = 8.760 h, Preis 0,32 €/kWh
Ges.: Kosten vorher K_alt, nachher K_neu, Ersparnis ΔK
W = P \cdot t \qquad K = W \cdot \text{Preis} \qquad \text{I in II: } K = P \cdot t \cdot \text{Preis}
K_{\text{alt}} = 7 \cdot 0{,}26\,\mathrm{kW} \cdot 8760\,\mathrm{h} \cdot 0{,}32\,\tfrac{€}{\mathrm{kWh}} = 15\,943{,}2\,\mathrm{kWh} \cdot 0{,}32\,\tfrac{€}{\mathrm{kWh}} \approx \underline{\underline{5101{,}824\,€}}
K_{\text{neu}} = 2 \cdot 0{,}64\,\mathrm{kW} \cdot 8760\,\mathrm{h} \cdot 0{,}32\,\tfrac{€}{\mathrm{kWh}} = 11\,212{,}8\,\mathrm{kWh} \cdot 0{,}32\,\tfrac{€}{\mathrm{kWh}} \approx \underline{\underline{3588{,}096\,€}}
\Delta K = K_{\text{alt}} - K_{\text{neu}} \approx \underline{\underline{1513{,}728\,€}}
Je 2 Punkte für die beiden Kosten (Energie und Betrag), 2 Punkte für die Ersparnis von rund 1.513,73 € im Jahr. Hinzu kommt eine geringere Abwärme im Serverschrank.
c) Für den zweiten Host stehen zwei Prozessoren zur Wahl. Wähle einen aus und begründe Deine Wahl. (4 Punkte)
| Merkmal | Prozessor X | Prozessor Y |
|---|---|---|
| Kerne/Threads | 32/64 | 12/24 |
| Basistakt (Turbo) | 2,3 GHz (3,8 GHz) | 4,0 GHz (5,0 GHz) |
| maximaler Arbeitsspeicher | 4 TB | 1 TB |
| Speicherkanäle | 12 | 6 |
| Leistungsaufnahme (TDP) | 280 W | 200 W |
| Preis | 5.900 € | 3.400 € |
Prozessor X (1 Punkt). Begründung (3 Punkte): Für einen Virtualisierungshost zählt vor allem die Zahl der Kerne und Threads, denn auf ihnen laufen die vCPUs vieler VMs gleichzeitig; der hohe Takt von Prozessor Y nützt wenig, weil die Dienste von CSB-Rad überwiegend wenig rechenintensiv sind. Prozessor X erlaubt außerdem mit 4 TB viermal so viel Arbeitsspeicher und hat doppelt so viele Speicherkanäle – Arbeitsspeicher ist bei Virtualisierung meist der Engpass. Der höhere Preis und Verbrauch werden durch die größere Zahl an VMs je Host ausgeglichen. (Wird der Hypervisor je Kern lizenziert, steigen die Lizenzkosten; das sollte im Angebot geprüft werden.)
Aufgabe 3.2: Container und Cluster für das Backend (Profilkompetenz)
(ca. 19 min Bearbeitungszeit)
Bei der Let’s Meet GmbH laufen das Backend der App (Spring Boot) und die Datenbank MariaDB bisher in Docker-Containern auf einem einzelnen gemieteten Server. Yusuf Demir plant, im gemieteten Serverschrank des Rechenzentrums drei Hosts als Cluster zu betreiben; darauf sollen virtuelle Maschinen laufen, in denen die Container des Backends betrieben werden. Jonas Weber, Auszubildender im 2. Lehrjahr, bittet Dich, ihm die Unterschiede zu erklären.
a) Jonas hat folgenden Text gefunden:
Containers package an application together with its libraries, runtime and configuration into a single image. Unlike virtual machines, containers do not include a guest operating system: all containers on a host share the host’s kernel, which keeps them apart using namespaces and limits their resources with control groups. As a result, containers start within seconds, and many of them can run on one host. However, because the kernel is shared, a Linux container cannot run directly on a Windows kernel, and a vulnerability in the kernel may affect all containers.
Erläutere das Funktionsprinzip der Containerisierung. Der Text dient als Hilfe und soll nicht übersetzt werden. (5 Punkte)
b) Vergleiche virtuelle Maschinen und Container anhand von vier Merkmalen. (4 Punkte)
a) 5 Punkte, z. B.: Bei der Containerisierung werden nicht ganze Rechner, sondern Anwendungen virtualisiert. Ein Container enthält die Anwendung samt Bibliotheken, Laufzeitumgebung und Konfiguration, aber kein eigenes Betriebssystem; er entsteht aus einem Image, das überall gleich läuft. Alle Container eines Hosts teilen sich dessen Betriebssystemkern; der Kernel trennt sie voneinander (eigene Prozesse, Dateisysteme, Netzwerke) und begrenzt ihren Verbrauch an Prozessor und Speicher. Deshalb starten Container in Sekunden, brauchen wenig Ressourcen, und es passen viele auf einen Host. Gleichzeitig hängen sie vom Kernel des Hosts ab (Linux-Container brauchen einen Linux-Kernel), und eine Lücke im Kernel betrifft alle Container. Gestartet und verwaltet werden sie von einer Container-Engine wie Docker.
b) Je Merkmal 1 Punkt, z. B.:
| Merkmal | virtuelle Maschine | Container |
|---|---|---|
| Betriebssystem | eigenes Gast-Betriebssystem, beliebig | teilt den Kernel des Hosts |
| Größe und Ressourcenbedarf | Gigabyte, hoher Bedarf | Megabyte, geringer Bedarf |
| Startzeit | Minuten | Sekunden |
| Isolation | stark durch den Hypervisor | schwächer, gemeinsamer Kernel |
| Portabilität | an das VM-Format des Hypervisors gebunden | Image läuft auf jedem Host mit Container-Engine |
c) Erläutere zwei Sachverhalte, die Yusuf beim Aufbau des Clusters beachten muss. (4 Punkte)
d) Erläutere, wie der Cluster mit Live-Migration und Hochverfügbarkeit die Verfügbarkeit der App erhöht. (4 Punkte)
e) Jeder der drei Hosts hat 384 GB Arbeitsspeicher, davon sind je 8 % für den Hypervisor reserviert. Den VMs sind zusammen 610 GB zugewiesen.
ea) Prüfe rechnerisch, ob alle VMs bei Ausfall eines Hosts auf den beiden übrigen Hosts weiterlaufen können. (2 Punkte)
eb) Yusuf möchte zusätzlich VMs mit zusammen 120 GB für eine Testumgebung einrichten. Beurteile das Vorhaben. (2 Punkte)
c) Je Sachverhalt 2 Punkte, z. B.:
Gleichartige, vom Hersteller des Hypervisors zertifizierte Hardware, vor allem Prozessoren derselben Generation – sonst können VMs nicht zwischen den Hosts verschoben werden.
Gleicher Firmware- und Softwarestand und identische Konfiguration (virtuelle Switches, VLANs, Speicheranbindung) auf allen Hosts.
Gemeinsamer Speicher (SAN, NAS oder verteilter Speicher), auf den alle Hosts zugreifen.
Redundante, getrennte Netze für VMs, Verwaltung, Speicher und Migration.
Quorum: Mit drei Hosts entsteht bei einer Netzstörung immer eine Mehrheit, sodass sich der Cluster nicht in zwei aktive Hälften spaltet.
Kapazitätsreserve: Die übrigen Hosts müssen die VMs eines ausgefallenen Hosts aufnehmen können.
d) Je 2 Punkte: Bei der Live-Migration wird eine laufende VM ohne Unterbrechung auf einen anderen Host verschoben (Arbeitsspeicherinhalt wird übers Netz kopiert, die Festplatten liegen auf gemeinsamem Speicher); so kann Yusuf Hosts warten oder aktualisieren, ohne dass die App ausfällt. Bei Hochverfügbarkeit erkennt der Cluster den Ausfall eines Hosts und startet dessen VMs automatisch auf den übrigen Hosts neu; die App ist nach wenigen Minuten wieder erreichbar, statt bis zur Reparatur auszufallen.
e)
Geg.: 3 Hosts zu je 384 GB, 8 % Reserve je Host; VMs 610 GB; zusätzlich 120 GB
Ges.: verfügbarer Arbeitsspeicher bei Ausfall eines Hosts
ea)
RAM_{\text{verfügbar}} = 2 \cdot 0{,}92 \cdot 384\,\mathrm{GB} = \underline{\underline{706{,}56\,\mathrm{GB}}} \ge 610\,\mathrm{GB}
Alle VMs können weiterlaufen (2 Punkte).
eb) Mit der Testumgebung wären 610\,\mathrm{GB} + 120\,\mathrm{GB} = 730\,\mathrm{GB} > 706{,}56\,\mathrm{GB} zugewiesen (1 Punkt). Bei Ausfall eines Hosts könnten nicht mehr alle VMs neu gestartet werden. Abhilfe (1 Punkt): Testumgebung beim Ausfall nicht neu starten (niedrige Priorität bzw. vom Neustart ausnehmen), Arbeitsspeicher der Hosts erweitern oder einen vierten Host ergänzen.
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