Übungsaufgaben zur industriellen Kommunikation

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Automatisierungspyramide, Echtzeit, Modbus, EtherCAT, OPC UA, PubSub, MQTT, SNMP, Industrie 4.0, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 68 min, mehrere Aufgaben): Zwei Übungsaufgaben aus einer Rahmenfertigung: Du ordnest Sensoren, Steuerungen, Leitstand, MES und ERP der Automatisierungspyramide zu, begründest, wo eine Wartungs- und Auftragsplanung hingehört, und untersuchst die OPC-UA-Verbindung zwischen Schweißzelle und MES – vom Informationsmodell über Sitzungen bis zu PubSub mit Broker. Du kennzeichnest Eigenschaften von MQTT, OPC UA, Modbus TCP und SNMP und erläuterst, was Echtzeitdaten ausmacht. In der zweiten Aufgabe wertest Du englische Texte zu EtherCAT und zu einem Energiezähler mit Modbus aus, wählst die passende Modbus-Variante und bindest die Zähler sicher ins Netz ein. Alle Beispiellösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Industrielle Kommunikation: Automatisierungspyramide, Echtzeit, Modbus, EtherCAT und OPC UA.

Hinweise zur Bearbeitung: Von FIDV wird erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1 und Aufgabe 3.2) keine Probleme bereiten. Achte auf den Operator: „Nennen“ verlangt Stichworte, „beschreiben“ und „erläutern“ ganze Sätze mit Bezug zur Situation, „begründen“ eine Entscheidung mit Argumenten, „zuordnen“ und „kennzeichnen“ einen Eintrag in die Tabelle. Schreib Deine Antwort zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst; andere sachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.

Wortwolke mit Begriffen der Übung: Automatisierungspyramide, OPC UA, Modbus, EtherCAT, Echtzeit, MQTT, PubSub und weitere (mit KI erstellt)

Aufgabe 3.1: Von der Schweißzelle bis ins MES (Profilkompetenz)

(ca. 35 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld und verbringst eine Projektwoche beim Fertigungspartner Rahmenwerk OWL GmbH in Gütersloh. Dort werden Fahrradrahmen nach Maß gebogen, in den Roboterzellen S1 und S2 geschweißt und anschließend pulverbeschichtet. Projektleiter Ole Petersen möchte die Vernetzung der Fertigung neu dokumentieren und bittet Dich um Unterstützung.

a) In der Halle und im Büro sind unter anderem folgende Systeme im Einsatz. Ordne jedes System der passenden Ebene der Automatisierungspyramide zu (1 = Unternehmensebene … 5 = Feldebene). (5 Punkte)

System Ebene (1–5)
Lichtgitter, das den Schweißroboter in Zelle S1 abschaltet, sobald jemand die Zelle betritt
Software im Leitstand, die alle Anlagen der Halle grafisch anzeigt und Alarme quittieren lässt
Warenwirtschaft mit Kundenaufträgen, Einkauf der Aluminiumrohre und Rechnungen
speicherprogrammierbare Steuerung, die das Schweißprogramm der Zelle S2 ausführt
Server mes01, der Fertigungsaufträge in Arbeitsschritte zerlegt und den Fortschritt je Rahmen erfasst

Je richtiger Zeile 1 Punkt:

System Ebene
Lichtgitter am Schweißroboter 5 – Feldebene
Software im Leitstand (SCADA) 3 – Prozessleitebene
Warenwirtschaft (ERP) 1 – Unternehmensebene
SPS der Zelle S2 4 – Steuerungsebene
Server mes01 (MES) 2 – Betriebsleitebene

b) Die Schweißzellen sollen nach jeweils 50.000 Schweißzyklen gewartet werden. Ole Petersen möchte, dass Aufträge künftig automatisch so auf die beiden Zellen verteilt werden, dass die Liefertermine gehalten werden und jede Wartung in eine auftragsfreie Zeit fällt. Nenne die Ebene der Automatisierungspyramide, auf der diese Funktion umgesetzt werden sollte, und begründe Deine Wahl. Begründe außerdem, warum die Steuerungsebene dafür ungeeignet ist. (4 Punkte)

  • Betriebsleitebene (MES) (1 Punkt).
  • Begründung (2 Punkte): Das MES plant den Einsatz von Maschinen und Personal, kennt alle offenen Aufträge mit ihren Terminen und die Zykluszähler beider Zellen und kann deshalb die Belegung so planen, dass Wartungsfenster und Liefertermine zusammenpassen. Das ERP kennt zwar die Liefertermine, hat aber keinen Einfluss auf den konkreten Maschineneinsatz. (Wenn MES und Leitstand im Betrieb nicht getrennt sind, ist auch die Prozessleitebene mit Begründung vertretbar.)
  • Steuerungsebene (1 Punkt): Die SPS ist erst aktiv, wenn ein Auftrag bereits an der Zelle läuft, und sieht nur ihre eigene Zelle – für eine Planung über mehrere Anlagen und Tage ist sie zu spät und zu eng angesiedelt.

c) Das MES liest die Daten der Zelle S1 über die Adresse opc.tcp://sps-s1.rw-owl.example:4840.

ca) Nenne das verwendete Anwendungsprotokoll und den Port. (2 Punkte)

OPC UA (binäres Protokoll über TCP, opc.tcp) (1 Punkt), TCP-Port 4840 (1 Punkt; Standardport von OPC UA).

cb) Früher hat das MES den Schweißstrom über Modbus TCP aus dem Holding Register 40107 gelesen. Jetzt erhält es über OPC UA den Knoten SchweisszelleS1/Schweissstrom. Beschreibe drei Angaben, die das MES über OPC UA zusätzlich zum reinen Zahlenwert erhält, und den Vorteil, der sich daraus ergibt. (4 Punkte)

Je Angabe 1 Punkt (drei Angaben), z. B.:

  • Datentyp (z. B. Double) – das MES muss nicht raten, wie die 16 Bit zu deuten sind;
  • Einheit (z. B. A) bzw. Wertebereich;
  • Zeitstempel der Messung bzw. der Quelle;
  • Statuscode (gut, unsicher, schlecht), z. B. bei einem defekten Sensor;
  • Name und Stellung im Adressraum (der Strom gehört zum Objekt Schweißzelle S1), Beschreibung, Zugriffsrechte.

Vorteil (1 Punkt): OPC UA beschreibt die Daten semantisch in einem standardisierten Informationsmodell. Das MES kann den Adressraum durchsuchen und versteht die Werte ohne Registertabelle aus dem Handbuch; Maschinen verschiedener Hersteller lassen sich einheitlich anbinden, und Fehler durch falsch gedeutete Register entfallen.

d) Ole Petersen erklärt Dir, dass die Verbindung zwischen MES und SPS „zustandshaltend“ sei – anders als die REST-Schnittstelle, über die der Onlineshop der CSB-Rad GmbH Aufträge schickt. Erläutere die Bedeutung von „zustandshaltend“ in diesem Zusammenhang. (2 Punkte)

Zwischen MES und SPS besteht eine dauerhafte Verbindung mit einer Sitzung (1 Punkt). Der Server merkt sich über die einzelne Anfrage hinaus, welcher Client angemeldet ist, welche Werte er abonniert hat und welche Meldungen bereits zugestellt sind; er meldet Änderungen von sich aus (1 Punkt). Bei HTTP/REST steht jede Anfrage für sich, und der Server vergisst den Client nach der Antwort.

e) Künftig sollen außer dem MES auch ein Energie-Dashboard, die Qualitätssicherung und ein Rechner für vorausschauende Wartung die Daten aller Schweißzellen erhalten. Bei Deiner Recherche findest Du folgenden Text:

“In the classic client-server model, every client opens its own session with a controller and polls or subscribes to the values it needs. With OPC UA PubSub, a controller publishes a data set only once. A broker such as an MQTT server, or UDP multicast in the local network, delivers it to any number of subscribers. Publishers and subscribers do not need to know each other, and new consumers can be added without touching the controller.”

ea) Erläutere zwei Vorteile des Publish/Subscribe-Prinzips gegenüber dem Client-Server-Modell für die Situation bei der Rahmenwerk OWL GmbH. (4 Punkte)

Zwei Vorteile mit Situationsbezug, je 2 Punkte, z. B.:

  • Entlastung der Steuerungen: Jede SPS veröffentlicht ihre Werte nur einmal, statt für MES, Dashboard, Qualitätssicherung und Wartungsrechner je eine eigene Sitzung zu bedienen. Die Ressourcen der Steuerung bleiben für die Schweißprozesse frei.
  • Flexibilität und Erweiterbarkeit: Publisher und Subscriber sind entkoppelt und brauchen keine direkte Verbindung. Ein neuer Empfänger (z. B. der Wartungsrechner) abonniert einfach die Daten beim Broker; an den Steuerungen muss nichts geändert werden.
  • Skalierbarkeit / verteilte Systeme: Weitere Zellen und Empfänger, auch in einer Cloud oder auf Edge-Rechnern, lassen sich hinzufügen, ohne dass die Zahl der Verbindungen an der Steuerung wächst.
  • Echtzeit ohne Broker: Per UDP-Multicast (mit TSN) können mehrere Empfänger im lokalen Netz die Daten gleichzeitig und mit geringer Verzögerung erhalten.

eb) Das Projektteam entscheidet sich für PubSub mit einem zentralen Broker. Beschreibe die Aufgaben des Brokers in Bezug auf die Begriffe „Nachrichtenübermittlung“ und „Abonnementverwaltung“. (4 Punkte)

  • Nachrichtenübermittlung (2 Punkte): Der Broker nimmt die von den Steuerungen (Publishern) veröffentlichten Nachrichten entgegen, filtert sie nach Topic bzw. Datensatz und leitet sie an alle Teilnehmer weiter, die dieses Topic abonniert haben.
  • Abonnementverwaltung (2 Punkte): Der Broker registriert die angemeldeten Teilnehmer und speichert, wer welche Topics mit welchen Optionen (z. B. QoS) abonniert hat; er prüft Zugangsdaten und Rechte und verwaltet An- und Abmeldungen.

f) Die Zellen unterstützen mehrere Protokolle. Kennzeichne in der Tabelle mit einem Kreuz, welches Protokoll die jeweilige Eigenschaft besitzt. Mehrere Kreuze je Zeile sind möglich. (5 Punkte)

Eigenschaft MQTT OPC UA Modbus TCP SNMP
arbeitet nach dem Publish/Subscribe-Prinzip mit einem Broker
beschreibt die Nutzdaten semantisch in einem Informationsmodell
bringt Verschlüsselung und Authentifizierung als festen Bestandteil des Protokolls mit
ist besonders ressourcensparend und auch auf kleinen Mikrocontrollern einfach einzusetzen
arbeitet nach dem Client-Server-Prinzip (bzw. Manager/Agent)

Je vollständig richtiger Zeile 1 Punkt:

Eigenschaft MQTT OPC UA Modbus TCP SNMP
Publish/Subscribe mit Broker x x (PubSub)
semantische Beschreibung im Informationsmodell x
Sicherheit fest eingebaut x (x)*
ressourcensparend, einfach x x
Client-Server bzw. Manager/Agent x x x

* SNMP bringt erst ab Version 3 Authentifizierung und Verschlüsselung mit; ein Kreuz bei SNMP ist mit diesem Hinweis ebenfalls richtig. Modbus TCP hat keine eingebaute Sicherheit (erst die Erweiterung Modbus/TCP Security über TLS). MQTT erhält Sicherheit nur über TLS und Einstellungen am Broker.

g) Im Leitstand wird diskutiert, welche Daten in Echtzeit erfasst werden müssen.

ga) Erläutere anhand von zwei Kriterien, welche Merkmale Echtzeitdaten kennzeichnen. (4 Punkte)

Zwei Kriterien mit Erläuterung, je 2 Punkte:

  • Rechtzeitigkeit: Echtzeitdaten müssen innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne ohne Zeitverzug zur Auswertung bereitstehen; ein verspäteter Wert ist wertlos, auch wenn er korrekt ist (z. B. Lichtgitter meldet zu spät).
  • Auswertung vor dem nächsten Datensatz: Jeder Wert muss verarbeitet sein, bevor der nächste eintrifft, sonst stauen sich die Daten, und die Steuerung arbeitet mit veralteten Zuständen.
  • Auftreten: Echtzeitdaten entstehen zufällig (Ereignis, z. B. Not-Halt) oder zu festen Zeitpunkten (Zyklus) und müssen dann sofort verarbeitet werden.
  • Vorhersagbarkeit (Determinismus): Die maximale Verzögerung ist garantiert, nicht nur im Mittel klein.

gb) Nenne jeweils einen Bereich der Rahmenwerk OWL GmbH, in dem eine Echtzeiterfassung von Sensordaten notwendig ist, und einen, in dem sie wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Begründe jeweils Deine Antwort. (4 Punkte)

Je Bereich 1 Punkt Nennung, 1 Punkt Begründung, z. B.:

  • mit Echtzeiterfassung: Lichtgitter und Positionssensoren am Schweißroboter – eine verspätete Meldung kann Menschen verletzen oder Roboter und Rahmen beschädigen; Temperatur im Einbrennofen – Überhitzung zerstört Beschichtung und Rahmen; Achsen der Biegemaschinen.
  • ohne Echtzeiterfassung: Energieverbrauch der Halle für Monatsberichte, Temperatur und Luftfeuchte im Rohrlager, Füllstand der Pulverbehälter, Zykluszähler für die Wartungsplanung – hier genügt eine zeitversetzte Übertragung (z. B. alle paar Minuten), Echtzeittechnik würde nur Kosten und Datenmengen erhöhen.

Aufgabe 3.2: Eine neue Biegelinie mit Energiemessung (Profilkompetenz)

(ca. 33 min Bearbeitungszeit)

Die Rahmenwerk OWL GmbH baut in Halle 2 eine neue Biegelinie auf: Drei Rohrbiegemaschinen mit zusammen 14 Servoachsen sollen ihre Bewegungen so genau aufeinander abstimmen, dass ein Rohr von einer Maschine zur nächsten übergeben werden kann, ohne anzuhalten. Außerdem erhält jede Maschine einen Energiezähler, damit das Energiemanagementsystem (EMS) den Verbrauch je Rahmen ermitteln kann. Ole Petersen bittet Dich, die Unterlagen der Hersteller auszuwerten.

Situationsskizze der Biegelinie in Halle 2: Drei Rohrbiegemaschinen mit zusammen 14 Servoachsen übergeben das Rohr ohne Anhalten; an jeder Maschine misst ein Energiezähler, dessen Messwerte das Energiemanagementsystem erhält (mit KI erstellt)

a) Der Hersteller der Biegemaschinen betont, dass das Netzwerkprotokoll der Linie „echtzeitfähig“ ist. Erläutere, was Echtzeitfähigkeit bei Netzwerkprotokollen bedeutet, und begründe, warum für die Biegelinie harte Echtzeit nötig ist. (4 Punkte)

  • Erläuterung (2 Punkte): Ein Protokoll ist echtzeitfähig, wenn garantiert ist, dass alle erforderlichen Daten innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne zur Verfügung stehen. Entscheidend ist die zuverlässig eingehaltene Höchstzeit (Determinismus, geringer Jitter), nicht die durchschnittliche Geschwindigkeit.
  • Begründung harte Echtzeit (2 Punkte): Die 14 Achsen müssen synchron laufen, damit das Rohr ohne Halt übergeben werden kann. Überschreitet ein Sollwert seine Frist, laufen die Achsen auseinander – das Rohr wird falsch gebogen oder die Maschinen kollidieren. Eine verpasste Frist ist hier ein Fehler mit Folgen, nicht nur eine Qualitätseinbuße.

b) Für die Antriebe schlägt der Hersteller EtherCAT vor. Im Datenblatt findest Du folgenden Abschnitt:

“EtherCAT was designed to bring Ethernet to machine control. Its developers aimed at update times of 100 microseconds or less, a jitter below one microsecond for precise synchronisation, and low hardware costs. The master sends one frame for all devices. Each slave reads the data addressed to it and inserts its own data while the frame is passing through, delayed only by a few nanoseconds. No switches are needed between the drives, and lines, trees and stars can be combined. EtherCAT runs directly on Ethernet without IP; if routing is required, the protocol can be embedded in UDP/IP datagrams. Typical users are robot manufacturers, packaging and printing machines, semiconductor equipment and injection moulding.”

ba) Nenne zwei wesentliche Ziele, die bei der Entwicklung von EtherCAT verfolgt wurden. (2 Punkte)

Je 1 Punkt, zwei von: sehr kurze Zykluszeiten (≤ 100 µs), sehr geringer Jitter (< 1 µs) für präzise Synchronisation, geringe Hardwarekosten.

bb) Erläutere das Kernprinzip, mit dem EtherCAT die Echtzeitfähigkeit erreicht. (3 Punkte)

„Processing on the fly“ (1 Punkt): Der Master schickt einen Frame für alle Teilnehmer; jeder Slave liest seine Daten und fügt eigene ein, während der Frame ihn durchläuft (1 Punkt). Der Frame wird nicht erst vollständig empfangen, gespeichert und dann weitergeleitet, sondern nur um wenige Nanosekunden verzögert; dadurch ist die Verarbeitungszeit je Knoten minimal und vorhersagbar (1 Punkt).

bc) Beschreibe zwei wesentliche Vorteile von EtherCAT für die Biegelinie. (4 Punkte)

Je Vorteil mit Bezug 2 Punkte, z. B.:

  • sehr kurze Zykluszeiten (≤ 100 µs) – neue Sollwerte erreichen alle 14 Achsen schnell genug für eine fließende Übergabe;
  • sehr geringer Jitter (< 1 µs, Distributed Clocks) – die Achsen der drei Maschinen laufen exakt synchron;
  • geringe Hardwarekosten – Standard-Ethernet-Leitungen, keine Switches zwischen den Antrieben;
  • flexible Topologie – Linie entlang der Biegelinie, Abzweige als Baum oder Stern möglich;
  • ein Frame bedient viele Teilnehmer – hohe Nutzdatenrate.

bd) Nenne drei weitere Anwendungsbeispiele für Maschinensteuerungen mit EtherCAT, die nicht aus der Rohrbiegerei stammen. (3 Punkte)

Je 1 Punkt, z. B. Robotik, Verpackungsmaschinen, Druckmaschinen, Halbleiterfertigung, Spritzguss, Werkzeugmaschinen (CNC), Montagesysteme, Metallumformung (Pressen), Windkraftanlagen.

be) Ein Servicetechniker möchte die Antriebe der Biegelinie vom Büronetz aus diagnostizieren, das über einen Router angebunden ist. Erläutere, unter welcher Voraussetzung die EtherCAT-Geräte aus dem Büronetz erreichbar sind. (3 Punkte)

EtherCAT arbeitet direkt auf der Sicherungsschicht (eigener Ethertype) und hat keine IP-Adressen; Router können solche Frames nicht weiterleiten (1 Punkt). Erst wenn das EtherCAT-Protokoll in UDP/IP-Datagramme gekapselt wird, ist es routingfähig (1 Punkt), und die Geräte werden aus einem anderen IP-Netz erreichbar – sinnvollerweise nur über eine Firewall bzw. ein Gateway und nur für Diagnosezwecke, weil über Router keine harte Echtzeit garantiert ist (1 Punkt).

c) Für die Energiemessung ist der Zähler „EZ-400“ vorgesehen. Im Datenblatt steht:

“The EZ-400 offers two interfaces. Modbus RTU over RS-485 lets you connect up to 32 meters on a single twisted pair over distances of up to 1,200 metres, even where no Ethernet is available. Modbus TCP on port 502 integrates the meter directly into your Ethernet network and allows several clients to read the values at the same time. For secure networks, the meter supports IEEE 802.1X with device certificates.”

ca) Nenne jeweils zwei Vorteile der beiden Schnittstellen. (4 Punkte)

Je Vorteil 1 Punkt:

  • Modbus RTU: lange Leitungen (bis 1.200 m), wenig Verdrahtung (viele Zähler an einer Zweidrahtleitung), einsetzbar, wo kein Ethernet vorhanden ist, robust und günstig.
  • Modbus TCP: nutzt das vorhandene Ethernet und dessen Netzwerktechnik (einfache Integration), höhere Übertragungsrate, mehrere Clients können gleichzeitig lesen, über IP-Netze und Router erreichbar, Netzzugang mit 802.1X absicherbar.

cb) Das EMS soll ausschließlich über das vorhandene TCP/IP-Netz der Halle (VLAN OT) mit den Zählern kommunizieren. Nenne die zu verwendende Variante und begründe Deine Wahl. (3 Punkte)

Modbus TCP (1 Punkt). Es setzt auf TCP/IP auf und lässt sich ohne zusätzliche Verkabelung direkt in das vorhandene Netz einbinden (1 Punkt); Modbus RTU ist eine serielle Übertragung über RS-485 und kann nicht direkt über TCP/IP übertragen werden (1 Punkt).

cc) In Halle 1 hängen ältere Zähler, die nur Modbus RTU beherrschen. Beschreibe, wie das EMS trotzdem über das TCP/IP-Netz auf diese Zähler zugreifen kann. (2 Punkte)

Ein Modbus-Gateway (Protokollumsetzer RS-485 ↔︎ Ethernet) wird an den RS-485-Bus der alten Zähler und an das VLAN OT angeschlossen (1 Punkt). Das EMS spricht das Gateway per Modbus TCP an; das Gateway setzt die Anfragen um und leitet sie über die Unit-ID bzw. Geräteadresse an den richtigen Zähler weiter (1 Punkt).

cd) Das Netz der Rahmenwerk OWL GmbH wird unter anderem durch einen DHCP-Server, eine Firewall zwischen VLAN OT und Servernetz sowie einen RADIUS-Server verwaltet. Beschreibe je Komponente eine notwendige Anpassung, damit die neuen Zähler per Modbus TCP ins Netz eingebunden werden können. (6 Punkte)

Komponente Anpassung
DHCP-Server
Firewall
RADIUS-Server

Je Komponente 2 Punkte:

Komponente Anpassung
DHCP-Server Für jeden Zähler eine feste IP-Adresse reservieren (Zuordnung über die MAC-Adresse), damit das EMS die Zähler immer unter derselben Adresse abfragen kann.
Firewall Eine Regel anlegen, die TCP-Port 502 vom EMS (Servernetz) zu den Zählern im VLAN OT erlaubt; alle anderen Zugriffe auf Port 502 bleiben gesperrt.
RADIUS-Server Die Zähler mit ihren Gerätezertifikaten (IEEE 802.1X) bzw. Zugangsdaten eintragen und dem VLAN OT zuordnen, damit die Switches den Netzzugang freigeben.

ce) Modbus TCP überträgt alle Werte und Schreibbefehle unverschlüsselt und ohne Anmeldung. Nenne zwei weitere Maßnahmen, mit denen Du den Zugriff auf die Zähler absicherst. (2 Punkte)

Je 1 Punkt, z. B.: Modbus/TCP Security (TLS, Port 802) nutzen, sofern Zähler und EMS es unterstützen; Zähler in ein eigenes VLAN bzw. eine eigene Zone legen; Schreibzugriffe am Zähler bzw. in der Firewall (Deep Packet Inspection für Modbus) sperren; Fernzugriff nur über VPN; OT-Verkehr überwachen; ungenutzte Switch-Ports deaktivieren.


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