E-Mail-Dienste sicher betreiben: SMTP, IMAP, SPF, DKIM, DMARC und Verschlüsselung
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E-Mail, Mailserver, SMTP, IMAP, POP3, STARTTLS, SPF, DKIM, DMARC, Phishing, S/MIME, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
tl/dr; (ca. 23 min Lesezeit): E-Mail ist alt, offen und gerade deshalb ein beliebtes Einfallstor für Angriffe. Du lernst, welche Stationen eine E-Mail vom Absender bis ins Postfach durchläuft und welche Aufgaben SMTP, IMAP und POP3 dabei übernehmen. Danach geht es um die richtige Einrichtung von Mailprogrammen (Ports, STARTTLS, Anmeldeverfahren), um die Absenderprüfung mit SPF, DKIM und DMARC, um Spam- und Phishingschutz am Mailserver und um den Unterschied zwischen Transport- und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit S/MIME und OpenPGP. Eine Tabelle typischer Fehlerbilder hilft Dir, Zustellprobleme systematisch einzugrenzen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Dieser Artikel ist Teil einer Artikelreihe zu Netzwerkdiensten und IT-Sicherheit: DHCP, DNS und ARP / Kryptografie / Angriffe und Schadsoftware / E-Mail-Dienste / Übungsaufgaben zu E-Mail-Diensten
Schon fit in diesem Thema? Nutze die Kann-Liste und die Leitfragen unter dem Artikel als Checkliste, ob Du die relevanten Kompetenzen bereits hast.
Dieser Artikel baut auf der Kann-Liste des Artikels Kryptografie auf.
Als Grundlagen zum Betrieb von E-Mail-Diensten kann ich nach Durchlesen des Artikels…
… den Weg einer E-Mail über Mailprogramm, Mailserver des Absenders, DNS und Mailserver des Empfängers beschreiben und die Rolle des MX-Eintrags erläutern.
… die Aufgaben von SMTP, IMAP und POP3 erläutern, Vorteile von IMAP gegenüber POP3 begründen und die üblichen Ports mit und ohne Verschlüsselung zuordnen.
… ein Mailprogramm passend zum Server einrichten: Protokoll, Port, Verbindungssicherheit (keine, STARTTLS, SSL/TLS) und Authentifizierungsmethode aus einer Server-Antwort bestimmen.
… SMTP-Statuscodes (2xx, 4xx, 5xx) deuten und Ursachen für Meldungen wie „Authentifizierung erforderlich“ oder „Absender blockiert“ benennen.
… Spam und Phishing unterscheiden und technische sowie organisatorische Schutzmaßnahmen am Mailserver beschreiben.
… Transportverschlüsselung und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterscheiden und S/MIME und OpenPGP als Verfahren nennen.
Darüber hinaus kann ich als Expertenwissen…
… erläutern, wie SPF, DKIM und DMARC die Absenderdomain absichern, wo die Einträge stehen und welche Angaben sie enthalten.
… einen SPF-Eintrag lesen und so ergänzen, dass weitere berechtigte Systeme (z. B. ein Newsletter-Dienst oder ein Shop-Server) Mails für die Domain versenden dürfen.
… Gründe für fehlgeschlagene DKIM- oder SPF-Prüfungen nennen und eine DMARC-Richtlinie schrittweise einführen.
… S/MIME und OpenPGP anhand von Vertrauensmodell, Schlüsselverwaltung und Verbreitung vergleichen und begründet auswählen.
… Zustellprobleme anhand von DNS-Einträgen, Logzeilen und Fehlermeldungen systematisch eingrenzen.
Eine Bestellbestätigung landet bei einer Kundin im Spamordner, die Werkstatt bekommt keine Mails von Lieferanten mehr, und im Postfach der Buchhaltung liegt eine täuschend echte Rechnung mit Schadsoftware im Anhang. Hinter allen drei Fällen steckt dieselbe Frage: Wie betreibst Du E-Mail so, dass Mails zuverlässig ankommen, nicht mitgelesen werden und gefälschte Absender auffallen?
Die Mindmap gibt einen Überblick über die Themen dieses Artikels: vom Weg einer E-Mail über Protokolle und die Einrichtung von Mailprogrammen bis zur Absenderprüfung, Verschlüsselung und Fehlersuche.
Der Weg einer E-Mail
Eine E-Mail wird nicht direkt vom Gerät der Absenderin auf das Gerät des Empfängers übertragen, sondern von Server zu Server weitergereicht. Die beteiligten Rollen haben eigene Namen:
| Rolle | Aufgabe | Beispiel |
|---|---|---|
| MUA (Mail User Agent) | Mailprogramm zum Schreiben, Lesen und Verwalten | Thunderbird, Outlook, Webmail, Mail-App |
| MSA (Mail Submission Agent) | nimmt Mails der eigenen Nutzenden nach Anmeldung entgegen | Postfix auf Port 587 |
| MTA (Mail Transfer Agent) | leitet Mails zwischen Mailservern weiter | Postfix, Exim, Microsoft Exchange |
| MDA (Mail Delivery Agent) | legt Mails im Postfach ab, oft mit Filterregeln | Dovecot, Sieve-Filter |
Der Mailserver der Absenderin erfährt aus dem MX-Eintrag (Mail Exchanger) im DNS, welcher Server Mails für die Empfängerdomain annimmt. Gibt es mehrere MX-Einträge, wird der mit dem kleinsten Prioritätswert (Preference) zuerst versucht. Der Zielname des MX-Eintrags muss selbst einen A- oder AAAA-Eintrag haben; er darf weder eine IP-Adresse noch ein CNAME sein. Fehlt der A-Eintrag des Mailservers oder zeigt er auf eine falsche Adresse, kann die Domain keine Mails von außen empfangen, obwohl der MX-Eintrag vorhanden ist. Mehr zu DNS-Einträgen findest Du im Artikel DHCP, DNS und ARP.
Wichtig für das Verständnis der Absenderprüfung: Eine E-Mail hat zwei Absenderangaben.
Der Umschlag-Absender (Envelope From, SMTP-Befehl
MAIL FROM) gilt nur für den Transport. An diese Adresse gehen Unzustellbarkeitsmeldungen.Der Kopf-Absender (
From:im Mail-Header) ist das, was das Mailprogramm anzeigt.
SMTP prüft keine der beiden Angaben. Jeder Server kann also behaupten, im Auftrag einer beliebigen Domain zu senden – genau das nutzen Spam und Phishing aus.
SMTP, IMAP und POP3
| Protokoll | Aufgabe | Port ohne TLS bzw. mit STARTTLS | Port mit TLS ab Verbindungsbeginn |
|---|---|---|---|
| SMTP (Server zu Server) | Mails zwischen Mailservern weiterleiten | 25 | – (zwischen Servern nur STARTTLS) |
| SMTP-Submission | Mails vom Mailprogramm an den eigenen Server übergeben, mit Anmeldung | 587 | 465 („SMTPS“) |
| IMAP | Mails auf dem Server lesen, in Ordnern verwalten, zwischen Geräten synchronisieren | 143 | 993 („IMAPS“) |
| POP3 | Mails vom Server abholen, meist mit anschließendem Löschen auf dem Server | 110 | 995 („POP3S“) |
SMTP (Simple Mail Transfer Protocol) ist nur für das Senden und Weiterleiten zuständig. Abgeholt bzw. gelesen werden Mails mit IMAP (Internet Message Access Protocol, aktuell IMAP4rev2) oder POP3 (Post Office Protocol).
Vorteile von IMAP gegenüber POP3:
Die Mails bleiben auf dem Server und werden mit allen Geräten synchronisiert: Was am Laptop gelesen, verschoben oder gelöscht wird, ist auch am Smartphone so.
Ordner, Markierungen und Suche werden auf dem Server verwaltet; das Postfach wird zentral gesichert.
Beim Abruf müssen nicht alle Mails vollständig heruntergeladen werden, zunächst reichen die Kopfzeilen.
POP3 ist einfacher und braucht weniger Speicher auf dem Server, eignet sich aber nur, wenn ein Postfach an genau einem Gerät genutzt wird.
Ein Mailserver, der von beliebigen Absender*innen Mails an beliebige Empfänger*innen weiterleitet, heißt offenes Relay; er wird schnell von Spammern missbraucht und landet auf Sperrlisten. Deshalb nimmt ein Mailserver Mails an fremde Domains nur von angemeldeten Nutzenden an (SMTP-AUTH auf dem Submission-Port). Wer im Mailprogramm die Anmeldung für den Postausgangsserver vergisst, erhält eine Meldung wie 530 5.7.0 Authentication required.
SMTP-Statuscodes lesen
SMTP-Server antworten mit dreistelligen Codes, oft ergänzt um einen erweiterten Code (z. B. 5.7.1):
| Code | Bedeutung | Beispiele |
|---|---|---|
| 2xx | erfolgreich | 250 OK, 220 Begrüßung |
| 3xx | weitere Eingaben erwartet | 354 Mailinhalt senden |
| 4xx | vorübergehender Fehler, der Absender-Server versucht es später erneut | 421 Dienst nicht verfügbar, 450 Postfach vorübergehend nicht verfügbar, Greylisting |
| 5xx | dauerhafter Fehler, die Mail wird abgelehnt und eine Unzustellbarkeitsmeldung erzeugt | 530 Anmeldung erforderlich, 550 Postfach unbekannt oder Richtlinie verletzt, 554 5.7.1 Absender oder Inhalt blockiert |
Der erweiterte Code 5.7.x steht immer für ein Sicherheits- oder Richtlinienproblem: fehlende Anmeldung, Sperrliste, fehlgeschlagene SPF-, DKIM- oder DMARC-Prüfung. Der Text hinter dem Code nennt meist den Grund.
Mailprogramme richtig einrichten
Für den Posteingangs- und den Postausgangsserver brauchst Du jeweils Protokoll, Servername, Port, Verbindungssicherheit und Authentifizierungsmethode:
Keine Verbindungssicherheit: Alles, auch das Passwort, geht im Klartext übers Netz. Nur für Tests im Labor.
STARTTLS: Die Verbindung beginnt unverschlüsselt auf dem normalen Port (143, 110, 587). Mit dem Befehl
STARTTLSwird sie auf TLS umgestellt, bevor angemeldet wird.SSL/TLS (implizites TLS): Die Verbindung ist ab dem ersten Byte verschlüsselt (Ports 993, 995, 465). RFC 8314 empfiehlt diese Variante für Mailprogramme, weil ein Angreifer im Netz den
STARTTLS-Befehl unterdrücken könnte (Downgrade).
Welche Verfahren ein Server anbietet, verrät seine Begrüßung bzw. die Liste seiner Fähigkeiten (Capabilities). Eine Testverbindung, z. B. mit telnet oder besser mit openssl s_client, liefert bei einem IMAP-Server etwa:
$ telnet imap.beispiel.example 143
* OK [CAPABILITY IMAP4rev1 IMAP4rev2 STARTTLS LOGINDISABLED] Mailserver bereit
a1 STARTTLS
a1 OK Begin TLS negotiation now
(nach dem TLS-Aufbau)
a2 CAPABILITY
* CAPABILITY IMAP4rev1 IMAP4rev2 AUTH=PLAIN AUTH=LOGIN AUTH=XOAUTH2
So liest Du die Ausgabe:
Antwort mit
* OKauf Port 143 → IMAP.STARTTLSwird angeboten,LOGINDISABLEDverbietet die Anmeldung, solange die Verbindung unverschlüsselt ist → Verbindungssicherheit STARTTLS (Port 143) oder, falls der Server Port 993 anbietet, SSL/TLS.AUTH=PLAINundAUTH=LOGINübertragen Benutzername und Passwort zwar nur Base64-codiert, durch den TLS-Tunnel aber geschützt. Im Mailprogramm heißt das meist „Passwort, normal“. Bietet der ServerAUTH=CRAM-MD5an, passt „verschlüsseltes Passwort“ (heute veraltet; über TLS ist „Passwort, normal“ vorzuziehen);AUTH=GSSAPIsteht für Kerberos (Anmeldung in einer Domäne),AUTH=XOAUTH2für OAuth2 (Anmeldung über einen Identitätsanbieter, z. B. bei großen Cloud-Postfächern).
Stellst Du im Mailprogramm eine Methode ein, die der Server nicht anbietet, scheitert die Anmeldung trotz richtigem Passwort.
Absender absichern: SPF, DKIM und DMARC
Weil SMTP Absenderangaben nicht prüft, veröffentlicht der Inhaber einer Domain im DNS, woran Empfänger echte Mails seiner Domain erkennen. Die drei Verfahren ergänzen sich:
| Verfahren | Prüft | Eintrag im DNS | Norm |
|---|---|---|---|
| SPF (Sender Policy Framework) | Darf dieser Server Mails für die Domain des Umschlag-Absenders (MAIL FROM, ggf. HELO) senden? |
TXT-Eintrag der Domain, z. B. beispiel.example TXT "v=spf1 mx -all" |
RFC 7208 |
| DKIM (DomainKeys Identified Mail) | Stammt die Mail wirklich von der signierenden Domain und ist sie unterwegs unverändert geblieben? | öffentlicher Schlüssel als TXT-Eintrag unter <selektor>._domainkey.<domain> |
RFC 6376 |
| DMARC (Domain-based Message Authentication, Reporting and Conformance) | Passt die geprüfte SPF- oder DKIM-Domain zum angezeigten From:, und was soll bei einem Fehlschlag geschehen? |
TXT-Eintrag unter _dmarc.<domain> |
RFC 9989 (seit Mai 2026, löst RFC 7489 ab) |
SPF: Welche Server dürfen senden?
Ein SPF-Eintrag zählt die berechtigten Absender-Server auf und endet mit einer Regel für alle anderen:
beispiel.example. TXT "v=spf1 mx a:shop.beispiel.example ip4:198.51.100.20 include:_spf.newsletter.example -all"
| Bestandteil | Bedeutung |
|---|---|
v=spf1 |
Version, Pflicht am Anfang |
mx |
die Server aus den MX-Einträgen der Domain dürfen senden |
a:shop.beispiel.example |
der Server mit diesem Namen (A/AAAA-Eintrag) darf senden |
ip4:198.51.100.20 bzw. ip6:… |
diese Adresse oder dieses Netz darf senden |
include:_spf.newsletter.example |
alle Server, die der SPF-Eintrag des Dienstleisters erlaubt, dürfen senden |
-all |
alle anderen Server sind nicht berechtigt (fail); ~all = verdächtig (softfail), ?all = keine Aussage |
Der empfangende Server prüft die IP-Adresse des einliefernden Servers gegen diese Liste. Typische Fehler:
Ein neuer Dienst, der im Namen der Domain sendet (Newsletter-Dienstleister, Shop-Server, Ticketsystem, Drucker mit Scan-to-Mail), fehlt im Eintrag. Seine Mails werden bei
-allabgelehnt.Es gibt mehr als einen SPF-Eintrag für die Domain – dann ist SPF ungültig (permerror). Es darf nur einen geben.
Zu viele verschachtelte
include:unda/mx-Mechanismen: Mehr als 10 DNS-Abfragen machen den Eintrag ungültig.Bei einer Weiterleitung sendet ein fremder Server weiter und besteht die SPF-Prüfung nicht mehr. Hier hilft DKIM, denn die Signatur reist mit der Mail.
DKIM: Die Signatur der Domain
Der Mailserver der Absenderin bildet einen Hashwert über ausgewählte Header-Felder und den Inhalt, signiert ihn mit dem privaten Schlüssel der Domain und fügt das Ergebnis als Header-Feld DKIM-Signature ein. Dort stehen u. a. die signierende Domain (d=), der Selektor (s=), das Verfahren (a=rsa-sha256 oder ed25519-sha256), der Hash des Inhalts (bh=) und die Signatur (b=):
DKIM-Signature: v=1; a=rsa-sha256; d=beispiel.example; s=mail2026;
h=from:to:subject:date; bh=Gr3b...; b=Kx9f...
Der Empfänger holt den öffentlichen Schlüssel per DNS unter mail2026._domainkey.beispiel.example und prüft die Signatur. Über den Selektor kann eine Domain mehrere Schlüssel gleichzeitig veröffentlichen, z. B. für einen Schlüsselwechsel oder für einen externen Dienstleister.
Gründe für DKIM verification failed bzw. dkim=fail:
Die Mail wurde nach dem Signieren verändert, z. B. durch einen Signatur- oder Haftungshinweis, den ein Gateway anhängt, durch eine Mailingliste, die den Betreff ergänzt, oder durch einen Virenscanner (
body hash did not verify).Der öffentliche Schlüssel fehlt im DNS, ist falsch kopiert (abgeschnittener TXT-Eintrag) oder wurde beim Schlüsselwechsel zu früh gelöscht.
Kein
dkim=fail, aber für DMARC ebenso wertlos: Die Signatur fehlt ganz (dkim=none) oder die signierende Domain (d=) passt nicht zur Absenderdomain imFrom:.
DMARC: Richtlinie und Berichte
SPF und DKIM prüfen jeweils „irgendeine“ Domain – SPF die des Umschlags, DKIM die aus d=. Ein Angreifer könnte also mit eigener, korrekt eingerichteter Domain senden und im sichtbaren From: eine fremde Domain eintragen. DMARC schließt diese Lücke: Eine Mail besteht die Prüfung nur, wenn SPF oder DKIM erfolgreich ist und die geprüfte Domain zur Domain im From: passt (Alignment).
_dmarc.beispiel.example. TXT "v=DMARC1; p=none; rua=mailto:dmarc-berichte@beispiel.example"
p=none: nur beobachten, Mails werden normal zugestellt, Berichte kommen anrua.p=quarantine: Mails, die die Prüfung nicht bestehen, in den Spamordner.p=reject: solche Mails ablehnen.
Das Aktivitätsdiagramm zeigt, wie der empfangende Server SPF, DKIM und die DMARC-Richtlinie zusammen auswertet:
Eingeführt wird DMARC schrittweise: Erst mit p=none und Berichten herausfinden, welche Systeme im Namen der Domain senden, diese in SPF aufnehmen bzw. mit DKIM signieren lassen, dann auf quarantine und schließlich reject umstellen. Große Mailanbieter verlangen seit 2024 von Massenversendern SPF, DKIM und einen DMARC-Eintrag. Seit der Neufassung in RFC 9989 (2026) wird die frühere Angabe pct= (nur einen Prozentsatz der Mails prüfen) von Empfängern ignoriert; für Tests gibt es t=y (die Richtlinie wird dann eine Stufe milder angewendet, z. B. reject wie quarantine).
Spam und Phishing abwehren
Spam sind unerwünschte Massenmails, meist Werbung. Sie kosten Zeit und Speicher, sind aber nicht zwingend gefährlich. Phishing ist dagegen Betrug: Eine Mail gibt sich als vertrauenswürdige Stelle aus (Bank, Paketdienst, eigene IT-Abteilung, Geschäftsführung), um Zugangsdaten oder Zahlungen zu erschleichen oder Schadsoftware einzuschleusen. Gezieltes Phishing an einzelne Personen heißt Spear-Phishing. Woran Du Phishing erkennst, erklärt der Artikel Angriffe und Schadsoftware.
Schutzmaßnahmen am Mailserver und im Unternehmen:
| Maßnahme | Wirkung |
|---|---|
| SPF-, DKIM- und DMARC-Prüfung eingehender Mails | gefälschte Absender bekannter Domains werden erkannt |
| Sperrlisten (DNS-based Blocklists, eigene Listen von Domains oder Adressen) | Mails von bekannten Spam-Quellen werden abgelehnt (554 5.7.1 … blocked) |
| Greylisting | unbekannte Absender werden zunächst mit 4xx vertröstet; echte Server versuchen es erneut, viele Spam-Programme nicht |
| Inhalts- und Virenfilter, Sandbox für Anhänge | Schadsoftware wird erkannt, bevor sie das Postfach erreicht |
gefährliche Anhänge sperren (z. B. .exe, .js, Office-Dateien mit Makros, verschlüsselte Archive) |
häufigster Infektionsweg wird geschlossen |
| Mails als Text statt HTML anzeigen, Links umschreiben und beim Anklicken prüfen | versteckte Linkziele werden sichtbar bzw. gefiltert |
| Kennzeichnung externer Mails im Betreff („[EXTERN]“) | gefälschte „interne“ Mails fallen auf |
| regelmäßige Schulungen, Meldeknopf für verdächtige Mails | Beschäftigte erkennen Phishing und melden es |
Steht ein Absender zu Unrecht auf einer Sperrliste, erhält er eine Unzustellbarkeitsmeldung mit dem Namen der Liste. Abhilfe: Ursache beim Absender beseitigen (z. B. ein gekapertes Konto, ein offenes Relay) und die Löschung bei der Liste beantragen, bzw. – wenn die Sperre im eigenen Filter liegt – den Absender dort freigeben.
Transportverschlüsselung und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Bei der Transportverschlüsselung (TLS bzw. STARTTLS) wird jede Teilstrecke einzeln verschlüsselt: Mailprogramm → eigener Server, Server → Server, Server → Mailprogramm. Auf den Servern selbst liegt die Mail im Klartext. Wer einen beteiligten Server kontrolliert oder einen Man-in-the-Middle-Angriff auf eine ungesicherte Teilstrecke schafft, kann sie lesen oder verändern. Zwischen Mailservern ist STARTTLS zudem meist nur opportunistisch: Bietet die Gegenseite kein TLS an, wird unverschlüsselt übertragen. Mit MTA-STS (RFC 8461) oder DANE (TLSA-Einträge im DNS, abgesichert mit DNSSEC) kann eine Domain verlangen, dass Mails an sie nur verschlüsselt und an den richtigen Server zugestellt werden.
Bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wird die Mail selbst im Mailprogramm der Absenderin verschlüsselt und erst im Mailprogramm des Empfängers entschlüsselt. Kein Server unterwegs kann den Inhalt lesen. Signiert die Absenderin zusätzlich, sind Integrität und Authentizität gesichert. Die Kopfzeilen (Absender, Empfänger, meist auch der Betreff) bleiben aber lesbar, weil die Server sie für den Transport brauchen.
Beide Verfahren arbeiten hybrid: Der Inhalt wird mit einem zufälligen symmetrischen Schlüssel verschlüsselt, dieser mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers. Signiert wird mit dem eigenen privaten Schlüssel. Welcher Schlüssel wann gebraucht wird, zeigt der Artikel Kryptografie.
| S/MIME | OpenPGP | |
|---|---|---|
| Schlüssel | X.509-Zertifikat mit öffentlichem Schlüssel, ausgestellt von einer Zertifizierungsstelle (CA) | Schlüsselpaar, selbst erzeugt |
| Vertrauensmodell | hierarchisch: Wer der CA vertraut, vertraut dem Zertifikat | Netz des Vertrauens (Web of Trust) oder Vergleich des Fingerabdrucks; Schlüsselserver |
| Unterstützung | in Outlook, Apple Mail, vielen Mobil-Apps eingebaut | in Thunderbird eingebaut, sonst Zusatzprogramme |
| Kosten und Aufwand | Zertifikate meist kostenpflichtig, laufen ab (höchstens 825 Tage, meist 1–2 Jahre), zentral verwaltbar | kostenlos, Schlüsselverwaltung liegt bei den Nutzenden |
| typischer Einsatz | Unternehmen, Behörden, Verbindung mit einer Firmen-PKI | Privatpersonen, Entwicklerteams, Open-Source-Projekte |
Praktische Stolpersteine der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Der private Schlüssel muss auf jedem Gerät vorhanden sein, auf dem gelesen werden soll; ist er verloren, sind alle damit verschlüsselten Mails unlesbar (Schlüssel sichern bzw. hinterlegen). Abgelaufene oder gesperrte Zertifikate führen zu Warnungen. Und Virenfilter am Server können verschlüsselte Anhänge nicht prüfen.
Typische Fehlerbilder und ihre Ursachen
| Fehlerbild | wahrscheinliche Ursache | Prüfen bzw. beheben |
|---|---|---|
| Die Domain empfängt keine Mails von außen | MX-Eintrag fehlt, zeigt auf einen Namen ohne A-Eintrag oder auf einen nicht erreichbaren Server; Port 25 in der Firewall gesperrt | DNS-Einträge (MX, A) abfragen, Portfreigabe prüfen |
| Mails eines Dienstleisters im Namen der Domain werden abgelehnt oder landen im Spam | Server des Dienstleisters fehlt im SPF-Eintrag, keine DKIM-Signatur für die Domain | SPF um include:/ip4: ergänzen, DKIM beim Dienstleister einrichten |
dkim=fail, Mail im Spamordner |
Mail nach dem Signieren verändert, öffentlicher Schlüssel fehlt oder ist falsch | Header-Feld Authentication-Results lesen, DNS-Eintrag zum Selektor prüfen |
530 5.7.0 Authentication required beim Senden |
SMTP-AUTH im Mailprogramm nicht aktiviert | Anmeldung für den Postausgangsserver einschalten |
554 5.7.1 … blocked |
Absender, Domain oder IP-Adresse steht auf einer Sperrliste | Ursache beseitigen, Löschung beantragen bzw. eigenen Filter anpassen |
| Mailprogramm meldet Zertifikatsfehler oder Verbindung scheitert | falscher Port zur gewählten Verbindungssicherheit, Zertifikat abgelaufen oder für anderen Namen ausgestellt | Port und Verbindungssicherheit abgleichen, Zertifikat erneuern |
| Adresse mit Umlauten kommt nicht an | Domain mit Umlauten muss als Punycode (xn--…) übertragen werden; Umlaute im lokalen Teil (vor dem @) setzen SMTPUTF8 voraus, das nicht alle Server und Programme können; ausländische Tastaturen |
Adressen ohne Umlaute vergeben (ue statt ü), Umlaut-Domain höchstens zusätzlich |
Bei der Fehlersuche hilft der Quelltext der Mail: Das Header-Feld Authentication-Results zeigt, wie der empfangende Server SPF, DKIM und DMARC bewertet hat (spf=pass, dkim=fail, dmarc=fail), und die Received:-Zeilen zeigen von unten nach oben den Weg der Mail.
Leitfragen
- Welche Stationen durchläuft eine E-Mail, und wozu dient dabei der MX-Eintrag?
Das Mailprogramm übergibt die Mail per SMTP-Submission an den eigenen Mailserver. Dieser fragt im DNS den MX-Eintrag der Empfängerdomain ab, um den zuständigen Mailserver zu finden, und liefert per SMTP an ihn. Der Server des Empfängers legt die Mail im Postfach ab, aus dem sie per IMAP oder POP3 gelesen wird; siehe Abschnitt „Der Weg einer E-Mail“.
- Warum ist IMAP für die meisten Postfächer besser geeignet als POP3?
Bei IMAP bleiben Mails und Ordner auf dem Server und werden mit allen Geräten synchronisiert; das Postfach wird zentral gesichert. POP3 holt Mails meist auf ein einzelnes Gerät und löscht sie auf dem Server; siehe Abschnitt „SMTP, IMAP und POP3“.
- Worin unterscheiden sich STARTTLS und SSL/TLS bei der Einrichtung eines Mailprogramms?
Bei STARTTLS beginnt die Verbindung unverschlüsselt auf dem Standardport (143, 110, 587) und wird per Befehl auf TLS umgestellt; bei SSL/TLS ist sie ab Beginn verschlüsselt (993, 995, 465). Implizites TLS ist sicherer gegen Downgrade-Angriffe; siehe Abschnitt „Mailprogramme richtig einrichten“.
- Was prüfen SPF, DKIM und DMARC jeweils, und wo stehen die Einträge?
SPF prüft, ob der einliefernde Server für die Domain des Umschlag-Absenders senden darf (TXT-Eintrag der Domain). DKIM prüft eine Signatur der Domain über Header und Inhalt; der öffentliche Schlüssel steht unter <selektor>._domainkey.<domain>, die Signatur im Header-Feld DKIM-Signature. DMARC verlangt, dass SPF oder DKIM zur Domain im From: passt, und legt fest, was bei einem Fehlschlag passiert (_dmarc.<domain>); siehe Abschnitt „Absender absichern: SPF, DKIM und DMARC“.
- Ein externer Newsletter-Dienst versendet Mails mit Deiner Domain als Absender, die bei vielen Empfängern abgelehnt werden. Woran liegt das vermutlich?
Der Server des Dienstleisters ist im SPF-Eintrag nicht als berechtigter Absender aufgeführt; bei -all lehnen Empfänger seine Mails ab. Der Eintrag muss z. B. um include: des Dienstleisters ergänzt werden, außerdem sollte der Dienst mit DKIM für die Domain signieren; siehe Abschnitt „SPF: Welche Server dürfen senden?“.
- Wie unterscheiden sich Spam und Phishing, und welche Maßnahmen schützen dagegen?
Spam sind unerwünschte Massenmails, Phishing ist Betrug, bei dem sich eine Mail als vertrauenswürdige Stelle ausgibt, um Daten, Zahlungen oder eine Infektion zu erreichen. Dagegen helfen Absenderprüfung, Sperrlisten, Greylisting, Virenfilter und Sandbox, gesperrte Anhänge, Textanzeige statt HTML und geschulte Beschäftigte; siehe Abschnitt „Spam und Phishing abwehren“.
- Warum reicht Transportverschlüsselung für vertrauliche Inhalte nicht immer aus?
TLS schützt nur die einzelnen Teilstrecken. Auf den Mailservern liegt die Mail im Klartext, und zwischen Servern wird oft nur opportunistisch verschlüsselt. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit S/MIME oder OpenPGP schützt den Inhalt dagegen vom Mailprogramm der Absenderin bis zum Mailprogramm des Empfängers; siehe Abschnitt „Transportverschlüsselung und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“.
- Wie gehst Du vor, wenn eine Mail nicht ankommt?
Fehlermeldung und Statuscode lesen (4xx vorübergehend, 5xx dauerhaft, 5.7.x Sicherheit/Richtlinie), DNS-Einträge (MX, A, SPF, DKIM, DMARC) prüfen, im Header Authentication-Results und Received: auswerten und Logs der Mailserver ansehen; siehe Abschnitt „Typische Fehlerbilder und ihre Ursachen“.
Links und weitere Informationen
Übungen: Übungsaufgaben zu E-Mail-Diensten
Voraussetzung: Kryptografie, DHCP, DNS und ARP
weiterführend: Angriffe und Schadsoftware, Firewall und DMZ, Systemhärtung
als Nachschlagewerk: BSI TR-03108 „Sicherer E-Mail-Transport“ (Technische Richtlinien auf bsi.bund.de), RFC 5321 – SMTP, RFC 8314 – Cleartext Considered Obsolete, RFC 7208 – SPF, RFC 6376 – DKIM, RFC 9989 – DMARC, RFC 8461 – MTA-STS
Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)
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