Übungsaufgaben zu Stakeholdern, Projektumfeld und Akzeptanz
https://bildung.social/@oerinformatik/
https://oer-informatik.de/stakeholderanalyse-uebungsaufgaben
Stakeholderanalyse, Projektumfeldanalyse, Stakeholder-Portfolio, Akzeptanz, Widerstand, Konfliktmanagement, Betriebsrat, Projektmanagement, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 116 min, mehrere Aufgaben): Vier Übungsaufgaben zu Stakeholdern und Projektumfeld: eine kurze Einstiegsaufgabe zu einer Mitfahr-App (intern/extern, Einfluss auf die Machbarkeit, Stakeholder-Portfolio), die Digitalisierung von Lager und Werkstatt eines Fahrradherstellers mit einer fehlerhaften Stakeholderliste, Haltungen, Befürchtungen und Gegenmaßnahmen, Betriebsrat und einem Streit um Key User zwischen Werkstatt und Projekt, die Planung eines Barcamps an einem Berufskolleg mit Projektumfeldanalyse, der Bewertung geplanter Gegenmaßnahmen, Veränderungen im Stakeholder-Portfolio, einem Workshop gegen Widerstände im Kollegium und einem Konflikt zwischen zwei Stakeholdergruppen sowie die Einführung einer KI-gestützten Moderation in einer Freizeit-App mit Befunden aus dem Projektumfeld, Stakeholder-Portfolio, Kommunikationsplan und der Abgrenzung zur Machbarkeitsanalyse. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Stakeholder, Projektumfeld und Akzeptanz.
Hinweise zur Bearbeitung: Bis zur Teil-1-Prüfung der IT-Berufe solltest Du die Basiskompetenz beherrschen, also Aufgabe 1.1. Als FIA, FIDP oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1, Aufgabe 2.2 und Aufgabe 2.3. Beziehe Deine Antworten immer auf die beschriebene Situation. Achte auf die Operatoren: „Nenne“ verlangt Stichworte, „beschreibe“ ganze Sätze mit Bezug zur Situation, „erläutere“ zusätzlich eine Begründung oder Auswirkung. Die Beispiellösungen zeigen Beispiele; andere fachlich passende Antworten sind ebenfalls richtig.
Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?
Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.
Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Stakeholder, Projektumfeld und
Akzeptanz“.
Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.
Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/stakeholderanalyse
- https://oer-informatik.de/projektorganisation
- https://oer-informatik.de/anforderungsanalyse
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/stakeholderanalyse-uebungsaufgaben
Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Stakeholderanalyse
- Projektumfeldanalyse
- Stakeholder-Portfolio
- Akzeptanz
- Widerstand
- Konfliktmanagement
- Betriebsrat
- Projektmanagement
Kompetenzstufe: Kernkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan
Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
danach frage.
Aufgabe 1.1: Fahrgemeinschaften fürs Berufskolleg – wer redet mit? (Basiskompetenz)
(ca. 14 min Bearbeitungszeit)
Am Ratz und Rübe Berufskolleg (RRB) in Bielefeld pendeln viele Auszubildende aus dem Umland, morgens fahren aber nur wenige Busse. Ein Projektteam der Schule, zu dem Du gehörst, entwickelt deshalb die Mitfahr-App RatzFahrt: Fahrer*innen bieten Fahrten an, Mitfahrende stellen Gesuche ein, und Monitore in Foyer und Fluren zeigen offene Angebote anonym an. Projektleiter ist der Lehrer Thomas Becker, die Datenschutzbeauftragte der Schule ist Andrea Wolf. Netzwerk und Monitore betreut die Schul-IT OWL, der IT-Dienstleister des Schulträgers.
- Ordne die folgenden Stakeholder aus Sicht der Schule zu: Markiere jeweils mit einem X, ob es sich um einen internen oder einen externen Stakeholder handelt. (4 Punkte)
| Stakeholder | intern | extern |
|---|---|---|
| Schulleitung des RRB | ||
| Schülervertretung des RRB | ||
| Andrea Wolf, Datenschutzbeauftragte der Schule | ||
| Schul-IT OWL (IT-Dienstleister des Schulträgers) | ||
| Eltern minderjähriger Auszubildender | ||
| Ausbildungsbetriebe der Pendelnden | ||
| Lehrkräfte im Projektteam | ||
| örtliches Busunternehmen |
Je richtig zugeordnetem Stakeholder 0,5 Punkte:
| Stakeholder | intern | extern |
|---|---|---|
| Schulleitung des RRB | X | |
| Schülervertretung des RRB | X | |
| Andrea Wolf, Datenschutzbeauftragte der Schule | X | |
| Schul-IT OWL (IT-Dienstleister des Schulträgers) | X | |
| Eltern minderjähriger Auszubildender | X | |
| Ausbildungsbetriebe der Pendelnden | X | |
| Lehrkräfte im Projektteam | X | |
| örtliches Busunternehmen | X |
Die Schul-IT OWL arbeitet zwar eng mit der Schule zusammen, gehört aber zum Schulträger bzw. ist ein eigener Dienstleister und ist deshalb aus Sicht der Schule extern.
- Stakeholder beeinflussen, ob ein Projekt überhaupt machbar ist. Beschreibe drei Stakeholdergruppen von RatzFahrt jeweils mit ihrem Einfluss auf das Projekt. (3 Punkte)
Je Gruppe mit passend beschriebenem Einfluss 1 Punkt, z. B.:
Schulleitung: gibt das Projekt frei und stellt Zeit und Mittel (Monitore, Hosting) bereit; ohne ihre Zustimmung startet RatzFahrt nicht.
Auszubildende (Fahrer*innen und Mitfahrende): nur wenn genug von ihnen Fahrten anbieten und nutzen, funktioniert die App; ihre Akzeptanz entscheidet über den Erfolg.
Datenschutzbeauftragte: prüft, ob die Verarbeitung der Daten zulässig ist (z. B. Einwilligung der Eltern bei Minderjährigen); Bedenken können den Start verzögern.
Schul-IT OWL: muss Netzanschlüsse, VLAN und Single Sign-on bereitstellen; ohne sie lassen sich Monitore und Anmeldung nicht umsetzen.
Eltern Minderjähriger: ohne ihre Einwilligung dürfen 16- und 17-Jährige nicht mitfahren; damit fehlt ein Teil der Nutzenden.
- Thomas Becker will mit den Stakeholdern unterschiedlich umgehen. Ordne die vier Stakeholder in das Stakeholder-Portfolio ein und nenne jeweils die passende Strategie. (4 Punkte)
- Andrea Wolf, Datenschutzbeauftragte der Schule
- Schulleitung des RRB
- pendelnde Auszubildende
- Ausbildungsbetriebe der Pendelnden
| geringes Interesse | hohes Interesse | |
|---|---|---|
| hoher Einfluss | ||
| geringer Einfluss |
Je Stakeholder mit passender Strategie 1 Punkt; eine abweichende, schlüssig begründete Einordnung ist ebenfalls richtig.
| geringes Interesse | hohes Interesse | |
|---|---|---|
| hoher Einfluss | Schulleitung – zufriedenstellen: regelmäßig kurz über Stand und Nutzen informieren, Entscheidungen rechtzeitig vorlegen | Andrea Wolf (Datenschutz) – eng einbinden: an der Gestaltung von Einwilligung und Löschung beteiligen, jede neue Funktion abstimmen |
| geringer Einfluss | Ausbildungsbetriebe – beobachten: allgemein informieren (z. B. Hinweis im Ausbildungsportal), Reaktionen im Blick behalten | pendelnde Auszubildende – informieren: regelmäßig über Fortschritt berichten, Rückmeldungen einholen, z. B. über die Schülervertretung |
Hinweis: Die Auszubildenden haben einzeln wenig Einfluss, gemeinsam entscheiden sie aber über die Nutzung. Wer sie deshalb als „hoher Einfluss“ einordnet und „eng einbinden“ wählt (z. B. Testgruppe), liegt ebenfalls richtig.
- Viele Eltern minderjähriger Auszubildender befürchten, dass ihre Kinder bei Fahranfänger*innen mitfahren, die noch wenig Erfahrung haben. Welche Maßnahme passt am besten zu dieser Befürchtung? Wähle eine Antwort aus. (2 Punkte)
- A) Die App wird barrierefrei gestaltet und vollständig mit einem Screenreader bedienbar.
- B) Die Monitore im Foyer zeigen nur Ort, Richtung, Uhrzeit und freie Plätze an.
- C) Die App zeigt an, ob jemand sich noch in der Probezeit befindet, und die Eltern können in der Einwilligung festlegen, ob ihr Kind bei Fahrer*innen in der Probezeit mitfahren darf.
- D) Die Schulleitung erhält jeden Monat eine Statistik mit der Zahl der Fahrten.
Richtig ist Antwort C (2 Punkte): Sie setzt direkt an der Ursache der Befürchtung an (fehlende Fahrpraxis) und gibt den Eltern eine Entscheidung in die Hand. Barrierefreiheit, anonyme Monitoranzeige und Statistik sind sinnvoll, entkräften aber nicht die Sorge der Eltern.
- Nenne eine Erwartung und eine Befürchtung, die Fahrer*innen wie Ben Richter, der seit Januar 2026 den Führerschein hat und ab Gütersloh fährt, mit RatzFahrt verbinden. Erwartung und Befürchtung sollen zwei unterschiedliche Gedanken sein. (2 Punkte)
Je 1 Punkt, z. B.:
Erwartung: Spritkosten mit den Mitfahrenden teilen; weniger allein im Auto fahren.
Befürchtung: bei einem Unfall für die Mitfahrenden verantwortlich zu sein bzw. haften zu müssen; oder: Mitfahrende sagen kurzfristig ab oder sind nicht pünktlich am Haltepunkt.
Nicht ausreichend ist eine bloße Verneinung wie „Erwartung: Kosten sparen – Befürchtung: keine Kosten sparen“.
Summe Aufgabe 1.1: 15 Punkte
Aufgabe 2.1: Digitales Lager und Tablets in der Werkstatt eines Fahrradherstellers (Kernkompetenz)
(ca. 34 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r im IT-Team der CSB-Rad GmbH in Bielefeld (38 Beschäftigte, Onlineshop für Fahrräder und Komponenten, Werkstatt und Lager in Bielefeld-Sennestadt). Cem Sarıkaya, Geschäftsführer Technik und IT, startet das Projekt „Lager 4.0“:
Alle Lagerplätze und Artikel erhalten Barcode-Etiketten. Wareneingang, Entnahme und Inventur werden mit Handscannern gebucht; der Bestand im Onlineshop ist dadurch immer aktuell.
Unterschreitet ein Artikel den Mindestbestand, erzeugt das System automatisch einen Bestellvorschlag an den Lieferanten.
In der Werkstatt ersetzen Tablets die Auftragsmappen aus Papier. Die Mechaniker*innen sehen dort den Montageauftrag, haken Arbeitsschritte ab und buchen verbautes Material.
Ein externer IT-Dienstleister, die Teuto Logistik-IT GmbH aus Gütersloh, liefert die Lagersoftware und passt sie an den Shop an.
Die Geschäftsführung erwartet weniger Fehlbestände und schnellere Lieferungen. Im Lager arbeiten fünf Beschäftigte, in der Werkstatt neun. CSB-Rad hat einen dreiköpfigen Betriebsrat (Vorsitzende: Jelena Marković aus dem Kundenservice).
- Dein Mit-Azubi Jonas fragt, was eigentlich mit „Stakeholdern“ gemeint ist. Erläutere den Begriff und den Unterschied zwischen internen und externen Stakeholdern an je einem Beispiel aus dem Projekt „Lager 4.0“. (4 Punkte)
Begriff (2 Punkte): Stakeholder sind alle Personen, Gruppen oder Organisationen, die ein Interesse am Projekt haben, von seinem Verlauf oder Ergebnis betroffen sind oder das Projekt beeinflussen können (fördern oder behindern).
Intern (1 Punkt): gehören zur eigenen Organisation, z. B. die Beschäftigten im Lager, die Werkstatt, die Geschäftsführung, der Betriebsrat der CSB-Rad GmbH.
Extern (1 Punkt): stehen außerhalb der eigenen Organisation, z. B. die Teuto Logistik-IT GmbH, die Lieferanten, die Kundschaft des Onlineshops, die Fertigungspartner.
- Jonas hat daraufhin eine erste Stakeholderliste angelegt. Jeder seiner vier Einträge hat einen Mangel. Benenne je Eintrag den Mangel und gib eine verbesserte Fassung an. Ergänze danach zwei Stakeholder, die in der Liste fehlen, jeweils mit ihrem Interesse. (7 Punkte)
| Nr. | Stakeholder | intern/extern | Interesse |
|---|---|---|---|
| 1 | Mitarbeiter | intern | wollen gute Arbeit machen |
| 2 | Teuto Logistik-IT GmbH | intern | Gewinn und Wartungsvertrag |
| 3 | Kundschaft des Onlineshops | extern | Das Projekt soll im Zeitplan bleiben. |
| 4 | Betriebsrat | extern | Schutz vor Leistungskontrolle |
Je Eintrag 1 Punkt (Mangel 0,5 Punkte, Verbesserung 0,5 Punkte), je ergänztem Stakeholder mit passendem Interesse 1,5 Punkte:
| Nr. | Mangel | verbesserte Fassung |
|---|---|---|
| 1 | zu unkonkret: „Mitarbeiter“ nennt keinen Bereich, und das Interesse passt auf jedes Projekt | Mechaniker*innen der Werkstatt (intern): vollständige Montageaufträge am Tablet statt Papiermappen; oder Beschäftigte im Lager (intern): weniger Suchen und Nachzählen |
| 2 | falsche Zuordnung: Der Dienstleister gehört nicht zur CSB-Rad GmbH | Teuto Logistik-IT GmbH (extern): Gewinn, Wartungsvertrag, Referenz im Fahrradhandel |
| 3 | Das Interesse passt nicht zur Rolle: Den Zeitplan kennt die Kundschaft gar nicht | Kundschaft des Onlineshops (extern): Die Verfügbarkeitsanzeige stimmt, Bestellungen kommen schneller an |
| 4 | falsche Zuordnung: Der Betriebsrat vertritt die eigenen Beschäftigten und ist intern | Betriebsrat (intern): Schutz vor Leistungskontrolle, Mitbestimmung bei der Einführung |
Mögliche Ergänzungen: Lieferanten (extern: planbare, automatisch ausgelöste Bestellungen), Buchhaltung mit Natalia Wróbel (intern: korrekte Bestandswerte für Inventur und Bilanz), Werkstattleitung und Einkauf mit Bastian Ludwig (intern: Teile rechtzeitig nachbestellen), Fachhändler wie das Radhaus Bielefeld-Süd (extern: vollständige Sammellieferungen), Geschäftsführung (intern: weniger Fehlbestände, schnellere Lieferungen). Nicht gewertet werden Stakeholder, die schon in der Liste stehen, und Angaben wie „Firmen“.
- Schätze für die Beschäftigten im Lager und für die Teuto Logistik-IT GmbH ein, ob sie dem Projekt eher als Befürworter, als Gegner oder unentschlossen gegenüberstehen. Begründe Deine Einschätzung jeweils mit einer Erwartung und einer Befürchtung. (6 Punkte)
Je Stakeholder 3 Punkte (Haltung 1 Punkt, Erwartung 1 Punkt, Befürchtung 1 Punkt). Erwartung und Befürchtung dürfen nicht nur das Gegenteil voneinander sein. Z. B.:
| Stakeholder | Haltung | Erwartung | Befürchtung |
|---|---|---|---|
| Beschäftigte im Lager | unentschlossen, teils ablehnend: Sie gewinnen Zeit, müssen aber ihre Arbeitsweise ändern | Die Inventur geht mit Scannern schneller; lästiges Suchen und Nachzählen fällt weg. | Jede Entnahme wird mit Uhrzeit und Person gespeichert; daraus könnte die Leistung kontrolliert werden. Oder: Durch automatische Bestellvorschläge fallen Aufgaben im Lager weg. |
| Teuto Logistik-IT GmbH | Befürworter: Das Projekt ist ihr Auftrag | Ein erfolgreiches Projekt bringt Gewinn, einen Wartungsvertrag und eine Referenz für weitere Fahrradhändler. | Die Anbindung an den Onlineshop ist aufwendiger als geplant (Schnittstellen, Sonderfälle wie konfigurierbare Artikel), sodass Termin und Festpreis nicht zu halten sind. |
- Im Projektteam wurden Befürchtungen gesammelt. Ordne jeder Befürchtung (1 bis 5) die am besten passende Gegenmaßnahme (A bis F) zu. Eine Maßnahme bleibt übrig. (5 Punkte)
| Nr. | Befürchtung |
|---|---|
| 1 | Die Geschäftsführung befürchtet, dass die Kosten des Projekts aus dem Rahmen laufen. |
| 2 | Die Mechaniker*innen befürchten, mit den Tablets und der neuen Software nicht zurechtzukommen. |
| 3 | Der Betriebsrat befürchtet, dass aus den Scannerbuchungen Leistungsprofile einzelner Beschäftigter erstellt werden. |
| 4 | Die Kundschaft befürchtet, dass der Shop in der Umstellungsphase Artikel als lieferbar anzeigt, die nicht vorrätig sind. |
| 5 | Bastian Ludwig befürchtet, dass das System falsche Bestellvorschläge erzeugt und Lieferanten zu viel liefern. |
| Kennbuchstabe | Gegenmaßnahme |
|---|---|
| A | Bestellvorschläge in den ersten drei Monaten nur nach Freigabe durch den Einkauf versenden; Mindestbestände gemeinsam prüfen |
| B | Betriebsvereinbarung, die eine personenbezogene Auswertung der Buchungen ausschließt |
| C | Kostenplan mit Meilensteinen und laufendem Kostencontrolling; Festpreisvertrag mit dem Dienstleister |
| D | Schulungen in kleinen Gruppen und je eine Key-User-Person in der Werkstatt als Ansprechperson |
| E | Pressemitteilung über das Projekt veröffentlichen |
| F | Stichtagsinventur vor dem Start und Umstellung in einer umsatzschwachen Woche; Lieferzeiten im Shop vorübergehend vorsichtiger angeben |
Je richtiger Zuordnung 1 Punkt:
| Befürchtung | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |
|---|---|---|---|---|---|
| Maßnahme | C | D | B | F | A |
Maßnahme E bleibt übrig: Eine Pressemitteilung entkräftet keine der Befürchtungen (sie ist allenfalls Teil des Projektmarketings nach außen).
- Für die Testphase im Februar 2027 sollen zwei Mechaniker*innen als Key User je sechs Stunden pro Woche mitarbeiten. Bastian Ludwig lehnt ab: „Im Frühjahr stauen sich die Inspektionen. Jede Stunde, die mir in der Werkstatt fehlt, verlängert unsere Lieferzeiten.“ Cem Sarıkaya hält am Termin fest, weil die Teuto Logistik-IT GmbH nur im Februar Entwickler*innen für Anpassungen frei hat.
Arbeite heraus, welches Interesse jeweils hinter den beiden Positionen steht. (2 Punkte)
Bestimme die Konfliktart. (1 Punkt)
Entwickle einen Lösungsvorschlag, der beide Interessen berücksichtigt, und gib an, wer entscheidet, wenn sich die beiden nicht einigen. (4 Punkte)
Interessen (je 1 Punkt): Bastian Ludwig will die Lieferzeiten der Werkstatt halten und die Kundschaft nicht verärgern; ihm geht es nicht darum, das Projekt zu bremsen. Cem Sarıkaya will die Lagersoftware rechtzeitig und mit dem Wissen der Werkstatt anpassen lassen, solange der Dienstleister verfügbar ist.
Konfliktart (1 Punkt): Ressourcen- bzw. Verteilungskonflikt: Projekt und Tagesgeschäft wollen dieselbe knappe Arbeitszeit der Mechaniker*innen.
Lösungsvorschlag (3 Punkte): Optionen sammeln, statt über „ja oder nein“ zu streiten, z. B.: Die Key User arbeiten in zwei festen Blöcken pro Woche mit, die Bastian Ludwig in die ruhigeren Tagesrandzeiten legt; eine Aushilfe oder Überstunden mit Freizeitausgleich fangen die fehlenden Stunden in der Werkstatt auf, die Kosten trägt das Projektbudget; Teuto Logistik-IT bereitet Testfälle vor, sodass die Key User weniger Zeit brauchen. Das Ergebnis wird schriftlich festgehalten und nach zwei Wochen überprüft.
Entscheidung (1 Punkt): Einigen sich beide nicht, entscheidet die Instanz über ihnen, hier die Geschäftsführung (z. B. Cem Sarıkaya gemeinsam mit Sophie Bertram oder ein Lenkungsausschuss), weil sie Projekt und Tagesgeschäft gegeneinander abwägen muss.
- Cem Sarıkaya möchte den Betriebsrat erst kurz vor dem Start informieren, „damit die Diskussion das Projekt nicht aufhält“. Begründe, warum der Betriebsrat von Anfang an in das Projekt eingebunden werden muss. (4 Punkte)
2 Punkte für die rechtliche Begründung, 2 Punkte für die Begründung aus Projektsicht, z. B.:
Rechtlich: Handscanner und Tablet-App speichern, wer wann was gebucht oder abgehakt hat. Sie sind damit technische Einrichtungen, die geeignet sind, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen. Ihre Einführung ist nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitbestimmungspflichtig; ohne Zustimmung des Betriebsrats (oder Spruch der Einigungsstelle) darf das System nicht eingeführt werden. Außerdem muss der Betriebsrat nach § 90 BetrVG schon bei der Planung neuer technischer Anlagen und Arbeitsabläufe rechtzeitig unterrichtet werden.
Projektsicht: Wird der Betriebsrat spät beteiligt, drohen Verzögerung oder Stillstand kurz vor dem Start, weil die Mitbestimmung nachgeholt werden muss. Früh eingebunden kann er an einer Betriebsvereinbarung mitwirken, Ängste in der Belegschaft auffangen und die Akzeptanz erhöhen.
- Beschreibe für zwei Stakeholder, wie sie die Machbarkeit des Projekts beeinflussen können. (4 Punkte)
Je Stakeholder mit beschriebenem Einfluss 2 Punkte, z. B.:
Geschäftsführung: stellt das Budget bereit und entscheidet über Start, Umfang und Abbruch; ohne Freigabe der Mittel ist das Projekt nicht machbar.
Betriebsrat: muss der Einführung zustimmen (Mitbestimmung); kann die Einführung verzögern oder über eine Betriebsvereinbarung die Akzeptanz sichern.
Lagerbeschäftigte: Nur wenn sie konsequent scannen, stimmen die Bestände; verweigern sie die Nutzung oder buchen nachlässig, ist das Projektziel nicht erreichbar.
Teuto Logistik-IT GmbH: liefert Software und Schnittstelle; fehlendes Know-how oder Terminverzug gefährdet den Starttermin.
Lieferanten: müssen automatische Bestellungen annehmen (z. B. per E-Mail oder Schnittstelle); sonst funktioniert die automatische Nachbestellung nicht.
Summe Aufgabe 2.1: 37 Punkte
Aufgabe 2.2: Ein Barcamp am Berufskolleg planen (Kernkompetenz)
(ca. 41 min Bearbeitungszeit)
Am Ratz und Rübe Berufskolleg (RRB) in Bielefeld findet am Samstag, 13.03.2027, das Barcamp „Lernen.Digital.Leben 2027“ statt: bis zu 400 Teilnehmende, 8 Räume, Livestream aus Aula und Mensa, Check-in mit QR-Badges, Infomonitore und E-Ink-Türschilder. Die Orga-Software (Einreichung von Sessions, Anmeldung, Sessionplan) entwickelt eine FIA-Klasse im Projektunterricht. Das Budget beträgt 6.000 € aus Förderverein und Sponsoring. Die Schulleiterin Petra Schulze-Albers ist Auftraggeberin, der Informatiklehrer Dimitrios Papadopoulos leitet die Organisation. Du arbeitest als Auszubildende*r im Orga-Team mit.
- Zu Beginn führt das Orga-Team eine Projektumfeldanalyse durch. Erläutere für jeden der fünf Bereiche einen Aspekt, der für das Barcamp zu berücksichtigen ist. (10 Punkte)
| Bereich | Aspekt und Bedeutung für das Barcamp |
|---|---|
| technisch | |
| rechtlich | |
| wirtschaftlich | |
| organisatorisch | |
| personell |
Je erläutertem Aspekt 2 Punkte (Aspekt 1 Punkt, Bedeutung für das Projekt 1 Punkt), z. B.:
| Bereich | Aspekt und Bedeutung für das Barcamp |
|---|---|
| technisch | Netz und Bandbreite: 400 Gäste im WLAN und zwei Livestreams belasten den Internetanschluss der Schule; es muss geprüft werden, ob ein getrenntes Gäste-WLAN und genug Upload-Bandbreite vorhanden sind. Weitere: Stromversorgung der Check-in-Terminals und Infomonitore, Kompatibilität der Referierenden-Laptops mit der Medientechnik, Hosting der Orga-Software. |
| rechtlich | Datenschutz bei Fotos und Livestream: Aufnahmen von Personen brauchen eine Rechtsgrundlage bzw. Einwilligung (DSGVO); Minderjährige wie Fatma Öztürk ohne Fotofreigabe dürfen nicht im Stream erscheinen. Weitere: Urheberrecht an Folien und Videoaufzeichnungen, Aufsichtspflicht für minderjährige Schüler*innen, Brandschutz und zulässige Personenzahl in der Aula, Anmeldedaten nach DSGVO löschen. |
| wirtschaftlich | Begrenztes Budget: Mit 6.000 € müssen Leihtechnik (1.800 €), Schriftdolmetschung (900 €) und Catering bezahlt werden; Ausgaben brauchen eine Kostenplanung, Sponsorengelder müssen rechtzeitig zugesagt sein. Weitere: Abhängigkeit von Sponsoren, Kosten für Ersatzgeräte, keine Teilnahmegebühren. |
| organisatorisch | Entscheidungswege und Ressourcen der Schule: Räume, Hausmeisterdienst und Schließzeiten am Samstag müssen mit Schulleitung und Schulträger abgestimmt werden; die Schul-IT OWL muss Netzänderungen freigeben. Weitere: Projektorganisation (Rollen im Orga-Team), Abstimmung mit dem Unterricht der FIA-Klasse, Zeitplan des Call for Participation. |
| personell | Verfügbarkeit von Helfenden und Lehrkräften: Für Check-in, Technik und Aufsicht werden rund 40 Helfende gebraucht, an einem Samstag; Lehrkräfte sind dazu nicht ohne Weiteres verpflichtet. Weitere: Qualifikation des Technikteams (Emre Aksoy), Vertretung bei Krankheit, Vorbehalte im Kollegium, Belastung der FIA-Klasse vor Prüfungen. |
- Das Orga-Team hat für drei Stakeholder schon Maßnahmen geplant (Stand November 2026):
| Nr. | Stakeholder | Befürchtung | geplante Maßnahme |
|---|---|---|---|
| 1 | Schul-IT OWL (Svenja Krämer) | Geräte von Gästen gelangen ins interne Schulnetz und gefährden dessen Sicherheit. | Beim Check-in unterschreiben alle Teilnehmenden die WLAN-Nutzungsordnung der Schule. |
| 2 | Referentin Lisa Brandt (gehörlos) | Sie kann den Diskussionen in den Sessions nicht folgen. | Alle Folien werden nach dem Barcamp auf der Website veröffentlicht. |
| 3 | Hausmeisterei | Zusätzlicher Dienst am Samstag und Schäden in den Räumen. | Der Samstagsdienst wird bis Ende November mit Schulträger und Schulleitung abgestimmt. Für jeden Raum übernimmt eine Person aus dem Orga-Team den Raum morgens und gibt ihn nach dem Rückbau bis 17:30 Uhr zurück. |
Bewerte jede geplante Maßnahme: Entkräftet sie die Befürchtung? Begründe Deine Bewertung und schlage für jede Maßnahme, die nicht passt, eine bessere vor. (6 Punkte)
Ergänze einen weiteren Stakeholder des Barcamps mit einer Befürchtung und einer Maßnahme, die diese Befürchtung entkräftet. (3 Punkte)
Bewertung (6 Punkte): Je Maßnahme 2 Punkte (Bewertung mit Begründung 1 Punkt; bessere Maßnahme bzw. bei der passenden Maßnahme die Begründung für beide Teile der Befürchtung 1 Punkt), z. B.:
(1) Schul-IT – passt nicht: Eine Unterschrift ändert nichts an der Technik. Ein Laptop mit Schadsoftware gelangt trotzdem ins Netz, die Befürchtung bleibt. Besser: Gäste-WLAN in einem eigenen VLAN, das nur ins Internet führt (Captive Portal, Client-Isolation), keine Gästegeräte an den Netzwerkdosen; die Firewall-Regeln stimmt das Orga-Team vorab mit Svenja Krämer ab. Die Nutzungsordnung kann ergänzend bleiben.
(2) Lisa Brandt – passt nicht: Die Folien helfen erst nach dem Barcamp und enthalten die Diskussionen nicht. Die Befürchtung betrifft aber das Mitdiskutieren während der Session. Besser: Schriftdolmetschung bzw. Live-Untertitel für ihre eigene Session und die Sessions, die sie besuchen möchte, buchen und im Sessionplan einplanen; Sitzplatz mit guter Sicht auf Untertitel und Sprechende.
(3) Hausmeisterei – passt: Die Maßnahme setzt an beiden Ursachen an. Der Samstagsdienst ist früh geregelt und kann mit dem Schulträger ausgeglichen werden; die feste Übergabe je Raum sorgt dafür, dass Schäden auffallen und jemand dafür zuständig ist, und der Rückbau durch das Orga-Team entlastet zusätzlich. Sinnvolle Ergänzung: Schäden bei der Rückgabe protokollieren.
Ergänzung (3 Punkte): Stakeholder 1 Punkt, Befürchtung 1 Punkt, passende Maßnahme 1 Punkt, z. B. eine der folgenden Zeilen:
| Stakeholder | Befürchtung | Maßnahme |
|---|---|---|
| Sponsoren (Ausbildungsbetriebe) | Ihr Logo erscheint nicht wie zugesagt, die Veranstaltung bringt ihnen keine Sichtbarkeit. | Leistungen schriftlich vereinbaren, Logo auf Infomonitoren und Website, Fotos als Beleg danach schicken. |
| Erziehungsberechtigte minderjähriger Teilnehmender | Ihr Kind wird ohne Zustimmung gefilmt oder ist ohne Aufsicht. | Einwilligung zur Fotofreigabe bei der Anmeldung, Kennzeichnung auf dem Badge (z. B. Farbe), Aufsicht in allen Räumen. |
| Nachbarschaft der Schule | Zugeparkte Straßen und Lärm am Samstag. | Hinweis auf Bus und Bahn, Fahrradstellplätze, Parkplätze der Schule öffnen, Anwohnende vorab informieren. |
| Lehrkräfte des RRB | Unbezahlte Mehrarbeit am Samstag und Verantwortung für Aufsicht. | Freiwilligkeit, Ausgleich nach Absprache mit der Schulleitung, klare Aufsichtspläne mit kurzen Schichten. |
- Im Oktober 2026 hat das Orga-Team die Stakeholder so in das Stakeholder-Portfolio eingeordnet:
| geringes Interesse | hohes Interesse | |
|---|---|---|
| hoher Einfluss | zufriedenstellen: Schul-IT OWL, Förderverein | eng einbinden: Schulleiterin |
| geringer Einfluss | beobachten: Lehrkräfte des RRB, Nachbarschaft der Schule | informieren: teilnehmende Schüler*innen |
Bis Februar 2027 hat sich einiges getan:
Ein Drittel der eingereichten Sessions plant Live-Demos mit eigenen Laptops, zwei Sessions sollen zusätzlich aus den Werkstätten in Gebäude C gestreamt werden. Die Schul-IT OWL muss dafür neue Netzbereiche einrichten und am Samstag eine Rufbereitschaft stellen. Fällt am Barcamptag das Netz aus, wird das ihr angelastet.
Für die angemeldeten minderjährigen Schüler*innen braucht jeder Raum eine Aufsicht. Petra Schulze-Albers führt das Barcamp nur als Schulveranstaltung durch, wenn genügend Lehrkräfte Aufsichtsschichten übernehmen. Bisher haben sich fünf Lehrkräfte gemeldet, im Kollegium regt sich Widerstand gegen Arbeit am Samstag.
Beurteile, wie sich die Lage der Schul-IT OWL und der Lehrkräfte im Portfolio bis zum Barcamp verändert, und leite für beide Konsequenzen für den weiteren Umgang ab. (6 Punkte)
Je Stakeholder 3 Punkte: Veränderung von Einfluss bzw. Interesse mit Begründung aus der Situation 1 Punkt, neues Feld mit Strategie 1 Punkt, passende Konsequenz 1 Punkt. Begründete andere Einordnungen sind zu werten. Z. B.:
Schul-IT OWL – von „zufriedenstellen“ nach „eng einbinden“: Ihr Einfluss war schon hoch, weil sie das Netz freigibt oder sperrt. Jetzt steigt auch ihr Interesse stark: Sie muss neue Netzbereiche einrichten, am Samstag in Rufbereitschaft sein und trägt das Risiko eines Netzausfalls. Konsequenz: Svenja Krämer kommt in die Technikrunde des Orga-Teams und legt das Netzkonzept (Gäste-WLAN, getrenntes Netz für Referierendenlaptops, Stream-Netz) mit fest. Das Orga-Team fragt die Demo-Anforderungen der Referierenden gesammelt ab und plant eine Technikprobe am Vortag. So wird ein Streit um fremde Geräte im Schulnetz früh entschärft.
Lehrkräfte des RRB – von „beobachten“ nach „eng einbinden“: Ihr Interesse steigt, weil sie selbst betroffen sind (Aufsicht am Samstag); ein Teil steht dem Barcamp ablehnend gegenüber. Auch ihr Einfluss steigt: Ohne genügend Aufsichten findet das Barcamp als Schulveranstaltung nicht statt, das Kollegium kann es also faktisch verhindern. Konsequenz: Allgemeine Informationen reichen nicht mehr. Das Orga-Team beteiligt das Kollegium, z. B. mit einem Workshop in der Lehrerkonferenz, erstellt den Aufsichtsplan mit kurzen, freiwilligen Schichten gemeinsam mit den Lehrkräften, klärt mit der Schulleiterin einen Ausgleich und benennt eine feste Ansprechperson im Orga-Team.
Allgemein gilt: Das Portfolio wird an Meilensteinen (z. B. nach Ende des Call for Participation) fortgeschrieben, damit solche Veränderungen rechtzeitig auffallen.
- In der Lehrerkonferenz stößt das Barcamp auf Widerstand: Viele Lehrkräfte befürchten Mehrarbeit am Samstag, andere halten Barcamps für „Spielerei“. Das Orga-Team bekommt in der nächsten Konferenz eine Stunde Zeit für einen Workshop mit dem Kollegium. Plane den Ablauf mit drei bis vier Programmpunkten (Dauer und Inhalt) und begründe für zwei davon, wie sie den Widerstand verringern sollen. (7 Punkte)
Ablauf 3 Punkte (je sinnvollem Programmpunkt mit Dauer 1 Punkt, zusammen höchstens 60 Minuten), Begründung 2 × 2 Punkte. Ein möglicher Ablauf:
| Dauer | Programmpunkt | Inhalt |
|---|---|---|
| 10 min | So läuft ein Barcamp | kurzes Video vom Barcamp einer anderen Schule; Sessions werden erst am Morgen vorgeschlagen, niemand muss vortragen |
| 15 min | Was bringt es uns? | Kontakte zu Ausbildungsbetrieben, eigene Session als kollegiale Fortbildung, Material für den Unterricht, echte Kundschaft für die FIA-Klasse |
| 20 min | Was bräuchtest Du, um mitzumachen? | Kartenabfrage, Antworten nach Mehrarbeit, Aufsicht und Technik sortieren; offene Fragen sichtbar sammeln |
| 15 min | Mitmachen ohne Samstag | Liste mit Aufgaben unter der Woche (Raumplanung, Moderationskarten, Nachbereitung) und kurzen Samstagsschichten zum Eintragen |
Begründungen, z. B.:
Kartenabfrage: Die Befürchtungen kommen auf den Tisch und fließen in die Planung ein. Wer erlebt, dass sein Einwand ernst genommen wird, lehnt seltener grundsätzlich ab. Das Orga-Team sieht außerdem, wer schon Unterstützer*in ist und wen es noch gezielt ansprechen muss.
Mitmachen ohne Samstag: setzt direkt an der Sorge vor Mehrarbeit am Wochenende an, weil es Beiträge ohne Samstagsdienst möglich macht und Schichten kurz und freiwillig hält.
„So läuft ein Barcamp“ und „Was bringt es uns?“: wirken gegen den Vorwurf „Spielerei“, der oft aus fehlendem Wissen kommt; ein greifbarer Nutzen für die eigene Arbeit überzeugt mehr als allgemeine Ziele.
- Nach dem Workshop gibt es noch drei Arten von Rückmeldungen. Ordne jeder Äußerung die Ursache des Widerstands (nicht wissen, nicht können, nicht wollen) zu und beschreibe eine passende Maßnahme. (6 Punkte)
| Äußerung | Ursache | Maßnahme |
|---|---|---|
| „Ich weiß gar nicht, wie so ein Barcamp abläuft. Muss ich dann was vortragen?“ | ||
| „Ich würde gern eine Session anbieten, aber ich habe noch nie einen Livestream gemacht.“ | ||
| „Ich arbeite schon genug. Samstags komme ich grundsätzlich nicht.“ |
Je Zeile 2 Punkte (Ursache 1 Punkt, passende Maßnahme 1 Punkt), z. B.:
| Äußerung | Ursache | Maßnahme |
|---|---|---|
| Ablauf unbekannt, Unsicherheit über Pflichten | nicht wissen | Ablauf erklären (kurzes Video oder Handreichung), deutlich machen, dass Teilnehmen ohne eigene Session möglich ist |
| Session ja, Livestream unbekannt | nicht können | Einweisung durch das Technikteam (Emre Aksoy), Technikprobe am Vortag, Unterstützung im Raum |
| Grundsätzlich keine Samstagsarbeit | nicht wollen | Befürchtung ernst nehmen: Teilnahme freiwillig, Ausgleich mit der Schulleitung klären, alternative Beiträge ermöglichen (z. B. Vorbereitung, Nacharbeit unter der Woche) |
- Kurz vor dem Barcamp gibt es Streit: Mehrere Referierende wollen ihre eigenen Laptops per Kabel ins Schulnetz stecken, um Live-Demos zu zeigen. Svenja Krämer von der Schul-IT lehnt das ab: „Keine fremden Geräte im Schulnetz – Punkt.“ Nenne die Konfliktart und beschreibe einen Lösungsvorschlag, der die Interessen beider Seiten berücksichtigt. (4 Punkte)
Konfliktart (1 Punkt): Zielkonflikt bzw. Interessenkonflikt zwischen zwei Stakeholdergruppen (Sicherheit des Schulnetzes gegen Vorführbarkeit der Demos); auch „Bewertungskonflikt“ ist vertretbar, wenn begründet wird, dass beide ein gelungenes Barcamp wollen, aber den Weg unterschiedlich bewerten.
Lösungsvorschlag (3 Punkte): Hinter den Positionen stehen Interessen: Die Referierenden brauchen Internetzugang und ein Bild auf dem Beamer, die Schul-IT will das interne Netz schützen. Lösung z. B.: Die Referierendenlaptops kommen in ein eigenes, vom Schulnetz getrenntes VLAN bzw. ins Gäste-WLAN mit ausreichender Bandbreite; Bildübertragung per HDMI direkt am Beamer; für Demos mit besonderen Anforderungen eine Technikprobe am Vortag mit der Schul-IT. Beide Seiten erreichen ihr eigentliches Ziel.
- Dimitrios Papadopoulos meint im Januar: „Die Stakeholderanalyse haben wir im Oktober gemacht. Die müssen wir nicht mehr anfassen.“ Nimm Stellung zu dieser Aussage. (3 Punkte)
Stellungnahme mit Begründung 3 Punkte, z. B.:
Der Aussage ist nicht zuzustimmen. Die Stakeholderanalyse soll Projektrisiken früh erkennen und muss deshalb über das ganze Projekt fortgeschrieben werden. Seit Oktober sind neue Stakeholder hinzugekommen (angenommene Referierende, Sponsoren, angemeldete Minderjährige), und Interessen und Einfluss haben sich verändert (z. B. Widerstand im Kollegium, Konflikt mit der Schul-IT). Eine Aktualisierung an Meilensteinen, etwa nach Ende des Call for Participation am 31.01.2027, verhindert, dass solche Entwicklungen das Barcamp kurzfristig gefährden.
Summe Aufgabe 2.2: 45 Punkte
Aufgabe 2.3: KI-Unterstützung für das Moderationsteam einer Freizeit-App (Kernkompetenz)
(ca. 27 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r in der Entwicklung der Let’s Meet GmbH in Bielefeld (24 Beschäftigte, Büro am Jahnplatz, finanziert mit Wagniskapital). In der App „Let’s Meet“ verabreden sich Menschen ab 16 Jahren zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten. Jeden Monat werden rund 3.100 Aktivitäten neu eingestellt, oft mit Fotos. Bisher prüft das Moderationsteam (Teamleitung: Birgit Sommer, dazu drei Moderator*innen in Teilzeit) Aktivitätsvorschläge, Fotos und Meldungen von Nutzenden von Hand. Die Wartezeit auf eine Freigabe beträgt bis zu einer Woche.
Geschäftsführerin Clara Neumann startet deshalb das Projekt „Moderation 2027“:
- Ein KI-Dienst eines externen Anbieters bewertet neue Aktivitäten, Fotos und Meldungen vor. Eindeutig unbedenkliche Aktivitäten werden sofort freigegeben, Grenzfälle landen beim Moderationsteam. Meldungen, die Minderjährige betreffen, prüft immer ein Mensch.
- Das Backend (Spring Boot) wird über eine Schnittstelle an den Dienst angebunden; das übernimmt das Entwicklungsteam von Yusuf Demir.
- Der Anbieter rechnet je geprüftem Inhalt ab, der Vertrag läuft zunächst zwei Jahre.
- Ziel: Freigabe innerhalb von 24 Stunden, auch wenn sich die Zahl der Aktivitäten verdoppelt.
Let’s Meet hat einen dreiköpfigen Betriebsrat (Vorsitzender: Amir Rahimi aus dem Support). Personalfragen bearbeitet Martina Engel aus der Verwaltung.
- Beim Kick-off hat das Projektteam die folgenden Befunde gesammelt. Ordne jeden Befund einem Bereich des Projektumfelds zu (technisch, rechtlich, wirtschaftlich, organisatorisch, personell oder gesellschaftlich) und gib an, ob er das Projekt eher fördert oder eher hemmt. Wähle danach den Befund, der das Projekt am stärksten gefährdet, und begründe Deine Wahl. (8 Punkte)
| Nr. | Befund | Bereich | fördert/hemmt |
|---|---|---|---|
| 1 | Der Anbieter verarbeitet die Inhalte in Rechenzentren in Irland und in den USA. | ||
| 2 | Das neue Backend hat noch keine Schnittstelle, über die Fotos an einen externen Dienst übergeben werden können. | ||
| 3 | Die Kapitalgeber stellen weiteres Geld in Aussicht, wenn die Zahl der monatlich aktiven Konten bis Ende 2027 um ein Drittel steigt. | ||
| 4 | Birgit Sommer, die als Einzige alle Moderationsregeln kennt, ist von März bis Mai im Sabbatical. | ||
| 5 | Wer Beschwerden über abgelehnte Aktivitäten bearbeitet, der Support oder die Moderation, ist nicht geregelt. | ||
| 6 | Die Lokalpresse berichtet über Betrugsmaschen in Freizeit-Apps; viele Nutzende wünschen sich schnellere Kontrollen. |
Je Befund 1 Punkt (Bereich 0,5 Punkte, Richtung 0,5 Punkte), Auswahl mit Begründung 2 Punkte:
| Nr. | Bereich | fördert/hemmt |
|---|---|---|
| 1 | rechtlich | hemmt |
| 2 | technisch | hemmt |
| 3 | wirtschaftlich | fördert |
| 4 | personell | hemmt |
| 5 | organisatorisch | hemmt |
| 6 | gesellschaftlich | fördert |
Begründung, z. B.: Befund 1 gefährdet das Projekt am stärksten. Texte, Fotos und Meldungen der Nutzenden sind personenbezogene Daten. Bevor der Dienst startet, braucht Let’s Meet einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung (Art. 28 DSGVO) und eine Grundlage für die Übermittlung in die USA (z. B. Zertifizierung des Anbieters nach dem EU-U.S. Data Privacy Framework oder Standardvertragsklauseln). Fehlt sie, darf der Dienst nicht genutzt werden, und Let’s Meet müsste den Anbieter wechseln. Die anderen hemmenden Befunde lassen sich innerhalb des Projekts lösen (Schnittstelle entwickeln, Vertretung einarbeiten, Zuständigkeit festlegen).
Ebenso vertretbar ist Befund 4, wenn begründet wird, dass das Wissen über Grenzfälle genau in der Einführungsphase fehlt und die Regeln für die KI ohne Birgit Sommer kaum festzulegen sind.
- Clara Neumann möchte wissen, um wen sich das Projektteam besonders kümmern muss. Ordne die fünf Stakeholder in das Stakeholder-Portfolio nach Einfluss und Interesse ein und begründe jede Einordnung in einem Satz. (5 Punkte)
- Moderationsteam (Birgit Sommer und drei Moderator*innen)
- Martina Engel, Verwaltung (Personal)
- Nutzende, die Aktivitäten einstellen
- Dr. Marta Kowalczyk, externe Datenschutzbeauftragte
- Kapitalgeber (Wagniskapital)
Je Stakeholder 1 Punkt (Feld 0,5 Punkte, Begründung 0,5 Punkte); abweichende, schlüssig begründete Einordnungen sind ebenfalls richtig.
| geringes Interesse | hohes Interesse | |
|---|---|---|
| hoher Einfluss | zufriedenstellen: Kapitalgeber – entscheiden über weiteres Geld, interessieren sich aber für Wachstum und Kosten, nicht für Details der Moderation | eng einbinden: Moderationsteam – seine Arbeit ändert sich direkt, und ohne sein Wissen über Grenzfälle lassen sich die Regeln für die KI nicht festlegen; Dr. Marta Kowalczyk – Inhalte gehen an einen Anbieter in Drittländern, ihre Bedenken können den Start aufhalten |
| geringer Einfluss | beobachten: (hier niemand) | informieren: Martina Engel – muss Stellenprofile und Schulungen organisieren, entscheidet aber nicht über das Projekt; Nutzende – erleben die Änderung jeden Tag, haben einzeln aber wenig Einfluss |
Wer die Nutzenden als Gesamtheit mit hohem Einfluss einordnet (sie können die App verlassen) und „eng einbinden“ wählt (z. B. eine Testgruppe), liegt ebenfalls richtig.
- Wähle zwei Stakeholder aus dem Feld „eng einbinden“. Beschreibe für jeden eine Befürchtung, die sich aus seiner Lage im Projekt ergibt, und entwickle eine Maßnahme, die zur Strategie dieses Feldes passt. (6 Punkte)
Je Stakeholder 3 Punkte (Befürchtung 1 Punkt, Maßnahme 2 Punkte). Die Maßnahme muss die Befürchtung entkräften und den Stakeholder beteiligen, nicht nur informieren. Z. B.:
Moderationsteam: Es befürchtet, dass nur noch die belastenden Grenzfälle (z. B. verstörende Fotos) beim Menschen landen und Fehler der KI ihm angelastet werden. Maßnahme: Das Team legt gemeinsam mit dem Entwicklungsteam fest, ab welcher Bewertung ein Inhalt als Grenzfall gilt, und wertet wöchentlich die Fehlentscheidungen der KI aus; die Zahl belastender Fälle pro Schicht wird begrenzt.
Dr. Marta Kowalczyk: Sie befürchtet, dass der Anbieter die Inhalte zum Training eigener Modelle nutzt oder länger speichert als nötig. Maßnahme: Sie prüft den Vertrag zur Auftragsverarbeitung vor der Unterschrift mit, legt Löschfristen fest und gibt den Test nur mit anonymisierten Inhalten frei.
Ebenso möglich: Das Moderationsteam befürchtet Stellenabbau; Maßnahme: Es plant mit, welche neuen Aufgaben (z. B. Community-Betreuung, Widersprüche gegen Ablehnungen) die frei werdende Zeit füllen, und die Geschäftsführung sagt den Erhalt der Stunden schriftlich zu.
- Clara Neumann bittet Dich, den Kommunikationsplan für die Einführung zu beginnen. Lege für drei Stakeholder Deiner Wahl fest, wann wer sie über welchen Kanal mit welcher Kernbotschaft informiert. Die Einträge sollen zur Strategie aus dem Stakeholder-Portfolio passen. (6 Punkte)
| Stakeholder | Zeitpunkt | Kanal und verantwortliche Person | Kernbotschaft |
|---|---|---|---|
Je Zeile 2 Punkte (passender Zeitpunkt und Kanal 1 Punkt, Kernbotschaft mit Bezug zum Stakeholder 1 Punkt), z. B.:
| Stakeholder | Zeitpunkt | Kanal und verantwortliche Person | Kernbotschaft |
|---|---|---|---|
| Nutzende, die Aktivitäten einstellen | zwei Wochen vor dem Start und am Starttag | Hinweis in der App und FAQ-Seite; Community-Management | Freigaben kommen künftig innerhalb von 24 Stunden; jede Ablehnung wird begründet, und ein Mensch prüft den Widerspruch. |
| Moderationsteam | ab dem Kick-off wöchentlich | Teamrunde mit Yusuf Demir und Birgit Sommer | Ihr legt mit fest, was die KI allein freigeben darf; Eure Rückmeldungen ändern die Einstellungen. |
| Kapitalgeber | im Quartalsbericht | Bericht von Clara Neumann | Wachstum ohne zusätzliche Moderationsstellen; Kosten je geprüftem Inhalt im Plan. |
| Betriebsrat | vor der Vertragsunterschrift, danach an jedem Meilenstein | Sitzung mit Clara Neumann | Unterrichtung über das geplante System und Entwurf einer Betriebsvereinbarung zur Auswertung der Moderationsdaten. |
| Martina Engel | vor dem Start der Testphase | persönliches Gespräch mit Clara Neumann | Welche Schulungen nötig sind, wer sie bezahlt und wie die Teilnahme nachgewiesen wird. |
- Yusuf Demir meint: „Die Umfeldanalyse haben wir doch jetzt. Eine Machbarkeitsanalyse brauchen wir nicht mehr.“ Nimm Stellung zu dieser Aussage und nenne dabei zwei Fragen, die nur die Machbarkeitsanalyse beantwortet. (5 Punkte)
Stellungnahme mit Begründung 3 Punkte, zwei passende Fragen je 1 Punkt, z. B.:
Der Aussage ist nicht zuzustimmen. Die Umfeldanalyse sammelt die Einflüsse auf das Projekt und leitet Maßnahmen für die Planung ab. Ob das Projekt überhaupt durchgeführt werden soll, beantwortet sie nicht. Das leistet die Machbarkeitsanalyse: Sie nutzt die Ergebnisse der Umfeldanalyse, bewertet das Vorhaben als Ganzes und endet mit einer Empfehlung an Clara Neumann (durchführen, anpassen oder verwerfen).
Fragen, die nur die Machbarkeitsanalyse beantwortet, z. B.:
- wirtschaftlich: Rechnet sich der Dienst über die Vertragslaufzeit, verglichen mit zusätzlichen Moderationsstellen (Investitionsrechnung)?
- technisch: Erreicht der Dienst in einem Test mit echten (anonymisierten) Inhalten die nötige Erkennungsqualität (Proof of Concept)?
- organisatorisch/Ressourcen: Hat das Entwicklungsteam neben dem Neuaufbau des Backends Kapazität für die Anbindung, oder muss sie extern vergeben werden?
- zeitlich: Ist die Freigabe innerhalb von 24 Stunden bis zum geplanten Start erreichbar?
Summe Aufgabe 2.3: 30 Punkte
Links und weitere Informationen
zum Nachlesen: Stakeholder, Projektumfeld und Akzeptanz
verwandte Artikel: Projekte organisieren (u. a. Machbarkeitsanalyse) und Anforderungsanalyse
als Nachschlagewerk zum Gesetz: Betriebsverfassungsgesetz, § 87 Mitbestimmungsrechte
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