Übungsaufgaben zu Ticketsystem und IT-Service

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Ticketsystem, IT-Service-Management, ITIL, Incident, Service Request, Support-Level, Eskalation, Service Level Agreement, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 197 min, mehrere Aufgaben): Eine umfangreiche Übungsaufgabe und vier weitere Aufgaben: Für den Support einer Freizeit-App erläuterst Du Vor- und Nachteile eines Ticketsystems, ordnest Meldungen als Incident, Service Request oder Major Incident ein und priorisierst sie, beschreibst Support-Level und Eskalation, prüfst Notizen zu einem englischen SLA-Auszug, berechnest eine Frist in Servicestunden, vergleichst die Kosten von SaaS und On-Premises über drei Jahre, wendest Datenschutz an und wertest ein Supportgespräch nach den Techniken des aktiven Zuhörens aus. In den weiteren Aufgaben prüfst Du die Auswertung von Ticketzahlen einer Schul-IT, leitest aus einem Shop-Ausfall ohne Vertrag SLA-Inhalte ab, machst SLA-Formulierungen messbar und prüfst einen Monatsbericht des Hosters, wendest ITIL-Leitprinzipien an, legst Monitoring-Schwellenwerte fest und prüfst einen SLA-Bericht nach. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)

Diese Übungsaufgabe gehört zum Artikel Ticketsystem und IT-Service.

Hinweise zur Bearbeitung: Als FIA, FIDP, FIDV, ISE oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1 und Aufgabe 2.2. Von IKD wird zusätzlich erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1, Aufgabe 3.2 und Aufgabe 3.3) keine Probleme bereiten. Bei „erläutern“ genügt kein Stichwort: Schreibe ganze Sätze mit Bezug zur Situation. Gib bei Rechnungen den Rechenweg mit Einheiten an. Schreib Deine Lösung zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst.

Aufgabe 2.1: Ein Ticketsystem für den Support einer Freizeit-App (Kernkompetenz)

(ca. 85 min Bearbeitungszeit)

Die Let’s Meet GmbH in Bielefeld, ein Start-up mit 24 Beschäftigten, betreibt die App „Let’s Meet“, mit der rund 18.200 monatlich aktive Nutzende Gleichgesinnte für gemeinsame Freizeitaktivitäten finden. Das zweiköpfige Support-Team – Birgit Sommer (Teamleitung Support und Moderation) und Amir Rahimi – bekommt Meldungen bisher über eine E-Mail-Sammeladresse und per Telefon und verwaltet sie auf einem Kanban-Board. Immer wieder bleiben Meldungen tagelang liegen. Die Geschäftsführerin Clara Neumann hat deshalb die Einführung eines Ticketsystems beschlossen: Meldungen aus der App sollen künftig über eine REST-Schnittstelle direkt als Ticket ankommen. Du bist Auszubildende*r der Fachinformatik für Anwendungsentwicklung im Team von Yusuf Demir (Leiter Entwicklung) und arbeitest gemeinsam mit Jonas Weber in diesem Projekt mit. Das Entwicklungsteam baut derzeit Backend und Datenbank der App mit Spring Boot und Docker neu auf und ist damit stark ausgelastet.

a) Clara Neumann bittet Dich, die Einführung im nächsten Teammeeting zu begründen, aber auch ehrlich auf Schwierigkeiten hinzuweisen. Erläutere drei Vorteile und einen Nachteil, die der Einsatz eines Ticketsystems für den Support der Let’s Meet GmbH hat. (12 Punkte)

Je Vorteil bzw. Nachteil 3 Punkte (1 Punkt Merkmal, 2 Punkte Erläuterung von Wirkung und Nutzen mit Bezug zu Let’s Meet). Drei Vorteile aus z. B.:

  • Nachvollziehbarkeit: Jede Meldung erhält eine Ticketnummer und einen Verlauf. Anders als im Sammelpostfach geht keine Meldung mehr verloren oder bleibt unbemerkt liegen; auch wenn Birgit Sommer im Urlaub ist, sieht Amir Rahimi, was bereits passiert ist.

  • Transparenz über den Status: Support, Entwicklung und Nutzende sehen den Bearbeitungsstand. Doppelarbeit (beide antworten auf dieselbe Mail) und Nachfragen „Was ist mit meiner Meldung?“ entfallen.

  • Automatisierung: Eingangsbestätigung, Zuweisung nach Kategorie und Benachrichtigung bei Statuswechsel laufen automatisch. Die App übermittelt App-Version und Gerät gleich mit, das spart dem kleinen Team Zeit und Rückfragen.

  • Priorisierung: Tickets werden nach Auswirkung und Dringlichkeit geordnet. Sicherheitsrelevante Meldungen (z. B. Fake-Profile) oder Ausfälle werden zuerst bearbeitet statt in der Reihenfolge des Eingangs.

  • Auswertungen: Ticketaufkommen je Kategorie, Reaktions- und Lösungszeiten lassen sich auswerten. Clara Neumann erkennt, ob das Team ausreicht, und die Entwicklung sieht, welche Funktionen die meisten Probleme machen.

  • Wissensdatenbank: Lösungen werden gespeichert und wiederverwendet; häufige Fragen können als Hilfeartikel in der App erscheinen (Self-Service), das entlastet das Team.

  • Einhaltung von Zusagen (SLA): Das System misst Fristen und warnt rechtzeitig, z. B. bei Datenauskünften mit gesetzlicher Frist.

Ein Nachteil aus z. B.:

  • Kosten: Abo-Gebühren oder Lizenz, Einrichtung, Anpassung und Anbindung an die App kosten Geld und Arbeitszeit des Entwicklungsteams – für ein Start-up mit 24 Beschäftigten ein spürbarer Posten.

  • Überwachungsverdacht: Das System protokolliert, wer wie lange an welchem Ticket gearbeitet hat. Birgit Sommer und Amir Rahimi könnten das als Leistungskontrolle empfinden; das gefährdet die Akzeptanz (bei einem Betriebsrat: Mitbestimmung nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG).

  • Datenschutz: Tickets enthalten personenbezogene Daten, ggf. Screenshots von Chats; Zugriffsrechte, Löschfristen und ggf. ein Auftragsverarbeitungsvertrag sind nötig.

  • Schulung und Umstellung: Das Team muss Kategorien, Regeln und Bedienung lernen; Nutzende, die lieber anrufen, empfinden ein Formular als Hürde.

Bewertungshinweis: Reine Stichworte („Übersicht“) höchstens 1 Punkt. Zwei Vorteile mit gleichem Kern (z. B. „Zeitersparnis“ und „schnellere Bearbeitung“) zählen nur einmal.

b) Für die REST-Schnittstelle legt Jonas Weber fest, welche Daten ein Ticket enthält.

ba) Nenne sechs Angaben, die ein Ticket enthalten sollte. Kennzeichne drei davon, die die App automatisch mitsenden kann, ohne dass die Nutzenden sie eintippen müssen. (3 Punkte)

Sechs Angaben (2 Punkte, je drei richtige Angaben 1 Punkt), z. B.:

  • Ticketnummer (vergibt das Ticketsystem)

  • meldende Person bzw. Benutzerkonto (benutzer_id) und Kontakt (E-Mail) – automatisch, weil die Person angemeldet ist

  • Zeitpunkt des Eingangs – automatisch

  • App-Version, Betriebssystem und Gerätetyp – automatisch

  • Kanal (App, E-Mail, Telefon) – automatisch

  • Kategorie (z. B. Anmeldung, Aktivitäten, Chat, Konto, Meldung über eine Person)

  • Beschreibung, ggf. Screenshot

  • Typ (Incident, Service Request), Priorität, Status, zuständige Person

1 Punkt für drei sinnvoll gekennzeichnete automatische Angaben. Nicht automatisch erfassbar sind Beschreibung und (in der Regel) Kategorie, Priorität setzt der Support.

bb) Ein Ticket durchläuft im neuen System die Status gelöst, neu, geschlossen, in Bearbeitung, zugewiesen und wartend. Bring die Status in eine sinnvolle Reihenfolge und beschreibe, wann ein Ticket in den Status wartend wechselt und warum die Frist für die Lösungszeit in diesem Status meist angehalten wird. (4 Punkte)

Reihenfolge (2 Punkte): neu → zugewiesen → in Bearbeitung → (wartend → in Bearbeitung) → gelöst → geschlossen. wartend darf auch zwischen in Bearbeitung und gelöst stehen, wenn deutlich wird, dass es danach zurück in die Bearbeitung geht. Bei gelöst kann das Ticket wiedereröffnet werden.

UML-Zustandsdiagramm: Lebenszyklus eines Tickets von neu über zugewiesen, in Bearbeitung, wartend und gelöst bis geschlossen (mit KI erstellt)

wartend (1 Punkt): Das Ticket wechselt dorthin, wenn die Bearbeitung von einer Zuarbeit von außen abhängt, z. B. wenn der Support eine Rückfrage an die meldende Person stellt („Welche App-Version nutzt Du?“) oder auf einen externen Dienstleister wartet.

Frist angehalten (1 Punkt): Der Support kann die Wartezeit nicht beeinflussen. Würde die Uhr weiterlaufen, würde eine späte Antwort der Nutzenden als Verstoß gegen die vereinbarte Lösungszeit gezählt.

c) Im Probebetrieb gehen die ersten Meldungen ein.

ca) Beschreibe den Unterschied zwischen einem Incident und einem Service Request. (2 Punkte)

Ein Incident ist eine ungeplante Unterbrechung oder Beeinträchtigung eines Services (etwas funktioniert nicht wie vorgesehen); Ziel ist die schnelle Wiederherstellung. Ein Service Request ist eine Anfrage nach einer vereinbarten Standardleistung (z. B. Datenexport, Kontoänderung); nichts ist gestört, die Anfrage wird nach einem festgelegten Ablauf erfüllt. 1 Punkt je zutreffender Beschreibung.

cb) Ordne die vier Meldungen jeweils als Incident, Major Incident oder Service Request ein, begründe kurz und bestimme die Priorität mit der Matrix des Support-Teams. Übertrage dazu die Tabelle. (8 Punkte)

Prioritätsmatrix des Support-Teams
Auswirkung \ Dringlichkeit hoch mittel gering
hoch (viele Nutzende, Kernfunktion, Sicherheit) 1 – kritisch 2 – hoch 3 – mittel
mittel (Teil der Nutzenden, einzelne Funktion) 2 – hoch 3 – mittel 4 – niedrig
gering (eine Person, kein Funktionsverlust) 3 – mittel 4 – niedrig 5 – planbar
Eingegangene Meldungen
Nr. Meldung Einordnung mit Begründung Priorität
1 Lea Schmitt (App, Mo 08:40 Uhr): „Der Filter ‚barrierefreier Treffpunkt‘ zeigt seit dem Update gestern auch das Café am Kesselbrink an, das drei Stufen am Eingang hat. Ich will heute Abend zum Brettspielabend.“
2 Rainer Krause (E-Mail): „Bitte schicken Sie mir eine Kopie aller Daten, die Sie über mich gespeichert haben.“
3 Monitoring (So 15:05 Uhr): Der Anmeldedienst antwortet seit 10 Minuten nicht, niemand kann sich in App oder Web-App anmelden.
4 Malik Haddad (App): „Die Android-App stürzt ab, sobald ich einen Chat öffne.“ Seit gestern gibt es 30 gleichartige Tickets; in der Web-App funktioniert der Chat.
Beispiellösung zur Einordnung
Nr. Einordnung mit Begründung Priorität
1 Incident: Eine Funktion arbeitet fehlerhaft (Filter liefert falsche Treffer). Auswirkung mittel: alle, die den Filter nutzen, sind betroffen, die App funktioniert sonst. Dringlichkeit hoch: Das Treffen ist heute Abend; Personen im Rollstuhl würden zu einem unzugänglichen Ort geschickt. 2 – hoch
2 Service Request: Nichts ist gestört, Rainer Krause möchte eine Standardleistung (Auskunft nach Art. 15 DSGVO). Auswirkung gering: eine Person. Dringlichkeit mittel: gesetzliche Frist von einem Monat. 4 – niedrig (auch 5 mit Begründung „Frist ist lang“)
3 Major Incident: Ausfall einer Kernfunktion für alle Nutzenden. Auswirkung hoch, Dringlichkeit hoch (Sonntagnachmittag, viele Aktivitäten). Sofortige Bearbeitung, Leitung informieren. 1 – kritisch
4 Incident (je Meldung); die 30 gleichartigen Tickets deuten auf ein gemeinsames Problem (Ursache, z. B. das Update). Auswirkung hoch: viele Nutzende der Android-App. Dringlichkeit mittel: Mit der Web-App gibt es eine Umgehungslösung. 2 – hoch

Bewertung: je Meldung 1 Punkt für Einordnung mit Begründung, 1 Punkt für eine zur Begründung passende Priorität. Andere Einschätzungen von Auswirkung oder Dringlichkeit sind richtig, wenn sie begründet sind und die Matrix korrekt angewendet wird. Meldung 4 als „Problem“ statt Incident einzuordnen, ist nur mit dem Hinweis richtig, dass die einzelnen Meldungen Incidents sind.

d) Das Support-Team soll mehrstufig arbeiten. Die Teutoburger Rechenzentrum GmbH betreibt die Server der Let’s Meet GmbH, der Hersteller des Ticketsystems liefert Updates und Fehlerkorrekturen.

da) Beschreibe für die Let’s Meet GmbH, wer jeweils den First-, Second- und Third-Level-Support übernimmt und welche Aufgaben die Ebene hat. Übertrage dazu die Tabelle. (6 Punkte)

Ebene Wer bei Let’s Meet? Aufgaben
First-Level-Support
Second-Level-Support
Third-Level-Support
Support-Ebenen bei Let’s Meet
Ebene Wer bei Let’s Meet? Aufgaben
First-Level-Support Support-Team (Birgit Sommer, Amir Rahimi) erste Anlaufstelle für alle Meldungen; vollständig erfassen, klassifizieren, priorisieren; Standardfälle (Passwort, Kontofragen, Bedienung, Datenauskunft) mit der Wissensdatenbank selbst lösen; Rest weiterleiten, Kontakt zu den Nutzenden halten
Second-Level-Support Entwicklungsteam (Yusuf Demir, Jonas Weber, Auszubildende) komplexe Fälle mit Fachwissen und mehr Berechtigungen: Logs und Datenbank analysieren, Fehler im Code beheben, Konfiguration ändern; neue Lösungen in die Wissensdatenbank eintragen, First Level schulen
Third-Level-Support Teutoburger Rechenzentrum GmbH (Infrastruktur) bzw. Hersteller des Ticketsystems Spezialfälle, die Eingriffe in Server, Netz oder Produkt des Herstellers erfordern, z. B. Ausfall im Rechenzentrum, Fehler im Ticketsystem selbst

Je Ebene 2 Punkte (1 Punkt Zuordnung, 1 Punkt Aufgaben). Bei Third Level sind auch andere externe Spezialist*innen richtig (z. B. Anbieter eingesetzter Bibliotheken oder des Kartendienstes).

db) Lea Schmitts Meldung (Nr. 1) kann Amir Rahimi nicht lösen und gibt sie an die Entwicklung weiter. Um 16 Uhr ist der Fehler noch nicht behoben, und es haben sich weitere Betroffene gemeldet. Birgit Sommer informiert Clara Neumann, die entscheidet, den Filter vorübergehend abzuschalten und alle Nutzenden zu benachrichtigen. Erläutere an diesem Beispiel den Unterschied zwischen funktionaler und hierarchischer Eskalation. (4 Punkte)

Funktionale Eskalation (2 Punkte): Das Ticket wird an eine höhere Support-Ebene mit mehr Fachwissen oder Berechtigungen übergeben – hier von Amir Rahimi (First Level) an die Entwicklung (Second Level), weil nur sie den Fehler im Filter analysieren und beheben kann.

Hierarchische Eskalation (2 Punkte): Vorgesetzte bzw. die Leitung werden eingeschaltet, weil eine Entscheidung oder Befugnis nötig ist, die die Bearbeitenden nicht haben – hier informiert Birgit Sommer die Geschäftsführerin, die über das Abschalten einer Funktion und die Information aller Nutzenden entscheidet.

dc) Künftig sollen sich Nutzende ausschließlich an den Support wenden; das Entwicklungsteam beantwortet keine direkten Anfragen mehr. Birgit Sommer ist skeptisch: „Dann landet alles bei Amir und mir, und wir werden zum Flaschenhals.“ Erläutere, was Let’s Meet insgesamt durch diesen Single Point of Contact gewinnt, und beschreibe die Gefahr, die Birgit anspricht, mit einer Maßnahme dagegen. (5 Punkte)

Gewinn für Let’s Meet (3 Punkte, ein gut erläuterter Aspekt mit Bezug zur Situation 2 Punkte, ein weiterer 1 Punkt), z. B.:

  • Die 30 gleichartigen Absturzmeldungen aus der Android-App (Meldung 4) landen alle beim Support und werden dort zu einem Problem verknüpft; bisher wären sie teils per Mail an einzelne Entwickler*innen gegangen, und niemand hätte die Häufung früh bemerkt.

  • Yusuf Demirs Team, das gerade Backend und Datenbank mit Spring Boot neu aufbaut, wird nicht mehr durch Anrufe zu Passwort- oder Kontofragen unterbrochen und bekommt nur noch Tickets wie Lea Schmitts Filterfehler, die wirklich Code betreffen.

  • Nutzende haben eine bekannte Anlaufstelle in der App und erhalten Rückmeldungen aus einer Hand, statt bei Mail, Telefon und Kanban-Board nachzufragen.

Gefahr und Maßnahme (2 Punkte): Bei zwei Personen im Support entsteht ein Rückstau, z. B. nach einem fehlerhaften Update oder bei Urlaub und Krankheit; Tickets bleiben liegen und die Nutzenden sind unzufriedener als vorher. Maßnahmen, z. B.: Wissensdatenbank und Self-Service (Hilfeseiten in der App, Passwort-Reset) ausbauen, damit weniger Tickets entstehen; Vertretungsregel bzw. Rufbereitschaft aus der Entwicklung für Spitzen; Standardantworten und automatische Verknüpfung gleicher Meldungen mit einem Major Incident.

e) Yusuf Demir hat im englischsprachigen Team-Wiki beschrieben, wie Let’s Meet künftig nach ITIL arbeiten soll.

How we run our service

  1. We get a disrupted service back to normal for our users as fast as possible – even if we do not know the root cause yet.
  2. We analyse recurring or serious disruptions, look for their root cause and record known errors and workarounds.
  3. We take care of predefined, low-risk requests from users, for example a data export or a change of e-mail address.
  4. We make sure that only authorised people can use a service, for example by creating and removing moderator accounts.
  5. We continuously observe our servers and apps, filter alerts and decide which ones need a reaction.
Kennbuchstabe Praktik
A Access Management (in ITIL 4 Teil des Information Security Management)
B Change Enablement
C Incident Management
D Monitoring and Event Management
E Problem Management
F Service Request Management (Request Fulfilment)

ea) Ordne den Beschreibungen 1 bis 5 jeweils den Kennbuchstaben der passenden Praktik zu. Eine Praktik bleibt übrig. (5 Punkte)

Beschreibung Kennbuchstabe
1 – Service schnell wiederherstellen C (Incident Management)
2 – Ursachen wiederkehrender Störungen, Known Errors E (Problem Management)
3 – vordefinierte Standardanfragen F (Service Request Management)
4 – nur berechtigte Personen, Konten anlegen/entfernen A (Access Management)
5 – Server und Apps überwachen, Alarme filtern D (Monitoring and Event Management)

Übrig bleibt B (Change Enablement: Änderungen planen, genehmigen und kontrolliert umsetzen). Je richtiger Zuordnung 1 Punkt.

eb) Zu den 30 Absturzmeldungen aus der Android-App (Meldung 4) beschreibt Yusuf Demir das weitere Vorgehen. Beschreibe, wie dabei eine Grundursachenanalyse (Root Cause Analysis) und die Wissensdatenbank helfen. (4 Punkte)

Grundursachenanalyse (2 Punkte): Statt jeden Absturz einzeln zu behandeln, werden die gleichartigen Tickets zu einem Problem zusammengefasst und systematisch untersucht, warum die App abstürzt (z. B. Absturzprotokolle vergleichen, Gemeinsamkeiten wie App-Version oder Android-Version suchen, mit 5-Why fragen, was sich mit dem Update geändert hat). Aus der gefundenen Ursache wird eine dauerhafte Korrektur abgeleitet (z. B. Fehlerbehebung in Version 3.4.2), damit der Fehler nicht wieder auftritt.

Wissensdatenbank (2 Punkte): Der bekannte Fehler wird mit Umgehungslösung als Artikel erfasst („Absturz beim Öffnen des Chats in Android-Version …: bis zum Update die Web-App nutzen“). Der First Level kann weitere Meldungen sofort beantworten und mit dem Problem verknüpfen, ohne die Entwicklung erneut zu fragen; nach der Korrektur wird der Artikel aktualisiert. Ein Hinweis in der App kann neue Tickets ganz vermeiden.

f) Zur Auswahl stehen zwei Ticketsysteme. Die Lippe Software AG aus Lemgo bietet „TicketLotse“ als SaaS an. Aus dem Vertragsentwurf liegt Dir dieser Auszug vor:

TicketLotse – Service Level Agreement (excerpt)

  1. Availability: The service will be available 99.7 % of the time per calendar year, excluding announced maintenance windows (Sundays 02:00–04:00).
  2. Service hours: Support requests are accepted and processed Monday to Friday, 08:00–18:00, except public holidays in North Rhine-Westphalia.
  3. Response time: A qualified support engineer starts working on a priority 1 ticket within 1 hour and on all other tickets within 8 service hours.
  4. Resolution time: Priority 1 incidents are resolved within 4 service hours.
  5. Service credits: If an agreed value is missed, the customer receives a credit of 5 % of the monthly fee.
  6. Exclusions: Outages caused by the customer’s own interfaces or by the customer’s internet connection do not count against availability.

fa) Erläutere anhand des Auszugs, was man unter einem Service Level Agreement versteht. (3 Punkte)

Ein Service Level Agreement (SLA) ist Teil des Servicevertrags zwischen einem Dienstleister (hier Lippe Software AG) und dem Kunden (Let’s Meet GmbH) (1 Punkt). Darin wird messbar festgelegt, in welchem Umfang und in welcher Qualität (Servicelevel) die Leistung erbracht wird, z. B. Verfügbarkeit von 99,7 %, Servicezeiten, Reaktions- und Lösungszeiten (1 Punkt). Außerdem regelt es die Folgen bei Nichteinhaltung, hier eine Gutschrift von 5 % der Monatsgebühr (1 Punkt).

fb) Jonas Weber hat den Auszug für das Teammeeting auf Deutsch zusammengefasst. Prüfe seine Notizen gegen den Auszug: Gib für jede Zeile an, ob sie stimmt, und berichtige die fehlerhaften Zeilen. (5 Punkte)

Nr. Jonas’ Notiz
1 Verfügbarkeit 99,7 % in jedem Monat
2 Support rund um die Uhr erreichbar, auch am Wochenende
3 Priorität 1: Reaktion innerhalb einer Stunde, d. h. wir bekommen spätestens nach einer Stunde die automatische Eingangsbestätigung
4 Wartung sonntags 2–4 Uhr zählt nicht als Ausfall
5 Fällt unsere eigene REST-Schnittstelle aus und kommen deshalb keine Tickets an, verringert das die Verfügbarkeit von TicketLotse

Je Zeile 1 Punkt:

  1. falsch: Die 99,7 % gelten je Kalenderjahr, nicht je Monat. Ein einzelner Monat darf also schlechter sein, solange das Jahr insgesamt reicht.

  2. falsch: Supportanfragen werden nur Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr angenommen und bearbeitet, nicht an Feiertagen in NRW. Die Software selbst läuft rund um die Uhr, der Support nicht.

  3. falsch: Reaktionszeit heißt hier, dass eine qualifizierte Fachkraft des Supports mit der Bearbeitung beginnt; eine automatische Eingangsbestätigung zählt nicht.

  4. richtig: angekündigte Wartungsfenster sonntags 2–4 Uhr sind von der Verfügbarkeit ausgenommen.

  5. falsch: Ausfälle durch eigene Schnittstellen der Kund*innen sind ausgeschlossen (Exclusions); sie zählen nicht gegen die Verfügbarkeit von TicketLotse.

Typischer Fehler: die Verfügbarkeit der Software mit der Erreichbarkeit des Supports gleichsetzen.

fc) Unabhängig vom Ticketsystem garantiert die Teutoburger Rechenzentrum GmbH für die Server der App eine Verfügbarkeit von 99,9 % je Kalendermonat im 24/7-Betrieb. Yusuf Demir hat dafür „höchstens 43,2 min Ausfall“ notiert. Berechne die zulässige Ausfallzeit für den Oktober 2026 in Minuten. (2 Punkte)

Geg.: Verfügbarkeit V = 99{,}9\,\% = 0{,}999, Oktober: T = 31\,\mathrm{d}, 24/7-Betrieb

Ges.: zulässige Ausfallzeit t_A im Oktober in Minuten

V = \frac{T - t_A}{T} \quad | \cdot T

t_A = (1 - V) \cdot T

t_A = (1 - 0{,}999) \cdot 31\,\mathrm{d} \cdot 24\,\frac{\mathrm{h}}{\mathrm{d}} \cdot 60\,\frac{\mathrm{min}}{\mathrm{h}} = 0{,}001 \cdot 44.640\,\mathrm{min} = \underline{\underline{44{,}640\,\mathrm{min}}}

Im Oktober darf der Server insgesamt 44,64 Minuten ausfallen. Yusufs 43,2 Minuten gelten für einen Monat mit 30 Tagen.

Bewertung: Ansatz (1 - V) \cdot T 1 Punkt, Minuten des Oktobers und Ergebnis 1 Punkt. Mit 30 Tagen gerechnet (43,2 min): 1 Punkt.

fd) Am Freitag, 06.11.2026, um 16:15 Uhr meldet Birgit Sommer bei TicketLotse ein Ticket der Priorität 1: Neue Meldungen aus der App kommen nicht mehr an. Bestimme, bis wann die Bearbeitung spätestens beginnen und das Ticketsystem spätestens wieder funktionieren muss. Beurteile anschließend, ob diese Zusagen zu einer App passen, die vor allem abends und am Wochenende genutzt wird. (5 Punkte)

Geg.: Eingang Fr 06.11.2026, 16:15 Uhr; Servicezeit Mo–Fr 8–18 Uhr; Priorität 1: Reaktion 1 h, Lösung 4 Servicestunden

Ges.: spätester Beginn der Bearbeitung, spätester Lösungszeitpunkt

Reaktion (1 Punkt): 16:15 Uhr + 1 h = Freitag, 17:15 Uhr (liegt noch in der Servicezeit).

Lösung (2 Punkte): Am Freitag bleiben von 16:15 bis 18:00 Uhr 1,75 Servicestunden (1 h 45 min). Samstag und Sonntag zählen nicht. Die restlichen 4\,\mathrm{h} - 1{,}75\,\mathrm{h} = 2{,}25\,\mathrm{h} laufen ab Montag, 09.11.2026, 8:00 Uhr – das Ticketsystem muss also erst bis Montag, 10:15 Uhr wieder funktionieren, 66 Stunden nach der Meldung.

Frist eines Priorität-1-Tickets bei TicketLotse: Eingang Freitag 16:15 Uhr, Reaktion bis 17:15 Uhr, 1,75 Servicestunden am Freitag und 2,25 am Montag, Lösung bis Montag 10:15 Uhr (mit KI erstellt)

Beurteilung (2 Punkte): Die Zusagen passen schlecht. Gerade am Freitagabend und am Wochenende melden viele Nutzende Probleme; fällt die Ticketannahme dann aus, bleiben Meldungen bis Montag liegen – genau das Problem, das das Ticketsystem lösen soll. Let’s Meet sollte eine Servicezeit auch am Wochenende oder für Priorität 1 eine Lösungszeit in Kalenderstunden aushandeln (ggf. gegen Aufpreis) oder die Ausfallsicherheit beim anderen Angebot vergleichen.

Typischer Fehler: 4 Kalenderstunden rechnen (Lösung bis Freitag 20:15 Uhr).

g) Als Alternative zu „TicketLotse“ schlägt Yusuf Demir ein Open-Source-Ticketsystem vor, das auf einem eigenen Server im Büro am Jahnplatz installiert und selbst betrieben würde. Gerechnet wird mit fünf Personen, die Tickets bearbeiten (Support-Team und drei Entwickler*innen), und einer Nutzungsdauer von drei Jahren:

Kostenangaben für die beiden Ticketsysteme
Angabe TicketLotse Open Source im eigenen Büro
einmalig Einrichtungspauschale 400 € Server 2.100 €; Einrichtung 16 Stunden
laufend 29 € je bearbeitender Person und Monat Strom: Server läuft rund um die Uhr mit durchschnittlich 35 W, 0,32 €/kWh; Pflege (Updates, Sicherung) 1,5 Stunden im Monat
Lizenz im Preis enthalten keine Lizenzgebühren

Eine Arbeitsstunde im Entwicklungsteam setzt Let’s Meet mit 55 € an.

ga) Berechne die Kosten beider Varianten über drei Jahre und vergleiche sie. (6 Punkte)

Ges.: Kosten über 36 Monate

TicketLotse (SaaS) (2 Punkte):

K_{SaaS} = 400\,€ + 5 \cdot 29\,€ \cdot 36 = 400\,€ + 5.220\,€ = \underline{\underline{5.620{,}00\,€}}

Open Source im eigenen Büro (On-Premises) (3 Punkte):

  • Server: 2.100,00 €

  • Einrichtung: 16\,\mathrm{h} \cdot 55\,€/\mathrm{h} = 880{,}00\,€

  • Strom: 0{,}035\,\mathrm{kW} \cdot 24\,\mathrm{h} \cdot 365 \cdot 3 = 919{,}8\,\mathrm{kWh}; 919{,}8\,\mathrm{kWh} \cdot 0{,}32\,€/\mathrm{kWh} \approx 294{,}34\,€

  • Pflege: 1{,}5\,\mathrm{h} \cdot 36 \cdot 55\,€/\mathrm{h} = 2.970{,}00\,€

K_{On\text{-}Prem} = 2.100\,€ + 880\,€ + 294{,}34\,€ + 2.970\,€ = \underline{\underline{6.244{,}34\,€}}

Vergleich (1 Punkt): Die eigene Lösung ist über drei Jahre rund 624 € (etwa 11 %) teurer, obwohl keine Lizenzgebühren anfallen. Den größten Posten bildet die Arbeitszeit für die Pflege.

gb) Yusuf Demir hält dagegen: „Open Source kostet uns nichts, die Arbeit machen wir ja nebenbei.“ Nimm Stellung zu dieser Aussage und nenne zwei Kosten oder Risiken, die in beiden Rechnungen noch fehlen. (3 Punkte)

Stellungnahme (1 Punkt): Die Aussage stimmt nicht. Die Software ist lizenzfrei, aber Einrichtung und Pflege kosten Arbeitszeit, die dem ausgelasteten Entwicklungsteam beim Neuaufbau des Backends fehlt; auch „nebenbei“ geleistete Stunden haben ihren Preis (hier 3.850 € über drei Jahre).

Fehlende Posten (2 Punkte, je 1 Punkt), z. B.:

  • Datensicherung außer Haus und Wiederherstellungstests beim eigenen Server

  • Ausfallrisiko: Ersatzteile, Hardwaredefekt ohne Ersatzgerät, Internetausfall im Büro (dann kommen keine Tickets aus der App an)

  • Schulung der Beschäftigten (bei beiden Varianten)

  • Anpassung der REST-Schnittstelle der App an das jeweilige System

  • Preiserhöhungen des SaaS-Anbieters bzw. zusätzliche Lizenzen, wenn das Team wächst

gc) Clara Neumann bittet Dich um eine Empfehlung. Entscheide Dich für eine der beiden Varianten und begründe Deine Entscheidung mit zwei Argumenten, die sich auf die Situation der Let’s Meet GmbH beziehen. (4 Punkte)

Beide Entscheidungen sind möglich; je Argument mit Situationsbezug 2 Punkte. Eine Entscheidung ohne Festlegung („beides hat Vor- und Nachteile“) erhält höchstens 2 Punkte.

Für SaaS („TicketLotse“), z. B.:

  • Das Entwicklungsteam ist mit dem Neuaufbau von Backend und Datenbank ausgelastet; die 1,5 Stunden Pflege im Monat und die 16 Stunden Einrichtung aus ga) fehlen dort, während die Lippe Software AG den Server ohnehin rund um die Uhr betreut.

  • Die App läuft rund um die Uhr; ein einzelner Server im Büro ohne Redundanz und ohne Rufbereitschaft wäre weniger verfügbar als ein Anbieter mit SLA (99,7 % je Jahr, Gutschrift bei Verstoß); außerdem ist TicketLotse über drei Jahre etwas günstiger.

  • Schnell einsatzbereit, da Meldungen bisher tagelang liegen bleiben.

  • Der Datenschutz lässt sich mit einem Auftragsverarbeitungsvertrag und einem Rechenzentrum in Deutschland bzw. der EU absichern.

Für On-Premises (Open Source), z. B.:

  • Tickets enthalten sensible Daten (Meldungen über Personen, Screenshots von Chats); im eigenen Haus behält Let’s Meet die volle Kontrolle, was das Vertrauen der Nutzenden stärkt.

  • Das Team hat mit Docker und Spring Boot bereits Know-how im Serverbetrieb; das System lässt sich an die eigene REST-Schnittstelle und Moderationsabläufe anpassen.

  • Keine Abhängigkeit von einem Anbieter und keine laufenden Lizenzkosten für ein Start-up; die Mehrkosten von rund 624 € in drei Jahren sind gering.

Gegenargument, das bei On-Premises erkannt werden sollte: Fällt die Internetverbindung des Büros aus, kommen auch keine Tickets aus der App an.

h) Die externe Datenschutzbeauftragte Dr. Marta Kowalczyk prüft das Vorhaben.

ha) Nach Art. 5 Abs. 1 lit. e DSGVO dürfen personenbezogene Daten nur so lange in einer Form gespeichert werden, die die Identifizierung der betroffenen Personen ermöglicht, wie es für den Zweck der Verarbeitung erforderlich ist. Beschreibe die Konsequenzen dieses Grundsatzes für das Ticketsystem. (3 Punkte)

  • Für Tickets muss eine Löschfrist festgelegt werden (Löschkonzept), z. B. eine bestimmte Zeit nach dem Schließen des Tickets (1 Punkt).

  • Sobald ein Ticket abgeschlossen ist und die Daten nicht mehr gebraucht werden (z. B. für Rückfragen, Abrechnung oder Nachweise), müssen die personenbezogenen Daten gelöscht oder anonymisiert werden (Name, E-Mail, Benutzerkonto, Screenshots) (1 Punkt).

  • Die technische Lösung und anonyme Statistiken dürfen für Wissensdatenbank und Auswertungen erhalten bleiben; das System sollte das Löschen bzw. Anonymisieren automatisch durchführen. Wird ein Konto gelöscht, sind auch die zugehörigen Tickets zu berücksichtigen (1 Punkt).

hb) Erläutere, warum für die SaaS-Variante ein Auftragsverarbeitungsvertrag nötig ist und was er im Wesentlichen regelt. (3 Punkte)

Warum (1 Punkt): Bei SaaS verarbeitet die Lippe Software AG die personenbezogenen Daten der Nutzenden im Auftrag der Let’s Meet GmbH auf ihren Servern. Nach Art. 28 DSGVO ist dafür ein Vertrag über die Auftragsverarbeitung erforderlich; die Verantwortung für die Daten bleibt bei der Let’s Meet GmbH.

Inhalt (2 Punkte), z. B.: Der Anbieter verarbeitet die Daten nur nach Weisung und nur für den vereinbarten Zweck; er setzt geeignete technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz um; Gegenstand, Dauer, Art der Daten und betroffene Personen sind festgelegt; Unterauftragnehmer nur mit Zustimmung; Vertraulichkeit der Beschäftigten; Unterstützung bei Auskunft und Löschung; Löschung oder Rückgabe der Daten bei Vertragsende; Kontrollrechte des Auftraggebers.

i) Tobias Lange ruft verärgert beim Support an: „Seit dem Update kann ich meiner Laufgruppe nicht mehr absagen! Morgen früh warten die wieder auf mich, und ich steh dann blöd da. Das ist doch alles Mist mit dieser App.“ Birgit Sommer hört mit und notiert Amir Rahimis Antworten im Gesprächsverlauf:

Gesprächsnotizen zum Anruf von Tobias Lange
Nr. Amir sagt
1 „Sie können also seit dem Update nicht mehr absagen, und morgen früh ist der Lauftreff?“
2 „Das liegt bestimmt an Ihrem Handy, das passiert bei älteren Geräten öfter.“
3 „Das ärgert Sie, weil die Gruppe sonst auf Sie wartet.“
4 „Jetzt beruhigen Sie sich erst mal, so schlimm ist das doch nicht.“
5 „Was passiert genau, wenn Sie auf ‚Absagen‘ tippen – erscheint eine Meldung?“

Werte die Notizen aus: Benenne für jede Antwort die Technik des aktiven Zuhörens, die Amir nutzt, oder begründe, warum die Antwort dem Gespräch schadet. Formuliere für jede ungeeignete Antwort einen besseren Satz und nenne die Technik, die Du dabei verwendest. (7 Punkte)

Auswertung (je Antwort 1 Punkt):

  1. Paraphrasieren: Amir gibt das Anliegen mit eigenen Worten wieder und lässt es sich bestätigen.

  2. ungeeignet: Amir stellt eine Vermutung als Tatsache hin und schiebt dem Anrufer die Schuld zu, bevor er etwas weiß; Tobias fühlt sich nicht ernst genommen, und wichtige Angaben (App-Version, Gerät) fehlen weiter.

  3. Verbalisieren: Amir spricht das Gefühl hinter der Beschwerde an und zeigt Verständnis.

  4. ungeeignet: Amir spielt das Problem herunter und bewertet die Gefühle des Anrufers; das verstärkt den Ärger.

  5. Nachfragen: Eine offene, gezielte Frage klärt den Fehler genauer.

Bessere Sätze (je 1 Punkt), z. B.:

  • statt 2 (Nachfragen bzw. Unklares aufklären): „Damit ich das prüfen kann: Welches Smartphone nutzen Sie, und funktioniert außer dem Absagen alles andere in der App?“

  • statt 4 (Zusammenfassen): „Ich halte fest: Absagen klappt seit dem Update nicht, der Lauftreff ist morgen früh. Ich lege dafür jetzt ein Ticket an und sage der Gruppenleitung Bescheid, dass Sie nicht kommen.“

Bewertung: Ein Satz, der wieder belehrt oder eine Lösung vorwegnimmt („Installieren Sie die App einfach neu“), zählt nicht.

Aufgabe 2.2: Den Support der Schul-IT auswerten (Kernkompetenz)

(ca. 26 min Bearbeitungszeit)

Die Schul-IT OWL betreut die IT des Ratz und Rübe Berufskollegs und mehrerer Nachbarschulen. Alle Anfragen von Lehrkräften, Verwaltung und Schüler*innen laufen über ein Ticketsystem. Vor der Planung des Barcamps „Lernen.Digital.Leben 2027“ bittet Svenja Krämer Dich, die Zahlen des Jahres 2026 auszuwerten.

Neue Tickets und betreute Geräte der Schul-IT OWL im Jahr 2026
Monat Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
neue Tickets 410 395 430 405 420 380 370 420 760 505 515 530
betreute Geräte (Monatsende) 2.400 2.400 2.400 2.400 2.400 2.400 2.400 2.400 3.000 3.000 3.000 3.000

Zusatzinformationen: In diesem Beispiel lagen die Sommerferien im Juli und Anfang August. Anfang September wurden 600 neue Tablets an Schüler*innen ausgegeben, gleichzeitig wurde die Lernplattform auf eine neue Version umgestellt.

a) Beschreibe zwei Vorteile, die das Ticketsystem der Schul-IT für eine solche Auswertung bietet. (4 Punkte)

Je Vorteil 2 Punkte, z. B.:

  • Jede Anfrage ist mit Zeitstempel, Kategorie und Status erfasst; Auswertungen nach Monat, Schule oder Kategorie entstehen auf Knopfdruck statt aus Mails und Notizen.

  • Häufige Ursachen werden sichtbar (z. B. viele Tickets der Kategorie „Lernplattform“) und können gezielt beseitigt werden.

  • Die Einhaltung von Reaktions- und Lösungszeiten lässt sich nachweisen und berichten.

b) Ein Praktikant hat die Zahlen schon kommentiert: „Die Ticketzahlen sind 2026 explodiert: Im September hatten wir mehr als doppelt so viele Tickets wie im Juli. Und auch ab Oktober liegen wir rund 27 % über dem ersten Halbjahr. Die Schul-IT arbeitet also immer schlechter, und wir brauchen dringend eine dritte Fachkraft.“ Zeige zwei Schwächen dieser Auswertung auf und formuliere eine Aussage, die die Zahlen zutreffend beschreibt. (5 Punkte)

Zwei Schwächen je 2 Punkte, z. B.:

  • Spitze mit Normalmonat verglichen: Der September ist der einzige Ausreißer des Jahres – 600 Tablets wurden eingerichtet und die Lernplattform umgestellt, beides erzeugt einmalig viele Fragen und Störungen. Schon im Oktober sinkt die Zahl deutlich. Wer diesen Sondermonat mit dem Juli vergleicht, sieht eine „Explosion“, die es im laufenden Betrieb nicht gibt.

  • Absolute Zahlen ohne Bezugsgröße: Laut Tabelle betreut die Schul-IT seit September 600 Geräte mehr (+25 %). Dass dann mehr Tickets kommen, ist zu erwarten und sagt nichts darüber, ob die Geräte häufiger Probleme machen.

  • Falscher Schluss auf die Arbeitsqualität: Die Ticketanzahl misst, wie viele Anliegen eingehen, nicht wie gut sie bearbeitet werden. Dafür wären Kennzahlen wie Erstlösungsquote oder SLA-Erfüllungsquote nötig.

Zutreffende Aussage (1 Punkt), z. B.: „Die Einführung der Tablets hat im September eine einmalige Spitze verursacht. Seit Oktober liegt die Ticketzahl rund 27 % über dem ersten Halbjahr, die Zahl der betreuten Geräte aber auch um 25 %; je Gerät hat sich wenig geändert.“

c) Berechne für das erste Halbjahr und für Oktober bis Dezember die durchschnittlichen Tickets je 100 Geräte und Monat. Bewerte das Ergebnis und schätze ab, mit wie vielen Tickets im Monat die Schul-IT rechnen muss, wenn im nächsten Schuljahr 3.400 Geräte im Einsatz sind. (5 Punkte)

Geg.: Januar bis Juni 2.440 Tickets bei 2.400 Geräten; Oktober bis Dezember 1.550 Tickets bei 3.000 Geräten

Ges.: Tickets je 100 Geräte und Monat

Erstes Halbjahr: \dfrac{2.440}{6} \approx 406{,}7 Tickets im Monat; \dfrac{406{,}7}{2.400} \cdot 100 \approx \underline{\underline{16{,}9}} Tickets je 100 Geräte (1 Punkt)

Oktober bis Dezember: \dfrac{1.550}{3} \approx 516{,}7 Tickets im Monat; \dfrac{516{,}7}{3.000} \cdot 100 \approx \underline{\underline{17{,}2}} Tickets je 100 Geräte (1 Punkt)

Bewertung (2 Punkte): Je Gerät kommen nur etwa 2 % mehr Tickets als im ersten Halbjahr – fast der gesamte Anstieg entsteht durch die größere Zahl betreuter Geräte. Die Tablets verursachen nach der Einführung kaum mehr Anfragen als die übrigen Geräte. Eine dritte Fachkraft lässt sich mit „schlechterer Arbeit“ nicht begründen; zu prüfen ist aber, ob die vorhandenen zwei Fachkräfte die um ein Viertel höhere Menge auf Dauer schaffen (siehe d).

Abschätzung (1 Punkt): 3.400 \cdot \dfrac{17{,}2}{100} \approx \underline{\underline{586}} Tickets im Monat (mit dem Wert des ersten Halbjahres rund 576).

d) Für Oktober bis Dezember liegen weitere Zahlen vor: 899 Tickets wurden im First Level ohne Weitergabe gelöst, bei 1.470 Tickets wurde die vereinbarte Reaktionszeit eingehalten. Berechne die Erstlösungsquote und die SLA-Erfüllungsquote und beurteile die SLA-Erfüllungsquote, wenn mindestens 95 % vereinbart sind. (5 Punkte)

Geg.: 505 + 515 + 530 = 1.550 Tickets (1 Punkt); 899 im First Level gelöst; 1.470 mit eingehaltener Reaktionszeit

Ges.: Erstlösungsquote, SLA-Erfüllungsquote

\text{Erstlösungsquote} = \dfrac{899}{1.550} \approx \underline{\underline{58{,}000\,\%}} (1 Punkt)

\text{SLA-Erfüllungsquote} = \dfrac{1.470}{1.550} \approx \underline{\underline{94{,}839\,\%}} (1 Punkt)

Die vereinbarten 95 % werden knapp verfehlt; es fehlen drei Tickets mit pünktlicher Reaktion (95 % von 1.550 sind 1.472,5, also mindestens 1.473 Tickets). Die Schul-IT sollte prüfen, in welchen Wochen die Reaktionszeiten überschritten wurden (vermutlich zu Spitzenzeiten), und dort nachsteuern – das passt zur Frage aus c), ob zwei Fachkräfte die höhere Menge schaffen. (2 Punkte)

e) Eine Lehrkraft meldet „Der Beamer im Raum A 204 zeigt kein Bild“, eine andere „Ich brauche für meine neue Klasse einen Kursraum auf der Lernplattform“. Beschreibe den Unterschied zwischen beiden Meldungen und ordne sie zu. (2 Punkte)

Der Beamer ist ein Incident: eine ungeplante Störung, die schnell behoben werden muss (1 Punkt). Der Kursraum ist ein Service Request: eine Anfrage nach einer vereinbarten Standardleistung, nichts ist defekt, sie folgt einem festen Ablauf (1 Punkt).

f) Die Schul-IT will den Nachbarschulen die Betreuung künftig je Ticket in Rechnung stellen. 2026 kostete der Service Desk zwei Fachkräfte zu je 62.000 € (einschließlich Arbeitgeberanteil), 4.800 € für das Ticketsystem und 3.600 € anteilige Raumkosten. Berechne den kostendeckenden Preis je Ticket. (3 Punkte)

Ges.: Kosten je Ticket

Kosten: 2 \cdot 62.000\,€ + 4.800\,€ + 3.600\,€ = 132.400\,€ (1 Punkt); Tickets 2026: 5.540 (1 Punkt)

\text{Preis je Ticket} = \dfrac{132.400\,€}{5.540} \approx \underline{\underline{23{,}90\,€}} (1 Punkt)

g) Nenne zwei Leistungsmerkmale, die die Schul-IT den Nachbarschulen in einem SLA zusagen kann, und je eine Maßnahme, mit der sie das Merkmal umsetzt. (4 Punkte)

Je Merkmal mit Maßnahme 2 Punkte, z. B.:

Beispiellösung Leistungsmerkmale mit Maßnahmen
Leistungsmerkmal Maßnahme
Reaktion auf Störungen der Präsentationstechnik innerhalb von 30 Minuten in der Unterrichtszeit Rufbereitschaft im Gebäude, Ersatzbeamer vor Ort
Ticketportal und Hotline Mo–Fr 7–17 Uhr erreichbar Dienstplan mit Vertretung, Portal mit Eingangsbestätigung
Daten einer Schule sind für andere Schulen nicht sichtbar getrennte Mandanten im Ticketsystem und auf der Lernplattform, Rechtevergabe je Schule
Neue Konten für Schüler*innen innerhalb von zwei Schultagen automatischer Import aus der Schulverwaltung

Aufgabe 3.1: Ein SLA für den Onlineshop aushandeln (Profilkompetenz)

(ca. 36 min Bearbeitungszeit)

Der Onlineshop der CSB-Rad GmbH zieht 2027 zu einem neuen Hosting-Dienstleister, der Weserbergland Cloud GmbH in Minden. Neben dem Hostingvertrag soll ein IT-Servicevertrag mit SLA abgeschlossen werden. Cem Sarıkaya bittet Dich, den Vertrag vorzubereiten.

a) Beim bisherigen Hoster gab es nur eine Rechnung über „Webhosting Business, 79 € im Monat“, ein SLA fehlte. Am Freitag, 27.11.2026 (Black Friday), war der Shop von 19:40 Uhr bis Samstag 13:05 Uhr nicht erreichbar. Die Hotline des Hosters war erst am Samstagvormittag besetzt, eine Gutschrift lehnte er ab: „Wir bemühen uns um bestmögliche Verfügbarkeit.“ Erläutere an diesem Fall, welche drei Probleme ohne vertragliche Regelung entstanden sind, und nenne zu jedem den Vertragsinhalt, der es künftig verhindern soll. (6 Punkte)

Je Problem mit passendem Vertragsinhalt 2 Punkte, z. B.:

  • Keine Erreichbarkeit in der Nacht: Niemand hat zugesagt, dass außerhalb der Bürozeiten jemand reagiert; der Shop war 17 Stunden 25 Minuten offline, mitten im umsatzstärksten Wochenende. → Servicezeit bzw. Notfallhotline 24/7 und Reaktionszeit je Schweregrad (z. B. 30 Minuten für einen Komplettausfall).

  • Keine Folgen für den Hoster: „Bemühen“ ist keine überprüfbare Leistung; CSB-Rad kann weder eine Gutschrift noch Schadenersatz durchsetzen. → messbare Verfügbarkeit je Monat mit Gutschriftstaffel und ggf. Sonderkündigungsrecht.

  • Keine Klarheit über die Ursache und das weitere Vorgehen: CSB-Rad weiß nicht, warum der Shop ausfiel und ob es wieder passieren kann. → Pflicht zu Störungsbericht mit Ursache und Maßnahmen, Eskalationsstufen mit Ansprechpersonen.

Ebenfalls richtig: Wiederherstellung von Bestelldaten ungeregelt (Sicherung, RPO); Wartungsarbeiten ohne Ankündigung.

b) Erstelle eine Checkliste mit vier Aspekten, die das SLA neben der Reaktionszeit regeln soll, und beschreibe zwei davon für den Onlineshop. (8 Punkte)

Vier Aspekte je 1 Punkt, z. B.: Verfügbarkeit, Lösungszeit je Schweregrad, Servicezeit/Erreichbarkeit, Datensicherung und Wiederherstellung, Verantwortlichkeiten beider Seiten, Sicherheit und Datenschutz, Berichte und Kennzahlen, Eskalation, Gutschriften bzw. Bonus-Malus, Laufzeit und Kündigung.

Zwei Beschreibungen je 2 Punkte, z. B.:

  • Verfügbarkeit: Der Shop muss rund um die Uhr erreichbar sein, weil Kund*innen auch abends und am Wochenende bestellen; vereinbart wird z. B. 99,9 % je Kalendermonat ohne angekündigte Wartungsfenster, die nachts liegen.

  • Datensicherung: tägliche Sicherung von Datenbank und Bestelldaten an einem zweiten Standort, Aufbewahrung 30 Tage, Wiederherstellung innerhalb von 4 Stunden.

Mindmap: Checkliste für das SLA des Onlineshops mit Verfügbarkeit und Datensicherung als beschriebenen Aspekten (mit KI erstellt)

c) Cem Sarıkaya hat erste Formulierungen für das SLA notiert:

Entwurf von Cem Sarıkaya für das SLA
Nr. Formulierung im Entwurf
1 „Der Shop ist praktisch immer erreichbar.“
2 „Die Weserbergland Cloud GmbH legt bis zum 5. Werktag jedes Monats einen Bericht mit Verfügbarkeit, Störungen und deren Ursachen vor.“
3 „Sicherheitsupdates werden zeitnah eingespielt.“
4 „Der Dienstleister kümmert sich um die Datensicherung.“

Beurteile für jede Formulierung, ob sie als Servicelevel taugt, und formuliere die ungeeigneten so um, dass sie überprüfbar sind. (7 Punkte)

Je Urteil mit Begründung 1 Punkt, je überprüfbarer Umformulierung 1 Punkt:

  1. ungeeignet („praktisch immer“ lässt sich nicht messen). Besser: „Shop und Bestellschnittstelle sind zu mindestens 99,9 % je Kalendermonat erreichbar, gemessen durch externes Monitoring im Minutentakt.“

  2. geeignet: Frist, Inhalt und Zuständigkeit sind festgelegt und lassen sich nachprüfen.

  3. ungeeignet („zeitnah“ ist unbestimmt). Besser: „Als kritisch eingestufte Sicherheitsupdates werden innerhalb von 72 Stunden, alle übrigen innerhalb von 14 Tagen nach Veröffentlichung eingespielt; jede Installation wird protokolliert.“

  4. ungeeignet (offen, was, wie oft und wie lange gesichert wird). Besser: „Datenbank und Bestelldaten werden täglich an einem zweiten Standort gesichert und 30 Tage aufbewahrt; eine Wiederherstellung wird einmal im Quartal getestet und protokolliert.“

d) Im Vertragsentwurf steht der folgende englische Auszug:

Service targets. Monthly availability of the shop front end and the order interface is at least 99.9 %. After a major outage, the shop will be running again within 4 hours (Recovery Time Objective, RTO). Order data is copied to a second data centre at least every 15 minutes (Recovery Point Objective, RPO). Maintenance windows are announced at least 72 hours in advance and are placed between 23:00 and 04:30; they do not count as downtime. Exclusions: Outages caused by software, plug-ins or configuration changes installed by the customer do not count against availability. Service credits: availability below 99.9 %: 10 % of the monthly fee; below 99.5 %: 25 %; below 99.0 %: 50 %.

da) Erläutere, was die Regelungen zu Maintenance windows und Exclusions für den Shop bedeuten. Cem Sarıkaya möchte die Exclusions-Klausel streichen lassen. Beurteile, ob das sinnvoll ist, und schlage eine Formulierung vor, mit der beide Seiten leben können. (5 Punkte)

Bedeutung (je 1 Punkt):

  • Maintenance windows: Geplante Wartung zählt nicht als Ausfall, wenn sie mindestens 72 Stunden vorher angekündigt wird und zwischen 23 und 4:30 Uhr liegt. CSB-Rad kann die Kund*innen vorab informieren und z. B. keine Werbeaktion in diese Zeit legen.

  • Exclusions: Ausfälle, die CSB-Rad selbst verursacht – etwa durch ein selbst installiertes Plug-in oder eine eigene Konfigurationsänderung –, rechnet der Dienstleister nicht gegen die Verfügbarkeit.

Beurteilung (2 Punkte): Ganz streichen ist nicht sinnvoll. Der Dienstleister kann nicht für Fehler einstehen, die er weder verursacht noch beeinflussen kann; er würde die Klausel kaum akzeptieren oder die Monatsgebühr erhöhen. Problematisch ist aber, dass bei jedem Ausfall nach einer Änderung von CSB-Rad Streit darüber droht, wer ihn verursacht hat.

Vorschlag (1 Punkt), z. B.: „Ausgenommen sind Ausfälle, die nachweislich durch Software oder Konfigurationsänderungen der Kundin verursacht wurden. Den Nachweis führt der Dienstleister anhand der Protokolle; er unterstützt die Kundin bei der Wiederherstellung innerhalb der vereinbarten Reaktionszeit.“

db) Die Monatsgebühr beträgt 890 €. Im März 2027 (31 Tage) gab es diese Ereignisse:

Ereignisse im Shop-Betrieb im März 2027
Datum Ereignis
Di 09.03. Wartung 01:30–02:50 Uhr, angekündigt am Fr 05.03. um 10:00 Uhr
Sa 13.03. Datenbankserver defekt: Shop ab 21:40 Uhr nicht erreichbar, ab 01:20 Uhr wieder in Betrieb; die letzte Kopie der Bestelldaten lief um 21:30 Uhr
Di 23.03. Shop 45 Minuten nicht erreichbar, nachdem CSB-Rad ein neues Zahlungs-Plug-in installiert hatte

Der Monatsbericht der Weserbergland Cloud GmbH meldet: „Availability March: 99.41 %. Service credit: 25 % (222.50 €). All recovery targets met.“ Prüfe den Bericht: Rechne Verfügbarkeit und Gutschrift selbst nach, erkläre die Abweichung und prüfe die Aussage zu den Wiederherstellungszielen anhand des Ausfalls vom 13.03. (7 Punkte)

Was zählt als Ausfall? (2 Punkte): Die Wartung am 09.03. lag in der Nacht und wurde rund 87 Stunden vorher angekündigt – sie zählt nicht. Den Ausfall am 23.03. hat CSB-Rad mit dem eigenen Plug-in verursacht; er fällt unter die Exclusions. Es zählen nur die 220 Minuten vom 13.03.

Verfügbarkeit und Gutschrift (2 Punkte):

t_G = 31 \cdot 24\,\mathrm{h} \cdot 60\,\frac{\mathrm{min}}{\mathrm{h}} = 44.640\,\mathrm{min}

V = \dfrac{44.640\,\mathrm{min} - 220\,\mathrm{min}}{44.640\,\mathrm{min}} \approx \underline{\underline{99{,}507\,\%}}

Die Verfügbarkeit liegt unter 99,9 %, aber knapp nicht unter 99,5 %: Gutschrift 10\,\% \cdot 890\,€ = \underline{\underline{89{,}00\,€}}.

Abweichung erklären (1 Punkt): Der Bericht hat auch die 45 Minuten vom 23.03. mitgezählt: \dfrac{44.640 - 265}{44.640} \approx 99{,}41\,\%. Dieser Ausfall ist aber ausgeschlossen. Der Fehler geht hier zulasten des Dienstleisters; CSB-Rad sollte ihn trotzdem melden, damit künftige Berichte richtig rechnen.

Wiederherstellungsziele (2 Punkte): Der Shop war von 21:40 bis 01:20 Uhr ausgefallen, also 3 h 40 min – weniger als die zugesagten 4 Stunden. Verloren gingen höchstens die Bestellungen von 21:30 bis 21:40 Uhr, also 10 Minuten – weniger als 15 Minuten. Die Aussage „All recovery targets met“ stimmt.

Gutschriftstaffel des Hosting-SLA: 10 % unter 99,9 %, 25 % unter 99,5 %, 50 % unter 99,0 % Monatsverfügbarkeit; markiert ist der März 2027 mit 99,51 % (mit KI erstellt)

e) Die Weserbergland Cloud GmbH betreibt auf denselben Servern auch Shops anderer Kunden. Nenne zwei Maßnahmen, mit denen das Leistungsmerkmal „Andere Kunden können nicht auf Daten und Datenverkehr des CSB-Rad-Shops zugreifen“ umgesetzt werden kann. (4 Punkte)

Je Maßnahme 2 Punkte, z. B.: getrennte virtuelle Maschinen bzw. Container und eigene Datenbank je Kunde (Mandantentrennung); eigenes VLAN bzw. Netzsegment mit Firewall-Regeln; Verschlüsselung der Daten im Speicher und bei der Übertragung; strikte Rechtevergabe nach dem Need-to-know-Prinzip mit protokollierten Administratorzugriffen.

f) Der Dienstleister möchte die nächtliche Überwachung an einen Subunternehmer außerhalb der EU vergeben. Beschreibe zwei Punkte, die die CSB-Rad GmbH vor ihrer Zustimmung prüfen muss. (3 Punkte)

Z. B. (1,5 Punkte je Punkt): ob der Vertrag Subunternehmer überhaupt erlaubt und die Zustimmung regelt; ob der Subunternehmer auf personenbezogene Kundendaten zugreifen kann – dann sind Auftragsverarbeitung und die Übermittlung in ein Drittland nach DSGVO (Angemessenheitsbeschluss oder Standardvertragsklauseln) zu klären; ob der Dienstleister für den Subunternehmer haftet und die SLA-Zusagen weiter gelten; Sprache und Erreichbarkeit bei Störungen.

Aufgabe 3.2: Den Support von Let’s Meet nach ITIL ausrichten (Profilkompetenz)

(ca. 28 min Bearbeitungszeit)

Seit 2027 nutzen auch Sportvereine die App der Let’s Meet GmbH über kostenpflichtige Vereinskonten. Clara Neumann will den Support professionalisieren und nach ITIL ausrichten. Du sollst die Geschäftsführung dabei unterstützen.

a) Clara Neumann hat im Handbuch eines Schulungsanbieters einige der Leitprinzipien (guiding principles) von ITIL 4 gefunden:

Start where you are: Before you replace anything, look at what already works and reuse it. Progress iteratively with feedback: Introduce changes in small steps and learn from each step. Keep it simple and practical: If a step, form or approval adds nothing for anyone, remove it. Optimize and automate: First make a process clear and lean, then let tools take over repetitive work.

Im Projektteam liegen drei Vorschläge auf dem Tisch:

Vorschläge zur Ausrichtung des Vereinssupports
Nr. Vorschlag
V1 Das Ticketsystem wird für Vereinskonten ab dem 1. März auf einen Schlag mit zwölf neuen Kategorien, drei Freigabestufen und einem neuen Kundenportal umgestellt.
V2 Jede Meldung eines Vereins muss vor der Bearbeitung von Clara Neumann freigegeben werden, auch eine vergessene Passwortanfrage.
V3 Die bewährten Textbausteine und Wissensartikel des Supports werden nicht weiterverwendet; für Vereine schreibt das Team alles neu.

Ordne jedem Vorschlag das Leitprinzip zu, gegen das er am deutlichsten verstößt, begründe kurz und formuliere für einen Vorschlag Deiner Wahl eine bessere Variante, die das Leitprinzip umsetzt. (8 Punkte)

Je Vorschlag 2 Punkte (Zuordnung 1, Begründung 1):

  • V1 – Progress iteratively with feedback: Alles wird gleichzeitig und ohne Erprobung umgestellt; Fehler in Kategorien oder Portal treffen sofort alle Vereine, und das Team kann nicht aus Rückmeldungen lernen. (Auch „Keep it simple and practical“ ist vertretbar, wenn mit den vielen Kategorien und Freigaben begründet.)

  • V2 – Keep it simple and practical: Eine Freigabe durch die Geschäftsführerin bringt bei Standardanfragen niemandem einen Nutzen, verzögert aber jede Meldung und bindet Clara Neumann.

  • V3 – Start where you are: Vorhandene, bewährte Inhalte werden weggeworfen, obwohl viele Vereinsfragen (Passwort, Kontodaten, Bedienung) dieselben sind wie bei Einzelnutzenden.

Bessere Variante (2 Punkte, mit Bezug zum Leitprinzip), z. B.:

  • zu V1: zuerst mit drei Pilotvereinen und vier neuen Kategorien starten, nach vier Wochen deren Rückmeldungen und die Ticketauswertung besprechen, dann schrittweise erweitern;

  • zu V2: Freigabe nur für Anliegen mit Vertragsbezug (z. B. Kündigung, Preisänderung); Standardanfragen löst der Service Desk sofort, Passwort-Reset als Self-Service;

  • zu V3: vorhandene Wissensartikel sichten, passende übernehmen und nur um vereinsspezifische Themen (Mitgliederliste, Vereinsrechnung) ergänzen.

b) Der Service Desk ist für die Vereine die einzige Anlaufstelle. Trotzdem schreibt der Vorsitzende eines Sportvereins Jonas Weber direkt per Messenger an, weil er ihn von einer Schulung kennt, und bittet um eine schnelle Änderung der Mitgliederliste. Beschreibe, wie Jonas reagieren sollte, und erläutere zwei Folgen, die es hätte, wenn er die Bitte einfach selbst erledigt. (5 Punkte)

Reaktion (1 Punkt): Jonas antwortet freundlich, verweist auf den Service Desk und leitet die Nachricht selbst dorthin weiter bzw. legt ein Ticket an, damit der Verein nicht noch einmal schreiben muss. Er erklärt kurz, dass so die Bearbeitung auch bei seiner Abwesenheit gesichert ist.

Folgen (je 2 Punkte), z. B.:

  • Die Änderung ist nirgends dokumentiert; bei Rückfragen oder Fehlern weiß niemand, wer was geändert hat, und Auswertungen des Supports werden unvollständig.

  • Der Verein lernt, dass der direkte Weg schneller ist, und schreibt künftig wieder an Jonas; der SPOC wird ausgehöhlt und das Entwicklungsteam ständig unterbrochen.

  • Datenschutz und Berechtigungen: Ob der Vorsitzende die Änderung überhaupt verlangen darf, prüft sonst der Service Desk nach festem Ablauf.

c) Der Supportprozess ist so beschrieben: „Der Service Desk erfasst jede Meldung und versucht, sie mit der Wissensdatenbank zu lösen. Gelingt das nicht innerhalb von 30 Minuten, übergibt er das Ticket an das App-Team. Findet das App-Team die Ursache im Rechenzentrum, übergibt es an den Hosting-Dienstleister. Droht die vereinbarte Lösungszeit überschritten zu werden, informiert der Service Desk die Leitung Entwicklung.“ Beschreibe anhand des Prozesses, was funktionale und was hierarchische Eskalation bedeutet. (4 Punkte)

  • Funktionale Eskalation (2 Punkte): Das Ticket wird an eine Ebene mit mehr Fachwissen oder Berechtigungen weitergegeben – vom Service Desk (First Level) an das App-Team (Second Level) und weiter an den Hosting-Dienstleister (Third Level).

  • Hierarchische Eskalation (2 Punkte): Vorgesetzte werden eingebunden, weil eine Entscheidung, mehr Ressourcen oder Kommunikation nötig sind – hier die Information an die Leitung Entwicklung, wenn die Lösungszeit überschritten zu werden droht.

Supportprozess von Let’s Meet: funktionale Eskalation vom Service Desk über das App-Team zum Hosting-Dienstleister, hierarchische Eskalation zur Leitung Entwicklung (mit KI erstellt)

d) Erkläre den Unterschied zwischen einem Incident und einem Major Incident an einem Beispiel aus der App. (3 Punkte)

Ein Incident ist eine ungeplante Störung oder Qualitätsminderung eines Services, z. B. ein Verein kann das Logo seines Vereinskontos nicht hochladen (1 Punkt). Ein Major Incident ist ein Incident mit sehr großer Auswirkung, z. B. die Anmeldung zur App ist für alle Nutzenden ausgefallen (1 Punkt); er bekommt höchste Priorität, einen eigenen Ablauf mit Krisenteam und regelmäßiger Information der Betroffenen (1 Punkt).

e) Der Speicher für Fotos und Profilbilder der Let’s Meet-App fasst 2.000 GB. Belegt sind derzeit 1.640 GB, jeden Monat kommen rund 40 GB hinzu; eine Erweiterung bestellt das Teutoburger Rechenzentrum nach Auftrag innerhalb von zwei Monaten. Bisher löst das Monitoring nur bei 100 % Belegung einen Alarm aus. Lege zwei Schwellenwerte für die Belegung fest, bei denen das Monitoring künftig reagieren soll, und gib je Schwellenwert an, wer daraufhin was tut. Begründe die Höhe der Werte rechnerisch. (5 Punkte)

Geg.: Kapazität 2.000 GB, belegt 1.640 GB, Zuwachs 40 GB/Monat, Lieferzeit der Erweiterung 2 Monate

Restzeit bis voll: \dfrac{2.000\,\mathrm{GB} - 1.640\,\mathrm{GB}}{40\,\mathrm{GB/Monat}} = 9 Monate (1 Punkt)

Mögliche Lösung (je Schwellenwert mit Folge und Begründung 2 Punkte):

  • Schwellenwert 1 bei 85 % (1.700 GB): Dann bleiben \dfrac{300\,\mathrm{GB}}{40\,\mathrm{GB/Monat}} = 7{,}5 Monate. Das Monitoring erzeugt automatisch ein Ticket an Yusuf Demir; er plant die Erweiterung, holt ein Angebot ein und prüft, ob alte Fotos gelöscht oder verkleinert werden können. Die Zeit reicht für Planung, Freigabe und die zwei Monate Lieferzeit.

  • Schwellenwert 2 bei 95 % (1.900 GB): Dann bleiben nur noch 2,5 Monate, also kaum mehr als die Lieferzeit. Das Monitoring benachrichtigt Entwicklung und Geschäftsführung sofort; ist die Erweiterung noch nicht bestellt, wird sie umgehend beauftragt und vorübergehend z. B. die Bildgröße beim Hochladen begrenzt.

Andere Werte sind richtig, wenn die erste Schwelle genug Zeit für Planung und Lieferzeit lässt (mehr als zwei Monate Vorlauf) und die zweite eine dringende Reaktion vor dem Ausfall auslöst.

f) Im Oktober war der Fotospeicher eines Testservers vollgelaufen; Nutzende der Testversion konnten keine Bilder hochladen. Amir Rahimi hat daraufhin alte Testbilder gelöscht, und der Upload funktionierte wieder. Vergleiche dieses Vorgehen mit dem aus e): Ordne beide als reaktiv oder proaktiv ein und erläutere, welche Folgen der Unterschied für die Nutzenden und für das Support-Team hat. (4 Punkte)

Einordnung (2 Punkte): Amirs Löschen war reaktiv – erst die Störung, dann die Behebung eines Incidents, die eigentliche Ursache (stetiges Wachstum ohne Vorwarnung) bleibt bestehen. Die Schwellenwerte aus e) sind proaktiv: Der Trend wird ausgewertet und die Ursache beseitigt, bevor eine Störung entsteht.

Folgen (2 Punkte), z. B.: Reaktiv erleben die Nutzenden einen Ausfall und schreiben Tickets; das Support-Team arbeitet unter Zeitdruck, und der Fehler kehrt wieder. Proaktiv merken die Nutzenden nichts; das Team kann die Erweiterung in Ruhe planen, braucht dafür aber ein gepflegtes Monitoring und Zeit für die regelmäßige Auswertung.

g) Eine Störung ist bekannt: Seit dem letzten Update stürzt die Android-App beim Hochladen sehr großer Fotos ab; die Korrektur kommt mit der nächsten Version. Erkläre die Begriffe Known Error und Workaround an diesem Beispiel. (2 Punkte)

Known Error: ein Problem, dessen Ursache bekannt und dokumentiert ist – hier der Absturz beim Hochladen großer Fotos (1 Punkt). Workaround: vorläufige Umgehungslösung, bis der Fehler behoben ist, z. B. Fotos verkleinern oder über die Web-App hochladen; der Service Desk gibt sie aus der Wissensdatenbank weiter (1 Punkt).

Aufgabe 3.3: Den SLA-Bericht für die Mitfahr-App prüfen (Profilkompetenz)

(ca. 22 min Bearbeitungszeit)

Die Web-App „RatzFahrt“ läuft auf einer virtuellen Maschine der Schul-IT OWL. Das Ratz und Rübe Berufskolleg zahlt dafür eine Pauschale von 240 € im Monat. Das SLA legt fest:

  • Servicezeit: Montag bis Freitag 7–17 Uhr.

  • Verfügbarkeit: 99,5 % je Kalendermonat, bezogen auf 24 Stunden an 7 Tagen; mindestens 48 Stunden vorher angekündigte Wartungsfenster zählen nicht als Ausfall.

  • Reaktionszeit (in der Servicezeit): Priorität 1 innerhalb von 30 Minuten, Priorität 2 innerhalb von 2 Stunden, Priorität 3 innerhalb von einem Servicetag (10 Stunden Servicezeit).

  • Gutschrift: Liegt die Verfügbarkeit unter 99,5 %, erhält die Schule je angefangene 0,1 Prozentpunkte darunter 5 % der Monatspauschale.

Im November 2026 (30 Tage) gab es folgende Ausfälle:

Ausfälle der Mitfahr-App im November 2026
Datum Zeit Ursache
Di 03.11. 22:10–23:40 Uhr angekündigtes Wartungsfenster (Update des Betriebssystems)
Do 12.11. 08:05–10:41 Uhr Datenbankspeicher voll, App nicht erreichbar
Mi 25.11. 13:20–14:35 Uhr TLS-Zertifikat abgelaufen, Browser verweigern die Verbindung

a) Berechne die Verfügbarkeit im November und beurteile, ob das SLA eingehalten wurde. (6 Punkte)

Geg.: 30 Tage; Ausfälle 156 min (12.11.) und 75 min (25.11.); Wartungsfenster zählt nicht

Ges.: Verfügbarkeit V

Gesamtzeit: t_G = 30 \cdot 24\,\mathrm{h} \cdot 60\,\frac{\mathrm{min}}{\mathrm{h}} = 43.200\,\mathrm{min} (1 Punkt)

Ausfallzeit: t_A = 156\,\mathrm{min} + 75\,\mathrm{min} = 231\,\mathrm{min} (2 Punkte, davon 1 Punkt für das Weglassen des Wartungsfensters)

V = \dfrac{t_G - t_A}{t_G} = \dfrac{43.200\,\mathrm{min} - 231\,\mathrm{min}}{43.200\,\mathrm{min}} \approx \underline{\underline{99{,}465\,\%}} (2 Punkte)

Das SLA wurde nicht eingehalten: Zulässig wären 0{,}5\,\% \cdot 43.200\,\mathrm{min} = 216\,\mathrm{min} Ausfall gewesen, tatsächlich waren es 15 Minuten mehr. (1 Punkt)

b) Berechne die Gutschrift, die der Schule zusteht. (2 Punkte)

Unterschreitung: 99{,}5\,\% - 99{,}465\,\% \approx 0{,}035 Prozentpunkte, also eine angefangene 0,1 (1 Punkt). Gutschrift: 5\,\% \cdot 240\,€ = \underline{\underline{12{,}00\,€}} (1 Punkt)

c) Prüfe für die folgenden Tickets, ob die Reaktionszeit eingehalten wurde, und berechne die Erfüllungsquote. (7 Punkte)

Tickets zur Mitfahr-App im November 2026
Ticket Priorität Eingang Beginn der Bearbeitung
T1 1 Do 12.11., 08:09 Uhr Do 12.11., 08:31 Uhr
T2 2 Fr 13.11., 16:40 Uhr Mo 16.11., 07:50 Uhr
T3 3 Do 19.11., 15:30 Uhr Fr 20.11., 15:00 Uhr
T4 2 Di 24.11., 09:15 Uhr Di 24.11., 11:40 Uhr
T5 1 Mi 25.11., 13:24 Uhr Mi 25.11., 14:02 Uhr

Gerechnet wird nur in der Servicezeit (Mo–Fr 7–17 Uhr). Je Ticket 1 Punkt, Quote 2 Punkte:

Ticket Reaktionszeit in der Servicezeit Vorgabe eingehalten?
T1 22 min 30 min ja
T2 20 min (Fr bis 17 Uhr) + 50 min (Mo ab 7 Uhr) = 70 min 2 h ja (in Kalenderzeit wären es über 63 Stunden)
T3 1,5 h (Do) + 8 h (Fr) = 9,5 h 10 h ja
T4 2 h 25 min 2 h nein
T5 38 min 30 min nein

Erfüllungsquote: \dfrac{3}{5} = \underline{\underline{60\,\%}}

d) Die beiden Ausfälle hatten vermeidbare Ursachen. Beschreibe für jede Ursache eine Maßnahme des proaktiven Problem Managements. (4 Punkte)

  • Datenbankspeicher voll (2 Punkte): Speicherbelegung überwachen und ab z. B. 80 % eine Warnung erzeugen; Wachstum auswerten und Speicher rechtzeitig erweitern; alte Protokolle und abgelaufene Fahrten automatisch löschen.

  • Zertifikat abgelaufen (2 Punkte): Zertifikate automatisch erneuern lassen (z. B. per ACME-Protokoll); Ablaufdatum überwachen und 30 Tage vorher eine Warnung an die Schul-IT senden.

e) Die virtuelle Maschine hängt am Netz des städtischen Rechenzentrums; dieses sagt der Schul-IT eine Lösungszeit von 8 Stunden für Netzstörungen zu. Erläutere, warum diese Zusage zum SLA mit der Schule passen muss, und nenne den Fachbegriff für die Vereinbarung mit dem Rechenzentrum. (3 Punkte)

Die Schul-IT kann der Schule nur zusagen, was ihre Zulieferer ihr zusichern. Fällt das Netz aus und braucht das Rechenzentrum bis zu 8 Stunden, kann die Schul-IT weder kurze Lösungszeiten noch 99,5 % Verfügbarkeit garantieren (8 Stunden allein wären 480 Minuten Ausfall) (2 Punkte). Die Vereinbarung mit einem externen Zulieferer heißt Underpinning Contract (UC); mit internen Teams wäre es ein Operational Level Agreement (OLA) (1 Punkt).

f) Nenne zwei Inhalte, die der monatliche Servicebericht der Schul-IT an die Schule enthalten sollte. (2 Punkte)

Je Inhalt 1 Punkt, z. B.: erreichte Verfügbarkeit mit allen Ausfällen und Ursachen; Anzahl der Tickets nach Priorität; Einhaltung von Reaktions- und Lösungszeiten; Gutschriften; geplante Wartungen und Verbesserungsmaßnahmen.


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Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Übungsaufgaben zu Ticketsystem und IT-Service” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/ticketsystem-uebungsaufgaben veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/it-systeme/it-service. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 28.10.2026.

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