Übungsaufgaben zur Marketingstrategie
https://bildung.social/@oerinformatik/
https://oer-informatik.de/marketingstrategie-uebungsaufgaben
Marketingstrategie, BCG-Matrix, Marktanteil, SWOT-Analyse, Wettbewerbsstrategie, Marketingmix, Preisstrategie, Preisdifferenzierung, Sponsoring, UWG, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 88 min, mehrere Aufgaben): Drei Übungsaufgaben zur Marketingstrategie: Du berechnest aus Umsatzzahlen Marktwachstum und Marktanteile einer Freizeit-App, korrigierst eine BCG-Einordnung und verteilst ein Budget nach den Normstrategien, leitest für den Ortungsdienst eines Fahrradhändlers aus einem Wettbewerbsvergleich die Wettbewerbsstrategie ab, prüfst einen Marketingmix, bewertest Preisdifferenzierungen, Abo-Preise und einen Schwellenpreis und erstellst für einen Elektro- und IT-Betrieb eine SWOT-Analyse mit Strategien und Einsatzbereichen, vergleichst Sponsoring und Anzeigen und prüfst Werbeaktionen nach dem UWG. Alle Beispiellösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Marketingstrategie: SWOT-Analyse, BCG-Matrix, Marketingmix und Preisstrategien.
Hinweise zur Bearbeitung: Von IKS wird erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1, Aufgabe 3.2 und Aufgabe 3.3) keine Probleme bereiten. Bei „nennen“ und „benennen“ genügen Stichworte, bei „beschreiben“, „erläutern“ und „begründen“ erwartet die Aufgabe ganze Sätze mit Bezug zur Situation. Schreib Deine Antwort zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst; andere sachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.
Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?
Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.
Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Marketingstrategie“.
Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.
Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/marketingstrategie
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/marketingstrategie-uebungsaufgaben
Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Marketingstrategie
- BCG-Matrix
- Marktanteil
- SWOT-Analyse
- Wettbewerbsstrategie
- Marketingmix
- Preisstrategie
- Preisdifferenzierung
- Sponsoring
- UWG
Kompetenzstufe: Profilkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Kernkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan
Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
danach frage.
Aufgabe 3.1: Das Portfolio von Let’s Meet (Profilkompetenz)
(ca. 26 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r bei der Let’s Meet GmbH in Bielefeld. Vor der Budgetplanung 2027 will Geschäftsführerin Clara Neumann wissen, wo die vier Geschäftsfelder des Unternehmens stehen. Die Marktforschung hat für den regionalen Markt Ostwestfalen-Lippe nur Umsatzzahlen geliefert, Anteile und Wachstum musst Du selbst ermitteln:
| Geschäftsfeld | Marktvolumen 2025 | Marktvolumen 2026 | Umsatz Let’s Meet 2026 | Umsatz des größten Wettbewerbers 2026 |
|---|---|---|---|---|
| A: Premium-Abo „Let’s Meet Plus“ für Privatnutzende | 4.000 T€ | 4.080 T€ | 1.020 T€ | 816 T€ |
| B: Ticketing für Freizeitanbieter („Events“) | 2.500 T€ | 2.800 T€ | 588 T€ | 420 T€ |
| C: Firmenkonten für Team-Aktivitäten (gestartet 2025) | 1.500 T€ | 1.800 T€ | 54 T€ | 432 T€ |
| D: Werbeflächen für lokale Anbieter in der App | 3.000 T€ | 2.940 T€ | 294 T€ | 882 T€ |
Clara Neumann legt fest: Ein Marktwachstum ab 5 % pro Jahr gilt als hoch, ein relativer Marktanteil ab 1,0 als hoch.
a) Berechne für jedes Geschäftsfeld das Marktwachstum von 2025 auf 2026, den eigenen Marktanteil 2026 und den relativen Marktanteil. Gib den Rechenweg je Größe einmal allgemein an. (12 Punkte)
Je richtigem Wert 1 Punkt (12 Werte):
\text{Marktwachstum} = \frac{\text{Marktvolumen}_{2026} - \text{Marktvolumen}_{2025}}{\text{Marktvolumen}_{2025}} \cdot 100\,\%
\text{Marktanteil} = \frac{\text{Umsatz Let’s Meet}}{\text{Marktvolumen}_{2026}} \cdot 100\,\% \qquad \text{relativer Marktanteil} = \frac{\text{Umsatz Let’s Meet}}{\text{Umsatz größter Wettbewerber}}
Den relativen Marktanteil kannst Du direkt aus den Umsätzen bilden, weil sich das Marktvolumen herauskürzt.
| Geschäftsfeld | Marktwachstum | eigener Marktanteil | relativer Marktanteil |
|---|---|---|---|
| A | \frac{80}{4.000} = 2{,}0\,\% | \frac{1.020}{4.080} = 25{,}0\,\% | \frac{1.020}{816} = 1{,}25 |
| B | \frac{300}{2.500} = 12{,}0\,\% | \frac{588}{2.800} = 21{,}0\,\% | \frac{588}{420} = 1{,}40 |
| C | \frac{300}{1.500} = 20{,}0\,\% | \frac{54}{1.800} = 3{,}0\,\% | \frac{54}{432} = 0{,}125 |
| D | \frac{-60}{3.000} = -2{,}0\,\% | \frac{294}{2.940} = 10{,}0\,\% | \frac{294}{882} \approx 0{,}33 |
b) Dein Mit-Azubi Jonas Weber hat die Geschäftsfelder schon vor Deiner Rechnung eingeordnet. Prüfe seine Notiz, korrigiere jede falsche Einordnung und begründe Deine Korrektur mit den Werten aus a). (6 Punkte)
A ist ein Star, weil wir dort Marktführer sind. B ist eine Cash Cow, weil es nach A den meisten Umsatz bringt. C ist ein Question Mark, D ein Poor Dog.
A ist falsch eingeordnet (2 Punkte): Let’s Meet ist zwar Marktführer (relativer Marktanteil 1,25), der Markt wächst aber nur um 2 % und damit unter der Grenze von 5 %. A ist eine Cash Cow. Für einen Star müssten beide Größen hoch sein.
B ist falsch eingeordnet (2 Punkte): Die Höhe des Umsatzes ist keine Achse der BCG-Matrix. B hat einen hohen relativen Marktanteil (1,40) in einem stark wachsenden Markt (12 %) und ist deshalb ein Star.
C und D stimmen (je 1 Punkt): C ist mit 0,125 und 20 % Wachstum ein Question Mark, D mit 0,33 und schrumpfendem Markt (−2 %) ein Poor Dog.
c) Für Marketing und Weiterentwicklung stehen 2027 zusätzlich 240.000 € zur Verfügung. Jonas Weber schlägt vor, jedem Geschäftsfeld 60.000 € zu geben, „damit es gerecht ist“. Beurteile diesen Vorschlag und mache einen eigenen, begründeten Verteilungsvorschlag. (6 Punkte)
Beurteilung (2 Punkte): Eine gleichmäßige Verteilung übersieht, dass die Felder sehr unterschiedlichen Mittelbedarf und unterschiedliche Aussichten haben. Die Cash Cow A braucht wenig Geld und finanziert selbst, der Poor Dog D bekäme Geld ohne Aussicht auf Wachstum, und dem Question Mark C fehlte womöglich genau das Geld, das es braucht, um aufzuholen.
Eigener Vorschlag (4 Punkte, je Geschäftsfeld 1 Punkt für eine zur Normstrategie passende Begründung), z. B.:
| Geschäftsfeld | Anteil | Betrag | Begründung |
|---|---|---|---|
| C Firmenkonten (Question Mark) | 40 % | 96.000 € | Offensivstrategie: Der Markt wächst um 20 %; ohne kräftige Investition bleibt der Anteil bei 3 %. |
| B Ticketing (Star) | 35 % | 84.000 € | Investitionsstrategie: Position im wachsenden Markt halten und ausbauen, damit B später zur Cash Cow wird. |
| A Let’s Meet Plus (Cash Cow) | 20 % | 48.000 € | Abschöpfung: nur so viel wie nötig, um die Kundschaft zu halten; die Überschüsse von A finanzieren B und C mit. |
| D Werbeflächen (Poor Dog) | 5 % | 12.000 € | Desinvestition prüfen: nur das Nötigste, bis über die Zukunft entschieden ist. |
Andere Verteilungen sind richtig, wenn die Begründung zur Lage im Portfolio passt, z. B. mehr Geld für B und weniger für C, wenn Clara Neumann den Firmenkonten wenig zutraut.
d) Clara Neumann überlegt, die Werbeflächen (D) ganz einzustellen, weil die BCG-Matrix sie als Poor Dog zeigt. Erläutere zwei Gesichtspunkte, die die BCG-Matrix nicht abbildet, die für diese Entscheidung aber wichtig sind. (4 Punkte)
Zwei Gesichtspunkte, je 2 Punkte, z. B.:
Gewinn bzw. Deckungsbeitrag: Die Matrix zeigt nur Wachstum und Marktanteil. Erwirtschaften die Werbeflächen mit 294 T€ Umsatz einen positiven Deckungsbeitrag, finanzieren sie Fixkosten mit; erst bei negativem Deckungsbeitrag spricht das Ergebnis für die Einstellung.
Verbindungen zu anderen Geschäftsfeldern: Lokale Anbieter, die Werbeflächen buchen, sind oft dieselben Freizeitanbieter, die das Ticketing (B) nutzen. Fällt D weg, könnten sie auch bei B abwandern.
Abgrenzung des Marktes: Betrachtet wurde nur Ostwestfalen-Lippe. Bundesweit oder in einem engeren Markt (z. B. nur Bielefeld) kann das Feld ganz anders dastehen.
Wirkung auf die Nutzenden: Weniger Werbung macht die App angenehmer, Werbeflächen finanzieren aber die kostenlose Basisversion mit.
Aufgabe 3.2: Den Ortungsdienst an Privatkundschaft verkaufen (Profilkompetenz)
(ca. 32 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld-Sennestadt. Den Ortungsdienst „CSB-Rad Connect“ nutzen bisher nur Geschäftskunden wie der Zweckverband Radwege OWL. Ab Frühjahr 2027 soll „CSB-Rad Connect Privat“ folgen: ein Set aus Tracker und gleichschließendem Schloss für 149 € und eine Ortungs-App im Abo. Sophie Bertram, Geschäftsführerin Vertrieb und E-Commerce, hat zwei Angebote verglichen, die bereits am Markt sind:
| Merkmal | „TrackMe Bike“ | „VeloGuard“ | CSB-Rad Connect Privat (Planung) |
|---|---|---|---|
| Hardware und Preis | Tracker 79 €, Klebehalterung unter dem Sattel | Tracker 199 € | Tracker verdeckt im Rahmen und gleichschließendes Schloss, 149 € |
| App-Abo je Monat | 3,99 € | 6,90 € mit Diebstahlversicherung bis 1.500 € | noch offen |
| Einbau | selbst | im Fachhandel, 39 € | in der Werkstatt Sennestadt, auf Wunsch bei der Inspektion |
| Beratung und Service | Chat im Internet | Fachhandel | Werkstatt, Telefon, Showroom |
| Vertrieb | nur Online-Marktplätze | nur Fachhandel | eigener Onlineshop und Werkstatt |
a) Leite aus dem Vergleich zwei Merkmale ab, mit denen sich CSB-Rad Connect Privat von beiden Wettbewerbern abhebt. Begründe damit, ob CSB-Rad die Wettbewerbsstrategie Kostenführerschaft oder Differenzierung verfolgen sollte. (5 Punkte)
Zwei Merkmale (je 1 Punkt), z. B.: Schloss und Tracker im Set mit gleichem Schlüssel wie die übrigen Schlösser; Tracker verdeckt im Rahmen statt sichtbar unter dem Sattel (schwerer zu entfernen); Einbau und Beratung durch die eigene Werkstatt; Bestandskundschaft, die ihr Rad ohnehin bei CSB-Rad gekauft hat.
Wettbewerbsstrategie (3 Punkte): Differenzierung. Beim Preis kann CSB-Rad mit TrackMe Bike nicht mithalten, weil das Set ein Schloss und den Einbau enthält; ein Preiskampf würde die Marge aufzehren. Stattdessen sollte CSB-Rad mit Sicherheit (verdeckter Einbau, Schloss), persönlichem Service und der Nähe zur Werkstatt werben, sodass die Kundschaft einen höheren Preis als bei TrackMe Bike akzeptiert. Eine Kostenführerschaft setzt dauerhaft niedrigere Kosten als die Konkurrenz voraus; dafür fehlen einem mittelgroßen Fahrradhändler die Stückzahlen.
b) Ein Kollege aus dem Vertrieb hat einen ersten Marketingmix entworfen. Zwei Maßnahmen passen nicht zu der Positionierung aus a). Finde sie, begründe jeweils, warum sie nicht passen, und ersetze sie durch eine stimmige Maßnahme desselben Instruments. (8 Punkte)
| Nr. | Instrument | Maßnahme im Entwurf |
|---|---|---|
| 1 | Produktpolitik | Tracker im Rahmen, gleichschließendes Schloss, App mit Alarm bei Bewegung des abgestellten Rads |
| 2 | Produktpolitik | Prüfung des Trackers bei jeder Inspektion ohne Aufpreis |
| 3 | Preispolitik | Set dauerhaft für 75 € anbieten, um TrackMe Bike zu unterbieten |
| 4 | Distributionspolitik | Verkauf nur über einen großen Online-Marktplatz, Versand zum Selbsteinbau |
| 5 | Kommunikationspolitik | Vorführung beim Showroom-Tag und Beitrag im Newsletter an die Bestandskundschaft |
| 6 | Kommunikationspolitik | Pressemitteilung mit Tipps gegen Fahrraddiebstahl in Bielefeld |
Je unpassender Maßnahme: erkannt 1 Punkt, Begründung 2 Punkte, passender Ersatz 1 Punkt.
Nr. 3 (Preispolitik): Ein Dauerpreis unter dem billigsten Wettbewerber ist Kostenführerschaft und widerspricht der Differenzierung. Für ein Set mit Schloss und Einbau deckt er kaum die Kosten und lässt das Produkt billig wirken. Ersatz, z. B.: Set für 149 € und ein Abo zwischen den beiden Wettbewerbern; Vorteilspreis für das Set beim Kauf eines neuen Rads.
Nr. 4 (Distributionspolitik): Selbsteinbau und anonymer Marktplatz verschenken genau die Vorteile, mit denen CSB-Rad sich abheben will: verdeckter Einbau im Rahmen und Beratung durch die Werkstatt. Außerdem verliert CSB-Rad die Kontrolle über Preis und Kundendaten. Ersatz, z. B.: Verkauf im eigenen Onlineshop mit Terminbuchung für den Einbau in der Werkstatt Sennestadt.
Die übrigen Maßnahmen unterstützen Sicherheit und Service und passen zur Differenzierung.
c) Im Team werden vier Ideen zur Preisdifferenzierung beim Abo gesammelt. Ordne jede Idee einer Art der Preisdifferenzierung zu und beurteile, ob CSB-Rad sie umsetzen sollte. (8 Punkte)
„Azubi- und Studi-Tarif“: 30 % günstigeres Abo gegen Nachweis
„Winterpause“: von November bis Februar nur 1 € im Monat, Ortung nur auf Anforderung
„Familienpaket“: ab drei Rädern im selben Haushalt 25 % Rabatt auf jedes Abo
„Stadtzuschlag“: 2 € mehr im Monat für Wohnadressen in der Innenstadt, weil dort mehr Räder gestohlen werden
Je Idee 1 Punkt für die Art und 1 Punkt für ein begründetes Urteil, z. B.:
| Idee | Art | Beurteilung |
|---|---|---|
| 1 Azubi- und Studi-Tarif | personell | umsetzen: junge Kundschaft ist preisbewusst und fährt viel Rad; der Nachweis ist leicht zu prüfen, und wer früh Kund*in wird, bleibt oft lange. |
| 2 Winterpause | zeitlich | mit Vorsicht: Die Pause senkt Kündigungen im Winter, aber Räder werden auch im Winter gestohlen; wenn „Ortung auf Anforderung“ erst nach dem Diebstahl eingeschaltet wird, verliert der Dienst seinen Nutzen und es droht Ärger mit enttäuschter Kundschaft. |
| 3 Familienpaket | mengenmäßig | umsetzen: Familien mit Lastenrädern sind eine wichtige Zielgruppe; die Kosten je weiteres Abo sind gering, und mehrere Räder binden einen Haushalt stärker. |
| 4 Stadtzuschlag | räumlich | nicht umsetzen: Die Wohnadresse sagt wenig darüber, wo das Rad abgestellt wird; der Zuschlag ist leicht zu umgehen und wirkt auf die Kundschaft unfair, was dem Image schadet. |
Andere Urteile sind richtig, wenn sie schlüssig begründet sind.
da) Für das Abo stehen zwei Varianten zur Wahl. Der Vertrieb rechnet mit folgenden Abozahlen (Durchschnitt je Monat):
| Variante | Preis je Monat | Abos im 1. Jahr | Abos im 2. Jahr |
|---|---|---|---|
| 1: Einführungspreis | 2,90 € in den ersten 12 Monaten, danach 5,90 € | 1.500 | 1.400 |
| 2: fester Preis | 4,90 € | 800 | 1.000 |
Berechne die Abo-Erlöse beider Varianten für die ersten 24 Monate und entscheide begründet, welche Variante CSB-Rad wählen sollte. Nenne dabei die Preisstrategie, die hinter Variante 1 steht. (7 Punkte)
Rechnung (4 Punkte, je Jahr und Variante 1 Punkt):
Variante 1: 1.500 \cdot 2{,}90\,€ \cdot 12 = 52.200{,}00\,€; 1.400 \cdot 5{,}90\,€ \cdot 12 = 99.120{,}00\,€; zusammen \underline{\underline{151.320{,}00\,€}}
Variante 2: 800 \cdot 4{,}90\,€ \cdot 12 = 47.040{,}00\,€; 1.000 \cdot 4{,}90\,€ \cdot 12 = 58.800{,}00\,€; zusammen \underline{\underline{105.840{,}00\,€}}
Entscheidung (3 Punkte): Variante 1 bringt über 24 Monate 45.480 € mehr Abo-Erlös. Hinter ihr steht die Penetrationsstrategie: Mit dem niedrigen Einführungspreis gewinnt CSB-Rad schnell viele Kund*innen, bevor weitere Wettbewerber kommen, und verkauft dabei auch mehr Sets. Zu beachten: Die Preiserhöhung nach zwölf Monaten muss offen angekündigt werden (z. B. schon beim Abschluss), sonst kündigen mehr als die eingeplanten 100 Abos. Wer stärker auf das Premium-Image achtet, kann Variante 2 mit dem Argument wählen, dass ein Preis unter TrackMe Bike nicht zur Differenzierung passt.
db) Das Set kostet 149 €. Ein Kollege schlägt vor, auf 150 € zu runden: „Der eine Euro fällt doch niemandem auf, bringt bei 1.500 Sets aber 1.500 € mehr.“ Erläutere, wie der bisherige Preis auf die Kundschaft wirkt, und beurteile den Vorschlag. (3 Punkte)
Wirkung (2 Punkte): 149 € ist ein gebrochener Preis knapp unter der runden Schwelle von 150 €. Kund*innen achten vor allem auf die vorderen Ziffern; „149“ wirkt deshalb spürbar günstiger als „150“, obwohl der Unterschied unter 1 % liegt (Schwelleneffekt). Das senkt die Hemmschwelle beim Kauf, gerade im Vergleich mit den Wettbewerbern.
Beurteilung (1 Punkt), z. B.: Die 1.500 € Mehrerlös gibt es nur, wenn kein Verkauf verloren geht. Schon zehn Sets weniger heben den Vorteil auf (1.490 \cdot 150\,€ = 1.500 \cdot 149\,€ = 223.500\,€). Da ein runder Preis kaum zusätzlichen Erlös bringt, sollte CSB-Rad bei 149 € bleiben. Vertretbar ist auch ein runder Preis, wenn er bewusst das hochwertige Image der Differenzierung unterstreichen soll.
e) Katarzyna Nowak vom Radhaus Bielefeld-Süd fragt, ob ihr Fachgeschäft das Set ebenfalls verkaufen und einbauen darf. Beurteile diesen zusätzlichen indirekten Absatzweg anhand der Kriterien „Reichweite“ und „Kontrolle über Preis und Beratung“ und gib eine Empfehlung. (4 Punkte)
Reichweite (1 Punkt): Das Radhaus erreicht Kundschaft, die nicht online kauft oder ihr Rad dort warten lässt; der Einbau vor Ort ist für sie bequemer als der Weg nach Sennestadt.
Kontrolle (1 Punkt): Verkauf und Einbau laufen nicht mehr nur über CSB-Rad. Das Radhaus legt Endpreise und Beratung mit fest, CSB-Rad erfährt weniger über die Endkundschaft und muss die Einbauqualität absichern.
Empfehlung (2 Punkte), z. B.: zusätzlich zulassen, aber mit Vereinbarungen: Schulung und Freigabe der Werkstatt des Radhauses für den Einbau, unverbindliche Preisempfehlung, Abo-Abschluss in der App von CSB-Rad, damit die Kundenbeziehung beim Abo direkt bleibt. Für CSB-Rad ist das Geschäft mit dem Radhaus B2B, mit der Endkundschaft im Abo weiterhin B2C.
Aufgabe 3.3: Ein neuer Netzwerkservice von Peters Elektro (Profilkompetenz)
(ca. 30 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r bei der Peters Elektro GmbH, einem Elektro- und IT-Installationsbetrieb mit 25 Beschäftigten in Bielefeld-Brackwede. Inhaber Jan Peters plant für 2027 einen neuen Service: „Netz & WLAN Rundum“ für Vereinsheime und Arztpraxen (Planung, Installation, Wartungsvertrag mit Fernüberwachung). Nach einer Besprechung hat er Dir seine Notizen gegeben:
- Unsere Elektriker*innen sind in vielen Vereinsheimen und Praxen in Brackwede seit Jahren bekannt.
- Strom, Netzwerkdosen und Access Points kommen bei uns aus einer Hand; niemand muss zwei Firmen abstimmen.
- Nur zwei von 25 Leuten kennen sich mit Netzwerken aus. Fällt einer aus, wird es eng.
- Fernüberwachung mit Bereitschaftsdienst haben wir noch nie angeboten.
- Viele Vereine wollen ein Gäste-WLAN für Mitglieder und Turniere.
- Praxen müssen ihre IT nach den Vorgaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung immer besser absichern.
- Zwei Bielefelder Systemhäuser werben schon mit Komplettpaketen für Praxen.
- Netzwerkfachkräfte sind auf dem Arbeitsmarkt kaum zu bekommen.
- Das Barcamp am Ratz und Rübe Berufskolleg im März habe ich mir schon im Kalender eingetragen.
a) Erstelle aus den Notizen eine vollständige SWOT-Analyse als Vierfeldertafel. Beschrifte die Felder und die beiden Achsen. Nicht jede Notiz gehört in die SWOT-Analyse. (8 Punkte)
Je richtig eingeordneter Notiz 1 Punkt (Notiz 9 ist ein Termin und gehört nicht in die Analyse):
| positiv | negativ | |
|---|---|---|
| intern | Stärken (Strengths): 1 bekannt in Vereinsheimen und Praxen; 2 Elektro und Netzwerk aus einer Hand | Schwächen (Weaknesses): 3 nur zwei Netzwerkfachleute; 4 keine Erfahrung mit Fernüberwachung und Bereitschaft |
| extern | Chancen (Opportunities): 5 Nachfrage der Vereine nach Gäste-WLAN; 6 steigende Sicherheitsvorgaben für Praxen | Risiken (Threats): 7 Konkurrenz durch Systemhäuser; 8 Fachkräftemangel |
Notiz 8 ist ein Risiko und keine Schwäche: Der Fachkräftemangel ist eine Entwicklung am Arbeitsmarkt, die Peters Elektro nicht beeinflussen kann; die eigene Personallage (Notiz 3) ist dagegen eine Schwäche.
ba) Leite aus Deiner SWOT-Analyse eine SO-Strategie (Stärken nutzen, um Chancen zu ergreifen) und eine ST-Strategie (Stärken nutzen, um Risiken abzuwehren) für „Netz & WLAN Rundum“ ab. (4 Punkte)
Je Strategie 2 Punkte, z. B.:
SO: Die bekannten Vereinsheime gezielt mit einem Paket „Gäste-WLAN mit Stromanschluss aus einer Hand“ ansprechen; die vorhandenen Kontakte (Stärke 1, 2) treffen auf den Wunsch nach Gäste-WLAN (Chance 5).
ST: Gegen die Systemhäuser (Risiko 7) nicht über den Preis antreten, sondern mit Ortskenntnis und dem kurzen Weg zum Elektrobetrieb werben, z. B. „Techniker*in in 30 Minuten vor Ort in Brackwede“ (Stärke 1, 2).
bb) Jan Peters möchte die SWOT-Analyse auch für andere Vorhaben nutzen. Entscheide für jedes Vorhaben, ob eine SWOT-Analyse ein geeignetes Werkzeug ist, und begründe kurz. (3 Punkte)
Vor der Bewerbung um einen großen Auftrag der Stadt (Vernetzung von zwölf Schulgebäuden) will er abwägen, ob Peters Elektro das Vorhaben stemmen kann und ob es sich lohnt.
Er will ausrechnen, wie viele Access Points ein Vereinsheim mit 400 m² Fläche braucht.
Die Ausbildungsleitung will mit jeder*m Auszubildenden vor dem dritten Ausbildungsjahr besprechen, in welchem Bereich sie oder er sich weiterentwickeln soll.
Je Vorhaben 1 Punkt für Entscheidung mit Begründung, z. B.:
Geeignet: Bevor sich ein Unternehmen auf ein großes Projekt einlässt, lohnt der Abgleich der eigenen Stärken und Schwächen (z. B. nur zwei Netzwerkfachleute) mit Chancen und Risiken des Auftrags (Referenz, Folgeaufträge, Vertragsstrafen). Das ist der Einsatz im Projektmanagement bzw. in der Geschäftsleitung.
Nicht geeignet: Hier geht es um eine technische Planung bzw. Berechnung (Fläche, Wände, Reichweite), nicht um die strategische Lage eines Unternehmens oder Vorhabens. Dafür braucht es eine WLAN-Ausleuchtung bzw. Planungssoftware.
Geeignet: In der Personalentwicklung kann eine persönliche SWOT-Analyse helfen: Stärken und Schwächen der Person, Chancen und Risiken z. B. durch neue Aufgabenfelder im Betrieb.
c) Jan Peters will das Barcamp „Lernen.Digital.Leben 2027“ unterstützen und meint: „Ob wir sponsern oder dem Förderverein etwas spenden, ist doch dasselbe.“ Stelle den Unterschied richtig. (2 Punkte)
Bei einer Spende gibt Peters Elektro Geld oder Sachen ohne Gegenleistung (1 Punkt). Beim Sponsoring gibt es eine vereinbarte Gegenleistung, z. B. Nennung im Programm oder einen Stand; es ist ein Instrument der Kommunikationspolitik, mit dem der Betrieb Werbe- und Imageziele verfolgt (1 Punkt).
d) Für die Einführung stehen 1.500 € zur Verfügung. Zwei Möglichkeiten sind im Gespräch:
Sachsponsoring Barcamp: zwei Access Points als Leihgeräte für das Gäste-WLAN und ein Workshop „WLAN im Vereinsheim sicher einrichten“ (Wert zusammen etwa 1.200 €); dafür Logo im Programm und ein Stand im Foyer.
Anzeigen: drei halbseitige Anzeigen im Mitgliedermagazin des Sportbunds Teutoburger Wald e. V., das an 48 Vereine geht (1.350 €).
Vergleiche beide Möglichkeiten anhand von drei selbst gewählten Kriterien und gib eine begründete Empfehlung. (6 Punkte)
Je Kriterium mit Vergleich beider Möglichkeiten 1 Punkt, begründete Empfehlung 3 Punkte, z. B.:
| Kriterium | Sachsponsoring Barcamp | Anzeigen im Sportbund-Magazin |
|---|---|---|
| Erreichen der Zielgruppe | eher indirekt: Schüler*innen, Lehrkräfte, Ausbildungsbetriebe; Vereinsvorstände nur vereinzelt | direkt: Vorstände von 48 Vereinen; Arztpraxen werden von beiden nicht erreicht |
| Glaubwürdigkeit | hoch: Peters Elektro zeigt im laufenden Betrieb, dass das WLAN funktioniert, und erklärt es im Workshop | mittel: Anzeige behauptet Kompetenz, beweist sie aber nicht |
| Nebenwirkung auf die eigenen Schwächen | Kontakt zu angehenden Fachinformatiker*innen, Chance auf Azubis und Praktikant*innen gegen den Engpass bei Netzwerkfachleuten | keine |
| Kosten und Messbarkeit | 1.200 €; Erfolg schwer messbar (Gespräche am Stand zählen) | 1.350 €; Anfragen mit Gutscheincode messbar |
Empfehlung, z. B.: Sachsponsoring, weil es Kompetenz sichtbar macht und zugleich die Personalschwäche angeht; die restlichen 300 € reichen für einen Werbebrief an die Vereine. Eine Empfehlung für die Anzeigen ist ebenso richtig, wenn sie mit dem direkten Zugang zu den Vereinen begründet wird.
e) Für die Arztpraxen plant Peters Elektro eine Maßnahme der Verkaufsförderung und eine Maßnahme des Direktmarketings. Schlage zu jedem Instrument eine Maßnahme vor, die zu Arztpraxen passt, und begründe sie kurz. (4 Punkte)
Je Maßnahme mit Begründung 2 Punkte, z. B.:
Verkaufsförderung: kostenloser WLAN- und Sicherheits-Check für die ersten zehn Praxen, die einen Termin buchen. Praxen haben wenig Zeit; ein kurzer Check ohne Risiko senkt die Hemmschwelle und zeigt ihnen konkrete Lücken.
Direktmarketing: persönlich adressierter Brief an die Praxisleitungen mit einer Checkliste zu den Sicherheitsvorgaben und einer Telefonnummer für Rückfragen. So erreicht Peters Elektro gezielt die Entscheider*innen mit einem Thema, das sie ohnehin beschäftigt.
f) Jan Peters will drei Werbeaktionen durchführen. Prüfe nach § 7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), ob sie zulässig sind. (6 Punkte)
Eine Werbe-E-Mail an alle Arztpraxen, deren Adressen er aus einem Online-Branchenverzeichnis übernimmt.
Anrufe bei den Vorständen der 14 Vereine, deren Vereinsheime Peters Elektro bereits elektrisch installiert hat, um den neuen Service vorzustellen.
Ein persönlich adressierter Werbebrief per Post an die Arztpraxen in Brackwede.
Je Aktion 2 Punkte (Urteil und Begründung):
1 E-Mail an Praxen: unzulässig. Werbung per E-Mail braucht eine vorherige ausdrückliche Einwilligung des Empfängers, auch wenn der Empfänger ein Unternehmen ist. Eine Adresse aus einem Verzeichnis ist keine Einwilligung; die Mail wäre eine unzumutbare Belästigung.
2 Anrufe bei Vereinen: zulässig. Vereine sind keine Verbraucher*innen, sondern sonstige Marktteilnehmer. Bei ihnen genügt eine mutmaßliche Einwilligung; die bestehende Geschäftsbeziehung und der Bezug des Angebots zum eigenen Vereinsheim lassen ein sachliches Interesse erwarten.
3 Werbebrief: zulässig. Adressierte Briefwerbung ist erlaubt, solange der Empfänger nicht erkennbar widersprochen hat (z. B. durch einen Hinweis, keine Werbung zu wünschen).
Links und weitere Informationen
Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)
Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Übungsaufgaben zur Marketingstrategie” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/marketingstrategie-uebungsaufgaben veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/betriebswirtschaft/unternehmen-markt. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 28.10.2026.
[Kommentare zum Artikel lesen, schreiben] / [Artikel teilen] / [gitlab-Issue zum Artikel schreiben]
