Übungsaufgaben zu wirtschaftlichen Entscheidungen: Nutzwertanalyse, Make-or-Buy und Kostenvergleich

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Nutzwertanalyse, Make-or-Buy, Kostenvergleich, K.O.-Kriterium, Sensitivitätsanalyse, kritische Menge, Amortisationsdauer, Tabellenkalkulation, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 134 min, mehrere Aufgaben): Fünf Übungsaufgaben zu wirtschaftlichen Entscheidungen. In der Basisstufe bewertest Du Badge-Drucker nach festen Schwellenwerten, ermittelst Bezugspreise und vergleichst Angebote gewichtet, wägst Fremdvergabe, externe Beratung und Outsourcing für eine Mitfahr-App ab und rechnest eine Nutzwertanalyse mit Prozentgewichten. In der Kernstufe folgen eine Nutzwertanalyse mit K.O.-Kriterien, Kostenumrechnung, Tabellenkalkulationsformeln, Fehlersuche, Ergänzung und Sensitivitätsprüfung für die Handscanner im Lager eines Fahrradherstellers sowie eine Make-or-Buy-Entscheidung mit Kostenarten, Vor- und Nachteilen der Fremdvergabe, Kostenvergleich, kritischer Menge und Amortisationsdauer für die Chatfunktion einer Freizeit-App; außerdem korrigierst Du eine fehlerhafte Präferenzmatrix, rechnest Preise in Punkte um, bestimmst, ab welcher Gewichtung die Entscheidung kippt, legst Kennzahlen für die Kontrolle des Dienstleisters fest und begrenzt die Abhängigkeit von ihm. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Wirtschaftlich entscheiden: Nutzwertanalyse, Make-or-Buy und Kostenvergleich.

Hinweise zur Bearbeitung: Bis zur Teil-1-Prüfung der IT-Berufe solltest Du die Basiskompetenz beherrschen, also Aufgabe 1.1 und Aufgabe 1.2. Als FIA, FIDP, FIDV, IKS oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1, Aufgabe 2.2 und Aufgabe 2.3. Bei „nennen“ genügen Stichworte, bei „erläutern“, „beschreiben“ und „Stellung nehmen“ erwartet die Aufgabe ganze Sätze mit Bezug zur Situation. Bei Rechnungen gehört der Rechenweg zur Lösung. Schreib Deine Lösung zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst; andere sachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.

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Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.

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Nutzwertanalyse, Make-or-Buy und Kostenvergleich“.

Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.

Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/nutzwertanalyse-make-or-buy
- https://oer-informatik.de/kalkulation
- https://oer-informatik.de/cloud-betriebsmodelle
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/nutzwertanalyse-make-or-buy-uebungsaufgaben

Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Nutzwertanalyse
- Make-or-Buy
- Kostenvergleich
- K.O.-Kriterium
- Sensitivitätsanalyse
- kritische Menge
- Amortisationsdauer
- Tabellenkalkulation

Kompetenzstufe: Kernkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan

Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
   abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
   zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
   Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
   Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
   Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
   danach frage.

Aufgabe 1.1: Badge-Drucker für den Check-in eines Barcamps (Basiskompetenz)

(ca. 21 min Bearbeitungszeit)

Am Samstag, 13.03.2027, findet am Ratz und Rübe Berufskolleg (RRB) in Bielefeld das Barcamp „Lernen.Digital.Leben 2027“ statt. Du gehörst zum Technikteam um Emre Aksoy. Für die beiden Check-in-Terminals und als Reserve sollen drei neue Etikettendrucker für Namensschilder (Badges) beschafft werden. Dimitrios Papadopoulos, der die Organisation leitet, hat drei Modelle vorausgewählt:

Daten der drei Etikettendrucker
Kriterium LabelJet 300 BadgePro M2 Tikett 9
Druckgeschwindigkeit in Badges pro Minute 14 22 16
Anschaffungspreis je Gerät 389 € 529 € 445 €
Kosten je Badge (Etikett und Farbband) 0,08 € 0,06 € 0,13 €
Gewicht 3,4 kg 3,9 kg 2,1 kg
Geräuschpegel beim Druck 49 dB 47 dB 53 dB

Bevor die Angebote eintrafen, hat das Team eine Bewertungsregel mit Schwellenwerten beschlossen. Weil am Barcamp-Tag mehrere Hundert Badges gedruckt werden, zählen die Kosten je Badge doppelt.

Bewertungsregel des Technikteams
Kriterium 2 Punkte 1 Punkt 0 Punkte
Druckgeschwindigkeit ab 18 Badges/min 12 bis unter 18 Badges/min unter 12 Badges/min
Anschaffungspreis bis 400 € über 400 € bis 500 € über 500 €
Kosten je Badge (zählt doppelt) bis 0,07 € über 0,07 € bis 0,10 € über 0,10 €
Gewicht bis 2,5 kg über 2,5 kg bis 4,0 kg über 4,0 kg
Geräuschpegel bis 50 dB über 50 dB bis 54 dB über 54 dB

a) Wende die Bewertungsregel auf die drei Drucker an, bilde je Gerät die Summe und gib an, welches Gerät nach dieser Regel vorn liegt. (5 Punkte)

Gerät Geschwindigkeit Preis Kosten je Badge (× 2) Gewicht Geräusch Summe
LabelJet 300
BadgePro M2
Tikett 9
Gerät Geschwindigkeit Preis Kosten je Badge (× 2) Gewicht Geräusch Summe
LabelJet 300 1 2 1 · 2 = 2 1 2 8
BadgePro M2 2 0 2 · 2 = 4 1 2 9
Tikett 9 1 1 0 · 2 = 0 2 1 5

Je richtig bewertetem Gerät 1 Punkt, doppelte Wertung der Kosten je Badge 1 Punkt, Ergebnis 1 Punkt: Der BadgePro M2 liegt mit 9 Punkten knapp vor dem LabelJet 300 (8 Punkte). Den Ausschlag gibt die doppelt gewertete Zeile „Kosten je Badge“, obwohl der BadgePro beim Preis leer ausgeht.

b) Der LabelJet 300 schafft 14, der Tikett 9 16 Badges pro Minute, beide erhalten dafür 1 Punkt. Erläutere an diesem Beispiel einen Nachteil und einen Vorteil einer Bewertung mit Schwellenwerten. (2 Punkte)

  • Nachteil (1 Punkt): Unterschiede innerhalb einer Stufe gehen verloren; der Tikett 9 ist schneller, wird aber gleich bewertet. Umgekehrt kann ein winziger Unterschied an der Grenze (17,9 statt 18 Badges/min) einen ganzen Punkt ausmachen.

  • Vorteil (1 Punkt): Die Regel steht fest, bevor die Angebote bekannt sind, ist schnell anzuwenden und für alle nachvollziehbar; niemand kann die Punkte nachträglich zugunsten eines Lieblingsgeräts verschieben.

c) Gib ein weiteres sinnvolles Kriterium für diese Entscheidung an und begründe es. (2 Punkte)

Ein Kriterium mit passender Begründung (1 + 1 Punkt), z. B.:

  • Kompatibilität mit der Anmeldesoftware bzw. dem Betriebssystem der Terminals: Der Drucker muss direkt aus der Software heraus drucken können.

  • Garantie und Ersatzgeräteservice: Fällt am Barcamp-Morgen ein Drucker aus, muss schnell Ersatz da sein.

  • Etikettenformat bzw. Druckbreite: Die Namensschilder brauchen eine bestimmte Größe.

  • Anschlüsse (USB, Netzwerk, WLAN): Die Drucker sollen an verschiedenen Plätzen einsetzbar sein.

d) Svenja Krämer von der Schul-IT legt fest: Die Drucker müssen ohne Online-Konto beim Hersteller per USB drucken können. Der BadgePro M2 lässt sich nur über ein Herstellerkonto in der Cloud einrichten. Begründe, für welches Gerät sich das Team nun entscheidet. (2 Punkte)

Die Vorgabe ist ein K.O.-Kriterium: Der BadgePro M2 erfüllt sie nicht und scheidet trotz der höchsten Summe aus (1 Punkt). Von den verbleibenden Geräten hat der LabelJet 300 mit 8 Punkten die höhere Summe vor dem Tikett 9 mit 5 Punkten; das Team wählt den LabelJet 300 (1 Punkt).

e) Für drei LabelJet 300 liegen zwei Angebote vor:

  • Händler A: Listenpreis 389,00 € je Gerät, 10 % Rabatt, 2 % Skonto, Versandkosten 19,90 € pauschal für die Lieferung

  • Händler B: Listenpreis 375,00 € je Gerät, kein Rabatt, 3 % Skonto, Lieferung frei Haus

Ermittle für beide Angebote den Bezugspreis für alle drei Geräte und je Gerät. (6 Punkte)

Geg.: 3 Geräte; A: 389,00 € je Gerät, 10 % Rabatt, 2 % Skonto, 19,90 € Versand; B: 375,00 € je Gerät, 3 % Skonto, frei Haus

Ges.: Bezugspreis gesamt und je Gerät

Händler A Händler B
Listeneinkaufspreis 3 · 389,00 € = 1.167,00 € 3 · 375,00 € = 1.125,00 €
− Rabatt 10 %: 116,70 € 0,00 €
= Zieleinkaufspreis 1.050,30 € 1.125,00 €
− Skonto 2 %: 21,01 € 3 %: 33,75 €
= Bareinkaufspreis 1.029,29 € 1.091,25 €
+ Bezugskosten 19,90 € 0,00 €
= Bezugspreis gesamt \underline{\underline{1.049{,}19\,€}} \underline{\underline{1.091{,}25\,€}}
Bezugspreis je Gerät 1.049{,}19\,€ : 3 \approx \underline{\underline{349{,}73\,€}} 1.091{,}25\,€ : 3 = \underline{\underline{363{,}75\,€}}

Je richtiger Zeile für beide Händler 1 Punkt (Ziel-, Bar-, Bezugspreis, je Gerät; Rabatt und Skonto mit Prozentbasis 2 Punkte). Händler A ist trotz des höheren Listenpreises um 42,06 € günstiger.

f) Neben dem Preis zählen für das Team die Lieferzeit und der Service. Es bewertet die Händler auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut) und gewichtet: Preis 60 %, Lieferzeit 25 %, Service 15 %. Händler A erhält für den Preis 5, für die Lieferzeit (zehn Tage) 3 und für den Service 2 Punkte, Händler B für den Preis 4, für die Lieferzeit (zwei Tage) 5 und für den Service 4 Punkte. Führe den gewichteten Angebotsvergleich durch und gib an, welcher Händler den Auftrag erhält. (4 Punkte)

Kriterium Gewichtung A Punkte A gewichtet B Punkte B gewichtet
Preis 60 % 5 3,00 4 2,40
Lieferzeit 25 % 3 0,75 5 1,25
Service 15 % 2 0,30 4 0,60
Summe 100 % 4,05 4,25

Gewichtete Werte 2 Punkte, Summen 1 Punkt, Entscheidung 1 Punkt: Händler B erhält den Auftrag. Der Preisvorteil von A gleicht die längere Lieferzeit und den schwächeren Service nicht aus.

g) Welche zwei Aussagen zur Nutzwertanalyse treffen zu? (2 Punkte)

  1. Die Gewichtung der Kriterien wird erst festgelegt, nachdem alle Alternativen bewertet wurden.

  2. Ein K.O.-Kriterium muss jede Alternative erfüllen, sonst scheidet sie vor der Bewertung aus.

  3. Die Alternative mit der höchsten Summe ungewichteter Punkte ist immer die beste.

  4. Mit einer Nutzwertanalyse lassen sich auch Eigenschaften vergleichen, die nicht in Euro messbar sind.

Richtig sind 2 und 4 (je 1 Punkt). Zu 1: Die Gewichte werden vor der Bewertung festgelegt, sonst lässt sich das Ergebnis lenken. Zu 3: Ungewichtete Summen berücksichtigen nicht, wie wichtig die Kriterien sind.

Aufgabe 1.2: Wer betreibt die Mitfahr-App? (Basiskompetenz)

(ca. 18 min Bearbeitungszeit)

Ein Projektteam aus Auszubildenden des Ratz und Rübe Berufskollegs entwickelt die Mitfahr-App RatzFahrt, mit der sich Schüler*innen zu Fahrgemeinschaften verabreden. Projektleiter Thomas Becker und die Datenschutzbeauftragte Andrea Wolf müssen einige Entscheidungen treffen. Du arbeitest im Projektteam mit.

a) Eine Agentur bietet an, die geplanten Apps für Android und iOS zu programmieren. Nenne zwei Argumente gegen diese Fremdvergabe. (2 Punkte)

Je 1 Punkt, zwei aus: Das Wissen über die App wird im Projektteam nicht aufgebaut bzw. geht verloren; Abhängigkeit von der Agentur bei Wartung und Weiterentwicklung; hoher Abstimmungsaufwand, weil die Abläufe am RRB erklärt werden müssen; personenbezogene Daten (auch von Minderjährigen) gelangen an Dritte; Kosten, die die Schule tragen muss; weniger Einfluss auf Termine und Qualität.

b) Für die Datenschutz-Folgenabschätzung überlegt Thomas Becker, eine externe Beratung hinzuzuziehen. Nenne insgesamt vier Vor- oder Nachteile, die die Einbindung einer externen Projektberatung hat. (4 Punkte)

Je 1 Punkt, vier aus:

  • Vorteile: Fachwissen und Erfahrung aus vergleichbaren Projekten; unabhängiger, neutraler Blick von außen; entlastet Andrea Wolf und das Team; kann kurzfristig eingesetzt werden.

  • Nachteile: Honorarkosten; Einarbeitungszeit, weil die Beratung Schule und Abläufe nicht kennt; Abhängigkeit von ihrem Urteil; sie nimmt ihr Wissen nach dem Projekt wieder mit; vertrauliche Informationen gelangen an Dritte.

c) Die Wartung der vier Flurmonitore, auf denen die offenen Fahrten angezeigt werden, soll nicht das Projektteam übernehmen. Beschreibe, was man unter Outsourcing versteht, und gib dazu ein passendes Beispiel aus dem Projekt an. (3 Punkte)

Outsourcing bedeutet, dass ein Aufgabenbereich dauerhaft an ein externes Unternehmen übertragen wird, das ihn eigenverantwortlich erledigt (2 Punkte). Beispiel (1 Punkt): Ein Dienstleister bzw. die Schul-IT OWL übernimmt Betrieb, Wartung, Reparatur und Fehlerbeseitigung der Flurmonitore samt Mini-Playern.

d) Für den Betrieb der Web-App vergleicht das Team drei Möglichkeiten: eine virtuelle Maschine bei der Schul-IT OWL, den bisherigen Hoster in Frankfurt und ein Komplettpaket einer Agentur. Je Kriterium wurde jeder Punktwert von 1 bis 3 nur einmal vergeben (3 = am besten). Ergänze die fehlenden Punkte, berechne die gewichteten Summen und gib die Rangfolge an. (6 Punkte)

Kriterium Gewichtung Schul-IT OWL Hoster Agentur
Datenschutz 35 % 3 2
Kosten 25 % 3 1
Betreuungsaufwand für die Schule 20 % 2 3
Verfügbarkeit 20 % 2 3
gewichtete Summe 100 %
Rang
Kriterium Gewichtung Schul-IT OWL Hoster Agentur
Datenschutz 35 % 3 2 1
Kosten 25 % 2 3 1
Betreuungsaufwand für die Schule 20 % 2 1 3
Verfügbarkeit 20 % 2 3 1
gewichtete Summe 100 % 2,35 2,25 1,40
Rang 1 2 3

Rechnung Schul-IT OWL: 0{,}35 \cdot 3 + 0{,}25 \cdot 2 + 0{,}20 \cdot 2 + 0{,}20 \cdot 2 = 1{,}05 + 0{,}50 + 0{,}40 + 0{,}40 = 2{,}35; Hoster: 0{,}70 + 0{,}75 + 0{,}20 + 0{,}60 = 2{,}25; Agentur: 0{,}35 + 0{,}25 + 0{,}60 + 0{,}20 = 1{,}40.

Fehlende Punkte 2 Punkte (je 0,5), gewichtete Summen 3 Punkte, Rangfolge 1 Punkt.

e) Begründe eine Entscheidung für eine der Möglichkeiten unter Berücksichtigung der Anforderungen an die App. (2 Punkte)

Z. B.: Das Team entscheidet sich für die VM bei der Schul-IT OWL. Sie liegt in der Nutzwertanalyse vorn und schneidet beim wichtigsten Kriterium Datenschutz am besten ab: Die Daten der Schüler*innen, darunter Minderjährige, bleiben bei einer Einrichtung des Schulträgers, und das Schulkonto für die Anmeldung ist dort ohnehin angebunden. (Entscheidung 1 Punkt, Begründung mit Bezug zur Situation 1 Punkt)

f) Andrea Wolf merkt an: „2,35 gegen 2,25 – das ist doch fast gleich.“ Nenne einen Kritikpunkt an der Nutzwertanalyse, der hier zutrifft. (2 Punkte)

Z. B. Scheingenauigkeit: Die Zahlen wirken eindeutig, obwohl schon ein einziger anders vergebener Punkt oder eine leicht geänderte Gewichtung die Reihenfolge umdrehen kann. Ebenso richtig: Subjektivität der Gewichte und Punkte; Rangpunkte (1 bis 3) zeigen nicht, wie groß die Unterschiede zwischen den Alternativen tatsächlich sind. (2 Punkte)

Aufgabe 2.1: Handscanner für das digitale Lager eines Fahrradherstellers auswählen (Kernkompetenz)

(ca. 33 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r der Fachinformatik für Anwendungsentwicklung bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld-Sennestadt. Im Projekt „Lager 4.0“ bekommen alle Lagerplätze und Artikel Barcode-Etiketten; Wareneingang, Entnahme und Inventur sollen künftig mit Handscannern gebucht werden. Die Lagersoftware stammt von der Teuto Logistik-IT GmbH und bringt eine App für Android mit. Projektleiter Cem Sarıkaya hat Dich und Deinen Mit-Azubi Jonas beauftragt, für die fünf Beschäftigten im Lager eine passende Gerätelösung auszuwählen. Vier Möglichkeiten sind im Gespräch:

  • MDE-Gerät: robuster Android-Handscanner mit eingebautem Barcodeleser und wechselbarem Akku (mobiles Datenerfassungsgerät),

  • Tablet mit Ringscanner: Android-Tablet in einer Schutzhülle, dazu ein Bluetooth-Scanner, der wie ein Ring am Finger getragen wird,

  • Smartphone mit Kamera-Scan: Android-Smartphone in einer Schutzhülle, gescannt wird mit der Kamera,

  • LagerFlex: Mietscanner eines Anbieters auf Basis von iPhones mit eigener Scan-App, Akkulaufzeit laut Datenblatt 6 Stunden.

Cem Sarıkaya hat vier Mindestanforderungen festgelegt: Die Android-App der Lagersoftware muss laufen, das Gerät muss mindestens die Schutzart IP54 haben (Staub und Spritzwasser in der Werkstatt), der Akku muss eine Schicht von 8 Stunden durchhalten, und das Gerät muss GTIN-13-Barcodes und die Lagerplatz-Etiketten lesen.

a) Erläutere, was ein K.O.-Kriterium ist, und begründe, warum LagerFlex nicht in die Nutzwertanalyse aufgenommen wird. (3 Punkte)

  • K.O.-Kriterium (1 Punkt): eine Mindestanforderung, die jede Alternative zwingend erfüllen muss. Wird sie verletzt, scheidet die Alternative aus, egal wie gut sie bei anderen Kriterien abschneiden würde. K.O.-Kriterien werden vor der Bewertung geprüft, damit eine Schwäche nicht durch gute Punkte an anderer Stelle ausgeglichen wird.

  • LagerFlex (2 Punkte, je verletzter Mindestanforderung 1 Punkt): Auf iPhones läuft die Android-App der Lagersoftware nicht, und ein Akku mit 6 Stunden Laufzeit hält keine 8-Stunden-Schicht durch. LagerFlex kommt deshalb nicht in Frage, auch wenn die Miete für eine Firma ohne eigene Geräteverwaltung bequem wäre.

Für das Kriterium „laufende Kosten“ (alle fünf Geräte zusammen) habt ihr folgende Umrechnungsregel vereinbart:

Umrechnungsregel für das Kriterium „laufende Kosten“
laufende Kosten pro Monat bis 30 € bis 50 € bis 70 € bis 100 € über 100 €
Erfüllungsgrad E 5 4 3 2 1

Für die Tablet-Lösung hat Jonas 61,20 € pro Monat ermittelt, für die Smartphone-Lösung 27,90 € pro Monat. Für die MDE-Geräte liegt ein Angebot vor:

  • 5 MDE-Geräte zu je 690 € netto, 5 % Mengenrabatt, Nutzungsdauer vier Jahre,

  • 5 Ersatzakkus zu je 39 € netto, ebenfalls über vier Jahre genutzt,

  • Lizenz für die Geräteverwaltung (Mobile Device Management): 4,50 € je Gerät und Monat.

b) Berechne die laufenden Kosten pro Monat für die MDE-Lösung und ermittle mit der Umrechnungsregel den Erfüllungsgrad für das Kriterium „laufende Kosten“. Gib den Rechenweg an. (5 Punkte)

Geg.: n = 5 Geräte, Preis p = 690\,\text{€}, Rabatt r = 5\,\%, Akku a = 39\,\text{€}, Nutzungsdauer t = 48 Monate, Lizenz l = 4{,}50\,\text{€} je Gerät und Monat

Ges.: laufende Kosten K_M pro Monat, Erfüllungsgrad E

Die Anschaffungen werden gleichmäßig auf die Nutzungsdauer verteilt:

K_M = \frac{n \cdot p \cdot (1 - r)}{t} + \frac{n \cdot a}{t} + n \cdot l

K_M = \frac{5 \cdot 690\,\text{€} \cdot 0{,}95}{48} + \frac{5 \cdot 39\,\text{€}}{48} + 5 \cdot 4{,}50\,\text{€} = 68{,}28\,\text{€} + 4{,}06\,\text{€} + 22{,}50\,\text{€} = \frac{3035}{32}\,\text{€} \approx \underline{\underline{94{,}84\,\text{€}}}

Die MDE-Lösung kostet also rund 94,84 € pro Monat. Das liegt über 70 € und höchstens bei 100 €, der Erfüllungsgrad ist E = 2.

Bewertung: Geräte mit Rabatt je Monat 2 Punkte, Akkus je Monat 1 Punkt, Lizenzen 1 Punkt, Summe und Erfüllungsgrad 1 Punkt (Folgefehler berücksichtigen). Wer den Rabatt auch auf die Akkus anwendet, kommt auf rund 94,64 € und ebenfalls auf E = 2.

Ihr habt die Nutzwertanalyse in einer Tabellenkalkulation begonnen (Bewertung 1 = sehr schlecht bis 5 = sehr gut, N = G · E):

Nutzwertanalyse für die Handscanner (unvollständig)
Zeile A: Kriterium B: G C: MDE E D: MDE N E: Tablet E F: Tablet N G: Smartph. E H: Smartph. N
4 Lesegeschwindigkeit und Lesesicherheit 25 5 125 4 2
5 Robustheit (Stürze, Kälte im Lager) 20 5 3 60 2
6 laufende Kosten 15 aus b) 3 5 75
7 Ergonomie bei ganztägiger Nutzung 15 4 3 4
8 Akku (Laufzeit, Wechsel im Betrieb) 5 3 45 2
9 Bedienbarkeit für die Beschäftigten 10 4 40 3 5
10 Summe 100

c) Vervollständige die Nutzwertanalyse, gib die Rangfolge der drei Alternativen an und entscheide, welche Lösung CSB-Rad beschaffen soll. Falls Du b) nicht lösen konntest, rechne bei der MDE-Lösung mit E = 2. (8 Punkte)

Die fehlende Gewichtung in B8 ergibt sich aus der Summe 100: 100 - 25 - 20 - 15 - 15 - 10 = 15.

Kriterium G MDE E MDE N Tablet E Tablet N Smartph. E Smartph. N
Lesegeschwindigkeit und Lesesicherheit 25 5 125 4 100 2 50
Robustheit (Stürze, Kälte im Lager) 20 5 100 3 60 2 40
laufende Kosten 15 2 30 3 45 5 75
Ergonomie bei ganztägiger Nutzung 15 4 60 3 45 4 60
Akku (Laufzeit, Wechsel im Betrieb) 15 5 75 3 45 2 30
Bedienbarkeit für die Beschäftigten 10 4 40 3 30 5 50
Summe 100 430 325 305

Rangfolge: 1. MDE-Gerät (430), 2. Tablet mit Ringscanner (325), 3. Smartphone mit Kamera-Scan (305).

Entscheidung: CSB-Rad beschafft die MDE-Geräte. Sie sind zwar am teuersten, erfüllen aber die wichtigsten Kriterien Lesegeschwindigkeit, Robustheit und Akku am besten; gerade bei Inventur und Wareneingang mit vielen Scans in Folge zählt das mehr als die Kostenersparnis.

Bewertung: Gewichtung B8 1 Punkt, Teilnutzwerte 4 Punkte (je drei richtige Werte 1 Punkt), Summen 1 Punkt, Rangfolge 1 Punkt, Entscheidung mit Begründung 1 Punkt. Folgefehler aus b) sind zu berücksichtigen.

d) Gib die Formel an, mit der in Zelle D4 der Teilnutzwert berechnet wird. Die Formel soll sich ohne Änderung nach F4 und H4 sowie in die Zeilen 5 bis 9 kopieren lassen. Gib außerdem eine Formel für B11 an, die „ok“ anzeigt, wenn die Gewichte in B4 bis B9 zusammen 100 ergeben, und sonst „Gewichte prüfen“. (3 Punkte)

  • D4: =$B4*C4 (2 Punkte). Das Dollarzeichen fixiert die Spalte B der Gewichtung; beim Kopieren nach F4 entsteht =$B4*E4, nach H4 =$B4*G4, nach unten =$B5*C5 usw. Die Zeile darf nicht fixiert werden, weil jede Zeile ihre eigene Gewichtung hat. Mit $B$4 klappt nur das Kopieren nach rechts (1 Punkt), mit B4 wird in F4 daraus D4 (0 Punkte).

  • B11: =WENN(SUMME(B4:B9)=100;"ok";"Gewichte prüfen") (1 Punkt).

Jonas hatte zuerst einen eigenen Entwurf erstellt. Darin hatte er die laufenden Kosten nach Platzierung bewertet: Smartphone 1 („Platz 1, am günstigsten“), Tablet 2, MDE-Gerät 3. Außerdem hatte er die Erfüllungsgrade jeder Alternative ohne Gewichtung addiert und notiert: „MDE 26 Punkte, Tablet 18, Smartphone 16 – das MDE-Gerät gewinnt haushoch.“

e) Beschreibe die beiden Fehler in Jonas’ Entwurf und ihre Auswirkungen. Gib an, wie die Kostenzeile richtig lauten muss, wenn ihr statt der Umrechnungsregel Rangpunkte vergebt. (5 Punkte)

  • Fehler 1: Skala in falscher Richtung (2 Punkte). In der Nutzwertanalyse bedeuten mehr Punkte immer „besser erfüllt“. Jonas hat der günstigsten Lösung den kleinsten Wert gegeben. Dadurch wird das teure MDE-Gerät beim Kostenkriterium belohnt und das günstige Smartphone bestraft: Gewichtet käme das MDE-Gerät auf 445 statt 430, das Smartphone nur auf 245 statt 305. Hier ändert sich die Entscheidung nicht, der Vorsprung wird aber stark übertrieben; bei knapperen Ergebnissen kann so ein Fehler die Entscheidung umdrehen.

  • Fehler 2: ungewichtete Summe (2 Punkte). Die Summe der Erfüllungsgrade ohne Gewichtung berücksichtigt nicht, dass die Kriterien unterschiedlich wichtig sind; die Lesegeschwindigkeit (25) zählt dort genauso viel wie die Bedienbarkeit (10). Sie trägt nichts zur Entscheidung bei und kann sogar eine falsche Reihenfolge zeigen: In der richtigen Tabelle hätte das Smartphone ungewichtet 20 Punkte und das Tablet 19, gewichtet liegt aber das Tablet vorn (325 zu 305).

  • Rangpunkte (1 Punkt): Bei drei Alternativen bekommt die günstigste 3 Punkte, die teuerste 1 Punkt: Smartphone 3, Tablet 2, MDE-Gerät 1. Jeder Wert wird nur einmal vergeben.

Der Betriebsrat möchte, dass die Nutzwertanalyse auch für spätere Beschaffungen (zum Beispiel weitere Geräte für die Werkstatt) genutzt wird. Dafür sollen zwei weitere Kriterien aufgenommen werden.

f) Ergänze die Nutzwertanalyse um ein weiteres quantitatives und ein weiteres qualitatives Kriterium. Begründe jeweils, warum das Kriterium für das Lager von CSB-Rad wichtig ist, schlage eine Gewichtung vor und beschreibe, wie Du die übrigen Gewichte anpasst. (4 Punkte)

Je Kriterium 1 Punkt für ein passendes Kriterium mit Begründung (quantitativ und qualitativ müssen richtig zugeordnet sein), 2 Punkte für Gewichtung und Anpassung. Beispiele:

  • quantitativ: Gewicht des Geräts in Gramm (es wird die ganze Schicht getragen), Garantiedauer in Monaten, Lieferzeit in Wochen (Start von „Lager 4.0“), Lesereichweite in Metern (Etiketten in den oberen Regalebenen), Energieverbrauch beim Laden.

  • qualitativ: Akzeptanz bei den Beschäftigten (im Lager gibt es Sorgen vor Veränderungen; der Betriebsrat ist beteiligt), Service und Ersatzgerät des Lieferanten, Zukunftssicherheit (Updates für das Betriebssystem), Datenschutz (Geräte sollen keine Leistungskontrolle ermöglichen).

  • Gewichtung: zum Beispiel je 10 für die neuen Kriterien. Damit die Summe 100 bleibt, müssen die bisherigen Gewichte zusammen um 20 sinken, etwa Lesegeschwindigkeit 25 → 20, Robustheit 20 → 15, Ergonomie 15 → 10 und Bedienbarkeit 10 → 5. Alternativ werden alle bisherigen Gewichte mit dem Faktor 0,8 verkleinert. Die Gewichte werden festgelegt, bevor die Alternativen in den neuen Kriterien bewertet werden.

Bastian Ludwig, der den Einkauf verantwortet, hält die Gewichtung für falsch: Die Kosten seien „das Wichtigste“, Lesegeschwindigkeit und Robustheit dagegen überbewertet.

g) Nenne zwei Kritikpunkte an der Nutzwertanalyse. Prüfe anschließend, ob sich die Entscheidung aus c) ändert, wenn die laufenden Kosten mit 35, die Lesegeschwindigkeit mit 15 und die Robustheit mit 10 gewichtet werden (alle anderen Werte bleiben). (5 Punkte)

Kritikpunkte (2 Punkte, je 1 Punkt), zum Beispiel:

  • Gewichtung und Bewertung sind subjektiv; wer ein bestimmtes Ergebnis möchte, kann es über die Gewichte beeinflussen (genau das zeigt der Einwand).

  • Scheingenauigkeit: Die Punktzahlen wirken exakt, beruhen aber auf Schätzungen.

  • Schwächen bei einem Kriterium werden durch Stärken bei anderen ausgeglichen.

  • Kriterien können voneinander abhängig sein und dadurch doppelt zählen (z. B. Robustheit und Kosten für Ersatzgeräte).

Sensitivitätsprüfung (3 Punkte): Die Summe der Gewichte bleibt 100 (15 + 10 + 35 + 15 + 15 + 10).

Nutzwerte mit geänderter Gewichtung
Alternative Rechnung Nutzwert
MDE-Gerät 15·5 + 10·5 + 35·2 + 15·4 + 15·5 + 10·4 = 75 + 50 + 70 + 60 + 75 + 40 370
Tablet mit Ringscanner 15·4 + 10·3 + 35·3 + 15·3 + 15·3 + 10·3 = 60 + 30 + 105 + 45 + 45 + 30 315
Smartphone mit Kamera-Scan 15·2 + 10·2 + 35·5 + 15·4 + 15·2 + 10·5 = 30 + 20 + 175 + 60 + 30 + 50 365

Das MDE-Gerät liegt auch dann vorn, aber nur noch mit 5 Punkten Vorsprung vor dem Smartphone; die Reihenfolge auf den Plätzen 2 und 3 dreht sich. Die Entscheidung hängt also stark davon ab, wie wichtig die Kosten genommen werden. Das solltet ihr in der Empfehlung offen ansprechen und die Gewichtung mit Cem Sarıkaya und Bastian Ludwig gemeinsam festlegen, bevor bewertet wird.

Bewertung: zwei Nutzwerte richtig 1 Punkt, alle drei 2 Punkte, Schlussfolgerung 1 Punkt.

h) Uwe Brinkmann, stellvertretender Lagerleiter, sagt in der Projektbesprechung: „Wozu neue Geräte? Wir haben doch alle ein Smartphone in der Tasche – eine Scan-App darauf reicht völlig.“ Nimm Stellung zu diesem Vorschlag. (3 Punkte)

Erwartet wird eine begründete Stellungnahme mit Bezug zur Situation (1 Punkt Position, 2 Punkte Begründung), zum Beispiel:

Der Vorschlag spart auf den ersten Blick Geld, ist aber nicht empfehlenswert. Private Smartphones erfüllen die Mindestanforderungen nicht sicher (Schutzart, Akku für eine ganze Schicht, Android-Version für die Lager-App), und schon die firmeneigene Smartphone-Lösung schneidet in der Nutzwertanalyse bei Lesegeschwindigkeit, Robustheit und Akku am schlechtesten ab. Hinzu kommen Probleme mit privaten Geräten: Die Firma kann sie nicht zentral verwalten und absichern, Firmendaten lägen auf Privatgeräten, Beschäftigte ohne passendes Smartphone wären benachteiligt, und bei Schäden ist unklar, wer zahlt. Außerdem müsste der Betriebsrat einer solchen Regelung zustimmen. Firmeneigene Geräte sind deshalb die bessere Lösung; welche, entscheidet die Nutzwertanalyse.

Aufgabe 2.2: Den Chat selbst bauen, entwickeln lassen oder einkaufen? (Kernkompetenz)

(ca. 33 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r der Fachinformatik für Anwendungsentwicklung bei der Let’s Meet GmbH in Bielefeld. Die App „Let’s Meet“ bringt Menschen ab 16 Jahren für gemeinsame Freizeitaktivitäten zusammen; derzeit sind monatlich rund 18.200 Konten aktiv. Geschäftsführerin Clara Neumann möchte einen Chat einführen, in dem sich die Teilnehmenden einer Aktivität absprechen können. Für Minderjährige gilt dabei eine feste Regel: Sie dürfen nur mit Teilnehmenden gemeinsamer Aktivitäten schreiben. Das neunköpfige Entwicklungsteam von Yusuf Demir baut gerade das Backend neu auf. Drei Möglichkeiten stehen zur Wahl:

Angaben zu den drei Möglichkeiten (interner Stundensatz: 80 €)
A: Eigenentwicklung B: Fremdvergabe an die Sparrenapps GmbH C: Chat-Dienst „ChatWerk“ (SaaS)
einmalig Entwicklung 960 Stunden Festpreis 64.000 €, interne Abstimmung und Abnahme 80 Stunden Einbindung in die App 120 Stunden
laufend Wartung und Weiterentwicklung 20 Stunden pro Monat, Server 150 € pro Monat Wartungsvertrag 900 € pro Monat, Server 150 € pro Monat Grundgebühr 200 € pro Monat und 0,12 € je monatlich aktivem Konto (MAU)
Sonstiges Code und Know-how im eigenen Team Agentur in Bielefeld, Code geht nach Abnahme an Let’s Meet über Rechenzentrum in Frankfurt am Main, Regeln für Minderjährige über Einstellungen und Schnittstelle umsetzbar

a) Nenne vier Kostenarten, die bei der Eigenentwicklung (A) anfallen, mit je einem konkreten Beispiel. (4 Punkte)

Je Kostenart mit passendem Beispiel 1 Punkt, zum Beispiel:

  • Personalkosten: 960 Entwicklungsstunden und 20 Wartungsstunden pro Monat des eigenen Teams (Stundensatz 80 €).

  • Kommunikations- bzw. Betriebskosten (Hosting): Server für den Chat, 150 € pro Monat.

  • Softwarekosten: Lizenzen für Bibliotheken oder Werkzeuge, etwa für Push-Benachrichtigungen oder einen Inhaltsfilter gegen Beleidigungen.

  • Hardwarekosten: zusätzliche Testgeräte für Chat-Tests auf verschiedenen Smartphones.

  • Qualifizierungskosten: Schulung des Teams zu Echtzeitkommunikation (z. B. WebSockets) und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

  • Kosten für externe Dienstleistungen: Sicherheitstest (Penetrationstest) des Chats vor dem Start.

b) Ordne die folgenden Kostenposten in der Tabelle zu, indem Du jeweils ankreuzt. „Fix“ und „variabel“ beziehen sich auf die Zahl der monatlich aktiven Konten. (4 Punkte)

Kostenposten zuordnen
Kostenposten einmalig laufend fix variabel
960 Entwicklungsstunden (A)
Server 150 € pro Monat (A)
0,12 € je monatlich aktivem Konto (C)
Einbindung 120 Stunden (C)
Kostenposten einmalig laufend fix variabel
960 Entwicklungsstunden (A) X X
Server 150 € pro Monat (A) X X
0,12 € je monatlich aktivem Konto (C) X X
Einbindung 120 Stunden (C) X X

Je richtig ausgefüllter Zeile 1 Punkt. Hinweis: Der Server ist fix, solange er für die erwartete Nutzung reicht; bei starkem Wachstum braucht es mehr Server (sprungfixe Kosten).

c) Nenne je zwei Vor- und zwei Nachteile, wenn Let’s Meet die Entwicklung des Chats an die Sparrenapps GmbH vergibt (B). (4 Punkte)

Je Nennung 1 Punkt, zum Beispiel:

Vorteile:

  • bessere Kostenkontrolle durch den Festpreis von 64.000 €,

  • das eigene Team bleibt für den Neuaufbau des Backends frei (geringe Bindung interner Ressourcen),

  • Erfahrung der Agentur mit Chat-Anwendungen, dadurch eventuell schneller fertig,

  • das Risiko von Verzögerungen liegt teilweise bei der Agentur (vereinbarte Termine, Gewährleistung).

Nachteile:

  • Abhängigkeit von der Agentur bei Wartung und Weiterentwicklung (Wartungsvertrag),

  • das Wissen über den Chat entsteht bei der Agentur, nicht im eigenen Team,

  • die Regeln für Minderjährige und die internen Abläufe (Meldungen, Sperren) müssen der Agentur aufwendig erklärt werden,

  • sicherheitsrelevante Informationen (Schnittstellen, Testdaten, Datenschutzkonzept) gelangen an ein fremdes Unternehmen,

  • höherer Abstimmungsaufwand (80 Stunden, Abnahmen).

d) Erläutere den Unterschied zwischen der Fremdvergabe (B) und dem Fremdbezug eines Dienstes (C). Nenne außerdem einen Vorteil und zwei Risiken des Chat-Dienstes ChatWerk gegenüber einem Betrieb auf eigenen Servern, eines davon mit Bezug zum Datenschutz. (5 Punkte)

Unterschied (2 Punkte): Bei der Fremdvergabe entwickelt ein externes Unternehmen eine individuelle Lösung nach den Anforderungen von Let’s Meet; nach der Abnahme gehört der Code Let’s Meet, und der Chat läuft auf eigenen Servern. Beim Fremdbezug nutzt Let’s Meet einen fertigen Dienst, den der Anbieter für viele Kund*innen betreibt; Let’s Meet passt ihn nur über Einstellungen und die Schnittstelle an und bezahlt laufend für die Nutzung.

Vorteil (1 Punkt), zum Beispiel: geringe Anfangskosten und schnell verfügbar; der Anbieter kümmert sich um Betrieb, Updates, Skalierung und Datensicherung; die Kosten wachsen mit der Nutzung.

Risiken (2 Punkte), zum Beispiel:

  • Datenschutz: Chatnachrichten, auch von Minderjährigen, werden beim Anbieter verarbeitet. Let’s Meet bleibt verantwortlich und braucht einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO; es muss geprüft werden, wer Zugriff hat und ob Unterauftragnehmer außerhalb der EU beteiligt sind.

  • Abhängigkeit: Preiserhöhungen, geänderte Funktionen oder eine Kündigung durch den Anbieter treffen eine Kernfunktion der App; ein Wechsel ist nur möglich, wenn die Chatdaten exportiert werden können.

  • Verfügbarkeit: Fällt ChatWerk aus, steht der Chat für alle still, ohne dass das eigene Team eingreifen kann.

  • Anpassbarkeit: Eigene Regeln (Chat nur mit Teilnehmenden gemeinsamer Aktivitäten, Meldefunktion) lassen sich nur umsetzen, soweit der Dienst sie unterstützt.

e) Berechne die Kosten der drei Möglichkeiten für einen Zeitraum von drei Jahren, wenn im Durchschnitt 18.200 Konten monatlich aktiv sind. Gib an, welche Möglichkeit am günstigsten ist. (6 Punkte)

Geg.: Stundensatz s = 80\,\text{€}/\mathrm{h}, Zeitraum t = 36 Monate, x = 18.200 monatlich aktive Konten; übrige Werte laut Tabelle

Ges.: Gesamtkosten K_A, K_B, K_C über drei Jahre

Gesamtkosten = einmalige Kosten + Monate · laufende Kosten pro Monat:

K_A = 960\,\mathrm{h} \cdot 80\,\text{€}/\mathrm{h} + 36 \cdot (20\,\mathrm{h} \cdot 80\,\text{€}/\mathrm{h} + 150\,\text{€}) = 76.800\,\text{€} + 36 \cdot 1.750\,\text{€} = \underline{\underline{139.800{,}00\,\text{€}}}

K_B = 64.000\,\text{€} + 80\,\mathrm{h} \cdot 80\,\text{€}/\mathrm{h} + 36 \cdot (900\,\text{€} + 150\,\text{€}) = 70.400\,\text{€} + 37.800\,\text{€} = \underline{\underline{108.200{,}00\,\text{€}}}

K_C = 120\,\mathrm{h} \cdot 80\,\text{€}/\mathrm{h} + 36 \cdot (200\,\text{€} + 0{,}12\,\text{€} \cdot 18.200) = 9.600\,\text{€} + 36 \cdot 2.384\,\text{€} = \underline{\underline{95.424{,}00\,\text{€}}}

Bei der heutigen Nutzung ist der Chat-Dienst ChatWerk (C) am günstigsten, vor der Fremdvergabe (B) und der Eigenentwicklung (A).

Bewertung: je Möglichkeit 2 Punkte (1 Punkt einmalige, 1 Punkt laufende Kosten), Folgefehler berücksichtigen. Häufiger Fehler: die internen Stunden bei B und C vergessen oder die Wartungsstunden nicht mit dem Stundensatz bewerten.

f) Clara Neumann rechnet mit weiterem Wachstum. Berechne, ab wie vielen monatlich aktiven Konten (Durchschnitt über die drei Jahre) die Eigenentwicklung (A) günstiger ist als der Chat-Dienst (C). (5 Punkte)

Geg.: K_A = 139.800\,\text{€} (unabhängig von der Zahl der Konten), bei C einmalig 9.600\,\text{€}, Grundgebühr 200\,\text{€} und 0{,}12\,\text{€} je Konto und Monat, t = 36 Monate

Ges.: kritische Menge x (monatlich aktive Konten)

\text{I:} \quad K_A = 139.800\,\text{€} \qquad \text{II:} \quad K_C = 9.600\,\text{€} + 36 \cdot 200\,\text{€} + 36 \cdot 0{,}12\,\text{€} \cdot x = 16.800\,\text{€} + 4{,}32\,\text{€} \cdot x

I = II:

139.800\,\text{€} = 16.800\,\text{€} + 4{,}32\,\text{€} \cdot x \quad | - 16.800\,\text{€}

123.000\,\text{€} = 4{,}32\,\text{€} \cdot x \quad | : 4{,}32\,\text{€}

x = \frac{123.000\,\text{€}}{4{,}32\,\text{€}} = \frac{256250}{9} \approx \underline{\underline{28.472{,}2}}

Ab durchschnittlich 28.473 monatlich aktiven Konten ist die Eigenentwicklung über drei Jahre günstiger als ChatWerk. Das sind gut 10.000 mehr als heute.

Kosten über drei Jahre: Eigenentwicklung A waagerecht bei 139.800 €, ChatWerk C als Gerade 16.800 € + 4,32 € je Konto; Schnittpunkt bei rund 28.473 Konten, heute 18.200 Konten mit 95.424 €, erwartet 30.000 Konten mit 146.400 € (mit KI erstellt)

Bewertung: Kostenfunktionen aufstellen 2 Punkte, Gleichsetzen und Umformen 2 Punkte, Ergebnis mit sinnvoller Rundung (aufrunden auf ganze Konten) 1 Punkt.

g) Clara Neumann erwartet ab dem Start des Chats dauerhaft 30.000 monatlich aktive Konten. Berechne, nach wie vielen Monaten sich die höheren einmaligen Kosten der Eigenentwicklung (A) gegenüber ChatWerk (C) durch die niedrigeren laufenden Kosten amortisiert haben. (4 Punkte)

Geg.: einmalig A 76.800\,\text{€}, C 9.600\,\text{€}; laufend A 1.750\,\text{€} pro Monat, C 200\,\text{€} + 0{,}12\,\text{€} \cdot 30.000 = 3.800\,\text{€} pro Monat

Ges.: Amortisationsdauer t_A

Mehrkosten der Eigenentwicklung: \Delta K = 76.800\,\text{€} - 9.600\,\text{€} = 67.200\,\text{€}

Einsparung pro Monat: E_M = 3.800\,\text{€} - 1.750\,\text{€} = 2.050\,\text{€}

t_A = \frac{\Delta K}{E_M} = \frac{67.200\,\text{€}}{2.050\,\text{€}/\text{Monat}} = \frac{1344}{41}\,\text{Monate} \approx \underline{\underline{32{,}8\,\text{Monate}}}

Nach 33 Monaten hat sich die Eigenentwicklung bei 30.000 aktiven Konten amortisiert, also kurz vor Ende des Dreijahreszeitraums. Das passt zu f): 30.000 liegt nur knapp über der kritischen Menge von 28.473.

Bewertung: Mehrkosten 1 Punkt, laufende Kosten von C bei 30.000 Konten 1 Punkt, Einsparung 1 Punkt, Amortisationsdauer gerundet 1 Punkt.

h) Yusuf Demir möchte den Chat selbst entwickeln: „Der Chat wird eine Kernfunktion, das Wissen gehört ins eigene Team.“ Clara Neumann möchte ChatWerk buchen, weil es am günstigsten ist. Nimm Stellung und gib eine begründete Empfehlung. Berücksichtige dabei neben den Kosten mindestens zwei weitere Gesichtspunkte. (4 Punkte)

Erwartet wird eine Empfehlung (1 Punkt) mit Begründung aus Kosten und mindestens zwei weiteren Gesichtspunkten (3 Punkte). Beide Empfehlungen sind möglich, zum Beispiel:

Empfehlung ChatWerk, mit Ausstiegsoption: Bei 18.200 aktiven Konten ist ChatWerk über drei Jahre rund 44.000 € günstiger als die Eigenentwicklung, und erst ab etwa 28.500 Konten dreht sich das. Das Team ist mit dem Backend ausgelastet; 960 Stunden entsprechen etwa einem halben Personenjahr, das beim Neuaufbau fehlen würde. ChatWerk ist schnell verfügbar und läuft in einem deutschen Rechenzentrum; die Regel für Minderjährige lässt sich laut Angebot umsetzen. Vor Vertragsschluss sind ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung, ein vollständiger Export der Chatdaten bei Kündigung und eine kurze Kündigungsfrist zu vereinbaren. Wächst Let’s Meet wie erwartet, kann das Team den Chat später selbst entwickeln, wenn das Backend fertig ist; die Kostengrenze aus f) ist dafür ein guter Prüfpunkt.

Empfehlung Eigenentwicklung: Der Chat berührt den Kern des Geschäfts und den Schutz Minderjähriger, also das Vertrauen der Nutzenden („Niemand soll sich bei einem Treffen unsicher fühlen“). Mit eigener Entwicklung bleiben Daten und Regeln vollständig in der Hand von Let’s Meet, es entsteht keine Abhängigkeit, und bei dem erwarteten Wachstum auf 30.000 Konten hat sich die Lösung nach rund 33 Monaten amortisiert. Dafür muss der Start des Chats nach hinten geschoben werden, bis das Backend fertig ist.

Nicht ausreichend ist eine Begründung allein mit dem Preis.

Aufgabe 2.3: Einen Dienstleister für den Showroom auswählen (Kernkompetenz)

(ca. 29 min Bearbeitungszeit)

Die CSB-Rad GmbH eröffnet 2027 einen Showroom in der Bielefelder Innenstadt mit Kassensystem, Beratungs-Tablets, einer Kamera am Eingang und Gäste-WLAN. Die eigene IT besteht nur aus Cem Sarıkaya und Dir als Auszubildender*m. Deshalb soll ein IT-Dienstleister die Betreuung der Technik im Showroom übernehmen. Zwei Angebote liegen vor: von der Obersee IT-Service GmbH aus Bielefeld und vom Lutterkolk Systemhaus KG aus Detmold.

a) Für die Nutzwertanalyse hat die Geschäftsführung fünf Kriterien paarweise verglichen; die Werte oberhalb der Diagonale sind abgestimmt und stimmen (2 = Zeilenkriterium ist wichtiger, 1 = gleich wichtig, 0 = weniger wichtig). Cem hat den Rest der Matrix ergänzt und daraus die Gewichte abgeleitet. Weise mit einer Kontrollrechnung nach, dass seine Matrix Fehler enthält, benenne die beiden falschen Einträge und gib Punkte, Rang und Gewichtung richtig an. (6 Punkte)

Cems Präferenzmatrix für die Auswahl des Dienstleisters
Reaktionszeit Preis Erfahrung mit Kassensystemen Dokumentation und Übergabe Nähe zum Showroom Punkte Gewichtung
Reaktionszeit – 1 2 2 2 7 33 %
Preis 1 – 1 1 2 5 24 %
Erfahrung mit Kassensystemen 2 1 – 1 2 6 29 %
Dokumentation und Übergabe 0 1 1 – 1 3 14 %
Nähe zum Showroom 0 0 0 0 – 0 0 %
Summe 21 100 %

Kontrollrechnung (1 Punkt): Fünf Kriterien bilden \frac{5 \cdot 4}{2} = 10 Paare, jedes Paar verteilt genau 2 Punkte. Die Summe muss also 20 sein, Cem kommt auf 21. Dass seine Gewichte zusammen 100 % ergeben, beweist nichts: Sie sind ja aus seiner falschen Summe berechnet.

Falsche Einträge (je 1 Punkt):

  • Zeile „Erfahrung mit Kassensystemen“, Spalte „Reaktionszeit“: Dort steht 2, der Gegenwert zur 2 oberhalb der Diagonale ist aber 0.

  • Zeile „Nähe zum Showroom“, Spalte „Dokumentation und Übergabe“: Dort steht 0, oberhalb der Diagonale steht 1 (gleich wichtig), der Gegenwert ist also 1.

Korrektur (3 Punkte: Punkte, Rang, Gewichtung je 1 Punkt):

Kriterium Punkte Rang Gewichtung
Reaktionszeit 7 1 35 %
Preis 5 2 25 %
Erfahrung mit Kassensystemen 4 3 20 %
Dokumentation und Übergabe 3 4 15 %
Nähe zum Showroom 1 5 5 %
Summe 20 100 %

Rechnung: \frac{7}{20} \cdot 100\,\% = 35\,\% usw. Ein Kriterium mit 0 Punkten (wie bei Cem die Nähe) fiele ganz aus der Bewertung – ein Warnzeichen, das zur Kontrolle hätte führen sollen.

b) In Cems Entscheidungsvorlage steht: „Mit der Präferenzmatrix sind die Gewichte objektiv ermittelt.“ Nimm Stellung zu dieser Aussage und gib dabei auch an, was trotzdem für die Methode spricht. (3 Punkte)

  • Die Aussage stimmt nicht (2 Punkte): Jeder einzelne Vergleich ist eine Einschätzung der Geschäftsführung. Hätte sie Preis und Reaktionszeit anders eingestuft, sähen alle Gewichte anders aus. Die Matrix rechnet nur sauber weiter, was vorher subjektiv entschieden wurde; außerdem kann sie wie in a) Übertragungsfehler enthalten.

  • Was dafür spricht (1 Punkt), z. B.: Statt fünf Gewichte auf einmal festzulegen, muss nur jeweils zwischen zwei Kriterien entschieden werden; die Abwägungen sind schriftlich festgehalten und lassen sich später nachvollziehen und diskutieren.

c) Sophie Bertram (Geschäftsführerin Vertrieb) fragt, warum Cem nicht einfach den günstigeren Anbieter nimmt. Beschreibe den Unterschied zwischen einem quantitativen und einem qualitativen Angebotsvergleich. (4 Punkte)

  • Quantitativ (2 Punkte): Vergleich anhand messbarer, in Geld ausgedrückter Größen, vor allem des Preises bzw. Bezugspreises; Ziel ist das finanziell günstigste Angebot.

  • Qualitativ (2 Punkte): Vergleich anhand nicht in Geld messbarer Eigenschaften wie Reaktionszeit, Erfahrung, Erreichbarkeit oder Zuverlässigkeit; Ziel ist das Angebot, das die Anforderungen inhaltlich am besten erfüllt, meist mit einer Nutzwertanalyse, in die der Preis als ein Kriterium eingeht.

d) Die Obersee IT-Service GmbH verlangt 620 € im Monat, das Lutterkolk Systemhaus 775 € im Monat. Bewertet wird auf einer Skala von 1 (erfüllt die Anforderung kaum) bis 5 (erfüllt sie voll). Beim Preis erhält das günstigere Angebot 5 Punkte, das andere 5 \cdot \frac{\text{günstigerer Preis}}{\text{eigener Preis}} Punkte, gerundet auf ganze Punkte. Ermittle die Preispunkte, berechne mit den richtigen Gewichten aus a) den Nutzwert beider Anbieter und triff eine Entscheidung. (5 Punkte)

Anbieter Reaktionszeit (35 %) Preis (25 %) Erfahrung mit Kassensystemen (20 %) Dokumentation und Übergabe (15 %) Nähe zum Showroom (5 %) Nutzwert
Obersee IT-Service 1 3 5 5
Lutterkolk Systemhaus 5 4 3 1

Preispunkte (1 Punkt): Obersee 5; Lutterkolk 5 \cdot \frac{620\,€}{775\,€} = 4{,}0 \rightarrow 4 Punkte.

Nutzwerte (je 1,5 Punkte):

  • Obersee: 0{,}35 \cdot 1 + 0{,}25 \cdot 5 + 0{,}20 \cdot 3 + 0{,}15 \cdot 5 + 0{,}05 \cdot 5 = 0{,}35 + 1{,}25 + 0{,}60 + 0{,}75 + 0{,}25 = \underline{\underline{3{,}20}}

  • Lutterkolk: 0{,}35 \cdot 5 + 0{,}25 \cdot 4 + 0{,}20 \cdot 4 + 0{,}15 \cdot 3 + 0{,}05 \cdot 1 = 1{,}75 + 1{,}00 + 0{,}80 + 0{,}45 + 0{,}05 = \underline{\underline{4{,}05}}

Entscheidung (1 Punkt): Das Lutterkolk Systemhaus wird gewählt. Es ist 155 € im Monat teurer, reagiert aber deutlich schneller und kennt sich besser mit Kassensystemen aus – und ein Kassenausfall im Showroom kostet sofort Umsatz.

e) Sophie Bertram findet, der Preis sei zu schwach gewichtet. Ermittle, um wie viele Prozentpunkte das Gewicht der Reaktionszeit zum Preis verschoben werden müsste, bis beide Anbieter gleichauf liegen, und beurteile damit, wie stabil die Entscheidung aus d) ist. (4 Punkte)

  • Ansatz (1 Punkt): Je Prozentpunkt, der von der Reaktionszeit zum Preis wandert, gewinnt Obersee (5 - 1) \cdot 0{,}01 = 0{,}04 und verliert Lutterkolk (5 - 4) \cdot 0{,}01 = 0{,}01. Der Abstand schrumpft also um 0,05 je Prozentpunkt.

  • Rechnung (1 Punkt): \frac{4{,}05 - 3{,}20}{0{,}05} = \underline{\underline{17 \text{ Prozentpunkte}}}, also Reaktionszeit 18 %, Preis 42 %.

  • Probe (1 Punkt): Obersee 0{,}18 + 2{,}10 + 0{,}60 + 0{,}75 + 0{,}25 = 3{,}88; Lutterkolk 0{,}90 + 1{,}68 + 0{,}80 + 0{,}45 + 0{,}05 = 3{,}88.

  • Beurteilung (1 Punkt): Die Entscheidung ist ziemlich stabil. Erst wenn der Preis mehr als doppelt so wichtig wäre wie die Reaktionszeit, kippt sie – das widerspricht dem abgestimmten Paarvergleich, in dem beide gleich wichtig sind. Sophies Einwand ändert das Ergebnis also nur, wenn die Geschäftsführung ihre Prioritäten grundsätzlich neu festlegt.

f) Nach dem ersten Vertragsjahr will Cem prüfen, ob der gewählte Dienstleister hält, was er zugesagt hat. Schlage drei messbare Kennzahlen dafür vor und gib jeweils an, woher Cem die Zahlen bekommt. (3 Punkte)

Je Kennzahl mit Datenquelle 1 Punkt, drei aus:

  • Durchschnittliche Zeit von der Störungsmeldung bis zum Eintreffen bzw. bis zur Lösung – aus den Zeitstempeln im Ticketsystem.

  • Anteil der Störungen, die innerhalb der vereinbarten Frist behoben wurden – Ticketsystem, abgeglichen mit den Fristen im Vertrag.

  • Stunden, in denen die Kasse im Showroom nicht nutzbar war – Protokoll des Kassensystems bzw. Ausfallliste der Filiale.

  • Zahl der Störungen, die nach einer Lösung erneut auftraten – wieder geöffnete Tickets.

  • Abweichung der Rechnungen vom vereinbarten Monatspreis – Buchhaltung.

g) Sophie Bertram befürchtet, dass sich CSB-Rad mit dem Showroom-Vertrag zu sehr vom Dienstleister abhängig macht. Beschreibe zwei Möglichkeiten, eine zu hohe Abhängigkeit zu vermeiden. (4 Punkte)

Je 2 Punkte, zwei aus:

  • Nicht alles auslagern: Einfache Aufgaben (z. B. Benutzerverwaltung der Tablets, Neustart der Kasse) erledigt die eigene IT selbst, damit Wissen und Zugänge im Haus bleiben.

  • Aufgaben auf zwei Dienstleister verteilen, z. B. Kassensystem bei einem, Netzwerk und Kamera bei einem anderen.

  • Vertrag mit überschaubarer Laufzeit, klarer Kündigungsfrist, SLA und Ausstiegsregelung (Übergabe aller Zugangsdaten, Konfigurationen und Dokumentation).

  • Offene Standards und eigene Administratorzugänge verlangen, damit ein Wechsel jederzeit möglich ist.

h) Cem hat neben dem Komplettvertrag zwei schmalere Varianten angefragt. Ordne jede Variante dem Outsourcing oder dem Outtasking zu und begründe Deine Zuordnung kurz. (3 Punkte)

  1. Lutterkolk übernimmt Kasse, Tablets, Kamera und WLAN des Showrooms einschließlich Ersatzbeschaffung und Störungsbehebung; CSB-Rad meldet nur noch Änderungswünsche.

  2. Lutterkolk spielt einmal im Monat die Updates des Kassensystems ein; alles andere betreut die eigene IT.

  3. Lutterkolk prüft einmal im Jahr die Einstellungen der Eingangskamera auf Datenschutz und schreibt einen Bericht.

Je Variante 1 Punkt:

  1. Outsourcing: Ein ganzer Aufgabenbereich geht samt Verantwortung dauerhaft an den Dienstleister; CSB-Rad steuert nur noch über Anforderungen.

  2. Outtasking: Nur eine klar abgegrenzte, wiederkehrende Tätigkeit wird vergeben; Verantwortung und übrige Betreuung bleiben bei der eigenen IT.

  3. Outtasking: Eine einzelne Prüfaufgabe wird vergeben; was aus dem Bericht folgt, entscheidet und erledigt CSB-Rad selbst.


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