Übungsaufgaben zur industriellen Kommunikation
https://bildung.social/@oerinformatik/
https://oer-informatik.de/industrielle-kommunikation-uebungsaufgaben
Automatisierungspyramide, Echtzeit, Modbus, EtherCAT, OPC UA, PubSub, MQTT, SNMP, Industrie 4.0, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 62 min, mehrere Aufgaben): Zwei Übungsaufgaben aus einer Rahmenfertigung: Du prüfst eine Vernetzungsdokumentation auf falsch zugeordnete Ebenen, entscheidest, wo drei Funktionen hingehören, stellst eine falsche Aussage zu OPC-UA-Sitzungen richtig und zählst Verbindungen mit und ohne Broker. Du wählst für fünf Kommunikationsbeziehungen das passende Protokoll und ordnest Datenströme nach ihrem Echtzeitbedarf. In der zweiten Aufgabe rechnest Du nach, warum ein EtherCAT-Zyklus mit 14 Achsen kurz bleibt, wertest Modbus-Register aus, berechnest die Abfragedauer eines RTU-Busses und korrigierst einen Firewall-Regelentwurf. Alle Beispiellösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 29.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Industrielle Kommunikation: Automatisierungspyramide, Echtzeit, Modbus, EtherCAT und OPC UA.
Hinweise zur Bearbeitung: Von FIDV wird erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1 und Aufgabe 3.2) keine Probleme bereiten. Achte auf den Operator: „Nennen“ verlangt Stichworte, „beschreiben“ und „erläutern“ ganze Sätze mit Bezug zur Situation, „begründen“ eine Entscheidung mit Argumenten, „berechnen“ einen nachvollziehbaren Rechenweg, „beurteilen“ und „bewerten“ ein begründetes Urteil. Schreib Deine Antwort zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst; andere sachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.
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Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.
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Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.
Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/industrielle-kommunikation
- https://oer-informatik.de/mqtt
- https://oer-informatik.de/vlan
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/industrielle-kommunikation-uebungsaufgaben
Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Automatisierungspyramide
- Echtzeit
- Modbus
- EtherCAT
- OPC UA
- PubSub
- MQTT
- SNMP
- Industrie 4.0
Kompetenzstufe: Profilkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Kernkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan
Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
danach frage.
Aufgabe 3.1: Eine Vernetzungsdokumentation prüfen (Profilkompetenz)
(ca. 31 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld und verbringst eine Projektwoche beim Fertigungspartner Rahmenwerk OWL GmbH in Gütersloh. Dort werden Fahrradrahmen nach Maß gebogen, in den Roboterzellen S1 und S2 geschweißt und anschließend pulverbeschichtet. Projektleiter Ole Petersen lässt die Vernetzung der Fertigung neu dokumentieren. Dein Mit-Azubi Jonas hat einen ersten Entwurf geschrieben, den Du gegenlesen sollst.
a) Jonas hat die Systeme der Halle in Ebenen eingeteilt (1 = Unternehmensebene … 5 = Feldebene). Zwei seiner Zuordnungen sind falsch. Finde sie, gib die richtige Ebene an und begründe kurz. (4 Punkte)
| Nr. | System | Jonas’ Ebene |
|---|---|---|
| 1 | Temperaturfühler im Einbrennofen | 5 |
| 2 | Robotersteuerung der Schweißzelle S2 | 4 |
| 3 | Leitstand-Software mit Anlagenbildern und Alarmliste | 2 |
| 4 | Server mes01, der Arbeitsschritte verteilt und Rückmeldungen je Rahmen sammelt |
2 |
| 5 | Warenwirtschaft mit Einkauf und Rechnungen | 1 |
| 6 | Frequenzumrichter, der den Motor des Kettenförderers antreibt | 4 |
Je Fehler 1 Punkt für das Finden, 1 Punkt für richtige Ebene mit Begründung:
- Nr. 3 gehört auf Ebene 3 (Prozessleitebene): Anlagen bildlich darstellen, beobachten und Alarme bedienen ist die Aufgabe von SCADA bzw. Leitstand; geplant wird dort nichts.
- Nr. 6 gehört auf Ebene 5 (Feldebene): Der Umrichter führt nur aus, was die SPS vorgibt, und stellt den Motor – er ist ein Antrieb bzw. Aktor, keine Steuerung.
b) In Jonas’ Entwurf fehlen drei Funktionen. Entscheide jeweils, auf welcher Ebene sie umgesetzt werden sollte, und begründe Deine Entscheidung mit der nötigen Reaktionszeit bzw. dem nötigen Überblick. (6 Punkte)
- Liegt die Temperatur im Einbrennofen länger als 20 Sekunden über dem Grenzwert, soll der Brenner sofort gedrosselt werden.
- Rahmen mit derselben Pulverfarbe sollen am Folgetag möglichst nacheinander beschichtet werden, damit die Kabine seltener gereinigt werden muss.
- Wird das Pulver in einem Vorratsbehälter knapp, soll die Schichtleitung eine Meldung auf dem Bildschirm sehen und sie bestätigen.
Je Funktion 1 Punkt Ebene, 1 Punkt Begründung:
- Steuerungsebene (SPS des Ofens): Die Reaktion muss innerhalb eines Steuerungszyklus erfolgen und betrifft nur diese eine Anlage. Ein Umweg über Leitstand oder MES würde Zeit kosten und den Ofen von der Verfügbarkeit weiterer Systeme abhängig machen.
- Betriebsleitebene (MES): Für die Reihenfolge braucht es alle offenen Aufträge mit Farbe und Termin sowie den Belegungsplan der Kabine; geplant wird für Stunden bis einen Tag im Voraus. Die SPS sieht nur den aktuellen Rahmen, das ERP kennt die Kabinenbelegung nicht.
- Prozessleitebene (Leitstand/SCADA): Anzeigen, Alarmieren und Quittieren durch Menschen ist Bedienen und Beobachten; eine Reaktion im Sekundenbereich genügt.
c) Jonas schreibt: „Die OPC-UA-Verbindung zwischen MES und SPS funktioniert wie die REST-Schnittstelle des Onlineshops: Das MES fragt jedes Mal neu, und danach weiß die SPS nichts mehr davon.“ Beurteile die Aussage und stelle richtig, was sich der OPC-UA-Server über die einzelne Anfrage hinaus merkt. (3 Punkte)
- Die Aussage ist falsch (1 Punkt): REST über HTTP ist zustandslos, OPC UA dagegen zustandshaltend.
- Richtigstellung (2 Punkte): MES und SPS bauen eine dauerhafte Verbindung mit sicherem Kanal und Sitzung auf. Der Server merkt sich, wer angemeldet ist und mit welchen Rechten, welche Werte das MES abonniert hat (Subscription) und welche Änderungsmeldungen schon zugestellt sind. Ändert sich ein abonnierter Wert, meldet die SPS ihn von sich aus – das MES muss nicht jedes Mal neu fragen.
d) Früher hat das MES den Schweißstrom über Modbus TCP aus dem Holding Register 40107 gelesen. Jetzt erhält es über OPC UA den Knoten SchweisszelleS1/Schweissstrom. Beschreibe drei Angaben, die das MES über OPC UA zusätzlich zum reinen Zahlenwert erhält, und den Vorteil, der sich daraus ergibt. (4 Punkte)
Je Angabe 1 Punkt (drei Angaben), z. B.:
- Datentyp (z. B. Double) – das MES muss nicht raten, wie die 16 Bit zu deuten sind;
- Einheit (z. B. A) bzw. Wertebereich;
- Zeitstempel der Messung bzw. der Quelle;
- Statuscode (gut, unsicher, schlecht), z. B. bei einem defekten Sensor;
- Name und Stellung im Adressraum (der Strom gehört zum Objekt Schweißzelle S1), Beschreibung, Zugriffsrechte.
Vorteil (1 Punkt): OPC UA beschreibt die Daten semantisch in einem standardisierten Informationsmodell. Das MES kann den Adressraum durchsuchen und versteht die Werte ohne Registertabelle aus dem Handbuch; Maschinen verschiedener Hersteller lassen sich einheitlich anbinden, und Fehler durch falsch gedeutete Register entfallen.
e) Vier Anwendungen – MES, Energie-Dashboard, Qualitätssicherung und Wartungsrechner – sollen künftig die Daten von vier Steuerungen (Schweißzellen S1 und S2, Biegezelle, Einbrennofen) erhalten.
ea) Berechne, wie viele Verbindungen insgesamt nötig sind und wie viele davon jede Steuerung bedienen muss – einmal im Client-Server-Modell, einmal mit OPC UA PubSub über einen Broker. Gib außerdem an, wie sich beide Werte ändern, wenn als fünfte Anwendung eine Kamera-Auswertung der Schweißnähte hinzukommt. (3 Punkte)
| Client-Server | PubSub mit Broker | |
|---|---|---|
| Verbindungen insgesamt | 4 · 4 = 16 | 4 + 4 = 8 |
| je Steuerung | 4 | 1 |
| mit fünfter Anwendung insgesamt | 5 · 4 = 20 | 4 + 5 = 9 |
| mit fünfter Anwendung je Steuerung | 5 | 1 (unverändert) |
1 Punkt für Client-Server, 1 Punkt für Broker, 1 Punkt für die Änderung durch die fünfte Anwendung. Fazit: Mit Broker wächst die Last der Steuerungen nicht, wenn neue Empfänger hinzukommen, und an den Steuerungen muss nichts umkonfiguriert werden.
eb) Ole Petersen wendet ein: „Dann hängt doch alles an diesem einen Broker.“ Beurteile den Einwand und beschreibe, wie Du ihm begegnen kannst. (3 Punkte)
- Der Einwand ist berechtigt (1 Punkt): Fällt der Broker aus, erhalten alle vier Anwendungen keine Daten mehr; er ist ein zusätzliches System, das betrieben, aktualisiert und abgesichert werden muss.
- Gegenmaßnahmen (2 Punkte, zwei davon): Broker redundant betreiben (Cluster bzw. zweiter Broker), Zustand überwachen, Zugang nur mit Zertifikat bzw. Anmeldung und Schreibrechte je Topic begrenzen; die Steuerungen selbst laufen weiter, weil ihre Regelung nicht vom Broker abhängt.
f) Entscheide für jede Kommunikationsbeziehung, welches Protokoll Du einsetzt (MQTT, OPC UA, Modbus, SNMP oder EtherCAT), und begründe Deine Wahl in Stichworten. Jedes Protokoll passt genau einmal. (5 Punkte)
| Kommunikationsbeziehung | Protokoll | Begründung |
|---|---|---|
| Ein ESP32 meldet alle fünf Minuten den Füllstand eines Pulverbehälters an ein Dashboard. | ||
| Das MES liest Auftragsstatus und Messwerte samt Einheit und Zeitstempel von Steuerungen verschiedener Hersteller. | ||
| Das Leitsystem fragt einen älteren Drehstromzähler ab, der nur Registerzugriffe beherrscht. | ||
| Die Netzwerküberwachung prüft Portauslastung und Lüfterzustand der Industrie-Switches. | ||
| Die Servoachsen einer Biegemaschine erhalten alle 250 µs synchron neue Sollwerte. |
Je richtiger Zeile mit passender Begründung 1 Punkt:
| Kommunikationsbeziehung | Protokoll | Begründung |
|---|---|---|
| Füllstand an Dashboard | MQTT | schlank genug für Mikrocontroller, Publish/Subscribe, weitere Empfänger leicht ergänzbar |
| MES ↔︎ Steuerungen verschiedener Hersteller | OPC UA | Informationsmodell mit Semantik, herstellerübergreifend, Sicherheit eingebaut |
| älterer Drehstromzähler | Modbus | einfacher Registerzugriff, von Altgeräten unterstützt |
| Überwachung der Switches | SNMP | Manager/Agent-Prinzip für Netzwerkgeräte, Werte über OIDs der MIB |
| Servoachsen im 250-µs-Takt | EtherCAT | harte Echtzeit, kurze Zyklen, sehr geringer Jitter |
g) Ole Petersen möchte wissen, für welche Daten sich Echtzeittechnik lohnt. Ordne jeden Datenstrom einer Kategorie zu (harte Echtzeit, weiche Echtzeit, keine Echtzeit nötig) und begründe jeweils in einem Satz. (6 Punkte)
| Datenstrom | Kategorie | Begründung |
|---|---|---|
| Signal des Lichtgitters an Schweißzelle S1 | ||
| Sollpositionen für die Achsen der Biegemaschinen | ||
| Live-Kamerabild einer Schweißnaht im Leitstand | ||
| Temperaturkurve des Einbrennofens im Dashboard | ||
| Stromverbrauch je Schicht für den Kostenbericht | ||
| Luftfeuchte im Rohrlager |
Je Zeile 1 Punkt (Kategorie mit stimmiger Begründung; andere gut begründete Einordnungen sind ebenfalls richtig):
| Datenstrom | Kategorie | Begründung |
|---|---|---|
| Lichtgitter S1 | hart | Kommt der Halt zu spät, kann sich eine Person am Roboter verletzen. |
| Sollpositionen Biegeachsen | hart | Ein verspäteter Sollwert lässt die Achsen auseinanderlaufen; das Rohr wird verbogen. |
| Live-Kamerabild | weich | Ein ruckelndes Bild stört, gefährdet aber niemanden; der nächste Frame ist ohnehin aktueller. |
| Temperaturkurve im Dashboard | weich | Eine Verzögerung von Sekunden mindert nur die Aktualität der Anzeige; die Regelung des Ofens läuft in der SPS. |
| Stromverbrauch je Schicht | keine | Der Wert wird erst nach Schichtende ausgewertet; Echtzeittechnik würde nur Kosten und Datenmengen erhöhen. |
| Luftfeuchte im Rohrlager | keine | Die Luftfeuchte ändert sich langsam; eine Übertragung alle paar Minuten reicht völlig. |
Aufgabe 3.2: Biegelinie und Energiezähler in Halle 2 in Betrieb nehmen (Profilkompetenz)
(ca. 31 min Bearbeitungszeit)
Die Rahmenwerk OWL GmbH baut in Halle 2 eine neue Biegelinie auf: Drei Rohrbiegemaschinen mit zusammen 14 Servoachsen sollen ihre Bewegungen so genau aufeinander abstimmen, dass ein Rohr von einer Maschine zur nächsten übergeben werden kann, ohne anzuhalten. Außerdem erhält jede Maschine einen Energiezähler, damit das Energiemanagementsystem (EMS) den Verbrauch je Rahmen ermitteln kann. Du unterstützt Arda Şahin, der die Linie mit in Betrieb nimmt.
a) Arda meint: „Unser Büronetz liefert im Mittel nach 0,4 ms. Das reicht locker für die Achsen – wozu ein eigenes Protokoll?“ Beurteile die Aussage mit Blick auf die Anforderungen der Biegelinie. (3 Punkte)
- Der Mittelwert sagt nichts darüber, ob jede Übertragung ihre Frist einhält (1 Punkt). Im Büronetz teilen sich die Achsdaten Puffer und Leitungen mit anderem Verkehr; einzelne Pakete können deutlich später ankommen (Jitter).
- Für die Biegelinie ist eine verpasste Frist ein Fehler mit Folgen (harte Echtzeit): Die Achsen laufen auseinander, das Rohr wird bei der Übergabe verbogen oder die Maschinen beschädigt (1 Punkt).
- Nötig ist deshalb ein Netz, das eine Höchstzeit garantiert (Determinismus) und die Achsen synchronisiert – die Aussage ist so nicht haltbar (1 Punkt).
b) Für die Antriebe ist EtherCAT mit 100 Mbit/s vorgesehen. Jede der 14 Achsen tauscht je Zyklus 12 Byte Prozessdaten aus (Sollposition 4 Byte, Steuerwort 2 Byte, Istposition 4 Byte, Statuswort 2 Byte). Für Ethernet- und EtherCAT-Kopf samt Prüfsumme rechnest Du vereinfacht mit 40 Byte. Laut Datenblatt hält jeder Antrieb den durchlaufenden Frame um 0,6 µs auf (einschließlich Leitungstreiber). Leitungslaufzeiten vernachlässigst Du.
ba) Berechne die Größe des Frames und die Zeit, die der Master braucht, um ihn zu senden. (3 Punkte)
- Prozessdaten: 14 · 12 Byte = 168 Byte; Frame: 168 Byte + 40 Byte = 208 Byte (1 Punkt)
- 208 Byte · 8 bit/Byte = 1.664 bit (1 Punkt)
- Sendedauer: 1.664 bit / (100 · 10⁶ bit/s) = 16,64 · 10⁻⁶ s = 16,64 µs (1 Punkt)
bb) Schätze ab, nach welcher Zeit der Frame vollständig wieder beim Master ist. Vergleiche das Ergebnis mit einem Netz, in dem jeder Antrieb einen Frame erst vollständig empfängt und ihn dann erneut aussendet. (4 Punkte)
- EtherCAT (2 Punkte): Der Frame wird einmal ausgesendet und von jedem Antrieb nur kurz aufgehalten: 16,64 µs + 14 · 0,6 µs = 16,64 µs + 8,4 µs = 25,04 µs.
- Vollständig empfangen, dann weitersenden (2 Punkte): Der Master sendet den Frame (16,64 µs), danach sendet jeder der 14 Antriebe ihn noch einmal vollständig: 15 · 16,64 µs = 249,6 µs. (Die Verarbeitungszeit in den Geräten käme noch hinzu.)
- Das Weitersenden dauert damit rund zehnmal so lange.
bc) Die Achsen sollen alle 250 µs neue Sollwerte erhalten. Bewerte beide Ergebnisse und erläutere, welches Prinzip von EtherCAT sich in Deiner Rechnung zeigt. (3 Punkte)
- Mit EtherCAT ist der Datenaustausch nach rund 25 µs erledigt; vom 250-µs-Zyklus bleibt viel Reserve für die Berechnung in der Steuerung (1 Punkt).
- Beim vollständigen Empfangen und Weitersenden wären bereits 249,6 µs für die Übertragung verbraucht – ohne Reserve, ohne Rechenzeit, jede Störung würde den Takt sprengen. Das ist ungeeignet (1 Punkt).
- Prinzip „processing on the fly“ (1 Punkt): Jeder Antrieb liest und schreibt seine Daten, während der Frame ihn durchläuft, statt ihn erst zu speichern. Deshalb wächst die Zykluszeit je zusätzlicher Achse nur um die kurze Durchlaufzeit.
bd) Ein Servicetechniker sitzt im Büronetz, das über einen Router mit der Halle verbunden ist. Er versucht, einen Antrieb mit einem Diagnoseprogramm über IP zu erreichen, bekommt keine Antwort und vermutet einen Defekt. Erläutere, warum das fehlende Echo keinen Defekt beweist, und schlage einen Weg für den Diagnosezugriff vor. (3 Punkte)
- EtherCAT-Frames tragen einen eigenen Ethertype und haben keinen IP-Kopf; die Antriebe sind also im Normalbetrieb gar nicht per IP ansprechbar, und ein Router kann ihnen nichts zustellen (2 Punkte).
- Vorschlag (1 Punkt), z. B.: Diagnosedaten über die Steuerung (EtherCAT-Master) abrufen, die zusätzlich eine IP-Schnittstelle hat (etwa per OPC UA); oder die EtherCAT-Daten per UDP über IP transportieren lassen – jeweils nur über eine Firewall bzw. VPN und ohne Echtzeitanspruch.
c) Die neuen Energiezähler „ZM-3“ werden per Modbus TCP an das EMS angebunden. Das Handbuch nennt unter anderem diese Register:
| Registerart | Adresse | Inhalt | Format | Auflösung |
|---|---|---|---|---|
| Input Register | 0 | Spannung L1 | UINT16 | 0,1 V |
| Input Register | 1 | Strom L1 | UINT16 | 0,01 A |
| Holding Register | 100 | Stromwandler-Verhältnis | UINT16 | 1 |
ca) Das EMS liest die Input Register 0 und 1 und erhält die Rohwerte 2318 und 1475. Berechne Spannung, Strom und Scheinleistung auf L1. (3 Punkte)
- Spannung: 2318 · 0,1 V = 231,8 V (1 Punkt)
- Strom: 1475 · 0,01 A = 14,75 A (1 Punkt)
- Scheinleistung: 231,8 V · 14,75 A ≈ 3.419 VA ≈ 3,42 kVA (1 Punkt)
cb) Erläutere, warum das EMS ohne die Registertabelle aus dem Handbuch mit den Rohwerten nichts anfangen könnte, und was bei einer Anbindung über OPC UA anders wäre. (2 Punkte)
Modbus überträgt nur nackte 16-Bit-Zahlen unter einer Adresse; Bedeutung, Einheit und Faktor stehen allein im Handbuch und müssen im EMS von Hand hinterlegt werden (1 Punkt). Ein OPC-UA-Server liefert die Bedeutung mit: Der Knoten hat einen Namen, einen Datentyp, eine Einheit und einen Zeitstempel, die das EMS beim Durchsuchen des Adressraums erfährt (1 Punkt).
cc) In Halle 1 hängen acht ältere Zähler an einem gemeinsamen RS-485-Bus, die nur Modbus RTU beherrschen. Ein Gateway verbindet den Bus mit dem Ethernet. Der Bus läuft mit 19.200 bit/s, jedes Byte wird mit 11 bit übertragen (Start-, Paritäts- und Stoppbit). Eine Leseanfrage ist 8 Byte lang, die Antwort mit 12 Registern 29 Byte. Zwischen zwei Abfragen vergehen zusätzlich 8 ms für Bearbeitung und Pausen. Berechne, wie lange das Gateway braucht, um alle acht Zähler einmal abzufragen, und beurteile, ob das EMS die Werte jede Sekunde aktualisieren kann. (4 Punkte)
- Bits je Abfrage: (8 + 29) Byte · 11 bit = 407 bit (1 Punkt)
- Übertragungsdauer: 407 bit / 19.200 bit/s ≈ 21,2 ms; mit Pause 21,2 ms + 8 ms ≈ 29,2 ms je Zähler (1 Punkt)
- acht Zähler: 8 · 29,2 ms ≈ 234 ms (1 Punkt)
- Bewertung (1 Punkt): Ein Durchlauf dauert weniger als eine Viertelsekunde, sekündliche Werte sind also möglich. Mehr Zähler am selben Bus oder mehr Register je Abfrage würden die Reserve aber schnell aufbrauchen.
cd) Zwischen dem Servernetz mit dem EMS (198.51.100.20) und dem OT-VLAN mit den neuen Zählern (192.0.2.32/28) filtert eine zustandsbehaftete Firewall. Jonas hat diesen Regelentwurf geschrieben (Reihenfolge von oben nach unten):
| Nr. | Aktion | Protokoll | Quelle | Ziel | Zielport |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | erlauben | TCP | beliebig | 192.0.2.32/28 | 502 |
| 2 | erlauben | TCP | 192.0.2.32/28 | 198.51.100.20 | 502 |
| 3 | erlauben | UDP | 198.51.100.20 | 192.0.2.32/28 | 502 |
| 4 | verbieten | alle | beliebig | beliebig | alle |
Bewerte die Regeln 1 bis 3 und gib die Regel(n) an, die stattdessen nötig sind. (5 Punkte)
- Regel 1 ist zu weit (1 Punkt): Jedes Gerät aus jedem Netz könnte die Zähler lesen und beschreiben, obwohl Modbus keine Anmeldung kennt.
- Regel 2 ist unnötig bzw. falsch herum (1 Punkt): Die Zähler bauen keine Verbindungen zum EMS auf; die Antworten lässt die zustandsbehaftete Firewall ohnehin zurück.
- Regel 3 ist wirkungslos (1 Punkt): Modbus TCP nutzt TCP, nicht UDP.
- Nötig ist nur (2 Punkte): erlauben | TCP | 198.51.100.20 | 192.0.2.32/28 | 502, danach Regel 4 (alles andere verbieten). Unterstützen EMS und Zähler Modbus/TCP Security, entsprechend Port 802.
ce) Über Holding Register 100 lässt sich das Stromwandler-Verhältnis eines Zählers ändern. Erläutere, welche Folgen ein unbefugter Schreibzugriff hätte, und nenne zwei Maßnahmen, die ihn verhindern. (4 Punkte)
- Folgen (2 Punkte): Der Zähler rechnet mit falschem Faktor und meldet z. B. ein Vielfaches oder einen Bruchteil des tatsächlichen Verbrauchs. Kostenzuordnung je Rahmen und Lastspitzenmeldungen werden falsch, ohne dass es sofort auffällt; Modbus protokolliert nicht, wer geschrieben hat.
- Maßnahmen (je 1 Punkt, zwei davon): Schreibschutz am Zähler aktivieren (Jumper bzw. Parameter-PIN); in einer Modbus-fähigen Firewall nur lesende Funktionscodes zulassen; Zähler per 802.1X ins eigene OT-VLAN und nur vom EMS erreichbar; Modbus/TCP Security mit Zertifikaten und Rollen; Schreibbefehle im OT-Monitoring melden.
Links und weitere Informationen
Grundlagen: Industrielle Kommunikation: Automatisierungspyramide, Echtzeit, Modbus, EtherCAT und OPC UA
Voraussetzung: MQTT: Publish/Subscribe, Topics, Wildcards und QoS
weiterführend: VLAN und Netzsegmentierung, Übungsaufgaben zu MQTT
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