Übungsaufgaben zu neuronalen Netzen und Modellbewertung

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https://oer-informatik.de/neuronale-netze-uebungsaufgaben

Neuronale Netze, Perzeptron, Aktivierungsfunktion, Convolutional Neural Network, Random Forest, Konfusionsmatrix, Accuracy, Precision, Sensitivity, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 49 min, mehrere Aufgaben): Zwei Übungsaufgaben zu neuronalen Netzen und zur Bewertung von Modellen: Fehler in einer Perzeptron-Erklärung finden, Ausgaben und einen Lernschritt berechnen, ein kleines mehrschichtiges Netz vorwärts durchrechnen, Grenzen fester Bildregeln aufzeigen und die Parameterzahl einer Faltungsschicht mit englischer PyTorch-Dokumentation bestimmen; danach eine Konfusionsmatrix aus einer Stichprobe auszählen, Kennzahlen berechnen und verständlich erklären, ein Modell nach Kapazität und Einsatzzweck auswählen und die Abstimmung eines Random Forest begründen. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 29.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Neuronale Netze und Modellbewertung. Grundlagen zu Lernarten, Trainings- und Testdaten findest Du im Artikel Grundlagen des maschinellen Lernens.

Hinweise zur Bearbeitung: Von FIDP wird erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1 und Aufgabe 3.2) keine Probleme bereiten. Bei „nennen“ genügen Stichworte, bei „beschreiben“, „erläutern“ und „begründen“ schreibst Du ganze Sätze mit Bezug zur Situation. Gib bei Berechnungen immer den Rechenweg an. Werden zwei Angaben verlangt, werden auch nur die ersten zwei bewertet. Andere sachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.

Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?

Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.

Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Neuronale Netze und
Modellbewertung“.

Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.

Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/neuronale-netze
- https://oer-informatik.de/maschinelles-lernen
- https://oer-informatik.de/ki-einsatz
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/neuronale-netze-uebungsaufgaben

Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Neuronale Netze
- Perzeptron
- Aktivierungsfunktion
- Convolutional Neural Network
- Random Forest
- Konfusionsmatrix
- Accuracy
- Precision
- Sensitivity

Kompetenzstufe: Profilkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Kernkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan

Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
   abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
   zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
   Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
   Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
   Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
   danach frage.

Aufgabe 3.1: Ausfallprognose und Treppenerkennung mit neuronalen Netzen (Profilkompetenz)

(ca. 28 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r der Fachinformatik für Daten- und Prozessanalyse bei der Let’s Meet GmbH in Bielefeld. Über die App „Let’s Meet“ finden Menschen andere für gemeinsame Freizeitaktivitäten. Das Team untersucht, ob sich vorhersagen lässt, welche Angemeldeten nicht zu einem Treffen erscheinen. Bei hoher Ausfallwahrscheinlichkeit sollen sie erinnert werden, und Personen auf der Warteliste rücken früher nach. Entwicklungsleiter Yusuf Demir möchte als Einstieg ein einfaches Perzeptron testen. Es verwendet zwei skalierte Merkmale:

  • x_1: Entfernung zwischen Wohnort und Treffpunkt in 10 km (z. B. 8 km → 0,8),
  • x_2: Anteil der Treffen, die die Person in den letzten sechs Monaten kurzfristig abgesagt hat (0 bis 1).

Die Ausgabe 1 bedeutet „fällt voraussichtlich aus“, 0 bedeutet „erscheint voraussichtlich“.

a) Dein Mit-Azubi Jonas Weber hat für Geschäftsführerin Clara Neumann eine kurze Erklärung des Perzeptrons geschrieben. Beim Gegenlesen fällt Dir auf, dass nicht alles stimmt:

  1. Die beiden Merkmale x_1 und x_2 werden addiert; die Summe ist die Nettoeingabe z.

  2. Der Bias wird mit der Entfernung x_1 multipliziert, damit weite Anfahrten stärker zählen.

  3. Ist z \geq 0, gibt die Sprungfunktion die Wahrscheinlichkeit aus, mit der die Person ausfällt.

  4. Beim Training werden die Gewichte nach jeder Anmeldung verändert, auch wenn die Vorhersage richtig war.

  5. Nach dem Training bleiben die Gewichte fest, und das Perzeptron ordnet neue Anmeldungen damit ein.

Prüfe die fünf Aussagen. Gib zu jeder falschen Aussage an, was daran falsch ist, und formuliere sie richtig. (4 Punkte)

Je falsche Aussage mit Korrektur 1 Punkt; Aussage (5) ist richtig:

  • (1) falsch: Die Merkmale werden nicht einfach addiert, sondern vorher mit ihrem Gewicht multipliziert, und der Bias kommt dazu: z = w_1 x_1 + w_2 x_2 + b.

  • (2) falsch: Der Bias hängt von keiner Eingabe ab; er ist ein konstanter Summand (bzw. das Gewicht der festen Eingabe 1). Wie stark die Entfernung zählt, legt das Gewicht w_1 fest.

  • (3) falsch: Die Sprungfunktion kennt nur 0 und 1. Für z \geq 0 gibt sie 1 aus („fällt voraussichtlich aus“), sonst 0; eine Wahrscheinlichkeit liefert sie nicht (dafür bräuchte man z. B. die Sigmoidfunktion).

  • (4) falsch: Nach der Perzeptron-Lernregel w_i := w_i + \eta (y - \hat{y}) x_i ändern sich die Gewichte nur bei einer falschen Ausgabe; ist die Vorhersage richtig, ist y - \hat{y} = 0.

b) Nach einem ersten Training hat das Perzeptron den Bias w_0 = -1{,}0 (Gewicht der festen Eingabe 1) und die Gewichte w_1 = 0{,}4 und w_2 = 1{,}5 gelernt.

Berechne die Ausgabe des Perzeptrons für die beiden Anmeldungen und gib an, wie sie eingeordnet werden:

  • Anmeldung P: Entfernung 8 km, Absagequote 0,1,
  • Anmeldung Q: Entfernung 25 km, Absagequote 0,4. (4 Punkte)

Je Anmeldung 1 Punkt für die Nettoeingabe, 1 Punkt für Ausgabe und Einordnung:

Geg.: w0 = −1,0; w1 = 0,4; w2 = 1,5
      P: x1 = 0,8; x2 = 0,1     Q: x1 = 2,5; x2 = 0,4

Ges.: z und \hat{y} für P

z_P = w_0 \cdot 1 + w_1 \cdot x_1 + w_2 \cdot x_2 = -1{,}0 + 0{,}4 \cdot 0{,}8 + 1{,}5 \cdot 0{,}1 = -1{,}0 + 0{,}32 + 0{,}15 = -0{,}53

z_P = -0{,}53 ist kleiner als 0, also \underline{\underline{\hat{y}_P = 0}}: Anmeldung P erscheint voraussichtlich.

Ges.: z und \hat{y} für Q

z_Q = -1{,}0 + 0{,}4 \cdot 2{,}5 + 1{,}5 \cdot 0{,}4 = -1{,}0 + 1{,}0 + 0{,}6 = 0{,}6

z_Q = 0{,}6 \geq 0, also \underline{\underline{\hat{y}_Q = 1}}: Anmeldung Q fällt voraussichtlich aus und erhält eine Erinnerung.

c) Anmeldung R (Entfernung 10 km, Absagequote 0,3) stammt aus den Trainingsdaten; die Person ist nicht erschienen (y = 1).

Prüfe, ob das Perzeptron R richtig einordnet. Führe bei einer falschen Ausgabe einen Lernschritt mit der Lernrate \eta = 0{,}5 durch und zeige, dass R danach richtig eingeordnet wird. (4 Punkte)

1 Punkt für die Prüfung, 2 Punkte für die neuen Gewichte, 1 Punkt für die Kontrolle:

Geg.: w0 = −1,0; w1 = 0,4; w2 = 1,5; η = 0,5
      R: x0 = 1; x1 = 1,0; x2 = 0,3; y = 1

Ges.: Ausgabe für R

z_R = -1{,}0 + 0{,}4 \cdot 1{,}0 + 1{,}5 \cdot 0{,}3 = -0{,}15 \quad \Rightarrow \quad \hat{y}_R = 0

Die Ausgabe ist falsch (y - \hat{y} = 1 - 0 = 1).

Ges.: neue Gewichte mit w_i := w_i + \eta \cdot (y - \hat{y}) \cdot x_i

w_0 = -1{,}0 + 0{,}5 \cdot 1 \cdot 1 = -0{,}5

w_1 = 0{,}4 + 0{,}5 \cdot 1 \cdot 1{,}0 = 0{,}9

w_2 = 1{,}5 + 0{,}5 \cdot 1 \cdot 0{,}3 = 1{,}65

Ges.: Kontrolle

z_R = -0{,}5 + 0{,}9 \cdot 1{,}0 + 1{,}65 \cdot 0{,}3 = 0{,}895 \geq 0 \quad \Rightarrow \quad \underline{\underline{\hat{y}_R = 1}}

R wird jetzt richtig als Ausfall eingeordnet.

d) Bei der Auswertung weiterer Daten stellt Jonas für das zusätzliche Merkmal „Vorlauf der Anmeldung“ fest: Ausfälle häufen sich sowohl bei Anmeldungen, die sehr kurzfristig, als auch bei solchen, die sehr lange im Voraus erfolgt sind; Anmeldungen mit mittlerem Vorlauf fallen selten aus.

Beschreibe, warum ein einzelnes Perzeptron diesen Zusammenhang nicht abbilden kann, und was ein mehrschichtiges Netz anders macht. (3 Punkte)

2 Punkte für die Begründung, 1 Punkt für das mehrschichtige Netz, zum Beispiel:

Ein Perzeptron zieht genau eine Trenngerade (bei einem Merkmal: eine Schwelle) und kann nur linear separierbare Klassen trennen: „alles über der Schwelle fällt aus“ oder „alles darunter“. Hier liegen die Ausfälle aber an beiden Rändern und die Nicht-Ausfälle in der Mitte; dafür wären zwei Grenzen nötig. Ein mehrschichtiges Netz kombiniert in seinen verdeckten Schichten mehrere Neuronen mit nichtlinearen Aktivierungsfunktionen und kann so auch gekrümmte oder mehrteilige Grenzen lernen.

e) Yusuf Demir nimmt als drittes Merkmal x_3 den Vorlauf der Anmeldung hinzu (Tage zwischen Anmeldung und Treffen, geteilt durch 10) und lässt ein kleines mehrschichtiges Netz trainieren: drei Eingaben, eine verdeckte Schicht mit den Knoten h_1 und h_2 (Aktivierungsfunktion ReLU \max(0, z)) und ein Ausgabeknoten o (Sigmoidfunktion \sigma(z) = \frac{1}{1 + e^{-z}}). Die gelernten Werte stehen in der Tabelle; jede Zeile gehört zu dem Knoten, in den die Verbindungen führen.

Gelernte Gewichte und Bias-Werte des kleinen Netzes
Knoten Gewicht von x_1 bzw. h_1 Gewicht von x_2 bzw. h_2 Gewicht von x_3 Bias
h_1 0,5 1,0 −0,8 −0,4
h_2 −0,3 0,6 1,5 −0,2
o 1,2 0,9 – −1,0

ea) Berechne die Ausgabe des Netzes für Anmeldung S (Entfernung 12 km, Absagequote 0,5, Vorlauf 2 Tage) und ordne S ein, wenn ab einer Ausgabe von 0,5 eine Erinnerung verschickt wird. (5 Punkte)

Je verdeckter Knoten 1,5 Punkte, 1 Punkt für die Ausgabe, 1 Punkt für die Einordnung:

Geg.: S: x1 = 1,2; x2 = 0,5; x3 = 0,2

Ges.: Ausgabe von h_1

z_{h1} = 0{,}5 \cdot 1{,}2 + 1{,}0 \cdot 0{,}5 + (-0{,}8) \cdot 0{,}2 + (-0{,}4) = 0{,}6 + 0{,}5 - 0{,}16 - 0{,}4 = 0{,}54 \quad \Rightarrow \quad h_1 = \max(0;\ 0{,}54) = 0{,}54

Ges.: Ausgabe von h_2

z_{h2} = -0{,}3 \cdot 1{,}2 + 0{,}6 \cdot 0{,}5 + 1{,}5 \cdot 0{,}2 + (-0{,}2) = -0{,}36 + 0{,}3 + 0{,}3 - 0{,}2 = 0{,}04 \quad \Rightarrow \quad h_2 = 0{,}04

Ges.: Ausgabe von o

z_o = 1{,}2 \cdot 0{,}54 + 0{,}9 \cdot 0{,}04 + (-1{,}0) = 0{,}648 + 0{,}036 - 1{,}0 = -0{,}316

\sigma(-0{,}316) = \frac{1}{1 + e^{0{,}316}} \approx \frac{1}{1 + 1{,}372} \approx \underline{\underline{0{,}422}}

Die Ausgabe liegt unter 0,5: S erscheint voraussichtlich und erhält keine Erinnerung.

eb) Gib an, wie viele Parameter beim Training dieses Netzes angepasst wurden. (1 Punkt)

1 Punkt: 3 \cdot 2 + 2 \cdot 1 = 8 Gewichte und 2 + 1 = 3 Bias-Werte, zusammen 11 Parameter (die Tabelle hat 11 Zahleneinträge).

f) Ein zweites Projekt betrifft den Filter „barrierefreier Treffpunkt“, den sich unter anderem Nutzerin Lea Schmitt wünscht, die einen Rollstuhl nutzt. Wer eine Aktivität anlegt, lädt oft Fotos des Treffpunkts hoch. Ein Modell soll auf diesen Fotos erkennen, ob der Zugang Stufen hat, und dann bei der Organisatorin oder dem Organisator nachfragen.

fa) Anh Nguyen (UX) schlägt zunächst eine feste Regel vor: „Sind auf dem Foto mindestens drei waagerechte Kanten übereinander zu sehen, hat der Zugang Stufen.“

Beschreibe zwei Fotos, an denen diese Regel scheitert, je eines mit falschem Alarm und eines mit übersehenen Stufen. (2 Punkte)

Je passendes Foto 1 Punkt, zum Beispiel:

  • Falscher Alarm: Ein ebenerdiger Eingang vor einer Fassade mit Fensterbänken, einem Regal oder Holzlatten zeigt viele waagerechte Kanten, hat aber keine Stufe.

  • Übersehene Stufen: Eine einzelne hohe Stufe, Stufen von schräg oben fotografiert (die Kanten wirken nicht waagerecht), im Schnee oder im Dunkeln, oder halb verdeckt von Personen.

fb) Das Team skaliert alle Fotos auf 128 × 128 Pixel mit drei Farbkanälen und vergleicht in der Bibliothek PyTorch zwei mögliche erste Schichten:

  • Variante A: Das Bild wird zu einem Vektor ausgerollt und in nn.Linear(in_features=49152, out_features=64) gegeben.
  • Variante B: Das Bild geht unverändert in nn.Conv2d(in_channels=3, out_channels=16, kernel_size=3).

In der Dokumentation (Docstrings aus dem PyTorch-Quellcode, BSD-3-Clause-Lizenz, gekürzt, torch.nn.Linear, torch.nn.Conv2d) steht:

Linear: weight (torch.Tensor) – the learnable weights of the module of shape (out_features, in_features). bias – the learnable bias of the module of shape (out_features).

Conv2d: weight (Tensor) – the learnable weights of the module of shape (out_channels, in_channels/groups, kernel_size[0], kernel_size[1]). bias – the learnable bias of the module of shape (out_channels).

Berechne für beide Varianten die Zahl der lernbaren Parameter (groups hat den Standardwert 1). (4 Punkte)

Je Variante 1 Punkt für die Gewichte, 1 Punkt für die Summe mit Bias:

Geg.: A: in_features = 128 · 128 · 3 = 49.152; out_features = 64
      B: in_channels = 3; out_channels = 16; kernel_size = 3 (also 3 × 3); groups = 1

Ges.: Parameter Variante A

\text{Gewichte} = 64 \cdot 49.152 = 3.145.728 \qquad \text{Parameter} = 3.145.728 + 64 = \underline{\underline{3.145.792}}

Ges.: Parameter Variante B

\text{Gewichte} = 16 \cdot 3 \cdot 3 \cdot 3 = 432 \qquad \text{Parameter} = 432 + 16 = \underline{\underline{448}}

Variante A braucht rund 7.000-mal so viele Parameter wie Variante B.

fc) Anh wundert sich: „Mit nur 448 Zahlen kann Variante B doch unmöglich ein ganzes Foto verstehen. Nehmt lieber die große Variante A.“

Nimm Stellung und beziehe Dich dabei auf die Erkennung von Stufen. (4 Punkte)

4 Punkte für eine begründete Stellungnahme mit mindestens zwei Argumenten, zum Beispiel:

Anh unterschätzt die Faltung. Die 16 Filter mit je 3 × 3 × 3 Gewichten werden über das ganze Foto geschoben; dieselben 448 Parameter werden an jeder Bildstelle wiederverwendet. Ein Filter, der eine waagerechte Stufenkante erkennt, findet sie deshalb links, rechts oder am Bildrand, ohne dass das Netz jede Position einzeln lernen muss. Variante A müsste dagegen für jede Pixelposition eigene Gewichte lernen und verliert durch das Ausrollen, welche Pixel übereinander liegen; gerade das ist für übereinanderliegende Stufenkanten wichtig. Weitere Faltungsschichten setzen die einfachen Kanten zu größeren Mustern wie Treppen oder Rampen zusammen. Und mit 3,1 Millionen Parametern bräuchte Variante A sehr viele beschriftete Treffpunktfotos, sonst lernt sie die Trainingsbilder auswendig (Overfitting). Für ein Start-up mit begrenzt vielen Fotos ist Variante B daher die bessere Wahl.

Aufgabe 3.2: Ein Rücksendemodell für den Kundenservice auswählen (Profilkompetenz)

(ca. 21 min Bearbeitungszeit)

Die CSB-Rad GmbH in Bielefeld verkauft Fahrräder und Zubehör in ihrem Onlineshop. Geschäftsführer Cem Sarıkaya lässt untersuchen, welche Bestellpositionen voraussichtlich zurückgeschickt werden, damit die Kundschaft vorher besser beraten werden kann. Du arbeitest als Auszubildende*r der Fachinformatik für Daten- und Prozessanalyse im Projektteam. Die gesuchte Klasse „Rücksendung“ gilt als positiv.

a) Bevor das Team große Testmengen auswertet, verfolgst Du für 20 Bestellpositionen aus dem März von Hand nach, was das erste Modell vorhergesagt hat und was tatsächlich passiert ist:

Stichprobe aus 20 Bestellpositionen
Nr. Artikel Vorhersage: Rücksendung? tatsächlich zurückgeschickt?
1 Trinkflasche 750 ml nein nein
2 Radhose Damen, Größe S ja ja
3 Fahrradschloss Faltschloss nein nein
4 Regenjacke Herren, Größe L ja nein
5 Kettenöl 100 ml nein nein
6 Sattel Komfort breit ja ja
7 Flickzeug-Set nein nein
8 Fahrradschuhe, Größe 42 nein ja
9 Rücklicht USB nein nein
10 Lenkertasche 5 l ja nein
11 Handschuhe Winter, Größe M ja ja
12 Klingel Messing nein nein
13 Gepäckträgertasche 20 l nein nein
14 Trikot kurzarm, Größe XL ja ja
15 Standpumpe nein nein
16 Kinderhelm, Größe S nein ja
17 Ersatzschlauch 28 Zoll nein nein
18 Smartphonehalterung ja nein
19 Speichenreflektoren nein nein
20 Bremsbeläge Scheibenbremse nein nein

Stelle die Konfusionsmatrix dieser Stichprobe auf und berechne daraus Accuracy, Sensitivity und Precision. Gib den Rechenweg an. (6 Punkte)

3 Punkte für die Matrix (Zählung), je Kennzahl 1 Punkt:

  • TP (ja/ja): Nr. 2, 6, 11, 14 → 4
  • FP (Vorhersage ja, behalten): Nr. 4, 10, 18 → 3
  • FN (Vorhersage nein, zurückgeschickt): Nr. 8, 16 → 2
  • TN: 20 − 4 − 3 − 2 = 11
Konfusionsmatrix der Stichprobe (Beispiellösung)
Stichprobe, N = 20 als Rücksendung vorhergesagt als „behalten“ vorhergesagt
tatsächlich zurückgeschickt TP = 4 FN = 2
tatsächlich behalten FP = 3 TN = 11
Geg.: TP = 4; FN = 2; FP = 3; TN = 11; N = 20

Ges.: Accuracy

\text{Accuracy} = \frac{TP + TN}{N} = \frac{4 + 11}{20} = \frac{15}{20} = \underline{\underline{0{,}750 = 75{,}0\,\%}}

Ges.: Sensitivity

\text{Sensitivity} = \frac{TP}{TP + FN} = \frac{4}{4 + 2} = \frac{2}{3} \approx \underline{\underline{0{,}667 = 66{,}7\,\%}}

Ges.: Precision

\text{Precision} = \frac{TP}{TP + FP} = \frac{4}{4 + 3} = \frac{4}{7} \approx \underline{\underline{0{,}571 = 57{,}1\,\%}}

b) Sophie Bertram, Geschäftsführerin Vertrieb und E-Commerce, kennt die Fachbegriffe nicht. Formuliere zu jeder der drei Kennzahlen aus a) einen Satz ohne Fachbegriff, der mit den Zahlen der Stichprobe erklärt, was sie aussagt. (3 Punkte)

Je verständlicher, richtiger Satz 1 Punkt, zum Beispiel:

  • Accuracy: „Bei 15 von 20 Positionen lag das Modell richtig, egal ob es ‚Rücksendung‘ oder ‚behalten‘ gesagt hat.“

  • Sensitivity: „Von den 6 Positionen, die wirklich zurückkamen, hat das Modell 4 vorher erkannt; 2 hat es übersehen.“

  • Precision: „Wenn das Modell ‚Rücksendung‘ gemeldet hat, stimmte das in 4 von 7 Fällen; in 3 Fällen hätten wir umsonst beraten.“

c) Drei Modelle wurden inzwischen mit denselben 2.000 Testpositionen geprüft, die beim Training nicht verwendet wurden; 12 % davon wurden tatsächlich zurückgeschickt.

Kennzahlen der drei Modelle auf denselben Testdaten
Kennzahl Modell 1: Entscheidungsbaum Modell 2: Random Forest Modell 3: neuronales Netz
Accuracy 91,6 % 89,0 % 74,4 %
Sensitivity 45,0 % 70,0 % 85,0 %
Precision 75,0 % 53,2 % 30,0 %

ca) Meldet das Modell „Rücksendung“, soll der Kundenservice die Kundin oder den Kunden vor dem Versand anrufen und beraten. Der Kundenservice schafft dafür höchstens 150 Anrufe pro Woche. Pro Woche gehen rund 1.500 Positionen ein, von denen erfahrungsgemäß 12 % zurückgeschickt würden.

Berechne für jedes Modell, wie viele Anrufe pro Woche zu erwarten sind und wie viele davon eine echte Rücksendung betreffen. Entscheide, welches Modell sich für diesen Einsatz eignet. (4 Punkte)

2 Punkte für die Rechnung, 2 Punkte für die begründete Entscheidung:

Geg.: 1.500 Positionen pro Woche, davon 12 % → 180 echte Rücksendungen

Erkannte echte Rücksendungen = 180 \cdot \text{Sensitivity}; alle Meldungen (Anrufe) = \frac{\text{erkannte Rücksendungen}}{\text{Precision}}

Erwartete Anrufe pro Woche (Beispiellösung)
Modell echte Rücksendungen erkannt Anrufe pro Woche davon unnötig
1 Entscheidungsbaum 180 \cdot 0{,}45 = 81 81 / 0{,}75 = 108 27
2 Random Forest 180 \cdot 0{,}70 = 126 126 / 0{,}532 \approx 237 ≈ 111
3 neuronales Netz 180 \cdot 0{,}85 = 153 153 / 0{,}30 = 510 357

Nur Modell 1 bleibt mit rund 108 Anrufen unter der Grenze von 150. Es übersieht zwar mehr Rücksendungen, aber drei von vier Anrufen sind berechtigt; die knappe Zeit im Kundenservice wird gut genutzt. Bei Modell 2 und 3 könnte der Kundenservice gar nicht alle Meldungen abarbeiten, und ein großer Teil der Anrufe würde Kundschaft stören, die die Ware behalten hätte. Entscheidend ist hier also die Precision.

cb) Als zweiter Einsatz ist ein automatisches Hinweisfenster im Bestellvorgang geplant: Meldet das Modell „Rücksendung“, erscheint ein Link zur Größenberatung. Das kostet keine Arbeitszeit und lässt sich mit einem Klick schließen; jede verhinderte Rücksendung spart dagegen Versand und Prüfung.

Entscheide, welches Modell sich hierfür eignet, und begründe mit der Kennzahl, auf die es jetzt ankommt. (3 Punkte)

1 Punkt für das Modell, 2 Punkte für die Begründung, zum Beispiel:

Modell 3 (neuronales Netz). Ein Fehlalarm (FP) kostet hier fast nichts: Jemand sieht einen Hinweis, den er nicht gebraucht hätte. Eine übersehene Rücksendung (FN) bedeutet dagegen eine verpasste Chance, Kosten zu sparen. Deshalb kommt es auf die Sensitivity an, und die ist bei Modell 3 mit 85 % am höchsten. Die niedrige Precision von 30 % ist vertretbar, solange das Hinweisfenster nicht so aufdringlich wird, dass es Kundschaft vom Kauf abhält.

d) Modell 2 ist ein Random Forest aus 101 Entscheidungsbäumen. Für die Position „Fahrradhelm Urban, Größe M“ stimmen 58 Bäume für „Rücksendung“, die übrigen für „behalten“.

da) Gib das Ergebnis des Random Forest für diese Position an und erkläre, warum man für zwei Klassen gern eine ungerade Zahl von Bäumen wählt. (2 Punkte)

Je 1 Punkt:

  • Ergebnis: Rücksendung, denn 58 von 101 Bäumen (die Mehrheit; 43 dagegen) haben diese Klasse gewählt.

  • Bei einer ungeraden Zahl von Bäumen kann bei zwei Klassen kein Gleichstand (z. B. 50 : 50) entstehen; es gibt immer eine eindeutige Mehrheit.

db) Werkstattleiter Bastian Ludwig fragt: „Warum lasst ihr 101 Bäume abstimmen, statt einen einzigen, besonders tiefen Baum zu bauen, der alle Trainingsdaten genau kennt?“

Antworte ihm. (2 Punkte)

2 Punkte, zum Beispiel:

Ein sehr tiefer Baum lernt die Trainingsdaten samt Zufällen auswendig (Overfitting) und liegt bei neuen Bestellungen oft daneben. Die 101 Bäume wurden dagegen mit verschiedenen zufälligen Ausschnitten der Daten und Merkmale trainiert; jeder macht andere Fehler, und bei der Abstimmung gleichen sich diese Fehler großteils aus. Dafür ist der Wald schwerer nachzuvollziehen als ein einzelner Baum.

e) Natalia Wróbel aus dem Controlling meint: „Ein Modell, das einfach immer ‚keine Rücksendung‘ vorhersagt, hätte bei Euren 2.000 Testpositionen schon 88 % Accuracy. Das ist besser als Modell 3 und kaum schlechter als Modell 2. Dann sparen wir uns das ganze Projekt.“

Nimm Stellung zu dieser Aussage. (3 Punkte)

3 Punkte für eine begründete Stellungnahme, zum Beispiel:

Die Rechnung stimmt: \frac{1.760}{2.000} = 88\,\%, weil nur 12 % der Positionen zurückgeschickt werden. Die Schlussfolgerung ist aber falsch. Bei so ungleich verteilten Klassen sagt die Accuracy wenig aus: Das Immer-nein-Modell hat eine Sensitivity von 0 %, es findet keine einzige Rücksendung und ermöglicht damit keine einzige Beratung. Das Projektziel (weniger Rücksendungen durch Beratung) wäre nicht erreichbar. Entscheidend sind hier Sensitivity und Precision: Jedes der drei Modelle findet zwischen 45 % und 85 % der Rücksendungen, und je nach Einsatz lässt sich das passende auswählen.


Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)

Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Übungsaufgaben zu neuronalen Netzen und Modellbewertung” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/neuronale-netze-uebungsaufgaben veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/daten-ki/datenanalyse-ki. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 29.10.2026.

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