Übungsaufgaben zum Klassifizieren mit Trenngeraden, kNN und Entscheidungsbäumen
https://bildung.social/@oerinformatik/
https://oer-informatik.de/klassifikation-knn-uebungsaufgaben
Klassifikation, Trenngerade, Geradengleichung, Trefferquote, k-nächste Nachbarn, kNN, euklidische Distanz, Normalisierung, Entscheidungsbaum, ID3, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 44 min, mehrere Aufgaben): Zwei Übungsaufgaben: Du bestimmst in einer Fahrradwerkstatt aus zwei Stützpunkten eine Trenngerade für E-Bike-Akkus, findest den Fehler in einer Python-Funktion, prüfst die Regel mit Testakkus und bewertest eine verschobene Gerade. Danach sagst Du mit kNN von Hand voraus, ob Lastenrad-Reservierungen verfallen, normierst dafür die Merkmale, wählst k anhand von Validierungsdaten, kodierst eine Station und berechnest für einen Entscheidungsbaum den Informationsgewinn. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 29.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Klassifizieren mit Trenngeraden, k-nächsten Nachbarn und Entscheidungsbäumen.
Hinweise zur Bearbeitung: Von FIDP wird erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1 und Aufgabe 3.2) keine Probleme bereiten. Für Aufgabe 3.1 druckst Du das Streudiagramm aus, um die Gerade zu skizzieren; ein Taschenrechner genügt für alle Rechnungen. Schreib Deine Lösung zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst.
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kNN und Entscheidungsbäumen“.
Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.
Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/klassifikation-knn
- https://oer-informatik.de/maschinelles-lernen
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/klassifikation-knn-uebungsaufgaben
Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Klassifikation
- Trenngerade
- Geradengleichung
- Trefferquote
- k-nächste Nachbarn
- kNN
- euklidische Distanz
- Normalisierung
- Entscheidungsbaum
- ID3
Kompetenzstufe: Profilkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Kernkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan
Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
danach frage.
Aufgabe 3.1: Akkus nach Innenwiderstand und Restkapazität einstufen (Profilkompetenz)
(ca. 20 min Bearbeitungszeit)
In der Werkstatt der CSB-Rad GmbH in Bielefeld-Sennestadt misst Paul Neubauer bei jeder E-Bike-Inspektion am Akku-Prüfstand zwei Werte: den Innenwiderstand des Akkus in Milliohm (mΩ) und die Restkapazität in Prozent der Nennkapazität. Aus den Werkstattakten der letzten Jahre weiß er von 20 Akkus, ob sie in den folgenden Monaten so stark nachgelassen haben, dass sie ersetzt werden mussten (kritisch), oder ob sie weiter gut funktioniert haben (stabil). Er möchte daraus eine einfache Regel ableiten, die die Werkstatt-Software bei jeder Messung anzeigt.
Paul Neubauer hat die 20 Akkus bereits in ein Streudiagramm übertragen und zwei Punkte S1 (120 | 74) und S2 (240 | 92) markiert, die mitten in der Lücke zwischen den beiden Gruppen liegen. Die Trenngerade soll durch diese beiden Stützpunkte verlaufen.
a) Stelle die Funktionsvorschrift y = m · x + b der Trenngeraden durch S1 und S2 auf und skizziere die Gerade im Streudiagramm. Erläutere, was die Steigung für die Werkstatt bedeutet, und begründe, warum der y-Achsenabschnitt hier keinen realen Akku beschreibt. (6 Punkte)
Geg.: S_1 = (120 \mid 74), S_2 = (240 \mid 92)
Ges.: m und b der Geraden y = m \cdot x + b
m = \frac{y_2 - y_1}{x_2 - x_1} = \frac{92 - 74}{240 - 120} = \frac{18}{120} = 0{,}15
b = y_1 - m \cdot x_1 = 74 - 0{,}15 \cdot 120 = 74 - 18 = 56
\underline{\underline{y = 0{,}15x + 56}}
Probe mit S_2: 0{,}15 \cdot 240 + 56 = 92, stimmt. Zum Skizzieren genügt die Verbindung von S1 und S2, verlängert über die ganze Achse (z. B. von (80 | 68) bis (260 | 95)); die Lage ist in der Grafik zu Teilaufgabe c zu sehen.
- Steigung 0,15: Je Milliohm mehr Innenwiderstand liegt die Grenze um 0,15 Prozentpunkte Restkapazität höher, je 10 mΩ also um 1,5 Prozentpunkte. Ein Akku mit hohem Innenwiderstand muss demnach noch mehr Restkapazität haben, um als stabil zu gelten.
- Achsenabschnitt 56: Er wäre die Grenze bei 0 mΩ. Einen Akku ohne Innenwiderstand gibt es nicht, und die Daten beginnen erst bei etwa 90 mΩ. Der Wert ist nur ein Rechenwert der Geraden; außerhalb des gemessenen Bereichs darf man die Regel nicht anwenden (Extrapolation).
Bewertung: 1 Punkt Steigung, 1 Punkt Achsenabschnitt, 1 Punkt Funktionsvorschrift mit Rechenweg, 1 Punkt Skizze, je 1 Punkt für die beiden Deutungen.
b) Für die Werkstatt-Software liegt ein erster Entwurf vor. Teste ihn gedanklich mit einem Trainingsakku Deiner Wahl, beschreibe den Fehler und gib eine korrigierte Fassung an. Lege dabei auch fest, was bei einem Akku genau auf der Geraden angezeigt werden soll, und begründe die Festlegung aus Sicht der Werkstatt. (4 Punkte)
M = 0.15
B = 56.0
def einstufen(widerstand_mohm: float, kapazitaet_prozent: float) -> str:
grenze = M * widerstand_mohm + B
g = kapazitaet_prozent - grenze
if g > 0:
return "kritisch"
return "stabil"Test mit dem stabilen Trainingsakku (140 | 96): grenze = 0,15 · 140 + 56 = 77, g = 96 − 77 = +19. Die Funktion liefert „kritisch“, obwohl der Akku stabil war. Ebenso wird der kritische Akku (200 | 76) mit g = 76 − 86 = −10 als „stabil“ ausgegeben.
Fehler: Die Seiten sind vertauscht. Die stabilen Akkus liegen oberhalb der Geraden (g > 0), die kritischen unterhalb (g < 0). Das ergibt sich aus den Trainingsdaten, nicht aus der Formel.
def einstufen(widerstand_mohm: float, kapazitaet_prozent: float) -> str:
grenze = M * widerstand_mohm + B
g = kapazitaet_prozent - grenze
if g > 0:
return "stabil"
return "kritisch" # auch g == 0: im Zweifel lieber prüfenFestlegung für g = 0: „kritisch“. Ein Akku genau an der Grenze ist unsicher; eine zusätzliche Prüfung kostet wenig, ein übersehener Ausfall bedeutet für die Kundschaft eine Panne unterwegs. (Eine andere Festlegung ist mit schlüssiger Begründung ebenfalls richtig.)
Bewertung: 1 Punkt Test mit konkretem Akku, 1 Punkt Fehlerbeschreibung, 1 Punkt korrigierter Code, 1 Punkt Festlegung mit Begründung.
c) Acht weitere Akkus wurden beim Bestimmen der Geraden bewusst nicht verwendet. Ihr späterer Zustand ist bekannt.
| Akku | Innenwiderstand | Restkapazität | späterer Zustand |
|---|---|---|---|
| T1 | 115 mΩ | 79 % | stabil |
| T2 | 180 mΩ | 80 % | kritisch |
| T3 | 205 mΩ | 89 % | kritisch |
| T4 | 145 mΩ | 75 % | stabil |
| T5 | 235 mΩ | 85 % | kritisch |
| T6 | 160 mΩ | 86 % | stabil |
| T7 | 125 mΩ | 71 % | kritisch |
| T8 | 195 mΩ | 92 % | stabil |
Ermittle mit der korrigierten Regel aus b) für jeden Testakku die Einstufung. Berechne die Trefferquote und gib an, wie viele kritische Akkus übersehen und wie viele stabile Akkus unnötig als kritisch gemeldet werden. Lege dafür eine eigene Tabelle an. (7 Punkte)
| Akku | Grenze 0,15x + 56 | g = y − Grenze | Einstufung | späterer Zustand | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| T1 | 73,25 | +5,75 | stabil | stabil | richtig |
| T2 | 83,00 | −3,00 | kritisch | kritisch | richtig |
| T3 | 86,75 | +2,25 | stabil | kritisch | übersehen |
| T4 | 77,75 | −2,75 | kritisch | stabil | unnötig gemeldet |
| T5 | 91,25 | −6,25 | kritisch | kritisch | richtig |
| T6 | 80,00 | +6,00 | stabil | stabil | richtig |
| T7 | 74,75 | −3,75 | kritisch | kritisch | richtig |
| T8 | 85,25 | +6,75 | stabil | stabil | richtig |
\text{Trefferquote} = \frac{6}{8} = \underline{\underline{75\,\%}}
- übersehen: 1 kritischer Akku (T3); von 4 kritischen Testakkus werden also 3 erkannt.
- unnötig gemeldet: 1 stabiler Akku (T4).
Bewertung: 3 Punkte für die acht Einstufungen (je zwei richtige 1 Punkt, Rechenweg über g erkennbar), 1 Punkt eigene, übersichtliche Tabelle, 1 Punkt Trefferquote, je 1 Punkt für die beiden Fehlerarten.
d) Bastian Ludwig schlägt vor, die Gerade um 3 Prozentpunkte nach oben zu schieben (y = 0,15x + 59), „damit wir keinen kritischen Akku mehr übersehen“. Bewerte den Vorschlag: Prüfe seine Wirkung auf die Testakkus und auf die Trainingsakkus und gehe darauf ein, ob die Testakkus danach noch eine unabhängige Prüfung erlauben. (5 Punkte)
- Testakkus: Die Grenze steigt überall um 3. T3 erhält g = 89 − 89,75 = −0,75 und wird jetzt als kritisch erkannt. Alle übrigen Einstufungen bleiben gleich (T1 +2,75, T6 +3, T8 +3,75 bleiben stabil; T4 bleibt unnötig gemeldet). Trefferquote 7/8 = 87,5 %, kein kritischer Testakku wird übersehen.
- Trainingsakkus: Der stabile Akku (150 | 80) liegt nun mit g = 80 − 81,5 = −1,5 unterhalb und würde unnötig gemeldet. Auf den Trainingsdaten entsteht also ein Fehler, den die ursprüngliche Gerade nicht hatte.
- Unabhängigkeit: Die Verschiebung wurde gewählt, weil sie bei T3 hilft. Damit sind die Testdaten in die Festlegung der Geraden eingeflossen; die 87,5 % sind zu optimistisch. Für eine ehrliche Aussage braucht es neue, bisher unbenutzte Akkus.
- Bewertung: Die Richtung ist fachlich nachvollziehbar, weil ein übersehener kritischer Akku teurer ist als eine zusätzliche Prüfung. Die Werkstatt kann die Verschiebung übernehmen, sollte sie aber als bewusste Vorsichtsregel kennzeichnen und mit weiteren Akkus überprüfen.
Bewertung: 1 Punkt neue Einstufung von T3, 1 Punkt neue Trefferquote, 1 Punkt Wirkung auf Trainingsakkus, 1 Punkt Unabhängigkeit der Testdaten, 1 Punkt begründetes Fazit.
Aufgabe 3.2: Verfallen Lastenrad-Reservierungen? (Profilkompetenz)
(ca. 24 min Bearbeitungszeit)
An den Verleihstationen der CSB-Rad GmbH können Lastenräder per App oder Telefon reserviert werden. Wird ein Rad nicht innerhalb von 30 Minuten nach dem Termin abgeholt, verfällt die Reservierung, und das Rad stand für andere umsonst bereit. Cem Sarıkaya möchte bei jeder neuen Reservierung abschätzen, ob sie verfällt, um dann eine Erinnerung zu senden. Für einen ersten Versuch hat er acht frühere Reservierungen herausgesucht:
| Reservierung | Vorlauf (Tage) | Mietdauer (h) | frühere Ausleihen | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| R1 | 1 | 4 | 6 | abgeholt |
| R2 | 14 | 6 | 0 | verfallen |
| R3 | 3 | 24 | 2 | abgeholt |
| R4 | 18 | 48 | 1 | verfallen |
| R5 | 7 | 8 | 4 | abgeholt |
| R6 | 12 | 30 | 0 | verfallen |
| R7 | 2 | 50 | 8 | abgeholt |
| R8 | 20 | 2 | 3 | verfallen |
Die neue Reservierung N hat einen Vorlauf von 10 Tagen, eine Mietdauer von 12 h und stammt von einer Person mit einer früheren Ausleihe.
a) Für kNN soll jede Merkmalsdifferenz durch die Spannweite des Merkmals in den acht Reservierungen geteilt werden. Bestimme die drei Spannweiten und berechne damit die normierte euklidische Distanz von N zu R5 und zu R6. Runde Zwischenwerte auf vier Nachkommastellen. Die übrigen normierten Distanzen sind bereits berechnet: R1 0,802; R2 0,275; R3 0,462; R4 0,860; R7 1,253; R8 0,619. (5 Punkte)
Spannweiten: Vorlauf 20 − 1 = 19 Tage, Mietdauer 50 − 2 = 48 h, frühere Ausleihen 8 − 0 = 8.
| Merkmal | R5 − N | normiert | Quadrat | R6 − N | normiert | Quadrat |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Vorlauf | −3 | −0,1579 | 0,0249 | 2 | 0,1053 | 0,0111 |
| Mietdauer | −4 | −0,0833 | 0,0069 | 18 | 0,3750 | 0,1406 |
| frühere Ausleihen | 3 | 0,3750 | 0,1406 | −1 | −0,1250 | 0,0156 |
d(N, R5) = \sqrt{0{,}0249 + 0{,}0069 + 0{,}1406} = \sqrt{0{,}1724} \approx \underline{\underline{0{,}415}}
d(N, R6) = \sqrt{0{,}0111 + 0{,}1406 + 0{,}0156} = \sqrt{0{,}1673} \approx \underline{\underline{0{,}409}}
Bewertung: 1 Punkt Spannweiten, 1 Punkt normierte Differenzen, je 1 Punkt für Quadratsumme und Wurzel jeder Distanz.
b) Ordne alle acht Reservierungen nach ihrer normierten Distanz zu N und gib die Vorhersage für k = 1, k = 3 und k = 5 an. (3 Punkte)
Reihenfolge: R2 (0,275, verfallen), R6 (0,409, verfallen), R5 (0,415, abgeholt), R3 (0,462, abgeholt), R8 (0,619, verfallen), R1 (0,802, abgeholt), R4 (0,860, verfallen), R7 (1,253, abgeholt).
- k = 1: R2 → verfallen
- k = 3: R2, R6, R5 → 2 : 1 → verfallen
- k = 5: R2, R6, R5, R3, R8 → 3 : 2 → verfallen
Für N wird also eine Erinnerung gesendet. R6 und R5 liegen sehr dicht beieinander; schon kleine Rundungsunterschiede könnten ihre Reihenfolge ändern, für k = 3 und 5 bliebe das Ergebnis aber gleich.
Bewertung: 1 Punkt Reihenfolge, je 1 Punkt für zwei richtige Vorhersagen (k = 1 zählt mit).
c) In einem ersten Testlauf hatte Cem Sarıkaya die Distanzen ohne Normierung berechnet. Er erhielt als nächste Nachbarn R5 (5,83), R2 (7,28) und R1 (13,04) und damit für k = 3 die Vorhersage „abgeholt“. Erkläre, warum sich die Rangfolge so stark von b) unterscheidet, und entscheide, welchem Ergebnis Du mehr traust. (3 Punkte)
Ohne Normierung zählt jedes Merkmal in seiner eigenen Einheit. Die Mietdauer hat mit 48 h die größte Spannweite; Unterschiede von 18 h (R6) gehen mit 324 in die Summe der Quadrate ein, ein Unterschied von 3 früheren Ausleihen (R5) nur mit 9, obwohl er im Bereich 0 bis 8 schon mehr als ein Drittel der Spannweite ausmacht. R6 rückt dadurch weit nach hinten, R5 und R1 nach vorn. Die Nachbarn werden fast nur nach der Mietdauer ausgewählt.
Mehr Vertrauen verdient das normierte Ergebnis aus b), weil dort jedes Merkmal mit gleichem Gewicht eingeht. Ob alle drei Merkmale tatsächlich gleich wichtig sind, ist eine fachliche Frage, die man z. B. mit Validierungsdaten prüfen kann.
Bewertung: 2 Punkte Erklärung (dominierendes Merkmal, Wirkung auf die Rangfolge), 1 Punkt begründete Entscheidung.
d) Für den Echtbetrieb hat Cem Sarıkaya 600 Reservierungen in Trainings- und Validierungsdaten geteilt und kNN für verschiedene k ausprobiert:
Wähle einen Wert für k und begründe die Wahl. Erkläre außerdem, warum die Trefferquote auf den Trainingsdaten bei k = 1 genau 100 % beträgt und weshalb diese Zahl für die Wahl von k wertlos ist. (5 Punkte)
- Wahl k = 7: Auf den Validierungsdaten, die nicht zu den gespeicherten Trainingsdaten gehören, ist die Trefferquote hier am höchsten (84 %). k = 7 ist außerdem ungerade, bei zwei Klassen gibt es also kein Unentschieden. (k = 9 mit 83 % wäre mit dieser Begründung ebenfalls vertretbar.)
- Kleine k (1, 3): Einzelne, untypische Reservierungen in der Nähe bestimmen das Ergebnis, das Modell passt sich zu stark an (Overfitting).
- Große k (13, 15): Weit entfernte, unähnliche Reservierungen stimmen mit; die Vorhersage wird unspezifisch (Underfitting).
- 100 % bei k = 1 auf den Trainingsdaten: Jeder Trainingspunkt ist sein eigener nächster Nachbar (Distanz 0) und „sagt“ deshalb immer seine eigene Klasse voraus. Das misst nur das Auswendiglernen, nicht die Leistung bei neuen Reservierungen.
Bewertung: 1 Punkt Wahl, 1 Punkt Begründung über die Validierungsdaten, 1 Punkt ungerades k, 1 Punkt Einordnung zu kleiner bzw. zu großer k, 1 Punkt Erklärung der 100 %.
e) Künftig soll auch die Station (Hauptbahnhof, Universität, Altstadt) als Merkmal einfließen. Ein Vorschlag lautet, sie als 1, 2 und 3 zu kodieren. Bewerte den Vorschlag anhand der Abstände, die dabei zwischen den Stationen entstehen, und gib eine bessere Kodierung an. (3 Punkte)
Die Stationen haben keine natürliche Reihenfolge. Mit 1, 2, 3 wäre der Abstand Hauptbahnhof–Universität 1, Hauptbahnhof–Altstadt aber 2. Reservierungen an Hauptbahnhof und Altstadt würden also als doppelt so verschieden gelten, nur weil die Zahlen zufällig so vergeben wurden.
Besser ist die One-Hot-Kodierung mit drei 0/1-Spalten:
| Station | st_hbf | st_uni | st_altstadt |
|---|---|---|---|
| Hauptbahnhof | 1 | 0 | 0 |
| Universität | 0 | 1 | 0 |
| Altstadt | 0 | 0 | 1 |
Jedes Paar verschiedener Stationen hat dann denselben Abstand \sqrt{1^2 + 1^2} = \sqrt{2}. Die Werte liegen wie die normierten Merkmale zwischen 0 und 1.
Bewertung: 1 Punkt Problem der Reihenfolge mit Abstandsbeispiel, 1 Punkt One-Hot-Kodierung, 1 Punkt gleiche Abstände bzw. passende Größenordnung.
f) Zum Vergleich soll ein Entscheidungsbaum nach ID3 entstehen. Für die acht Reservierungen ist zusätzlich bekannt:
| Reservierung | Buchungsweg | Abholtag | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| R1 | App | Werktag | abgeholt |
| R2 | Telefon | Werktag | verfallen |
| R3 | App | Werktag | abgeholt |
| R4 | Telefon | Wochenende | verfallen |
| R5 | App | Wochenende | abgeholt |
| R6 | App | Werktag | verfallen |
| R7 | App | Wochenende | abgeholt |
| R8 | Telefon | Werktag | verfallen |
Berechne den Informationsgewinn beider Merkmale, gib an, welches Merkmal ID3 an die Wurzel setzt, und formuliere die Regel, die sich an der Wurzel bereits ablesen lässt. (4 Punkte)
Alle Reservierungen: 4 abgeholt, 4 verfallen → H(S) = 1.
- Buchungsweg: App 5 Reservierungen (4 abgeholt : 1 verfallen), H = -0{,}8 \log_2 0{,}8 - 0{,}2 \log_2 0{,}2 \approx 0{,}722; Telefon 3 (0 : 3), H = 0. IG = 1 - \left(\frac{5}{8} \cdot 0{,}722 + \frac{3}{8} \cdot 0\right) \approx \underline{\underline{0{,}549}}
- Abholtag: Werktag 5 (2 : 3), H ≈ 0,971; Wochenende 3 (2 : 1), H ≈ 0,918. IG = 1 - \left(\frac{5}{8} \cdot 0{,}971 + \frac{3}{8} \cdot 0{,}918\right) \approx \underline{\underline{0{,}049}}
ID3 setzt den Buchungsweg an die Wurzel. Ablesbare Regel: „Telefonisch reservierte Lastenräder verfallen“ (in diesen Daten ohne Ausnahme). Für den App-Zweig (4 : 1) muss weiter aufgeteilt werden.
Bewertung: je 1 Punkt für die beiden Informationsgewinne, 1 Punkt Wurzel, 1 Punkt Regel.
g) Im Team fallen drei Aussagen. Beurteile jeweils, ob sie zutrifft, und begründe kurz. (3 Punkte)
- „Wenn morgen 50 neue Reservierungen dazukommen, müssen wir das kNN-Verfahren erst neu trainieren.“
- „Den Baum aus f) können wir dem Stationsteam als Regel erklären. Bei kNN können wir wenigstens die ähnlichsten früheren Reservierungen zeigen.“
- „Vorlauf und Mietdauer kann ID3 genauso direkt verwenden wie kNN.“
- Trifft nicht zu. kNN speichert nur die Daten und rechnet erst bei einer Anfrage; neue Reservierungen werden einfach ergänzt. (Bei Min-Max-Normierung sollten die Spannweiten gelegentlich neu bestimmt werden.)
- Trifft zu. Ein Baum liefert lesbare Wenn-dann-Regeln; kNN begründet eine Vorhersage nur über ähnliche Fälle, das ist weniger übersichtlich, aber nachvollziehbar.
- Trifft nicht zu. ID3 verzweigt nach einzelnen Werten. Zahlen wie Vorlauf und Mietdauer müssen vorher in Klassen eingeteilt werden (z. B. Vorlauf „bis 7 Tage“, „mehr als 7 Tage“); die Grenzen beeinflussen den Baum.
Je Aussage 1 Punkt (Urteil mit Begründung).
Links und weitere Informationen
Klassifizieren mit Trenngeraden, k-nächsten Nachbarn und Entscheidungsbäumen
Grundlagen des maschinellen Lernens: Lernarten, Trainings- und Testdaten, CRISP-DM
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