Übungsaufgaben zu den Grundlagen des maschinellen Lernens
https://bildung.social/@oerinformatik/
https://oer-informatik.de/maschinelles-lernen-uebungsaufgaben
Maschinelles Lernen, überwachtes Lernen, Klassifikation, Feature, Label, Trainingsdaten, Testdaten, Overfitting, Underfitting, CRISP-DM, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 64 min, mehrere Aufgaben): Zwei Übungsaufgaben: Du prüfst, ob sich in einer Freizeit-App vorhersagen lässt, wer zu einem Treffen nicht erscheint, ordnest dazu Begriffe, Lernarten und Daten ein und bereitest die Daten auf. Danach planst Du für einen Fahrrad-Onlineshop eine Rücksendeprognose nach CRISP-DM, teilst die Daten auf, findest Fehler im Vorgehen eines Kollegen, erkennst Overfitting und Underfitting und leitest Qualitätskriterien aus Anforderungen ab. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 29.10.2026)
Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Grundlagen des maschinellen Lernens: Lernarten, Trainings- und Testdaten, CRISP-DM.
Hinweise zur Bearbeitung: Von FIDP wird erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1 und Aufgabe 3.2) keine Probleme bereiten. Schreib Deine Lösung zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst.
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Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.
Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Grundlagen des maschinellen
Lernens“.
Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.
Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/maschinelles-lernen
- https://oer-informatik.de/ki-einsatz
- https://oer-informatik.de/datenqualitaet-import
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/maschinelles-lernen-uebungsaufgaben
Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Maschinelles Lernen
- überwachtes Lernen
- Klassifikation
- Feature
- Label
- Trainingsdaten
- Testdaten
- Overfitting
- Underfitting
- CRISP-DM
Kompetenzstufe: Profilkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Kernkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan
Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
danach frage.
Aufgabe 3.1: Wer kommt zum Treffen? Ausfälle in einer Freizeit-App vorhersagen (Profilkompetenz)
(ca. 36 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r bei der Let’s Meet GmbH in Bielefeld. In der App „Let’s Meet“ verabreden sich Menschen zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten. Geschäftsführerin Clara Neumann ärgert sich: Bei beliebten Aktivitäten ist die Teilnehmendenzahl schnell erreicht, aber ein Teil der Angemeldeten erscheint ohne Abmeldung nicht, während andere auf der Warteliste stehen. Entwicklungsleiter Yusuf Demir möchte deshalb vorhersagen lassen, welche Anmeldungen voraussichtlich ausfallen. Diese Personen sollen eine Erinnerung bekommen, und die Warteliste soll früher nachrücken.
Aus den vergangenen 18 Monaten liegen rund 52.000 Teilnahmen vor. Ein Auszug:
| teilnahme_id | Alter | Entfernung Wohnort–Treffpunkt | Vorlauf (Tage zwischen Anmeldung und Termin) | bisherige Teilnahmen | Aktivitätsart | Wochentag | Hobbys im Profil | Profiltext | erschienen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 40117 | 63 | 4,2 km | 3 | 41 | Wandern | Sa | Wandern; Lesen | „Ich organisiere gern Touren im Teutoburger Wald …“ | ja |
| 40118 | 24 | 11,8 km | 21 | 2 | Fußball | Di | Fußball | (leer) | nein |
| 40125 | 28 | 2,1 km | 6 | 17 | Brettspiele | Fr | Brettspiele; Kochen; Konzerte | „Suche Leute für Strategiespiele, gern auch lange Abende.“ | ja |
| 40131 | 45 | 23,5 km | 14 | 5 | Laufen | Mi | Laufen | „Laufgruppe vor der Frühschicht?“ | nein |
| 40140 | 22 | 6,7 km | 1 | 9 | Bouldern | Do | Bouldern; Konzerte | (leer) | ja |
a) In der ersten Projektbesprechung spricht Yusuf Demir von „KI“, Clara Neumann von „maschinellem Lernen“, und Anh Nguyen fragt, ob man dafür „Deep Learning“ brauche. Damit alle dasselbe meinen, sollst Du drei Funktionen einordnen, die es in der App gibt oder geben könnte:
- Ein Hilfe-Chat beantwortet Fragen zur Anmeldung, indem er Schlüsselwörter mit einer Antwortliste abgleicht, die das Support-Team von Hand pflegt.
- Ein Entscheidungsbaum wurde mit den vergangenen Teilnahmen trainiert und schätzt für jede neue Anmeldung, ob sie ausfällt.
- Ein neuronales Netz mit vielen Schichten prüft hochgeladene Profilbilder auf unzulässige Inhalte.
aa) Gib für jede Funktion den engsten der drei Begriffe an, der auf sie zutrifft, und begründe Deine Wahl. Skizziere, wie die drei Begriffe zueinander liegen. (4 Punkte)
Je Funktion 1 P, Skizze 1 P:
- Hilfe-Chat: künstliche Intelligenz, aber kein maschinelles Lernen. Er wirkt „verständig“, seine Regeln (Schlüsselwort → Antwort) hat aber das Support-Team geschrieben; nichts davon wurde aus Daten abgeleitet.
- Entscheidungsbaum: maschinelles Lernen. Seine Verzweigungen hat der Lernalgorithmus aus den beschrifteten Teilnahmen bestimmt. Ein Baum ist aber kein tief gestaffeltes neuronales Netz, also kein Deep Learning.
- Bildprüfung: Deep Learning. Das Modell ist ein vielschichtiges Netz, das aus den Bildpunkten selbst die Merkmale bildet, an denen es unzulässige Inhalte erkennt.
- Skizze: drei ineinanderliegende Kreise, außen KI, darin maschinelles Lernen, ganz innen Deep Learning. Jeder innere Begriff gehört vollständig zum äußeren, aber nicht umgekehrt.
ab) Beurteile Anhs Frage, ob die Ausfallprognose Deep Learning braucht. Berücksichtige dabei die Art der Daten und was das Team mit der Prognose vorhat. (3 Punkte)
- Die Teilnahmedaten bilden überwiegend eine Tabelle mit wenigen, bereits aussagekräftigen Spalten (Alter, Entfernung, Vorlauf …). Es müssen keine Merkmale erst aus Rohdaten wie Bildpunkten gewonnen werden, und genau darin liegt die Stärke tiefer Netze (1 P).
- Ein einfacheres Lernverfahren wie ein Entscheidungsbaum braucht weniger Rechenleistung und bleibt nachvollziehbar: Das Team kann erklären, warum jemand eine Erinnerung bekommt (1 P).
- Fazit (1 P): Für den Start ist Deep Learning nicht nötig. Es käme allenfalls infrage, wenn z. B. die Profiltexte ausgewertet werden sollen, und müsste dann zeigen, dass es deutlich besser vorhersagt als das einfache Modell.
b) Bevor trainiert wird, soll für die Spalten teilnahme_id, Alter, Hobbys im Profil, Profiltext und erschienen festgelegt werden, wie das Modell sie nutzt. Lege dazu eine eigene Tabelle an, aus der je Spalte hervorgeht,
- ob sie als Merkmal (unabhängige Daten), als Zielwert (abhängige Daten) oder gar nicht verwendet wird,
- ob es sich um strukturierte, semistrukturierte oder unstrukturierte Daten handelt und
- welcher Aufbereitungsschritt nötig ist und warum. (7 Punkte)
Bewertung: Verwendung je Spalte 0,5 P (2,5 P), Datenart von Alter, Hobbys und Profiltext je 0,5 P (1,5 P), sinnvolle Aufbereitung mit Begründung für drei Spalten je 1 P (3 P).
| Spalte | Verwendung | Datenart | nötige Aufbereitung und Grund |
|---|---|---|---|
teilnahme_id |
nicht verwenden | strukturiert (Zahl) | weglassen: Eine laufende Nummer hängt nicht mit dem Erscheinen zusammen; das Modell könnte sonst Zufallsmuster in den Nummern lernen. |
| Alter | Merkmal (unabhängig) | strukturiert: Zahl mit festem Wertebereich | für einen Entscheidungsbaum ggf. in Klassen einteilen, für abstandsbasierte Verfahren skalieren |
| Hobbys im Profil | Merkmal (unabhängig) | semistrukturiert: Einträge aus einem Hobby-Katalog, aber je Person unterschiedlich viele | in eine feste Form bringen, z. B. eine Ja/Nein-Spalte je Hobby, damit jeder Datensatz dieselben Spalten hat |
| Profiltext | Merkmal (unabhängig); vertretbar auch: nicht verwenden | unstrukturiert: freier Text, oft leer | erst per Textanalyse in Kennzahlen übersetzen (z. B. „Text vorhanden ja/nein“) oder wegen Datenminimierung weglassen |
| erschienen | Zielwert (abhängig) | strukturiert (ja/nein) | als 1/0 kodieren; muss für alle Trainingsdatensätze bekannt sein |
c) Erläutere, welche Lernart für die Ausfallprognose eingesetzt wird und ob es sich um eine Klassifikation oder eine Regression handelt. Beschreibe außerdem die andere Lernart mit einem sinnvollen Einsatzbeispiel in der App. (6 Punkte)
- Überwachtes Lernen (1 P), weil für alle vergangenen Teilnahmen bekannt ist, ob die Person erschienen ist: Jeder Datensatz trägt die richtige Antwort als Etikett (1 P). Das Verfahren macht für die Trainingsbeispiele Vorhersagen, misst den Fehler gegenüber dem Etikett und verändert seine Parameter so, dass der Fehler sinkt (1 P).
- Klassifikation (1 P), weil eine von zwei bekannten Klassen (erscheint / erscheint nicht) vorhergesagt wird, keine Zahl.
- Unüberwachtes Lernen: Die Datensätze haben kein Etikett; das Verfahren sucht nur nach Ähnlichkeiten zwischen ihnen (1 P). Beispiel: Nutzende anhand ihrer Hobbys und Aktivitäten in Interessengruppen einteilen (Clustering), um passende Aktivitäten vorzuschlagen, oder auffällige Konten (z. B. Spam) als Ausreißer erkennen (1 P).
d) Für ein erstes Modell mit einem Entscheidungsbaum soll das Alter in drei Klassen eingeteilt werden. Eine Stichprobe aus 15 Teilnahmen enthält folgende Altersangaben (in Jahren):
21, 44, 18, 34, 63, 27, 39, 22, 56, 31, 49, 20, 38, 71, 30
da) Lege die Grenzen der drei Altersklassen so fest, dass in der Stichprobe jede Klasse gleich viele Personen enthält. Gib die Klassen mit ihren Grenzen an. (3 Punkte)
Sortiert (1 P): 18, 20, 21, 22, 27 | 30, 31, 34, 38, 39 | 44, 49, 56, 63, 71
Jede Klasse erhält fünf Personen. Die Grenzen liegen in den Lücken zwischen 27 und 30 sowie zwischen 39 und 44, z. B. (2 P):
- Klasse 1: bis 28 Jahre (5 Personen),
- Klasse 2: 29 bis 41 Jahre (5 Personen),
- Klasse 3: ab 42 Jahre (5 Personen).
Andere Grenzen innerhalb der Lücken (z. B. 29 und 40) sind ebenso richtig. Solche Klassen heißen gleich stark besetzt; ihre Grenzen sind die Quantile der Stichprobe (bei drei Klassen die Terzile).
db) Yusuf Demir schlägt stattdessen Grenzen nach Lebensabschnitten vor: unter 18, 18 bis 64, ab 65 Jahre. Vergleiche die beiden Einteilungen für die Ausfallprognose: Nenne für jede einen Vorteil und zeige an der Stichprobe, welche Schwäche Yusufs Einteilung hat. (4 Punkte)
- Vorteil gleich stark besetzter Klassen (1 P): Jede Klasse enthält genug Datensätze, sodass der Entscheidungsbaum Unterschiede im Ausfallverhalten zwischen den Klassen überhaupt erkennen kann.
- Vorteil der Lebensabschnitte (1 P): Die Grenzen haben eine feste, erklärbare Bedeutung (z. B. Minderjährige, die in der App nur bestimmte Aktivitäten sehen) und hängen nicht von der zufälligen Stichprobe ab.
- Schwäche (2 P): In der Stichprobe liegen 0 Personen unter 18, 14 Personen zwischen 18 und 64 und eine Person ab 65. Fast alle landen in derselben Klasse, das Alter wird für das Modell praktisch zu einer Konstanten. Fallen z. B. die 18- bis 22-Jährigen häufiger aus als die 30- bis 40-Jährigen, kann der Baum diesen Zusammenhang nicht mehr sehen, obwohl er in den Rohdaten steckt. Die Klassengrenzen bestimmen also mit, welche Zusammenhänge das Modell finden kann.
e) Eine Kollegin möchte später statt des Entscheidungsbaums ein Verfahren nutzen, das mit Abständen zwischen Datensätzen rechnet. Erkläre, wie dafür die Spalten Aktivitätsart und Wochentag aufbereitet werden müssen und warum Entfernung und bisherige Teilnahmen skaliert werden sollten. (4 Punkte)
- Aktivitätsart und Wochentag sind Kategorien und müssen in Zahlen umgewandelt werden, damit Abstände berechnet werden können (1 P). Da sie keine natürliche Reihenfolge haben (Wandern ist nicht „größer“ als Fußball), erhält jede Ausprägung eine eigene Spalte mit 0 oder 1 (One-Hot-Kodierung); eine einfache Nummerierung würde eine Reihenfolge vortäuschen (1 P). Beim Wochentag ist alternativ „Wochenende ja/nein“ sinnvoll.
- Entfernung (0 bis etwa 40 km) und bisherige Teilnahmen (0 bis über 100) haben unterschiedliche Größenordnungen; das Merkmal mit den größeren Zahlen würde den Abstand dominieren (1 P). Deshalb werden alle Merkmale auf einen gemeinsamen Bereich gebracht, z. B. 0 bis 1 mit x_{neu} = \frac{x - x_{min}}{x_{max} - x_{min}} (1 P).
f) Die Datenschutzbeauftragte Dr. Marta Kowalczyk will dem Vorhaben nur zustimmen, wenn die Trainingsdaten datenschutzgerecht genutzt werden. Nenne zwei Maßnahmen. (2 Punkte)
Zwei der folgenden, je 1 P:
- Datenminimierung: nur die Merkmale verwenden, die für die Prognose nötig sind (z. B. Profiltext weglassen),
- Pseudonymisierung der Trainingsdaten (keine Namen, keine Benutzer-ID im Trainingsbestand),
- Zweck festlegen und in der Datenschutzerklärung informieren; Rechtsgrundlage prüfen,
- Löschfristen auch für Trainingsdaten (gelöschte Konten nach Ablauf der Frist nicht mehr verwenden),
- keine automatisierte Entscheidung mit spürbarer Wirkung ohne menschliche Prüfung (die Prognose löst nur eine Erinnerung aus, keine Sperre).
g) Yusuf Demir hat für 500 Teilnahmen die Entfernung und den Vorlauf der Anmeldung in ein Streudiagramm eingetragen. Er folgert: „Mit einer einfachen Trennlinie kommen wir hier nicht weit. Dann nehmen wir eben ein großes neuronales Netz, das findet in diesen beiden Spalten schon den Zusammenhang.“ Beurteile seine Folgerung und schlage ein anderes Vorgehen vor. (3 Punkte)
- Die beiden Klassen liegen über die ganze Fläche verteilt durcheinander. Entfernung und Vorlauf enthalten also kaum Information darüber, wer erscheint; was nicht in den Merkmalen steckt, kann auch ein großes Netz nicht herausholen (1 P).
- Ein sehr flexibles Modell würde stattdessen die zufällige Lage der Trainingspunkte nachbilden: gute Werte auf den Trainingsdaten, auf neuen Daten kaum besser als Raten (Overfitting) (1 P).
- Besser (1 P): weitere Merkmale untersuchen, die mit dem Erscheinen zusammenhängen könnten (z. B. bisherige Teilnahmen oder frühere Ausfälle der Person, Aktivitätsart), ihren Zusammenhang zuerst mit Diagrammen prüfen und ein einfaches Modell als Vergleichsbasis trainieren.
h) Clara Neumann schlägt vor, statt eines lernenden Modells eine feste Regel zu verwenden: „Wer sich mehr als 14 Tage vorher anmeldet und mehr als 20 km entfernt wohnt, bekommt eine Erinnerung.“ Beurteile den Vorschlag. (3 Punkte)
- Für die Regel spricht: Sie ist sofort umsetzbar, nachvollziehbar, braucht keine Trainingsdaten und ist leicht zu erklären (1 P).
- Dagegen spricht: Sie berücksichtigt nur zwei Merkmale mit willkürlichen Grenzen; das Zusammenwirken vieler Merkmale (bisherige Teilnahmen, Aktivitätsart, Wochentag) bildet sie nicht ab, und laut Streudiagramm trennen gerade diese beiden Merkmale schlecht (1 P).
- Fazit (1 P): Da über 50.000 beschriftete Teilnahmen vorliegen und eine Fehlprognose nur eine überflüssige Erinnerung auslöst, lohnt sich ein lernendes Modell. Die Regel kann als einfache Vergleichsbasis dienen: Das Modell muss besser sein als sie. Eine begründete andere Stellungnahme ist ebenfalls richtig.
Aufgabe 3.2: Rücksendungen im Fahrrad-Onlineshop vorhersagen (Profilkompetenz)
(ca. 28 min Bearbeitungszeit)
Du bist Auszubildende*r bei der CSB-Rad GmbH in Bielefeld, die Fahrräder und Zubehör über einen Onlineshop verkauft. Geschäftsführerin Sophie Bertram stört die hohe Rücksendequote bei Helmen, Bekleidung und Fahrradtaschen. Geschäftsführer Cem Sarıkaya startet ein Projekt: Ein Modell soll vorhersagen, ob eine Bestellposition vermutlich zurückgeschickt wird. Dann soll der Shop schon im Warenkorb gezielt Hilfe anbieten, etwa eine Größenberatung. Als Datengrundlage stehen 18.400 Bestellpositionen der Jahre 2024 bis 2026 zur Verfügung, bei denen bekannt ist, ob sie zurückgeschickt wurden. Das Team geht nach dem Vorgehensmodell CRISP-DM vor.
a) Ordne die folgenden Tätigkeiten aus dem Projekt jeweils einer Phase von CRISP-DM zu. Gib außerdem an, wie es weitergeht, wenn sich bei Tätigkeit 5 zeigt, dass das Ziel aus 1. verfehlt wird. (4 Punkte)
- Mit Sophie Bertram festlegen, dass die Rücksendequote bei Helmen innerhalb eines Jahres um ein Fünftel sinken soll.
- Auszählen, bei wie vielen Bestellpositionen der Rücksendegrund fehlt, und die Verteilung der Bestellwerte als Diagramm ansehen.
- Größenangaben wie „M“, „M/L“ und „56–58 cm“ vereinheitlichen und die Daten aus Shop und Warenwirtschaft zusammenführen.
- Einen Entscheidungsbaum mit den Trainingsdaten erstellen und die maximale Baumtiefe einstellen.
- Mit Sophie Bertram prüfen, ob die erreichte Trefferquote ausreicht, um das Ziel aus 1. zu erreichen.
- Die Prognose als Hinweis in den Warenkorb einbauen und monatlich überwachen, ob sie noch zuverlässig ist.
Je Tätigkeit 0,5 P: 1 Business Understanding, 2 Data Understanding, 3 Data Preparation, 4 Modeling, 5 Evaluation, 6 Deployment.
Rücksprung (1 P): Wird das Ziel verfehlt, geht es nach der Evaluation zurück zum Business Understanding. Ziel, Datengrundlage und Vorgehen werden überprüft, und ein neuer Durchlauf beginnt, z. B. mit zusätzlichen Daten aus der Größenberatung.
b) Erkläre, warum die 18.400 Bestellpositionen nicht vollständig für das Training verwendet werden, und mache einen begründeten Vorschlag für die Aufteilung. Berücksichtige, dass die Daten aus drei Jahren stammen. (4 Punkte)
- Ein Teil der Daten wird als Testdaten zurückgehalten, um das Ergebnis des Lernens zu überprüfen (1 P). Nur Daten, die das Modell beim Training nicht gesehen hat, zeigen, wie gut es neue Bestellungen beurteilt; mit den Trainingsdaten selbst würde man nur das „Auswendiglernen“ messen (1 P).
- Vorschlag (2 P): etwa 80 % Trainingsdaten (rund 14.700 Positionen) und 20 % Testdaten (rund 3.700). Weil das Modell künftige Bestellungen vorhersagen soll und sich Sortiment und Kaufverhalten ändern, werden die ältesten Positionen (2024 bis Anfang 2026) zum Training und die neuesten Monate zum Test genutzt. Alternativ ist eine zufällige Aufteilung möglich, wenn darauf geachtet wird, dass alle Jahreszeiten und Artikelgruppen in beiden Teilen vorkommen. Sollen mehrere Modellvarianten verglichen werden, wird aus den Trainingsdaten zusätzlich ein Teil als Validierungsdaten abgetrennt.
c) Ein Kollege hat sein bisheriges Vorgehen für das Rücksendemodell protokolliert. In den Daten wurde etwa jede fünfte Bestellposition zurückgeschickt.
- Bestellpositionen aus Shop und Warenwirtschaft zusammengeführt, Duplikate entfernt und Größenangaben vereinheitlicht.
- Bestellwert und Anzahl früherer Bestellungen auf den Bereich 0 bis 1 skaliert; Minimum und Maximum dafür aus allen 18.400 Positionen bestimmt.
- Die Positionen zufällig aufgeteilt: 80 % Trainingsdaten, 20 % Testdaten.
- Zwölf Entscheidungsbäume mit unterschiedlicher Tiefe trainiert, jeden mit den Testdaten geprüft und den besten behalten.
- Für diesen Baum verschiedene Kennzahlen berechnet. Der Anteil richtiger Vorhersagen sah mit 91 % am besten aus, deshalb steht diese Zahl als Ergebnis im Projektbericht.
Der Kollege ist mit 91 % zufrieden. Finde drei Fehler im Vorgehen. Erkläre jeweils, warum das berichtete Ergebnis dadurch zu gut oder wenig aussagekräftig ist, und gib an, wie es richtig gemacht wird. (6 Punkte)
Je Fehler 2 P (Fehler mit Begründung 1 P, Korrektur 1 P):
- Schritt 2, Skalierung mit allen Daten: Minimum und Maximum stammen auch aus den Testdaten. Damit steckt Wissen über die Testdaten schon im Training (Data Leakage), und der Test ist nicht mehr unabhängig. Richtig: erst aufteilen, Minimum und Maximum nur aus den Trainingsdaten bestimmen und mit diesen Werten auch die Testdaten umrechnen. Schritt 1 darf dagegen vor dem Aufteilen stehen, denn dabei wird nichts aus den Daten gelernt.
- Schritt 4, Auswahl an den Testdaten: Wer aus zwölf Bäumen den auswählt, der auf den Testdaten am besten abschneidet, hat die Testdaten zum Auswählen benutzt. Der beste von zwölf ist auch zufällig gut auf genau diesen Daten; sein Testergebnis überschätzt die Güte bei neuen Bestellungen. Richtig: einen Teil der Trainingsdaten als Validierungsdaten abtrennen, die Bäume daran vergleichen und nur den ausgewählten Baum einmal mit den Testdaten prüfen.
- Schritt 5, Kennzahl nachträglich gewählt: Die Kennzahl wurde ausgesucht, als das Ergebnis schon feststand, nämlich die, bei der das Modell am besten aussieht. Sie sagt hier außerdem wenig: Bei rund 20 % Rücksendungen erreicht schon ein „Modell“, das immer „keine Rücksendung“ vorhersagt, etwa 80 % richtige Vorhersagen, ohne eine einzige Rücksendung zu finden. Ob die 91 % viele Rücksendungen erkennen, bleibt offen. Richtig: vor dem Training festlegen, woran gemessen wird, z. B. am Anteil gefundener Rücksendungen und am Anteil berechtigter Hinweise, jeweils mit einem Mindestwert aus dem Projektziel.
Die zufällige Aufteilung in Schritt 3 ist vertretbar (siehe b); eine Aufteilung nach Zeit wäre ebenfalls richtig, zählt aber nicht als einer der drei Fehler.
d) Das Team hat zwei Entscheidungsbäume gebaut und an zurückgehaltenen Validierungsdaten verglichen:
| Modell | richtige Vorhersagen Trainingsdaten | richtige Vorhersagen Validierungsdaten |
|---|---|---|
| Baum ohne Tiefenbegrenzung | 99,4 % | 80,9 % |
| Baum mit höchstens 5 Ebenen | 88,7 % | 87,6 % |
da) Entscheide, welcher Baum weiterverfolgt werden soll, und begründe mit den Werten. Erkläre dabei, was Overfitting ist und woran es hier zu erkennen ist. (3 Punkte)
Weiterverfolgt wird der Baum mit höchstens 5 Ebenen: Auf den Validierungsdaten sagt er 87,6 % richtig vorher, der unbegrenzte Baum nur 80,9 % (1 P). Der unbegrenzte Baum trifft die Trainingsdaten fast vollständig (99,4 %), verliert bei unbekannten Daten aber 18,5 Prozentpunkte und ist kaum besser als die Vorhersage „nie Rücksendung“. Er hat sich die einzelnen Trainingsbestellungen samt ihrer Zufälle gemerkt, statt die allgemeinen Zusammenhänge zu lernen; das ist Overfitting (1 P). Beim begrenzten Baum liegen Training (88,7 %) und Validierung (87,6 %) nah beieinander: Was er gelernt hat, gilt auch für neue Bestellungen (1 P).
db) Nenne zwei mögliche Ursachen für Overfitting und zwei Gegenmaßnahmen. (4 Punkte)
Ursachen, je 1 P: zu komplexes Modell (hier: Baum ohne Tiefenbegrenzung mit einem Blatt für fast jeden Datensatz); zu wenige Trainingsdaten im Verhältnis zur Zahl der Merkmale bzw. für einzelne Artikelgruppen; nicht repräsentative Trainingsdaten; zu viele unwichtige Merkmale.
Gegenmaßnahmen, je 1 P: Modell vereinfachen (Baumtiefe begrenzen, Mindestanzahl Datensätze je Blatt); mehr und vielfältigere Trainingsdaten; unwichtige Merkmale weglassen; Varianten mit Validierungsdaten vergleichen, statt sie an den Testdaten auszurichten.
e) Bei der Recherche findest Du folgenden Text:
Underfitting occurs when a model is too simple to capture the underlying pattern in the data. Such a model performs poorly not only on new data but already on the data it was trained on. Choosing a more flexible model or adding relevant features usually helps.
Beschreibe mithilfe des Textes, was Underfitting ist, woran Du es an den Trainings- und Testergebnissen erkennst und was dagegen hilft. (3 Punkte)
- Underfitting: Das Modell ist zu einfach, um den eigentlichen Zusammenhang in den Daten abzubilden (1 P).
- Erkennbar daran, dass die Ergebnisse schon auf den Trainingsdaten schlecht sind und auf den Testdaten ebenso (kein großer Abstand, aber beide niedrig) (1 P).
- Abhilfe: ein flexibleres (komplexeres) Modell wählen oder zusätzliche aussagekräftige Merkmale aufnehmen (1 P).
f) Vor der Freigabe sammelt das Team Anforderungen an das Modell:
- Sophie Bertram: „Wenn eine Kundin fragt, warum ihr eine Größenberatung angeboten wird, muss der Kundenservice das erklären können.“
- Cem Sarıkaya: „Der Hinweis wird beim Öffnen des Warenkorbs berechnet. Dabei darf der Shop nicht spürbar langsamer werden.“
- Bastian Ludwig: „In alten Bestellungen stehen Größen wie ‚XLL‘ statt ‚XXL‘. Bei solchen Tippfehlern darf das Modell nicht völlig danebenliegen.“
- Mira Engel schreibt in einer Bewertung: „Ich fahre sehr kleine Rahmen und bekomme bei jeder Bestellung eine Größenwarnung. Das nervt.“
fa) Ordne jeder Anforderung das Qualitätskriterium für Modelle zu, um das es geht. (2 Punkte)
Je 0,5 P: Sophie Bertram – Interpretierbarkeit; Cem Sarıkaya – Effizienz (Dauer der Vorhersage); Bastian Ludwig – Robustheit gegenüber fehlerhaften Eingaben; Mira Engel – Fairness (eine seltene Kundengruppe wird benachteiligt, weil sie in den Trainingsdaten kaum vorkommt).
fb) Erkläre an einer dieser Anforderungen, warum sie mit dem Wunsch nach möglichst vielen richtigen Vorhersagen in Konflikt geraten kann. (2 Punkte)
Beispiel Interpretierbarkeit: Ein kleiner Entscheidungsbaum mit wenigen Ebenen lässt sich dem Kundenservice erklären; ein großes neuronales Netz oder viele kombinierte Bäume treffen vielleicht öfter, sind aber kaum nachvollziehbar (1 P). Das Team muss abwägen und nimmt z. B. ein paar Prozentpunkte weniger Treffer in Kauf, um jeden Hinweis begründen zu können (1 P).
Ebenfalls richtig: Effizienz (ein größeres, genaueres Modell rechnet länger) oder Fairness (ein auf die große Mehrheit optimiertes Modell hat insgesamt viele Treffer, benachteiligt aber seltene Gruppen; der Ausgleich kann die Gesamtquote etwas senken).
g) In den 18.400 Positionen stecken nur Bestellungen von Privatkundschaft. Bestellungen von Fachhändlern und öffentlichen Auftraggebern laufen über einen eigenen Bestellweg und fehlen. Cem Sarıkaya möchte das Modell trotzdem für alle Bestellungen nutzen. Beurteile das. (3 Punkte)
- Die Trainingsdaten sind für Händler- und Behördenbestellungen nicht repräsentativ: Diese bestellen andere Mengen und Artikel, haben andere Rückgaberegeln und Gründe (1 P).
- Das Modell hat diese Fälle nie gesehen; seine Vorhersagen dafür sind unzuverlässig und können systematisch falsch sein (1 P).
- Fazit (1 P): Das Modell nur für Privatkundschaft einsetzen. Soll es auch Händlerbestellungen beurteilen, müssen deren Daten gesammelt, aufbereitet und das Modell neu trainiert und getestet werden (in CRISP-DM zurück zu Business und Data Understanding).
Links und weitere Informationen
Grundlagen des maschinellen Lernens: Lernarten, Trainings- und Testdaten, CRISP-DM
KI im Unternehmen einsetzen: Einsatzfelder, Chancen, Risiken und Kosten
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