Kosten verteilen: Einzel- und Gemeinkosten, Kostenstellen und Betriebsabrechnungsbogen

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Betriebsabrechnungsbogen, BAB, Einzelkosten, Gemeinkosten, Kostenstelle, Verteilungsschlüssel, Zuschlagssatz, Stundenverrechnungssatz, Kostenrechnung, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (ca. 15 min Lesezeit): Manche Kosten lassen sich einem Auftrag direkt zuordnen, etwa die Bauteile eines Servers. Andere, wie Miete, Strom oder die Buchhaltung, fallen für den ganzen Betrieb an. Damit auch diese Gemeinkosten in jedem Preis stecken, verteilt der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) sie mit Schlüsseln auf Kostenstellen und liefert Zuschlagssätze und Stundenverrechnungssätze für die Kalkulation. Der Artikel erklärt Einzel- und Gemeinkosten, Kostenstellen, Verteilungsschlüssel, den BAB Schritt für Schritt, die Berechnung von Zuschlags- und Stundensätzen, Über- und Unterdeckung und was passiert, wenn Gemeinkosten sinken [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)

Dieser Artikel baut auf der Kann-Liste des Artikels Angebots- und Verkaufskalkulation: Zuschläge, Stundensätze, Vor- und Nachkalkulation auf. Dort werden Zuschlagssätze verwendet; hier geht es darum, woher sie kommen. Zum Üben gibt es Übungsaufgaben zum Betriebsabrechnungsbogen.

Schon fit in diesem Thema? Nutze die Kann-Liste und die Leitfragen unter dem Artikel als Checkliste, ob Du die relevanten Kompetenzen bereits hast.

Als kaufmännische Kernkompetenz kann ich nach Durchlesen des Artikels…

  • … Einzelkosten und Gemeinkosten erläutern, typische Einzelkostenpositionen eines Auftrags und Gemeinkostenarten aus einem IT-Betrieb nennen und begründen, warum z. B. die Miete zu den Gemeinkosten gehört.

  • … Kostenarten, Kostenstellen und Kostenträger unterscheiden und den Zweck eines Betriebsabrechnungsbogens beschreiben.

  • … einen BAB vervollständigen: Gemeinkosten mit Verteilungsschlüsseln auf Kostenstellen verteilen, die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung als Prozentsatz der Gehälter berechnen und die Summen je Kostenstelle bilden.

  • … verursachungsgerechte Verteilungsschlüssel auswählen und begründen, warum ein Schlüssel ungeeignet ist.

  • … Gemeinkostenzuschlagssätze mit der richtigen Zuschlagsgrundlage berechnen und Stundenverrechnungssätze aus dem BAB ermitteln.

  • … mit den Zuschlagssätzen die Selbstkosten eines Auftrags und den Gewinn bei einem gegebenen Preis berechnen.

  • … aus Normal- und Istgemeinkosten eine Über- oder Unterdeckung in Euro und Prozent bestimmen.

  • … erläutern, wie sich sinkende Gemeinkosten auf Gewinn, Eigenkapital und Preisgestaltung auswirken.

Ein IT-Systemhaus baut einen Server für ein Kundenunternehmen zusammen. Die Bauteile kosten 1.400 €, die Montage dauert vier Stunden. Ist der Server also für 1.400 € plus vier Stunden Lohn zu haben? Natürlich nicht. Die Werkstatt hat Miete, die Montierenden brauchen Werkzeug und Strom, jemand muss Bauteile einkaufen, die Rechnung schreiben, das Angebot erstellen. Diese Kosten stehen auf keinem einzelnen Auftrag – und trotzdem muss jeder Auftrag seinen Teil davon tragen. Wie groß dieser Teil ist, ermittelt die Kostenstellenrechnung mit dem Betriebsabrechnungsbogen (BAB).

Einzelkosten und Gemeinkosten

Die Kostenrechnung fragt bei jeder Kostenart: Lässt sie sich dem einzelnen Kostenträger (Produkt, Auftrag, Projekt, Dienstleistung) direkt und belegbar zuordnen?

  • Einzelkosten lassen sich einem Kostenträger direkt zurechnen, weil man genau weiß, wie viel davon für ihn angefallen ist. Beispiele: die Bauteile eines bestimmten Servers (Mainboard, CPU, Arbeitsspeicher, SSDs, Gehäuse), die Lizenz für die Backupsoftware dieses Servers, die vier erfassten Montagestunden (Fertigungslöhne), die Anfahrt zum Kunden für genau diesen Auftrag.
  • Gemeinkosten fallen für mehrere oder alle Kostenträger gemeinsam an und lassen sich dem einzelnen nicht direkt zurechnen. Sie werden deshalb über Schlüssel und Zuschläge verteilt. Beispiele: Miete und Nebenkosten der Büros und der Werkstatt, Energie, Gehälter von Geschäftsführung, Buchhaltung und Vertrieb, Sozialabgaben auf diese Gehälter, Abschreibungen auf Werkzeuge, Messgeräte und Server, Versicherungen, Softwarelizenzen für alle (Office, ERP-System), Fortbildungen, Werbung, Zinsen.

Warum gehört die Miete zu den Gemeinkosten? Die Werkstatt wird für alle Aufträge gemeinsam gemietet. Ob dort im Monat 30 oder 50 Server montiert werden, die Miete bleibt gleich. Man kann also nicht sagen, wie viel Miete auf einen bestimmten Server entfällt. Sie wird deshalb über einen Zuschlagssatz in der Kalkulation berücksichtigt.

Manche Kosten könnte man theoretisch direkt zuordnen, der Aufwand lohnt sich aber nicht, z. B. Schrauben, Kabelbinder oder Wärmeleitpaste. Sie werden als unechte Gemeinkosten wie Gemeinkosten behandelt.

Einzel- und Gemeinkosten sind etwas anderes als fixe und variable Kosten: Fixe Kosten hängen nicht von der Menge ab, variable schon (siehe Artikel Kostenrechnung und Break-even). Die Bauteile eines Servers sind Einzelkosten und variabel, die Miete ist Gemeinkosten und fix. Strom für die Montage ist variabel, aber trotzdem Gemeinkosten, solange er nicht je Server gemessen wird.

Kostenarten, Kostenstellen, Kostenträger

Die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) beantwortet drei Fragen nacheinander:

Stufe Frage Ergebnis
Kostenartenrechnung Welche Kosten sind angefallen? Kosten nach Arten: Material, Löhne, Gehälter, Sozialabgaben, Miete, Energie, Abschreibungen …, getrennt in Einzel- und Gemeinkosten
Kostenstellenrechnung Wo sind die Gemeinkosten angefallen? Gemeinkosten je Kostenstelle, Zuschlags- und Verrechnungssätze (Werkzeug: BAB)
Kostenträgerrechnung Wofür sind die Kosten angefallen? Selbstkosten je Produkt oder Auftrag (Kalkulation)

Die Einzelkosten gehen direkt von der Kostenartenrechnung in die Kostenträgerrechnung. Nur die Gemeinkosten nehmen den Umweg über die Kostenstellen. Die Grafik zeigt diesen Weg mit den Zahlen aus dem Beispiel weiter unten:

Kostenfluss: Gemeinkosten von 207.600 € werden per Verteilungsschlüssel auf die Kostenstellen Material, Montage, Verwaltung und Vertrieb verteilt und über Zuschlagssätze dem Produkt bzw. Auftrag zugerechnet; Einzelkosten gehen direkt in die Selbstkosten (mit KI erstellt)

Neben den Aufwendungen aus der Buchhaltung kommen in der KLR kalkulatorische Kosten hinzu, damit Preise realistisch kalkuliert werden: kalkulatorische Abschreibungen (vom Wiederbeschaffungswert), kalkulatorische Zinsen auf das eingesetzte Kapital, kalkulatorische Wagnisse (z. B. Garantiefälle, Forderungsausfälle) und bei Einzelunternehmen ein kalkulatorischer Unternehmerlohn.

Eine Kostenstelle ist ein abgegrenzter Bereich des Betriebs, für den Kosten gesammelt und verantwortet werden, meist nach Funktionen oder Räumen gebildet. In einem IT-Systemhaus z. B.:

  • Material (Einkauf und Lager): beschafft, lagert und gibt Bauteile aus,
  • Montage bzw. Fertigung: baut Server und Arbeitsplätze zusammen, installiert und konfiguriert,
  • Dienstleistung: Support, Wartung, Vor-Ort-Service,
  • Verwaltung: Geschäftsführung, Buchhaltung, Personal, interne IT,
  • Vertrieb: Angebote, Kundenbetreuung, Marketing, Onlineshop.

Hauptkostenstellen arbeiten direkt an den Produkten und Aufträgen (Montage, Dienstleistung). Hilfskostenstellen oder allgemeine Kostenstellen arbeiten für andere Kostenstellen (z. B. die interne IT oder ein Fuhrpark). Ihre Kosten werden in einem zweiten Schritt auf die Hauptkostenstellen umgelegt.

Der Betriebsabrechnungsbogen: Aufbau und Zweck

Der Betriebsabrechnungsbogen ist eine Tabelle, meist eine Tabellenkalkulation oder ein Bericht des ERP-Systems:

  • Zeilen: die Gemeinkostenarten mit ihrem Gesamtbetrag aus der Kostenartenrechnung,
  • Spalten: die Kostenstellen,
  • Verteilungsgrundlage: je Zeile der Schlüssel, nach dem verteilt wird,
  • unten: Summe der Gemeinkosten je Kostenstelle, die Zuschlagsgrundlage (Einzelkosten, Herstellkosten oder Stunden) und der Zuschlagssatz.

Der BAB hat zwei Aufgaben:

  1. Gemeinkosten verursachungsgerecht auf die Kostenstellen verteilen. So sieht man, wo welche Kosten entstehen, und kann die Kostenstellen kontrollieren (Vergleich mit Vorperioden und Plan, Wirtschaftlichkeit, Kostenverantwortung).
  2. Zuschlagssätze und Verrechnungssätze ermitteln, mit denen die Gemeinkosten in der Kalkulation auf die einzelnen Aufträge und Produkte verrechnet werden.

Gemeinkosten verteilen: Verteilungsschlüssel

Für jede Gemeinkostenart wird ein Schlüssel gewählt, der die Verursachung möglichst gut abbildet: Die Kostenstelle, die mehr von einer Leistung beansprucht, soll auch mehr von den Kosten tragen.

Gemeinkostenart übliche Verteilungsgrundlage Art
Gehälter, Hilfslöhne Gehaltsliste, Zeiterfassung (direkt je Stelle) Beleg (Stelleneinzelkosten)
Sozialabgaben Gehälter je Stelle, oft als Pauschale in Prozent der Gehälter Wertschlüssel
Miete, Reinigung, Heizung Fläche in m² Mengenschlüssel
Strom Zählerstände, sonst installierte Leistung Beleg bzw. Mengenschlüssel
Abschreibungen, Versicherung der Anlagen Anlagenkartei bzw. Anlagewerte Beleg bzw. Wertschlüssel
Fahrzeugkosten gefahrene Kilometer, Einsatzdaten Mengenschlüssel
Fortbildungen Schulungstage je Kostenstelle Mengenschlüssel
Druck- und Kopierkosten Seiten je Kostenstelle (Zähler, Druckserver) Mengenschlüssel
Softwarelizenzen, Telefon, Büromaterial Zahl der Beschäftigten bzw. Arbeitsplätze Mengenschlüssel

Kosten, die schon per Beleg einer Kostenstelle zugeordnet sind (Gehaltsliste, eigener Stromzähler), heißen Kostenstelleneinzelkosten. Alle anderen werden mit Schlüsseln verteilt (Kostenstellengemeinkosten).

Ein Schlüssel ist ungeeignet, wenn er nichts mit der Verursachung zu tun hat. Werden z. B. alle Kosten externer Dienstleister nach Fläche verteilt, trägt ein großes Lager die meisten Schulungskosten, obwohl dort kaum jemand geschult wird. Besser bekommt jede Kostenart ihren eigenen Schlüssel: Schulungen nach Schulungstagen, Leasingfahrzeuge nach gefahrenen Kilometern, Gebäudereinigung nach Fläche, Kopiererwartung nach Kopien.

Verteilen mit einem Schlüssel geht immer gleich: Gesamtbetrag durch die Summe der Schlüsseleinheiten teilen und mit den Einheiten jeder Kostenstelle malnehmen. Beispiel: 24.000 € Miete, Flächen 150 m², 250 m², 100 m² und 100 m², zusammen 600 m²:

\frac{24.000\,€}{600\,\text{m}^2} = 40\,€/\text{m}^2 \quad\Rightarrow\quad 6.000\,€,\; 10.000\,€,\; 4.000\,€,\; 4.000\,€

Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung: Statt die Arbeitgeberanteile je Person auszurechnen, setzen viele Betriebe einen Prozentsatz der Gehälter an, z. B. 20,5 % (ungefähr der Arbeitgeberanteil an Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung). Eine Kostenstelle mit 30.000 € Gehältern erhält dann 30.000 € · 0,205 = 6.150 € Arbeitgeberanteile. Gehälter plus Arbeitgeberanteile ergeben die Stellenkosten (Personalkosten der Kostenstelle).

Beispiel: ein BAB Schritt für Schritt

Ein IT-Systemhaus montiert Server und Arbeitsplätze. Im letzten Jahr fielen 207.600 € Gemeinkosten an. Die Verteilungsgrundlagen:

Material Montage Verwaltung Vertrieb Summe
Fläche in m² 150 250 100 100 600
Anlagewerte in € 20.000 100.000 40.000 20.000 180.000
Beschäftigte 2 6 3 1 12

Der vervollständigte BAB (Beträge in €):

Gemeinkostenart Betrag Verteilungsgrundlage Material Montage Verwaltung Vertrieb
Gehälter, Hilfslöhne 120.000 Gehaltsliste 12.000 30.000 48.000 30.000
Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung 24.600 20,5 % der Gehälter 2.460 6.150 9.840 6.150
Miete 24.000 Fläche 6.000 10.000 4.000 4.000
Energie 9.000 Zählerstände 1.500 5.000 1.500 1.000
kalk. Abschreibungen 18.000 Anlagewerte (10 %) 2.000 10.000 4.000 2.000
Sonstige Kosten 12.000 Beschäftigte (1.000 € je Person) 2.000 6.000 3.000 1.000
Summe Gemeinkosten 207.600 25.960 67.150 70.340 44.150

Zur Kontrolle muss die Summe der Kostenstellen den Gesamtbetrag ergeben: 25.960 + 67.150 + 70.340 + 44.150 = 207.600 €.

Zuschlagssätze ermitteln

Die Gemeinkosten jeder Kostenstelle werden ins Verhältnis zu einer Zuschlagsgrundlage gesetzt, die die Leistung der Kostenstelle gut abbildet:

\text{Zuschlagssatz} = \frac{\text{Gemeinkosten der Kostenstelle}}{\text{Zuschlagsgrundlage}} \cdot 100\,\%

Im Industrie- und Montagebetrieb sind das:

Kostenstelle Zuschlagsgrundlage im Beispiel Zuschlagssatz
Material Fertigungsmaterial (Materialeinzelkosten) 259.600 € 25.960 / 259.600 = 10,00 %
Montage Fertigungslöhne (Lohneinzelkosten) 53.720 € 67.150 / 53.720 = 125,00 %
Verwaltung Herstellkosten 406.430 € 70.340 / 406.430 ≈ 17,31 %
Vertrieb Herstellkosten 406.430 € 44.150 / 406.430 ≈ 10,86 %

Die Herstellkosten sind Fertigungsmaterial + Materialgemeinkosten + Fertigungslöhne + Fertigungsgemeinkosten = 259.600 + 25.960 + 53.720 + 67.150 = 406.430 €. Verwaltung und Vertrieb arbeiten für das ganze Geschäft, deshalb werden ihre Gemeinkosten auf die Herstellkosten bezogen.

In anderen Betrieben passt eine andere Grundlage:

  • Dienstleister und IT-Projekte: ein Gemeinkostenzuschlag auf die Personalkosten des Auftrags (siehe Kalkulation).
  • Handel: der Handlungskostenzuschlag auf den Wareneinsatz zu Bezugspreisen.
  • Kostenstellen, die mit Stunden arbeiten: ein Stundenverrechnungssatz (nächster Abschnitt).

Achte auf die Richtung: Die Gemeinkosten stehen im Zähler. Ein Zuschlagssatz über 100 % ist kein Rechenfehler; er bedeutet, dass die Kostenstelle mehr Gemeinkosten als Lohneinzelkosten hat, was in Werkstätten mit teuren Geräten und Räumen häufig ist.

Stundenverrechnungssätze aus dem BAB

Wer Leistungen nach Stunden abrechnet (Montage, Support, Wartung, Programmierung), braucht einen Stundenverrechnungssatz: Was kostet eine Arbeitsstunde dieser Kostenstelle einschließlich aller Gemeinkosten?

\text{Stundenverrechnungssatz} = \frac{\text{Kosten der Kostenstelle (Löhne bzw. Gehälter und Gemeinkosten)}}{\text{verrechenbare Stunden}}

Im Beispiel arbeiten in der Montage zwei Monteur*innen, deren Fertigungslöhne direkt auf die Aufträge verrechnet werden, mit zusammen 2.686 verrechenbaren Stunden im Jahr (zu je 20,00 € Lohn) (Urlaub, Krankheit, Fortbildung und interne Arbeiten sind abgezogen). Die übrigen Beschäftigten der Montage (z. B. Lager-Hilfe und Prüfung) rechnen keine Stunden auf Aufträge ab; ihre Löhne sind als Hilfslöhne in den Fertigungsgemeinkosten enthalten. Fertigungslöhne 53.720 € plus Fertigungsgemeinkosten 67.150 €:

\frac{53.720\,€ + 67.150\,€}{2.686\,\text{h}} = \underline{\underline{45{,}00\,€/\text{h}}}

Arbeiten Beschäftigte für mehrere Kostenstellen, werden ihre Stunden und Kosten anteilig verteilt (z. B. 60 % Abteilung A, 40 % Abteilung B). Kosten allgemeiner Kostenstellen (z. B. Verwaltung) werden vorher auf die Kostenstellen umgelegt, die Stunden abrechnen, z. B. nach Beschäftigten. Wie aus dem Kostensatz durch Gewinnzuschlag ein Preis wird, zeigt der Artikel Kalkulation.

Zuschlagssätze in der Kalkulation anwenden

Mit den Sätzen aus dem BAB werden die Selbstkosten eines Auftrags kalkuliert. Für den Server aus der Einleitung (Bauteile 1.400 €, 4 Montagestunden zu 20,00 € Lohn):

Schema Rechnung Betrag
Fertigungsmaterial 1.400,00 €
+ Materialgemeinkosten 10,00 % von 1.400,00 € 140,00 €
+ Fertigungslöhne 4 h · 20,00 €/h 80,00 €
+ Fertigungsgemeinkosten 125,00 % von 80,00 € 100,00 €
= Herstellkosten 1.720,00 €
+ Verwaltungsgemeinkosten 17,31 % von 1.720,00 € 297,73 €
+ Vertriebsgemeinkosten 10,86 % von 1.720,00 € 186,79 €
= Selbstkosten 2.204,52 €

Die Selbstkosten sind die langfristige Preisuntergrenze. Erzielt das Systemhaus z. B. einen Barverkaufspreis von 2.500,00 €, bleibt ein Gewinn von 295,48 €, das sind 295,48 / 2.204,52 ≈ 13,40 % der Selbstkosten. Gewinnzuschlag, Kundenskonto und Kundenrabatt behandelt der Artikel Kalkulation.

Normal- und Istgemeinkosten: Über- und Unterdeckung

Kalkuliert wird vor dem Auftrag, der BAB entsteht aber erst nach der Periode. In der Kalkulation arbeitet man deshalb mit Normalzuschlagssätzen (Durchschnitt vergangener Jahre oder Planwerte). Die damit verrechneten Gemeinkosten heißen Normalgemeinkosten. Am Ende der Periode zeigt der BAB die tatsächlich angefallenen Istgemeinkosten.

  • Überdeckung: Normalgemeinkosten > Istgemeinkosten. Es wurden mehr Gemeinkosten in die Preise eingerechnet, als angefallen sind (kalkulatorischer Gewinn).
  • Unterdeckung: Normalgemeinkosten < Istgemeinkosten. Die Preise haben die Gemeinkosten nicht vollständig gedeckt.

\text{Abweichung in \%} = \frac{\text{Normalgemeinkosten} - \text{Istgemeinkosten}}{\text{Normalgemeinkosten}} \cdot 100\,\%

Beispiel: Für die Montage wurden 69.000 € Gemeinkosten verrechnet, angefallen sind 67.150 €. Überdeckung 1.850 €, das sind 1.850 / 69.000 ≈ 2,68 %. Bei dauerhafter Unterdeckung müssen die Normalzuschlagssätze erhöht oder die Gemeinkosten gesenkt werden.

Gemeinkosten senken: Was bewirkt das?

Sinken die Gemeinkosten, z. B. weil durch mobiles Arbeiten weniger Bürofläche angemietet werden muss, sinken die Zuschlagssätze und damit die Selbstkosten jedes Auftrags. Unter sonst gleichen Bedingungen hat das drei Folgen:

  • Gewinn: Bei gleichen Verkaufspreisen steigt der Gewinn je Auftrag und im ganzen Jahr.
  • Eigenkapital: Wird der höhere Gewinn nicht ausgeschüttet, sondern im Unternehmen behalten, steigt das Eigenkapital; das verbessert z. B. die Eigenkapitalquote und die Kreditwürdigkeit.
  • Preisgestaltung: Das Unternehmen kann stattdessen die Preise senken oder mehr Rabatt und Skonto gewähren, ohne Verlust zu machen, und wird dadurch wettbewerbsfähiger. Meist ist es eine Mischung aus beidem.

Typische Fehler

  • Zuschlagssatz umgekehrt rechnen. Gemeinkosten durch Zuschlagsgrundlage, nicht umgekehrt.
  • Falsche Zuschlagsgrundlage. Materialgemeinkosten auf das Fertigungsmaterial, Fertigungsgemeinkosten auf die Fertigungslöhne, Verwaltung und Vertrieb auf die Herstellkosten (oder auf das, was die Aufgabe vorgibt).
  • Einzelkosten in den BAB schreiben. Im BAB stehen nur Gemeinkosten; die Einzelkosten erscheinen nur als Zuschlagsgrundlage.
  • Schlüsselsumme vergessen. Erst den Betrag je Schlüsseleinheit bilden, dann verteilen; am Ende prüfen, ob die Zeilensumme stimmt.
  • „Gemeinkosten“ mit „Fixkosten“ verwechseln. Die Einteilung beantwortet verschiedene Fragen.
  • Bei Stundensätzen alle bezahlten Stunden ansetzen. Verrechenbar sind nur die produktiven Stunden.
  • Über- und Unterdeckung vertauschen. Überdeckung heißt: verrechnet (Normal) war mehr als angefallen (Ist).

Leitfragen

  1. Was unterscheidet Einzelkosten von Gemeinkosten? Nenne je zwei Beispiele aus einem IT-Betrieb.

Einzelkosten lassen sich einem Kostenträger direkt zurechnen (Bauteile eines Servers, erfasste Montagestunden, Lizenz für diesen Auftrag). Gemeinkosten fallen für mehrere Kostenträger gemeinsam an und werden über Schlüssel und Zuschläge verteilt (Miete, Buchhaltung, Energie, Abschreibungen), siehe Abschnitt „Einzelkosten und Gemeinkosten“.

  1. Warum gehört die Miete zu den Gemeinkosten, und welche Gemeinkostenarten gibt es noch?

Die Räume werden für alle Aufträge gemeinsam genutzt; welcher Anteil auf einen Auftrag entfällt, lässt sich nicht messen. Weitere Gemeinkosten: Gehälter von Verwaltung und Vertrieb, Sozialabgaben, Energie, Abschreibungen, Versicherungen, Lizenzen, Werbung, Zinsen, siehe Abschnitt „Einzelkosten und Gemeinkosten“.

  1. Wozu dient ein Betriebsabrechnungsbogen, und wie ist er aufgebaut?

Er verteilt die Gemeinkosten verursachungsgerecht auf die Kostenstellen (Kontrolle der Kostenstellen) und ermittelt Zuschlags- und Verrechnungssätze für die Kalkulation. Zeilen: Gemeinkostenarten mit Betrag und Verteilungsgrundlage; Spalten: Kostenstellen; unten Summen, Zuschlagsgrundlage und Zuschlagssatz, siehe Abschnitt „Der Betriebsabrechnungsbogen“.

  1. Wie verteilst Du Gemeinkosten mit einem Schlüssel, und woran erkennst Du einen ungeeigneten Schlüssel?

Betrag durch die Summe der Schlüsseleinheiten teilen und mit den Einheiten jeder Kostenstelle malnehmen. Ungeeignet ist ein Schlüssel, der nichts mit der Inanspruchnahme zu tun hat (z. B. Schulungen nach Fläche); besser ist je Kostenart ein eigener Schlüssel, siehe Abschnitt „Verteilungsschlüssel“.

  1. Wie berechnest Du die Zuschlagssätze, und auf welche Grundlagen beziehen sie sich?

Gemeinkosten der Kostenstelle durch Zuschlagsgrundlage mal 100 %: Material auf Fertigungsmaterial, Fertigung auf Fertigungslöhne, Verwaltung und Vertrieb auf die Herstellkosten; bei Dienstleistern oft auf die Personalkosten, im Handel auf den Wareneinsatz, siehe Abschnitt „Zuschlagssätze ermitteln“.

  1. Wie ermittelst Du einen Stundenverrechnungssatz aus dem BAB?

Alle Kosten der Kostenstelle (Löhne bzw. Gehälter einschließlich Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung, Gemeinkosten und umgelegte Kosten allgemeiner Kostenstellen) durch die verrechenbaren (produktiven) Stunden, siehe Abschnitt „Stundenverrechnungssätze“.

  1. Was bedeuten Über- und Unterdeckung, und wie rechnest Du sie in Prozent?

Überdeckung: Die verrechneten Normalgemeinkosten waren höher als die Istgemeinkosten; Unterdeckung: niedriger. Prozent: (Normal − Ist) / Normal · 100 %, siehe Abschnitt „Über- und Unterdeckung“.

  1. Wie wirken sich geringere Gemeinkosten auf Gewinn, Eigenkapital und Preise aus?

Selbstkosten sinken; bei gleichen Preisen steigt der Gewinn, einbehaltener Gewinn erhöht das Eigenkapital; alternativ kann das Unternehmen Preise senken oder mehr Rabatt gewähren und wettbewerbsfähiger werden, siehe Abschnitt „Gemeinkosten senken“.


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