Übungsaufgaben zu Prozesskennzahlen

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Prozesskennzahlen, KPI, Durchlaufzeit, Ereignisprotokoll, Engpass, Ressourcenbedarf, Auslastung, Prozessanalyse, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 69 min, mehrere Aufgaben): Zwei Übungsaufgaben zu Prozesskennzahlen: die Durchlaufzeit von Individualrädern eines Fahrradherstellers aus einem Ereignisprotokoll berechnen, zerlegen, interpretieren und mit weiteren Kennzahlen, einem Verbesserungsziel und den Kosten einer Fremdvergabe verbinden sowie den Check-in eines Barcamps mit Lauf- und Wartezeiten, einem Tagesverlauf, dem Engpass Badge-Drucker und der Berechnung der benötigten Terminals analysieren. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 27.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Prozesskennzahlen: Mit KPI, Durchlaufzeiten und Ressourcenbedarf Prozesse bewerten.

Hinweise zur Bearbeitung: Von FIDP wird erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1 und Aufgabe 3.2) keine Probleme bereiten. Gib bei Berechnungen immer den Rechenweg mit Einheiten an. Beziehe Interpretationen auf die Daten und die Situation. Die Beispiellösungen zeigen Beispiele; andere fachlich passende Antworten sind ebenfalls richtig.

Aufgabe 3.1: Wie lange dauert ein Rad nach Maß? (Profilkompetenz)

(ca. 38 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r im IT-Team der CSB-Rad GmbH in Bielefeld und arbeitest mit Natalia Wróbel (Controlling) an einer Prozessanalyse. Bei Rädern mit Individualrahmen läuft der Prozess so: Bestellung im Shop → Fertigungsauftrag an die Rahmenwerk OWL GmbH in Gütersloh → Rahmen trifft in Bielefeld ein → Montage und Qualitätsprüfung in der Werkstatt → Versand per Spedition. Die Geschäftsführung sagt der Kundschaft eine Lieferzeit von 6 bis 8 Wochen zu. Intern gilt das Ziel, ein Individualrad spätestens 42 Tage nach der Bestellung zu versenden, damit auch bei längerer Speditionslaufzeit die Zusage sicher gehalten wird.

Natalia hat aus Shop-, Fertigungs- und Versandsystem folgendes Ereignisprotokoll für alle Individualrad-Bestellungen im September 2026 zusammengestellt (Datumsangaben 2026):

Ereignisprotokoll der Individualrad-Aufträge im September 2026
Auftrag Bestellung Fertigungsauftrag versendet Rahmen eingetroffen Montage und Prüfung abgeschlossen Versand
R-41 Di 01.09. Di 01.09. Fr 09.10. Di 13.10. Mi 14.10.
R-42 Mi 02.09. Do 03.09. Di 13.10. Fr 16.10. Mo 19.10.
R-43 Fr 04.09. Mo 07.09. Di 13.10. Di 20.10. Mi 21.10.
R-44 Di 08.09. Di 08.09. Fr 16.10. Di 20.10. Mi 21.10.
R-45 Do 10.09. Mo 14.09. Fr 30.10. Di 03.11. Mi 04.11.
R-46 Di 15.09. Di 15.09. Di 20.10. Di 27.10. Mi 28.10.
R-47 Do 17.09. Fr 18.09. Fr 23.10. Di 27.10. Mi 28.10.
R-48 Di 22.09. Di 22.09. Di 27.10. Di 03.11. Mi 04.11.

Zusatzinformation: Bei Auftrag R-45 war die gewählte Pulverfarbe nicht lieferbar; die Kundin wurde nach einer anderen Farbe gefragt.

  1. Die Geschäftsführung möchte die Durchlaufzeit „Bestellung bis Versand“ als KPI verwenden. Beschreibe, was unter einem KPI zu verstehen ist, und begründe, warum diese Durchlaufzeit für CSB-Rad als KPI geeignet ist. (3 Punkte)
  • KPI (2 Punkte): Ein Key Performance Indicator ist eine Leistungskennzahl, die anzeigt, wie gut ein wichtiges Unternehmens- bzw. Prozessziel erreicht wird; sie wird an einem Zielwert gemessen.

  • Begründung (1 Punkt): Die Lieferzeit ist ein zentrales Versprechen an die Kundschaft (6–8 Wochen) und beeinflusst Zufriedenheit und Kaufentscheidung; die Durchlaufzeit zeigt direkt, ob dieses Ziel (intern 42 Tage) eingehalten wird.

  1. Berechne für jeden Auftrag die Durchlaufzeit von der Bestellung bis zum Versand in Kalendertagen sowie die durchschnittliche Durchlaufzeit (auf zwei Nachkommastellen). (5 Punkte)

4 Punkte für die Durchlaufzeiten (0,5 Punkte je Auftrag), 1 Punkt für den Mittelwert.

Auftrag R-41 R-42 R-43 R-44 R-45 R-46 R-47 R-48
Durchlaufzeit in Tagen 43 47 47 43 55 43 41 43

Geg.: acht Durchlaufzeiten (Summe 362 Tage)

Ges.: mittlere Durchlaufzeit \bar{t}

\bar{t} = \frac{43 + 47 + 47 + 43 + 55 + 43 + 41 + 43}{8}\ \mathrm{d} = \frac{362}{8}\ \mathrm{d} = \underline{\underline{45{,}25\ \mathrm{d}}}

Zur Kontrolle: Der Median (Mittel aus 4. und 5. Wert der sortierten Reihe 41, 43, 43, 43, 43, 47, 47, 55) beträgt 43 Tage.

  1. Berechne den Anteil der Aufträge, die das interne Ziel (Versand spätestens 42 Tage nach Bestellung) erreichen, und beurteile das Ergebnis. (3 Punkte)

Nur R-47 (41 Tage) erreicht das Ziel (1 Punkt): \frac{1}{8} = \underline{\underline{12{,}5\ \%}} (1 Punkt).

Beurteilung (1 Punkt): Das interne Ziel wird fast nie erreicht. Die Zusage an die Kundschaft (spätestens 8 Wochen = 56 Tage) wird zwar bei allen Aufträgen noch eingehalten, aber der Puffer für die Speditionslaufzeit ist meist aufgebraucht; bei R-45 bleibt nur noch eine Woche.

  1. Zerlege die Durchlaufzeit in die vier Teilschritte „Weitergabe an Rahmenwerk“, „Fertigung und Transport“, „Montage und Prüfung“ und „Versandvorbereitung“. Ermittle für jeden Teilschritt die durchschnittliche Dauer und beschreibe zwei Auffälligkeiten, die sich aus dem Ereignisprotokoll ergeben. (8 Punkte)

Teilzeiten (4 Punkte, je Teilschritt 1 Punkt):

Teilschritt R-41 R-42 R-43 R-44 R-45 R-46 R-47 R-48 Mittelwert
Weitergabe an Rahmenwerk 0 1 3 0 4 0 1 0 1,125 d
Fertigung und Transport 38 40 36 38 46 35 35 35 37,875 d
Montage und Prüfung 4 3 7 4 4 7 4 7 5,0 d
Versandvorbereitung 1 3 1 1 1 1 1 1 1,25 d

Kontrolle: 1,125 + 37,875 + 5,0 + 1,25 = 45,25 Tage.

Auffälligkeiten (je 2 Punkte), z. B.:

  • Montage nur dienstags: Montage und Prüfung werden fast immer an einem Dienstag abgeschlossen. Rahmen, die freitags eintreffen, liegen 4 Tage; Rahmen, die dienstags eintreffen, liegen eine ganze Woche (R-43, R-46, R-48 mit 7 Tagen). Die Werkstatt montiert Individualräder offenbar gebündelt an einem festen Wochentag – das ist eine reine Liegezeit, die CSB-Rad selbst beeinflussen kann.

  • Fertigung ist der größte Anteil: Rund 38 von 45 Tagen (über 80 %) entfallen auf Fertigung und Transport beim Partner. Hier liegt der größte Hebel, aber nur über Absprachen mit der Rahmenwerk OWL GmbH.

  • Wochenende und Rückfragen verzögern die Weitergabe: Bestellungen am Freitag werden erst am Montag weitergegeben (R-43); die Rückfrage zur Pulverfarbe kostet bei R-45 vier Tage Weitergabe und verlängert auch die Fertigung (Ausreißer mit 55 Tagen).

  • Versand meist am Folgetag, nur nach einer Fertigstellung am Freitag (R-42) über das Wochenende.

  1. Interpretiere die Daten des Ereignisprotokolls anhand von zwei Argumenten zu ihrer Aussagekraft. (4 Punkte)

Je Argument 2 Punkte, z. B.:

  • Kleine Stichprobe: Acht Aufträge aus einem Monat reichen kaum für sichere Aussagen; saisonale Schwankungen (Frühjahr als Hochsaison) sind nicht erfasst.

  • Ausreißer: R-45 mit Rückfrage verschiebt den Mittelwert (45,25 Tage) deutlich nach oben; ohne R-45 liegt er bei 43,86 Tagen, der Median bei 43 Tagen. Sonderfälle sollten gesondert betrachtet werden.

  • Kalendertage: Wochenenden zählen mit; für die Steuerung der Werkstatt wären Arbeitstage aussagekräftiger, für die Kundschaft Kalendertage.

  • Vergleichswerte fehlen: Ob 45 Tage gut sind, zeigt erst ein Vergleich mit früheren Monaten oder mit Rädern ohne Individualrahmen.

  • Teilschritte nicht feiner erfasst: Wie viel der 38 Tage Fertigung, Pulverbeschichtung, Wartezeit beim Partner oder Transport sind, ist nicht erkennbar.

  1. Sophie Bertram meint: „Die Rahmenwerk OWL braucht ohnehin fünf Wochen. An unserer Durchlaufzeit können wir deshalb nichts ändern.“ Beurteile diese Aussage. (3 Punkte)

Die Aussage ist nur teilweise richtig (1 Punkt). Fertigung und Transport sind zwar der größte Block, aber rund 7,4 Tage im Mittel entfallen auf Schritte bei CSB-Rad selbst (Weitergabe, Liegezeit vor der Montage, Versand) (1 Punkt). Würde z. B. zweimal pro Woche montiert und würden Bestellungen auch am Freitag sofort weitergegeben, ließen sich mehrere Tage sparen; zusätzlich könnte mit dem Partner über kürzere Fertigungszeiten oder eine Liste lieferbarer Farben im Konfigurator gesprochen werden (1 Punkt).

  1. Ergänze die Tabelle um zwei weitere Kennzahlen, mit denen CSB-Rad den Prozess „Rad nach Maß“ bewerten kann, und erläutere jeweils ihren Nutzen. (6 Punkte)
Kennzahl Nutzen
Durchlaufzeit Bestellung bis Versand zeigt, ob die zugesagte Lieferzeit eingehalten wird
… …

Je Kennzahl 1 Punkt, je Nutzen 2 Punkte, z. B.:

Kennzahl Nutzen
Liegezeit zwischen Rahmeneingang und Montagebeginn zeigt, wie viel Zeit die Werkstattplanung kostet; Grundlage, um Montagetage oder Personal anzupassen
Anteil Aufträge mit Rückfrage (z. B. Farbe nicht lieferbar) zeigt, ob der Konfigurator nicht lieferbare Optionen anbietet; Ansatz, Rückfragen und Verzögerungen zu vermeiden
Termintreue des Fertigungspartners (Anteil Rahmen innerhalb der vereinbarten Frist) Grundlage für Gespräche und die Lieferantenbewertung mit der Rahmenwerk OWL GmbH
Reklamationsquote bei Individualrädern stellt sicher, dass schnellere Abläufe nicht zulasten der Qualität gehen
Anzahl Kundenanfragen zum Lieferstatus je Auftrag zeigt, ob die Kundschaft ausreichend informiert wird; Hinweis auf automatische Statusmeldungen
  1. Die Geschäftsführung legt fest: „Bis Ende März 2027 sinkt die mittlere Durchlaufzeit der Individualräder um 15 %.“ Berechne den Zielwert auf Basis der September-Daten und erläutere, wie überprüft werden kann, ob das Ziel erreicht wurde. (5 Punkte)

Zielwert (1 Punkt): Geg.: \bar{t}_{\text{vorher}} = 45{,}25\ \mathrm{d}, Verringerung 15 %. Ges.: \bar{t}_{\text{Ziel}}

\bar{t}_{\text{Ziel}} = 45{,}25\ \mathrm{d} \cdot (1 - 0{,}15) = 45{,}25\ \mathrm{d} \cdot 0{,}85 \approx \underline{\underline{38{,}46\ \mathrm{d}}}

Vorgehen (4 Punkte), z. B.:

  • Ausgangswert auf eine größere, typische Stichprobe stützen (z. B. alle Individualräder der letzten drei bis sechs Monate) und Definition festschreiben (Start: Bestellung, Ende: Übergabe an Spedition, Kalendertage).

  • Maßnahmen einführen (z. B. zusätzlicher Montagetag, automatische Weitergabe des Fertigungsauftrags).

  • Nach einer Einarbeitungszeit mit derselben Definition erneut messen, wieder für eine ausreichend große Stichprobe (z. B. Februar und März 2027).

  • Neuen Mittelwert (und Median) mit dem Zielwert vergleichen; Sonderfälle wie Rückfragen getrennt ausweisen und Unterschiede durch Saison oder andere Auftragsmischung berücksichtigen.

  1. Für Montage und Prüfung der Individualräder fielen 2025 in der Werkstatt 9.360 € Materialkosten, 46.800 € Personalkosten und 18.720 € anteilige Gemeinkosten an; es wurden 520 Individualräder montiert. Die Rahmenwerk OWL GmbH bietet an, die Räder komplett zu montieren und zu prüfen, für 120 € je Rad zuzüglich 9 € Mehrkosten für den Transport des fertigen Rads. Die Fertigung beim Partner würde sich dadurch um etwa fünf Arbeitstage verlängern. Berechne die bisherigen Kosten je Rad und die jährliche Ersparnis und gib eine begründete Empfehlung. (5 Punkte)

Geg.: K = 9360\ € + 46\,800\ € + 18\,720\ € = 74\,880\ €, 520 Räder, Angebot 120\ € + 9\ € = 129\ € je Rad

Ges.: Kosten je Rad, jährliche Ersparnis

Kosten je Rad (2 Punkte; auch je Kostenart möglich: 18 € + 90 € + 36 €):

k_{\text{Rad}} = \frac{74\,880\ €}{520} = \underline{\underline{144{,}00\ €}}

Ersparnis (1 Punkt):

\text{Ersparnis} = (144\ € - 129\ €) \cdot 520 = 15\ € \cdot 520 = \underline{\underline{7800\ €}}

Empfehlung (2 Punkte), z. B.: Es besteht ein Zielkonflikt. Die Ersparnis von rund 10 % ist überschaubar, die Durchlaufzeit würde aber um etwa eine Woche steigen – obwohl sie schon heute über dem internen Ziel von 42 Tagen liegt und um 15 % sinken soll. Zudem gibt CSB-Rad die Qualitätsprüfung aus der Hand. Empfehlung: Angebot vorerst nicht annehmen und zuerst die eigenen Liegezeiten (Montage nur dienstags) abbauen; das Angebot wäre nur interessant, wenn die Rahmenwerk OWL die Gesamtzeit nicht verlängert. Eine begründete andere Empfehlung ist ebenfalls richtig.

Summe Aufgabe 3.1: 42 Punkte

Aufgabe 3.2: Engpass am Check-in des Barcamps (Profilkompetenz)

(ca. 31 min Bearbeitungszeit)

Für das Barcamp „Lernen.Digital.Leben 2027“ am Ratz und Rübe Berufskolleg (Samstag, 13.03.2027, Beginn 10:00 Uhr, bis zu 400 Teilnehmende) betreibt das Orga-Team zwei Check-in-Terminals mit je einem Badge-Drucker. Beim Tag der offenen Tür am 28.11.2026 wurde der Check-in mit 180 vorab angemeldeten Gästen getestet; Beginn des Programms war dort ebenfalls 10:00 Uhr. Du bist Auszubildende*r bei der Schul-IT OWL und wertest den Probelauf gemeinsam mit Dimitrios Papadopoulos (Gesamtleitung Orga) und Emre Aksoy (Technikteam) aus.

Ein Check-in läuft am Terminal so ab: QR-Code scannen und prüfen (Terminal arbeitet 6 s) → Teilnehmendendaten synchron vom Info-Server abrufen (Info-Server arbeitet 2 s) → Badge synchron drucken (Drucker arbeitet 32 s) → Badge übergeben und Check-in bestätigen (Terminal arbeitet 4 s). Das Terminal wartet jeweils, bis Info-Server bzw. Drucker fertig sind.

  1. Beschreibe zwei Gründe, warum eine lange Warteschlange am Check-in für das Barcamp ein Problem ist. (4 Punkte)

Je Grund 2 Punkte, z. B.:

  • Teilnehmende verpassen die Begrüßung und die Sessionplanung um 10:00 Uhr, auf der das Barcamp-Prinzip beruht; Sessions starten verspätet, der ganze Zeitplan verschiebt sich.

  • Ärger und schlechter erster Eindruck; Referent*innen und Ausstellende kommen zu spät an ihre Stände, das Image der Schule leidet.

  • Gedränge im Foyer, Fluchtwege werden verstellt; Personen mit Rollator oder Rollstuhl müssen lange stehen bzw. warten.

  • Druck auf das Orga-Team, Gäste ohne Check-in einzulassen, wodurch Teilnehmendenzahlen und Fotofreigaben nicht mehr stimmen.

  1. Vervollständige die Tabelle der Zeiten für einen Check-in und begründe Deinen Lösungsweg. (4 Punkte)
Bezeichnung Beschreibung Terminal Info-Server Drucker
t_{\text{running}} Prozess arbeitet ? 2 s 32 s
t_{\text{waiting}} Prozess wartet ? 0 s 0 s
t_{\text{Check-in}} Gesamtzeit eines Check-ins ?
  • t_{\text{running}} (Terminal) = 6 s + 4 s = 10 s (1 Punkt)

  • t_{\text{waiting}} (Terminal) = 2 s + 32 s = 34 s (1 Punkt), weil das Terminal synchron auf Info-Server und Drucker wartet; deren Laufzeiten sind seine Wartezeiten.

  • t_{\text{Check-in}} = t_{\text{running}} + t_{\text{waiting}} = 10\ \mathrm{s} + 34\ \mathrm{s} = \underline{\underline{44\ \mathrm{s}}} (1 Punkt)

Begründung (1 Punkt): Die Gesamtzeit eines synchron arbeitenden Prozesses ist die Summe aus eigener Lauf- und Wartezeit; das Terminal ist 34 von 44 s (rund 77 %) blockiert.

  1. Beim Probelauf wurden folgende Werte je Viertelstunde erfasst:
Tagesverlauf des Check-ins beim Probelauf
Zeitraum 09:00–09:15 09:15–09:30 09:30–09:45 09:45–10:00 10:00–10:15 10:15–10:30
Ankünfte 20 55 60 35 10 0
abgeschlossene Check-ins (beide Terminals) 20 40 40 40 40 0
Wartende am Ende des Zeitraums 0 15 35 30 0 0
Auslastung der Badge-Drucker 36 % 71 % 71 % 71 % 71 % 0 %

ca) Beschreibe für die Kennzahlen „Ankünfte“, „abgeschlossene Check-ins“ und „Wartende“ jeweils die prozessrelevante Auffälligkeit. (6 Punkte)

cb) Ermittle das Kernproblem des Check-ins und seine Auswirkung. (4 Punkte)

ca) Je Kennzahl 2 Punkte, z. B.:

Kennzahl Auffälligkeit
Ankünfte Die meisten Gäste kommen zwischen 09:15 und 09:45 Uhr (115 von 180, rund 64 %); vor 09:15 Uhr kommen nur wenige, nach 10:00 Uhr fast niemand mehr.
abgeschlossene Check-ins Ab 09:15 Uhr bleibt die Zahl konstant bei 40 je Viertelstunde – das ist die Kapazitätsgrenze von zwei Terminals (2 × 900 s / 44 s ≈ 41). Sie steigt nicht, obwohl mehr Gäste ankommen.
Wartende Die Schlange wächst bis 09:45 Uhr auf 35 Personen und wird erst nach 10:00 Uhr abgebaut; rund 30 Gäste sind zum Programmbeginn noch nicht eingecheckt.

cb) Kernproblem (2 Punkte): Der Badge-Druck dauert 32 s und blockiert das Terminal synchron; dadurch schaffen zwei Terminals höchstens rund 40 Check-ins je Viertelstunde, weniger als in der Ankunftsspitze ankommen. Engpass ist also der Druckvorgang, nicht das Scannen.

Auswirkung (2 Punkte): In der Spitze entsteht eine Warteschlange; Gäste warten bis zu etwa 15 Minuten und verpassen den Beginn um 10:00 Uhr. Beim Barcamp mit bis zu 400 Teilnehmenden wäre die Schlange mehr als doppelt so lang.

  1. Berechne, wie viele Check-in-Terminals mit Drucker beim Barcamp mindestens benötigt werden, wenn 90 % der 400 Teilnehmenden gleichmäßig verteilt zwischen 09:15 und 10:00 Uhr ankommen, ein Check-in 44 s dauert und eine Reserve von 10 % für Ausfälle eingeplant wird. Runde jeweils auf ganze Geräte auf. (6 Punkte)

Geg.: N = 0{,}9 \cdot 400 = 360 Teilnehmende (1 Punkt), t_{\text{Check-in}} = 44\ \mathrm{s}, T = 45\ \mathrm{min} = 2700\ \mathrm{s}, Reserve 10 %

Ges.: Anzahl Terminals n

Arbeitslast (1 Punkt): N \cdot t_{\text{Check-in}} = 360 \cdot 44\ \mathrm{s} = 15\,840\ \mathrm{s}

n = \frac{15\,840\ \mathrm{s}}{2700\ \mathrm{s}} \approx 5{,}867 \quad \rightarrow 6\ \text{Terminals}

(2 Punkte: Division 1 Punkt, Aufrunden 1 Punkt)

Mit Reserve: 6 \cdot 1{,}1 = 6{,}6 \rightarrow \underline{\underline{7\ \text{Terminals}}} (2 Punkte)

Andere korrekte Lösungswege sind möglich, z. B. Kapazität je Terminal 2700\ \mathrm{s} / 44\ \mathrm{s} \approx 61 Check-ins, 360 / 61 \approx 5{,}9 \rightarrow 6.

  1. Emre schlägt vor, alle Badges am Vortag zu drucken und alphabetisch in Boxen zu sortieren. Am Check-in wird dann nur gescannt, der Badge herausgesucht und übergeben (12 s je Person). Berechne für diesen Fall die Zahl der Terminals (gleiche Annahmen wie in d) und beurteile den Vorschlag mit je einem Vor- und einem Nachteil. (4 Punkte)

Rechnung (2 Punkte):

n = \frac{360 \cdot 12\ \mathrm{s}}{2700\ \mathrm{s}} = \frac{4320\ \mathrm{s}}{2700\ \mathrm{s}} = 1{,}6 \quad \rightarrow 2\ \text{Terminals}

Mit Reserve: 2 \cdot 1{,}1 = 2{,}2 \rightarrow \underline{\underline{3\ \text{Terminals}}}

Beurteilung (2 Punkte), z. B.: Vorteil: Die zwei vorhandenen Terminals plus ein Ersatzgerät reichen; es müssen keine weiteren Terminals und Drucker geliehen werden, der Engpass Druck entfällt am Veranstaltungstag. Nachteil: Badges für Personen, die nicht kommen, werden umsonst gedruckt; Nachmeldungen und Änderungen (z. B. Fotofreigabe) brauchen weiterhin einen Drucker; vorab gedruckte Badges mit Namen müssen bis zur Ausgabe sicher aufbewahrt werden. Empfehlung: Vorab drucken und einen Drucker für Nachmeldungen bereithalten.

  1. Beschreibe eine Maßnahme, die verhindert, dass eine Störung des Info-Servers am Veranstaltungstag zu Verzögerungen beim Check-in führt. (2 Punkte)

Z. B.: Die Terminals halten eine verschlüsselte lokale Kopie der Teilnehmendenliste vor und können offline einchecken; die Check-ins werden später mit dem Server abgeglichen. Alternativ: zweiter Info-Server als Ausfallreserve (Redundanz) oder eine ausgedruckte Notfallliste mit QR-Nummern.

  1. Beim Probelauf hat sich eine Schülerin des Technikteams am zweiten Terminal mit dem Konto von Dimitrios Papadopoulos angemeldet, weil ihr eigenes Konto noch nicht freigeschaltet war. Bewerte dieses Vorgehen aus Sicht von Datenschutz und Informationssicherheit. (2 Punkte)

Das Vorgehen ist nicht zulässig (1 Punkt). Persönliche Zugangsdaten dürfen nicht weitergegeben werden: Die Schülerin erhält damit alle Rechte der Gesamtleitung und Zugriff auf Daten, die sie nicht braucht (z. B. Barrierefreiheitsangaben aller Teilnehmenden), und es ist nicht mehr nachvollziehbar, wer welche Änderung vorgenommen hat (Grundsatz der Zugriffsbeschränkung und Rechenschaftspflicht nach DSGVO) (1 Punkt).

  1. Beschreibe einen wirtschaftlichen Nachteil, der aus den Kennzahlen des Probelaufs hervorgeht. (2 Punkte)

Z. B.: Die Terminals warten 34 von 44 s je Check-in auf Server und Drucker; um die Spitze abzufangen, müssten deshalb mehr Terminals und Drucker geliehen werden (sieben statt zwei), die vor 09:15 Uhr und nach 10:15 Uhr kaum genutzt werden (Druckerauslastung 36 % bzw. 0 %). Die Leihkosten fallen für den ganzen Tag an, obwohl die Geräte nur in der Ankunftsspitze ausgelastet sind.

Summe Aufgabe 3.2: 34 Punkte


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