Markt und Marktformen: Marktpotenzial, Marktvolumen und Marktanteile
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Marktformen, Monopol, Oligopol, Polypol, vollkommener Markt, Gleichgewichtspreis, Marktpotenzial, Marktvolumen, Marktanteil, Sättigungsgrad, relativer Marktanteil, Bedarf
tl/dr; (ca. 19 min Lesezeit): Wie viel Spielraum ein Unternehmen beim Preis hat, hängt davon ab, wie viele Anbieter und Nachfrager auf seinem Markt zusammentreffen. Der Artikel erklärt, wie aus Bedürfnissen Nachfrage wird, wie Du Marktformen von Monopol über Oligopol bis Polypol bestimmst, was ein vollkommener Markt ist und wie sich im Modell Gleichgewichtspreis und Überhänge bilden. Danach berechnest Du Marktpotenzial, Marktvolumen, Marktanteil, Sättigungsgrad und relativen Marktanteil, schätzt die Wirkung eines Markteintritts ab und liest Marktanteilsstatistiken richtig [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 27.10.2026)
Dieser Artikel ist Teil einer Artikelreihe zu kaufmännischen Grundlagen für IT-Berufe: Markt und Marktformen / Marketingstrategie / Übungsaufgaben zu Markt und Marktformen
Dieser Artikel baut auf der Kann-Liste des Artikels Marketingstrategie: SWOT-Analyse, BCG-Matrix, Marketingmix und Preisstrategien auf; den relativen Marktanteil und die Preisstrategien findest Du dort ausführlicher.
Schon fit in diesem Thema? Nutze die Kann-Liste und die Leitfragen unter dem Artikel als Checkliste, ob Du die relevanten Kompetenzen bereits hast.
Als Grundlagen kann ich nach Durchlesen des Artikels…
… die Marktformen Monopol, Oligopol und Polypol (auf Angebots- und Nachfrageseite) nennen und einer beschriebenen Marktsituation zuordnen, auch wenn neue Anbieter hinzukommen.
… beschreiben, wie viel Einfluss ein Anbieter in jeder Marktform auf den Preis hat, und die Merkmale eines Angebotsoligopols nennen.
… kosten-, nachfrage- und konkurrenzorientierte Preisbildung unterscheiden.
… für eine Marktanteilsstatistik eine passende Diagrammart wählen und zutreffende Aussagen ableiten.
Darüber hinaus kann ich als Expertenwissen…
… Bedürfnis, Bedarf und Nachfrage unterscheiden und den Einfluss der Kaufkraft erklären.
… Käufer- und Verkäufermarkt unterscheiden, die Bedingungen des vollkommenen Marktes nennen und erklären, worin ein realer Markt davon abweicht.
… aus Angebots- und Nachfragedaten Gleichgewichtspreis, Gleichgewichtsmenge, Umsatz sowie Angebots- und Nachfrageüberhang ermitteln.
… Marktpotenzial und Marktvolumen erläutern und Marktanteil, Sättigungsgrad, angestrebten Marktanteil und Absatz berechnen.
… den relativen Marktanteil berechnen und deuten und den absoluten Marktanteil aus dem relativen zurückrechnen.
… beschreiben, wie sich Marktdaten bei einem Markteintritt ändern, und begründen, wie ein Unternehmen im Oligopol auf Preissenkungen reagiert.
Ein Systemhaus will in die Wartung von Schul-Tablets einsteigen, ein Start-up plant eine App für Vereine, ein Fahrradhändler fragt sich, ob er seine Preise senken muss, weil ein Konkurrent es getan hat. Hinter allen drei Fragen steht der Markt: Wie viele Kund*innen gibt es? Wie viele kaufen schon? Wie viele andere bieten Ähnliches an? Wer die Antworten kennt, kann Absatzchancen einschätzen und den eigenen Preisspielraum begründen.
Vom Bedürfnis zur Nachfrage
Am Anfang jedes Marktes stehen Menschen, denen etwas fehlt.
Bedürfnis: der Wunsch, einen Mangel zu beseitigen, z. B. „Ich hätte gern ein eigenes Notebook für die Berufsschule.“ Bedürfnisse sind praktisch unbegrenzt.
Bedarf: der Teil der Bedürfnisse, hinter dem Kaufkraft steht, also Geld, das tatsächlich ausgegeben werden kann. Wer 400 € gespart hat, hat Bedarf an einem gebrauchten Notebook, nicht aber an einem neuen für 1.500 €.
Nachfrage: der Teil des Bedarfs, der tatsächlich am Markt wirksam wird, weil jemand ein bestimmtes Produkt kaufen will und es anfragt oder bestellt.
Daraus folgt: Der Bedarf hängt von der Kaufkraft ab, und die Nachfrage ist immer kleiner oder gleich dem Bedarf. Steigen Löhne oder sinken Steuern, wächst die Kaufkraft; aus mehr Bedürfnissen wird Bedarf, und die Nachfrage kann steigen. Bedürfnisse und Nachfrage sind dagegen nicht dasselbe, und auch das Angebot entspricht nicht automatisch den Bedürfnissen.
Was ist ein Markt?
Ein Markt ist jedes Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage für ein Gut, egal ob auf dem Wochenmarkt, in einem Onlineshop oder bei einer Ausschreibung. Auf dem Markt bildet sich der Preis.
Je nachdem, welche Seite stärker ist, spricht man von:
| Käufermarkt | Verkäufermarkt | |
|---|---|---|
| Lage | Angebot größer als Nachfrage (Angebotsüberhang) | Nachfrage größer als Angebot (Nachfrageüberhang) |
| Wer hat die Macht? | Käufer*innen: können auswählen und verhandeln | Verkäufer*innen: können Bedingungen setzen |
| Preise | eher sinkend, Rabatte, Werbung nötig | eher steigend, Lieferzeiten, Zuteilung |
| IT-Beispiel | Standard-Notebooks, wenn viele neue Anbieter auftreten | Grafikchips oder Fachkräfte bei Knappheit |
Steigt das Angebot stärker als die Nachfrage, z. B. weil mehrere neue Mitbewerber auftreten, entwickelt sich ein Käufermarkt mit Druck auf die Preise.
Marktformen: Wie viele Anbieter, wie viele Nachfrager?
Die Marktform beschreibt, wie viele Anbieter und wie viele Nachfrager auf einem Markt zusammentreffen. Die Vorsilben kommen aus dem Griechischen: mono = einer, oligo = wenige, poly = viele. „-pol“ bezeichnet die Anbieterseite, „-pson“ (von opsonein, einkaufen) die Nachfrageseite.
| Nachfrager ↓ / Anbieter → | ein Anbieter | wenige Anbieter | viele Anbieter |
|---|---|---|---|
| ein Nachfrager | zweiseitiges (bilaterales) Monopol | beschränktes Nachfragemonopol | Nachfragemonopol (Monopson) |
| wenige Nachfrager | beschränktes Angebotsmonopol | zweiseitiges (bilaterales) Oligopol | Nachfrageoligopol (Oligopson) |
| viele Nachfrager | Angebotsmonopol | Angebotsoligopol | Polypol (vollständige Konkurrenz) |
Die fett gedruckten Formen sind die wichtigsten. Wenn nur von „Monopol“ oder „Oligopol“ die Rede ist, ist meist die Angebotsseite gemeint.
So bestimmst Du die Marktform:
Zähle die Anbieter: einer, wenige (eine überschaubare Zahl, die sich gegenseitig beobachtet) oder viele (keiner fällt allein ins Gewicht)?
Zähle die Nachfrager auf dieselbe Weise.
Lies die Marktform in der Tabelle ab.
Beispiele aus der IT:
Viele Systemhäuser bieten in einer Großstadt Netzwerkinstallationen an, viele Betriebe fragen sie nach: Polypol.
Wenige Netzbetreiber bieten Mobilfunk für Millionen von Kund*innen an: Angebotsoligopol.
Ein Schulträger schreibt 2.000 Tablets aus, viele Händler bewerben sich: Nachfragemonopol (Monopson).
Nur der Hersteller einer Schließanlage kann Ersatzschlüssel zu einem bestimmten Schließungscode liefern: Angebotsmonopol.
Ein Anbieter beherrscht einen Markt fast allein, obwohl es noch einige kleine Konkurrenten gibt: Quasi-Monopol (z. B. bei einer verbreiteten Plattform mit wenigen Randanbietern).
Marktformen ändern sich. Ist ein Unternehmen mit einer neuen Produktidee allein, hat es zunächst ein Angebotsmonopol. Kommt ein zweiter Anbieter hinzu, entsteht ein Angebotsoligopol mit genau zwei Anbietern (auch Dyopol oder Duopol genannt). Drängen immer mehr Anbieter auf den Markt, wird aus dem Oligopol ein Polypol. Umgekehrt kann aus einem Polypol durch Übernahmen und Zusammenschlüsse ein Oligopol werden. Bei einer Marktanalyse lohnt es sich deshalb, nicht nur nach der heutigen, sondern auch nach der künftig zu erwartenden Marktform zu fragen.
Preisspielraum in den Marktformen
Wie stark ein Anbieter den Preis selbst bestimmen kann, hängt von der Marktform ab:
| Marktform | Preisspielraum des Anbieters | Typisches Verhalten |
|---|---|---|
| Angebotsmonopol | am größten: Der Monopolist setzt den Preis allein fest. | Er wählt die Kombination aus Preis und Menge mit dem höchsten Gewinn. Grenzen: Kund*innen weichen auf Ersatzprodukte (Substitutionsgüter) aus oder verzichten; das Kartellrecht verbietet den Missbrauch der Marktmacht. Ein besonders niedriger Preis kann neue Konkurrenz abschrecken. |
| Angebotsoligopol | mittel: Jeder Preis wirkt sofort auf die wenigen Konkurrenten (Reaktionsverbundenheit). | Senkt ein Anbieter den Preis, verlieren die anderen Kund*innen und müssen meist nachziehen (Gefahr eines Preiskampfs). Oft gibt ein Preisführer den Preis vor, und die übrigen richten sich danach; der Wettbewerb verlagert sich auf Qualität, Service und Werbung. Preisabsprachen sind als Kartell verboten. |
| Polypol | am kleinsten: Kein Anbieter kann den Marktpreis allein beeinflussen. | Jeder hat nur einen kleinen Marktanteil und ist Mengenanpasser: Er nimmt den Marktpreis hin und entscheidet nur, wie viel er dazu anbietet. Wer den Preis erhöht, verliert Kund*innen an die Konkurrenz. |
Ein Angebotsoligopol erkennst Du also an zwei Merkmalen: wenige Anbieter stehen vielen Nachfragern gegenüber, und trotzdem ist Wettbewerb möglich, weil jeder Anbieter auf die Preise der anderen achten muss. Ein Oligopol entsteht nicht durch Absprachen; Absprachen und Zusammenschlüsse zur Wettbewerbsbeschränkung heißen Kartell und sind nach dem Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) grundsätzlich verboten.
Für die Wettbewerbsaufsicht ist entscheidend, ob ein Unternehmen marktbeherrschend ist. Nach § 18 GWB wird das vermutet, wenn ein Unternehmen einen Marktanteil von mindestens 40 % hat, oder wenn drei oder weniger Unternehmen zusammen mindestens 50 % bzw. fünf oder weniger zusammen mindestens zwei Drittel erreichen. Die Vermutung ist widerlegbar, zeigt aber, warum Marktanteile nicht nur fürs Marketing wichtig sind.
Kosten-, nachfrage- oder konkurrenzorientierte Preisbildung
Wie ein Unternehmen seinen Preis tatsächlich festlegt, hängt auch von der Marktform ab:
Kostenorientiert: Selbstkosten plus Gewinnzuschlag (siehe Angebots- und Verkaufskalkulation). Langfristig deckt der Preis die Kosten, ob die Kundschaft ihn zahlt, ist aber offen. Typisch für Monopole und Einzelanfertigungen.
Nachfrageorientiert: Ausgangspunkt ist, was die Kundschaft zu zahlen bereit ist. Dafür stehen Marktanalysen und Kundenbefragungen im Mittelpunkt. Typisch für neue Produkte und für Preisdifferenzierung.
Konkurrenzorientiert: Der Preis richtet sich nach den Preisen der Mitbewerber oder nach einem Preisführer. Typisch für Oligopol und Polypol. Ob die eigenen Kosten dauerhaft gedeckt sind, ist damit nicht gesichert und muss gesondert geprüft werden.
In der Praxis werden die drei Sichtweisen kombiniert: Die Kosten setzen die Preisuntergrenze, Nachfrage und Konkurrenz bestimmen, wie weit darüber der Preis liegen kann. Strategien wie Penetrations- oder Abschöpfungspreise beschreibt der Artikel Marketingstrategie.
Das Modell des vollkommenen Marktes
Um zu erklären, wie sich Preise bilden, nutzt die Volkswirtschaftslehre ein vereinfachtes Modell: den vollkommenen Markt. Er setzt voraus:
Homogene Güter: Alle Angebote sind völlig gleichartig.
Keine Präferenzen: Käufer*innen bevorzugen keinen Anbieter, weder sachlich (Marke, Qualität), persönlich (freundliche Beratung, Stammkunde), räumlich (kurzer Weg) noch zeitlich (schnellere Lieferung).
Vollständige Markttransparenz: Alle kennen alle Preise und Angebote.
Sofortige Reaktion: Alle reagieren unendlich schnell auf Preisänderungen.
Punktmarkt: Angebot und Nachfrage treffen an einem Ort zur selben Zeit zusammen (z. B. an der Börse).
Kommt dazu die Marktform Polypol, spricht man von vollständiger Konkurrenz. Auf einem vollkommenen Markt kann es für ein Gut nur einen Preis geben, denn wer teurer ist, verkauft nichts.
Reale IT-Märkte sind fast immer unvollkommen: IT-Dienstleistungen unterscheiden sich in Qualität und Umfang (keine homogenen Güter), Kund*innen bleiben bei ihrem vertrauten Systemhaus (persönliche Präferenz) oder wählen das nächstgelegene (räumliche Präferenz), und kaum jemand kennt alle Angebote. Deshalb gibt es auf demselben Markt unterschiedliche Preise.
Preisbildung im Modell: Gleichgewichtspreis und Überhänge
Auf einem Polypol mit vollständiger Konkurrenz bildet sich der Preis aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage:
Nachfrage: Je niedriger der Preis, desto mehr wird nachgefragt.
Angebot: Je höher der Preis, desto mehr wird angeboten, weil sich die Herstellung für mehr Anbieter lohnt.
Beispiel: Auf dem Markt für aufbereitete gebrauchte Notebooks in einer Großstadt gelten pro Monat folgende Mengen:
| Preis je Notebook | Nachfragemenge | Angebotsmenge | Lage | abgesetzte Menge | Umsatz |
|---|---|---|---|---|---|
| 150 € | 1.400 | 400 | Nachfrageüberhang 1.000 | 400 | 60.000 € |
| 200 € | 1.100 | 700 | Nachfrageüberhang 400 | 700 | 140.000 € |
| 250 € | 900 | 900 | Gleichgewicht | 900 | 225.000 € |
| 300 € | 700 | 1.150 | Angebotsüberhang 450 | 700 | 210.000 € |
| 350 € | 500 | 1.400 | Angebotsüberhang 900 | 500 | 175.000 € |
Beim Gleichgewichtspreis (hier 250 €) sind angebotene und nachgefragte Menge gleich groß (Gleichgewichtsmenge 900 Stück); der Markt wird „geräumt“, und in diesem Beispiel ist auch der Umsatz am größten.
Liegt der Preis darüber, wird mehr angeboten als nachgefragt: Angebotsüberhang. Die Anbieter bleiben auf Ware sitzen und senken die Preise.
Liegt der Preis darunter, wird mehr nachgefragt als angeboten: Nachfrageüberhang. Käufer*innen gehen leer aus, die Anbieter können die Preise erhöhen.
Verkauft wird immer nur die kleinere der beiden Mengen. Bei 300 € werden also nur 700 Notebooks abgesetzt, obwohl 1.150 angeboten werden.
Der Überhang ist die Differenz der beiden Mengen. Bei 300 €:
Geg.: Angebotsmenge A = 1.150 Stück, Nachfragemenge N = 700 Stück
Ges.: Angebotsüberhang \ddot{U}_A
\ddot{U}_A = A - N = 1.150\,\text{Stück} - 700\,\text{Stück} = \underline{\underline{450\,\text{Stück}}}
In einem Preis-Mengen-Diagramm steigt die Angebotskurve von links unten nach rechts oben, die Nachfragekurve fällt von links oben nach rechts unten; im Schnittpunkt liegen Gleichgewichtspreis und Gleichgewichtsmenge. Liest Du einen Überhang aus dem Diagramm ab, gehst Du beim gegebenen Preis waagerecht bis zu beiden Kurven und bildest die Differenz der beiden Mengen.
Marktgrößen: Potenzial, Volumen, Anteil
Für die Planung eines Unternehmens zählt nicht nur die Marktform, sondern auch die Größe des Marktes. Die wichtigsten Begriffe bauen aufeinander auf:
| Begriff | Bedeutung | Beispiel: Wartung von Schul-Tablets in einem Landkreis |
|---|---|---|
| Marktpotenzial | mögliche Absatzmenge (oder möglicher Umsatz), wenn alle infrage kommenden Kund*innen kaufen würden, also bei optimaler Markterschließung (Obergrenze) | 12.000 Tablets an allen Schulen des Kreises |
| Marktvolumen | tatsächliche Absatzmenge (oder tatsächlicher Umsatz) aller Anbieter auf dem Markt in einem Zeitraum | 4.800 Tablets haben bereits einen Wartungsvertrag |
| Absatzvolumen | tatsächliche Absatzmenge des eigenen Unternehmens | 960 Tablets betreut das eigene Systemhaus |
Manchmal wird zusätzlich die Marktkapazität genannt: die Aufnahmefähigkeit des Marktes ohne Rücksicht auf die Kaufkraft. Sie ist größer als das Marktpotenzial. Ob ein Wert als Stückzahl oder als Umsatz angegeben ist, muss beim Rechnen immer gleich sein.
Aus den drei Größen ergeben sich zwei Kennzahlen:
\text{Marktanteil} = \frac{\text{Absatzvolumen}}{\text{Marktvolumen}} \cdot 100\,\% \qquad \text{Sättigungsgrad} = \frac{\text{Marktvolumen}}{\text{Marktpotenzial}} \cdot 100\,\%
Geg.: Marktpotenzial MP = 12.000 Tablets, Marktvolumen MV = 4.800 Tablets, Absatzvolumen AV = 960 Tablets
Ges.: Marktanteil MA
MA = \frac{AV}{MV} \cdot 100\,\% = \frac{960\,\text{Tablets}}{4.800\,\text{Tablets}} \cdot 100\,\% = \underline{\underline{20\,\%}}
Ges.: Sättigungsgrad SG
SG = \frac{MV}{MP} \cdot 100\,\% = \frac{4.800\,\text{Tablets}}{12.000\,\text{Tablets}} \cdot 100\,\% = \underline{\underline{40\,\%}}
Der Sättigungsgrad (auch Marktdurchdringung) zeigt, wie weit das Marktpotenzial bereits ausgeschöpft ist. Ein niedriger Sättigungsgrad bedeutet: Es gibt noch viele mögliche Kund*innen, der Markt kann wachsen, ohne dass man der Konkurrenz Kund*innen abnehmen muss. Bei einem hohen Sättigungsgrad (z. B. 90 %) wächst das eigene Geschäft fast nur noch auf Kosten der Mitbewerber oder über Ersatzkäufe.
Ziele für den Marktanteil richtig rechnen
Will das Systemhaus seinen Marktanteil um 20 % erhöhen, ist eine Steigerung auf das 1,2-Fache gemeint, nicht um 20 Prozentpunkte:
Geg.: bisheriger Marktanteil MA_{alt} = 20\,\%, Steigerung um 20 %, erwartetes Marktvolumen im Folgejahr MV_{neu} = 6.000 Tablets
Ges.: angestrebter Marktanteil MA_{neu} und angestrebter Absatz AV_{neu}
MA_{neu} = MA_{alt} \cdot 1{,}2 = 20\,\% \cdot 1{,}2 = \underline{\underline{24\,\%}}
AV_{neu} = MV_{neu} \cdot MA_{neu} = 6.000\,\text{Tablets} \cdot 0{,}24 = \underline{\underline{1.440\,\text{Tablets}}}
Eine Steigerung um 20 Prozentpunkte ergäbe dagegen 40 %. Achte in Aufgaben genau auf den Wortlaut.
Was ändert sich bei einem Markteintritt?
Tritt ein neuer Anbieter in den Markt ein, bleibt das Marktpotenzial gleich, denn die Zahl der möglichen Kund*innen ändert sich dadurch nicht. Verkauft der Neue zusätzlich, steigt das Marktvolumen um seinen Absatz, und der Sättigungsgrad steigt. Die Marktanteile der bisherigen Anbieter sinken, selbst wenn sie genauso viel verkaufen wie vorher, weil sich ihr Absatz nun auf ein größeres Marktvolumen bezieht. Nimmt der Neue den anderen dagegen Kund*innen weg, bleibt das Marktvolumen gleich, und nur die Anteile verschieben sich.
Relativer Marktanteil
Der relative Marktanteil vergleicht den eigenen Marktanteil mit dem des stärksten Konkurrenten (ist man selbst Marktführer: mit dem Zweitstärksten):
\text{relativer Marktanteil} = \frac{\text{eigener Marktanteil}}{\text{Marktanteil des stärksten Konkurrenten}}
Er wird als Faktor (z. B. 0,5) oder in Prozent (50 %) angegeben. Unter 1,0 (100 %) ist man nicht Marktführer, ab 1,0 schon. Ein relativer Marktanteil von 0,5 bedeutet: Das eigene Unternehmen erreicht die Hälfte des Marktanteils des stärksten Konkurrenten. Er ist die waagerechte Achse der BCG-Matrix (siehe Marketingstrategie).
Kennst Du den relativen Marktanteil und den Marktanteil des Vergleichskonkurrenten, kannst Du den absoluten Marktanteil zurückrechnen:
Geg.: relativer Marktanteil RMA = 1{,}5, Marktanteil des stärksten Konkurrenten MA_K = 23\,\%
Ges.: eigener (absoluter) Marktanteil MA
RMA = \frac{MA}{MA_K} \quad | \cdot MA_K
MA = RMA \cdot MA_K = 1{,}5 \cdot 23\,\% = \underline{\underline{34{,}5\,\%}}
Weil der Wert über 1,0 liegt, ist das Unternehmen selbst Marktführer, und 23 % ist der Anteil des zweitstärksten Anbieters.
Marktanteile darstellen und richtig lesen
Marktanteile werden oft als Tabelle oder Diagramm präsentiert. Welche Diagrammart passt, hängt von der Frage ab:
| Frage | geeignete Darstellung |
|---|---|
| Wie haben sich die Marktanteile mehrerer Anbieter über die Jahre entwickelt? | Liniendiagramm (je Anbieter eine Linie, Jahre auf der waagerechten Achse) |
| Wie ist der Markt in einem Jahr aufgeteilt? | Kreisdiagramm (Anteile ergeben zusammen 100 %) |
| Wie verändert sich die Aufteilung von Jahr zu Jahr? | gestapeltes Säulendiagramm (100 %) |
| Wie groß ist der Absatz je Anbieter im Vergleich? | Säulen- oder Balkendiagramm |
Beim Lesen einer Marktanteilsstatistik helfen drei Fragen:
Was zeigt die Statistik genau? Häufig nur einige Anbieter, nicht den ganzen Markt; dann ergeben die Anteile nicht 100 %.
Anteil oder Menge? Ein sinkender Marktanteil heißt nicht, dass Umsatz oder Absatz sinken: Wächst der Gesamtmarkt, kann ein Anbieter trotz kleinerem Anteil mehr verkaufen. Aussagen über Umsatz oder Marktwachstum lassen sich aus Anteilen allein nicht ableiten.
Prozent oder Prozentpunkte? Sinkt ein Marktanteil von 30 % auf 22 %, ist er um 8 Prozentpunkte gesunken, aber um rund 26,7 % (8 : 30).
Typische Fehler
Marktpotenzial und Marktvolumen verwechselt: Das Potenzial ist das Mögliche, das Volumen das Tatsächliche.
Marktanteil auf das Marktpotenzial statt auf das Marktvolumen bezogen.
„Um 20 % steigern“ als „plus 20 Prozentpunkte“ gerechnet.
Beim Überhang die abgesetzte Menge mit der angebotenen Menge verwechselt: Verkauft wird nur die kleinere Menge.
Angebotsoligopol mit Kartell gleichgesetzt: Das Oligopol beschreibt nur die Zahl der Anbieter, ein Kartell ist eine (verbotene) Absprache.
Monopol und Monopson verwechselt: „-pol“ ist die Anbieter-, „-pson“ die Nachfrageseite.
Leitfragen
- Worin unterscheiden sich Bedürfnis, Bedarf und Nachfrage?
Ein Bedürfnis ist der Wunsch, einen Mangel zu beseitigen. Bedarf ist der Teil der Bedürfnisse, hinter dem Kaufkraft steht. Nachfrage ist der Bedarf, der tatsächlich am Markt wirksam wird. Siehe Abschnitt „Vom Bedürfnis zur Nachfrage“.
- Welche Marktformen gibt es, und wie bestimmst Du sie?
Man zählt Anbieter und Nachfrager (einer, wenige, viele). Wichtig sind Angebotsmonopol (ein Anbieter, viele Nachfrager), Angebotsoligopol (wenige Anbieter, viele Nachfrager), Polypol (viele auf beiden Seiten) sowie Nachfragemonopol (Monopson) und Nachfrageoligopol (Oligopson). Kommen Anbieter hinzu, ändert sich die Marktform, z. B. vom Monopol zum Oligopol. Siehe Abschnitt „Marktformen“.
- In welcher Marktform hat ein Anbieter den größten Einfluss auf den Preis, und wie verhalten sich Anbieter im Oligopol?
Im Angebotsmonopol ist der Preisspielraum am größten, im Polypol am kleinsten (Mengenanpasser). Im Oligopol reagieren die wenigen Anbieter aufeinander: Senkt einer den Preis, müssen die anderen meist nachziehen; oft gibt ein Preisführer den Preis vor. Siehe Abschnitt „Preisspielraum“.
- Was unterscheidet kosten-, nachfrage- und konkurrenzorientierte Preisbildung?
Kostenorientiert: Selbstkosten plus Gewinnzuschlag. Nachfrageorientiert: Ausgangspunkt ist die Zahlungsbereitschaft der Kundschaft, ermittelt durch Marktanalysen. Konkurrenzorientiert: Der Preis richtet sich nach den Mitbewerbern; die Kostendeckung ist damit nicht gesichert. Siehe Abschnitt „Preisbildung“.
- Was ist ein vollkommener Markt, und warum sind reale IT-Märkte unvollkommen?
Ein Modellmarkt mit homogenen Gütern, ohne sachliche, persönliche, räumliche oder zeitliche Präferenzen, mit vollständiger Markttransparenz, sofortiger Reaktion und als Punktmarkt. Reale IT-Leistungen unterscheiden sich in Qualität und Service, Kund*innen haben Vorlieben und kennen nicht alle Angebote. Siehe Abschnitt „Vollkommener Markt“.
- Wie liest Du Gleichgewichtspreis und Überhänge aus einer Angebots- und Nachfragetabelle ab?
Beim Gleichgewichtspreis sind Angebots- und Nachfragemenge gleich, die abgesetzte Menge ist am größten. Darüber entsteht ein Angebotsüberhang, darunter ein Nachfrageüberhang; der Überhang ist die Differenz der beiden Mengen, abgesetzt wird nur die kleinere. Siehe Abschnitt „Gleichgewichtspreis“.
- Wie berechnest Du Marktanteil, Sättigungsgrad und relativen Marktanteil?
Marktanteil = Absatzvolumen : Marktvolumen · 100 %; Sättigungsgrad = Marktvolumen : Marktpotenzial · 100 %; relativer Marktanteil = eigener Marktanteil : Marktanteil des stärksten Konkurrenten. Umgekehrt: absoluter Marktanteil = relativer Marktanteil · Marktanteil des Konkurrenten. Siehe Abschnitt „Marktgrößen“.
- Was bedeutet ein sinkender Marktanteil in einer Statistik, und welche Diagrammart zeigt die Entwicklung am besten?
Ein sinkender Marktanteil sagt nichts über Umsatz oder Absatz aus, solange die Marktgröße unbekannt ist; bei wachsendem Markt kann der Absatz sogar steigen. Für die Entwicklung über mehrere Jahre eignet sich ein Liniendiagramm, für die Aufteilung in einem Jahr ein Kreisdiagramm. Siehe Abschnitt „Marktanteile darstellen“.
Links und weitere Informationen
Marketingstrategie: SWOT-Analyse, BCG-Matrix, Marketingmix und Preisstrategien
als Nachschlagewerk: Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), § 18 Marktbeherrschung
als Nachschlagewerk: Bundeskartellamt: Fragen und Antworten zum Kartellrecht
Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)
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