Finanzierung von IT-Investitionen: Darlehen, Leasing oder Kauf?
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Finanzierung, Leasing, Darlehen, Ratendarlehen, Annuitätendarlehen, Fälligkeitsdarlehen, Tilgungsplan, Kaufoption, Außenfinanzierung, Innenfinanzierung, Kreditsicherheiten, Skonto
tl/dr; (ca. 21 min Lesezeit): Neue Hardware, Software oder eine ganze Infrastruktur müssen bezahlt werden – aus eigenen Mitteln, mit einem Darlehen oder per Leasing. Der Artikel erklärt die Finanzierungsarten, die drei Darlehensarten mit Tilgungsplänen, Leasing mit Eigentum, Besitz und Vertragsende sowie den Vergleich von Kauf, Kredit und Leasing nach Kosten, Aufwand, Liquidität und Bilanz [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 27.10.2026)
Schon fit in diesem Thema? Nutze die Kann-Liste und die Leitfragen unter dem Artikel als Checkliste, ob Du die relevanten Kompetenzen bereits hast.
Als Grundlagen der Finanzierung kann ich nach Durchlesen des Artikels…
… das Grundprinzip von Leasing beschreiben und dabei Eigentum und Besitz bei Kauf, Kreditkauf und Leasing unterscheiden.
… Vor- und Nachteile von Leasing und Kauf (auch auf Kredit) nennen und auf eine konkrete IT-Anschaffung beziehen.
… die Möglichkeiten am Ende eines Leasingvertrags (Rückgabe, Verlängerung, Kaufoption, Austausch) beschreiben und den Begriff Kaufoption erläutern.
… einen Tilgungsplan für ein Ratendarlehen erstellen und Zinsen, Tilgung, Belastung und Restschuld je Jahr berechnen.
… die Gesamtkosten von Kauf, Kreditkauf und Leasing (mit und ohne Kaufoption) sowie die Monatskosten von Kauf und Miete berechnen und vergleichen.
… liquiditätsschonende Finanzierungsmöglichkeiten nennen und die monatliche Rate eines Ratenkaufs berechnen.
Darüber hinaus kann ich als Expertenwissen der Finanzierung…
… Raten-, Annuitäten- und Fälligkeitsdarlehen nach Tilgung, Zinsanteil und Belastung vergleichen, Tilgungspläne aller drei Arten vervollständigen und ihre Auswirkungen auf die Liquiditätsplanung beschreiben.
… Finanzierungsarten nach Herkunft (Außen-/Innenfinanzierung) und Rechtsstellung (Eigen-/Fremdkapital) einordnen und Operating- und Finanzierungsleasing unterscheiden.
… den jährlichen betrieblichen Aufwand und die Bilanzwirkung von Kreditkauf und Leasing vergleichen und eine begründete Finanzierungsempfehlung formulieren.
… die Kosten eines Kontokorrentkredits zur Skontonutzung beurteilen sowie Kreditwürdigkeitsprüfung und Kreditsicherheiten erläutern.
Ein Start-up braucht neue Notebooks für das Entwicklungsteam, eine Fahrradwerkstatt ein automatisches Kleinteilelager, eine Schule digitale Türschilder. Bevor bestellt wird, steht eine Frage im Raum, die in IT-Projekten oft zu spät gestellt wird: Wie wird das bezahlt? Wer genug Geld auf dem Konto hat, kann kaufen. Oft ist es aber klüger, das Geld im Unternehmen zu lassen – und dann geht es um Darlehen, Leasing, Mietkauf oder Ratenzahlung. Dieser Artikel zeigt, wie diese Finanzierungen funktionieren, wie man sie durchrechnet und nach welchen Kriterien man sich entscheidet.
Finanzierungsarten im Überblick
Finanzierung heißt, einem Unternehmen Geld (Kapital) für Investitionen und den laufenden Betrieb zu beschaffen. Man ordnet Finanzierungsarten nach zwei Fragen:
Woher kommt das Geld? Bei der Außenfinanzierung fließen die Mittel dem Unternehmen von außen zu (Bank, Gesellschafter*innen, Lieferanten, Leasinggesellschaft). Bei der Innenfinanzierung stammen sie aus dem Unternehmen selbst – aus dem, was es erwirtschaftet hat, oder aus Vermögen, das es umschichtet.
Wem gehört das Geld? Eigenkapital stellen die Eigentümer*innen bereit; es muss nicht zurückgezahlt werden und kostet keine Zinsen, gibt den Geldgebenden aber Mitsprache und Anspruch auf Gewinn. Fremdkapital ist geliehen: Es muss verzinst und zurückgezahlt werden, der Kreditgeber redet aber im Unternehmen nicht mit.
| Eigenkapital | Fremdkapital | |
|---|---|---|
| Außenfinanzierung | Beteiligungsfinanzierung: Einlage der Gesellschafter*innen, Aufnahme neuer Gesellschafter*innen, Wagniskapital | Kreditfinanzierung: Bankdarlehen, Kontokorrentkredit, Lieferantenkredit, Kundenanzahlung; Leasing als Sonderform |
| Innenfinanzierung | Selbstfinanzierung: nicht ausgeschütteter Gewinn (Rücklagen) | Finanzierung aus Rückstellungen (z. B. für Pensionen) |
Daneben gibt es Innenfinanzierung ohne neues Kapital: Finanzierung aus Abschreibungen (die Abschreibungen sind in die Verkaufspreise einkalkuliert, das Geld fließt über die Umsatzerlöse zurück, ohne dass es für einen Ersatz sofort gebraucht wird) und Vermögensumschichtung (z. B. Verkauf nicht mehr benötigter Anlagen, Abbau von Lagerbeständen, Factoring von Forderungen). Für IT-Projekte kommen außerdem Fördermittel (Zuschüsse, zinsgünstige Förderdarlehen) infrage.
| Finanzierungsart | typischer Vorteil |
|---|---|
| Selbstfinanzierung (Gewinn, Rücklagen) | keine Zinsen, keine Abhängigkeit von Geldgebern |
| Beteiligungsfinanzierung | Kapital ohne Verschuldung, keine laufende Zins- und Tilgungslast |
| Finanzierung aus Abschreibungen | Mittel stehen bereits zur Verfügung, keine Kapitalkosten |
| Vermögensumschichtung, Factoring | gebundenes Kapital wird frei, Forderungsausfallrisiko sinkt (Factoring) |
| Fördermittel | Zuschüsse müssen nicht zurückgezahlt werden, Förderdarlehen sind zinsgünstig |
| Lieferantenkredit (Zahlungsziel) | sofort verfügbar, ohne Sicherheiten und ohne Kreditprüfung |
Kauf mit Kreditfinanzierung
Beim Kauf auf Kredit (Kreditkauf) leiht sich das Unternehmen den Kaufpreis bei der Bank und bezahlt damit den Lieferanten. Mit der Übergabe (und vollständigen Bezahlung) wird das Unternehmen Eigentümer und Besitzer des Gegenstands. Den Kredit zahlt es über die vereinbarte Laufzeit mit Zinsen und Tilgung zurück.
Zur Erinnerung: Eigentum ist die rechtliche Herrschaft über eine Sache (Wem gehört sie?), Besitz die tatsächliche Herrschaft (Wer hat sie?). Bei Miete und Leasing fallen beide auseinander.
In der Bilanz wirkt der Kreditkauf zweifach: Auf der Aktivseite steigt das Anlagevermögen, auf der Passivseite steigen die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten – die Bilanzsumme wächst, die Eigenkapitalquote sinkt. Danach mindert die jährliche Abschreibung (AfA) den Wert des Anlagevermögens und erscheint als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV); ebenso die Zinsen. Die Tilgung dagegen ist kein Aufwand, sie verringert nur die Schulden.
Bei der linearen Abschreibung wird jedes Jahr derselbe Betrag abgeschrieben:
\text{AfA-Satz} = \dfrac{100\,\%}{\text{Nutzungsdauer}} \qquad \text{AfA-Betrag} = \dfrac{\text{Anschaffungskosten}}{\text{Nutzungsdauer}}
Für Computerhardware und Software lässt das Steuerrecht seit 2021 eine Nutzungsdauer von einem Jahr zu; das ist ein Angebot, keine Pflicht. In Aufgaben ist die Nutzungsdauer deshalb meist vorgegeben – rechne mit dem dort genannten Wert.
Kreditwürdigkeit und Kreditsicherheiten
Bevor eine Bank einen Kredit gewährt, prüft sie die Kreditwürdigkeit (Bonität). Dafür legt das Unternehmen in einer Selbstauskunft z. B. Jahresabschlüsse (Bilanz, GuV), aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen, eine Liquiditäts- und Investitionsplanung, bestehende Verbindlichkeiten und die Vermögensverhältnisse der Haftenden vor; die Bank holt zusätzlich Auskünfte von Auskunfteien ein.
Als Kreditsicherheiten kommen infrage:
Bürgschaft: Eine dritte Person (z. B. Gesellschafter*in) verpflichtet sich, für die Schuld einzustehen, wenn das Unternehmen nicht zahlt.
Sicherungsübereignung: Das Unternehmen überträgt der Bank das Eigentum an einer beweglichen Sache (z. B. den finanzierten Servern), behält sie aber im Besitz und nutzt sie weiter.
Zession (Forderungsabtretung): Forderungen gegen Kund*innen werden an die Bank abgetreten.
Grundschuld: Ein Grundstück haftet für die Schuld (Eintrag im Grundbuch).
Darlehensarten und Tilgungspläne
Ein Darlehen wird über eine feste Laufzeit zurückgezahlt. Die jährliche Belastung (auch Kreditrate) setzt sich aus Zinsen und Tilgung zusammen; die Zinsen werden immer auf die Restschuld zu Beginn des Zeitraums berechnet:
\text{Zinsen} = \text{Restschuld} \cdot \text{Zinssatz} \qquad \text{Belastung} = \text{Zinsen} + \text{Tilgung}
Die drei Darlehensarten unterscheiden sich darin, wann getilgt wird. Beispiel für alle drei: 24.000 €, 4 % p. a., Laufzeit 4 Jahre, eine Zahlung am Ende jedes Jahres.
Ratendarlehen (Tilgungs- oder Abzahlungsdarlehen)
Die Tilgung ist jedes Jahr gleich (Darlehensbetrag : Laufzeit). Weil die Restschuld sinkt, sinken die Zinsen – und damit auch die Belastung.
| Jahr | Restschuld Anfang | Zinsen | Tilgung | Belastung | Restschuld Ende |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 24.000,00 € | 960,00 € | 6.000,00 € | 6.960,00 € | 18.000,00 € |
| 2 | 18.000,00 € | 720,00 € | 6.000,00 € | 6.720,00 € | 12.000,00 € |
| 3 | 12.000,00 € | 480,00 € | 6.000,00 € | 6.480,00 € | 6.000,00 € |
| 4 | 6.000,00 € | 240,00 € | 6.000,00 € | 6.240,00 € | 0,00 € |
| Summe | 2.400,00 € | 24.000,00 € | 26.400,00 € |
Vorgehen Zeile für Zeile: Zinsen = Restschuld · 4 %, Tilgung = 24.000 € : 4, Belastung = Zinsen + Tilgung, neue Restschuld = alte Restschuld − Tilgung. Die Belastung sinkt jedes Jahr um denselben Betrag (hier 240 €, also Tilgung · Zinssatz).
Annuitätendarlehen
Die Belastung (Annuität) ist jedes Jahr gleich. Weil die Zinsen mit der Restschuld sinken, steigt der Tilgungsanteil von Jahr zu Jahr. Die Annuität wird in Aufgaben meist vorgegeben; berechnen lässt sie sich mit dem Annuitätenfaktor (mit q = 1 + i, Zinssatz i als Dezimalzahl, Laufzeit n Jahre):
A = K \cdot \dfrac{q^n \cdot i}{q^n - 1} = 24.000\,€ \cdot \dfrac{1{,}04^4 \cdot 0{,}04}{1{,}04^4 - 1} \approx 24.000\,€ \cdot 0{,}275490 \approx 6.611{,}76\,€
| Jahr | Restschuld Anfang | Zinsen | Tilgung | Belastung | Restschuld Ende |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 24.000,00 € | 960,00 € | 5.651,76 € | 6.611,76 € | 18.348,24 € |
| 2 | 18.348,24 € | 733,93 € | 5.877,83 € | 6.611,76 € | 12.470,41 € |
| 3 | 12.470,41 € | 498,82 € | 6.112,94 € | 6.611,76 € | 6.357,47 € |
| 4 | 6.357,47 € | 254,30 € | 6.357,47 € | 6.611,77 € | 0,00 € |
| Summe | 2.447,05 € | 24.000,00 € | 26.447,05 € |
Vorgehen: Zinsen = Restschuld · 4 %, Tilgung = Annuität − Zinsen. Durch das Runden auf Cent bleibt im letzten Jahr ein kleiner Rest; die letzte Rate wird deshalb um ein oder zwei Cent angepasst, damit die Restschuld genau 0 € wird.
Fälligkeitsdarlehen (endfälliges Darlehen)
Während der Laufzeit werden nur Zinsen gezahlt; die gesamte Tilgung ist am Ende fällig. Die Zinsen bleiben gleich hoch, weil die Restschuld bis zum Schluss nicht sinkt.
| Jahr | Restschuld Anfang | Zinsen | Tilgung | Belastung | Restschuld Ende |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 24.000,00 € | 960,00 € | 0,00 € | 960,00 € | 24.000,00 € |
| 2 | 24.000,00 € | 960,00 € | 0,00 € | 960,00 € | 24.000,00 € |
| 3 | 24.000,00 € | 960,00 € | 0,00 € | 960,00 € | 24.000,00 € |
| 4 | 24.000,00 € | 960,00 € | 24.000,00 € | 24.960,00 € | 0,00 € |
| Summe | 3.840,00 € | 24.000,00 € | 27.840,00 € |
Die drei Darlehensarten im Vergleich
| Merkmal | Ratendarlehen | Annuitätendarlehen | Fälligkeitsdarlehen |
|---|---|---|---|
| Tilgung | konstant | steigend | null, am Ende alles |
| Zinsanteil | sinkend | sinkend | konstant |
| Belastung (Zinsen + Tilgung) | sinkend | konstant | niedrig, am Ende sehr hoch |
| Gesamtzinsen (bei gleichen Bedingungen) | am niedrigsten | etwas höher | am höchsten |
| Liquidität | am Anfang am stärksten belastet | gleichmäßig belastet, gut planbar | während der Laufzeit geschont, am Ende Rückzahlung des ganzen Betrags |
Was heißt das für die Finanz- und Liquiditätsplanung? Beim Ratendarlehen muss die Investition schon in den ersten Jahren genug Geld einbringen (oder es muss anderweitig vorhanden sein), weil die Belastung am Anfang am höchsten ist. Beim Annuitätendarlehen lässt sich die immer gleiche Rate fest einplanen. Beim Fälligkeitsdarlehen muss das Unternehmen über die Laufzeit Geld für die Schlusszahlung zurücklegen – und darf es nicht anderweitig verwenden – oder rechtzeitig eine Anschlussfinanzierung vereinbaren. Ein Fälligkeitsdarlehen passt daher, wenn am Ende sicher Geld zufließt (z. B. eine erwartete Zahlung oder der Verkauf einer Anlage).
Die günstigste Darlehensart nach Gesamtzinsen ist bei gleichem Betrag, Zinssatz und gleicher Laufzeit immer das Ratendarlehen, weil am schnellsten getilgt wird und die Zinsen auf eine kleinere Restschuld anfallen. Die Entscheidung hängt aber auch davon ab, welche Belastung sich das Unternehmen wann leisten kann.
Kurzfristige Finanzierung: Kontokorrent, Lieferantenkredit und Skonto
Für kurzfristigen Geldbedarf hat fast jedes Unternehmen einen Kontokorrentkredit (Dispositionskredit auf dem Geschäftskonto): Er ist flexibel bis zu einer Kreditlinie nutzbar, aber teuer. Ein Lieferantenkredit entsteht, wenn der Lieferant ein Zahlungsziel einräumt („zahlbar in 30 Tagen netto, bei Zahlung in 10 Tagen 2 % Skonto“). Wer das Zahlungsziel ausnutzt, verzichtet auf das Skonto – und das ist meist ein sehr teurer Kredit:
\text{Jahreszins des Skontos} \approx \dfrac{\text{Skontosatz} \cdot 360}{\text{Zahlungsziel} - \text{Skontofrist}} = \dfrac{2\,\% \cdot 360}{30 - 10} = 36\,\%
Fürs Skonto lohnt es sich deshalb fast immer, einen Kontokorrentkredit (z. B. 11 % p. a.) für die 20 Tage aufzunehmen: Die Zinsen für 20 Tage sind kleiner als der Skontoabzug. Das gilt, solange der Kontokorrentzins unter dem Jahreszins des Skontos liegt und die Kreditlinie dafür reicht. Rechnerisch vergleichst Du den Skontobetrag mit den Zinsen für den (um das Skonto verminderten) Überweisungsbetrag über die gewonnenen Tage.
Leasing
Beim Leasing erwirbt das Unternehmen ein zeitlich begrenztes, vertraglich vereinbartes Nutzungsrecht an einem Gegenstand (Hardware, Software, Fahrzeuge, Maschinen, Gebäude) und zahlt dafür regelmäßig feste Leasingraten. Beteiligt sind der Leasinggeber (meist eine Leasinggesellschaft, beim direkten Leasing der Hersteller selbst) und der Leasingnehmer.
Eigentümer bleibt der Leasinggeber.
Besitzer wird der Leasingnehmer – er nutzt den Gegenstand.
Weil das Unternehmen nicht Eigentümer wird, wird der Leasinggegenstand bei üblichen Verträgen nicht in seiner Bilanz aktiviert: Er taucht weder im Anlagevermögen noch als Verbindlichkeit auf. Die Leasingraten sind vollständig Aufwand in der GuV und mindern so den Gewinn. Kennzahlen wie Eigenkapitalquote oder Verschuldungsgrad verschlechtern sich dadurch nicht. (Nach internationalen Rechnungslegungsregeln, IFRS 16, bilanzieren große Konzerne Leasingverträge inzwischen doch – für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen gilt aber das Handelsgesetzbuch.)
Operating-Leasing und Finanzierungsleasing
| Operating-Leasing | Finanzierungsleasing (Financial Leasing) | |
|---|---|---|
| Dauer | kurz, oft deutlich kürzer als die Nutzungsdauer | mittel- bis langfristig, feste Grundmietzeit |
| Kündigung | kurzfristig kündbar | während der Grundmietzeit unkündbar |
| Risiko (Defekt, Veralterung, Restwert) | trägt der Leasinggeber, Service meist inklusive | trägt überwiegend der Leasingnehmer |
| IT-Beispiel | Tablets und Server für eine Messe oder ein Event, Testgeräte für ein Projekt | Notebooks für alle Beschäftigten, Server oder Telefonanlage über mehrere Jahre |
Damit der Gegenstand steuerlich beim Leasinggeber bleibt, liegt die Grundmietzeit beim Finanzierungsleasing zwischen 40 und 90 % der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer; maßgeblich ist die Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle, nicht die geplante Einsatzdauer im Betrieb. Deckt die Summe der Raten in der Grundmietzeit Anschaffungskosten, Zinsen und Gewinn des Leasinggebers vollständig, spricht man von Vollamortisation; decken sie nur einen Teil, von Teilamortisation – dann ist ein Restwert vereinbart, für den der Leasingnehmer oft geradestehen muss.
Was passiert am Ende des Leasingvertrags?
Was nach der Grundmietzeit geschieht, regelt der Vertrag. Typische Vereinbarungen:
Rückgabe: Der Leasingnehmer gibt den Gegenstand zurück – der Betrieb muss bis dahin Ersatz beschafft und Daten sicher gelöscht oder übertragen haben.
Verlängerung: Der Vertrag wird (meist mit niedrigeren Raten) verlängert, der Gegenstand weiter genutzt.
Kaufoption: Der Leasingnehmer darf den Gegenstand zu einem vorher festgelegten Preis (Restwert oder Buchwert) kaufen – er muss aber nicht.
Andienungsrecht: Der Leasinggeber darf verlangen, dass der Leasingnehmer den Gegenstand zum vereinbarten Restwert kauft (typisch bei Teilamortisation).
Austausch (Revolving-Leasing): Der Gegenstand wird gegen ein neues Modell getauscht und ein neuer Vertrag beginnt – bei IT besonders beliebt, weil Geräte schnell veralten.
Das Vertragsende wirkt auf die betrieblichen Prozesse: Wird gekauft, läuft der Betrieb weiter, aber Geld für den Kaufpreis muss bereitstehen. Wird getauscht oder zurückgegeben, müssen Austausch, Einrichtung, Datenübernahme und Schulung geplant werden; eventuell steht ein Prozess kurz still – dafür arbeitet man danach mit aktueller Technik.
Vor- und Nachteile von Leasing gegenüber dem Kauf
| Leasing: Vorteile | Leasing: Nachteile |
|---|---|
| Liquidität wird geschont: keine hohe Einmalzahlung, nur die Raten | in der Summe meist teurer als Kauf oder Kreditkauf |
| feste Raten erleichtern die Planung | kein Eigentum, Gegenstand darf nicht frei verändert oder verkauft werden |
| Eigenkapital und Kreditlinien bei der Bank bleiben frei, keine Sicherheiten nötig | während der Grundmietzeit unkündbar, Bindung an den Leasinggeber |
| schneller Wechsel auf aktuelle Technik möglich | Auswahl beschränkt sich auf Angebote des Leasinggebers |
| Raten sind voll als Aufwand absetzbar, Kennzahlen der Bilanz bleiben unverändert | Restwertrisiko oder hohe Schlusszahlung möglich |
| Service, Wartung oder Austausch oft inklusive | Auflagen (Versicherung, Rückgabezustand) |
Spiegelbildlich spricht für den Kauf (auch auf Kredit): Das Unternehmen wird Eigentümer, kann den Gegenstand beliebig lange nutzen, verändern oder verkaufen, erhöht sein Anlagevermögen und kann die Abschreibung steuerlich nutzen; insgesamt ist der Kauf meist günstiger. Dagegen sprechen die hohe Kapitalbindung, beim Kreditkauf die höhere Verschuldung, die nötigen Kreditsicherheiten und das Risiko, auf veralteter Technik sitzen zu bleiben.
Kauf, Kredit oder Leasing durchrechnen
Für einen fairen Vergleich legst Du denselben Zeitraum zugrunde und rechnest alle Zahlungen ein, die sich unterscheiden: Kaufpreis bzw. Tilgung, Zinsen, Leasingraten, eine Schlusszahlung (Kaufoption) und Kosten, die nur bei einer Variante anfallen (z. B. ein Wartungsvertrag, der im Leasing schon enthalten ist).
Beispiel: Eine Server- und Netzwerkausstattung kostet 36.000 € und soll drei Jahre genutzt werden (lineare Abschreibung über drei Jahre).
Kreditkauf: Ratendarlehen über 36.000 €, 5 % p. a., drei Jahre, Tilgung am Jahresende.
Leasing: 1.080 € im Monat, Grundmietzeit 36 Monate, Kaufoption zum Restwert von 3.600 €.
1. Gesamtkosten (Auszahlungen) über drei Jahre
Kreditkauf: Zinsen 1.800\,€ + 1.200\,€ + 600\,€ = 3.600\,€; Gesamtkosten 36.000\,€ + 3.600\,€ = 39.600\,€.
Leasing: 1.080\,€ \cdot 36 = 38.880\,€; mit Ausübung der Kaufoption 38.880\,€ + 3.600\,€ = 42.480\,€.
Wird die Ausstattung nach drei Jahren zurückgegeben, ist Leasing hier um 720 € günstiger; soll sie behalten werden, ist der Kreditkauf um 2.880 € günstiger.
2. Betrieblicher Aufwand je Jahr
Für den Gewinn zählt nicht die Auszahlung, sondern der Aufwand: Beim Kreditkauf sind das Abschreibung und Zinsen (die Tilgung nicht), beim Leasing die vollen Raten.
| Jahr | AfA | Zinsen | Aufwand Kreditkauf | Aufwand Leasing |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 12.000,00 € | 1.800,00 € | 13.800,00 € | 12.960,00 € |
| 2 | 12.000,00 € | 1.200,00 € | 13.200,00 € | 12.960,00 € |
| 3 | 12.000,00 € | 600,00 € | 12.600,00 € | 12.960,00 € |
3. Nicht in Euro messbare Kriterien
Zahlen entscheiden selten allein. Prüfe auch: Wie viel Liquidität hat das Unternehmen, und was soll damit sonst finanziert werden? Wie schnell veraltet die Technik? Soll der Gegenstand nach der Laufzeit weiter genutzt werden? Sind Service und Austausch im Leasing enthalten? Welche Sicherheiten verlangt die Bank, und wie wirkt sich die Entscheidung auf die Bilanzkennzahlen und damit auf künftige Kredite aus?
Kaufen oder mieten: Kosten je Monat
Bieten Hersteller oder Händler ein Kauf- und ein Mietmodell an, vergleichst Du die Kosten je Monat. Beim Kauf verteilst Du den Kaufpreis gleichmäßig auf die Nutzungsdauer und addierst die laufenden Kosten, die in der Miete schon enthalten wären.
Beispiel: Ein Notebook kostet 1.260 € und wird 36 Monate genutzt; eine Garantieverlängerung kostet einmalig 108 €. Kauf: \dfrac{1.260\,€ + 108\,€}{36} = 38{,}00\,€ je Monat. Ein Mietangebot mit Austauschservice kostet 45,00 € je Monat – der Kauf ist um 7,00 € im Monat günstiger.
Für den Käufer spricht beim Kaufmodell meist der niedrigere Preis, das Eigentum und die Freiheit von einem Servicevertrag; für den Anbieter der sofortige Umsatz, das sofortige Geld (Liquidität) und dass Risiken wie Defekte nach der Gewährleistung beim Käufer liegen. Das Mietmodell bindet dagegen Kund*innen langfristig an den Anbieter.
Ratenkauf
Beim Ratenkauf zahlt der Kunde den Kaufpreis plus Zinsen in gleichen Monatsraten. Häufig werden die Zinsen pauschal auf den ganzen Kaufpreis berechnet: 1.200 € mit 8 % p. a. über 12 Monate ergeben \dfrac{1.200\,€ + 1.200\,€ \cdot 8\,\% \cdot 1}{12} = 108{,}00\,€ je Monat. Weil die Schuld in Wahrheit jeden Monat sinkt, ist der tatsächliche (effektive) Zinssatz eines solchen Angebots fast doppelt so hoch wie der pauschale. Andere liquiditätsschonende Wege sind Leasing, Miete, Mietkauf (die Mietraten werden auf einen späteren Kaufpreis angerechnet) und ein Zahlungsziel des Lieferanten.
Eine Finanzierungsempfehlung formulieren
Eine Empfehlung an die Geschäftsführung (oft als E-Mail) ist kurz und nachvollziehbar: Betreff, Anrede, die Empfehlung im ersten Satz, dann die zwei, drei wichtigsten Gründe mit Zahlen (Gesamtkosten, Belastung, Liquidität), ein Hinweis auf den wichtigsten Nachteil und wie man damit umgeht, Grußformel. Wer z. B. Leasing empfiehlt, obwohl es etwas teurer ist, nennt den Preisunterschied offen und begründet, warum Liquidität und Flexibilität ihn wert sind.
Leitfragen
- Wer ist beim Leasing Eigentümer, wer Besitzer, und was bedeutet das für die Bilanz?
Der Leasinggeber bleibt Eigentümer, der Leasingnehmer wird Besitzer und nutzt den Gegenstand. Weil er nicht Eigentümer wird, aktiviert der Leasingnehmer den Gegenstand bei üblichen Verträgen nicht; die Raten sind voll Aufwand, Bilanzsumme und Verschuldung steigen nicht. siehe Abschnitt „Leasing“
- Welche Möglichkeiten gibt es am Ende eines Leasingvertrags, und was ist eine Kaufoption?
Rückgabe, Verlängerung, Kauf über eine Kaufoption oder Austausch gegen ein neues Modell (Revolving-Leasing); bei Teilamortisation kann der Leasinggeber ein Andienungsrecht haben. Die Kaufoption erlaubt dem Leasingnehmer, den Gegenstand nach Vertragsende zu einem vorher vereinbarten Preis (Restwert) zu kaufen, verpflichtet ihn aber nicht dazu. siehe Abschnitt „Was passiert am Ende des Leasingvertrags?“
- Wie erstellst Du einen Tilgungsplan für ein Ratendarlehen?
Tilgung = Darlehensbetrag : Laufzeit (jedes Jahr gleich); je Jahr Zinsen = Restschuld am Jahresanfang · Zinssatz, Belastung = Zinsen + Tilgung, neue Restschuld = Restschuld − Tilgung; am Ende Zinsen, Tilgung und Belastung summieren. siehe Abschnitt „Ratendarlehen“
- Wie unterscheiden sich Raten-, Annuitäten- und Fälligkeitsdarlehen?
Beim Ratendarlehen ist die Tilgung konstant, Zinsen und Belastung sinken. Beim Annuitätendarlehen ist die Belastung konstant, der Zinsanteil sinkt, die Tilgung steigt. Beim Fälligkeitsdarlehen werden nur gleichbleibende Zinsen gezahlt und am Ende der ganze Betrag getilgt; es hat die höchsten Gesamtzinsen. siehe Abschnitt „Die drei Darlehensarten im Vergleich“
- Was unterscheidet Außen- von Innenfinanzierung und Eigen- von Fremdkapital?
Bei der Außenfinanzierung fließt das Geld von außen zu (Bank, Gesellschafter*innen, Lieferanten), bei der Innenfinanzierung stammt es aus dem Unternehmen (Gewinn, Abschreibungen, Rückstellungen, Vermögensumschichtung). Eigenkapital gehört den Eigentümer*innen und wird nicht zurückgezahlt, Fremdkapital ist geliehen, wird verzinst und getilgt. siehe Abschnitt „Finanzierungsarten im Überblick“
- Warum unterscheidet sich der jährliche Aufwand von Kreditkauf und Leasing von den jährlichen Zahlungen?
Beim Kreditkauf sind Abschreibung und Zinsen Aufwand, die Tilgung aber nicht – sie mindert nur die Schulden. Beim Leasing sind die Raten Zahlung und Aufwand zugleich. Deshalb vergleichst Du für die Gesamtkosten die Auszahlungen, für den Gewinn den Aufwand. siehe Abschnitt „Kauf, Kredit oder Leasing durchrechnen“
- Wann lohnt es sich, für Skonto einen Kontokorrentkredit aufzunehmen?
Wenn die Zinsen für den Kontokorrentkredit über die gewonnenen Tage kleiner sind als der Skontobetrag – also solange der Kontokorrentzins unter dem Jahreszins des Skontos liegt (bei 2 % Skonto und 20 Tagen Differenz rund 36 %) und die Kreditlinie reicht. siehe Abschnitt „Kurzfristige Finanzierung“
- Welche Kriterien außer den Gesamtkosten entscheiden über die Finanzierung einer IT-Anschaffung?
Verfügbare Liquidität, Planbarkeit der Raten, Nutzungsdauer und technische Veralterung, gewünschtes Eigentum nach Vertragsende, enthaltener Service, nötige Kreditsicherheiten sowie die Wirkung auf Bilanzkennzahlen und künftige Kreditwürdigkeit. siehe Abschnitt „Kauf, Kredit oder Leasing durchrechnen“
Links und weitere Informationen
Wirtschaftlichkeit von IT-Lösungen: Kostenvergleich, Amortisation – Gesamtkosten (TCO), laufende Kosten und Amortisation
Nutzwertanalyse und Make or Buy – nicht monetäre Kriterien gewichten
zum Nachschlagen: Merkblatt Leasing der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken (Leasingarten, Vertragsformen, Optionen am Vertragsende)
zum Nachschlagen: Abschreibung von Computern und Software (Nutzungsdauer, GWG-Grenze, Sammelposten)
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