Angebote vergleichen: Bezugskalkulation mit Rabatt, Skonto und Bezugskosten
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Bezugskalkulation, Bezugspreis, Einstandspreis, Angebotsvergleich, Rabatt, Skonto, Bezugskosten, Lieferbedingungen, Kontokorrentkredit, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (ca. 15 min Lesezeit): Das billigste Angebot auf dem Papier ist nicht immer das günstigste. Vergleichbar werden Angebote erst über den Bezugspreis: Listenpreis minus Rabatt minus Skonto plus Bezugskosten. Dieser Artikel zeigt das Kalkulationsschema Schritt für Schritt, erklärt Rabattarten, Skonto und Zahlungsziel, die Frage, ob sich Skonto auch mit einem Kredit lohnt, Lieferbedingungen und Bezugskosten, warum die Umsatzsteuer nicht in die Kalkulation gehört, wie Du den Listenpreis aus einem Angebot zurückrechnest, und wie quantitativer und qualitativer Angebotsvergleich zusammenspielen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 27.10.2026)
Dieser Artikel baut auf der Kann-Liste des Artikels Kaufvertrag: Zustandekommen, Angebot, Pflichten, Eigentum und Besitz auf. Wie es nach dem Bezugspreis bis zum eigenen Verkaufspreis weitergeht, zeigt der Artikel Angebots- und Verkaufskalkulation. Zum Üben gibt es Übungsaufgaben zur Bezugskalkulation.
Schon fit in diesem Thema? Nutze die Kann-Liste und die Leitfragen unter dem Artikel als Checkliste, ob Du die relevanten Kompetenzen bereits hast.
Als kaufmännische Grundlagen kann ich nach Durchlesen des Artikels…
… den Bezugspreis (Einstandspreis) im Kalkulationsschema mit den richtigen Begriffen und Rechenzeichen ermitteln.
… Rabatt und Skonto unterscheiden und Gründe für Rabatte beschreiben.
… einen Skontobetrag kaufmännisch gerundet berechnen und die Skontofrist bestimmen.
… Lieferbedingungen wie „ab Werk“, „frachtfrei“ und „frei Haus“ auslegen und die Bezugskosten je Stück berechnen.
… mehrere Angebote quantitativ vergleichen und das günstigste Angebot in einem Antwortsatz angeben.
… Gründe nennen, warum ein Lieferant mit höherem Bezugspreis gewählt wird, und einen gewichteten Angebotsvergleich durchführen.
Darüber hinaus kann ich als kaufmännische Kernkompetenz…
… Bezugskosten aus Pauschalen, Prozentsätzen und Kosten je Artikel ermitteln und nicht skontierfähige Kosten richtig berücksichtigen.
… den Listeneinkaufspreis aus einem Angebot zurückrechnen, in dem der Rabatt bereits eingerechnet ist.
… erläutern, warum die Umsatzsteuer für ein vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen nicht in die Kalkulation gehört.
… den Finanzierungsgewinn berechnen, wenn Skonto mit einem Kontokorrentkredit genutzt wird, und begründen, warum sich das meist lohnt.
… quantitativen und qualitativen Angebotsvergleich unterscheiden und qualitative Kriterien beschreiben.
Drei Angebote für dieselben Notebooks liegen auf dem Tisch: 886 € je Stück, 901 € je Stück und 1.071 € je Stück. Das teuerste fällt sofort raus? Nicht unbedingt. Wenn der dritte Lieferant 20 % Rabatt und 2 % Skonto gewährt, die anderen aber nichts, und wenn beim ersten noch Fracht dazukommt, sieht die Rechnung ganz anders aus. Angebote werden deshalb erst vergleichbar, wenn Du alle Preisnachlässe abziehst und alle Nebenkosten addierst. Das Ergebnis ist der Bezugspreis.
Vom Listenpreis zum Bezugspreis: das Kalkulationsschema
Die Bezugskalkulation (Einkaufskalkulation) rechnet vom Preis in der Preisliste des Lieferanten bis zu dem Betrag, den die Ware das eigene Unternehmen tatsächlich kostet, wenn sie im Lager steht:
| Zeile | Bedeutung | berechnet als | |
|---|---|---|---|
| Listeneinkaufspreis (LEP) | Preis laut Angebot bzw. Preisliste des Lieferanten (netto) | Menge × Einzelpreis | |
| − | Liefererrabatt | sofortiger Preisnachlass | % vom Listeneinkaufspreis |
| = | Zieleinkaufspreis (ZEP) | Betrag, der bei Zahlung am Ende des Zahlungsziels fällig ist | |
| − | Liefererskonto | Nachlass für Zahlung innerhalb der Skontofrist | % vom Zieleinkaufspreis |
| = | Bareinkaufspreis (BEP) | Betrag bei Zahlung mit Skonto | |
| + | Bezugskosten | Fracht, Rollgeld, Verpackung, Transportversicherung, Zoll | in € (pauschal, je Stück oder in %) |
| = | Bezugspreis (Einstandspreis) | tatsächliche Kosten der beschafften Ware |
Die Reihenfolge ist wichtig: Der Rabatt wird zuerst abgezogen, und das Skonto wird vom Zieleinkaufspreis, nicht vom Listenpreis berechnet. Bezugskosten kommen erst am Ende dazu, weil der Lieferant auf sie in der Regel weder Rabatt noch Skonto gewährt.
Beispiel: Ein Systemhaus bestellt 25 Dockingstations zu je 189,00 € netto. Der Lieferant gewährt 12 % Rabatt und bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen 2 % Skonto. Für die Lieferung fallen pauschal 35,00 € Fracht an, dazu eine Transportversicherung von 0,5 % des Zieleinkaufspreises.
| Zeile | Rechnung | Betrag | |
|---|---|---|---|
| Listeneinkaufspreis | 25 × 189,00 € | 4.725,00 € | |
| − | Liefererrabatt | 12 % von 4.725,00 € | 567,00 € |
| = | Zieleinkaufspreis | 4.158,00 € | |
| − | Liefererskonto | 2 % von 4.158,00 € | 83,16 € |
| = | Bareinkaufspreis | 4.074,84 € | |
| + | Bezugskosten | 35,00 € + 0,5 % von 4.158,00 € = 35,00 € + 20,79 € | 55,79 € |
| = | Bezugspreis | 4.130,63 € |
Je Stück kostet eine Dockingstation also 4.130,63 € : 25 ≈ 165,23 €. Beträge werden kaufmännisch auf zwei Nachkommastellen gerundet: Ab einer 5 an der dritten Nachkommastelle wird aufgerundet (22,604 € → 22,60 €; 6,675 € → 6,68 €).
Die Grafik zeigt das Schema als Treppe: Rabatt und Skonto führen nach unten, die Bezugskosten wieder nach oben.
Rabatt: Preisnachlass aus vielen Gründen
Ein Rabatt ist ein sofort gewährter Preisnachlass, der unabhängig vom Zahlungszeitpunkt gilt und meist schon im Angebot oder in der Rechnung ausgewiesen ist. Typische Gründe:
| Rabattart | Grund |
|---|---|
| Mengenrabatt | große Bestellmenge oder hoher Auftragswert; der Lieferant spart Kosten je Stück |
| Treuerabatt (Stammkundenrabatt) | langjährige Geschäftsbeziehung soll belohnt und gehalten werden |
| Neukundenrabatt | neue Kundschaft soll gewonnen werden |
| Wiederverkäuferrabatt (Händlerrabatt) | Händler kaufen ein, um weiterzuverkaufen, und brauchen eine Spanne |
| Zeitrabatt (z. B. Frühbezugs-, Saison- oder Aktionsrabatt) | Bestellung vor der Saison oder während einer Aktion; gleichmäßigere Auslastung |
| Rabatt für bestimmte Gruppen | z. B. Schulen, Vereine, Studierende |
| Online-Rabatt | Bestellung über den Onlineshop spart dem Lieferanten Bearbeitungsaufwand |
Skonto und Zahlungsziel
Auf vielen Rechnungen steht eine Zahlungsbedingung wie „Zahlbar innerhalb von 10 Tagen mit 2 % Skonto oder innerhalb von 30 Tagen ohne Abzug“. Das bedeutet:
- Das Zahlungsziel (30 Tage) ist die Frist, bis zu der die Rechnung spätestens bezahlt werden muss. Der Lieferant gewährt damit einen kurzfristigen Kredit (Lieferantenkredit).
- Skonto ist ein nachträglich gewährter Preisnachlass, den der Käufer nur erhält, wenn er innerhalb der Skontofrist (10 Tage) zahlt. Der Lieferant belohnt die schnelle Zahlung, weil er früher über das Geld verfügt und kein Ausfallrisiko trägt.
| Rabatt | Skonto | |
|---|---|---|
| wann? | sofort, beim Kaufabschluss | nachträglich, bei Zahlung |
| wofür? | Menge, Treue, Kundengruppe, Aktion … | Zahlung innerhalb der Skontofrist |
| abhängig vom Zahlungszeitpunkt? | nein | ja |
| im Schema abgezogen vom … | Listeneinkaufspreis | Zieleinkaufspreis |
Die Fristen laufen ab dem Rechnungsdatum, sofern nichts anderes vereinbart ist. Bei einer Rechnung vom 12.02.2027 mit 14 Tagen Skontofrist ist der letzte Tag für den Abzug der 26.02.2027.
Skonto bei der Bezahlung einer Rechnung: In der Bezugskalkulation rechnest Du mit Nettowerten. Zahlst Du eine Rechnung, ziehst Du das Skonto dagegen vom Rechnungsbetrag (brutto) ab, denn auch die Umsatzsteuer sinkt mit dem Preis. Beispiel: Rechnungsbetrag 1.130,20 € brutto, 2 % Skonto: 1.130,20 € × 0,02 = 22,604 € ≈ 22,60 €; Zahlbetrag 1.107,60 €.
Lohnt sich Skonto, wenn man dafür einen Kredit braucht?
Fehlt das Geld auf dem Konto, kann ein Unternehmen den Kontokorrentkredit (Dispositionskredit des Geschäftskontos) nutzen, um innerhalb der Skontofrist zu zahlen. Der Kredit wird nur für die Tage zwischen Skontofrist und Zahlungsziel gebraucht, denn so lange hätte man ohnehin warten dürfen. Fast immer sind die Zinsen für diese kurze Zeit niedriger als das Skonto: Es entsteht ein Finanzierungsgewinn.
Beispiel: Rechnungsbetrag 4.760,00 €, Zahlungsbedingung „10 Tage 2 % Skonto, 30 Tage netto“, Kontokorrentzins 9 % pro Jahr. Kaufmännisch wird das Jahr mit 360 Tagen gerechnet.
Geg.: R = 4760{,}00\ \text{€}, s = 2\ \%, p = 9\ \%, Skontofrist 10 Tage, Zahlungsziel 30 Tage
Ges.: Finanzierungsgewinn G
\begin{aligned} \text{I:}\quad S &= R \cdot s = 4760{,}00\ \text{€} \cdot 0{,}02 = 95{,}20\ \text{€} \\ \text{II:}\quad K &= R - S = 4760{,}00\ \text{€} - 95{,}20\ \text{€} = 4664{,}80\ \text{€} \\ \text{III:}\quad t &= 30\ \text{Tage} - 10\ \text{Tage} = 20\ \text{Tage} \\ \text{IV:}\quad Z &= K \cdot p \cdot \frac{t}{360} = 4664{,}80\ \text{€} \cdot 0{,}09 \cdot \frac{20}{360} \approx 23{,}324\ \text{€} \approx 23{,}32\ \text{€} \\ \text{V:}\quad G &= S - Z = 95{,}20\ \text{€} - 23{,}32\ \text{€} = \underline{\underline{71{,}880\ \text{€}}} \end{aligned}
Ein schneller Überschlag zeigt, wie teuer es ist, auf Skonto zu verzichten: 2 % für 20 Tage entsprechen etwa 2\ \% \cdot \frac{360}{20} = 36\ \% Zinsen pro Jahr. Ein Kontokorrentkredit kostet deutlich weniger. Faustregel: Skonto nutzen, wann immer es geht.
Bezugskosten und Lieferbedingungen
Zu den Bezugskosten gehören alle Kosten, die anfallen, bis die Ware im eigenen Lager steht: Verpackung, Rollgeld (Transport zum Versandbahnhof bzw. vom Empfangsbahnhof), Fracht, Transportversicherung, Zölle, ggf. Einfuhrabgaben und Gebühren. Wer sie trägt, regeln die Lieferbedingungen im Angebot:
| Lieferbedingung | Rollgeld bis zur Versandstation | Fracht | Rollgeld ab Empfangsstation | wer zahlt? |
|---|---|---|---|---|
| ab Werk, ab Lager, unfrei | Käufer | Käufer | Käufer | alles der Käufer |
| frei, frachtfrei | Verkäufer | Verkäufer | Käufer | geteilt |
| frei Haus, frei Lager, frei Werk (des Käufers) | Verkäufer | Verkäufer | Verkäufer | alles der Verkäufer |
Beispiel: Eine Spedition berechnet je 100 Stück 40 € Rollgeld bis zur Verladestation, 110 € Fracht und 50 € Rollgeld ab Entladestation. Bei „ab Werk“ trägt der Käufer alles: 200 € je 100 Stück, also 2,00 € je Stück. Bei „frachtfrei“ trägt er nur das letzte Rollgeld: 0,50 € je Stück. Bei „frei Haus“ fallen für ihn keine Bezugskosten an.
Bezugskosten treten in Aufgaben in drei Formen auf:
- pauschal (z. B. 49,00 € je Lieferung): unverändert in die Zeile Bezugskosten übernehmen; je Stück durch die Menge teilen,
- je Artikel oder Mengeneinheit (z. B. 35,00 € Fracht je Gerät): mit der Menge multiplizieren,
- in Prozent (z. B. Transportversicherung 0,5 %): Bezugsgröße genau lesen (vom Listenpreis, vom Warenwert bzw. Zieleinkaufspreis?) und dann ausrechnen.
Achtung bei Versandkosten in der Rechnungssumme: Stehen Versand- und Verpackungskosten schon in der Angebots- oder Rechnungssumme und gilt „Versandkosten nicht skontierfähig“, ziehst Du sie zuerst heraus, berechnest das Skonto nur vom Warenwert und addierst die Versandkosten danach als Bezugskosten wieder.
Warum die Umsatzsteuer nicht in die Kalkulation gehört
In Angeboten steht häufig ein Bruttobetrag mit 19 % Umsatzsteuer. Für ein Unternehmen, das zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, ist diese Steuer kein Kostenfaktor: Es bezahlt sie zwar an den Lieferanten, verrechnet sie aber als Vorsteuer mit der eigenen Umsatzsteuerschuld gegenüber dem Finanzamt. Die Umsatzsteuer ist für das Unternehmen ein durchlaufender Posten; sie trägt am Ende die Endverbraucherin oder der Endverbraucher. Deshalb rechnet die Bezugskalkulation immer netto.
Anders ist es bei Käufern ohne Vorsteuerabzug, etwa Privatpersonen, viele Vereine oder öffentliche Schulen: Für sie ist die Umsatzsteuer ein echter Kostenbestandteil, und sie vergleichen Bruttopreise.
Rückwärts rechnen: den Listenpreis aus einem Angebot ermitteln
Manche Angebote nennen nur den Preis nach Rabatt, etwa „Summe netto inkl. 15 % Rabatt: 3.519,00 €“. Für das vollständige Schema brauchst Du den Listeneinkaufspreis. Der Zieleinkaufspreis entspricht dann 100\ \% - 15\ \% = 85\ \% des Listenpreises:
Geg.: ZEP = 3519{,}00\ \text{€}, Rabattsatz 15\ \%
Ges.: LEP
\begin{aligned} ZEP &= LEP \cdot (1 - 0{,}15) &&\quad | : 0{,}85 \\ LEP &= \frac{ZEP}{0{,}85} = \frac{3519{,}00\ \text{€}}{0{,}85} = \underline{\underline{4140{,}000\ \text{€}}} \end{aligned}
Der Rabatt beträgt also 4.140,00 € − 3.519,00 € = 621,00 €. Ein häufiger Fehler ist es, 15 % auf 3.519,00 € aufzuschlagen (das ergäbe 4.046,85 €), denn der Rabatt wurde vom größeren Listenpreis berechnet.
Quantitativer und qualitativer Angebotsvergleich
Der quantitative Angebotsvergleich vergleicht messbare, in Geld ausgedrückte Größen, vor allem den Bezugspreis. Das Ergebnis formulierst Du in einem vollständigen Antwortsatz: „Das Angebot der Firma X ist mit einem Bezugspreis von 4.926,59 € um 113,90 € günstiger als das Angebot der Firma Y.“
Der qualitative Angebotsvergleich berücksichtigt Kriterien, die sich nicht direkt in Euro ausdrücken lassen. Sie erklären, warum Unternehmen oft nicht den billigsten Lieferanten wählen:
- Qualität der Ware, Reklamationsquote, Garantie- und Kulanzverhalten,
- Lieferzeit und Termintreue (Zuverlässigkeit),
- Service und Support (Erreichbarkeit, Vor-Ort-Service, Sprache und Zeitzone),
- Standort des Lieferanten: Nähe, Transportwege, bei Lieferanten außerhalb der EU auch Zoll, Einfuhrformalitäten, Währung und Gerichtsstand,
- Erfahrungen aus früheren Geschäften, Ruf des Lieferanten, Zertifizierungen,
- Nachhaltigkeit (Verpackung, Transportwege, Arbeitsbedingungen in der Lieferkette),
- Kompatibilität mit vorhandenen Systemen und langfristige Verfügbarkeit von Ersatzteilen.
Um beides zusammenzuführen, wird häufig ein gewichteter Angebotsvergleich (Nutzwertanalyse) durchgeführt: Kriterien festlegen, gewichten, jedes Angebot je Kriterium bepunkten, Punkte mit der Gewichtung multiplizieren und addieren. Das Angebot mit der höchsten Summe gewinnt. Wie Du eine Nutzwertanalyse sauber aufbaust und welche Vor- und Nachteile sie hat, zeigt der Artikel Nutzwertanalyse und Make or Buy.
Prüfe beim Vergleich auch, ob die Angebote verbindlich sind. Mit Freizeichnungsklauseln wie „Preise freibleibend“ oder „solange der Vorrat reicht“ schränkt ein Lieferant seine Bindung an Preis oder Menge ein; Details erklärt der Artikel Kaufvertrag.
Typische Fehler
- Skonto vom Listenpreis berechnen: Skonto wird vom Zieleinkaufspreis (nach Rabatt) berechnet.
- Bezugskosten rabattieren oder skontieren: Fracht und Versicherung kommen erst nach dem Skonto dazu; nicht skontierfähige Versandkosten vorher herausrechnen.
- Lieferbedingung übersehen: Bei „frei Haus“ gibt es keine Bezugskosten, bei „ab Werk“ alle.
- Kosten je 100 Stück oder je Lieferung mit Kosten je Stück verwechseln: Immer auf dieselbe Bezugsgröße umrechnen, bevor Du Angebote vergleichst.
- Mit Bruttowerten kalkulieren: Für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen zählt der Nettowert.
- Rabatt rückwärts falsch herausrechnen: Durch (1 - \text{Rabattsatz}) teilen, nicht den Rabattsatz aufschlagen.
- Ergebnis nicht formulieren: Gefragt ist oft ein Antwortsatz mit dem günstigeren Anbieter und dem Betrag.
Leitfragen
- In welcher Reihenfolge berechnest Du den Bezugspreis, und wie heißen die Zwischenergebnisse?
Listeneinkaufspreis − Liefererrabatt = Zieleinkaufspreis − Liefererskonto = Bareinkaufspreis + Bezugskosten = Bezugspreis (Einstandspreis). Der Rabatt wird vom Listeneinkaufspreis, das Skonto vom Zieleinkaufspreis berechnet, siehe Abschnitt „Vom Listenpreis zum Bezugspreis“.
- Worin unterscheiden sich Rabatt und Skonto, und aus welchen Gründen wird Rabatt gewährt?
Rabatt ist ein sofort gewährter Nachlass unabhängig vom Zahlungszeitpunkt, Skonto ein nachträglicher Nachlass für Zahlung innerhalb der Skontofrist. Rabatt gibt es z. B. für große Mengen, Treue, Neukundschaft, Wiederverkauf, bestimmte Zeiträume oder Kundengruppen, siehe Abschnitt „Rabatt“ und Abschnitt „Skonto und Zahlungsziel“.
- Warum lohnt es sich meist, Skonto auch mit einem Kontokorrentkredit zu nutzen?
Der Kredit wird nur für die Tage zwischen Skontofrist und Zahlungsziel gebraucht. Die Zinsen für diese kurze Zeit sind fast immer niedriger als das Skonto; es entsteht ein Finanzierungsgewinn. 2 % Skonto für 20 Tage entsprechen etwa 36 % Jahreszins, siehe Abschnitt „Lohnt sich Skonto …?“.
- Wer trägt die Transportkosten bei „ab Werk“, „frachtfrei“ und „frei Haus“?
Bei „ab Werk“ trägt der Käufer alle Kosten, bei „frachtfrei“ trägt der Verkäufer Rollgeld bis zur Versandstation und Fracht, der Käufer das Rollgeld ab Empfangsstation, bei „frei Haus“ trägt der Verkäufer alles, siehe Abschnitt „Bezugskosten und Lieferbedingungen“.
- Wie gehst Du mit Versandkosten um, die bereits in der Angebotssumme stehen und nicht skontierfähig sind?
Du ziehst sie vor der Skontoberechnung heraus, berechnest das Skonto nur vom Warenwert und addierst die Versandkosten danach in der Zeile Bezugskosten wieder, siehe Abschnitt „Bezugskosten und Lieferbedingungen“.
- Warum bleibt die Umsatzsteuer in der Bezugskalkulation unberücksichtigt?
Ein vorsteuerabzugsberechtigtes Unternehmen verrechnet die gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer mit seiner Umsatzsteuerschuld. Sie ist für das Unternehmen ein durchlaufender Posten und kein Kostenfaktor; getragen wird sie von den Endverbrauchenden, siehe Abschnitt „Warum die Umsatzsteuer nicht in die Kalkulation gehört“.
- Wie ermittelst Du den Listeneinkaufspreis, wenn das Angebot nur den Preis nach Rabatt nennt?
Du teilst den Zieleinkaufspreis durch (1 - \text{Rabattsatz}), z. B. 3.519,00 € : 0,85 = 4.140,00 €, siehe Abschnitt „Rückwärts rechnen“.
- Was unterscheidet den quantitativen vom qualitativen Angebotsvergleich, und welche qualitativen Kriterien gibt es?
Der quantitative Vergleich bewertet messbare Größen, vor allem den Bezugspreis; der qualitative Vergleich nicht in Euro messbare Kriterien wie Qualität, Lieferzeit, Zuverlässigkeit, Service, Standort, Erfahrungen, Zertifizierungen und Nachhaltigkeit. Zusammengeführt werden beide in einem gewichteten Angebotsvergleich, siehe Abschnitt „Quantitativer und qualitativer Angebotsvergleich“.
Links und weitere Informationen
zum Üben: Übungsaufgaben zur Bezugskalkulation
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als Nachschlagewerk zum Gesetz: Umsatzsteuergesetz, § 15 Vorsteuerabzug
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