Digitale Geschäftsmodelle und Plattformen
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Digitale Geschäftsmodelle, Geschäftsmodell, Plattform, Portallösung, Abo-Modell, Freemium, In-App-Kauf, App-Store, Webshop, Zahlungsarten, Digitaler Reifegrad
tl/dr; (ca. 19 min Lesezeit): Was unterscheidet ein digitales Geschäftsmodell von einem herkömmlichen, und womit verdienen Abo-Dienste, Plattformen und Apps ihr Geld? Der Artikel erklärt die Bausteine eines Geschäftsmodells, typische digitale Ertragsmodelle wie Abonnement, Freemium und In-App-Käufe, Plattformen, Portallösungen und App-Stores, die Wahl von Webshop und Zahlungsarten sowie Erfolgsfaktoren, Vorteile und Risiken. Zum Schluss beurteilst Du den digitalen Reifegrad eines Unternehmens im Branchenvergleich [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 27.10.2026)
Dieser Artikel gehört zur Reihe über Geschäftsprozesse und ihre Digitalisierung: Geschäftsprozesse digitalisieren und optimieren / Digitale Geschäftsmodelle und Plattformen / Übungsaufgaben zu digitalen Geschäftsmodellen
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Dieser Artikel baut auf der Kann-Liste des Artikels Geschäftsprozesse digitalisieren und optimieren auf.
Als Grundlagen digitaler Geschäftsmodelle kann ich nach Durchlesen des Artikels…
… die Bausteine eines Geschäftsmodells (Kundschaft, Nutzenversprechen, Wertschöpfung, Ertragsmodell) nennen und Geschäftsmodell und Geschäftsprozess unterscheiden.
… den Unterschied zwischen der Entwicklung eines herkömmlichen und eines digitalen Geschäftsmodells an einem Beispiel beschreiben und Vorteile der Digitalisierung eines Geschäftsmodells erläutern.
… typische digitale Ertragsmodelle (E-Commerce, Plattform, Abonnement, Freemium mit In-App-Käufen, Pay-per-Use, Werbung) unterscheiden und Vor- und Nachteile von Abo-Modellen aus Sicht von Kundschaft und Anbieter nennen.
… den Begriff Portallösung erläutern und Verwendungsbeispiele für Kunden-, Partner- und Mitarbeiterportale beschreiben.
… die App-Stores als Bereitstellungsplattformen nennen und ihre Unterschiede beschreiben.
… Vor- und Nachteile von Webshop-Lösungen (CMS-Plugin, Cloud-Webshop) und von Zahlungsarten im Onlinehandel erläutern und eine Empfehlung begründen.
… Erfolgsfaktoren digitaler Geschäftsmodelle beschreiben und den digitalen Reifegrad eines Unternehmens anhand von Kriterien im Branchenvergleich beurteilen.
Darüber hinaus kann ich als Expertenwissen zu digitalen Geschäftsmodellen…
… Netzwerkeffekte von Plattformen erklären und Risiken der Abhängigkeit von Plattformbetreibern einschätzen.
… rechtliche Vorgaben für Zahlungsarten im Onlinehandel (unentgeltliche Zahlungsmöglichkeit, Verbot von Aufschlägen, starke Kundenauthentifizierung) berücksichtigen.
Die CSB-Rad GmbH in Bielefeld verkauft Fahrräder über einen Onlineshop, lässt Rahmen nach Maß bei einem Partner fertigen und plant eine Ortungs-App im Abo. Ein Fahrradladen vor 20 Jahren hätte nichts davon gebraucht: Er kaufte Räder ein, stellte sie ins Schaufenster und verkaufte sie gegen Bargeld. Beide Unternehmen verdienen Geld mit Fahrrädern, aber ihr Geschäftsmodell ist ein anderes. Wer IT-Lösungen plant, verkauft oder einführt, muss verstehen, wie ein Unternehmen mit digitaler Technik Geld verdient, damit die Lösung zum Geschäft passt.
Was ist ein Geschäftsmodell?
Ein Geschäftsmodell (business model) beschreibt vereinfacht, wie ein Unternehmen Nutzen für seine Kundschaft schafft und damit Geld verdient. Hilfreich sind vier Fragen, die zusammen ein Geschäftsmodell ergeben (nach dem „magischen Dreieck“ von Gassmann u. a., mit der Kundschaft in der Mitte):
| Baustein | Leitfrage | Beispiel CSB-Rad |
|---|---|---|
| Kundschaft | Wer sind unsere Kundinnen und Kunden? | Privatkundschaft, Fachhändler, öffentliche Auftraggeber |
| Nutzenversprechen | Was bieten wir ihnen, welches Problem lösen wir? | Fahrrad nach Maß mit passender Ausstattung, bequem online konfiguriert und geliefert |
| Wertschöpfung | Wie erstellen wir die Leistung (Prozesse, Ressourcen, Partner)? | Onlineshop mit Konfigurator, Fertigungspartner, Montage in Bielefeld, Versand |
| Ertragsmodell | Womit verdienen wir Geld, und was kostet uns das? | Verkaufspreis der Räder, Aufpreise für Optionen, Werkstattleistungen, künftig App-Abo |
Verwechsle Geschäftsmodell und Geschäftsprozess nicht: Ein Geschäftsprozess ist eine Folge von Tätigkeiten, die ein bestimmtes Ergebnis erzeugt (z. B. „Bestellung bearbeiten“). Das Geschäftsmodell ist die übergeordnete Logik des ganzen Unternehmens; viele Geschäftsprozesse setzen es um. Wie man einzelne Prozesse digitalisiert, beschreibt der Artikel Geschäftsprozesse digitalisieren und optimieren.
Was macht ein Geschäftsmodell digital?
Ein digitales Geschäftsmodell ist eines, das ohne digitale Ressourcen (Software, Daten, Internet, Plattformen) gar nicht funktionieren würde. Eine Ferienwohnungs-Vermittlung im Internet, ein Musik-Streamingdienst oder eine Mitfahr-App brauchen keine eigenen Wohnungen, Tonträger oder Autos; ihr Kern ist die Software, die Angebot und Nachfrage zusammenbringt.
Davon zu unterscheiden ist die Digitalisierung eines bestehenden Geschäftsmodells: Ein Fahrradhändler eröffnet einen Onlineshop, ein Handwerksbetrieb nimmt Aufträge über ein Portal an. Das Geschäft bleibt im Kern gleich, wird aber durch digitale Technik ergänzt oder verändert. Die Übergänge sind fließend; wer sein Geschäft konsequent auf digitale Angebote umstellt, spricht von digitaler Transformation.
Herkömmliche und digitale Geschäftsmodellentwicklung
Auch die Entwicklung eines Geschäftsmodells unterscheidet sich:
| herkömmliche Entwicklung | digitale Entwicklung | |
|---|---|---|
| Grundlage | physische Ressourcen: Ladenlokal, Lager, Maschinen, Personal vor Ort | konsequente Nutzung digitaler Ressourcen: Software, Daten, Cloud, Plattformen |
| Vorgehen | lange Planung, fertiges Produkt kommt auf den Markt | schnelle Experimente: eine erste minimal brauchbare Version (Minimum Viable Product) geht früh online und wird mit Rückmeldungen und Nutzungsdaten in kurzen Schritten verbessert |
| Wachstum | mehr Kundschaft braucht mehr Filialen, Lager und Personal | mehr Kundschaft braucht vor allem mehr Rechenleistung; die Kosten je weiterer Nutzerin sind gering (Skalierbarkeit) |
| Kundenbeziehung | Kontakt im Laden, wenig Daten | dauerhafter digitaler Kontakt, Daten über Nutzung und Wünsche |
Beispiel: Ein Reisebüro, das Ferienwohnungen vermitteln will, mietet ein Ladenlokal, druckt Kataloge und stellt Personal ein. Eine Vermittlungsplattform startet dagegen mit einer Website, auf der Vermietende selbst Wohnungen einstellen, testet sie in einer Stadt und weitet sie aus, sobald sie funktioniert. Agile Vorgehensmodelle passen gut zu dieser Arbeitsweise; mehr dazu im Artikel Vorgehensmodelle.
Womit verdienen digitale Geschäftsmodelle Geld?
Das Ertragsmodell (revenue model) legt fest, wofür die Kundschaft bezahlt. Viele digitale Angebote kombinieren mehrere Ertragsmodelle.
| Ertragsmodell | So funktioniert es | Beispiel |
|---|---|---|
| E-Commerce (Onlinehandel) | Waren oder Dienstleistungen werden online verkauft, B2C an Verbraucher*innen oder B2B an Unternehmen | Onlineshop eines Fahrradherstellers |
| Plattform / Marktplatz | Der Betreiber bringt Anbietende und Nachfragende zusammen und erhält eine Provision oder Gebühr je Vermittlung | Ferienwohnungs-Vermittlung, Handwerkerportal, App-Store |
| Abonnement (Subskription) | regelmäßiger Betrag für die Nutzung, solange das Abo läuft; bei Software spricht man von Software as a Service (SaaS) | Streamingdienst, Office-Paket im Abo, Ortungs-App |
| Freemium | Grundversion kostenlos, Zusatzfunktionen kostenpflichtig, oft über In-App-Käufe oder ein Premium-Abo | Lern-App mit kostenlosen Grundlektionen |
| Pay-per-Use | bezahlt wird je Nutzung oder verbrauchter Menge | Cloud-Rechenzeit je Stunde, E-Scooter je Minute |
| Werbung und Daten | Nutzung ist kostenlos, Einnahmen kommen von Werbekunden | Suchmaschine, soziales Netzwerk |
| Lizenzverkauf | einmaliger Kauf einer Software oder eines Nutzungsrechts | Kauf-App, Software mit Dauerlizenz |
Abo-Modelle, Freemium und In-App-Käufe
Gerade bei Apps stellt sich die Frage, ob alles in einem Abo enthalten ist oder ob eine günstige Basisversion mit kostenpflichtigen Erweiterungen angeboten wird. Ein In-App-Kauf ist ein Kauf innerhalb einer App, z. B. zusätzliche Funktionen, Inhalte, Speicherplatz oder das Entfernen von Werbung.
| Sicht | Abo mit vollem Funktionsumfang | Basisversion mit In-App-Käufen |
|---|---|---|
| Kundschaft: Vorteile | alle Funktionen sofort verfügbar; Kosten fest und gut planbar; Updates inklusive | günstiger Einstieg; man zahlt nur, was man braucht; jederzeit erweiterbar |
| Kundschaft: Nachteile | höherer Preis, auch für Funktionen, die man nicht nutzt; nicht anpassbar | bei vielen Zusatzkäufen am Ende teurer; Kosten schwer zu überblicken; gewünschte Funktion gibt es eventuell nicht einzeln |
| Anbieter: Vorteile | gleichmäßige, gut planbare Einnahmen (wiederkehrender Umsatz) | niedriger Einstiegspreis gewinnt viele Nutzende; zusätzliche, dauerhafte Einnahmen durch Zusatzkäufe (Upselling); Daten zeigen, welche Funktionen gefragt sind |
| Anbieter: Nachteile | hoher Preis schreckt Neukundschaft ab | Einnahmen schwerer planbar; viele Nutzende kaufen nie etwas dazu |
Häufig gibt es eine kostenlose Testphase, nach der das Abo automatisch beginnt oder die App eingeschränkt wird. Was dabei gilt (Laufzeit, Kündigungsfrist, Verlängerung, Testzugang), regeln die Allgemeinen Geschäftsbedingungen; mehr dazu im Artikel Allgemeine Geschäftsbedingungen. Können Abo-Verträge (entgeltliche Dauerschuldverhältnisse) mit Verbraucher*innen über eine Website abgeschlossen werden, muss außerdem eine Kündigungsschaltfläche angeboten werden (§ 312k BGB).
Plattformen, Portale und App-Stores
Plattformen und Netzwerkeffekte
Eine Plattform stellt keine eigene Hauptleistung her, sondern vermittelt zwischen mehreren Gruppen, etwa zwischen Vermietenden und Reisenden oder zwischen App-Entwickelnden und Smartphone-Nutzenden. Je mehr Nutzende eine Seite hat, desto attraktiver wird die Plattform für die andere Seite (Netzwerkeffekt). Deshalb wachsen erfolgreiche Plattformen schnell und werden oft sehr groß.
Für Unternehmen, die über eine fremde Plattform verkaufen, bedeutet das: große Reichweite ohne eigenen Vertriebsaufwand, aber Abhängigkeit vom Betreiber, seinen Regeln, Gebühren und seiner Bewertung der Angebote.
Portallösungen
Eine Portallösung (ein Portal) ist eine webbasierte Anwendung, über die alle Beteiligten eines Prozesses an einer zentralen Stelle zusammenarbeiten: Sie melden sich einmal an, sehen die für sie freigegebenen Informationen und Funktionen und erledigen ihre Aufgaben digital, oft im Self-Service. Je nach Zielgruppe unterscheidet man:
Kundenportal: Kundinnen und Kunden bestellen, verfolgen den Status ihrer Aufträge, laden Rechnungen herunter oder melden Reklamationen.
Partner- oder Lieferantenportal: Händler und Lieferanten erhalten Aufträge, bestätigen Liefertermine und tauschen Dokumente aus.
Mitarbeiterportal (Intranet): Beschäftigte finden Informationen, Formulare und Anwendungen, beantragen Urlaub oder rufen Lohnabrechnungen ab.
Typische Verwendungen sind die Zusammenarbeit an gemeinsamen Vorgängen (alle sehen denselben Stand), die Dokumentenlenkung (aktuelle Pläne, Verträge und Freigaben an einer Stelle statt in E-Mail-Anhängen) und die Kommunikation zu Vorgängen (Nachrichten und Benachrichtigungen direkt am Auftrag). Ein Portal ersetzt damit Telefonate, E-Mails und Medienbrüche zwischen Unternehmen und Beteiligten.
App-Stores als Bereitstellungsplattformen
Native Apps für Smartphones und Tablets werden fast immer über die App-Stores der Betriebssystemhersteller bereitgestellt: den Google Play Store für Android und den Apple App Store für iOS und iPadOS.
| Merkmal | Google Play Store | Apple App Store |
|---|---|---|
| Betreiber | Apple | |
| Betriebssystem der Kundschaft | Android (viele Gerätehersteller) | iOS/iPadOS (nur Apple-Geräte) |
| Marktanteil in Deutschland | deutlich größer: die Mehrheit der Smartphones läuft mit Android | kleiner, Nutzende im Schnitt zahlungsbereiter |
| Prüfung vor der Veröffentlichung | überwiegend automatisiert, meist schnell | strengere Prüfung nach Richtlinien, kann länger dauern |
| Kosten für Entwickelnde | einmalige Registrierungsgebühr | jährliche Gebühr für das Entwicklerprogramm |
| Provision auf Verkäufe und In-App-Käufe | je nach Umsatz und Region meist 15 bis 30 % | je nach Umsatz, Abo-Laufzeit und Region meist 15 bis 30 % |
| Anteil kostenloser Apps | sehr hoch | hoch |
| Installation außerhalb des Stores | grundsätzlich möglich (Sideloading) | in der EU seit dem Digital Markets Act eingeschränkt möglich |
Wer beide Plattformen bedienen will, entwickelt zwei native Apps, eine plattformübergreifende App oder eine Web-App, die im Browser läuft und ohne Store auskommt. Die Unterschiede beschreibt der Artikel Webtechnologien.
Online verkaufen: Webshop und Zahlungsarten
Welche Webshop-Lösung?
Für den Verkauf im Internet gibt es mehrere Wege:
| Lösung | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Plugin im Content-Management-System (z. B. Shop-Erweiterung für die vorhandene Website) | Shop fügt sich nahtlos in die eigene Website ein; Pflege von Inhalten und Shop an einer Stelle; Basislösung oft günstig; individuell anpassbar | eigenes Know-how für Betrieb, Updates und Sicherheit nötig; Leistung und Verfügbarkeit hängen am eigenen Webhosting |
| Cloud-Webshop (Mietshop, Software as a Service) | kein eigenes Know-how für Technik nötig: der Anbieter übernimmt Betrieb, Wartung, Updates und Sicherheit; schnell startklar; einfach skalierbar (z. B. für Aktionswochen) | laufende Gebühren; weniger individuell; Abhängigkeit vom Anbieter, Wechsel aufwendig; Daten liegen beim Anbieter (Auftragsverarbeitung) |
| Eigenes Shopsystem auf eigenem oder gemietetem Server | volle Kontrolle und beliebige Anpassung, Anbindung an eigene Systeme | hoher Aufwand und Kosten für Entwicklung und Betrieb |
| Marktplatz eines großen Händlers | sofort große Reichweite, Zahlungsabwicklung inklusive | Provisionen, Regeln des Betreibers, Konkurrenz direkt nebenan, kaum eigene Kundenbeziehung |
Welche Betriebsform (On-Premises, IaaS, PaaS, SaaS) zu einem Unternehmen passt, beschreibt der Artikel Cloud-Betriebsmodelle.
Zahlungsarten im Onlinehandel
Die angebotenen Zahlungsarten entscheiden mit darüber, ob jemand den Kauf abschließt. Für den Händler zählen Kosten, Risiko eines Zahlungsausfalls, Aufwand und Akzeptanz bei der Kundschaft:
| Zahlungsart | Vorteil für den Händler | Nachteil für den Händler |
|---|---|---|
| Vorkasse (Überweisung) | kein Ausfallrisiko, kaum Gebühren | viele brechen den Kauf ab, Ware wird erst nach Zahlungseingang versandt (Verzögerung, Abgleich der Zahlungen) |
| Kauf auf Rechnung | hohe Akzeptanz, besonders bei Geschäftskunden (B2B); geringe Kosten für die Abwicklung | Risiko des Zahlungsausfalls; Kundenprüfung, Überwachung der Zahlungseingänge und Mahnwesen nötig |
| SEPA-Lastschrift | günstig, Betrag wird selbst eingezogen | Kundschaft kann die Lastschrift innerhalb von acht Wochen zurückgeben lassen (Rücklastschrift, Gebühren) |
| Kreditkarte | weit verbreitet, auch international; geringes Ausfallrisiko, Zahlung sofort bestätigt | Gebühren je Umsatz (Disagio); Zahlungsdienstleister zur Abwicklung nötig; Rückbuchungen (Chargebacks) möglich |
| Online-Zahlungsdienstleister (Wallets wie PayPal, Apple Pay, Amazon Pay) | hohe Reichweite und Akzeptanz, einfacher und schneller Bezahlvorgang, oft mit Käuferschutz; Zahlung sofort bestätigt | Gebühren je Transaktion; Kunden- und Zahlungsdaten liegen beim Dienstleister; Abhängigkeit von dessen Regeln |
In der Praxis bieten Händler einen Mix an, damit möglichst niemand den Kauf abbricht, und sichern riskante Zahlungsarten ab (z. B. Rechnung nur für Stammkundschaft oder über einen Dienstleister, der das Ausfallrisiko übernimmt). Rechtlich gilt: Verbraucher*innen muss mindestens eine gängige und zumutbare Zahlungsmöglichkeit ohne Zusatzentgelt angeboten werden (§ 312a Abs. 4 BGB), und für SEPA-Überweisung, SEPA-Lastschrift und gängige Kartenzahlungen darf kein Aufschlag verlangt werden (§ 270a BGB). Online-Kartenzahlungen erfordern nach der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 meist eine starke Kundenauthentifizierung (z. B. Bestätigung in der Banking-App).
Erfolgsfaktoren digitaler Geschäftsmodelle
Ein digitales Geschäftsmodell gelingt nicht allein durch Technik. Wichtige Erfolgsfaktoren sind:
Unterstützung über alle Hierarchieebenen: Geschäftsleitung, Führungskräfte und Beschäftigte tragen das Modell mit; sonst laufen alte und neue Abläufe nebeneinander.
Echter Kundennutzen: Das Angebot löst ein Problem besser, schneller oder bequemer als bisher und liefert einen erkennbaren Mehrwert.
Kundenbindung: Wer dauerhaft nutzt und wiederkommt, bringt über die gesamte Kundenbeziehung mehr Umsatz (Customer Lifetime Value); dazu gehören guter Service, Personalisierung und regelmäßige Verbesserungen.
Daten nutzen: Nutzungs- und Marktdaten zeigen, was gefragt ist, und helfen bei Entscheidungen (unter Beachtung des Datenschutzes).
Einfache Bedienung: Eine Anwendung, die umständlich ist, wird nicht genutzt, egal wie gut die Idee ist.
Skalierbare und sichere IT: Die Technik muss mit der Nachfrage wachsen und Ausfälle, Angriffe und Datenpannen vermeiden.
Kritische Masse: Plattformen brauchen auf beiden Seiten genug Teilnehmende, damit sich die Nutzung lohnt.
Vorteile und Risiken der Digitalisierung des Geschäftsmodells
Wenn ein Unternehmen sein Geschäftsmodell digitalisiert, kann es gegenüber traditionellen Ansätzen gewinnen:
Effizienz: Automatisierte Prozesse (z. B. Bestellung, Rechnung, Terminvergabe) sparen Zeit und vermeiden Fehler durch Medienbrüche.
Bessere Kundenerfahrung: Angebote sind rund um die Uhr verfügbar, personalisiert und schnell; Kundschaft erledigt vieles selbst.
Bessere Entscheidungen: Daten über Nutzung, Verkäufe und Abläufe stehen sofort zur Verfügung und lassen sich auswerten.
Niedrigere Kosten: weniger Papier, weniger Raum- und Lagerbedarf, geringere Kosten je zusätzlicher Kundin bzw. zusätzlichem Kunden.
Entlastung der Beschäftigten: Routinearbeiten entfallen; die Beschäftigten konzentrieren sich auf Beratung und anspruchsvolle Aufgaben.
Größere Reichweite: Über Onlineshop, Plattformen und Apps erreicht auch ein kleines Unternehmen Kundschaft weit über die Region hinaus.
Dem stehen Risiken gegenüber: Investitionen in Software und Schulung, Abhängigkeit von Plattformen und Dienstleistern, IT-Sicherheit und Datenschutz, Widerstände bei Beschäftigten oder Kundschaft sowie stärkerer Wettbewerb, weil auch die Konkurrenz nur einen Klick entfernt ist.
Den digitalen Reifegrad beurteilen
Wie weit ein Unternehmen mit der Digitalisierung ist, beschreibt der digitale Reifegrad. Ein Reifegradmodell bewertet dazu mehrere Kriterien auf einer Skala, zum Beispiel von 0 (gar nicht erfüllt) bis 4 (hervorragend erfüllt). Typische Kriterien sind digitale Kundenschnittstellen, digitale Prozesse in Verwaltung und Produktion, Datennutzung, IT-Sicherheit, Datenschutz und digitale Kompetenzen der Beschäftigten. Die Ergebnisse werden oft als Tabelle und als Netzdiagramm (Radar-Diagramm) dargestellt: Jedes Kriterium ist eine Achse; je größer die Fläche, desto reifer das Unternehmen.
Beim Beurteilen vergleichst Du die Werte mit einem Maßstab, meist dem Branchendurchschnitt:
| Kriterium | Branche | Unternehmen | Abstand |
|---|---|---|---|
| Digitale Kundenschnittstellen | 2,6 | 3,4 | +0,8 |
| Digitale Verwaltung | 2,2 | 1,0 | −1,2 |
| Datennutzung | 1,8 | 1,9 | +0,1 |
| IT-Sicherheit | 2,7 | 1,5 | −1,2 |
Stärken nennen: Bei den digitalen Kundenschnittstellen liegt das Unternehmen deutlich über der Branche (3,4 statt 2,6).
Schwächen nennen und gewichten: Digitale Verwaltung und IT-Sicherheit liegen jeweils 1,2 Punkte unter dem Branchenwert. Die Lücke bei der IT-Sicherheit ist besonders kritisch, weil viele digitale Kundenschnittstellen ohne ausreichenden Schutz ein hohes Risiko bedeuten.
Gesamturteil und Handlungsbedarf: Das Unternehmen ist nach außen digital gut aufgestellt, intern aber im Rückstand. Vorrang haben Maßnahmen zur IT-Sicherheit, danach die Digitalisierung der Verwaltung.
Ein gutes Urteil nennt also nicht nur Zahlen, sondern ordnet sie ein und leitet Handlungsbedarf ab. Wie Medienbrüche den Reifegrad senken, zeigt der Abschnitt „Medienbrüche und digitaler Reifegrad“ im Artikel Geschäftsprozesse digitalisieren und optimieren.
Leitfragen
- Aus welchen Bausteinen besteht ein Geschäftsmodell, und wie unterscheidet es sich von einem Geschäftsprozess?
Ein Geschäftsmodell beschreibt, wer die Kundschaft ist, welchen Nutzen das Unternehmen ihr verspricht, wie es die Leistung erstellt und womit es Geld verdient. Ein Geschäftsprozess ist dagegen eine einzelne Folge von Tätigkeiten mit einem Ergebnis (z. B. eine Bestellung bearbeiten); viele Prozesse setzen gemeinsam das Geschäftsmodell um; siehe Abschnitt „Was ist ein Geschäftsmodell?“.
- Was ist der wesentliche Unterschied zwischen der Entwicklung eines herkömmlichen und eines digitalen Geschäftsmodells?
Ein digitales Geschäftsmodell setzt die konsequente Nutzung digitaler Ressourcen wie Software, Daten und Plattformen voraus und wäre ohne sie nicht möglich, etwa eine Vermittlungsplattform für Ferienwohnungen. Es wird meist mit einer frühen, minimal brauchbaren Version gestartet und mit Rückmeldungen schnell verbessert, während ein herkömmliches Modell auf physischen Ressourcen und langer Planung beruht; siehe Abschnitt „Herkömmliche und digitale Geschäftsmodellentwicklung“.
- Welche Ertragsmodelle gibt es, und welche Vor- und Nachteile hat ein Abo mit vollem Funktionsumfang gegenüber einer Basisversion mit In-App-Käufen?
Typische Ertragsmodelle sind E-Commerce, Plattform mit Provision, Abonnement (SaaS), Freemium mit In-App-Käufen, Pay-per-Use, Werbung und Lizenzverkauf. Das volle Abo bietet der Kundschaft alle Funktionen zu festen Kosten, ist aber teurer; die Basisversion ist günstig und erweiterbar, kann aber mit vielen Zusatzkäufen teurer werden. Für den Anbieter bringen In-App-Käufe einen niedrigen Einstiegspreis und zusätzliche, dauerhafte Einnahmen; siehe Abschnitt „Abo-Modelle, Freemium und In-App-Käufe“.
- Was ist eine Portallösung, und wofür wird sie verwendet?
Eine Portallösung ist eine webbasierte Anwendung, über die alle Prozessbeteiligten an einer zentralen Stelle digital zusammenarbeiten. Sie wird als Kunden-, Partner- oder Mitarbeiterportal z. B. für die gemeinsame Bearbeitung von Vorgängen, die Dokumentenlenkung und die Kommunikation zu Aufträgen genutzt; siehe Abschnitt „Portallösungen“.
- Über welche Plattformen werden native Apps bereitgestellt, und worin unterscheiden sie sich?
Native Apps werden über den Google Play Store (Android) und den Apple App Store (iOS/iPadOS) bereitgestellt. Sie unterscheiden sich u. a. im Betreiber, im Betriebssystem und Marktanteil der Kundschaft, darin, wie gründlich Apps vor der Veröffentlichung geprüft werden, in den Gebühren und Provisionen und in den Möglichkeiten, Apps außerhalb des Stores zu installieren; siehe Abschnitt „App-Stores als Bereitstellungsplattformen“.
- Welche Vor- und Nachteile haben ein Shop-Plugin, ein Cloud-Webshop und die üblichen Zahlungsarten aus Sicht eines Händlers?
Ein Plugin fügt sich in die eigene Website ein und ist individuell anpassbar, verlangt aber eigenes Know-how für den Betrieb; ein Cloud-Webshop ist schnell startklar, skalierbar und wird vom Anbieter gewartet, kostet aber laufende Gebühren und macht abhängig. Rechnung ist beliebt, birgt aber ein Ausfallrisiko; Kreditkarte und Online-Zahlungsdienstleister bestätigen die Zahlung sofort und sind weit verbreitet, kosten aber Gebühren, und beim Dienstleister liegen Kundendaten; siehe Abschnitt „Welche Webshop-Lösung?“ und Abschnitt „Zahlungsarten im Onlinehandel“.
- Welche Erfolgsfaktoren und Vorteile hat ein digitales Geschäftsmodell, und wie beurteilst Du den digitalen Reifegrad eines Unternehmens?
Erfolgsfaktoren sind u. a. die Unterstützung über alle Hierarchieebenen, echter Kundennutzen, Kundenbindung, Datennutzung, einfache Bedienung und skalierbare, sichere IT; Vorteile sind Effizienz, bessere Kundenerfahrung, bessere Entscheidungen, geringere Kosten, Entlastung der Beschäftigten und größere Reichweite. Den Reifegrad beurteilst Du, indem Du die Werte je Kriterium mit einem Maßstab wie dem Branchendurchschnitt vergleichst, Stärken und Schwächen nennst und gewichtest und daraus Handlungsbedarf ableitest; siehe Abschnitt „Erfolgsfaktoren digitaler Geschäftsmodelle“ und Abschnitt „Den digitalen Reifegrad beurteilen“.
Links und weitere Informationen
zum Nachschlagen: Oliver Gassmann, Karolin Frankenberger, Michaela Choudury: Geschäftsmodelle entwickeln. 55+ innovative Konzepte mit dem St. Galler Business Model Navigator, Hanser Verlag
Gesetzestexte: § 312a BGB, § 312k BGB, § 270a BGB
Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)
Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Digitale Geschäftsmodelle und Plattformen” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/digitale-geschaeftsmodelle veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/betriebswirtschaft/unternehmen-markt. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 27.10.2026.
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