Übungsaufgaben zur Vorbereitung eines Projekts

https://bildung.social/@oerinformatik/

https://oer-informatik.de/projekt-vorbereitung-uebungsaufgaben

Projektvorbereitung, Magisches Dreieck, Vision, Mission, Planning Poker, Business Case, Benefit, Realisierungsalternativen, Projektsteckbrief, Lenkungsausschuss, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (ca. 55 min Lese- und Bearbeitungszeit): Sechs Übungsaufgaben zur Vorbereitung eines Projekts: Merkmale von Projekten und das magische Dreieck, Vision, Mission und Strategie im Leitbild eines Berufskollegs, Aussagen zur Aufwandsschätzung mit Planning Poker, Output, Outcome, Benefit und Realisierungsalternativen im Entwurf eines Business-Case für eine Mitfahr-App sowie ein Projektsteckbrief mit Lenkungsausschuss und Projektprodukten. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 29.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Vorbereitung eines Projekts. Weitere Aufgaben zu Projektzielen, Projektrollen und Machbarkeit findest Du in den Übungsaufgaben zur Projektorganisation.

Wortwolke mit den Schlagwörtern der Übungsaufgaben zur Vorbereitung eines Projekts (mit KI erstellt)

Hinweise zur Bearbeitung: Bis zur Teil-1-Prüfung der IT-Berufe solltest Du die Basiskompetenz beherrschen, also Aufgabe 1.1 und Aufgabe 1.2. Als FIA, FIDP, FIDV, IKS oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1, Aufgabe 2.2 und Aufgabe 2.3. Von IKD wird zusätzlich erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1) keine Probleme bereiten. Bei „nennen“ genügen Stichworte, bei „beschreiben“ und „erklären“ schreibst Du ganze Sätze mit Bezug zur Situation. Werden vier Angaben verlangt, werden auch nur die ersten vier bewertet. Schreib Deine Lösung zuerst vollständig auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst; andere sachlich richtige Antworten sind ebenfalls richtig.

Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?

Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.

Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Vorbereitung eines Projekts“.

Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.

Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/projekt-vorbereitung
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/projekt-vorbereitung-uebungsaufgaben

Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Projektvorbereitung
- Magisches Dreieck
- Vision
- Mission
- Planning Poker
- Business Case
- Benefit
- Realisierungsalternativen
- Projektsteckbrief
- Lenkungsausschuss

Kompetenzstufe: Kernkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan

Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
   abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
   zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
   Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
   Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
   Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
   danach frage.

Aufgabe 1.1: Was macht ein Vorhaben zum Projekt? (Basiskompetenz)

Bevor eine Projektidee weiterverfolgt wird, muss geklärt werden, ob es sich überhaupt um ein Projekt handelt und welche Ziele miteinander in Konflikt geraten können.

a) Nenne vier charakteristische Eigenschaften eines Projekts. (4 Punkte)

Je 1 Punkt für eine der folgenden Eigenschaften (höchstens 4 Punkte):

  • zeitlich begrenzt (fester Anfang und fester Endtermin)

  • einzigartig (auch wenn sich manche Projekte ähneln)

  • häufig interdisziplinär, über mehrere Bereiche oder Abteilungen hinweg

  • führt eine Veränderung herbei: Das Projektziel ist ein neuer Soll-Zustand

  • findet in einem unsicheren Umfeld statt und birgt Risiken

b) Nenne die drei Zielkategorien des magischen Dreiecks. (3 Punkte)

Je 1 Punkt: Zeit (Terminziel), Kosten (Kostenziel), Qualität (Sachziel).

c) Erkläre, warum man beim Zusammenspiel dieser drei Zielkategorien von einem „magischen“ Dreieck spricht. (3 Punkte)

Die drei Zielkategorien hängen voneinander ab und konkurrieren miteinander: Verbessert man eine, verschlechtert sich mindestens eine andere. Es lassen sich immer nur zwei zugleich optimieren (2 Punkte). Beispiel: Soll ein Produkt in hoher Qualität sehr schnell fertig werden, müssen viele Personalstunden parallel in das Projekt fließen – es wird teuer. Alle drei Ziele zugleich zu erreichen, gelänge nur mit „Magie“ (1 Punkt für ein passendes Beispiel oder diese Erklärung des Namens).

Aufgabe 1.2: Vision, Mission und Strategie zuordnen (Basiskompetenz)

Das Ratz und Rübe Berufskolleg (RRB) in Bielefeld überarbeitet sein Leitbild. Die Schulleiterin Petra Schulze-Albers hat einen Entwurf mit sechs Sätzen in die Lehrerkonferenz gegeben; die Sätze stehen noch ungeordnet untereinander.

Entwurf für das Leitbild des RRB
Nr. Satz aus dem Entwurf Ebene
1 Bis zum Ende des Schuljahres 2027/28 halbiert sich der Anteil der Auszubildenden, die an Berufsschultagen verspätet ankommen.
2 Wir begleiten junge Menschen wertschätzend und praxisnah in ihren Beruf – gemeinsam mit den Ausbildungsbetrieben der Region.
3 Im Handlungsfeld „Erreichbarkeit“ bauen wir Angebote aus, die den Schulweg aus dem Umland verlässlicher machen.
4 Jede*r junge Mensch in Ostwestfalen-Lippe findet einen Beruf, der Freude macht und eine Zukunft hat.
5 Ab dem 01.02.2027 können Auszubildende über die Web-App „RatzFahrt“ Fahrgemeinschaften zu ihren Berufsschultagen bilden.
6 Im Handlungsfeld „Digitales Lernen“ setzen wir auf eine gemeinsame Lernplattform für alle Bildungsgänge und bilden die Lehrkräfte dafür fort.

a) Ordne jeden Satz einer der Ebenen Vision, Mission, Strategie, strategisches Ziel oder Projektziel zu. (6 Punkte)

Je 1 Punkt:

  • 1 strategisches Ziel: konkret, prüfbar, mit Termin; leitet sich aus der Strategie in Satz 3 ab.

  • 2 Mission: beschreibt wertorientiert, wie die Schule heute auf die Vision hinarbeitet.

  • 3 Strategie: nennt ein Haupthandlungsfeld und einen konkreten Weg, aber noch keinen messbaren Zielwert.

  • 4 Vision: emotionales, abstraktes Zukunftsbild.

  • 5 Projektziel: ein einzelnes Vorhaben mit festem Termin, das zum strategischen Ziel in Satz 1 beiträgt.

  • 6 Strategie: Handlungsfeld mit konkretem Weg (Lernplattform, Fortbildung).

b) Erkläre am Beispiel der Sätze 4 und 2 den Unterschied zwischen Vision und Mission. (2 Punkte)

Die Vision (Satz 4) beschreibt einen erstrebenswerten Zustand in der Zukunft, der emotional anspricht, aber nicht direkt überprüfbar ist (1 Punkt). Die Mission (Satz 2) beschreibt, wie das RRB im Hier und Jetzt und mit welchen Werten (wertschätzend, praxisnah, mit den Betrieben) auf diese Vision hinarbeitet; zusammen bilden beide das Leitbild (1 Punkt).

c) Thomas Becker leitet das Projekt „RatzFahrt“ für die Schule und soll den ersten Entwurf des Business-Case schreiben. Begründe, warum er dafür das Leitbild kennen sollte. (2 Punkte)

Ein Projekt muss zu den Zielen der Organisation beitragen; im Business-Case nennt die Projektbegründung das Ziel, das im Fokus steht, und der Projektnutzen nimmt Bezug auf strategische Ziele (1 Punkt). Kennt Thomas Becker das Leitbild, kann er zeigen, dass „RatzFahrt“ zum strategischen Ziel „weniger Verspätungen“ (Satz 1) und damit zur Strategie „Erreichbarkeit“ beiträgt – das stärkt die geschäftliche Rechtfertigung, und fällt das Ziel weg, muss das Projekt neu bewertet werden (1 Punkt).

Aufgabe 2.1: Aufwände mit Planning Poker schätzen (Kernkompetenz)

Ein Entwicklungsteam will die Aufwände für die Anforderungen seines nächsten Projekts mit Planning Poker schätzen. Im Team kursieren unterschiedliche Vorstellungen davon, was Planning Poker leistet. Wie Planning Poker abläuft und was Story Points ausdrücken, erklärt der Artikel User Stories.

a) Kreuze alle zutreffenden Aussagen zu Planning Poker an. Es können mehrere oder auch keine Aussagen zutreffen. (6 Punkte)

  • 1. Mit Planning Poker kann ich exakte Zeiten bestimmen, die ich für die Umsetzung einer Anforderung benötige.
  • 2. Story Points lassen sich direkt in Stunden oder Tage umrechnen.
  • 3. Nach jeder Pokerrunde legen immer alle Teammitglieder offen, wie sie zu ihrem Punktwert gekommen sind.
  • 4. Bei Planning Poker ist wichtig, dass alle Teammitglieder dieselbe fachliche Erfahrung haben.
  • 5. Story Points sind ein Maß für die Komplexität bzw. den Aufwand einer Aufgabe.
  • 6. Planning Poker eignet sich, um die Aufwände unterschiedlicher Aufgaben relativ zueinander zu schätzen.

Zutreffend sind die Aussagen 5 und 6. Je 1 Punkt für jede richtig angekreuzte bzw. richtig nicht angekreuzte Aussage:

  • 1 trifft nicht zu: Planning Poker liefert Schätzungen, keine exakten Zeiten.

  • 2 trifft nicht zu: Story Points sind eine relative Einheit ohne festen Umrechnungsfaktor in Stunden oder Tage; erst über die Erfahrung mehrerer Iterationen lässt sich abschätzen, wie viele Punkte ein Team in einer bestimmten Zeit schafft.

  • 3 trifft nicht zu: Liegen die Schätzungen auseinander, begründen in der Regel die Personen mit dem höchsten und dem niedrigsten Wert ihre Einschätzung; danach wird erneut geschätzt.

  • 4 trifft nicht zu: Gerade unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel (z. B. Entwicklung, Test, Betrieb) decken übersehene Aufwände auf.

  • 5 trifft zu: Story Points beschreiben Komplexität bzw. Aufwand einer Aufgabe.

  • 6 trifft zu: Aufgaben werden im Vergleich zueinander geschätzt („doppelt so aufwendig wie …“).

Aufgabe 2.2: Output, Outcome und Benefit einer Mitfahr-App (Kernkompetenz)

Viele Auszubildende des Ratz und Rübe Berufskollegs (RRB) in Bielefeld pendeln an ihren Berufsschultagen aus dem Umland; Bus und Bahn sind morgens schlecht getaktet. Die Schülervertretung schlägt deshalb die Mitfahr-App „RatzFahrt“ vor, mit der Auszubildende Fahrgemeinschaften bilden können. Offene Angebote und Gesuche sollen zusätzlich anonym auf Monitoren in den Fluren angezeigt werden. Bevor über das Projekt entschieden wird, soll ein erster Entwurf des Business-Case entstehen.

a) Beschreibe die Begriffe Output, Outcome und Benefit in jeweils einem Satz. (3 Punkte)

Je 1 Punkt:

  • Output: die Gesamtheit der Produkte, die im Projekt entstehen (das Projektprodukt).

  • Outcome: das Ergebnis bzw. die Geschäftsänderung, die durch den Einsatz der Projektprodukte erreicht wird (z. B. geänderte Abläufe, verkürzte Bearbeitungszeit).

  • Benefit: der eigentliche, messbare Nutzen dieser Änderung, der ein strategisches Ziel der Organisation fördert und oft erst lange nach Projektende messbar ist (z. B. Kosteneinsparung, Nachhaltigkeit, Imagegewinn).

b) Nenne für das Projekt „RatzFahrt“ je ein konkretes Beispiel für Output, Outcome und Benefit. (3 Punkte)

Je 1 Punkt für ein passendes Beispiel, etwa:

  • Output: die Web-App „RatzFahrt“ mit der anonymen Anzeige auf den Flurmonitoren (samt Dokumentation).

  • Outcome: Auszubildende verabreden Fahrgemeinschaften über die App, statt einzeln mit dem Auto anzureisen oder auf schlecht getaktete Busse und Bahnen angewiesen zu sein.

  • Benefit: weniger Verspätungen an Berufsschultagen, geringere Fahrtkosten für die Auszubildenden oder weniger CO₂ durch weniger Einzelfahrten – messbar z. B. über die Zahl der vermittelten Fahrten oder der Verspätungen je Monat, aber erst nach einiger Zeit im Betrieb.

Aufgabe 2.3: Realisierungsalternativen im Business-Case (Kernkompetenz)

Für den Business-Case-Entwurf zu „RatzFahrt“ (siehe Aufgabe 2.2) sammelt Thomas Becker, der das Projekt für die Schule leitet, Informationen zu den Realisierungsalternativen:

  • Selbst entwickeln: Das FIA-Projektteam des RRB (u. a. Oksana Melnyk und Jonas Wolff) entwickelt die Web-App im Rahmen der Ausbildung. Die Anmeldung läuft über das Schulkonto, offene Angebote erscheinen anonym auf den vier Flurmonitoren, und die Regeln des RRB (öffentliche Haltepunkte, Einwilligung der Erziehungsberechtigten bei Minderjährigen, höchstens 0,10 € je km) lassen sich direkt umsetzen. Wer die App nach Projektende pflegt, ist noch offen.

  • Vorhandene Mitfahrplattform einkaufen: Ein Anbieter aus Hannover vermietet eine fertige Mitfahrplattform, die bereits mehrere Hochschulen nutzen. Sie ist in vier Wochen einsatzbereit und kostet 1.500 € für die Einrichtung und 90 € je Monat. Angemeldet wird mit einem eigenen Konto beim Anbieter, laut Nutzungsbedingungen erst ab 18 Jahren. Eine Anzeige für Flurmonitore gibt es nur gegen Aufpreis als Zusatzmodul.

  • Nicht durchführen: Fahrgemeinschaften werden weiter privat über Aushänge und Chatgruppen verabredet.

a) Beschreibe für jede der drei Alternativen kurz den Weg, der dann zu gehen wäre. (6 Punkte)

Je Alternative 2 Punkte für einen stimmigen Weg mit mindestens zwei konkreten Schritten, z. B.:

  • Selbst entwickeln („Make“): Anforderungen mit SV, Andrea Wolf und Schul-IT erheben, Projektteam und Zeitplan bis zum Start festlegen, die App iterativ entwickeln und testen, Hosting und Flurmonitore mit der Schul-IT OWL einrichten, Datenschutzprüfung vor dem Start, Betrieb und Pflege nach Projektende regeln (z. B. Übergabe an das nächste Projektteam).

  • Einkaufen („Buy“): Angebot und Nutzungsbedingungen prüfen (Datenschutz, Mindestalter, Kündigungsfristen), ggf. weitere Angebote einholen, Auftragsverarbeitungsvertrag schließen, Zusatzmodul für die Flurmonitore klären, Plattform einrichten lassen, Konten und Regeln des RRB konfigurieren, Nutzende informieren.

  • Nicht durchführen: keine Projektkosten; die SV organisiert Fahrgemeinschaften weiter über Aushänge und Chatgruppen, ggf. mit einer Anleitung, welche Daten dort nicht geteilt werden sollen; nach einiger Zeit (z. B. ein Schuljahr) neu prüfen, ob sich die Lage geändert hat.

b) Nenne je einen Vorteil und einen Nachteil der eingekauften Plattform aus Sicht des RRB. (2 Punkte)

Je 1 Punkt, z. B.:

  • Vorteil: schnell einsatzbereit (vier Wochen) und erprobt, die Pflege übernimmt der Anbieter.

  • Nachteil: Minderjährige Auszubildende dürfen sie nicht nutzen; kein Login über das Schulkonto; laufende Kosten von 1.080 € im Jahr plus Zusatzmodul; Abhängigkeit vom Anbieter.

c) Entscheide Dich für eine Alternative und begründe Deine Wahl mit zwei Argumenten aus der Situation. (3 Punkte)

1 Punkt für eine eindeutige Entscheidung, je 1 Punkt für ein passendes Argument aus der Situation. Beispiel für „Selbst entwickeln“: Viele Auszubildende sind minderjährig und wären von der eingekauften Plattform ausgeschlossen; die Eigenentwicklung kann die Einwilligung der Erziehungsberechtigten, das Schulkonto und die anonyme Monitoranzeige von Anfang an abbilden. Außerdem ist das Projekt Teil der Ausbildung – die Entwicklungsleistung kostet die Schule kaum Geld, die Pflege nach Projektende muss aber geregelt werden.

Eine begründete Entscheidung für „Einkaufen“ (z. B. weil der Starttermin sicher gehalten werden soll und die Pflege dauerhaft gesichert ist, mit der Bedingung, dass der Anbieter Minderjährige zulässt) ist ebenso richtig.

d) Erläutere, warum „das Projekt nicht durchführen“ auch dann im Business-Case stehen sollte, wenn alle das Projekt wollen. (2 Punkte)

Die Alternative ist der Vergleichsmaßstab: Nur wenn Kosten und Risiken der anderen Wege einen Nutzen gegenüber dem bisherigen Zustand bringen, ist das Projekt geschäftlich gerechtfertigt (1 Punkt). Der Business-Case wird über die ganze Projektlaufzeit gepflegt; fällt die Rechtfertigung später weg (z. B. weil der Busverkehr besser getaktet wird), ist „nicht durchführen“ bzw. der Abbruch die richtige Entscheidung (1 Punkt).

Aufgabe 3.1: Einen Projektsteckbrief entwerfen (Profilkompetenz)

Bevor die Schulleitung „RatzFahrt“ freigibt, soll ein Projektsteckbrief entstehen. Thomas Becker gibt Dir dafür seine Notizen:

  • Auslöser: Rund 600 Auszubildende pendeln an ein bis zwei Tagen je Woche aus dem Umland (13–20 km); Bus und Bahn sind morgens schlecht getaktet. Vorschlag der Schülervertretung.
  • Geld: Hosting und Flurmonitore bezahlt das RRB aus dem Schulbudget; Petra Schulze-Albers muss zustimmen.
  • Leitung: Ich leite das Projekt für die Schule; im FIA-Projektteam koordiniert Oksana Melnyk die Arbeit (mit Jonas Wolff und Dir).
  • Technik: Web-App mit Anmeldung über das Schulkonto, vier Flurmonitore im Schulnetz, betreut von Svenja Krämer (Schul-IT OWL).
  • Datenschutz: Andrea Wolf prüft vor dem Start; viele Mitfahrende sind minderjährig.
  • Termin: Start zum 2. Schulhalbjahr am 01.02.2027.
  • Sorgen: Was, wenn kaum jemand Fahrten anbietet? Das örtliche Busunternehmen ist skeptisch.

a) Erläutere, wozu der Projektsteckbrief dient, und nenne seine drei wesentlichen Bestandteile. (3 Punkte)

Der Projektsteckbrief fasst alle Informationen aus der Vorbereitungsphase zusammen, damit der Lenkungsausschuss bzw. die Auftraggeberin entscheiden kann, ob das Projekt gestartet wird (1 Punkt). Bestandteile (je 0,5 Punkte, höchstens 2 Punkte): Business-Case-Entwurf, Projektrollen (z. B. als Organigramm), Projektprodukte mit Verweis auf ihre Beschreibungen; 0,5 Punkte zusätzlich, wenn erkennbar ist, dass der Business-Case der wesentliche Bestandteil ist.

b) Entwirf den Business-Case-Teil des Steckbriefs mit den Feldern Projektname, Projektsponsor, Projektmanager*in, Projektbegründung, Projektnutzen, negative Nebeneffekte, Zeitplan und Risiken. Nutze die Notizen; wo Angaben fehlen, triff eine begründete Annahme und kennzeichne sie. (8 Punkte)

Je Feld 1 Punkt, wenn die Angabe zur Situation passt und dem Zweck des Feldes entspricht:

Business-Case-Teil des Projektsteckbriefs „RatzFahrt“ (Beispiel)
Feld Eintrag (Beispiel)
Projektname RatzFahrt – Mitfahr-App für Berufsschultage
Projektsponsor Ratz und Rübe Berufskolleg, vertreten durch die Schulleiterin Petra Schulze-Albers (trägt die Kosten aus dem Schulbudget und profitiert vom Nutzen)
Projektmanager*in Thomas Becker (Projektleitung für die Schule); Teamkoordination im FIA-Projektteam: Oksana Melnyk
Projektbegründung Rund 600 pendelnde Auszubildende, schlecht getakteter Busverkehr am Morgen, Verspätungen an Berufsschultagen; Vorschlag der SV. Bezug zum Leitbild: Handlungsfeld „Erreichbarkeit“
Projektnutzen weniger Verspätungen, geringere Fahrtkosten für die Auszubildenden, weniger Einzelfahrten und CO₂; messbar z. B. über vermittelte Fahrten je Monat und Verspätungen je Monat – erst nach einigen Monaten Betrieb
negative Nebeneffekte zusätzlicher Betreuungsaufwand für Andrea Wolf (Einwilligungen, Löschung) und die Schul-IT; weniger Fahrgäste im Busverkehr; mehr Bedarf an Parkplätzen an der Schule (Annahme)
Zeitplan Projektstart nach Freigabe im Herbst 2026 (Annahme), Start der App am 01.02.2027; Meilensteine z. B. Anforderungen, Prototyp mit Schulkonto-Anmeldung, Abnahmetest vor dem Start
Risiken zu wenige Fahrer*innen bieten Fahrten an; fehlende Einwilligungen bei Minderjährigen; Datenschutzprüfung verzögert den Start; Pflege nach Projektende ungeklärt

Annahmen müssen gekennzeichnet sein; andere stimmige Einträge sind möglich. Punktabzug, wenn im Projektnutzen nur das Produkt (die App) oder die Geschäftsänderung (Fahrgemeinschaften) statt des messbaren Nutzens steht.

c) Nach PRINCE2 entscheidet ein Lenkungsausschuss über den Start des Projekts. Schlage für „RatzFahrt“ eine Besetzung der drei Rollen im Lenkungsausschuss vor und begründe jede Wahl kurz. (3 Punkte)

Je Rolle 1 Punkt für eine passende Person mit Begründung, z. B.:

  • Unternehmensvertretung: Petra Schulze-Albers – sie verantwortet das Schulbudget und achtet darauf, dass das Projekt den Zielen des RRB dient.

  • Benutzervertretung: eine Vertreterin oder ein Vertreter der SV, z. B. Ben Richter als Fahrer, ggf. zusammen mit Andrea Wolf als künftiger Administratorin – sie benennen die Anforderungen der Nutzenden.

  • Lieferantenvertretung: Svenja Krämer (Schul-IT OWL, liefert Netz, Hosting und Monitore) und Oksana Melnyk für das FIA-Projektteam, das die App entwickelt.

Thomas Becker gehört als Projektleitung nicht selbst in den Lenkungsausschuss, sondern erhält von ihm die Entscheidungstoleranzen.

d) Liste für den Steckbrief vier Projektprodukte auf und kennzeichne das Spezialistenprodukt. (2 Punkte)

1,5 Punkte für vier passende Produkte, 0,5 Punkte für die richtige Kennzeichnung, z. B.: Web-App „RatzFahrt“ mit Flurmonitor-Anzeige (Spezialistenprodukt), Liste der User Stories bzw. Anforderungen, Zeitplan, Datenschutzkonzept mit Einwilligungsformular, Testprotokolle, Betriebshandbuch für die Schul-IT.


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