Übungsaufgaben zur Risikoanalyse im Projekt

https://bildung.social/@oerinformatik/

https://oer-informatik.de/risikoanalyse-uebungsaufgaben

Risikoanalyse, Risikomanagement, Risikomatrix, Risikostrategien, Frühwarnindikator, Restrisiko, FMEA, Betriebsrisiken, Notfallplan, Projektmanagement, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung

tl/dr; (Bearbeitungszeit insgesamt 100 min, mehrere Aufgaben): Drei umfangreiche Übungsaufgaben zur Risikoanalyse: die Ablösung eines alten Bestellprogramms durch ein Händlerportal bei einem Fahrradhersteller mit Risiken aus einem Statusbericht, einer fehlerhaften Risikoliste, der Beurteilung von Gegenmaßnahmen und Risikostrategien sowie die Risikobewertung für ein Barcamp an einem Berufskolleg mit Risikowerten, Risikomatrix, vorbeugenden Maßnahmen und Notfallplänen, Frühwarnindikator, Restrisiko, Chancen und einer kleinen FMEA sowie die Risiken eines neuen Ortungs-Abos für Privatkundschaft mit Projekt- und Betriebsrisiken, Betriebsrisiken der Bausteine eines Technologieschemas, Proof of Concept, Cyberversicherung, Frühwarnindikatoren und Notfallplan. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 29.10.2026)

Diese Übungsaufgaben gehören zum Artikel Risikoanalyse im Projekt.

Hinweise zur Bearbeitung: Als FIA, FIDP oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das sind Aufgabe 2.1 und Aufgabe 2.2. Von IKD wird zusätzlich erwartet, dass ihnen Aufgaben auf Profilkompetenz-Ebene (Aufgabe 3.1) keine Probleme bereiten. Beziehe Deine Antworten immer auf die beschriebene Situation und wiederhole keine vorgegebenen Beispiele. Achte auf die Operatoren: „Nenne“ und „identifiziere“ verlangen eine knappe, aber konkrete Angabe, „beschreibe“ ganze Sätze mit Bezug zur Situation, „erläutere“ zusätzlich eine Begründung oder Auswirkung. Die Beispiellösungen zeigen Beispiele; andere fachlich passende Antworten sind ebenfalls richtig.

Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?

Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.

Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „Risikoanalyse im Projekt“.

Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.

Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/risikoanalyse
- https://oer-informatik.de/projektorganisation
- https://oer-informatik.de/stakeholderanalyse
- https://oer-informatik.de/hochverfuegbarkeit
- https://oer-informatik.de/datensicherung
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/risikoanalyse-uebungsaufgaben

Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- Risikoanalyse
- Risikomanagement
- Risikomatrix
- Risikostrategien
- Frühwarnindikator
- Restrisiko
- FMEA
- Betriebsrisiken
- Notfallplan
- Projektmanagement

Kompetenzstufe: Kernkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan

Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
   abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
   zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
   Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
   Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
   Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
   danach frage.

Aufgabe 2.1: Ein Händlerportal löst das alte Bestellprogramm ab (Kernkompetenz)

(ca. 31 min Bearbeitungszeit)

Du bist Auszubildende*r im IT-Team der CSB-Rad GmbH in Bielefeld (Onlineshop für Fahrräder und Komponenten, Individualfertigung mit Partnerbetrieben). Die 37 Fachhändler, die bei CSB-Rad einkaufen, bestellen bisher mit dem Windows-Programm CSB-Order, das ein früherer Dienstleister 2018 geschrieben hat. Es wird nicht mehr gepflegt und soll zum 31.03.2027 abgeschaltet werden.

Cem Sarıkaya, Geschäftsführer Technik und IT, leitet das Projekt „Händlerportal“:

  • Die Fachhändler bestellen künftig im Browser, sehen den Lieferstatus und laden ihre Rechnungen im ZUGFeRD-Format herunter.

  • Räder mit gleichschließenden Schlössern werden im Portal konfiguriert; die Schließanlagen fragt das Portal über die REST-Schnittstelle der Lipper SchließTec KG ab. Die Schnittstelle erlaubt nur eine begrenzte Zahl von Anfragen je Stunde.

  • Händlerdaten, offene Bestellungen und die Bestellhistorie werden aus CSB-Order übernommen. Die Händlerkonditionen (Rabatte, Rahmenverträge, Zahlungsziele) pflegt die Buchhaltung bisher zum Teil in CSB-Order, zum Teil in einer Tabellenkalkulation.

  • Entwickelt wird im eigenen Haus: Cem Sarıkaya programmiert das Backend, Du und Dein Mit-Azubi Jonas übernehmt Oberfläche und Tests. Natalia Wróbel (Buchhaltung und Controlling) liefert die Konditionen. Katarzyna Nowak vom Radhaus Bielefeld-Süd testet als Pilothändlerin.

  • Zeitplan: Pilotbetrieb mit fünf Händlern ab 01.02.2027, Start für alle Händler am 01.03.2027 – kurz vor der Saison, in der die meisten Räder bestellt werden. Budget: 38.000 €.

Für den Risiko-Workshop am 26.10.2026 sollst Du die Risikoanalyse vorbereiten.

  1. Jonas meint: „Risiko oder Problem – das ist doch dasselbe.“ Erläutere den Unterschied zwischen einem Risiko und einem Problem an je einem Beispiel aus dem Projekt „Händlerportal“. Nenne außerdem die zwei Größen, mit denen ein Risiko üblicherweise bewertet wird. (4 Punkte)
  • Ein Risiko ist ein Ereignis, das eintreten kann, aber nicht sicher eintritt, und das dann die Projektziele (Termin, Kosten, Leistung) gefährdet. Beispiel: Die Händlerkonditionen könnten bei der Datenübernahme unvollständig übernommen werden, sodass Händler falsche Preise sehen. (1 Punkt)

  • Ein Problem ist bereits eingetreten und muss jetzt gelöst werden. Beispiel: Die Tabellenkalkulation mit den Rahmenverträgen ist nicht auffindbar, die Konditionen fehlen seit heute im Testsystem. Ein eingetretenes Risiko wird zum Problem. (1 Punkt)

  • Bewertungsgrößen: Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung (Schadensausmaß, Schadenshöhe). (je 1 Punkt, 2 Punkte)

Andere passende Beispiele sind möglich. Ein Beispiel für ein Problem muss etwas beschreiben, das schon eingetreten ist.

Eine Woche vor dem Workshop hat Cem Sarıkaya dem Team diesen Statusbericht geschickt:

Statusbericht Händlerportal, Stand 19.10.2026

  • Backend: Das Datenmodell steht. Mit der Preislogik habe ich noch nicht angefangen. Jeder Händler hat eigene Rabattregeln, aufgeschrieben ist davon ungefähr die Hälfte. Ich rechne mit 80 Stunden, habe so etwas aber noch nie gebaut.

  • Shop: Von Mitte November bis Anfang Dezember laufen die Rabattaktionen im Onlineshop. In dieser Zeit bin ich fast nur dort gebunden.

  • Schlösser: Die Lipper SchließTec stellt ihre Schnittstelle im ersten Quartal 2027 auf eine neue Version um. Eine Beschreibung der neuen Version gibt es noch nicht. Unser Zugang erlaubt 200 Anfragen je Stunde.

  • Händler: Auf unsere Umfrage zum Portal haben 9 von 37 Händlern geantwortet; drei davon wollen „lieber beim Alten bleiben“.

  • Budget: Ausgegeben sind 9.500 € von 38.000 €; geplant waren bis Ende Oktober 8.000 €.

Die Zeitleiste zeigt die Termine aus der Ausgangssituation und dem Statusbericht nebeneinander:

Zeitleiste des Projekts „Händlerportal“ von Oktober 2026 bis März 2027 mit Altsystem, Schnittstellenumstellung, Rabattaktionen, Pilotbetrieb und Meilensteinen (mit KI erstellt)
  1. Leite aus dem Statusbericht drei Risiken ab, die aus drei verschiedenen Punkten des Berichts stammen. Formuliere jedes Risiko als Satz nach der Kette „Weil …, kann es passieren, dass …, mit der Folge, dass …“ und gib an, welches Projektziel (Termin, Kosten, Leistung bzw. Qualität) betroffen ist. (9 Punkte)

Je Risiko 1 Punkt für eine Ursache aus dem Bericht, 1 Punkt für ein unsicheres Ereignis (das Risiko) und 1 Punkt für eine Auswirkung mit dem betroffenen Projektziel, z. B.:

  • Backend: Weil die Rabattregeln nur zur Hälfte aufgeschrieben sind und Cem noch keine solche Preislogik gebaut hat, kann es passieren, dass die Preislogik deutlich mehr als 80 Stunden braucht, mit der Folge, dass das Backend nicht rechtzeitig zum Pilotbetrieb am 01.02.2027 fertig wird (Termin) und zusätzliche Stunden das Budget belasten (Kosten).

  • Shop: Weil Cem das Backend allein programmiert und in der Aktionszeit fast nur im Shop arbeitet, kann es passieren, dass die Backend-Arbeiten mehrere Wochen ruhen, mit der Folge, dass sich Pilotbetrieb und Start für alle Händler verschieben (Termin).

  • Schlösser: Weil die neue Schnittstellenversion im ersten Quartal 2027 kommt und noch nicht beschrieben ist, kann es passieren, dass sie kurz vor oder nach dem Start am 01.03.2027 erscheint, mit der Folge, dass das Portal unter Zeitdruck angepasst werden muss und gleichschließende Schlösser zeitweise nicht konfiguriert werden können (Leistung, Kosten).

  • Anfragegrenze: Weil der Zugang nur 200 Anfragen je Stunde erlaubt, kann es passieren, dass das Portal zum Saisonstart bei vielen gleichzeitigen Konfigurationen gesperrt wird, mit der Folge, dass Händler zeitweise keine Räder mit Schlössern bestellen können (Leistung bzw. Qualität).

  • Händler: Weil nur wenige Händler auf die Umfrage reagiert haben und einige beim Alten bleiben wollen, kann es passieren, dass das Portal nach dem Start kaum genutzt wird, mit der Folge, dass Bestellungen weiter von Hand erfasst werden und der erwartete Nutzen ausbleibt (Leistung).

  • Budget: Weil bis Ende Oktober schon 1.500 € (rund 19 %) mehr ausgegeben wurden als geplant, kann es passieren, dass die 38.000 € bis zum Start nicht reichen, mit der Folge, dass Funktionen gestrichen oder Mittel nachbewilligt werden müssen (Kosten, Leistung).

Keine Punkte für das Ereignis, wenn nur ein Befund aus dem Bericht wiederholt wird, der schon eingetreten ist (z. B. „Die Preislogik ist noch nicht begonnen“): Das ist die Ursache, nicht das Risiko. Ebenso keine Punkte, wenn Ursache und Auswirkung vertauscht sind.

  1. Jonas hat einen ersten Entwurf für die Risikoliste geschrieben. Drei der vier Einträge enthalten je einen fachlichen Fehler. Identifiziere die drei fehlerhaften Einträge, beschreibe jeweils den Fehler und korrigiere ihn. (6 Punkte)
Entwurf von Jonas für die Risikoliste
Nr. Risiko Ursache Auswirkung Gegenmaßnahme
1 Cem Sarıkaya fällt für mehrere Wochen aus. Das Projekt verzögert sich, weil das Backend nicht fertig wird. Krankheit oder Überlastung durch den Shopbetrieb Wissen im Wiki dokumentieren, Jonas und Du programmiert zeitweise gemeinsam mit Cem (Pair Programming).
2 Die Testumgebung des Portals ist seit dem 14.10.2026 nicht erreichbar. Ein Update des Testservers ist fehlgeschlagen. Die Oberflächentests können nicht beginnen. Server neu aufsetzen
3 Bei der Übernahme der Bestellhistorie gehen Datensätze verloren. CSB-Order speichert die Historie in einem alten, kaum dokumentierten Format. Händler finden alte Bestellungen nicht mehr; Schlösser lassen sich nicht über den Schließungscode nachbestellen. Die Händler werden im Januar im Umgang mit dem Portal geschult.
4 Die ZUGFeRD-Rechnungen werden von der Buchhaltungssoftware einzelner Händler nicht eingelesen. Einige Händler nutzen ältere Softwareversionen. Rückfragen beim Kundenservice, Zahlungen verzögern sich. Testrechnungen mit den Pilothändlern austauschen; übergangsweise zusätzlich eine PDF-Rechnung senden.

Je fehlerhaftem Eintrag 1 Punkt für Erkennen und Beschreiben des Fehlers, 1 Punkt für eine passende Korrektur:

  • Nr. 1: Ursache und Auswirkung sind vertauscht. Korrektur: Ursache „Krankheit oder Überlastung durch den Shopbetrieb, Backend-Wissen liegt nur bei Cem“, Auswirkung „Das Backend wird nicht fertig, das Projekt verzögert sich“.

  • Nr. 2: Das ist kein Risiko, sondern ein Problem – es ist bereits eingetreten. Korrektur: in die Liste offener Punkte bzw. Aufgaben übernehmen und sofort lösen; als Risiko könnte man formulieren „Die Testumgebung könnte zum Pilotstart erneut ausfallen“ mit der Maßnahme „Updates vorher auf einer Kopie testen, Sicherung des Servers vor jedem Update“.

  • Nr. 3: Die Gegenmaßnahme passt nicht zum Risiko; eine Schulung verhindert keinen Datenverlust und begrenzt ihn auch nicht. Korrektur: vor der Übernahme vollständige Sicherung von CSB-Order, Testmigration mit einer Kopie und Abgleich der Datensatzanzahl, CSB-Order bis zum Abschalttermin als Rückfallebene behalten.

  • Nr. 4 ist fachlich in Ordnung.

  1. Für das Risiko, dass die neue Version der Schließanlagen-Schnittstelle erst kurz vor dem Start erscheint, kommen im Workshop drei Vorschläge auf:
  • Vorschlag A (Jonas): „Wir kapseln alle Zugriffe auf die Schnittstelle in einer eigenen Klasse. Bei der Umstellung müssen wir dann nur diese eine Stelle ändern.“

  • Vorschlag B (Natalia Wróbel): „Wir vereinbaren schriftlich mit der Lipper SchließTec, dass die alte Version bis mindestens 30.06.2027 weiterläuft.“

  • Vorschlag C (Katarzyna Nowak): „Startet doch ohne die Schlosskonfiguration. Räder mit gleichschließenden Schlössern bestellen wir Händler bis zum Sommer weiter telefonisch.“

Beurteile die drei Vorschläge: Gib jeweils an, ob der Vorschlag vor allem die Eintrittswahrscheinlichkeit oder die Auswirkung des Risikos senkt, und nenne einen Nachteil. Entscheide anschließend, welche zwei Vorschläge Du Cem Sarıkaya empfiehlst, und begründe Deine Wahl. (7 Punkte)

Je Vorschlag 1 Punkt für die Wirkung und 1 Punkt für einen passenden Nachteil, 1 Punkt für eine begründete Empfehlung:

Beurteilung der drei Vorschläge
Vorschlag senkt vor allem … Nachteil
A: Zugriff kapseln die Auswirkung: Kommt die neue Version, ist die Anpassung kleiner und schneller erledigt. kostet jetzt zusätzliche Entwicklungszeit; hilft wenig, wenn sich die Daten der neuen Version grundlegend ändern
B: Übergangsfrist vereinbaren die Eintrittswahrscheinlichkeit, dass vor dem Start unter Zeitdruck umgestellt werden muss hängt von der Bereitschaft der Lipper SchließTec ab, kann etwas kosten; die Umstellung wird nur verschoben
C: ohne Schlosskonfiguration starten die Eintrittswahrscheinlichkeit zum Start fast auf null (das Risiko wird für den Start vermieden) das Portal startet mit weniger Leistung; telefonische Bestellungen bleiben Handarbeit; die Umstellung kommt im Sommer trotzdem

Empfehlung z. B. A und B: Sie ergänzen sich, weil B die Eintrittswahrscheinlichkeit und A die Auswirkung senkt, und das Portal startet mit vollem Leistungsumfang. C bleibt als Notfallmaßnahme, falls die Lipper SchließTec keine Übergangsfrist zusagt. Andere Paare sind richtig, wenn die Begründung schlüssig ist.

  1. Cem Sarıkaya hat für einige Risiken bereits entschieden, wie damit umgegangen werden soll. Ordne jeder Entscheidung eine der Risikostrategien Vermeiden, Vermindern, Übertragen oder Akzeptieren zu. (4 Punkte)
Entscheidungen zum Umgang mit Risiken
Nr. Entscheidung Risikostrategie
1 Für das Hosting wird ein Vertrag mit zugesicherter Verfügbarkeit von 99,9 % und einer Gutschrift bei Ausfällen abgeschlossen.
2 Auf die geplante Chat-Funktion zwischen Händlern und Kundenservice wird verzichtet; Rückfragen laufen weiter per E-Mail.
3 Vor dem Start wird die Datenübernahme zweimal mit einer Kopie der Altdaten geprobt.
4 Dass einzelne Händler in den ersten Wochen weiter telefonisch bestellen, nimmt CSB-Rad in Kauf; der Kundenservice erfasst diese Bestellungen wie bisher.

Je richtiger Zuordnung 1 Punkt:

  1. Übertragen – die finanziellen Folgen eines Ausfalls trägt teilweise der Hosting-Anbieter.

  2. Vermeiden – durch den Verzicht kann das Risiko einer verspäteten oder fehlerhaften Chat-Funktion nicht mehr eintreten.

  3. Vermindern – die Probeläufe senken die Wahrscheinlichkeit, dass bei der echten Übernahme Daten verloren gehen.

  4. Akzeptieren – das Risiko wird bewusst getragen, weil eine Maßnahme mehr kosten würde als der geringe Mehraufwand.

  1. Ein weiteres Risiko lautet: „Die Händlerkonditionen werden bei der Datenübernahme unvollständig übernommen.“ Unterscheide an diesem Risiko eine vorbeugende Maßnahme von einer Notfallmaßnahme. Beschreibe für das Risiko je eine vorbeugende Maßnahme und eine Notfallmaßnahme. (4 Punkte)
  • Eine vorbeugende Maßnahme setzt an der Ursache an, bevor das Risiko eintritt, und senkt die Eintrittswahrscheinlichkeit. Eine Notfallmaßnahme wird ausgelöst, wenn das Risiko eingetreten ist, und begrenzt den Schaden. (2 Punkte)

  • Vorbeugend: Natalia Wróbel führt die Konditionen vor der Übernahme in einer einzigen, bereinigten Liste zusammen; die Pilothändler prüfen ihre Preise im Pilotbetrieb, bevor alle Händler freigeschaltet werden. (1 Punkt)

  • Notfall: Stellt sich nach dem Start heraus, dass Konditionen fehlen (Auslöser z. B. mehr als drei Händler melden falsche Preise), bleibt CSB-Order bis zum 31.03.2027 als Rückfallebene nutzbar; betroffene Händler bestellen dort weiter, bis die Daten korrigiert sind, und falsch berechnete Rechnungen werden per Gutschrift korrigiert. (1 Punkt)

Aufgabe 2.2: Risiken eines Barcamps bewerten und beherrschen (Kernkompetenz)

(ca. 37 min Bearbeitungszeit)

Du gehörst zum Orga-Team des Barcamps „Lernen.Digital.Leben 2027“ am Ratz und Rübe Berufskolleg (RRB) in Bielefeld. Das Barcamp findet am Samstag, 13.03.2027, von 10 bis 16 Uhr statt: bis zu 400 Teilnehmende, 8 Räume, 5 Session-Slots, Livestream aus Aula und Mensa, Check-in mit QR-Badges, rund 40 Helfende. Das Budget beträgt 6.000 €, davon 1.800 € für Technik-Leihgeräte und 900 € für die Schriftdolmetschung. Projektleiter ist Dimitrios Papadopoulos; das Technikteam der Schüler*innen leitet Emre Aksoy, Netz und Firewall verantwortet Svenja Krämer von der Schul-IT OWL. Die Keynote hält Prof. Dr. Oluwaseun Adeyemi, die gehörlose Referentin Lisa Brandt ist auf Schriftdolmetschung angewiesen.

Am 19.10.2026 lagen 14 Anmeldungen vor. Beim Kick-off am 28.10.2026 soll das Orga-Team die Risiken bewerten.

  1. Dimitrios Papadopoulos möchte, dass beim Kick-off möglichst wenige Risiken übersehen werden. Nenne vier Methoden oder Informationsquellen, mit denen das Orga-Team die Risiken des Barcamps identifizieren kann, jeweils mit einem konkreten Bezug zum Barcamp. (4 Punkte)

Je Methode mit Bezug 1 Punkt, z. B.:

  • Brainstorming bzw. Risiko-Workshop beim Kick-off mit Orga-Team, Technikteam und Schul-IT.

  • Lessons Learned aus früheren Schulveranstaltungen (z. B. Tag der offenen Tür, Abschlussfeiern) – was ist dort schiefgegangen?

  • Befragung von Expert*innen: Svenja Krämer zu Netz und WLAN, Emre Aksoy zur Technik, die Hausmeisterei zu Strom und Gebäuden.

  • Checkliste typischer Veranstaltungsrisiken (Absagen, Wetter, Technik, Erste Hilfe, Aufsicht).

  • Auswertung der Stakeholderanalyse: Befürchtungen, z. B. aus dem Kollegium oder der Referierenden.

  • Durchsicht des Projektplans: Vorgänge auf dem kritischen Pfad (Call for Participation bis 31.01.2027, Sessionplan bis 01.03.2027, Technikaufbau am Vortag).

  1. Das Orga-Team hat sieben Risiken gesammelt und mit Stufen von 1 (sehr gering) bis 5 (sehr hoch) bewertet. Berechne für jedes Risiko den Risikowert R = W \cdot S und ordne es nach folgender Regel einem Bereich zu: rot 15–25, gelb 8–14, grün 1–7. Gib anschließend die Reihenfolge an, in der die Risiken bearbeitet werden. (8 Punkte)
Risikoliste des Barcamps (W: Eintrittswahrscheinlichkeit, S: Auswirkung)
Nr. Risiko W S R Bereich
R1 Der Livestream aus der Aula bricht während der Keynote ab. 3 3
R2 Das Gäste-WLAN ist bei 400 Teilnehmenden überlastet. 4 3
R3 Bis Ende Februar melden sich zu wenige Teilnehmende an. 3 5
R4 Der Keynote-Referent sagt kurzfristig ab. 2 4
R5 Die Schriftdolmetschung fällt aus. 2 5
R6 Am Samstag erscheinen zu wenige Helfende. 4 4
R7 In Gebäude B fällt der Strom aus. 1 5

Je Zeile 1 Punkt für Risikowert und Bereich (7 Punkte), 1 Punkt für die Reihenfolge:

Nr. W S R Bereich
R1 3 3 9 gelb
R2 4 3 12 gelb
R3 3 5 15 rot
R4 2 4 8 gelb
R5 2 5 10 gelb
R6 4 4 16 rot
R7 1 5 5 grün

Reihenfolge nach Risikowert: R6 (16), R3 (15), R2 (12), R5 (10), R1 (9), R4 (8), R7 (5). Wer R5 und R7 wegen der katastrophalen Auswirkung früher einplant und das begründet, erhält den Punkt ebenfalls.

Risikomatrix des Barcamps mit den Risiken R1 bis R7 (mit KI erstellt)
  1. Emre Aksoy sagt: „R7 ist grün. Um den Stromausfall kümmern wir uns gar nicht.“ Nimm Stellung zu dieser Aussage. (4 Punkte)

Der Aussage ist nur teilweise zuzustimmen. (1 Punkt)

  • Richtig ist: Wegen der geringen Eintrittswahrscheinlichkeit lohnen sich teure vorbeugende Maßnahmen (z. B. ein Notstromaggregat) nicht; das Risiko kann bewusst akzeptiert werden. (1 Punkt)

  • Aber: Die Auswirkung ist katastrophal (Stufe 5) – ohne Strom fallen Streaming-Server, Access Points, Check-in und Infomonitore aus, und in Gebäude B liegen Mensa und Serverraum. Der Risikowert verdeckt das, weil er eine sehr kleine Wahrscheinlichkeit mit einem sehr großen Schaden verrechnet. (1 Punkt)

  • Deshalb braucht R7 zumindest einen einfachen Notfallplan: Ansprechperson der Hausmeisterei bzw. Elektrofachkraft am Samstag erreichbar, Sicherungskasten bekannt, Ablauf für die Räumung bzw. die Verlegung der Sessions in Gebäude A und C, Check-in notfalls mit ausgedruckter Teilnehmendenliste. Außerdem wird das Risiko weiter beobachtet. (1 Punkt)

  1. Beschreibe für die drei Risiken mit dem höchsten Risikowert jeweils eine vorbeugende Maßnahme und eine Notfallmaßnahme und gib an, wer aus dem Orga-Team bzw. Umfeld dafür verantwortlich sein sollte. (9 Punkte)
Maßnahmen für die wichtigsten Risiken
Nr. vorbeugende Maßnahme Notfallmaßnahme verantwortlich

Je Risiko 1 Punkt für die vorbeugende Maßnahme, 1 Punkt für die Notfallmaßnahme, 1 Punkt für eine passende verantwortliche Person (Folgefehler aus b) werden berücksichtigt):

Nr. vorbeugende Maßnahme Notfallmaßnahme verantwortlich
R6 Helfende Schichtplan bis Ende Januar mit Zusagen füllen, 10–20 % Reserve einplanen, Helfende eine Woche vorher erinnern, kleines Dankeschön (Verpflegung, Bescheinigung) Springerliste mit Personen auf Abruf; Aufgaben mit geringer Priorität (z. B. Wegeleitung) streichen und Personen zum Check-in umsetzen Dimitrios Papadopoulos (Gesamtleitung) bzw. eine Person für die Schichtplanung
R3 Anmeldungen Werbung über Ausbildungsbetriebe, Kammern, soziale Netzwerke und Klassenlehrkräfte; Sessions früh veröffentlichen; Frühwarnindikator festlegen (siehe e) Bei zu wenigen Anmeldungen Räume zusammenlegen, den Stream stärker bewerben, Anmeldeschluss verlängern; im äußersten Fall Umfang verkleinern Dimitrios Papadopoulos bzw. Schulleitung (Petra Schulze-Albers) für die Werbung über Betriebe
R2 WLAN Lasttest mit vielen Geräten vor dem Barcamp, zusätzliche Leih-Access-Points aus dem Technikbudget, Bandbreite je Gerät im Gäste-VLAN begrenzen Stream und Orga-Netz behalten Vorrang (eigene VLANs), Hinweis auf den Infomonitoren, Downloads großer Dateien sperren; Folien vorab zum Herunterladen anbieten Svenja Krämer (Schul-IT OWL) mit Emre Aksoy
  1. Für R3 soll das Orga-Team rechtzeitig erkennen, ob sich das Risiko anbahnt. Beschreibe einen geeigneten Frühwarnindikator mit Schwellenwert und Prüftermin und erläutere, wozu ein solcher Indikator in der Risikoüberwachung dient. (4 Punkte)
  • Indikator: Zahl der Anmeldungen, wöchentlich in der Orga-Sitzung geprüft. Schwellenwerte z. B.: Liegen am 15.12.2026 weniger als 150 und am 31.01.2027 weniger als 250 Anmeldungen vor, werden die Notfallmaßnahmen gestartet. Mit 14 Anmeldungen am 19.10.2026 ist der Verlauf noch offen. (2 Punkte: Indikator mit Schwellenwert und Termin)

  • Zweck: Ein Frühwarnindikator zeigt, dass ein Risiko wahrscheinlicher wird, bevor es eintritt. So bleibt Zeit, gegenzusteuern, und es ist vorher festgelegt, ab wann gehandelt wird und wer entscheidet. Risiken werden dadurch während des ganzen Projekts überwacht und die Risikoliste wird fortgeschrieben, statt nur einmal beim Kick-off erstellt zu werden. (2 Punkte)

  1. Svenja Krämer leiht zwei zusätzliche Access Points und begrenzt die Bandbreite je Gerät im Gäste-WLAN. Das Orga-Team schätzt, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit von R2 dadurch von Stufe 4 auf Stufe 2 sinkt; die Auswirkung bleibt gleich. Berechne den neuen Risikowert, gib den Bereich an und erläutere, was mit dem Begriff „Restrisiko“ gemeint ist. (3 Punkte)
Geg.: W_nachher = 2, S = 3
Ges.: R_nachher

R = W \cdot S

R_{nachher} = 2 \cdot 3

\underline{\underline{R_{nachher} = 6}}

Der neue Risikowert 6 liegt im grünen Bereich (vorher 12, gelb). (1 Punkt)

Das Restrisiko ist das Risiko, das nach einer Maßnahme übrig bleibt: Auch mit mehr Access Points kann das WLAN überlastet werden, etwa wenn mehr Geräte als erwartet kommen oder ein Access Point ausfällt. Das Team bewertet das Risiko nach der Maßnahme neu und entscheidet, ob das Restrisiko tragbar ist; dabei wird auch berücksichtigt, dass die Maßnahme Geld aus dem Technikbudget kostet. (2 Punkte)

  1. Erläutere, was im Rahmen einer Risikoanalyse unter einer Chance verstanden wird. Nenne eine Chance des Barcamps und beschreibe, wie das Orga-Team sie nutzen kann. (3 Punkte)
  • Eine Chance ist ein unsicheres Ereignis, das sich – wenn es eintritt – positiv auf die Projektziele auswirkt. Sie wird wie ein Risiko identifiziert und bewertet, die Maßnahmen sollen sie aber wahrscheinlicher machen bzw. ihren Nutzen vergrößern (z. B. in einer SWOT-Analyse unter „Opportunities“). (1 Punkt)

  • Beispiel und Nutzung (2 Punkte), z. B.:

    • Ausbildungsbetriebe interessieren sich für das Barcamp → gezielt als Sponsoren oder Aussteller ansprechen, das entlastet das Budget von 6.000 €.

    • Die Aufzeichnungen aus Aula und Mensa können als Lernvideos weitergenutzt werden → Einwilligungen der Referierenden schon beim Einreichen der Session einholen.

    • Mehr Anmeldungen als erwartet → Warteliste und zusätzlichen Raum vorbereiten.

  1. Expertenwissen: Für den Check-in führt Emre Aksoy eine kleine FMEA durch. Bewertet wird jeweils von 1 bis 10 (Bedeutung: 1 = gering, 10 = hoch; Auftreten: 1 = selten, 10 = ständig; Entdeckung: 1 = wird sicher rechtzeitig entdeckt, 10 = wird kaum entdeckt).
FMEA zum Check-in (Auszug)
Fehler Fehlerfolge Fehlerursache Bedeutung Auftreten Entdeckung RPZ
Badge wird nicht gedruckt. Warteschlange am Einlass, Teilnehmende ohne Badge Etikettenrolle im Badge-Drucker ist leer. 5 6 4

ha) Berechne die Risikoprioritätszahl. (1 Punkt)

hb) Beschreibe zwei Maßnahmen, mit denen die RPZ gesenkt werden kann, gib die neuen Werte an und berechne die neue RPZ. (3 Punkte)

hc) Begründe den von Dir gewählten neuen Wert für die Entdeckung. (2 Punkte)

ha) RPZ = B \cdot A \cdot E = 5 \cdot 6 \cdot 4 = \underline{\underline{120}} (1 Punkt)

hb) z. B. (je Maßnahme 1 Punkt, 1 Punkt für die richtige Berechnung):

  • Vor jeder Check-in-Schicht wird an beiden Druckern eine volle Rolle eingelegt, Ersatzrollen liegen am Terminal → Auftreten sinkt von 6 auf 2.

  • Das Check-in-Terminal zeigt ab 30 verbleibenden Etiketten einen Hinweis an → Entdeckung sinkt von 4 auf 1.

  • Die Bedeutung bleibt 5, weil sich an der Fehlerfolge nichts ändert.

RPZ_{neu} = 5 \cdot 2 \cdot 1 = \underline{\underline{10}}

hc) Entdeckung 1, weil der Hinweis am Terminal erscheint, bevor die Rolle leer ist; die Person am Check-in kann die Rolle in einer ruhigen Minute wechseln, ohne dass eine Warteschlange entsteht. Vorher (4) fiel die leere Rolle erst auf, wenn ein Badge nicht herauskam. (2 Punkte; andere Werte mit schlüssiger Begründung sind ebenfalls richtig)

Aufgabe 3.1: Risiken eines neuen Ortungs-Abos für Privatkundschaft (Profilkompetenz)

(ca. 32 min Bearbeitungszeit)

Du arbeitest im Team Digitalisierung der CSB-Rad GmbH in Bielefeld. Bisher bietet CSB-Rad den Ortungsdienst „CSB-Rad Connect“ nur für die zwölf Dienst-Lastenräder des Zweckverbands Radwege OWL an. Ab dem 01.04.2027 soll daraus ein Geschäftsmodell für Privatkund*innen werden: „CSB-Rad Connect Privat“.

  • Kund*innen kaufen ein Set aus dem Tracker RadTrack 868 und einem gleichschließenden Rahmenschloss für 149 €. Eingebaut wird es bei der Inspektion in der Werkstatt in Sennestadt oder bei Fachhändlern wie dem Radhaus Bielefeld-Süd.

  • Der Tracker meldet seine Position alle 15 Minuten über das LoRaWAN-Funknetz eines regionalen Netzbetreibers. Die Ortungs-App kostet im Abo 4,99 € im Monat; abgerechnet wird über einen Zahlungsdienstleister. Wird ein Rad gestohlen, zeigt die App die letzten Positionen und erzeugt einen Bericht für die Polizei.

  • Für den Start wird die vorhandene App erweitert: Registrierung und Abo-Verwaltung für Privatkund*innen, Anbindung des Zahlungsdienstleisters und eine Händleransicht, in der Werkstätten die Tracker beim Einbau aktivieren.

  • Die Plattform läuft auf einem gemieteten Server; Cem Sarıkaya (Geschäftsführer Technik und IT) verantwortet die Technik, Sophie Bertram (Geschäftsführerin Vertrieb und E-Commerce) das Geschäftsmodell.

Technologieschema von „CSB-Rad Connect Privat“: Tracker, LoRaWAN-Funknetz, Plattform auf dem gemieteten Server, Ortungs-App, Händleransicht und Zahlungsdienstleister (mit KI erstellt)

Sophie Bertram möchte der Geschäftsführung vor der Freigabe eine Risikoanalyse vorlegen und bittet Dich, sie vorzubereiten.

  1. Sophie Bertram meint: „Nach dem Start am 01.04. ist das Projekt abgeschlossen – danach brauchen wir keine Risikoliste mehr.“ Erläutere den Unterschied zwischen einem Projektrisiko und einem Risiko des laufenden Betriebs eines Geschäftsmodells. Ordne anschließend die vier Risiken der Tabelle jeweils einer der beiden Arten zu. (4 Punkte)
Risiken von „CSB-Rad Connect Privat“
Nr. Risiko Projektrisiko oder Betriebsrisiko?
1 Die Händleransicht ist zum 01.04.2027 nicht fertig.
2 Der Netzbetreiber baut in einem Stadtteil Funkstationen ab; Tracker dort melden keine Positionen mehr.
3 Nach dem ersten Jahr kündigen mehr Kund*innen ihr Abo, als neue hinzukommen.
4 Die Anbindung des Zahlungsdienstleisters verzögert sich, weil der Testzugang noch fehlt.
  • Ein Projektrisiko gefährdet die Ziele des Projekts – Termin, Kosten und Leistung der App-Erweiterung bis zum Start am 01.04.2027 – und endet mit dem Projektabschluss. Ein Betriebsrisiko gefährdet den laufenden Dienst und damit das Geschäftsmodell: Verfügbarkeit der Ortung, Daten der Kundschaft, Umsatz und Ruf. Es besteht, solange CSB-Rad den Dienst anbietet. Die Risikoliste wird deshalb nach dem Start nicht weggeworfen, sondern die Betriebsrisiken werden im Risiko- und Notfallmanagement des Unternehmens weitergeführt. (2 Punkte)

  • Zuordnung (je 0,5 Punkte): 1 Projektrisiko, 2 Betriebsrisiko, 3 Betriebsrisiko, 4 Projektrisiko.

  1. Der Dienst hängt im laufenden Betrieb an allen Bausteinen des Technologieschemas oben. Wähle drei Komponenten bzw. Dienstleister aus dem Schema und beschreibe je ein Betriebsrisiko mit Ursache, Auswirkung und Gegenmaßnahme. Die drei Risiken sollen aus mindestens zwei verschiedenen Bereichen stammen (z. B. technisch, wirtschaftlich, rechtlich); gib den Bereich jeweils an. (11 Punkte)

Je gewählter Komponente 3 Punkte (je 1 Punkt für Ursache, Auswirkung und Gegenmaßnahme, wenn sie konkret zum Dienst passen und zum benannten Betriebsrisiko der Komponente gehören), dazu 2 Punkte, wenn die drei Risiken aus mindestens zwei verschiedenen Bereichen stammen und der Bereich jeweils stimmig angegeben ist. Beispiele für alle sechs Bausteine:

  • Tracker RadTrack 868 – Tracker fällt aus (technisch). Ursache: Akku leer, Feuchtigkeit oder Erschütterung beschädigen das Gerät, fehlerhafter Einbau. Auswirkung: Die Ortung ist ohne Vorwarnung nicht möglich; Austausch und Reklamationen kosten Geld. Gegenmaßnahme: Akkustand und letzte Meldung überwachen, App und Händler warnen bei niedrigem Akku; Einbauanleitung, Schulung der Händler und Funktionsprüfung nach dem Einbau.

  • LoRaWAN-Funknetz des Netzbetreibers – Tracker meldet keine Position (technisch) oder der Netzbetreiber erhöht die Preise bzw. stellt das Netz ein (wirtschaftlich). Ursache: Das Rad steht in einer Tiefgarage oder einem Fahrradkeller ohne Funkabdeckung, Störung beim Netzbetreiber; Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Auswirkung: Nach einem Diebstahl fehlt die aktuelle Position, Kund*innen sind enttäuscht und kündigen; bei Preiserhöhung Mehrkosten je Rad. Gegenmaßnahme: Tracker speichert Positionen zwischen und sendet sie nach, sobald wieder Empfang besteht; die App zeigt Zeitpunkt und Ort der letzten Meldung; Grenzen der Funkabdeckung in den Produktinformationen offen nennen; Vertrag mit langer Laufzeit und Preisbindung, Alternative mit zweitem Funkstandard prüfen.

  • Plattform auf dem gemieteten Server – Ortungsdaten werden gestohlen oder verschlüsselt (technisch/rechtlich). Ursache: Cyberangriff auf den Server, unsichere Zugangsdaten von Kund*innen. Auswirkung: Bewegungsprofile werden öffentlich, Datenschutzverletzung mit Meldepflicht, der Dienst steht still, Vertrauensverlust. Gegenmaßnahme: Patch-Management, verschlüsselte Speicherung, nur kurze Speicherdauer der Positionen, Datensicherung mit Offline-Kopie, Notfallplan.

  • Ortungs-App – Verstoß gegen den Datenschutz (rechtlich) oder zu wenige Abos (wirtschaftlich). Ursache: Positionen werden dauerhaft gespeichert oder für Werbung ausgewertet, Mitbenutzende des Rads wissen nichts von der Ortung; ein Wettbewerber bietet einen günstigeren Tracker an. Auswirkung: Bußgeld, Abmahnungen, negative Presse; die Fixkosten für Plattform und Support werden nicht gedeckt. Gegenmaßnahme: Zwei-Faktor-Anmeldung, Ortung nur auf Wunsch der Kundschaft, klare Hinweise in App und Vertrag, Datenschutz-Folgenabschätzung; Neuabschlüsse und Kündigungen monatlich auswerten, Preis- und Paketgestaltung anpassen.

  • Händleransicht – Tracker werden nicht oder falsch aktiviert (technisch/organisatorisch). Ursache: Die Werkstätten haben in der Saison wenig Zeit, Mitarbeitende wechseln, die Zugangsdaten sind vergessen. Auswirkung: Kund*innen erhalten Sets, die nicht orten; Reklamationen und Ärger beim Fachhändler. Gegenmaßnahme: Aktivierung per Scan in wenigen Schritten, Prüfung der ersten Positionsmeldung direkt nach dem Einbau, Hilfe-Video und Ansprechperson bei CSB-Rad.

  • Zahlungsdienstleister – Abo-Beiträge werden nicht eingezogen (wirtschaftlich). Ursache: Der Zahlungsdienstleister ändert seine Schnittstelle mit kurzer Vorankündigung oder fällt aus. Auswirkung: Einnahmen fehlen, Natalia Wróbel muss nachträglich abrechnen und mahnen. Gegenmaßnahme: fehlgeschlagene Zahlungen täglich überwachen; im Vertrag eine Ankündigungsfrist für Schnittstellenänderungen vereinbaren.

Handelt es sich um ein Projektrisiko (z. B. „Die Händleransicht wird nicht rechtzeitig fertig“) oder passt die Gegenmaßnahme zu einem anderen Risiko, gibt es für die betroffenen Angaben keine Punkte. Andere fachlich passende Lösungen sind möglich.

  1. Für die Händleransicht hat Sophie Bertram mit Katarzyna Nowak vom Radhaus Bielefeld-Süd gesprochen. Sie hat gesagt: „Meine Werkstatt hat in der Saison schon jetzt kaum Zeit. Eine weitere Software, in der wir uns anmelden müssen, will eigentlich niemand.“ Sophie Bertram will die Händleransicht trotzdem wie geplant bauen und die Fachhändler erst kurz vor dem Start am 01.04.2027 einweisen.

Arbeite aus der Aussage zwei Hindernisse für die Händleransicht heraus. Beurteile anschließend das geplante Vorgehen von Sophie Bertram: Beschreibe das Projektrisiko, das daraus entsteht, und schlage ein anderes Vorgehen vor. (6 Punkte)

Je Hindernis 1 Punkt, 2 Punkte für das Risiko mit Folge, 2 Punkte für ein begründetes anderes Vorgehen, z. B.:

  • Hindernisse: In der Saison haben die Werkstätten kaum Zeit für Einbau und Aktivierung. Die Händler lehnen ein weiteres Konto bzw. eine weitere Software ab, weil sie darin keinen eigenen Nutzen sehen.

  • Beurteilung und Risiko: Das Vorgehen ist riskant. Werden die Händler erst kurz vor dem Start eingewiesen, kann es passieren, dass sie die Händleransicht ablehnen oder Tracker falsch bzw. gar nicht aktivieren. Kund*innen erhalten dann Sets, die nicht orten, und weil ein großer Teil der Sets über Fachhändler verkauft werden soll, wird der geplante Absatz zum Start verfehlt; Nacharbeit an der Händleransicht kurz vor dem Start verzögert das Projekt und kostet zusätzlich.

  • Anderes Vorgehen: Katarzyna Nowak und zwei weitere Händler testen schon jetzt in kurzen Iterationen Entwürfe der Händleransicht. So wird die Aktivierung so einfach wie möglich (z. B. Anmeldung mit dem vorhandenen Händlerzugang statt eines neuen Kontos, Tracker per Scan des Codes auf dem Gerät aktivieren, Ablauf in unter zwei Minuten); eine Einbaupauschale gibt den Händlern einen eigenen Nutzen. Akzeptanzprobleme zeigen sich dann vor der Saison und nicht erst zum Start.

Andere stimmige Lösungen sind möglich, z. B. eine kurze Einweisung beim Händler mit Hilfe-Video außerhalb der Saison.

  1. In der Besprechung kommen zwei Vorschläge auf. Nimm zu beiden Stellung. Gib dabei jeweils an, welcher Risikostrategie der Vorschlag entspricht.

da) Cem Sarıkaya: „Bevor wir die Sets verkaufen, machen wir einen Proof of Concept: 20 Tracker in Fahrrädern von Beschäftigten, vier Wochen lang im ganzen Stadtgebiet – auch in Tiefgaragen und Fahrradkellern.“ (3 Punkte)

db) Natalia Wróbel: „Wir schließen eine Cyberversicherung ab. Damit ist das Risiko eines Hackerangriffs auf die Ortungsdaten erledigt.“ (3 Punkte)

da) Strategie Vermindern (1 Punkt): Der Proof of Concept klärt unter echten Bedingungen, wo die Funkabdeckung nicht reicht, bevor Kund*innen enttäuscht werden. Dass Tracker in Tiefgaragen keine Positionen senden, ist aus dem Dienst für den Zweckverband schon bekannt; der Test zeigt, wie groß das Problem in Bielefeld ist. Die Ergebnisse fließen in die Machbarkeit, die Produktbeschreibung und die Bewertung des Risikos ein (z. B. Hinweis „keine Ortung in geschlossenen Garagen“, Nachsenden der Positionen). Der Test kostet wenig Zeit und Geld im Verhältnis zu Reklamationen und Kündigungen nach dem Start; er muss aber jetzt geplant werden, damit der Starttermin nicht gefährdet ist. Der Vorschlag ist sinnvoll. (2 Punkte)

db) Strategie Übertragen (1 Punkt): Die Versicherung übernimmt nur die finanziellen Folgen, etwa Kosten für Wiederherstellung oder Rechtsberatung. Das Risiko selbst bleibt: Bewegungsprofile der Kundschaft können trotzdem gestohlen werden. CSB-Rad muss die Datenschutzverletzung in der Regel binnen 72 Stunden der Aufsichtsbehörde melden und die Betroffenen informieren; der Vertrauensverlust trifft das Geschäftsmodell direkt. Außerdem verlangen Versicherer meist Mindestmaßnahmen der IT-Sicherheit. Die Versicherung ist deshalb nur eine Ergänzung zu vorbeugenden Maßnahmen (Updates, Zwei-Faktor-Anmeldung, Verschlüsselung) und einem Notfallplan; der Vorschlag allein reicht nicht. (2 Punkte)

  1. Nenne zwei Frühwarnindikatoren mit einem Schwellenwert, an denen CSB-Rad im laufenden Betrieb erkennt, dass sich ein Betriebsrisiko anbahnt. Gib jeweils an, auf welches Risiko der Indikator hinweist. (4 Punkte)

Je Indikator mit Schwellenwert 1 Punkt, je passendem Risiko 1 Punkt, z. B.:

Frühwarnindikatoren für den laufenden Betrieb
Frühwarnindikator mit Schwellenwert weist hin auf …
Mehr als 5 % der aktiven Tracker haben seit 24 Stunden keine Position gemeldet. Störung im Funknetz oder beim Server, Ausfall von Trackern
Mehr als 10 % der Tracker haben einen Akkustand unter 20 %. Ausfall von Trackern, Reklamationen
Mehr als 3 % der Abos werden in einem Monat gekündigt. zu wenige Abos, Geschäftsmodell rechnet sich nicht
Mehr als 2 % der monatlichen Abbuchungen schlagen fehl. Abo-Beiträge werden nicht eingezogen, Einnahmeausfall
Mehr als 20 fehlgeschlagene Anmeldeversuche je Minute an der App. Cyberangriff auf Konten der Kundschaft

Die Schwellenwerte sind Beispiele; entscheidend ist, dass der Wert messbar ist und vor dem Schaden auffällt. Der Verlauf unten zeigt das Prinzip an der Kündigungsquote: Schon der steigende Trend ist ein Anlass, genauer hinzusehen; mit dem Überschreiten des Schwellenwerts beginnen die vorher festgelegten Maßnahmen.

Beispielverlauf der monatlichen Kündigungsquote mit Schwellenwert 3 Prozent, der im November überschritten wird (mit KI erstellt)
  1. Für den Ausfall des Ortungsdienstes soll ein Notfallplan entstehen. Beschreibe vier Angaben, die dieser Notfallplan enthalten sollte, jeweils mit einem Beispiel für „CSB-Rad Connect Privat“. (4 Punkte)

Je Angabe mit passendem Beispiel 1 Punkt, z. B.:

  • Auslöser: Ab wann gilt der Notfall? – z. B. Die App ist länger als 30 Minuten nicht erreichbar oder mehr als die Hälfte der Tracker meldet keine Positionen.

  • Verantwortung und Entscheidung: Wer wird informiert, wer entscheidet? – z. B. Rufbereitschaft der IT, Entscheidung über den Notbetrieb durch Cem Sarıkaya, Vertretung festgelegt.

  • maximale Ausfallzeit: Wie lange darf der Dienst höchstens ausfallen? – z. B. höchstens vier Stunden, weil Kund*innen bei einem Diebstahl schnell eine Position brauchen.

  • Notbetrieb: Wie wird der wichtigste Teil des Dienstes vorläufig aufrechterhalten? – z. B. zweiter Server, auf den umgeschaltet wird; im Diebstahlfall ermittelt der Support die letzte Position aus der Datensicherung und schickt den Bericht per E-Mail.

  • Kommunikation: Wer informiert die Kundschaft und die Fachhändler, auf welchem Weg? – z. B. Statusmeldung in der App und auf der Website, Vorlage für eine E-Mail an die Händler.

  • Wiederanlauf und Nachbereitung: Wie wird der Normalbetrieb hergestellt und geprüft? – z. B. Daten aus der Sicherung zurückspielen, nachgesendete Positionen prüfen, Ursache in der Risikoliste festhalten.


Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)

Dieser Artikel und seine Texte, Bilder, Grafiken, Code und sonstiger Inhalt sind - sofern nicht anders angegeben - lizenziert unter CC BY 4.0. Nennung gemäß TULLU-Regel bitte wie folgt: “Übungsaufgaben zur Risikoanalyse im Projekt” von oer-informatik.de (H. Stein), Lizenz: CC BY 4.0. Der Artikel wurde unter https://oer-informatik.de/risikoanalyse-uebungsaufgaben veröffentlicht, die Quelltexte sind in weiterverarbeitbarer Form verfügbar im Repository unter https://gitlab.com/oer-informatik/projekt/projektmanagement. Erstellt mit KI-Assistenz; von mir umfassend redaktionell überarbeitet, geprüft und freigegeben. Stand: 29.10.2026.

[Kommentare zum Artikel lesen, schreiben] / [Artikel teilen] / [gitlab-Issue zum Artikel schreiben]

Kommentare gerne per Mastodon, Verbesserungsvorschläge per gitlab issue (siehe oben). Beitrag teilen: