Übungsaufgaben zu User Stories
https://bildung.social/@oerinformatik/
https://oer-informatik.de/user-stories-uebungsaufgaben
User Stories, INVEST, Akzeptanzkriterien, Product Backlog, Product Owner, Scrum, Epic, Anwendungsfalldiagramm, Übungsaufgaben, Prüfungsvorbereitung
tl/dr; (ca. 34 min Lese- und Bearbeitungszeit): Eine umfangreiche Übungsaufgabe zu User Stories: einen englischen Fachtext auswerten, den Aufbau und die INVEST-Kriterien erläutern, User Stories aus einem Anwendungsfalldiagramm erstellen, fehlerhafte Stories verbessern, Akzeptanzkriterien formulieren, Aussagen zum Product Backlog prüfen und User Stories mit einem Pflichtenheft vergleichen. Alle Lösungen sind ausgeblendet und mit Punkteverteilung versehen [AI-Assisted]. (Zuletzt geändert am 28.10.2026)
Diese Übungsaufgabe gehört zum Artikel User Stories. Wie Du User Stories aus Anwendungsfällen ableitest, kannst Du zusätzlich in den Übungsaufgaben zum UML-Anwendungsfalldiagramm üben.
Hinweise zur Bearbeitung: Als FIA, FIDP, IKS oder IKD musst Du zur Teil-2-Prüfung Aufgaben auf Kernkompetenz-Ebene lösen können, das ist Aufgabe 2.1. Beantworte die Fragen zum englischen Text auf Deutsch. Schreibe Deine Lösung auf, bevor Du die Beispiellösung aufklappst; bei Formulierungsaufgaben sind andere sinnvolle Lösungen ebenso richtig.
Du möchtest eigene Aufgaben zum Üben von einem KI-Sprachmodell generieren lassen?
Kopiere den Text in ein KI-Sprachmodell Deiner Wahl und passe Kompetenzstufe, Anzahl, Bearbeitungszeit und Szenario bei Bedarf an. Wie die Aufgaben aufgebaut sind, beschreibt der Artikel Wie sind die Aufgaben aufgebaut?. Prüfe die Ergebnisse mit dem Lehrartikel: KI-Sprachmodelle machen Fehler.
Erstelle neue Übungsaufgaben zum Thema „User Stories“.
Bauplan: Halte Dich an Aufbau, Kompetenzstufen, Operatoren,
Anforderungsbereiche, Punkte und Zeitschätzung, die im Artikel
https://oer-informatik.de/aufgaben-aufbau beschrieben sind.
Fachliche Grundlage:
- https://oer-informatik.de/user-stories
- Stilbeispiel: https://oer-informatik.de/user-stories-uebungsaufgaben
Die Aufgaben sollen Inhalte zu diesen Schlagwörtern abdecken:
- User Stories
- INVEST
- Akzeptanzkriterien
- Product Backlog
- Product Owner
- Scrum
- Epic
- Anwendungsfalldiagramm
Kompetenzstufe: Kernkompetenz (alternativ: Basiskompetenz, Profilkompetenz, Expertise)
Anzahl: 1 Aufgabe mit Teilaufgaben
Bearbeitungszeit in Minuten ca.: <5 bis 30 min>
Szenario: eines der Szenarien aus dem Bauplan
Vorgehen:
1. Lies zuerst die verlinkten Artikel. Kannst Du keine Webseiten
abrufen, sag mir das, statt zu raten.
2. Steht bei einer Angabe noch ein Platzhalter in <…>, frag mich
zuerst danach. Richte Punkte und Zahl der Teilaufgaben nach der
Bearbeitungszeit (ca. 0,9 min je Punkt).
3. Gib je Aufgabe Titel mit Kompetenzstufe, Ausgangssituation und
Teilaufgaben mit Operator und Punktzahl aus, dazu die geschätzte
Bearbeitungszeit.
4. Gib die Beispiellösungen mit Punkteverteilung erst aus, wenn ich
danach frage.
Aufgabe 2.1: User Stories für das Händlerportal (Kernkompetenz)
Du bist Auszubildende*r im Entwicklungsteam der CSB-Rad GmbH in Bielefeld. Die 37 Fachhändler bestellen bisher mit dem alten Windows-Programm „CSB-Order“, das am 31.03.2027 abgeschaltet wird. Es wird durch ein Händlerportal im Browser ersetzt. Cem Sarıkaya (Geschäftsführer Technik und IT) leitet das Projekt; Sophie Bertram (Geschäftsführerin Vertrieb und E-Commerce) ist Product Owner. Das Team arbeitet in Sprints von zwei Wochen. Katarzyna Nowak (Radhaus Bielefeld-Süd GmbH) testet das Portal als Pilothändlerin.
Weil auch der niederländische Händler Fietshuis Twente B.V. Wünsche für das Portal einreichen soll, sind die Regeln für das Product Backlog auf Englisch im Repository abgelegt (Auszug):
BACKLOG.md – How we write stories for the dealer portal
Who may write a story? Sophie Bertram is our product owner. She owns the backlog and decides which items are accepted and in which order we build them. Anyone may draft a story: developers, apprentices, our colleagues in sales and accounting, and our pilot dealers. Always write from the point of view of the person who will use the feature, not from the point of view of the system.
Template. Every backlog item is written in one sentence: As a <role>, I want <capability>, so that <benefit>. Do not describe tables, classes or screens in the story itself – we talk about these details when we refine the story.
Ready for a sprint? A story may only enter a sprint if it passes our INVEST check:
- Independent – we can build it without waiting for another story.
- Negotiable
- Valuable – a dealer or CSB-Rad gets something useful out of it.
- Estimable
- Small – the team can finish it within one two-week sprint.
- Testable
Every story needs at least two acceptance criteria in the form Given … When … Then …. A story that is too big for one sprint is called an epic and must be split before planning.
a) Beantworte die folgenden Fragen anhand des Textes.
aa) Nenne, wer laut Text eine User Story entwerfen darf und wer entscheidet, ob sie in das Backlog aufgenommen wird. (2 Punkte)
Entwerfen darf jede*r Beteiligte, zum Beispiel Entwickler*innen, Auszubildende, Kolleg*innen aus Vertrieb und Buchhaltung oder die Pilothändler*innen. (1 Punkt; eine Nennung genügt)
Über die Aufnahme ins Backlog und die Reihenfolge entscheidet der Product Owner, hier Sophie Bertram. (1 Punkt)
ab) Erläutere den Aufbau einer User Story nach der Vorlage im Text. Verwende ein eigenes Beispiel aus dem Händlerportal. (3 Punkte)
Eine User Story besteht aus einem Satz mit drei Teilen (je 1 Punkt, Beispiel kann in die Erläuterung eingebaut sein):
Rolle („Als …“): Zuerst wird die Nutzergruppe genannt, aus deren Sicht die Anforderung beschrieben wird, z. B. „Als Fachhändlerin …“.
Funktion („möchte ich …“): Dann folgt, was diese Person mit dem System tun oder erreichen möchte, z. B. „… möchte ich den Lieferstatus meiner Bestellungen sehen, …“.
Nutzen („damit …“): Zum Schluss steht, welchen Mehrwert oder welches Ziel die Person damit erreicht, z. B. „… damit ich meiner Kundschaft einen verlässlichen Abholtermin nennen kann.“
ac) Im Text sind nur drei der sechs INVEST-Kriterien erklärt. Erläutere die Kriterien „Negotiable“, „Estimable“ und „Testable“. (6 Punkte)
Je Kriterium 2 Punkte (1 Punkt Bedeutung, 1 Punkt Erläuterung bzw. Beispiel):
Negotiable (verhandelbar): Eine Story ist kein fest vereinbarter Vertrag. Die Details (z. B. wie genau die Lieferstatus-Anzeige aussieht) werden im Gespräch zwischen Product Owner, Team und Händler*innen geklärt und dürfen sich bis zur Umsetzung ändern.
Estimable (schätzbar): Das Team muss den Aufwand der Story abschätzen können. Dazu muss sie verständlich und konkret genug sein; ist sie zu vage oder zu groß, muss sie zuerst geklärt oder geteilt werden.
Testable (testbar): Es muss eindeutig überprüfbar sein, ob die Story erfüllt ist. Das gelingt über Akzeptanzkriterien, aus denen sich Testfälle ableiten lassen; vage Wörter wie „schnell“ oder „einfach“ sind nicht testbar.
b) Dein Mit-Azubi Jonas hat für das Händlerportal das folgende Anwendungsfalldiagramm gezeichnet. User Stories dazu gibt es noch nicht.
Erstelle für die Anwendungsfälle „Artikel bestellen“ und „Retoure anmelden“ jeweils eine User Story nach der Vorlage aus dem Text (auf Deutsch). Berücksichtige dabei die «include»- und «extend»-Beziehungen. (6 Punkte)
Zum Beispiel:
Artikel bestellen: „Als Fachhändler*in möchte ich Artikel im Händlerportal bestellen, damit ich mein Geschäft rechtzeitig mit Ware versorgen kann. Dabei werden immer meine Händlerkonditionen angewendet. Falls ich ein Schloss passend zu einer vorhandenen Schließanlage bestelle, möchte ich den Schließungscode angeben, damit das neue Schloss mit den vorhandenen Schlüsseln geöffnet werden kann.“
Retoure anmelden: „Als Fachhändler*in möchte ich eine Retoure im Portal anmelden, damit ich defekte oder falsch gelieferte Ware ohne Telefonate zurückschicken kann. Dabei erhalte ich immer ein Rücksendeetikett zum Ausdrucken.“
Punkteverteilung: je Story 1 Punkt für Rolle und Funktion, 1 Punkt für einen sinnvollen Nutzen (nicht nur „damit es funktioniert“), 1 Punkt für die korrekt eingearbeitete Beziehung. Bei „Artikel bestellen“ muss das «include» (Konditionen immer) und das «extend» (Schließungscode nur unter der Bedingung) erkennbar sein; fehlt eines davon, gibt es den Punkt nicht. Die Erweiterung darf auch als eigene, zweite Story formuliert werden.
c) Jonas hat außerdem drei Stories für das Backlog entworfen. Sophie Bertram lehnt alle drei ab:
„Als System möchte ich jede Nacht die Händlerkonditionen aus der Tabellenkalkulation der Buchhaltung importieren.“
„Als Fachhändlerin möchte ich im Portal bestellen, Rechnungen herunterladen, Retouren anmelden und meine Jahresumsätze auswerten, damit ich CSB-Order nicht mehr brauche.“
„Als Fachhändler möchte ich, dass das Portal schnell ist, damit ich zufrieden bin.“
Prüfe jede Story: Benenne, welche Regel aus dem Text bzw. welches INVEST-Kriterium verletzt ist, und formuliere eine verbesserte Fassung. (9 Punkte)
Je Story 3 Punkte: 1 Punkt für den erkannten Mangel, 1 Punkt für die Begründung, 1 Punkt für eine verbesserte Story.
Mangel: Als Rolle steht „das System“, nicht eine Nutzergruppe; der Nutzen fehlt, und beschrieben ist eine technische Lösung (nächtlicher Import aus einer Tabellenkalkulation). Damit ist nicht erkennbar, wem die Story nützt (Valuable), und die Regel „aus Sicht der nutzenden Person“ ist verletzt. Besser: „Als Fachhändler*in möchte ich im Portal immer meine aktuell gültigen Konditionen sehen, damit ich meine Verkaufspreise verlässlich kalkulieren kann.“ (Wie die Daten ins Portal kommen, klärt das Team im Refinement.)
Mangel: Die Story enthält vier Funktionen und ist viel zu groß für einen Sprint (Small), damit auch kaum schätzbar (Estimable). Sie ist ein Epic und muss geteilt werden. Besser: in einzelne, voneinander unabhängige Stories schneiden (Independent), z. B. „Als Fachhändlerin möchte ich meine Rechnungen als Datei herunterladen, damit ich sie in meine Buchhaltung übernehmen kann.“ – weitere Stories für Bestellen, Retouren und die Umsatzauswertung.
Mangel: „schnell“ und „zufrieden“ sind nicht messbar, die Story ist nicht Testable; außerdem beschreibt sie eine nichtfunktionale Anforderung ohne konkrete Funktion und einen leeren Nutzen. Besser: an eine Funktion binden und messbar machen, z. B. „Als Fachhändler möchte ich in der Artikelsuche schnell Treffer erhalten, damit ich auch während eines Kundengesprächs nachsehen kann, ob ein Teil lieferbar ist.“ mit dem Akzeptanzkriterium „Die Trefferliste erscheint bei 95 % der Suchanfragen in höchstens 2 Sekunden.“ Alternativ als übergreifende Vorgabe in die Definition of Done aufnehmen.
d) Für die Erweiterung „Schließungscode angeben“ gibt es schon diese Story:
„Als Fachhändler*in möchte ich beim Bestellen eines Schlosses den Schließungscode einer vorhandenen Schließanlage angeben, damit das neue Schloss zu den Schlüsseln meiner Kundschaft passt.“
Erstelle zwei Akzeptanzkriterien im Format Given – When – Then (Angenommen – Wenn – Dann). Eines davon soll berücksichtigen, dass Schließungscodes vertraulich sind. (4 Punkte)
Je Kriterium 2 Punkte (1 Punkt vollständiges Format mit Ausgangslage, Aktion und Ergebnis, 1 Punkt prüfbarer, passender Inhalt). Zum Beispiel:
| Fall | Angenommen … | wenn … | dann … |
|---|---|---|---|
| Normalfall | ich lege ein gleichschließendes Bügelschloss in den Warenkorb und gebe einen gültigen Schließungscode ein, | ich die Bestellung abschicke, | wird das Schloss dieser Schließanlage zugeordnet, und die Bestellbestätigung nennt die Schließanlage. |
| Fehlerfall | ich gebe einen Schließungscode ein, den es nicht gibt, | ich die Bestellung abschicken will, | erhalte ich den Hinweis „Schließungscode unbekannt“, und die Bestellung wird nicht abgeschlossen. |
| Vertraulichkeit | ich habe ein Schloss mit Schließungscode bestellt, | ich die Bestellbestätigung per E-Mail erhalte, | ist der Schließungscode darin höchstens teilweise (z. B. VS-****M9) und nie vollständig im Klartext enthalten. |
e) Katarzyna Nowak fragt beim Pilottreffen, warum es für das Portal kein ausführliches Pflichtenheft gibt.
ea) Jonas erklärt ihr daraufhin, wie das Team mit dem Product Backlog arbeitet. Du hast seine Aussagen mitgeschrieben:
„Das Backlog haben wir beim Projektstart vollständig aufgeschrieben. Danach ändern wir daran nichts mehr, sonst könnten wir nicht planen.“
„Ganz oben stehen die Stories, die wir als Nächstes umsetzen. Die sind schon klein und geschätzt; weiter unten ist vieles noch grob.“
„Sie haben den Wunsch nach einer Sammelbestellung für Ersatzteile eingereicht, also dürfen Sie ihn auch selbst an die erste Stelle setzen.“
„Fehlerbehebungen aus dem Pilotbetrieb kommen nicht ins Backlog. Dort stehen nur neue Funktionen als User Stories.“
Beurteile jede Aussage als zutreffend oder nicht zutreffend. Berichtige die nicht zutreffenden Aussagen mit einer kurzen Begründung. (4 Punkte)
Je Aussage 1 Punkt (richtiges Urteil mit stimmiger Begründung bzw. Berichtigung):
Nicht zutreffend. Das Product Backlog ist eine dynamische Liste und nie „fertig“: Neue Wünsche kommen jederzeit hinzu, überholte Stories werden gestrichen, und die Reihenfolge wird angepasst. Geplant wird jeweils nur der nächste Sprint.
Zutreffend. Oben stehen kleine, verstandene und geschätzte Stories; aus ihnen wählt das Team im Sprint Planning die Arbeit für den nächsten Sprint. Weiter unten dürfen Einträge noch grob sein, etwa Epics.
Nicht zutreffend. Wünsche einbringen darf jede*r Beteiligte, die Reihenfolge legt aber allein der Product Owner fest, hier Sophie Bertram. Frau Nowak kann ihr den Nutzen der Sammelbestellung erläutern, damit sie die Story passend einordnet.
Nicht zutreffend. Ins Product Backlog gehört alles, was am Produkt noch zu tun ist, also auch Fehlerbehebungen und technische Arbeiten. User Stories sind nur die häufigste Form der Einträge; Scrum schreibt keine bestimmte Form vor.
eb) Begründe, warum User Stories im Projekt „Händlerportal“ besser geeignet sind als ein vorab vollständig ausgearbeitetes Pflichtenheft, und nenne eine Grenze dieses Vorgehens. (3 Punkte)
Begründung (2 Punkte, je sinnvoller Grund 1 Punkt), zum Beispiel:
Die Anforderungen der Händler*innen sind noch nicht vollständig bekannt und ändern sich durch die Rückmeldungen aus dem Pilotbetrieb; Stories lassen sich alle zwei Wochen neu priorisieren.
Die Pilothändler*innen sehen nach jedem Sprint ein nutzbares Zwischenergebnis und können früh Rückmeldung geben, statt erst am Ende ein fertiges Produkt abzunehmen.
Bis zur Abschaltung von CSB-Order am 31.03.2027 können die wichtigsten Funktionen zuerst umgesetzt werden.
Grenze (1 Punkt), zum Beispiel: Ohne Gesamtdokument fehlt leicht der Überblick über alle Anforderungen; bei einem Festpreis- oder Ausschreibungsverfahren oder bei verbindlichen Vorgaben (z. B. Datenschutz, E-Rechnung) braucht es trotzdem schriftlich festgelegte, vollständige Anforderungen.
Punkte gesamt: aa 2 + ab 3 + ac 6 + b 6 + c 9 + d 4 + ea 4 + eb 3 = 37 Punkte
Links und weitere Informationen
zum Nachlesen: User Stories: Anforderungen aus Sicht der Nutzenden formulieren
zum Weiterüben: Übungsaufgaben zum UML-Anwendungsfalldiagramm
als Primärquelle zu Scrum: Der Scrum Guide (deutsche Fassung, 2020)
Hinweis zur Nachnutzung als Open Educational Resource (OER)
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