What’s importaint? Leistungsbewertungsideen für das kommende Halbjahr
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https://oer-informatik.de/leistungsbewertung
tl/dr; (ca. 5 min Lesezeit): Leistungsbewertungsideen für das kommende Halbjahr: Spickzettel als Teil der Klassenarbeitsbewertung, Nachholplaner zur Notenverbesserung, Quartalsnotenmitteilung nach Selbsteinschätzung mit festgelegten Matrizen: so plane ich, im kommenden Halbjahr zu bewerten. (Zuletzt geändert am 08.02.2026)
Das Aus welchen Teilbewertungen setzt sich die Note zusammen?
Zeugnisnoten sollen “in der Regel gleichgewichtig aus dem Beurteilungsbereich „schriftliche Arbeiten“ und dem Beurteilungsbereich „sonstige Leistungen“” gebildet werden"1. In der Regel wird dieser Satz so interpretiert, dass die Klassenarbeiten 50% zur Gesamtnote beitragen (so handhabe auch ich das). Ich versuche der Klassenarbeit vier weitere Teilleistungen zur Seite zu stellen - das klappt aber häufig nicht. Theoretisch wäre die Halbjahresnotenaufteilung dann die folgende:

Schriftliche Arbeiten aka Klassenarbeiten: Vor- und Nachbereitung als Bestandteil der Bewertung
Klassenarbeiten sollen zu den Prüfungsbedingungen der Abschlussprüfungen hinführen. Sie sollen also in Form und Vorbereitung dazu dienen, dass sich die Auszubildenden möglichst gut auf ihren Abschluss vorbereiten und sie diesen möglichst gut bestehen.
Ich leite daraus ab, dass auch die Vor- und Nachbereitung einer Klassenarbeit in die Leistungsbewertung mit einfließen kann. Allein: wie setze ich das ganze um? Meine bisherige Strategie war es, dass sich die Schüler*innen sich einen Teil der Punkte für die Vorbereitung selbst geben konnten: Für hinreichendes und zeiteffizientes Lernen konnten Sie sich jeweils 0, 0.5 oder 1 Punkt geben. Eine Geste, mehr nicht.
Dieses Halbjahr will ich einen Schritt weiter gehen: wer sich gut vorbereitet soll sich damit bis zu zehn Prozent der Punkte erarbeiten können.
Einbezug der Vorbereitung: Die Sache mit den Spickzetteln
Im Berufskolleg neigen Auszubildende dazu, sich wenig bis gar nicht auf Prüfungen vorzubereiten, außerdem ist es in meinen Fächern (Informatik/Elektrotechnik) nicht mehr selbstverständlich, dass Auszubildende sich Notizen bzw. Lernzettel machen. Daher werde ich in diesem Jahr die Vorbereitung auf die Klassenarbeit mit bis zu 10% in die Klassenarbeitsnote einfließen lassen:
Die Klassenarbeit besteht aus zwei Teilen: einem Reproduktionsteil und einem Anwendungsteil. Im Reproduktionsteil wird einfaches aber grundlegendes Wissen abgefragt. Hierbei sind keine Hilfsmittel erlaubt. Der Teil wird etwa 20min dauern.
Für den Anwendungsteil dürfen sich Schüler*innen ein doppelseitiges DIN-A4-Blatt selbst handschriftlich fertigen (sonst ist es nur ein Prompt oder Copy/Paste). Dieses Cheat-Sheet sammle ich vor dem ersten Teil der Klassenarbeit ein, bewerte es in Form und Inhalt mit 0-5 Prozentpunkten (siehe Matrix unten).
Für den zweiten Teil der Klassenarbeit dürften die Schüler*innen ihr Cheat-Sheet benutzen (ich teile es auf Wunsch wieder aus). Sie dürfen aber auch darauf verzichten (weil sie so gut vorbereitet sind, dass sie die Inhalte nicht benötigen). Dann erhalten sie die Prozentpunkte des Cheat-Sheets doppelt gutgeschrieben (können also 105% erreichen, mehr als die beste Note).

Natürlich muss vorher transparent besprochen werden, was “Teilbereiche” und erwartete “Details” sind - ebenso muss klar sein, welches Wissen im Reproduktionsteil der Klassenarbeit relevant ist. Ob das gelingt? Wir wollen es hoffen.
Einbezug der Nachbereitung: Was tun, wenn jemand sich verbessern will?
Deutlich schwieriger ist der Einbezug der Nachbereitung. Am liebsten würde ich ja Schüler*innen, die sich ordentlich über ihre Klassenarbeitsleistung ärgern und dann Gas geben, einfach eine zweite Chance geben - und die Klassenarbeit nochmal schreiben lassen. Und wenn so etwas in einer Klasse in der Breite erkennbar ist, macht man das ja schon mal.
Also gehe ich einen anderen Weg: wer strukturiert und reflektiert die Klassenarbeit Vor- oder Nachbereitet, kann den eigenen Lernplaner abgeben. Dieser fließt allerdings nicht in die Klassenarbeitsnote, sondern in die sonstigen Leistungen als zusätzliche Leistung ein. Auch hier gilt: es muss handschriftlich ausgefüllt werden, eine Vorlage stelle ich allen zur Verfügung. Die Abgabe muss vor der Klassenarbeit (Vorbereitung) oder zwei Wochen nach Rückgabe der Klassenarbeit (Nachbereitung) erfolgen.
Wie sieht das ganze dann insgesamt aus? Es ist etwas komplizierter in der Berechnung geworden: 89% der Gesamtpunkte werden über die jeweiligen Aufgaben rein fachlich vergeben, 11% gehen anderweitig in die Bewertung ein und bis zu 5% bekommt man für einen sehr guten nicht genutzten Spickzettel on Top:

Sonstige Leistungen / mündliche Mitarbeit: Die Sache mit dem Würfeln
Bei der mündliche Mitarbeit geht die Schere zwischen Wunsch und Wirklichkeit oft weit auseinander. Damit beide Seiten ein klares Bild davon haben, welche Leistungen für welche Bewertung erforderlich ist (und am Ende so auch die Stellschrauben zur Verbesserung kennen) möchte ich zum Ende des jeweiligen Quartals eine kurze Rückmeldung von den Schüler*innen haben, bestehend aus:
- Ist-Zustand: Einer Einordnung der eigenen mündlichen Mitarbeit in verschiedenen Kategorien
- Ist-Zustand: Bewertung der Qualität und Quantität der eigenen Beiträge
- Strategieplanung / SWOT-Analyse: welche internen und externen Faktoren begünstigen und behindern den Lernerfolg? Wie kann ich sie strategisch gut einsetzen?
- Zieldefinition: Welches Ziel strebe ich am Ende des Halbjahres an? (Note oder S.M.A.R.T.)
Eine Note Bilde ich je zu einem Drittel aus meinen Werten für die ersten beiden Punkte und der Qualität der Rückmeldungen der Schüler*innen aus allen vier Punkten ihrer Ausfertigung.
Im Detail sieht das Ganze so aus:
(1) Eigeneinschätzung der mündlichen Mitarbeit in verschiedenen Kategorien
Diese Tabelle möchte ich einmal im Quartal von den Schüler*innen ausgefüllt vorliegen haben. Ich tausche sie dann gegen die ebenso von mir ausgefüllte Tabelle - treten große Abweichungen zu Tage, gilt es, diese einzuordnen.
| Kategorie | sehr häufig | häufig | gelegentlich | selten | nur nach Aufforderung | nie |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Ich beteilige mich aktiv durch Meldung am Unterricht. Wenn ich etwas nicht verstehe, melde ich mich ebenfalls, um Hilfe einzufordern. | ||||||
| Ich erledige geforderte Aufgaben fristgerecht (Übungen, Lese-, Arbeits- und Rechercheaufträge) und stelle diese im Unterricht vor. | ||||||
| Ich halte mich an die für gemeinsames konzentriertes Arbeiten notwendigen Gesprächsregeln. | ||||||
| In Arbeitsphasen mit (Einzel- / Partner- und Kleingruppen) arbeite ich konzentriert an der Sache. | ||||||
| Ich gehe mit meinen Beiträge auf die anderen ein, ergänze, verbessere oder bestärke sie in Teamarbeiten bzw. lasse mir helfen. | ||||||
| Ich lege Wert darauf, dass meine Beiträge den Unterricht konstruktiv voranbringen. | ||||||
| Ich bereichere durch Kreativität, Ideen, Meinungen und Vorschläge den Unterricht. |
(2) Bewertung der Qualität und Quantität der eigenen Beiträge

(3) SWOT-Analyse: welche internen und externen Faktoren begünstigen und behindern den Lernerfolg
Schritt 1: welche Faktoren begünstigen und verhindern den Lernerfolg? Eine Einordnung in Größen, die man beeinflussen kann (intern) und solchen, auf die man keinen Einfluß hat, hilft dabei, Maßnahmen zu identifizieren.

Schritt 2: Welche Strategien ergeben sich aus der SWOT-Analyse? Wenn die oben identifizierte Stärken und Schwächen in die Matrix unten eingetragen wurden, finden sich ggf. Maßnahmen, wie sie zur Verstärkung oder Minimierung von Chancen oder Risiken (ebenfalls von oben übernehmen) genutzt werden können:

(4) Zieldefinition: Welches Ziel strebe ich am Ende des Halbjahres an?
Im Einfachsten Fall kann dies eine Note sein (mit Dezimalstelle,sonst halte ich das für zu grob). Im besten Fall ist dies ein Satz, der als smartes Ziel formuliert wird:
| Specific | Measurable | Achievable | Reasonable | Time-bound |
|---|---|---|---|---|
| Ziel ist eindeutig, nicht zu allgemein |
Zielerreichung muss leicht nachweisbar sein | erstrebenswert, attraktiv | angemessen, möglich, realistisch | zu einem bestimmten Datum erreicht |
Sonstige Leistungen / weitere Teilleistungen
Idealerweise gibt es zwei weitere Bewertungsanlässe (tatsächlich schaffe ich häufig eher einen) - das ist aber eher Schema F: - kurze Tests mit Moodle o.ä. - kurze schriftliche Übungen, - Speed-Programming, - Berichte, - Fachgespräche, - Protokolle, - praktische Leistungen, - Referate…
Und was sagt die Praxis?
Nicht alle Ideen, die ich mal ein Halbjahr lang ausprobiert habe, haben sich bewährt. Ich bin gespannt, wieviel davon sich realistisch und dauerhaft umsetzen lässt. Ich hoffe, ich werde in einem halben Jahr daran denken, an dieser Stelle ein Fazit zu ziehen, bis hierhin bleibt alles nur Theorie…
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So will es in meinem Fall (Berufsschule, Duale Ausbildung, NRW) die APO-BK NRW https://bass.schule.nrw/3129.htm#13-33nr1.1p8↩
